Samstag, 30. Dezember 2017

Sara + Gina = BFFūüíďūüíďūüíď

Die deutsche Sprache kennt 32 W√∂rter f√ľr Regen. Mindestens 16 von diesen lie√üen sich an diesem Brandenburger Sp√§tabend anwenden. Ein Zug soll kommen, in ihm Ms Fluffy. Sie kommt mit der S-Bahn aus Berlin, sprintet dann in Hennigsdorf einmal den Bahnsteig entlang zur Regionalbahn Neuruppin und dann nach Kremmen.

Ein Bahnhof. Ein Bahnsteig. Zwei Gleise. Eines davon endet hier. Ein gro√üer Parkplatz f√ľr den Pendelverkehr nach Berlin. Pionierfauna neben dem Funkmast. Ein Funkmast, ein √úberbleibsel von DDR-Truppen? Das Bahnhofsgeb√§ude ist als solches nicht mehr in Betrieb. Vor einigen Jahren hingen hier neue Schilder mit dem Hinweis auf einen Kiosk. Vom Kiosk selber war nie etwas zu sehen. Die Schilder verschwanden mittlerweile auch wieder.



Auf der anderen Seite der Gleise: Geb√ľsch, Wald, Pflanzenger√ľmpel. Vielleicht fliegt einmal ein Rotmilan vorbei.

Montag, 25. Dezember 2017

Wir wir dreimal in Nazareth durch den Kreisverkehr fuhren und den auf Knien rutschenden Indern folgten, um den wahren Grund zu erfahren, warum die Innerdeutsche Mauer fiel

Dieses kleine Land Israel: halb so gro√ü wie Niedersachsen. In Israel leben √§hnlich viele Menschen  wie zwischen Nordsee und Harz. W√§hrend es aber anscheinend selbst den Oldenburgern, Emsl√§ndern, Heidjern und Hann.M√ľndenern schwerf√§llt, Begeisterung und Interesse am eigenen Land zu entfalten, fiebert die halbe Weltgemeinschaft mit, um und gegen Israel.

Das Land zwischen Galil√§a und Negev, See Genezareth und Eilat l√§sst die Menschen nicht ruhen. Das Land, das in vielerlei Hinsicht so wirkt, als w√§re es jenseits von Raum und Zeit und das doch gleichzeitig so gegenw√§rtig, erdgebunden und im hier und jetzt pr√§sent ist. Das Land, in dem sich mit der Grabeskirche der heiligste Ort der Christenheit befindet – und dieser wiederum ber√ľhmt ist durch eine Holzleiter, die aus politischen Gr√ľnden seit √ľber 100 Jahren nicht von der Stelle ger√ľckt werden kann. Aber christliche Pilger m√ľssen sich im Land nicht nur mit der Grabeskirche begn√ľgen.




Madame und ich sitzen im kleinen Miet-Toyota irgendwo in den Bergen Galil√§as. Feierabendverkehrsstau. Pick-Up-Trucks um uns herum, japanische Gro√ü- und Kleinwagen. Von rechts m√ľndet eine Stra√üe in die unsere, was fast obligatorisch Hupen, Blinken und Gestikulieren hervorruft. Im R√ľckspiegel kann ich Mutter und Teen-Tochter im Kopftuch beobachten, die gerade wild zu einer mir unh√∂rbaren Musik singen.

„Schau mal“, spricht mich Madame an. „Die Miracle Bar“ und gleich daneben der Supermarkt „Miracle Shopping“ und ein gro√ües Hochzeitsgesch√§ft „World of Miracles“. „Wei√üt Du, wo wir sind?“ „N√∂, interessiert mich auch grad nicht wirklich. Ich bin noch damit besch√§ftigt, nicht im Kleinlaster von links zu landen.“ Eine gute Viertelstunde Feierabendstau und 500 Meter sp√§ter erreichen wir ein Schild. Ach schau, „Kana“. Der Ort der Hochzeit:

Montag, 18. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Schwimmhalle Buch

Wenn Du √ľber weite Felder gefahren bist, die Windkraftanlagen passiert hast, ein kleines niedliches Dorfzentrum durchfuhrest und dann immer noch ein St√ľck durch die Gegend musst: dann besuchst du kein Berlin Innenstadtbad mehr. Willkommen in Berlin-Buch, am √§u√üersten Nordende Pankows und damit auch am Nordende Berlins. Dort, wo die Stadt schon denkt, sie w√§re die Uckermark.

Aber selbst hier hinter den sieben H√ľgeln gilt die Ostberlin-Regel: Du bist noch nicht am Schwimmbad, wenn Du keine Plattenbauten siehst. Auch hier, gebaut wortw√∂rtlich auf der gr√ľnen Wiese und von dieser umgeben, liegt mitten an der Grenze zwischen Alt-Karow und Buch ein kleines Neubaugebiet des Sp√§tsozialismus: einige Hochh√§user, eine Schule und ein Schwimmbad.

Hier endete die DDR. Das Neubaugebiet entstanden Ende der 1980er. Die Schwimmhalle wurde erst begonnen Anfang der 1990er aber noch im DDR-Entwurf. Dass hier „das Ende“ war, sieht man. Nach rechts das Wohngebiet. Das links die Wiese. B√ľsche, Trampelpfade, Ende der Welt. Hier verlor die DDR den Elan, der bis heute nicht wieder kam. Buch wartet hier noch darauf hinauf, dass die Nachwende-Neuzuz√ľgler-Welle auch hierhin schwemmt.



Das Schwimmbad, ein Typbau. Von mir informell als Volksschwimmhalle Typ D bezeichnet, sachlich richtiger handelt es sich um die „Schwimmhalle Berlin 83 – Typ Berlin“. Ein Achtzigerjahre-Nachfolger der Volksschwimmhalle Typ C, in Berlin zum Beispiel gebaut am Ernst-Th√§lmann-Park oder in Hohensch√∂nhausen/Zingster Stra√üe, in Potsdam beim Kiezbad am Stern.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Schwimmen Israel: En Bokek, Totes Meer

Am Toten Meer erlebte ich das eigent√ľmlichste Badeerlebnis, das ich je hatte. Das krasseste Badeerlebnis meines Lebens. Ein Baden, bei dem ich in seiner Einzigartigkeit Zweifel habe, ob je ein anderer Bad- oder Strandbesuch herankommen wird. Willkommen am Toten Meer.

Ein See aus Salz und Mineralien liegt in einer Gegend, f√ľr die zu beschreiben mir noch immer  die Worte fehlen. Dieser Graben in der W√ľste Negev, in seinen Dimensionen, seiner Eindr√ľcklichkeit und Vehemenz: Es ist alttestamentarisch: Man sieht die brennenden B√ľsche, Feuerseen vom Himmel, den strafenden Gott und die Verlockungen durch den Teufel fast bildlich vor sich, w√§hrend man sich hier bewegt. Seitdem ich die Gegend zum Alten Testament sah, glaube ich fast alles wortw√∂rtlich, was dort geschrieben steht. Hier scheint alles m√∂glich.



Am Toten Meer selbst liegt dann ein so unpassend wirkender wie erwartbarer Badeort, in dem sich fast nur Russen aufhalten. Menschen gehen in ein Wasser, dass sie offensichtlich gar nicht haben will. Wasser das einen schon nicht mehr trägt, fast schon abstößt und von sich wirft. Um es kurz zu machen: wenn man Wasser schluckt, soll man sofort zum Notarzt. Den Schlamm zum Wasser aber schmieren sich Menschen begeistert auf den Körper. So ist das in En Bokek.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Die √úberlaufrinne im Schwimmbad. Von Wiesbaden nach St. Moritz.

Die wunderbare Welt der √úberlaufrinnen im Schwimmbad. Wen w√ľrde sie nicht faszinieren?  Eine Halbr√∂hre, in der Gebrauchswasser flie√üt. Und doch evozieren die √úberlaufrinnen in ihren Namen die weite Welt: von Finnland √ľber Z√ľrich nach St. Moritz.  Sie geben dem Schwimmer halt, und sorgen daf√ľr, dass wir Schwimmen gehen k√∂nnen ohne krank zu werden. Allein durch ihre Existenz trennen sie das ernstzunehmende √∂ffentliche Bad vom kleinen privaten Pool.

Nicht zuletzt pr√§gen √úberlaufrinnen die Optik und Akustik eines Bades. Ein Schwimmbecken ohne √úberlaufrinne sieht falsch aus. Zumindest die √§lteren Modelle erzeugen dieses charakteristische „Schwapp“.

Die schönste: Finnland. Bild: Agrob Buchtal Gmbh.


Und dennoch: Die armen √úberlaufrinne; missachtet, kaum wahrgenommen. Die √úberlaufrinne: Gerne √ľbersehen und doch essentiell.

Allgemein


Schwimmbäder sind Gebäude, die nicht sein sollten. Die dem Schwimmbad innewohnende Kombination von Wasser und Bauwerk verstößt gegen Grundsätze des Baus an sich. Gebäude sollten im Allgemeinen trocken sein. Wasser, und erst recht nicht warmes, stehendes Wasser, sollte nicht von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden. Bakterien und Krankheitserreger lieben warmes, stehendes Wasser.

Freitag, 1. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Paracelsusbad Reinickendorf

Reinickendorf.  Nord-Berlin. Irgendwo zwischen Autobahn, flachem Land und Flughafen Tegel. Die einzige Hoffnung des Bezirks auf √ľberregionale Bekanntheit sind die Handballer der Reinickendorfer F√ľchse – die nat√ľrlich l√§ngst in Mitte spielen - und die gelegentliche Schl√§gerei auf einer U-Bahn-Station.

Auf dem Weg zum Paracelsusbad passiere ich eine Schokoladenfabrik und eine Schraubenfabrik, zwei Discount-Baum√§rkte, Netto, Lidl, Sozialbauten aus den 1920ern und Sozialbauten aus den 1970ern. Hier ist nicht das schicke, hippe Berlin der Innenstadt aber auch nicht das wilde Berlin des Gesundbrunnens. Hier lebt Kleinb√ľrgertum mit wenig Geld. F√ľr den Rest Berlins halte ich mich in der terra incognita auf. Wohnen dort √ľberhaupt Menschen? Gibt es dort Schwimmb√§der?



Ja, dort wohnen Menschen. Und sie verf√ľgen √ľber ein Prachtschwimmbad. Fast m√∂chte ich sagen: Dort steht ein Schwimmtempel. Das letzte der echten Stadtb√§der, die noch mehr Hygienepalast als Schwimmhalle sein wollten. Ein riesiger Bau, eine Schwimmhalle mit Trib√ľne, hoher Decke und diesem schicken Dach.



Das 1957 bis 1960 gebaute Paracelsusbad war das erste neue Berliner Hallenbad nach dem Krieg.  Tats√§chlich entstand hier das erste st√§dtische Bad seit den 1920ern. Mit Breitensportschwimmen hatten es die Nazis anscheinend gar nicht.  Das Bad in Reinickendorf orientierte sich in Idee und Ausstattung sichtlich an den Symbolbauten wie dem Stadtbad Mitte oder dem Stadtbad Neuk√∂lln. 

Samstag, 25. November 2017

Schwimmbad Berlin: SSE, Schwimm- und Sprunghalle im Europapark

Gebaut, um zu beeindrucken. „Europas gr√∂√üte Schwimmhalle“ entstand in den 1990ern im Rahmen der gescheiterten Bewerbung Berlins zu den Olympischen Spielen 2000. Deutschland war wiedervereinigt, Berlin f√ľhlte sich wie das Zentrum der Welt. Und auch wenn gleichzeitig die ganzen Ost- und Westschwimmb√§der vor sich hinverfielen: Ein neues beeindruckendes Bad, das beste Europas, wenn nicht gar der Welt, musste gebaut werden. Dieses Schwimmbad sollte zeigen, was Deutschland und Berlin k√∂nnen.

Berlin bekam die Olympischen Spiele bekannterweise nicht. Immerhin, das Schwimmbad wurde Ende der 1990er fertig gebaut. Es dient heute vor allem als Bad f√ľr nationale und internationale Schwimmwettk√§mpfe - aller gr√∂√üeren Schwimmveranstaltungen Berlins finden mittlerweile in diesem Bad statt. Im Eingangsbereich weisen vielerlei Infotafeln darauf hin, wie gro√ü und modern das alles ist. Wie das ganze Bad auch sind diese Infotafeln allerdings ebenfalls Mitte der 1990er stehen geblieben. Sie verlieren jeden Tag an eigentlichem Wert, gewinnen jeden Tag an musealem Wert,

Ebenfalls im Eingangsbereich weisen riesige Aufschriften darauf hin, welche Weltrekorde in diesem Bad geschwommen wurden und welche Springer und Schwimmer aus dem hier ans√§ssigen Leistungszentrum Medaillen bei Meisterschaften gewonnen haben. Da wir aber weiterhin in Berlin sind, h√∂ren die Aufzeichnungen √ľber Rekorde und Medaillen abrupt 2009 auf.



Danach hatte dann wohl niemand mehr Lust, die Zeiten zu ergänzen. Der zuständige Angestellte war in Pension gegangen und niemand weiß mehr wie es geht. Oder das Geld war alle. Oder der Vorrat an entsprechenden Buchstaben war aufgebraucht. Oder die Berliner haben seit 2009 nichts mehr gewonnen und in diesem Bad ist auch nicht spannendes mehr passiert.

Dienstag, 21. November 2017

Parken Jerusalem möglich?

Parken in Jerusalem ist möglich. Autofahren in Jerusalem ist möglich. Beides ist nicht einmal wirklich schwer. Von den zahlreichen Israel-Mythen, mit denen wir vor unserer Reise konfrontiert waren, erwies sich Mythos von der Unmöglichkeit des Autofahrens in Jerusalem als einer der hartnäckigsten Рund falschesten. Mit etwas Planung lässt es sich in dieser Stadt problemlos Parken und Fahren.

Bei allen unseren Erkundigungen, die wir vorher einholten, erfuhren wir dasselbe: "Gebt den Mietwagen blo√ü ab!", "Seid nicht wahnsinnig und fahrt mit dem Auto in die Stadt.", "Niemand parkt freiwillig in Jerusalem" und √§hnliches. Einzig unser Hotel sah das etwas anders, aber dazu sp√§ter. Generell waren sich alle einig, dass es weder sinnvoll noch m√∂glich ist, mit dem Auto nach Jerusalem zu fahren. Da die Alternativen allerdings waren, entweder einen knappen Tag durch komplexes Mietwagen hin- und hertauschen zu verlieren oder aber saftige Aufschl√§ge zu bezahlen, weil wir das Auto an anderen Orten zur√ľckgeben als abholen, probierten wir es einfach aus.

Autofahren


Neben dem Mythos „In Jerusalem kann man gar nicht parken“, hielt sich ein anderer Mythos auch hartn√§ckig „Fahren in Israel ist total chaotisch.“ Ich verstehe, wie Deutsche zu dieser Auffassung kommen: Autofahren in Israel ist anders als Autofahren in Deutschland.

Madame beschrieb es sch√∂ner als ich „Nicht aggressiv. Aber manchmal √ľberraschend.“ Ich w√ľrde sagen: „Gefahren wird dort, wo Platz ist“. Nicht unbedingt derjenige f√§hrt, der Vorfahrt hat, sondern derjenige, der zuerst in der L√ľcke ist. Die L√ľcken, in die man st√∂√üt, sind kleiner, die Fahrman√∂ver auf den ersten Blick waghalsiger. Das ist gew√∂hnungsbed√ľrftig. Aber – und hier folgt ein gro√ües Aber – nach einiger Zeit mir pers√∂nlich sympathischer.

Unser Isra-Mobil. Hier nicht in Jerusalem.

Denn der israelische Fahrstil ist nicht aggressiv. Wer zuerst f√§hrt, der wird fahren gelassen. Die anderen bremsen, weichen aus, machen Platz. In Situationen, in denen ich in Deutschland nie fahren w√ľrde – weil ich Angst h√§tte, dass mir ein Anderer einfach aus Prinzip in die T√ľr f√§hrt – fuhr ich in Israel vollkommen problemlos. Weniger fahren nach sturer Vorgabe und mehr fahren mit Mitdenken. Fahren mit aufeinander achten. Insgesamt schien mir das fl√ľssiger. Vor allem wirkte es weniger aggressiv als in Deutschland.

Freitag, 17. November 2017

Schwimmbad Berlin: Siemensstadt, Schwimmbad

Siemensstadt hat ein Schwimmbad? Selbst hartgesottene Berliner Schwimmer vergessen dieses Bad gerne; gelegen in einem Stadtteil, den außer Siemenstädtern niemand betritt. Fragt einen Berliner, der Euch Siemensstadt auf einem Stadtplan zeigen möchte und er wird ähnliche Probleme haben wie ein Deutscher, der South Dakota auf einer USA-Karte suchte.

Siemensstadt ist mehr richtig Berlin, aber auch noch nicht richtig Spandau. Das Bad liegt in der Gro√üstadtregion zwischen Stadtautobahn, Heizkraftwerk, Gewerbegebieten und Flughafen. Selbst der B√§derfan, auf der Suche nach einem ge√∂ffneten Bad, findet hier nur schwerlich hin. Das Siemensst√§dter Bad geh√∂rt nicht zur Einflussph√§re der Berliner B√§der: das Schwimmbad in Siemensstadt ist weder √ľber die BBB-Website noch √ľber andere Infokan√§le, die von diesen betrieben werden, auffindbar.





Dazu: ein Geb√§ude, das nicht wei√ü, was es will. Ein achtziger-Jahre-Bau, der dem damaligen Trend zur postmodernen Un√ľbersichtlichkeit folgt. Verspielt, un√ľbersichtlich, mit Palmen und Galerien, schon das Spa√übad vorwegnehmend: aber dann doch nur ein 25-Meter-Becken mit 5 Bahnen.

Freitag, 10. November 2017

Schwimmbad Berlin: Marzahn, Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz "Helmut Behrendt"

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: die Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz "Helmut Behrendt"

Ein weiter Platz. Der Wind pfeift. All√ľberall Hochh√§user, dazwischen breite Schneisen in denen der Wind √ľber den Beton pfeift. Die „Springpfuhl-Galerie“ mit einem Norma und einem Billigjuwelier. Vor dem Gesundheitszentrum steht ein Automat f√ľr Spritzenkan√ľlen. Drumherum weitere Gesch√§fte des preiswerten Bedarfs. Einzig das „Kino Sojus“ vermag etwas Flair zu bringen – wenn auch nur Ruinenchic. Das Kino erweckt den Anschein, als w√§re es seit Jahrzehnten verlassen. Marzahn gibt sich am Helene-Weigel-Platz jede M√ľhe, allen Marzahn-Klischees zu entsprechen.



Ein gro√ües Schwimmbad? Wo soll das sein? Weder vom Parkplatz noch von der S-Bahn-Station aus, ist es zu sehen. F√ľr Ortsunkundige ist ein leichter Irrgang √ľber die marzahnsche Platzsteppe fast unausweichlich. Versteckt hinter dem ehemaligen Rathaus und dem Gesundheitszentrum. Und dann ist es da.



Dieses leichte, fast fliegende Schwimmbad mit 50-Meter-Bahn, einer ästhetischen Doppelpultdachkonstruktion, Empore, Luft und Licht, Wasser und Bewegung. Ein wirklich schönes Bad. An diesem Ort. Licht in der Dunkelheit, Wärme im garstigen sibirischen Nullgradwind. Hinter dem Kino dann auch noch der Springpfuhl selbst. Ein ansprechender Teich mit schönem Uferbewuchs und einem Park drumherum. Ach, Marzahn. Hier wirst Du richtig schön. Warum versteckst du das so?

Samstag, 4. November 2017

Schwimmbad Berlin: Stadtbad Spandau Nord

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute:  das Stadtbad Spandau Nord

Das Stadtbad Spandau Nord ist das schönste aller Berliner Bäder. Das Stadtbad Mitte ist beeindruckender, das Neuköllner Bad prächtiger, die Finckensteinallee scheidet aufgrund ihrer unseligen Geschichte aus Рaber so was schlichte Schönheit, elegante Funktionalität und die leichte eingewohnte Patina angeht, die wahre Schönheit braucht: das Stadtbad Spandau Nord ist das Schönste.



Sch√∂n von au√üen, traumsch√∂n von innen, und leicht irritierend auf dem Weg dazwischen:  Ein Vorraum. Erkennbar alt. Braun, Holz, Laminat, ein arg verfehlt wirkendes poppiges Berliner-B√§der-Poster. Ein Aufgang, nach rechts oder links, rechts ist durch eine Kette abgesperrt.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Israel-Romane (II): Gelesen: Oz, Gutfreund, Amiri, Spark, Shalef, Primor

Der Aufenthalt in Israel n√§hert sich. Madame und ich werden nicht lange genug fahren - man kann nie lange genug fahren, eigentlich braucht man immer mehr als ein Leben, um nur einen Ort richtig zu verstehen, und nicht einen 10-Tages-Trip f√ľr ein Land.

Im Sp√§therbst werden Madame und ich nach Israel fliegen. Kibbuz Inbar (zwischen Nazareth und See Genezareth -> Jerusalem -> Ne’ot Hakikar (beim Toten Meer) -> Tel Aviv. Weitere und genauere Planungen gibt es noch nicht. Aber das werden wir sehen, wenn es soweit ist. Es gibt eher ein paar vage Ideen: Akko, See Genezareth und Totes Meer nat√ľrlich, Gordon Pool in Tel Aviv, Haifa, Shlomo soll ein guter Jerusalem-F√ľhrer sein. Neben ein paar organisatorischen Vorbereitungen (Hotels, Auto, Krankenversicherung) lag meine Hauptvorbereitung aber in der Lekt√ľre von Belletristik..

Adressen besorgen kann man sich schnell. Ein Feeling f√ľr die Umgebung entwickeln dauert l√§nger. Etwas wirklich zu verstehen, funktioniert nie. Aber man kann versuchen, in die richtige Richtung zu denken.



Also fragte ich auf Twitter und Facebook nach guten Romanen zum Thema Israel und bekam eindrucksvolle Antworten. Die vollständige Liste war bereits in Iberty: Israel-Romane (I): die Liste. .

Vor der Reise werde ich nicht mehr dazu kommen, alles zu lesen. So seit zumindest ein Anfang versucht. Ich begann mit: Amos Oz - Eine Geschichte von Liebe und Finsternis; Suad Amiri - Sharon and my mother in Law; Meir Shalev – Ein russischer Roman, Avi Primor - Mit Ausnahme Deutschland ; Muriel Spark - Das Mandelbaumtor, Amir Gutfreund – Unser Holocaust. 

Wenn das Land schon vielfältig und die Zeit knapp ist, hilft Nachhilfe. Am besten: Nachhilfe durch andere Perspektive. Sichtweisen, die uns selber verborgen bleiben werden - weil wir nicht lange genug da sind / an anderen Orten sind / keine Juden oder Muslime sind.

Also wenigstens ein Versuch in Vorbereitung des Ganzen anderen Perspektiven einzunehmen.  Was aber blieb nun h√§ngen nach all‘ der Lekt√ľre. Ein kleiner Rundumschlag.

Bilder, die blieben


Was bleibt: Vieles an das ich mich nicht mehr bewusst erinnere. Einiges wird pl√∂tzlich wieder da sein, wenn die richtigen Trigger kommen. Andererseits sitzt tiefer: Einstellungen. Assoziationen, von denen ich nicht mehr wissen werde, wo sie urspr√ľnglich herkommen, einzelne Formulierungen oder W√∂rter. Bewusst aber bleiben einzelne Bilder im Kopf. Fast keine Handlung blieb mir in Erinnerung, nur wenige Charaktere. Was blieb sind Bilder.

Dabei bin ich nicht sicher, ob sie je so geschrieben wurden.

Der Moschaw in Nordisrael, Sonne, trockenes Land, die Quelle mit den Wildkatzen und der ehemalige Sumpf.

Montag, 16. Oktober 2017

10 Regeln f√ľr den eigenen Wikipedia-Artikel

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklop√§die mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk f√ľr Ephemeres und zeitgem√§√ü Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel √ľber Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Eintr√§ge √ľber lebende K√ľnstler, S√§nger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun k√∂nnen diese K√ľnstler, S√§nger und andere diese Eintr√§ge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht gl√ľcklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel √ľber sich selbst oder seine Organisation zu √§ndern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber f√ľr Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia un√ľbersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln f√ľr den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer sch√§tzen es gar nicht, wenn Betroffene √ľber sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schw√§chen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spie√ürutenlaufen f√ľr denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erf√§hrt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was f√ľr eine eindr√ľckliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine gro√üe B√ľhne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man beh√§lt die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt √∂ffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der √Ėffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen F√§llen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enth√§lt. Manchmal hat sie aber auch legitime Gr√ľnde zur Kritik: Veraltetes, Unvollst√§ndiges, Fehlerhaftes oder eigent√ľmlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die M√∂glichkeit, etwas daran zu √§ndern.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Schwimmbad Berlin: Finckensteinallee, Lichterfelde

Berlins großartigstes Bad. Berlins schlimmstes Bad. In mir sträubt sich ja alles, ein Gebäude, das so Nazi ist wie ein Gebäude nur sein kann, großartig zu finden.

Aber: in dieser Schwimmhalle stimmt alles: das Licht, das Becken, der wunderschöne Umbau, die Bahnen, die Duschen, die Umkleiden.



Und, ich halte es f√ľr eine gerechte Lektion der Geschichte, dass eine ehemalige M√∂rder-Trainingsanstalt heute ein √∂ffentliches Volksbad ist, das offensiv barrierefrei ist und u.a. vom Berliner Behindertensportverband f√ľr Wettk√§mpfe genutzt wird.





Zuerst zur√ľck zum Anfang. Die Nazis mochten keine √∂ffentlichen B√§der. In ihrer Zeit entstanden in Berlin drei Hallen. Diese waren alle f√ľr geschlossene Nutzergruppen konzipiert und eben nicht √∂ffentlich. W√§hrend die 1920er der Berliner √Ėffentlichkeit Schwimmtempel wie das Stadtbad Lichtenberg, Stadtbad Mitte oder das Stadtbad Sch√∂neberg brachten, entstand in der Nazizeit kein einziges Bad f√ľr die √Ėffentlichkeit neu.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hornissenschwebfliege ungefährlich

Tapp. Tapp. Tapp. Eine Hornisse lugt √ľber den Rand der Treppe. Kommt langsam n√§her. Sie schaut. Aber eine komische Hornisse. Eine breite Hornisse mit seltsamem Gang. Eine unheimliche Hornisse?




Langsam dachte ich, ich gew√∂hne mich an den Garten und seine Lage in der Brandenburger Trockensteppe. Ich legte meine pers√∂nlichen Vorstellungen von Farn, Bambus, Schilf etc. ad acta. Denn meine Vorstellungen wie Landschaft und damit auch kleinr√§umig gestaltete Landschaft – aka Garten – aussehen sollte, entstanden in der norddeutschen Tiefebene, teilweise nahe der Nordsee im Land von Regen und Nebel, bei H√∂chsttemperaturen von 22 Grad  und dem ein- oder anderen Entw√§sserungsgraben direkt an der Stra√üe.

Aber dort bin ich nicht mehr: Hier ist Brandenburg! Mehrere Jahre knallende Sonne, wenig Regen, mitteldurchlässiger Boden. Lavendel statt Farn, Wilde Möhren statt Schilf, Sanddorn statt Hundsrosen.

Hummeln im Lavendel, Erdwespen in den Lehmh√ľgeln, Zuz√ľgler aus dem S√ľden wie die Gro√üe Holzbiene im Garten. Meine wagemutigeren √úberlegungen gingen mittlerweile eher in Richtung Pomeranze als in Richtung Farn. So langsam hatte ich mich an die leicht mediterrane Anmutung gew√∂hnt, Grabwespen, Sandwespen, Grash√ľpfer, Eidechsen und Zikaden in mein Herz geschlossen. Semitrockensteppe hat etwas f√ľr sich.

Und dann 2017: Dauerregen. Starkregen. Dauerregen. Dauernder Starkregen und starker Dauerregen.

Donnerstag, 28. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Kalksee, Woltersdorf, Brandenburg

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben.  Aber es gibt nicht nur gebaute Schwimmb√§der. Auch Seen, Fl√ľsse und Meere bieten sich zum Schwimmen an. Gl√ľcklicherweise gibt es wieder genug Gew√§sser, die sauber genug zum Schwimmen sind, oft sogar √ľber ausgewiesene Badestellen verf√ľgen. Seen mit unterschiedlich warmem und kaltem Wasser, Wellenschlag, V√∂geln, direkt an der offenen Natur, in den Elementen auch diese lohnt es zu Beschwimmen. Heute: der Kalksee in Woltersdorf, Landkreis Oder-Spree, im S√ľdosten von Berlin.

Woltersdorf: einst Durchgangsstation f√ľr Kalksteine, dann Berliner Villengegend, dann Blockbuster-Filmkulisse, dann DDR-Kleinstadt.  Heute eine Mischung aus Brandenburger Handwerk, einer gro√üen freikirchlichen Szene (die auch das Krankenhaus und ein gro√ües Seminarzentrum betreibt) und wieder Berliner Ausflugsziel.




Von Interesse f√ľr den Ausfl√ľgler ist die Eignung als Ausflugsziel. Ma√ügeblich tragen zu diesem Punkt die „Schleuse Woltersdorf“ bei, sowie drei Seen: der Bauersee, der Flakensee und der Kalksee.

Der Bauersee scheint ein See seiner selbst, ohne gr√∂√üeren Zufluss und Abfluss und rundherum von Privatgrundst√ľcken umgeben. Flakensee und Kalksee sind durch die Schleuse Woltersdorf verbunden und im weiteren Verlauf auch an Spree, Dahme und die ganzen Berliner Gew√§sser angeschlossen.  Die Seen sind ein beliebter Ort f√ľr Bootsfahrer und Wassersportler, beide Seen haben Badestellen.

Typische Hausnummergestaltung in Woltersdorf


Dabei ist der n√§her an der Spree gelegene  Flakensee  bei den Bootsfahrern beliebter, ist er doch √ľbers Wasser ohne Schleusendurchfahrt erreichbar. Dort liegen diverse Lokale, eine Strandpromenade zum Wandeln und lange √∂ffentliche Wege am Wasser. Die n√§chstgelegene M√∂glichkeit zum Baden im Flakensee – wenn auch keine offizielle Badestelle – ist nur wenige Minuten von der Schleuse entfernt. Die etwas weiter entfernte offizielle Badestelle hat einen Kiosk, liegt neben einem Campingplatz und ist vergleichsweise gut erschlossen.Der Kalksee liegt dort verborgener.

Freitag, 22. September 2017

Kleinstadt-Antifa, 1994

Lebensver√§ndernde Momente suchen sich unerwartete Orte. Zum Beispiel wird man Antifaschist nahe des Mississippi-Rivers, nicht unweit von Elvis Presleys Anwesen „Graceland“; bei 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, w√§hrend man eingeklemmt in eine Stuhl-Tisch-Kombination noch kurz vorher einen Werbespot f√ľr Mountain Dew gesehen hat.

H√ľckeswagen - Islandstra√üe 48 ies
Bild: H√ľckeswagen - Islandstra√üe 48 ies 
Von: Frank Vincentz 
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Dienstag, 19. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Freibad Wesselburen

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Zu Besuch im Freibad Wesselburen.

Dies ist ein besonderes Bad. Ist dieses doch das einzige Bad, f√ľr das ich je eine Jahreskarte besa√ü (ich glaube damals kostete sie 60 Euro) und das auch mein ehemaliges lokalpolitisches Engagement √ľber viele Jahre begleitete.



Wesselburen ist eine Kleinstadt mit einer schwierigen Finanzlage. Das Freibad kostet. √úber viele Jahre hinweg drehte sich die √∂rtliche Finanzdiskussion immer wieder darum, ob die Stadt sich dieses Bad √ľberhaupt noch leisten k√∂nne. Zum Gl√ľck: Wesselburen konnte. Ich bin zwar aus der Lokalpolitik in Wesselburen raus, aber anscheinend scheint der Kelch der baldigen Schlie√üung auch vorerst am Bad vor√ľbergegangen zu sein.

Denn dieses Bad ist sch√∂n; schon fast ein Klischee. Ein Bad in einer Kleinstadt (etwa 3.000 Einwohner) an der Nordsee. Nah liegen Ferienziele wie B√ľsum oder St. Peter-Ording mit entsprechenden B√§dern f√ľr Touristen. Aber Wesselburen liegt die entscheidenden drei Kilometer zu weit weg vom Meer.

Eher verirren sich Touristen aus B√ľsum mal bei einem Tagesausflug in das Kleinst√§dtchen, als dass sie dauerhaft hier bleiben. Da helfen auch Kohlosseum (Kohl + Museum) samt „Krautwerkstatt“, ein pittoresker Marktplatz mit eindr√ľcklicher Kirche und die „Wesselburener Sommerabende“ nicht wirklich weiter. Der Ort ist schnucklig und sch√∂n, hat sich seitdem ich nicht mehr da bin, auch deutlich gemacht, aber ein Tourismuszentrum ist Wesselburen nicht.


Bad von oben, Foto: Freibad Wesselburen

Was die Wesselburener Vermieter ungl√ľcklich macht, bringt dem Freibadnutzer Gl√ľck: hier ist noch Platz f√ľr ein echtes kommunales Freibad wie es im Buche steht. Das Bad liegt ein wenig au√üerhalb des eigentlichen Stadtgebiets am Rande der Felder. Daneben in Richtung Stadt die Schule, auf der anderen Seite des Bades liegt ein Indoorspielplatz, der in seinem vorherigen Leben eine Tennishalle war. Knapp daneben liegen eine gro√üe Halle, um Wohnwagen √ľberwintern zu lassen, ein Campingplatz und ein ehemaliges Restaurant.

Montag, 11. September 2017

Stories and Places: Bloggeschichten von nah und fern.

Der Gast, der zu spät zu einer Party kommt, kann ein Held sein. Erst fiel sein Fehlen gar nicht auf, dann erstes Getuschel, ob er denn tatsächlich eingeladen wurde. Ja, die Einladung ging raus. Seine Abwesenheit entwickelt sich vom Nebengespräch zum Haupttopos der Diskussion: wo ist er hin? Hat er was anderes zu tun? Passierte ihm etwas?

Anwesende Partygäste erinnern an andere glorreiche Partyzeiten mit ihm. Und dann plötzlich: ein Klingeln, undeutliche Stimmen durch die Gegensprechanlage. Sollte er? Tatsächlich! Endlich da! Großes Bohei! Überwunden alle Unbilden des Weges! Jetzt kann die Party starten.

Stories and Places. Die Weltkarte.


Allerdings sollte der Gast sich grob an der angek√ľndigten Zeit orientieren und auch eingeladen sein. Eins, zwei Stunden reicht zum Heldentum. Sp√§ter, wenn die Party schon abflaut, dann wird er bestenfalls angepflaumt. Sollte der Gast gar erst am n√§chsten Tag kommen, steht er inmitten der Reste - mit Gl√ľck darf der zu sp√§te Gast noch mit Abwaschen.

So ähnlich geht es mir gerade. Nur dass ich nie eingeladen wurde. Und ich kam nicht einen Tag zu spät zu Stories and Places, sondern vier Jahre.

Dienstag, 5. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Steglitz, Sommerbad am Insulaner

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: das Sommerbad am Insulaner

So Berlin wie nur geht. Das Sommerbad am Insulaner, ehemals S√ľdend-Bad, ist f√ľr Berliner Badverh√§ltnisse alt (1920er), traditionsreich, im Park gelegen, mit einer bewegten Geschichte und heute der proletarische Bruder des Prinzenbades.

Das Bad war, soweit ich recherchieren konnte, das erste öffentliche(*) Sommerbad der Stadt. Erstmals in Berlin lag ein öffentliches Bad im Freien, aber nicht an einem See oder Fluss, sondern eine von Fließgewässern unabhängige Wasserversorgung hatte. Eigentlich traditionsreicher und von der Anlage her schöner, kommt es mir immer ein wenig wie der arme Bruder des herausgeputzten Prinzenbades vor.


Es sieht klein und unscheinbar aus. Aber dann kommt einiges. Und großartige Schrifttype.



Entstanden ist das Bad im Insulaner im Rahmen der Lebensreform. Urspr√ľnglich errichtete der „Verein f√ľr Gesundheitspflege und Naturheilkunde“ ein reines Licht- und Luftbad – ein Wort das durch die Nazis verschwand, aber im Prinzip dazu dienen sollte, arme Gro√üstadtbewohner aus den stickigen Hinterh√∂fen ihrer Mietskasernen auf Wiesen an die Sonne und an die frische Luft zubringen.

Die fortgeschrittene Variante des Licht- und Luftbads war dann das  Freibad. In den 1920ern gab es zwar zahlreiche Fluss- und Seeb√§der, B√§der ohne direkte Anbindung an ein Gew√§sser waren aber revolution√§r.

Mittwoch, 30. August 2017

Film mit Schaf / ōßŔÜōīōßŔĄŔĄŔá ōßō≥ō™ŔĀōĮō™

Im jordanischen Nichts. Sand, vollgestellt mit Autos. Abu Wafa - der Cousin - quetscht sich durch das Labyrinth, hat rechts in Schaf – ein einheimisches! – am Schlaffitchen, rechts versucht er mit Ahmed Taher zu telefonieren, der ihm Neuigkeiten aus dem Gef√§ngnis erz√§hlt. Das Schaf entwischt, der Cousin wuselt durch die Autos hinterher, dabei das Handygespr√§ch vergessend. Hinterherhetzend hinter dem Eigentum, w√§hrend links und rechts die Umwelt auf einen einst√ľtzt. Willkommen im Film: Gelobt sei der kleine Betr√ľger / Inshalla Istafadet.

Der Film folgt Ahmed Taher, Kleinstunternehmer im Bauwesen, der 1.800 Dinar erhielt um damit eine Mauer zu bauen. Tats√§chlich lieh Taher die Dinare seinem Cousin Abu Wafa, der damit Laptops aus Kanada importierte, um sie teuer zu verkaufen. Die Laptops aber h√§ngen seit Wochen oder Monaten im Zoll fest, bis Ahmed Taher schlie√ülich ins Gef√§ngnis kommt. Denn weder baute er die Mauer, noch kann er das Geld zur√ľckzahlen. Das „Verfahren“, ein gelangweilter Richter, der anscheinend nach Laune handelt und ganz ungl√§ubig wird, als Ahmad wegen nur drei Monaten Haft nach einem Anwalt fragt. Das Gef√§ngnis: Mitgefangene, die ungl√§ubig staunen, dass es um Petitessen wie 1.800 Dinar geht.




Blessed Benefit - auf Deutsch: Gelobt sei der kleine Betr√ľger, auf Arabisch: ōßŔÜōīōßŔĄŔĄŔá ōßō≥ō™ŔĀōĮō™ (Inshalla Istafadet; w√∂rtlich "Mit Gottes Wille Profit") - ist der dritte Film des jordanischen Regisseurs Mahmoud Al Massad.

Montag, 28. August 2017

Kultur in Iberty! Eine √úbersicht.

Schwimmb√§der, Traktoren, √Ąpfel und Schafe. Die heilige Quartilit√§t von Iberty. Doch es gibt mehr. Selbst in diesem Blog. Auch wenn ich tendeziell lieber drau√üen bin als drinnen, so gibt es doch auch sch√∂nes und berichtenswertes, dass sich in geschlossenen R√§umen, beim Kino sogar in fensterlosen R√§umen, abspielt und das seinen Weg in Eintr√§ge dieses Blogs findet. Um diese einfacher und besser wiederzufinden, hier ist die Sammlung:


Ausgehen


Abbaden in der Dithmarscher Nordsee - mit Hochzeit und den Beelitzer Heilstätten als Fischereihafen

Berlin celebrates 15 years of Wikipedia - #wikipedia15 - a small improvised celebration in Kreuzberg. 

Branle. Vom Renaissancedorfplatz zum Barockhof  - Beim historischen Tanz im Februar 2017


Everybody loves to Cha-Cha-Cha  - Tanzen!

Freiheit statt Angst 2014 - einige Fotos #fsa14  - wir waren demonstrieren und brachten Fotos mit.

Haarfarben in den ersten zwei Reihen des Gottesdienstes zum 4. Advent in der Paul-Gerhardt-Kirche, Berlin-Schöneberg

In 11 Stationen durch die Nordermarsch in Dithmarschen - Mensch, Meer und Land. In 11 Stationen vom Gro√ü-Stauwerk √ľber Wehl und Wurt zum Watt. 

Kirchentag 2017 – #smartchurch, #onlinepranger, Psalm139 - Drei Tage auf dem Kirchentag in Berlin

Mensch-Maschine-Braunschweig. Wiki Loves Jules Verne. Mit Wikipedia in Braunschweig.


Nachos zum Schwanensee - Wie sieht es aus, wenn man ein Weihnachtsreiseballett besucht.

Nachtzug. Die Zukunft, die nicht mehr wird - Als Luxus noch Zukunft war.

Nanas Hannover zu Fu√ü?  - Es ist m√∂glich die Nanas zu Fu√ü zu erreichen. Aber ist es auch sinnvoll?

Ostern? Hase? Tradition? - Was ist mir Ostern?

Parken Jerusalem m√∂glich? - Verkehr in Israel ist nicht aggressiv aber oft √ľberraschend.

Ramos Gin Fizz - f√ľr die Enzyklop√§die. Ein Wochenende mit Wikipedia. Cocktail-Nerds und vielen Cocktails.

Resist to Exist - The Kids are alright  - DIY-Punkfestival in Brandenburg

Schritt РPlié РSchritt РSchritt РSchritt РPlié. Menuett im Gemeindehaus -Tanzen. Ü300. Nur Tänze älter als 300 Jahre

Tieftonautoballett - eine Enttäuschung.

Traktorfreitag: Rain Out - beim Tractorpulling in Mecklenburg-Vorpommern.

Treffen der Wikipedia-Community in St. Gallen. Wikicon 2018.

Welchen Gartenschlauch kaufen? - Recherchen gegen die Gartenschlauchkauf√ľberforderung zum Wohlergehen der Himbeeren.

Wir wir dreimal in Nazareth durch den Kreisverkehr fuhren und den auf Knien rutschenden Indern folgten, um den wahren Grund zu erfahren, warum die Innerdeutsche Mauer fiel  F√ľrchtet Euch nicht.


Lesen

Dienstag, 22. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Prinzenbad, Berlin-Kreuzberg

Manche Liebe dauert länger. Auch wenn ich alle Schwimmbäder irgendwie ja doch liebe, taten Prinzenbad und ich uns schwer miteinander.

Da war zum einen der Hype: das Prinzenbad ist DAS Berliner Bad, glaubt man Zeitungen und Zeitschriften, B√ľchern und Filmen. Und dann war da das Bad selbst – eher durchschnittlich in der Anlage, das Publikum zu homogen, zu jung und zu sch√∂n. Bei den Sanit√§ranlagen handelte es sich um eine wenig bemerkenswerte Achtziger-Jahre-Anlage. Wenn man da an die echten Berliner Perlen und Charakterb√§der denkt wie das Paracelsusbad, das Stadtbad Mitte, das Columbiabad, das Bad Zingster Stra√üe, die Finckensteinallee, das Stadtbad Neuk√∂lln, oder die Holzmarktstra√üe, dann steht man staunend vor dem Prinzenbad. Warum machen die alle so ein Gewese?

Einzig die vorbeirauschende U1-Strecke der U-Bahn bietet etwas Flair. Und ausgerechnet dieses Bad rechtfertigt ein eigenes Blog, ein eigenes Buch, unfassbare Besucherzahlen und einen Dokumentarfilm? Daf√ľr, wie durchschnittlich dieses Bad eigentlich ist, war mir der Hype immer zu heftig.



Aber dann, doch noch. Letztlich kann ich einfach nicht in ein Schwimmbad gehen, ohne hingerissen zu sein. Ich war beim letzten Besuch schon anfangsvers√∂hnt, weil ich einen jungen Mann sah, der mit einem Stift l√§ngeren Text in ein Notizbuch schrieb und dann eine Frau, die mit einer Staatsbibliothek-Berlin-T√ľte auf dem Handtuch sa√ü.

Und dann, ich stand ich am hinteren Ende des Sportbeckens. Das Licht entwickelte sich Richtung abendlicher F√§rbung, durch eine L√ľcke in den B√§umen hindurch sah ich die Dachspitzen des Neuen Kreuzberger Zentrums – 70/80er-Jahre-Betonhochh√§user mit versuchtem Design; √ľber diesem umrundete vor oranger-roter-Himmel ein Schwarm Kr√§hen futuristische Fernsehantennen und Dachaufbauten. Diese nostalgische Achtziger-Siebziger-Jahre-Moderne, ein mittelbedrohlicher Vogelschwarm im Sonnenuntergang; ein Endzeit-Cyberpunk-Ausblick, w√§hrend ich selbst in der Sonne im Freibad stehe. Und da hatte das Prinzenbad auch mich gepackt und ich war begeistert.

Mittwoch, 16. August 2017

Resist to Exist - The Kids are alright


Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)

Junge M√§nner klettern auf den B√ľhnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-K√§ppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die d√ľnne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, w√§hrend zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberk√∂rper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der B√ľhne r√ľhrt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, wei√üen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so wei√ü gehalten) irgendwas √ľber Widerstand.

Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen.  Verkaufsst√§nde verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Sch√∂neberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.




Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa h√∂ren Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Urspr√ľnglich aus Berlin-Marzahn,  findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpfl√ľcker-Gem√ľsefeld.

Donnerstag, 10. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Blu, Potsdam

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: Das Blu in Potsdam

Der Laie staunt und der Experte noch viel mehr: es steht ein neues, zeitgemäßes, Bad im Großraum Berlin. Es hat nicht nur einen großen, bunten Spaßbereich, sondern auch noch ein Sportbecken im Olympiaformat.

Nachdem bisher im Berliner Raum die Fahne der Multifunktionsb√§der eher schlecht als recht vom Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg und dem Turmcenter Oranienburg hochgehalten wurde, die Berliner Neubauplanungen f√ľr ein modernes Multifunktionsbad halt dort stecken wo Berliner Neubauplanungen immer stecken, springt Potsdam ein. Nahezu im Zeitplan, aufwendig, an zentraler Lage neben dem Hauptbahnhof, entstand ein neuer Schwimmtempel. Der Tempel er√∂ffnete fast im Zeitplan und nur zwei Wochen, nachdem das Vorg√§ngerbad schloss, im Sommer 2017.



Das Blu trat dabei ein schweres Erbe an. Der Vorgänger, das Bad am Brauhausberg, gehörte zu meinen liebsten Bädern aller Zeiten.

Donnerstag, 3. August 2017

Unser kleiner Apfel James Grieve im Garten

Es war einmal ein kleiner Apfel. Der k√ľmmerte vor sich hin. W√§hrend seine gro√üe Schwester wuchs und wuchs, die sp√§ter nachgepflanzte Birne zum √úberholen ansetzte und selbst die aus dem Nichts auftauchende Mirabelle den Apfel schon bald √ľberragte, m√ľckerte der kleine Apfel. War es die W√ľhlmaus? Die Brandenburger Trockenheit? Oder doch eine Kombination der beiden?

Bis eines Jahres ein Unwetter das n√§chste jagte. Die Menschen konnten gar nicht rechtzeitig die Schlauchboote aus dem Keller holen konnten, bevor sie dort schon wieder gebraucht wurden. Weiden wandelten sich in Seen, √Ącker in Feuchtgebiete. Auf jedem Quadratzentimeter lebten eine Fantastilliarden M√ľcken - und der Apfel wuchs und wuchs.



In unserem Garten, der noch vor recht kurzer Zeit ein Acker war, also rein und leer, stehen mittlerweile zwei √Ąpfel: Alkmene und James Grieve.  Beide bekamen wir von unseren Eltern geschenkt, beide holten wir wurzelnackt aus einer Brandenburger Baumschule bei Werder – Obstbaumgebiet. Gez√ľchtet und gewachsen sind sie in einem Klima, das dem unseren √§hnlich ist. W√§hrend Alkmene sich von Anfang an pr√§chtig machte, √Ąste nach links und rechts und oben ausstreckte, der Stamm an Gr√∂√üe und Masse zulegte, als w√ľrden wir ihn mit Apfel-Anabolika f√ľttern,  k√ľmmerte James Grieve vor sich hin.

War es die W√ľhlmaus, die in der N√§he t√§tig war und dem Flachwurzler ganz besonders zusetzte? Die ung√ľnstigere Stelle mit mehr Wind? Oder braucht der in Schottland gefundene James Grieve trotz aller gegenteiligen H√§ndlerbeteuerungen doch mehr Wasser als die in Brandenburg gez√ľchtete Alkmene?

Man soll nicht immer nur auf die √Ąpfel achten. Links ein James-Grieve-Blatt: l√§nglich, glatt, elegant. Rechts Alkmene: runder, h√∂her/dreidimensionaler, gebogen und mit kurzem Stil.


Aber James Grieve kommt. Die Gespinstmotten des Fr√ľhsommers scheint der Baum √ľberstanden zu haben. Dieses Jahr ist der Baum als Baum zu erkennen. Mittlerweile √ľberragt er mich deutlich. Ich muss meine Arme ausstrecken um an die Spitzen der √Ąste zu gelangen und auch mit einer Hand umfassen l√§sst der Stamm sich nur noch m√ľhselig. Madame begann dieses Jahr, die √Ąste zu erziehen, herunterzubinden und festzuziehen - schlie√ülich wollen wir aus √§sthetischen und pragmatischen Gr√ľnden lieber einen Apfel mit breiter Krone in Griffh√∂he als einen schmalen hohen Baum.

Weil das mit den Bl√§ttern so nett ist, hier die R√ľckseite. Lang/glatt (James Grieve) l√§sst sich auch r√ľckw√§rtig von rund/strukturiert (Alkmene) unterscheiden.


Und obwohl 2017 ein berauschend schlechtes Apfeljahr in Berlin/Brandenburg wird, scheint James Grieve √Ąpfel tragen. Vier Fr√ľchte h√§ngen noch am Baum. Aber noch sieht es gut aus. Sollte 2017 das Durchbruchsjahr f√ľr den James Grieve im L√§ndchen Glien werden?

Donnerstag, 27. Juli 2017

Schwimmbäder nah und fern: Ernst-Thälmann-Park, Prenzlauer Berg

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmnb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: die Schwimmhalle Ernst-Th√§lmann-Park

Nacht. Dunkel. Kalt. Ein leerer Weg entlang der B√§ume, in der Ferne vielst√∂ckige Plattenbauten. Freitag Abend. Es f√ľhlt sich an, wie Dienstag nachts um vier. Am gef√ľhlten Arsch von Berlin. Inmitten des Prenzlauer Bergs. Eindrucksvolle st√§dtische Leere in einer Gegend, die ein Zentrum der Stadt sein sollte. Ehemaliges Gaswerk, erst zu Sp√§t-DDR-Zeiten zu einem Neubaugebiet mit Park umgewandelt. F√ľhlt sich an wie Vorortwohnen. Dass man gerade mit der Ringbahn kam: schon lange vergessen.
Bis da dieses warme, einladende Licht auftaucht. “Komm her. Hier ist es sch√∂n.“ Kein Hexenhaus. Ein Schwimmbad.



Eiderdaus. Vor einem Badbesuch informiere ich mich ja nicht wirklich wo ich landen werde. Ich schaue auf den B√§deratlas wo in der N√§he meiner Reiseziele eine Schwimmhalle ist. Dann √ľberpr√ľfe ich beim Schwimmblog und den Berliner B√§dern, ob das entsprechende Bad wohl offen hat. Bei der Gelegenheit sehe ich dann bei den Berliner B√§dern eins, zwei Fotos des Bades.

So auch hier. Ich stellte mich nach Ansicht der Bilder innerlich auf eine der √ľbriggebliebenen Volksschwimmhallen ein: Sammelumkleiden mit dunkelblauen Metallschr√§nken, wei√üe W√§nde, skeptisch schauende Menschen, vielleicht eine Zimmerpflanze am Eingang. Rustikaler ostberliner Rumpelcharme.

Dem war nicht so. Warme, Farben, Holz, unfassbar freundliche Menschen, nix rustikal, nichts Rumpel, aber Charme.

Freitag, 21. Juli 2017

Hausrotschwänze

Man trifft sich immer zweimal. Oder dreimal. Oder √∂fter. Wir und unsere Nachbarn, Familie  Hausrotschwanz. Ein Kennenlernen an f√ľnf Orten.

Letztes Jahr im Sommer: was h√ľpft denn da durch das Gras? Ein Vogel, roter Fleck, heftig wippender Schwanz, zu schnell weg um ihn n√§her zu erkennen. Kurze Zeit sp√§ter auf dem Zaunpfosten: derselbe Vogel? Schwarz und Rot auf jeden Fall, irgendwie hektisch, wackelnd mit dem Schwanz als w√§re er ein Hund vor einem frisch geschlachteten Rindermagen. Fast Spatzengro√ü, aber schlanker. Madame, kennst Du den?



Madame Poupou kannte den Gartenrotschwanz. Aber der sah irgendwie anders aus. R√∂ter tats√§chlich. Kleiner. Ein Gartenrotschwanz brandenburgiensis vielleicht? Oder sollten wir doch nachschauen? Immerhin, f√ľr Zweifelsf√§lle gab und gibt den Kosmos-Vogelf√ľhrer im Haus: Dort, direkt neben dem Gartenrotschwanz, das Bild: ein Hausrotschwanz vermutlich. Weniger rot, daf√ľr gr√∂√üer. Der Verdacht best√§tigte sich √ľber die kommenden Wochen als wir den Vogel weiterhin beobachteten wie er hektisch vom Zaunpfahl durch's Gras h√ľpfte..

Letztes Jahr im Winter: Wir, vor der Gartenhaust√ľr stehend. Ein Blick nach oben, unter die Dachsparren. „Du, sag mal. Hast Du letztes Jahr Schwalben gesehen? Ich glaube da unter dem Dach ist ein Schwalbennest.“ Ne keine Schwalben, aber das w√ľrde erkl√§ren warum hier bei der T√ľr immer so viel Vogelmist ist. Und da ist eindeutig ein leeres Nest.

Freitag, 14. Juli 2017

Kleintierzoo - die Sammlung

Eigentlich treiben Madame Poupou und ich uns des Sommers gar nicht in einem Garten herum. Es handelt sich um einen Kleintierzoo. Was dort alles kriecht und fliegt, buddelt, frisst, Bäume erklimmt, sich auf Blättern ein- und ausrollt, Löcher in Erdhaufen und Holzbalken hinterlässt. Immer wieder tauchen diese Tierchen auch in Iberty auf.

Raupe - gr√ľn - Rose


So gelangt das ein oder andere dieser Tiere auch in den Blog. Tiere interessieren anscheinend die Leser deutlich mehr interessieren als Schwimmbäder, zumindest was die Aufrufzahlen angeht. Der mit weitem - also wirklich mit weitem - Abstand Artikel mit den meisten Lesern in den letzten Jahren war "Erdwespen gefährlich?".

Aber es gibt ja nicht nur die Erdwespen, sondern auch die Schmetterlinge und Raupen, die Hornissen und die W√ľhlm√§use, Junik√§fer, verschiedenste V√∂gel von Hausrotschwanz bis Rotmilan, Wespen und Hummeln aller Art. Die ganzen Schwebfliegen und Grabwespen brauchen wohl noch Jahre bis wir alle identifiziert haben. Unter jedem Stein sitzt ein Ameisenbau etc. Angesichts des sich ausbreitenden Sommers, mal eine Zeit all' diese Tiere und ihre Bauten und die Bloh-Artikel dazu, hier zu sammeln.

Freitag, 7. Juli 2017

Israel-Romane (I): die Liste

Ein kurzer israelischer Herbst steht bevor. Um uns emotional in das Land und die Realit√§ten dort einzugrooven, hilft Literatur. Aber welche? Zu viele B√ľcher, zu wenig Zeit.

Da es dieses wunderbare Internet gibt, fragte ich doch einfach mal Freunde und Bekannte, welche Romane zum Thema Israel sie kennen. Interessiert war ich vor allem am aktuellen Israel 2017, machte aber keine Vorgaben und dachte, ich schaue mal was so kommt. Das Internet der Freunde und Bekannten erwies sich als mindestens so wundervoll wie erwartet. Die Zahl der lesenswerten Tipps √ľberstieg klar das alles was ich √ľberhaupt zeitlich lesen k√∂nnte. Immer noch zu viele B√ľcher und zu wenig Zeit, aber die Liste fokussiert.

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Bild: Jerusalem, Sheeps in Talpiot industrial area Von: zeevveez Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Einige B√ľcher der Liste besorgte ich, einige andere werden noch folgen. Die in Folge der Frage entstandene Sammlung w√§re zu Schade, um in den Tiefen von Social Media unterzugehen. Andere Menschen haben vielleicht mehr Zeit oder einfach einen anderen Geschmack.

Gelesen habe ich bisher noch keines der B√ľcher, aber allen Recherchen nach, ist es da, was die Leser erwartet. Mehr Infos zu einzelnen B√ľchern gibt es nach dem Lesen.

Hier sind sie also: lesenswerte Romane zum Thema Israel. Geordnet sind die Empehlungen grob nach dem Erscheinungsdatum des Originals.

Altneuland


Erschienen: 1902 Autor: Theodor Herzl Empfohlen von Manuel

Eines von zwei B√ľchern, das im Original auf deutsch erschien und erst sp√§ter als „Tel-Aviv“ in die Vorform des modernen hebr√§isch √ľbersetzt wurde. DER zionistische Roman, der damit nat√ľrlich auch der Grundroman f√ľr das heutige Israel ist. Allerdings, da Israel gef√ľhlt immer weniger mit den sozialistisch-sekular angehauchten Juden des Ursprungszionismus zu tun hat, eher ein geschichtlicher R√ľckblick als ein Buch f√ľr heute.

Sonntag, 2. Juli 2017

Schwimmbäder nah und fern: Aqua Stadtbad, Hennigsdorf

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmnb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: das Aqua Stadtbad Hennigsdorf

Hennigsdorf? Ist das noch Berlin? Nicht mehr ganz. Der Ort liegt direkt an der Stadtgrenze und war damit zwischen 1961 und 1989 von allem abgeschnitten. Hier war Brandenburg zu Ende. Nach Westen kam die Mauer, nach Osten die Pampa. Wenn es schon komisch war, dass Berlin von seinem Umland abgeschnitten war - immerhin war Westberlin eine Millionenstadt, die sich selbst gen√ľgen konnte. Das Umland allerdings, abgeschnitten von der Metropole, zu klein f√ľr sich selbst, ausgerichtet auf das gro√üe Nichts - das ist nur noch absurd.



Heute ist Hennigsdorf weder richtig Stadt noch richtig Land, geographisch im Nirgendwo, in dem zwar einige Menschen Arbeiten (bei Bombardier zum Beispiel) und Leben, alle andere aber bestenfalls durchfahren, vom echten Land in die echte Stadt.

Dabei liegt Hennigsdorf idyllisch an der Havel, ist aber wohl doch zu industriell gepr√§gt um Berliner Wochenendausfl√ľglers Ziel zu sein. Ein Bad hier ist f√ľr die Menschen vor Ort und muss dementsprechende Bed√ľrfnisse erf√ľllen. Ein echtes kommunales Bad also, dessen H√∂henflug an Schicki-Micki bereits die Benennung als „Aqua“ war.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Alltagssport in der DDR

Die DDR war eine Sportnation. Medaillengewinner bei Olympischen Spielen wurden verh√§tschelt. Erfolgreiche Sportler waren f√ľr DDR-Verh√§ltnisse Superstars. In das Training und die Unterst√ľtzung der Leistungssportler flossen nicht unerhebliche der knappen Mittel des Staates.

Die Sportnation DDR definierte sich √ľber den Spitzensport. Aber wie sah es mit Alltagssport aus? Wer wei√ü dar√ľber? Alltagssport gab es in der DDR nat√ľrlich auch. Wenn auch weder unter dieser Bezeichnung, noch als Breitensport, sondern als Freizeit- und Erholungssport. Von Spoitfunktion√§ren wenig geliebt, aber doch vorhanden. Insbesondere von unten immer wieder gewollt und gew√ľnscht, durch den organisierten Sport bestenfalls hingenommen.



Eher zuf√§llig fiel mir das Buch „Alltagssport in der DDR“ (Hg. Von Jochen Hinsching, Meyer & Meyer Verlag 1998, Band 6 der Reihe „Sportentwicklungen in Deutschland“) in die H√§nde. Ein Aufsatzband irgendwo zwischen Sportsoziologie und Erfahrungsbericht. Einige √úberblicksartikel zum DDR-Freizeitsport an sich (Politische Bedingungen, so vorhanden emprische Zahlen), einige Einzelaufs√§tze (Sportabzeichen, Sportfeste in Leipzig), einige Erfahrungsberichte (fr√ľhe Karateszene, der Rennsteiglauf von den ersten Anf√§ngen bis zum Masseneignis). 

Ein Buch im Spannungsfeld, das irgendwie noch nicht so hundertprozentig den sozialwissenschaftlichen Gestus drauf hat, aber auch zu trocken ist als Erfahrungsschilderung. Größtenteils eine theoretisch reflektierte Erinnerung der Beteiligten. Seien wir ehrlich, insgesamt eher dröge zum Lesen. Aber nicht unspannend.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Qualle blau Nordsee gefährlich?

Blaue Nordseequallen sind nicht gef√§hrlich. Sie nesseln und brennen ein wenig. Das ist weniger schlimm als bei Brennesseln. Wem dieser Effekt immer noch zu schlimm ist, oder wer allergisch reagiert, sollte die Haut mit Essig oder Rasierschaum einspr√ľhen. Dass das Ganze mit einer stumpfen Kante (Plastik-Karte, R√ľckseite eines Messers) abschaben. Auf keinen Fall sollte die Stelle mit S√ľ√üwasser behandelt werden. S√ľ√üwasser setzt mehr Gift frei.

Gefährlich kann es werden, wenn die Nesseln ins Auge geraten. Deshalb gilt es beim Tauchen in der Nordsee: Augen zu oder eine Schwimmbrille tragen.

Jellyfish - geograph.org.uk - 185481
Bild: Jellyfish. Close up, von: Gary Rogers Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Wie es geschah



Fr√ľher Juni, Dithmarschen, Nordseek√ľste, Pfingsten, strahlender Sonnenschein, Wind. Am B√ľsumer Hauptstrand brechen sich die Wellen. Das Wasser hat entspannte 16 Grad, die Luft schon fast 20 Grad. Eine Frau in M√ľtze, Schal und Daunenjacke schaut uns skeptisch an, als wir ins Wasser steigen.


Die Flut l√§uft noch etwa eine halbe Stunde. Die Wellen √ľbersp√ľlen bereits die Einstiegstreppe. Wir wandern, wandern, wandern. Watt ist Wanderland, selbst wenn das Wasser da ist. Die K√ľste ist flach. Ein paar Zentimeter Wasser unter dem Bauch m√ľssen ja sein. Irgendwann dann L√§ngslange ohne dabei den Boden zu touchieren.
Ein paar Schwimmz√ľge. Dank Wellen und Str√∂mung ist unklar, ob es jetzt vorw√§rts oder r√ľckw√§rts ging. Das Wasser ist kalt, angenehm und salzig. Und es brennt. Nan√ľ? Brennen auf der Haut? F√ľhlt sich an wie Brennenesseln.


Brennesseln? In der Nordsee? Ja, wohl kaum. Vielleicht Quallen? Hier echt? Kenne ich nur von der Ostsee. Später dann, wieder an Land. Madame Poupou erzählt, dass sie das zum Brennen gehörige Tiert auch gesehen hat: es war blau.

Dienstag, 20. Juni 2017

Schwimmbäder nah und fern: Sewanstraße, Friedrichsfelde. Schwimmhalle Senwanstraße

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmnb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: die Schwimmhalle Sewanstra√üe in Berlin-Friedrichsfelde.

Ein Lieblingsbadkandidat. Auf jeden Fall √ľber Monate hinweg konsistent das freundlichste Schwimmbad in ganz Berlin.

Nan√ľ. Eine recht neu gebaute Ostberliner Schwimmhalle und der Weg f√ľhrt gar nicht durch Neubaubl√∂cke und breite Stra√üen, sondern eher durch alte Alleen, an alten Industriegeb√§uden, kleinen Mehrfamilienh√§usern und gr√∂√üeren Villen vorbei. Nebenan liegt der Tierpark.

Die Schwimmhalle liegt an der Grenze zwischen Friedrichsfelde und Karlshorst, wo sich schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine Berliner Villengegend befand.



Die Schwimmhalle kriegt gerade noch die Kurve – sie liegt nat√ľrlich doch am Rande eines  Neubaugebietes, das sich dann Richtung Tierpark erstreckt. Tats√§chlich sind es keine zehn Minuten Fu√üweg bis zu dem Zoo. F√ľr interessierte gibt es hier noch einen Pfad zu den Plattenbauten mit durchaus informativen Infotafeln zum Ostberliner Neubaugebiet an sich und den einzelnen Plattenbautypen.

Donnerstag, 15. Juni 2017

B, C oder D? Eine Bestimmungshilfe f√ľr Volksschwimmhallen.


Ihr kennt das Problem: Man steht in Ostberlin vor einer Schwimmhalle und fragt sich: B, C oder D? Welcher Typenbau einer DDR-Volksschwimmhalle ist es denn nun? Die 1970er und die angrenzenden Jahrzehnte waren das Goldene Zeitalter des deutschen Schwimmbadbaus in Ost und West. Auf beiden Seiten der Grenze trug der Typenbau maßgeblich dazu bei, dass neue kommunale Schwimmbäder und Schwimmhallen entstanden. Erstmals entstand so etwas wie eine flächendeckende Versorgung mit Hallenbädern..

Westberlin baute zwischen 1974 und 1984 das Kombibad in verschiedenen Varianten. Die DDR begann fr√ľher und endete sp√§ter mit dem Typenbau. Sie fr√∂nte seit den sp√§ten 1960ern bis zu ihrem Ende dem Schwimmbad-Typenbau in vier Evolutionsstufen von A bis D. Eigentlich hielt sie sogar noch nach ihrem Ende durch, da die letzten "DDR-"Typenbauten erst Anfang der 1990er fertig gestellt wurden.

"Schwimmhalle" steht drauf. Aber welche ist es?


Die Typen sind auf den ersten Blick recht ähnlich. Die Bäder selbst sind oft durch zwischenzeitliche Modernisierungen und Sanierungen nur bedingt als eigentlich identische Bäder zu erkennen. Aber der Afficionado möchte ja doch wissen wo er ist, ob das nun Typ Anklam der doch eher Berlin 83 ist, möchte erkennen was an der Gestalt des Bades noch original ist und was einer späteren Sanierung geschuldet.

Generell ist die Informationslage √ľber Schwimmbad-Typenbauten schlecht: B√ľcher √ľber B√§der werden von Architekturfans geschrieben und bei denen stehen 70er-Typenbauten noch in einem schlechten Ruf. Mein Standardwerk √ľber die Berliner B√§der fertigt die ganzen Typenbauten nur am Rande ab, hat ungew√∂hnlich viele inhaltliche Fehler in jenem Teil des Buches und noch nicht einmal bemerkt, dass B und C zwei unterschiedliche Typen sind. Berlin und seine Bauten beschr√§nkt sich leider auch zum gr√∂√üten Teil darauf, den Typenbau an sich zu verteufeln ohne auf Details einzugehen.

Schwimmer w√ľrden das anders sehen. Aber Schwimmer schreiben im Normalfall keine Texte √ľber Geb√§ude - nicht einmal √ľber Schwimmb√§der.

Dienstag, 13. Juni 2017

Schwimmbäder nah und fern: Hemmingstedt, Freibad

Schwimmb√§der sind sch√∂n. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land fl√§chendeckend mit Schwimmb√§dern √ľberzogen zu haben. Schwimmnb√§der sind ein Ort f√ľr alle, ein Ort f√ľr Bewegung, Spiel und √úberraschungen. Schwimmb√§der geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmb√§dern werde ich dieses Blog nutzen, um einen √úberblick √ľber gro√üe und kleine Schwimmb√§der zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Freibad Hemmingstedt

Hach, ein Bad dass ich einfach mag. Das Freibad in Hemmingstedt ist weder schwimmerisch besonders spektakul√§r noch hat es gro√üartige Liegewiesen, Beachvolleyballfelder, 50-Meter-Becken oder sonst etwas herausragendes. Aber es ist eines dieser kommunalen Schwimmb√§dern bei denen ich von vorne bis hinten den Eindruck habe, dass alles stimmt. Die Anlage ist sch√∂n gestaltet, die Kabinen/Duschen sind f√ľr ein Freibad im Top-Zustand, die Leute - sowohl Besucher wie Angestellte -  verhalten sich ausnehmend nett und das Wasser ist warm genug um nicht zu bibbern. Kommunale Schwimmb√§der wie ich sie mir w√ľnsche.



Hemmingstedt liegt in Dithmarschen, nicht unweit der Badeorte B√ľsum und Sankt Peter Ording. Die Nordsee ist nah, aber dank Watt, Modder, Ebbe und Flut und Str√∂mungen nur sehr eingeschr√§nkt beschwimmbar.

Sonntag, 4. Juni 2017

Schwimmbad Berlin: Tiergarten, Stadtbad

Eine einladende Atmosph√§re verspr√ľht dieses Bad nicht. Es tr√§gt ein schweres historisches Erbe. Denn seinem Bau fiel das √§lteste Bad Berlins zum Opfer. Von au√üen wirkt das Stadtbad Tiergarten verbaut, von innen dringend sanierungsbed√ľrftig und dieses all√ľberallige Braun macht mich depressiv. Dennoch: wenige Berliner B√§der wecken so viel Lust auf das Schwimmen. Ich habe lange nicht mehr solche Strecken geschwommen wie hier im Bad.



Das Stadtbad Tiergarten ist das vorletzte Westberliner Bad. Gebaut 1984. Danach entstand nur noch das Wellenbad am Spreewaldlatz 1987. Und in diesen drei Jahren fand die Wende im Schwimmbadbau statt, die bis heute anh√§lt: Tiergarten (1984): 50 Meter Bahn, ein Nichtschwimmerbecken. ein Sprungbecken. Spreewaldbad (1987): √ľber zwei Etagen, verwinkelt mit sieben Becken, Wellenbad, Sprudeldings und Pl√§tscherd√∂ngs.

Dienstag, 30. Mai 2017

Kirchentag 2017 – #smartchurch, #onlinepranger, Psalm139

Orange Augen schauen Dich an. Ein Plakat wird von Dir gesehen - sagt es. Orange Schals zieht vorbei  in der Menschenmenge. Im Park spielen pl√∂tzlich Posaunench√∂re und vor unserer Sch√∂neberger Dorfkirche wird jeden Abend mit G√§sten aus Baden-W√ľrttemberg gegrillt. Die Christen sind in der Stadt.



Nachdem es √ľber 20 Jahre her ist, dass ich mich das erste und letzte Mal zum Kirchentag aufmachte, zog der Kirchentag diesmal zu mir in die Stadt. Ein Grund, ihn mal wieder anzuschauen. Es war in jeder Hinsicht ein lohnendes und inspirierendes Erlebnis mit Digitaler Kirche, Hatespeech, Spontan-Jazzdance-Flashmobs, Neuer Musik und den Bl√§ttern f√ľr deutsche und internationale Politik.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Badeseen beim Ländchen Glien

Es war letztes Jahr im Herbst. Die Sonnenstunden schwanden dahin, Nebel zog auf und mir wurde schmerzhaft bewusst, dass ich es kaum geschafft hatte, die √∂rtlichen Brandenburger Seen aufzusuchen: Zu viele Badestellen, zu wenig Zeit. Neben den Ausfl√ľgen zum Pl√∂tzensee gab es nur ein paar Besuche am Kremmener See und ein kurzer wenig erbaulicher Dip in der Havel. Kleinigkeiten. Soviel fehlte noch.

Als alter Wikipedianer begann ich an den dunkler und k√§lter werdenden Abenden das ganze systematisch anzugehen und erstellte eine Liste. Die lag in den Tiefen der Festplatte. Nun aber, da ich die Mauersegler √ľber dem Nachbarhaus kreischen h√∂re, auf der Stra√üe Menschen in Flip-Flops durch die Gegend laufen und mein pers√∂nliches Saison-Anbaden schon mehrere Wochen her ist, wird es Zeit die Liste wieder herauszuholen.


See full screen

Ausgangsort f√ľr die Seensuche ist das L√§ndchen Glien, eine Lehmplatte zwischen Havel und Rhin, gelegen nordwestlich von Berlin irgendwo zwischen Oranienburg, Hennigsdorf und Neuruppin. Dort ist Brandenburg, In Brandenburg gibt es Seen. Dies sind die potenziell beschwimmbaren Seen in der N√§he: