Sonntag, 28. November 2010

Samstag, 27. November 2010

Ein paar lose Gedanken zu Wissenschaft und Wikipedia.

Die Wikipedia-Academy und die Zedler-Medaille hat ja auch auf diesem Blog einige Spuren hinterlassen. Da hier im Wikipedia-Universum natürlich und zu Recht nichts undiskutiert bleibt, gibt es jetzt auf der Mailingliste gibt es dazu im Thread [VereinDE-l] Bericht zur Verleihung der Zedler-Medaille und Academy (Anfangspöbelein kann man überlesen, die sind wenig ertragreich) noch eine ganz spannende Diskussion. Die gleitet in das weitere Thema ab, wer denn nun für Wikipedia schreiben kann und mag, und wo die Hürden liegen. Bevor ich mich selbst ganz zu dem Thema aussortiert habe, erstmal ein paar Grundgedanken:

- Wissenschaftler werden nicht in Wikipedia schreiben, es sei denn in ihrer Freizeit als Hobby.

- Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen zu einem großen Teil außerhalb des Einflusses von Wikipedia/Wikimedia.

- Sind also auch durch "uns" nicht zu ändern.

- Selbst wenn sie wollten, ist wissenschaftlicher Text was sehr anderes als vermittelnder Text; Kulturkonflikte sind vorprogrammiert und kommen tatsächlich auch regelmäßig vor.

- Der Aufwand für Zedler in den letzten Jahren war immens, die Veranstaltung meiner nach immer besser organisiert worden, der direkte Ertrag an Artikeln/Autoren blieb jedoch minimal. Eine tragische Ressourcenverschwendung.

- Die Verleihung selbst ist sehr angenehm. Die Academy dieses Jahr war eine echte Bereicherung. Wobei ich mir mehr Leute bei der Academy gewünscht hätte, die war sehr inhaltsreich.

- Wer ein professionelles Interesse an Wikipedia hat, sind Vermittler, Museen, Universitäten, Verlage etc. Die könnten von Wikipedia-Reputation direkt profitieren.

- Wer klassische Wikipedia-Text schreiben kann: nicht Wissenschaftler, sondern gute (Wissenschafts-)journalisten.

- Die Zedler-Zeremonie ist zu schick um sie aufzugeben, vielleicht allerdings sollte man sie mit anderen Inhalten füllen. Vielleicht auch den Schreibwettbewerb verbreitern, mal nachdenken.

Freitag, 26. November 2010

Arrrggls, Gender-Studies!

Warum? Warum tut ihr das uns, Euch und allen an? Warum besprecht ihr eine recht stinknormale Porno-Seite (SuicideGirls) mit:

.. an alternative genre of feminist actors who perform the pain of beauty in order to upset beauty’s hegemonic control on women’s bodies. The tattoos of Jaylin speak to the contradictory performances of gendered actors in light of Butler’s theories on agency to highlight the ways in which agents subvert imposed subjectivities. Beauty is thus not only a system of control but a means by which the individual can resist power structures through positive articulations of one’s agency.


Ne, klar; Machtstrukturen sind keine mehr, wenn man sich vorher tätowieren lässt.



Traktorfreitag: Nordtrak

Willkommen zum Traktorfreitag, einst Traktormontag, jetzt aber aus organisatorischen Gründen Traktorfreitag. Und ja, vollkommen wöchentlich das alles hier. Vorweg ein kurzer Link via Boing Boing. Don't do this at home: Ky. Man Forced To Eat Own Beard. Fight Over Tractor Sale Led To Odd Meal. Da wenden wir uns doch erfreulicherem Treckergebrauch zu, den das Fernsehfachmagazin für den emotionalen Traktoristen brachte:



Nun aber zum eigentlichen Thema: Nordtrak. Auf den Wikipedia-Löschkandidaten entdeckt, hat sich so ein Kleinunternehmen doch als spannender Traktorpioniert entpuppt. Was meine These bestätigt, dass eigentlich alles spannend ist, wenn man nur genauer hinkuckt.

Direkt nach dem Krieg gebaut aus Jeep-Teilen, danach zumindest auf den Grundprinzipien des Jeeps, waren sie erste Allradtraktoren: geländegängig und vielseitig verwendbar. Mit vier gleichgroßen Rädern optisch auffallend und durchaus schick aussehend, aber mit Vierradantrieb aber viel zu teuer. Und so anspruchsvoll sind die meisten deutschen Äcker ja nicht.

Deshalb waren sie nur selten in der Landwirtschaft zu finden, sondern eher in der skandinavischen Fortwirtschaft oder in Südamerika auf dem Bau. Viele eindrucksvolle Bilder gibt es - leider alle unter geschlossene Lizenzen, die zwei offenen sind nicht eindrucksvoll - und im Wikipedia-Artikel ist sogar ein Autor mit Nordtrak-Erfahrung aktiv.

What a pity aber auch, dass man bei Wikipedia nicht einfach so Youtube-Videos einbetten kann.



Wissenswert-Projekte (VI): Berlin live Wiki

So, auf zum letzten Teil der Wissenswert-Serie. Ich vermute mal das Grundprinzip ist mittlerweile klar: Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Für eine große Übersicht gibt es dem Rundumschlag.

Das Berlin live Wiki steht mir gleich aus zweierlei Gründen nahe: einerseits bin ich eh großer Anhänger und Verfechter des echten Lokaljournalismus, zur Zeit schaue ich da halt recht zwangsläufig besonders auf Berlin. Zum anderen lese ich das schon existierende Magazin Bier statt Blumen recht regelmäßig und wünsche mir mehr Inhalte dieser Art.

Johanna von Stülpnagel und Nicole Walter schlagen ein journalistisch betreutes Wiki mit offener Redaktion vor, dass nicht nur Inhalte erstellen soll. Ebenso soll es auch die politisch, kulturell und gesellschaftlich engagierten Menschen vernetzen, die das Wiki lesen oder darin schreiben. Das Wiki als Basis, um auch in der materiellen Welt Netzwerke zu schaffen.

Das Lokaljournalismusoffenwiki wie ich es mal nennen will, ist mir daher auch sehr symapthatisch. Wobei ich leider noch diverse Probleme in seiner Verwirklichung lese, und Zweifel habe, ob das mit dem Wiki wirklich so läuft, wie sich Johanna von Stülpnagel und Nicole Walter das vorstellen: sehr viel Charme hat die Idee. Wenn es läuft entwickeln sich da wirklich neue Verfahren. Auf jeden Fall ein Projekt, dem ich Erfolg wünsche. Um sie selbst zu Worte kommen zu lassen:

Wir möchten ein Wiki für Berlin starten, das sich um aktuelle Nachrichten aus Politik, Gesellschaft und Kultur dreht. 3 Dinge zeichnen es aus: Journalisten unterstützen das Wiki mit eigenen Recherchen. Zweitens, soll das Wiki soll nicht nur im Netz, sondern auch live in Berlin stattfinden. Einige Tage in der Wochen arbeiten die Wiki-Journalisten als Live-Kuratoren des Wiki in einem offenen Büro. Wer das Wiki liest und / oder mitschreibt, ist eingeladen vorbei zu kommen mit Kritik, Fragen, Vorschlägen. Drittens, soll es ein Markenzeichen des Wikis werden, dass es Menschen persönlich vernetzt.

Warum Berlin? Wenn irgendeine Stadt in Deutschland überberichtet wird, dann doch wohl diese. Hätten Frankfurt/Oldenburg/Riesa/Hellschen-Herigsand-Unterschaar solche Projekte nicht viel nötiger?

Ganz klar, die Projektidee an sich ist unabhängig von Berlin. Ein Live Wiki können wir uns ebenso gut in Riesa oder Hellschen-Heringsand-Unterschaar vorstellen. Und unsere Erfahrungen geben wir sehr gerne weiter.

Nur selbst umsetzen würden wir es nicht, weil wir dort nicht vor Ort sind und keine „Lokalhaftung“ haben, was wir aber ganz wichtig finden, um es gut zu machen.


Wir haben uns für Berlin entschieden, weil wir hier leben und hier seit einer guten Weile journalistisch arbeiten. Hier kennen wir uns aus, hier leben wir, hier sind wir täglich unterwegs. So können wir Interviews persönlich führen, direkt vor Ort recherchieren und direkt mit den Menschen sprechen.

Wir glauben nicht, dass Berlin „überberichtet“ ist: Oft berichten viele Berliner Medien über die gleichen Themen, stehen unter Zeitdruck. Mit langem Atem an den Themen dran zu bleiben, aus einem anderen Blickwinkel zu berichten, ausführlicher zu sein, das soll uns unterscheiden. Ein Beispiel dazu: „Rundreise der Gutmenschen“ – Johanna berichtet über eine Pressefahrt der Berliner Sozialsenatorin Carola Bluhm und des Integrationsbeauftragten Günter Piening zu Palästinensern in Berlin. Darüber haben fast alle Berliner Medien berichtet, aber Johanna hat einen ganz anderen Bericht daraus gemacht als die anderen.

Offenes Büro klingt ja immer gut. Aber meint ihr, ihr kommt zum Schreiben, wenn ihr gleichzeitig die üblichen Büro-Besuchs-Abhänger beschäftigen sollt?

Da unsere Bürostammbesetzung aus mindestens zwei Redakteuren besteht, soll immer eine Luft haben, um sich auf Recherchen und Schreiben zu konzentrieren. Wir wollen drei offene Kern-Bürotage in der Woche haben und sind auch darauf vorbereitet, abends und am Wochenende reinzuhauen, wenn ruhige, konzentrationsschluckende Dinge anstehen. Und einige von uns haben lange in turbulenten Großraum-Redaktionen gearbeitet, tun es zum Teil heute noch, und da sind wir schön stressresistent geworden.

So sehr ich die Inhalte von bierstattblumen schätze. Habt ihr Wiki-Erfahrungen und eine Ahnung was da im Erfolgsfall an Community-Dynamik auf Euch zukommt?

Ganz klar: Wir haben keine Wiki-Erfahrungen. Im Erfolgsfall begrüßen wir die „Community-Dynamik“, denn aus der Erfahrung der vergangenen Monate wissen wir: Ein Live-Magazin braucht Dynamik. Und mehr Menschen bedeuten zwar organisatorischen Aufwand, jedoch auch mehr und unterschiedlichste Inhalte. Und das ist das, was eine aktive und fruchtbare Plattform ausmacht. Schon jetzt vernetzt bier statt blumen deutlich mehr als eine Handvoll Personen, das ist sozusagen ein Grundzug des Projekts, den wir im Live-Wiki bewusst ausbauen wollen.

So ganz klar ist mir die Rollenverteilung in dem Wiki noch nicht? Sollen die Journalisten helfen und unterstützen oder haben sie viel eigenen Anteil an den Inhalten?


Es wird Projekte geben, bei denen wir die leitend eingreifen, indem wir die Rahmenbedingungen vorgeben, durch Rat und Tat unterstützen und die Räume stellen. Wir sind Anlaufstelle und bieten Erstkontakt, wollen jedoch auch Folgeprojekte mit anstoßen, die dann durchaus auch auf eigenen Beinen laufen sollen.

Unsere journalistische Kernaufgabe sehen wir darin: Fakten zu prüfen; zu sehen, welche Informationen zu einem Thema fehlen und diese zu recherchieren; Interviews zu führen; dran zu bleiben an aktuellen Entwicklungen, um die Beiträge entsprechend zu aktualisieren; bei Bedarf Themen-Ideen einzuwerfen.


Und zum Antrag selbst die Abschlussfrage an alle: braucht ihr das Geld unbedingt? Oder wäre es nur eine Hilfe bei einem ansonsten auch laufenden Projekt?

Ein klares Ja: Wir brauchen das Geld. Unbedingt. So sehr wir von unserem Idealismus und unserem Engagement zehren können, so notwendig sind finanzielle Mittel, um ein Niveau zu erreichen, von dem man aus auf eigenen, „pekuniären Füßen“ stehen kann. Daher wäre eine Unterstützung in der nächsten Zeit wesentlich als Schub in die Zukunft. Denn im Moment haben wir keine solide finanzielle Basis, sondern stemmen das alles mit Idealismus.




Mittwoch, 24. November 2010

Wissenswert-Projekte (V): Wissenschaft als Wiki

Zur Einführung: Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Nach dem allgemeinen und formalen Aussieben durch Wikimedia sind nun 40 Projekte übrig. Die laufen bis Ende November schau, danach entscheidet dann eine Jury und als Zusatzstimme das Publikum über die Preisvergabe. Nach dem Rundumschlag letzte Woche, kommen hier jetzt ein paar mehr Worte zu einer handvoll einzelner Projekte:

Daniel Mietchen und soweit ich verstehe auch andere Teilnehmer von Science 3.0 wagen sich mit dem Vorschlag Wissenschaft als Wiki in das bisher eher problembehaftete Mittelfeld aus Wikis und Wissenschaft. Bisher waren derartige Ansätze ja eher wenig von Erfolg geprägt (Nupedia als Paradebeispiel, ich denke Citizendium und Wikiweise kann man da guten Gewissens reinzählen), allerdings scheint mir der Ansatz hier an einer entscheidenden Stelle anders zu sein. War es bei den bisherigen Projekten eher ein: man nehme ein Wiki und versuche Wissenschaft zu integrieren, wird es jetzt ein man nehme Wissenschaft und versuche ein Wiki daraus zu machen. Allgemeinverständlich wird das sicher nicht, aber vielleicht gelingt es ihnen ja, eine lebendige Community zu erschaffen, die trotzdem wenig Probleme mit uninformierten Besserwissern hat. Neugierig wäre ich auf jeden Fall.

Initiator Daniel Mietchen ist dabei mit besonderer Offenheit an die Wissenswert-Bewerbung gegangen, auf Science 3.0 lassen sich auch die von Wikimedia nicht-veröffentlichten Teile seines Antrags lesen. Wer will, kann die Antworten auf diese Fragen auch gleich auf Science 3.0 lesen: www.science3point0.com: User:Daniel Mietchen/Interviews/2010/Iberty on Wissenswert 2010

Vereinigt Dein Konzept nicht den Nachteil beider Welten? Entsteht dort nicht die potenzielle Unzuverlässigkeit eines Wikis kombiniert mit der Schwergängigkeit und Abgrenzung des institutionalisierten Wissenschaftsbetriebs?

Zur Zuverlässigkeit einer Quelle tragen verschiedene Faktoren bei. Einige davon sind technischer Natur, andere ergeben sich aus dem editoriellen Prozess oder hängen von den daran beteiligten Personen ab, und wiederum andere vom Grad der Kopplung technischer oder editorieller Beiträge an relevante Kenntnisse (zum Thema oder zur Wiki-Syntax) und Fähigkeiten (z.B. Ausdrucksfähigkeit, Erklärungsvermögen) von Benutzern oder Benutzergruppen. Zudem haben vorhandene Inhalte Auswirkungen auf die Zusammensetzung und Dynamik der Beutzergemeinde.

Natürlich gibt es eine Große Zahl an Wikis, die in vielerlei Hinsicht unzuverlässig sind, doch heißt das nicht automatisch, dass Wikis grundsätzlich unzuverlässiger sein müssen als klassischere Medien der Wissenschaftskommunikation ("retractions at Wiley-Blackwell are now running at more than one a week"). Gerade in wissenschaftlichen Kontexten ist das Potenzial kollaborativer Online-Plattformen bisher bei weitem nicht ausgereizt worden, und dazu wollen wir einen Beitrag leisten.

Die Gefahr der Schwergängigkeit ist real, wenn gewachsene akademische Gepflogenheiten einfach von einem Medium in ein anderes übernommen werden. Dem kann jedoch durch offenen Austausch mit der Benutzergemeinde sowie mit technisch oder inhaltlich verwandten Projekten begegnet werden. Die Gefahr neuer Elfenbeintürme in Wikistan sehe ich eher nicht - Wikis sind traditionell offener gestaltet als zum Beispiel Fachzeitschriften, und falls sich eines zu sehr abschottet, schränkt dies automatisch dessen Wachstum ein.

Womit sich auch eine der Kernfragen eines jeden Wikis stellt: wie offen wird es sein? Wenn sich nicht Wissenschaftler und benachbarte Gruppen wie wissenschaftliche Verlage, Forschungsförderungsorganisationen oder Patientenvereinigungen anmelden, sondern 14-jährige Wehrmachtsfans? Was dann?


Wir planen, die Benutzerkonten an ein anerkanntes Forscher-Identitätsmanagement-System zu koppeln (wahrscheinlich ORCID, wenn es denn rechtzeitig nutzbar wird). Eine solche Identität erhält nur, wer bei einem wissenschaftlichen Verlag einen Beitrag zur Publikation einreicht. Das dürfte die Anzahl "14-jähriger Wehrmachtsfans" im ORCID-System ohnehin niedrig halten, und falls uns dennoch einer auffallen würde, ließe sich das Problem in den wenigen Einzelfällen sicher schnell beheben.


Im Gegensatz zu ORCID wollen wir uns den 14-jährigen jedoch nicht ganz verschließen, denn eines der Grundprobleme der Wissenschaft ist ja heutzutage, dass außer Papers nichts zählt, was für Einsteiger das Problem mit sich bringt, wie sie die ersten Möglichkeiten erhalten können, überhaupt an Projekten zu arbeiten, die irgendwann einmal zu ihrer ersten Publikation führen könnten. Wer dann, wenn das ORCID-System läuft und einigermaßen Wiki-kompatibel ist, schon relevante Wiki-Beiträge auf seinem Konto hat, dürfte sich den Einstieg vereinfachen.


Wie genau wissenschaftliche Verlage, Forschungsförderungsorganisationen oder Patientenvereinigungen eingebunden werden können, hängt von der Flexibilität des ORCID-Systems ab. Aber falls es damit nicht funktioniert, ließe sich der Schreib-Zugang z.B. via IP-Adresse oder Email-Adresse regeln.

Was ich auch noch nicht ganz verstehe: inwiefern und wie weit sollen die Texte im Wiki wirklich noch bearbeitbar sein? Dient das Wiki primär als maschinenlesbares Repositorium? Lassen sich interne Links setzen? Rechtschreibfehler korrigieren? Inhalte ändern?

Bezüglich des klassischen Publikationsprozesses haben wir zwei Ansätze, die wir zeitlich versetzt angehen wollen: Zunächst einmal wollen wir bereits veröffentlichte CC-BY-lizensierte Inhalte importieren, welche dann verlinkt, maschinenlesbar gemacht und semantisch aufbereitet werden sollen. Auch kleinere Änderungen oder umfangreiche Annotierungen sollen möglich sein, der Hauptinhalt der einzelnen Artikel soll sich allerdings nicht ändern. Für die Entwicklung solcher Inhalte bietet sich der Hauptnamensraum an, welcher entweder auf der Plattform direkt gefüllt und ausgebaut werden könnte (dann mit CC0) oder auf anderswo vorhandene enzyklopädische Einträge (z.B. in Scholarpedia, Citizendium, Encyclopedia of Earth, Spezialistenwikis oder gegenebenfalls auch Wikipedia) verlinken könnte. Für diesen Ansatz wäre der Begriff Repositorium sicherlich nicht falsch.


Der zweite (und spätere) Ansatz ließe sich wohl am besten als Wiki-Journal oder Wiki Publishing charakterisieren: Forschung, die noch nirgendwo anders formal veröffentlicht worden ist, soll dann über diese Wiki-Plattform veröffentlicht und von Anfang an in den Wiki-Kontext eingebunden werden können. Erste Ansätze in dieser Richtung gibt es schon - die Zeitschrift RNA Biology verlangt von Autoren von Manuskripten zu bestimmten neuen RNA-Themen, dass sie neben dem Manuskript einen Wiki-Artikel zur Begutachtung einreichen, der dann nach der formellen Veröffentlichung des Papers in Wikipedia eingestellt werden soll.

Neben diesen beiden Publikationsformen kann die Plattform natürlich auch als Laborbuch (wie es OpenWetWare schon seit Jahren vormacht), Ideenspeicher und auf viele andere Weisen genutzt werden.

Hast Du Pläne für das Autorenbestimmungsproblem? MediaWiki ist chronisch schlecht darin, den Autor eines Artikels kenntlich zu machen. Wenn man Artikel übernehmen will, ist die korrekte Bestimmung des Autors eines der Haupthindernisse. In einer Publish-or-Perish-Umgebung schränkt das MediaWiki-Problem den Level möglicher wissenschaftlicher Partizipation stark ein.


Prinzipiell ist die Autoreninformation ja da, insbesondere, wenn Beiträge unter realem Namen geleistet werden, wie es in der Wissenschaft bereits seit langem üblich ist. Was dann fehlt, ist nur ein Werkzeug, das die Information per Autor und Artikel aggregiert, und davon gibt es schon einige, zum Beispiel Wikidashboard oder die MediaWiki:Extension AuthorInfo, welche die Autoren nach Anzahl der Edits sortiert und anzeigt. Andere Projekte, wie WikiTrust oder Wikigenes, zeigen auch die Autorenschaft beliebiger Textschnipsel eines Artikels an. Wikigenes hat auch ein Karma-System, ebenso Scholarpedia (siehe Scholar Index).

Und zum Antrag selbst die Abschlußfrage an alle: braucht ihr das Geld unbedingt? Oder wäre es nur eine Hilfe bei einem ansonsten auch laufenden Projekt?

Die Programmierdienste brauchen wir in jedem Falle, und falls sie nicht auf Freiwilligenbasis erbracht werden können, brauchen wir diesen Teil des Geldes unbedingt. Für die Server-Kosten ließen sich notfalls auch andere Mittel finden, doch das Schreiben jedes neuen Antrags hält uns von unserem eigentlichen Ziel ab: Forschen und kollaborativ das wissenschaftliche Wissen effektiver zu strukturieren.

Einen Punkt, den man neben dem Geld nicht vergessen sollte, möchte ich noch erwähnen: Die öffentliche Aufmerksamkeit, welche das Projekt durch die Teilnahme an diesem teilöffentlichen Bewertungsverfahren erhält, wäre im klassisch akademischen Begutachtungsverfahren nicht denkbar, oder sie würde erst nach Bewilligung des Projektes einsetzen, was oft viele Monate verschenkte Zeit bedeutet. Wir wollen aber auch dazu beitragen, Wissenschaft für Nicht-Wissenschaftler erfahr- und erlebbarer zu machen, als dies bisher der Fall ist.


Siehe auch: 40 Projekte wollen Geld von Wikimedia: Wissenswert-Rundumschlag


Dienstag, 23. November 2010

Wissenswert-Projekte (IV): Twick.it

Zur Einführung: Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Nach dem allgemeinen und formalen Aussieben durch Wikimedia sind nun 40 Projekte übrig. Die laufen bis Ende November schau, danach entscheidet dann eine Jury und als Zusatzstimme das Publikum über die Preisvergabe. Nach dem Rundumschlag letzte Woche, kommen hier jetzt ein paar mehr Worte zu einer handvoll einzelner Projekte:

Die Twick.its haben gleich drei Vorschläge in der Endauswahl. Die Website an sich, ein Portal um Leser und Autoren und deren Wünsche aneinanderzubringen, sowie Plug-ins, um sich Twick.it-Erklärungen automatisch in Texten anzeigen zu lassen.

Das Projekt an sich ist ja eine der Ideen, die komplett offensichtlich erscheint, sobald sie mal jemand anderes hatte. Klar, bei vielem was ich nachschlage will ichnicht mehr als eine erweiterte Definition. Genau diese kriege ich in die 140 Zeichen im Notfall noch rein. Ein Wunder eigentlich, dass es das Projekt nicht schon seit 2005 gibt. Auch wenn ich glaube die Umsetzung könnte besser sein - ohne echte Diskussionsmöglichkeit werdet ihr keine habituelle Community aufbauen können, macht Twick.it schon mal einen guten Ansatz.

Bei der Autoren-Leser-Artikelvermittlung ähnlich skeptisch bin, wie vorhin bei Intopedia. Das Plug-in ist auch so offensichtlich etwas worauf ich schon immer wartete, da kann ich gar nicht anders als gutfinden. Aber um sie mal in ihren eigenen Worten zu bringen.

Twick.it wurde im März 2010 offiziell vorgestellt und hat seitdem knapp 12.000 Erklärungen sammeln können. Das Projekt wird in unserer Freizeit und komplett aus eigener Tasche finanziert. Um weiteres Wachstum sicherzustellen, sind weitere Investitionen in die Server-Infrastruktur nötig.

Zum Plug-in:

Die Kurzerklärungen von Twick.it, die unter CC-Lizenz stehen, werden genau dorthin gebracht, wo sie benötigt werden: Überall hin. Es ist nicht mehr nötig, eine Webseite oder ein Office-Dokument zu verlassen, um Begriffserklärungen nachzuschlagen. Das freie Wissen der Vielen, das bei Twick.it gesammelt wird, wird über die Grenzen der Webseite hinaus verbreitet.


Zum Portal:

Wir denken, es wird einige Leute geben, die nicht wissen, zu welchem Thema sie bei Twick.it Erklärungen schreiben sollen. Auf der anderen Seite gibt es viele Leute, die erfolglos bei Twick.it suchen. Beide Gruppen sollte man zusammenbringen. Auf einem externen Portal kann man ein Thema hinterlegen, zu dem man etwas erfahren möchte. Andere Leute sehen den Vorschlag und können auf den Zug aufspringen. Ganz nach dem Motto "Oh ja, das würde mich auch interessieren". So sieht man, welches Thema am meisten nachgefragt wird. Nun schlägt die Stunde der Spezialisten. Sie können sich genau auf die Themen stürzen, wo am meisten Nachfrage herrscht.

(1) Warum gleich drei Projektvorschläge? Würde nicht Einer für das Projekt allgemein reichen? Ließe sich zum Beispiel das angesprochene Portal nicht einfach intern machen, und fiele damit unter den allgemeinen Twick.it-Antrag? Oder hofft Ihr darauf, dass schon irgendwas durchkommen wird?

Tatsächlich haben wir noch einige andere Idee. Die drei angesprochenen sind ja nur die Projekte, die a) von uns als erfolgversprechend eingestuft wurden und b) den ersten Wikimedia-Filter überstanden haben. Da es sich bei den Ideen doch um unterschiedliche Projekte handelt, haben wir sie auch getrennt eingereicht. Der Vorteil ist, dass nun getrennt über deren Nutzen diskutiert und abgestimmt werden kann. Vielleicht findet ja jemand nur eine Idee gut und hält die beiden anderen für totalen Humbug. Jetzt kann die Jury und die Community jede Idee getrennt beurteilen und muss kein Twick.it-Pauschal-Urteil fällen. Vielleicht wird eine der Ideen ja gefördert. Wenn es alle drei werden, haben wir natürlich auch nichts dagegen.

(2) Zum Portal-Vorschlag: Böte sich nicht zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit den Leuten von Intopedia an? Auch um das ganze auf eine breitere Basis zu stellen? Eine möglichst effiziente Vermittlung von Autoren und Lesern wünschen sich doch diverse freiwillige Projekte?

Um ehrlich zu sein, kannten wir Intopedia noch gar nicht. Vielmehr stehen wir vor der Situation, dass es viele potentielle Twick.it-Erklärer gibt, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. So hört man oftmals ein "ach, was soll ich denn schon erklären". Manchmal sogar ein "ich hab doch schon alles erklärt". Wiederum andere wollen nicht irgendeinen Twick schreiben, der hinterher von keinem gelesen wird. Dieser Gruppe stehen all diejenigen gegenüber, die vergeblich nach einem Thema suchen. Da war es nur konsequent, eine Idee zu entwickeln, die beide Seiten zusammenbringt. Durch diese Verbindung kann großes entstehen.

Sollte sich darüber hianus zwischen Twick.it und Intopedia Schnittstellen ergeben, von denen beide Projekte profitieren können, sind wir die letzten, die da nicht an einem Strang ziehen würden.

(3) Zum Twick-it-Plug-in-Vorschlag. Sind 5000 Euro an Kosten nicht leicht überdimensioniert?

Ja. Nicht jeder eingereichte Vorschlag benötigt ein Budget von 5000 Euro. So ist der Tool-Tipp (bestehend übrigens aus zwei Plugins: Eins für Firefox und eins für Office-Dokumente) niedriger angesetzt. Auch wenn es sich letztlich um geschenktes Geld handeln würde, haben wir im Vorfeld schon mit spitzen Bleistift kalkuliert. Nach unserem Verständnis stellt diese Summe die Höchstgrenze der Förderung dar. Oder haben wir da was falsch verstanden? In diesem Fall würde ich hiermit gerne rückwirkend die volle Summe beantragen ;-)

(4) Als ich den Antrag gelesen habe: Ihr macht Twick.it echt ohne Programmierer an Bord? Und das klappt?

Das ist ein Missverständnis. Bei Twick.it schlagen sich seit mehreren Monaten zwei Leute ihre Nächte um die Ohren: Sean kümmert sich um den Bereich PR, schreibt fleißig Blog-Artikel und rührt die Werbetrommel für die Erklärmaschine. Ich bin Programmierer und zuständig für die Technik. Wir decken also schon ein breites Spektrum ab. Etwas schwach sind wir im Bereich Design aufgestellt. Hier sind wir immer wieder auf freiwillige (und unentgeltliche) Hilfestellungen angewiesen.

Verständlicherweise ist nicht jeder bereit, uns seine Arbeitsleistung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das bremst die Weiterentwicklung leider manchmal aus. Durch eine Förderung wären wir in der Lage, einige unsere Ideen umzusetzen. Kohle benötigen wir zum einen für die technische Infrastruktur (z.B. Webhosting), aber auch zum Füllen der angesprochene Webdesigner-Lücke.


Wie du richtig gemerkt hast, wurde auch ein Budget für Programmierung beantragt. Diesen Geld wandert aber nicht in meine Tasche. Stattdessen benötige ich Hilfe von Fachleuten. Selbst wenn ich mich in jedes Gebiet einarbeiten könnte, wäre das mitunter viel zu aufwendig und nicht immer wirtschaftlich. Wenn wir schon etwas umsetzen, dann haben wir auch einen professionellen Anspruch. Aus diesem Grund müssen wir gerade für das Plugin, mit dem Erklärungen aus Office-Dokumenten heraus gesucht werden sollen, einen Fachmann ins Boot holen. Und eben der arbeitet nicht kostenlos.


(5) Und zum Antrag selbst: braucht ihr das Geld unbedingt, oder wäre es nur eine Hilfe bei einem ansonsten auch laufenden Projekt?

Was für eine Steilvorlage, um in der Vorweihnachtszeit noch mal so richtig auf die Tränendrüse zu drücken. Twick.it finanzieren Sean und ich aus eigener Tasche und zahlen seit Beginn ordentlich drauf. Auch nach mehreren Monaten (im November 2009 startetet die Beta-Phase; offizieller Startschuss war die CeBIT 2010) halten wir die Erklärmaschine nämlich noch immer für eine tolle Idee. Auch ohne Förderung würde Twick.it noch ein wenig weiterlaufen können. Noch sieht es nicht danach aus, dass uns unsere Frauen den Geldhahn zudrehen ;-)

Nichtsdestotrotz müssen wir uns Monat für Monat erneut fragen, ob die Arbeit und auch das Geld, das wir in unsere Vision einer freien Erklärmaschine stecken, den Nutzen noch rechtfertigen. Eine Finanzspritze würde diese Entscheidung bestimmt positiv beeinflussen.

Was ohne Förderung sicherlich auf der Strecke bleiben würde, sind die Weiterentwicklungen, die wir im Rahmen des Wettbewerbs eingereicht haben. Wie gesagt, benötigen wir dort die Hilfe von Fachkräften, die wir nicht für lau bekommen.

Zum guten Schluss möchte ich noch mal betonen, dass wir uns mit dem Geld nicht bereichern. Das zeigt auch ein Blick zurück. Im August wurde die Augmented Reality Anwendung von Twick.it beim Wikitude World Cup als beste Anwendung im Bereich "Social" ausgezeichnet (http://twickit.de/blog/de/twickit-gewinnt-wikitude-wordcup-2010/). Da die Plattform von der Community lebt, haben wir den gewonnen Preis unter den Twick.it-Usern verlost. Nach unserem Verständnis haben die Nutzer einen großen Anteil an dem Erfolg des Projekts. Auch das Preisgeld von 500 Euro, das wir erst kürzlich beim deutschen Social Media Award des Twittwoch e.V. abgeräumt haben (http://twickit.de/blog/de/zweiter-platz-beim-social-media-preis-2010/), stellen wir den Nutzern zur Verfügung. Eine Förderung durch Wikimedia wäre dann die erste Einnahme, die auch mal in die Entwicklung der Plattform fließen würde. Seans und meine Taschen würden nach wie vor leer bleiben.



Siehe auch: 40 Projekte wollen Geld von Wikimedia: Wissenswert-Rundumschlag

Wissenswert-Projekte (III): Intopedia

Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Nach dem allgemeinen und formalen Aussieben durch Wikimedia sind nun 40 Projekte übrig. Die laufen bis Ende November schau, danach entscheidet dann eine Jury und als Zusatzstimme das Publikum über die Preisvergabe. Nach dem Rundumschlag letzte Woche, kommen hier jetzt ein paar mehr Worte zu einer handvoll einzelner Projekte:

Das Dritte Projekt - Intopedia - eine Suchmaschine für verbesserungswürdige Artikel in der Wikipedia - ist das einzige Projekt meiner kleinen Auswahl, dass sich direkt auf Wikipedia bezieht. Und ehrlich gesagt dasjenige mit dem ich persönlich am meisten Probleme habe, weil ich nun wiederum gar keine Probleme habe, schlechte Wikipediaartikel in kürzester Zeit zu finden.

Ich hab jetzt auch extra auf Intopedias Anregung hin den Kurzversuch gemacht, mal "Thema Hannover" genommen, und im Hauptartikel einfach die ersten Links angeclickt, bei denen ich mir eine Verbesserung zutrauen. Ergebnis: Hauptartikel Hannover: Einleitung grauenhaft, Teile des Artikels ebenso; Hannover-Messe: eine kleine Katastrophe, Langenhagen: eine einzige Liste, Region Hannover und Hannover Moorgeest: fast komplett belegfrei. Einzig der Fluss Leine und der Mittellandkanal sind noch verbesserungsfähig, haben aber keine direkt ins Auge springende Katastrophe aufzuweisen. Problem schlechte Artikel finden? Wo?

Montag, 22. November 2010

Wissenswert-Projekte (II) Internationales Suchportal für Open-Access-Publikationen im Fach Sportwissenschaften

Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Nach dem allgemeinen und formalen Aussieben durch Wikimedia sind nun 40 Projekte übrig. Die laufen bis Ende November schau, danach entscheidet dann eine Jury und als Zusatzstimme das Publikum über die Preisvergabe. Nach dem Rundumschlag letzte Woche, kommen hier jetzt ein paar mehr Worte zu einer handvoll einzelner Projekte:

Beim zweiten Projekt - Aufbau eines internationalen wissenschaftlichen Suchportals ausschließlich für Open-Access-Publikationen im Fach Sportwissenschaften - fand ich (oder auch Klaus Graf) die Grundidee durchaus spannend. Open Access - Suchen - Datenbank sind Wörter, die ich an sich ja gerne in einem Satz lese. Allerdings war ich mir unsicher, ob das wirklich so umsetzbar ist wie vorgeschlagen, oder nicht einfach eine weitere Doppelstruktur schafft. Ich muss zugeben, nachdem ich den Antrag jetzt noch zweimal gründlicher gelesen habe, und Antragsteller Paul Vierkant meine Fragen beantwortet hat, bin ich wesentlich sicherer, dass das ein lohnenswertes Projekt ist.

Open Access ist vielen Akademikern kein Begriff, obwohl der Mehrwert für sie enorm ist. Das Problem bei Literaturrecherchen ist oft, dass gefundene Dokumente weder online noch frei (z.B. ohne Kosten) verfügbar sind. OA bedeutet freier Zugriff auf wissenschaftliche Information. OA-Volltextdokumente, die weltweit bspw. auf Dokumentenservern bereitgestellt werden, sollen mit einer Open-Source-Software in einem fachlichen Suchportal zentral gesammelt und jedem Interessierten auf der Welt zugänglich gemacht werden. Exemplarisch wird dies im Fach Sportwissenschaften durchgeführt.

(1) Was mich bei dem Antrag ja am meisten wunderte war, dass er mit keinem Wort auf andere Open-Access-Initiativen eingeht.

Dass ich nicht auf andere OA-Initiativen eingegangen bin, ist der Formularvorgabe des Antrags geschuldet in dem nur 600 Wörter angebracht werden durften. In diesen paar Zeilen war es wichtiger das Projekt kohärent und nicht die OA-Bewegung darzustellen. Eine knifflige Aufgabe, ich hoffe aber später nochmal die Chance zu haben mehr auf OA einzugehen.

Soll sich das Projekt mit anderen Datenbanken vernetzen oder zusammenbauen?

Das Portal läuft mit einer Software, die Harvester genannt wird. Dieser Harvester erntet die OA-Inhalte, die auf allen Servern der Welt herumliegen und per OAI-PMH eben zum Ernten angeboten werden. Um genau zu sein werden dann auf unserem Server nicht die Dokumente liegen, sondern nur deren Metadaten, in denen der Link zum Volltext auf den anderen Servern ist. Das thematische Filtern ist hierbei der Fokus, denn es gibt zwar schon OA-Suchmaschinen, die jedoch nicht wirklich thematisch suchen. Der speziell diesen bestehenden Portalen und generell der OA-Community fehlt aus verschiedenen Gründen die Verbindung zur Zielgruppe. Im Gegensatz dazu wollen wir mit unserem sportwissenschaftlichen OA-Portal versuchen OA-Sport-Texte an die Wissenschaftler/innen und Studierenden zu bringen.

(2) Da wundert mich auch die Bescheidenheit Deinerseits. Der Website habe ich entnommen, dass Du bereits diverse Aktivitäten mit Open Access hinter Dir hast. Magst Du eins, zwei Sätze schreiben was genau Du dort unternommen hast?

Ich habe den sozialwissenschaftlichen Dokumentenserver SSOAR (Social Science Open Access Repository) mit aufgebaut und arbeite zur Zeit an der Bibliothek der Uni Konstanz im DFG-Projekt Open Access Fachrepositorien, dass die Inhalte von institutionellen Repositories besser in den fachlichen Repositories sichtbar machen soll. Im Rahmen des Projekts bin ich ebenfalls am "Umbau" des institutionellen Repositoriums der Universität Konstanz, KOPS, beteiligt. Somit habe und sammle ich Erfahrungen im Aufbau disziplinärer und institutioneller Dokumentenserver und wie sie vernetzt sind, was mich auch zu diesem Projekt brachte.

(3) Warum gerade Sportwissenschaften?

Dort mangelt es meinen Recherchen nach an einem Portal, dass sportwissenschaftliche Open Access Dokumente bündelt (Es gibt zwar sportwissenschaftliche Portale, die aber fast ausschließlich bibliographische Daten vorhalten). Für andere Fächer wie Sozialwissenschaften (SSOAR) und Psychologie (PsyDok), etc. gibt es bereits erfolgreiche disziplinäre Dokumentenserver.

(4) Sind wissenschaftlich disziplinär ausgerichtete Portale wirklich der Weg in die Zukunft?

Ich glaube, dass disziplinär ausgerichtete Portale ein Weg sein kann und in der Wissenschaftslandschaft der heutige Weg der Wahl ist, weil Wissenschaftler lieber an einem Punkt im Internet recherchieren, als tausend verschiedene Punkte anzusteuern (und mit diesem Punkt meine ich und die Wissenschaftler/innen nicht Google ;-)) Wie das (wissenschaftliche) Netz in zehn Jahren aussieht, vermag ich dahingehend nicht vorauszusagen.

Böte OA nicht eher das Potenzial Interdisziplinarität auszuleben?


Ja, das tut es, weshalb wir versuchen werden, in unserem Portal alles
was mit Sportwissenschaft und Sport in der Wissenschaft aus jedweden
Disziplinen, von Sportlinguistik über Sportmedizin bis Sportmanagement
etc. zu bündeln. Wir arbeiten daran die Software dahingehend
anzupassen, das Portal inhaltlich aufzubauen und dann in die Welt zu
tragen.


(5) Und Abschlussfrage an alle: Ist der Erhalt bei WissensWert eine notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen des Projekts, oder läuft das Projekt auch anders, nur halt schlechter?


Es gibt zur Zeit schon ein inoffizielles Test-System des Portals, das wir weiterentwickeln wollen. Ein Team an begeisterten ehrenamtlichen Open-Access-Untersützern arbeitet in der Freizeit daran. Das Projekt würde deutlich Schwung bekommen, wenn wir Erfolg bei WissensWert hätten. Wenn wir in diesem Wettbewerb leer ausgingen, dann würden wir das Projekt trotzdem vorantreiben, denn wir glauben fest daran, dass Open Access und der Mehrwert, den es mit sich bringt noch viel größer ist, als wir uns alle überhaupt vorstellen können. Bis dahin wird es für unser Projekt, aber auch die gesamte OA-Community kein leichter Weg.

Siehe auch: 40 Projekte wollen Geld von Wikimedia: Wissenswert-Rundumschlag

Wissenswert-Projekte (I) Creative-Commons-Werbematerialien

Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des Wissenswert-Initiative können Projekte zwischen 500 und 5000 Euro Förderung gewinnen, die mit den Zielen von Wikimedia Deutschland übereinstimmen. Nach dem allgemeinen und formalen Aussieben durch Wikimedia sind nun 40 Projekte übrig. Die laufen bis Ende November schau, danach entscheidet dann eine Jury und als Zusatzstimme das Publikum über die Preisvergabe. Nach dem Rundumschlag letzte Woche, kommen hier jetzt ein paar mehr Worte zu einer handvoll einzelner Projekte:

Für den Anfang betrachte ich das am wenigsten erklärbedürftigste Projekt: Endlich mal Werbematerialien rund um Creative Commons zum verschenken! Creative Commons setze ich hier mal als allgemein bekannt voraus, den Antragssteller Markus Beckedahl (Wikipedia-Artikel) vermutlich auch. Werbematerialen sind so kompliziert ja nun auch nicht. Aus dem Antrag:

CC-Lizenzen gibt es seit 2004 in Deutschland. Aber was seitdem fehlt sind Offline-Materialien zur Bekanntmachung von Creative Commons Lizenzen und ihren Einsatzmöglichkeiten. Wir rufen zwar regelmäßig bei Creative Commons Deutschland zu spenden auf, das gesammelte Geld ist aber überschaubar und reicht meist nur für Fahrtkostenerstattung für Lobbytreffen (z.B. Treffen mit GEMA), wenn überhaupt. Das wollen wir ändern und bewerben uns hiermit bei Euch um Fördergelder, um endlich mal ausreichend Werbematerialien finanzieren zu können, die dann unter glücklichen Empfängern verteilt werden können. Denkt nur an die vielen Notebooks auf Konferenzen, die Ihr besucht, auf denen zukünftig CC-Aufkleber leuchten könnten!

In dieser Unterkomplexität liegt dann Glanz und Elend des Vorschlags. Er ist umsetzbar, durchdacht, pragmatisch und der gewinnebringenden Ausgabe des Gelds steht nichts im Weg. Andererseits: Innovativ oder spannend ist das echt nicht, und bei so einer offenen und weiten Ausschreibung denke ich es lässt sich in anderen Projekten mehr erreichen als hier mit T-Shirts- und Flugblätter drucken.

Und nicht zuletzt. Wer (Leser) hat, dem wird (Stimmvieh) gegeben. Zumindest bei der allgemeinen Abstimmung sollte der Vorschlag aller Voraussicht nach eh einen Spitzenplatz belegen.

(1) Wie jetzt? Es gibt tatsächlich keine allgemeinen Werbematerialien für Creative Commons? Und kein DTP-Programm?

Creative Commons Deutschland hatte bisher nie ausreichend Spenden, um davon Werbematerialien zu finanzieren. In der Regel wird an Creative Commons in den USA gespendet, aber von dort kommt zu uns nichts an - und schon gar nichts in deutscher Sprache.

DTP-Programme haben wir natürlich, da gibt es ja zahlreiche freie Projekte.


(2) Zumindest was die Aufkleber etc. gibt? Gibt es auch keine internationalen - sprachlosen - Designs, die man verwenden könnte?

Klar, aber die liegen in den USA und nicht bei uns in Berlin. Designvorlagen können wir selbstverständlich von creativecommons.org übernehmen.

(3) In welcher Größenordnung wollt ihr denn produzieren? Für 5000 Euro bekommt man doch eher eine Lagerhalle voll.

Wir wollen nicht nur Aufkleber produzieren, sondern auch Broschüren, Poster, T-Shirts, Postkarte und was man alles benötigen könnte, um z.B. als Freiwilliger an einem Stand für offene Lizenzen zu werben.

(4) Druckmaschine klingt allerdings nach Anschaffungen, die man für einmalige Flyerproduktion nicht unbedingt braucht. Soll das gleich die Startfinanzierung für weitere Öffentlichkeitsarbeit allgemeinerer Art werden?

Eine Druckmaschine wollen wir nicht kaufen.


(5) Und zum Antrag selbst: braucht ihr das Geld unbedingt? Oder wäre es nur eine Hilfe bei einem ansonsten auch laufenden Projekt?


Ohne das Geld können wir immer noch keine Werbematerialien produzieren und viele Freiwillige haben immer noch keine Werbematerialien, die sie kostenlos an Interessierte verteilen können.

Siehe auch: 40 Projekte wollen Geld von Wikimedia: Wissenswert-Rundumschlag

Darummagichberlin (XVII)

Cute artifical sheep on bank in eisenacher strasse berlin-schoeneberg

Samstag, 20. November 2010

Wikipedia-Academy liveblogging: Samstag #wpa10

Hintergrund: Wikipedia Academy
14:51 So, ich klappe mal zusammen und schaue nach ob es noch Kaffee gibt, und beschließe diesen Post. Danke für die tolle Organisation und viele spannende Veranstaltungen. War auf jeden Fall ein sehr lohnendes Wochenende, spannende Leute getroffen, interessante Sachen erfahren, Schick sehr schick.

14:46 Vorschlag Publikum: Enquete-Kommission. Desöfteren Vorschläge ans Support-Team: verbessert unsere Artikel, uns wäre das auch was wert.

14:41 Birken: Paid editing passiert eh, aber es braucht ein Richtlinienwerk. Natürlich gibt es ein Regilarium. Vorschlag: Geldgeber von Außen, Kontrolle bspw durch Wikipedia Deutschland.

14:38 Gibt es Geldgelber für solche Projekte. Achim "es gibt immer Geld für dissemination".

14:35 Am ehesten können Wissenschaftler sich Seminare vorstellen. Für Wissenschaftler: selbst bei Paid editig uninteressant, weil zählt nicht als Publikation.

14:34 Diskussion, ob es Modell für andere Projekte sein könnte.


Leider-bin-ich-relevant-Prezi

So, Prezi nachgereicht. Noch in der Begleitversion zum gesprochenen Wort, ich weiß nicht ob sie so nicht zu kryptisch ist, aber let's go, hooray, immer erstmal drauf.

Die Bedienung im Ablauf scheint über die rechte Pfeiltaste zu erfolgen.




Freitag, 19. November 2010

Wikipedia Academy liveblogging; Zedler-Verleihung #wpa10

Hintergrund: Zedler-Medaille. Hier zum Livestream.

20:51 Pianio pianiert, Buffet ist eröffnet, sofern das Hotel WLAN nicht Wunder vollbringt, bis Morgen,

20:51 Schad, diesmal keine Kurzbiographie der Gewinner. Das fand ich letztes Jahr ja mit am spannendsten-

20:50 Vierte Medaille doch nicht vergeben. Großapplaus für Anna Lena Schiller. Pianist ist Gerhard Sattler.

20:50 Pavel meint Donald Duck hätte den Preis gewonnen, nicht Dagobert.

20:48 Fotograf mag nicht kommen. Lebt in Indien. Saal applaudiert in Richtung Indien.

20:46 Dritter (also bestplatzierter) "Bild Focus Stacking".

Focus stacking Tachinid fly

20:45 Bilder Plätze 4-6 Äpfel, Kühe, Baum, Gazelle, Vogel und was ich nicht erkennen kann.

20:45 Wollen aber nicht aufgegen, sondern "attraktiver Gestalten, mehr Fotografen erreichen."

20:44 Ups, gibt weder ersten noch zweiten Preis.


Wikipedia-Academy liveblogging: Freitag #wpa10

Hintergrund: Wikipedia-Academy. Und dort ist der Academy-Livestream.
18:00 Ende! Aus! Vorbei! Jetzt endgültig hier. Nachher geht es weiter bei Zedler.

18:00 Problem: Was mach ich mit Datensätzen ohne Erkenntnis. Schwer zu beschaffen, wichtig, bringt aber keine Veröffentlichung, ergo keine Reputation.

17:59 Thema: Veröffentlichungen mit Daten anderer Leute. Open Researcher ID.

17:56 im Saal. Open Access ist erfahrungsgemäß leichter zu erklären als freie Lizenzen zu erklären.

17:55 Diskussion über Open Access aber nicht CC-Publikationen. Ist erfahrungsgemäß gar nichts.

17:53 Gefunden. Referent und Tafelzeichnerin. Referent dank @Fischblog.

17:51 Aus. Vorbei. Ende der Vortrag. Jetzt Diskussion.


Donnerstag, 18. November 2010

Wikipedia:Academy liveblogging, slow begin, Donnerstag #wpa10

Hintergrund: Wikipedia Academy.

21:22h Also liebe Bahn, ist ja schön, dass heute das erste mal seit sechs Monaten mein Zug wirklich ganz pünktlich war; gekoppelt mit der neuen unglaublichen langsamen Fahrkartenautomatensoftware war das nur heute zu schnell. Immerhin die Stunde Zusatzwarten unter der beruhigenden Bewachung zweier Herren mit Maschinenpistole verbracht. Weniger nett: auf den Sitzen, die ich mir zuerst aussuchte war soviel Platz, weil es durch die Decke tropft. Wie alt ist der Bahnhof Südkreuz? Drei Jahre? Vier? Wow. Da der Anschluss in Leipzig ganz weg war, gleich zwei Stunden verloren..

Nett hingegen, dass in Leipzig dann ein Mysterienzug nach Frankfurt erwischt, den es laut Fahrplan gar nicht geben sollte. Eine Stunde wieder gewonnen.

Die dann aber prompt zwischen Eisenach und Erfurt wieder drauf ging, weil der Zug öfters mal aus diversen Gründen stehenzublieben beliebte.

Darummagichberlin: Noch nie kam mir Frankfurt so surreal vor, wie nach längerer Zeit in Berlin.

Jetzt im Hotel. Das hat eine wunderbare Leuchtreklame außen, das Zimmer bietete einen hoch unterhaltsamen Blick mitten in ein Fitnesstudio hinein; Bett groß, WLAN ist ein bißchen schlepperig geht aber an sich, Tee making facilities sind vorhanden (!). Mal schauen ob ich es in den nächsten 18 Stunde schaffe, erfolgreich Prezi zu bedienen.


Mittwoch, 17. November 2010

Get da girlz in da house

Ohne allzusehr in Lobpreisungen ausbrechen zu wollen, der Blog von Sue Gardner schafft eine wunderbare Mischung aus spannenden Gedanken und möglichen Umsetzungen. In Unlocking the Clubhouse: Five ways to encourage women to edit Wikipedia stellt Gardner fest, dass 87% der Wikipedia-Autoren männlich sind, und erfreulicherweise sieht sie es als Problem. Noch erfreulichererweise sogar als lösbares Problem.

Sie verweist in ihren Gedanken auf das Buch "Unlocking the Clubhouse". (hm, gebraucht 1,80 USD, das sieht machbar aus). Sie fasst wichtige Thesen zusammen, man kann ihr aber schön beim Denken zusehen, was man daraus wohl für die Foundation machen könnte: Try reading it as though “computer science” meant “Wikimedia,” and “teachers” meant “experienced editors.

1.) Spezielle Veranstaltungen für Frauen. Nimm nicht an, dass allgemein angeschriebene Veranstaltungen diese Anziehen werden.

2.) Veranstalte und Unterstütze Veranstaltungen nur für Mädchen.

3.) Lass Dich von Opposition nicht abbringen.

4.) Arbeite daran eine frauenfreundliche Arbeitsumgebung zu schaffen und zu erhalten.

5.) Unterstreiche die soziale Bedeutung des Projekts.

Ausführlicherer Begründungen und Erläuterungen gibt es natürlich beim Gardner-Post. Angesichts der Projekte Outreach und GLAM, von denen ich beiden sehr begeistert bin, bin ich neugierig wie sich das umsetzt.



Montag, 15. November 2010

40 Projekte wollen Geld von Wikimedia: Wissenswert-Rundumschlag

Wikimedia Deutschland verteilt Geld. Im Rahmen des "WissensWert"-Wettbewerb verteilt der Verein fünf mal je 5000 Euro, an Projekte, die freies Wissen fördern. Bedingung ist allerdings, dass diese Projekte nicht nur den Inhalten der Wikipedia oder einem Schwesterprojekt zu Gute kommen.

Insgesamt sind 93 Bewerbungen eingegangen, von denen 40 die formellen Voraussetzungen erfüllten. Bis zum 30. November läuft die Bewerbungsphase. In der bestimmt vor allem bestimmt eine Jury aus zwei Wikipedianern, zwei Aussenstehenden und einem Vereinsvorstand, wer das Geld erhält. Allerdings darf auch die Öffentlichkeit an sich teilhaben und abstimmen.

Das Ergebnis der Abstimmung zählt als Votum des imaginären 6. Jurymitglieds. Wer wirklich effektiv Geld verteilen möchte, ist vermutlich gut beraten, noch einen Plausch mit den anderen fünf zu halten. Andererseits staune ich ja weiterhin über die Transparenzinitiativen und aus Marketingsgesichtspunkten ist es natürlich auch nicht ganz blöd.

Die Projekte selbst sind mal sehr durchgeplant, mal eher vage. Einige sind wahnwitzig wie einst Wikipedia, bei anderen beginne ich mich zu fragen, wofür die nur die 5.000 Euro loswerden wollen. Manche sind eher luftig, andere suchen anscheinend eine Co-Finanzierung einer schon laufenden Aktionen. Insgesamt also tatsächlich eine spannende Aktion.

Zumindest die Interessanteren der Ideen wollte ich mir noch näher ansehen. Aber hier kommt erstmal der Rundumschlag. Statt nun die Projekte nach Kriterien wie wahnwitzig oder durchdacht, innovativ oder langweilig etc. zu beurteilen, eine erste grob inhaltlich sortierte Zusammenstellung:

Projekte, die zu originell sind, um sie direkt einzuordnen.

Wissenschaft als Wiki. Die Aufbereitung bereits unter offener Lizenz erstellter wissenschaftlicher Inhalte als Wiki mit den dementsprechenden Zusatzmöglichkeiten.

Berlin live Wiki. Ein offenes Lokalwiki für News aus Berlin. Erstellt prinzipiell von Allen, aber mit Hilfe von Journalisten, die regelmäßig und zuverlässig in einem offenen Büro anzutreffen sind.

Inhalte:

Den größten Batzen nehmen Projekte zur direkten Inhaltserstellung ein. Mal auf Wiki-Basis, mal mit anderer Software. Sofern man auch Wikis als Datenbank akzeptiert fast alle mehr oder weniger spezielle Datenbanken.

Extrem ambitioniert zum Beispiel eine Zusammenstellung zum Stand der Technik für Patente - daneben dürfte selbst Wikipedia ein nettes Projektchen sein. Ebenfalls ambitioniert, aber dafür voll im OpenGovernment-Trend die weltweite Fahrplandaten. In die ambitionierteren Datenbankprojekte reiht sich auch Archiv für Public-Domain Musik- und Videoaufnahmen, ein. Riesige Datenmengen könnte theoretisch auch das Zeitzeugenwiki produzieren.

Das betahaus Team Hamburg, Lissabon, Zürich und Köln und der Coworking Deutschland Bewegung möchten ein Buch schreiben.

Genau abgegrenzt hingegen ist das Projekt zur Erschließung von Drucken aus dem 16. JahrhundertDen Vorteil der Umsetzbarkeit und des übersichtlichen Maßstabs hat das Projekt dazu 500 Luftbilder für Open Street Map. Karten- und Ortsinformationen soll es auch für Rollstuhlfahrer oder für blinde Fußgänger geben.

Lehrmaterialen wollen auch mehrere Teilnehmer erstellen, mal mit Fallbeispielen für Medizinstudenten oder ganz allgemeine und frei Hochschul-Lehrmaterialien.








Für 5000 Euro kann man jede Menge Kohl essen.









Metainformationen:

Eher abstrakt setzen diejenigen an, die Informationen über freies Wissen sammeln wollen. Das Webverzeichnis freier Projekte, ein Open-Access-Portal für Sportwissenschaften oder die Datenbank für freies Wissen/freie Kultur in Berlin,


Werkzeuge:

Noch abstrakter geht es auch noch, ein paar Anträge gingen ein, um Werkzeuge zu erstellen, mit denen sich dann freies Wissen produzieren lässt.

Am ambitioniertsen ist da die Entwickling einer Open Hardware Lizenz, weit begrenzter die Software für vereinheitlichte Klimadiagramme in Wikipedia. Ein allgemeiner WYSIGWYG-MediaWiki-Editor soll wohl vor allem die Generation 15 Minus und 50 Plus ansprechen.

Eher schräg: Wikipedia goes Second Life, weniger schräg: Wikipedia goes Netzwerkdiagramm. Bei der Suchmaschine für schlechte Wikipedia-Artikel würde ich ja weiterhin vorschlagen, einfach zweimal auf "zufälliger Artikel" zu clicken.

Inhalte aufbereiten:

Eher weniger Abstrakt, wollen andere Projektideen wollen bereits vorhandene Inhalte besser vermitteln:

Freies Wissen als Podcast, oder auch von einer Maschine automatisch gesprochen Wikipedia. Man könnte dazu natürlich auch die Texte in Kwisahili nehmen, die aus dem Englischen übersetzung werden sollen.

Vage in den Bereich Lehrmaterialen greift das Lernquiz mit Wikipedia-Inhalten. Eher wörtlich nimmt das Wissensverteilung das sowie eine , das Buchmobil für freie Bücher in die Hand.

Dann sind da eine Menge Beiträge, die im Prinzip zur Werbung aufrufen:

Ein Motivationsfilm für Creative Commons, und allgemein endlich mal Werbenmaterialien für Creative Commons. Weniger allgemein ist der fremdwortreiche Antrag Werbung für CC bei argentinischer und französischer Regierung. Weniger durchgestylt, aber dafür Gewinner meines persönlichen Nettigkeits-Sympathiepreises ein Kartenspiel, um Freie Inhalte zu vermitteln,

Menschen treffen sich:

Die Vorschläge sind da ebenso für allgemeines Treffen zum Freien Wissen in Berlin, oder eine deutlich spezieller Konferenz von Altertumswissenschaftler treffen sich mit Wikipedianern.

Intellektuell überfordert bin ich damit das Konzept des angedachten Wikichats ganz zu durchsteigen, mir scheint es eine Mischung aus Chat, StudiVZ und freien Inhalten zu sein.

Kurse oder Workshops sollen stattfinden, eine freie Medienschule in München Kursezu freier Software in Österreich, ebenso wie Workshops zu freier Software.

Die Twick.it-Fördermaßnahmen:

Quasi als Querschnittsprojekt gibt es Anträge, die auf der Mini-Enzyklopädie Twick.it aufbaufen. Diese erstellt Lexikoneinträge in 140 Zeichen, und die Macher scheinen durchaus motiviert und enthusiastsich was das Antragsschreiben angeht. Natürlich für Twick.it an sich, ein Portal, um Twick.it-Schreiber und Leser zusammenzubringen, sowie die Idee für ein einTwick.it-Plugin für den Browsser,



Freitag, 12. November 2010

Freier Fasanwille gegen Windstärke 11

Sturm
Fasan
Sturm Sturm
Fasan
Sturm Sturm Sturm
Purzel
Fasan
Sturm Purzel Sturm
STURM
Purzel Schäbber
Fasan fliegt rückwärts

Donnerstag, 11. November 2010

Nordseewetter, bin schon feucht

Fasan flieht,
Zweig fliegt,
Kohlfeld riecht.

Regen von schräg unten.


Dienstag, 9. November 2010

Darummagichberlin (XVI)

Die neue Fantonne für Papier, Pappe und Kartonagen ist ein echtes Angebot für die zahlreichen Berliner Eigenheimbesitzer. Erhältlich ist die Fantonne in den coolen Motiven der Füchse Berlin, Hertha BSC und unseres erfolgreichen Volleyballteams SCC Berlin. Für alle Naturfans haben wir in Zusammenarbeit mit dem BUND für Umwelt- und Naturschutz Berlin als viertes Highlight die Naturfantonne entwickelt


Zur Bestellung.

Montag, 8. November 2010

Wikipedia is not wicked. Sehr nette Comic-Einführung für Schüler.

Teaching Wikipedia At A Glance

Im Original gefunden auf Flickr von der Daring Librarian. Schade, dass das auf Deutsch so nicht geht. Sowohl die Pop- als auch die Schulartikel sind mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schon gelöscht.

Sonntag, 7. November 2010

Wikipedia-Preistag dramatisch gesunken

Gab es vorgestern noch mindestens 750 US-Dollar für einen Wikipedia-Artikel, ist der Preis heute auf 30 US-Dollar gesunken. Immerhin verspricht das Artikelobjekt, es sei "very noteworthy", was - wenn es stimmt - dem Autoren das Wikipedia-Leben natürlich erheblich vereinfacht-

Freitag, 5. November 2010

Immerhin besser als damals. Geistiges Eigentum, Renaissance-Version.

In Genoa .. the authorities offered in 1529 a reward up to two hundred ducats to anyone who killed a fugitive artisan. Similarly, Lucca had been offering a bounty for the murder of emigrant workers since 1314, and Florence punished transgressors by beheading. ... these possessive and mercantilist attitudes cannot be equated with the proprietary models of modern intellectual property law.

From Gunpowder to Print: The Common Origins of Copyright and Patent, Joanna Kostylo. p. 35 in: Privilege and Property. Essays on the History of Copyright.


Donnerstag, 4. November 2010

Tag der Abrechnung. Flattr, Nazis, Kachingle und die Normalität

Die von mir durchaus geschätzte Direkte Aktion ruft auf "Kündigt Eure Flattr-Accounts" und hofft "ein Flattr-Nachfolger wird sich schnell finden". Da kann ich ja nur sagen, einen Flattr-Ersatz gibt es bereits. Er nennt sich Kachingle. Wie ich bereits mehrfach schrieb, ist Kachingle sowieso durchdachter, einfacher, und mir seriöser vorkommend denn Flattr. Wer also wechseln will, möge sich dringend aufgerufen fühlen, die Gelegenheit zu ergreifen.

Nun ruft die anarchosyndikalistische - dieses Wort ist so super - Direkte Aktion nicht aus Gründen einfacher Anwendbarkeit zum Boykott auf. Flattr macht das, was sofort zum Ausschluss aus der Gemeinschaft anständig denkender Menschen führt: Es handelt mit Nazis. Das ist jetzt so überraschend eigentlich nicht, und schon die Pirate-Bay-Geschichte war einer der Gründe, warum ich eher mehr eigenes Geld in Kachingle und weniger eigenes Geld in Flattr stecken würde. Anscheinend aber hat das Peter Sundes/Flattrs Erfolg nicht geschadet, Flattr hat deutlich mehr Teilnehmer als Kachingle, und jetzt gibt es den nächsten Brandruf.

Öffentlich hat das Christoph Sieckendieck gemacht: Flattr — Geld verdirbt den Charakter
Kurz gesagt: die NPD hat einen Flattr-Account, es ist zu vermuten, dass die NPD über den Kanal Flattr ein paar Einnahmen erzielt.

Nun fürchte ich ja, ich dürfte den Blog-Beitrag dort nicht mal kommentieren. Tantes Blog ist mit seinem sinngemäßen Beitrag Flattr ist ein an sich unpolitisches Tool dort auf jeden Fall nicht in der Diskussion stehengeblieben. Denn in der Diskussion selbst prangt ein "Ich werde hier jeden Dummbeutel des Feldes verweisen, der behauptet, die NPD sei eine normale Partei.". Ich weiß nicht genau, ob ich darunter falle: ich halte die NPD nicht für "normal", einfach weil ich "Normalität" nicht als politische Kategorie anerkennen. Normal ist vorpolitisch, moralisch; das ist eine Kategorie, die sich Argumenten entzieht und auf Autorität und die Einhelligkeit der Gemeinschaft setzt. Das Gegenteil von offener Politik.

Politik an sich ist unnormal. Politik ist Aushandlung neuer Entscheidungen, Normalität muss nicht ausgehandelt werden, die ist ja da. Die Grundannahme, dass es unwerte und unverhandelbare Einstellungen gibt, ist mir tatsächlich deutlich zu autoritär und nachgeradezu zu deutsch. Politik als Oberlehrertum was man darf und nicht. Zugegeben: es ist effektiv, "Nazi" ist der sichere Vorwurf in die politische Bedeutungslosigkeit. Die Moralisierung hat sicher dazu beigetragen, dass in Deutschland keine rechtspopulistische Partei dauerhaft ein Bein auf die Erde bekommt.

Aber der Preis dafür ist hoch. Um eine inhaltliche Frage in richtigen Sinne zu entscheiden, beschädigt man die grundsätzliche Diskussionskultur, führt ein vorpolitisches gesundes Menschenempfinden in die Debatte ein. Diese Struktur nun wiederum ist dauerhafter als deren Inhalt. Die Gefahr, dass bundesrepublikanisches Normalitätsempfinden plötzlich durch gesundes Volksempfinden ersetzt wird, ist größer, als die Gefahr, dass Nazis in einer offenen Diskussion alle überzeugen. Autoritätsdenken ist hartnäckig.

Aber weil ich eh schon beim Thema bin. Mein Gewissen ist käuflich. Aber nicht für 5,30 € im Monat. Social Payment im Oktober:

Kachingle: Raus 5 USD (würde auch mehr, wenn ich könnte). Rein ~ 6,20 USD.

Flattr: Raus 2 € (würde auch weniger, wenn ich könnte). Rein ~ 7,30 €.

Und noch eine weitere interne Ankündigung: es ist ein neuer Monat. Diejenigen, den den Blog im Oktober geflattrt haben, dürfen das gerne wieder machen.

Mittwoch, 3. November 2010

Was macht die Wikimedia Foundation mit dem Geld

Die Wikimedia-Foundation hat ihren geprüften Jahresabschluss zum 30. Juni 2010 auf Wikimedia Commons veröffentlicht.

Das Vermögen lag am 30. Juni bei etwa 15,4 Millionen USD, davon 7 Millionen in Cash and Cash equivalents, 5 Millionen in Investments.

Jahreseinnahmen lagen bei 17 Millionen USD, davon 14 Millionen aus Spenden, leider nicht näher aufgeschlüsselt nach Herkunft oder Größenordnung. Dass es auch größere Spenden gibt, zeigt mir, dass drei sechsstellige Großspenden am 30.6. schon zugesagt waren, aber noch Ausstanden.

Die Ausgaben wiederum betrugen 10 Millionen USD, größter Ausgabepunkt ist Operations mit 3,8 Millionen vor Gehältern und Erstattungen 3,5. Die Server, die vielgepriesenen, bzw. der Posten "Internet hosting" schlagen nur mit einer übersichtlichen Million zu Buche. Wenn ich das richtig verstehe, verbirgt sich aber unter einer Million aus Operations auch der Kauf von Computern und Software. Das Fundraising verlangte quer über alle Ausgabenbereiche 1,3 Millionen USD, Projekte 7,8 Millionen, Verwaltung 1 Millionen.

Das von mir gerade noch so gelobte Outreach-Programm ist auch nicht so ganz zahnlos mit 560.000 USD Haushaltsposten. Da war es von mir zugegebenermaßen unfair, es in einem Atemzug mit dem armen kleinen deutschen Schulprogramm auf einer Höhe zu vergleichen.

Und für die Verschwörungstheoretiker unter uns, zumindest noch ein historischer Fakt: Von Januar bis Oktober 2009 hat die Foundation für insgesamt 27.000 Dollar Büroraum bei Jimmy Wales for-profit Wikia gemietet.

Das meine persönliche Kenntnis amerikanischer Buchhaltung allerdings sehr sehr übersichtlich ist, alles hier mit genausoviel Vorsicht lesen, wie einen Wikipedia-Artikel. Falls hier zufällig ein Buchhaltungsahnungsmensch mitliest, ich hätte da noch einen Autorenplatz zu vergeben :-) Gleich gilt für begeisterte Tortendiagrammersteller.


Darummagichberlin (XV)

Weil hier nicht nur tonnenschwere Dieselloks mysteriös verschwinden, sondern auch parfümierte Liebesbriefe die Polizei in Aufregung versetzen. Schön ja auch, dass die BZ präventiv Genderverwirrnisse vermeidet, indem sie feststellt, dass natürlich eine Frau parfümiert an einen Mann schreibt.


Dienstag, 2. November 2010

Wikipedia in der Schulzeit: Wenn Niemand fliehen kann.

Wikipedia und das Bildungswesen spielen das Drama einer tragischen Liebe. Während Wikipedia das Bildungswesen wortreich und lamentierend anhimmelt, kommen dessen Vertreter immer nur verstohlen in Nacht und Nebel, um sich abzuholen, was sie brauchen.

Das Verhältnis zwischen Wikipedia und den etablierten Bildungsorganisationen ist ja eher ambivalent mit zahlreichen Tief- und Hochpunkten. Letztlich aber sind fast alle Wikipedianer dem tertiären Bildungbereich persönlich recht eng verbunden. Schulen und Universitäten wiederum werden nicht unwesentlich von Wikipedia beeinflusst.

Sowohl die Wikimedia Foundation/USA als auch Wikimedia Deutschland haben zufälligerweise fast gleichzeitig Zwischenberichte zum Thema Wikipedia und Bildungsinstitutionen veröffentlicht. Die Foundation wendet sich dabei an Universitäten, während Wikimedia Deutschland ein Schulprojekt veranstaltet. Während die Foundation offensiv Studenten als Autoren gewinnen will, scheint Wikimedia Deutschland realistischerweise vom Ziel abgerückt, das mit Schülern zu versuchen. Das Ziel des Schulprojektes ist es jetzt

"In Aktionstagen für Schüler wird anhand der Wikipedia Medienkompetenz im Internet trainiert, in Lehrerschulungen werden Grundlagen, Funktionsweise und interne Qualitätssicherung der Wikipedia erläutert."


Man könnte natürlich auch einfach das Geld ausgeben, um der internen Qualitätssicherung Zugang zur Literatur und zu Bibliotheken gewähren anstattdessen, aber das ist dann ein anderer Haushaltstopf und so. Nicht Produkt verbessern hier, sondern das Produkt besser erklären.

Fangen wir mit dem Wikimedia-Deutschland-Schulprojekt an. Bei dem ich zugeben muss, dass ich um so skeptischer werde, je länger ich drüber nachdenke. Zumindest sofern es darum geht, Schüler wirklich als Nachwuchsautoren gewinnen zu wollen.

Mittlerweile sind Schüler mit Wikipedia-Mitarbeit überfordert. Naturgemäß fehlt ihnen die Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten, und oft erforderliche tiefere Kenntnis eines Fachgebiets. Der Umgangston grimmiger alter Männer kommt bei Schülern nicht richtig gut an, wie ich auch nur wenige Schüler kenne, die gleichzeitig enthusiastisch genug sind für ein solches Projekt, und pedantisch genug, um mit den vorherrschenden sozialen Normen in Wikipedia klarzukommen. Die wenigen Schüler wiederum, die all diese Anforderungen erfüllen, sind nicht diejenigen, die auf Lehrer hören, welchen man vorher das Internet erklären muss. Solche Schüler sind erfahrungsgemäß so herausstechend, dass man sie mit einem hinreichend niederschwelligen Catch-All-Schülerprogramm eh nicht erreichen kann.








Über die Straße denken tut not.











Aber endlich zum Erfahrungsbericht: Wikipedia-Schulprojekt: Ein (un)perfektes Arbeitstreffen

Einerseits hat man so ziemlich das erste mal das Gefühl, man würde nicht mit Leerformeln abgespeist. Endlich - endlich! - mal etwas anderes als "alles läuft gut, wir machen das, was willst du überhaupt"? Auch wenn ich gleich noch einiges zu meckern habe, aber "wir hatten viele Ideen, fast alles ist versackt, diverse Freiwillige sind spurlos verschwunden, wir haben einen neuen Anlauf versucht" ist ein echter positiver Quantensprung in der Vereinskommunikation.

Wobei, natürlich, vieles ist Atmosphäre und es freut mich ja, dass bei Wikimedia-Treffen alles immer so fröhlich ist. Aber spannender wäre es ja schon gewesen: wie soll eine Schulung aussehen? Wer referierte? Welche inhaltlichen Knackpunkte gibt es? Wie sind bisherige Erfahrungen evaluiert worden? Es gab doch schon Einsätze in Schulen, oder? Das Projekt läuft doch schon seit diversen Jahren meines Wissens.

Andererseits ist es halt doch vor allem wieder eine Alles-war-super-wir-waren-voll-erfolgreich-Schilderung. Spannender hätte ich ja gefunden: welche Schüler will man ansprechen? Worauf will man die Lehrer vorbereiten? Will man den Schülern Wikipedia-Schreiben oder -Lesen beibringen? Und natürlich: wäre es von Vereinsseite nicht deutlich sinnvoller die real existierende Qualitätssicherung ausnahmsweise mal irgendwie zu unterstützen, anstatt im Lichte ihrer Meriten durch Deutschland ziehen zu wollen?

Die Foundation wiederum schreibt unter The Public Policy Initiative midterm. Das ist ein anderes Teilprojekt des von Frank Schulenburg dankenswerterweise ausführlich vorgestellten Outreach Projeks* der Foundation. Und soweit ich sehe, bin ich bass erstaunt und finde eigentlich nur lobenswerte Sachen.

Zielgruppe sind Studenten nicht Schüler, und es gibt eine öffentliche Liste, welche Unis teilnehmen. Vor allem scheint die Integration in die Wikipedia selbst gelungen. Die Artikel im Projekt landen in der realen Wikipedia und - wenn gut genug - auch auf der Hauptseite. Die Informationen des Outreach-Projekts sind weitgehend öffentlich. Soweit ich es beim jetzt nachvollziehen konnte, funktioniert die Online-Einbindung der Teilnehmer und die essenzielle Verkupplung zwischen aktiven Wikipedianern und Teilnehmern des Schulprogramms. Gerade die längerfristige Betreuung entscheidet über den letztlichen Erfolg der Maßnahme, und soweit ich nachvollziehen kann, ist die sinnvoll geregelt. Es gibt sogar eine Art öffentliche Evaluation. Bei all meiner Grundskepsis gegenüber Projekten, das erscheint mir eine fast mustergültige Umsetzung.


* Falls jemand ein lesbare Variante kennt, einzelne Beiträge aus dem Wikipedia-Kurier zu verlinken, bitte dringend melden. Falls niemand eine kennt, bitte Kurier ändern :-)

Traktormontag: der Glüsinger auf dem Moped

Jetzt ist Montag. Wirklich. Ein paar großartige News für den Anfang: ich habe einen wahrhaftigen Schlepper gesehen. In Berlin. Noch fast innerhalb des S-Bahn-Rings. Leider war das Gefährt, das durch Friedenau tuckerte kein John-Deere-Arbeitstrecker, sondern ein gebohnertes und gehätscheltes Oldtimer-Exemplar, das vermutlich in der Garage neben dem Porsche Cabrio aus den 60ern steht. Aber immerhin. Berlin Innenstadt! Trecker! Erst die zweite Sichtung überhaupt.

Nächste super News. Zusammen mit dem Wikipedia-Benutzer Noebse rette ich gerade den ehemaligen Schlepperhersteller Nordtrak von den Löschkandidaten. Falls jemand helfen möchte: Hurra!

Nun aber zu Nachrichten aus Treckerfreundlicheren Gegenden. Die Dithmarscher Landeszeitung kommt in mancherlei Hinsicht meinem Ideal einer Lokalzeitung nahe. Vor allem ihr Umfang beeindruckt, ist der Lokalteil doch länger als beispielsweise in Tagesspiegel oder Berliner Zeitung, und das obwohl das Weltgeschehen zwischen Hellschen und Heringsand doch nur manchmal vorbeischaut.

So erreichen die Lokalmeldungen aus Nordhastedt und Poppenbüttel eine ungeahnte Tiefe und Detailreichtum. Wie sonst hätte ich vom Glüsinger, dem Moped und dem Traktor erfahren, die ein kleines Drama des typischen Dithmarscher Lebens aufspielten.

Man nehme eine Dorfsraße in Hennstedt, und einen Traktor, der sie befährt. Von hinten kommt ein 15jähriger Dorfjunge, den sein mangelnder Führerschein nicht davon abhält, Moped zu fahren. Er überholt den Traktor. Schneidet. Schleudert. Rutscht über die Straße. Junge heil, Traktor heil, Moped nicht.

Andere hätten sich von dannen geschlichen und geschämt. Nicht aber ein entschlossener Dithmarscher Jugendlicher. Der ruft die Polizei! Und einen Freund an. Jener Freund wiederum schildert die Polizei, wie der Traktorfahrer das hilflos parkende Moped umgefahren hat. Leider unterscheiden sich die Erzählungen vom Mopedfahrer und seinen Freund deutlich voneinander. Und passen nicht zu den Unfallspuren. Faszinöserweise will die Polizei sogar den nichtvorhandenen Führerschein des Mopedfahrers sehen. Und fragt den Traktorfahrer, der das alles ganz anders sieht. So wie es zu den Spuren passt.

Dithmarschen und insbesondere die Dithmarscher - ich liebe sie für ihren Mut.

P.S. Nicht verlinkbar. Natürlich ist die DLZ nicht im Netz. Neumodischer Unsinn!

P.P.S. Wem es entgangen ist. Hier war auch der Landkreis wo vor zwei Wochen (1) eine Frau in ein Maisfeld lief, in dem sie vorher einen Maishäcksler gesehen hat (2) die Leitstelle den Rettungswagen nicht an ein Maisfeld zwischen Tellingstedt, sondern nach bei Ellingstedt schickt (etwa 50 Kilometer weg) (3) der nächste Rettungswagen auf dem Weg zum Maisfeld leider einen schweren Verkehrsunfall baut, und die Besatzung selbst ins Krankenhaus gebrachten werden muss. Immerhin, aus zwei Wochen Rückschau scheinen alle Beteiligten die Sache vergleichsweise glimpflich überstanden zu haben.

Und wo ich schon bei Dithmarschen bin, diese Woche kein explodierender Traktor, sondern Treckertreck von zu Hause. Aus Schafstedt. Mit großer Dithmarschen-Fahne!


Montag, 1. November 2010

Der Verdruss mit den Wikipedia-Geschichtsartikeln: Actionfest

Fakten können die Realität verzerren. Jeder Wikipedia-Leser sollte das bemerken, wenn er versucht beispielsweise einen Geschichtsartikel im Bastel-Brockhaus zu lesen. Die isolierten Fakten sind meist richtig, die Einbettung in ein schlüssiges Narrativ oft ein Desaster. Da steht der Uniformschmuck gleichberechtigt neben der weltpolitischen Bedeutung neben dem dritten Vornamen. Ereignisse haben Vorrang vor Strukturen, einfach fassbare Einzelobjekte überschatten längerfristige Veränderungen.

Und wie oft, das Problem sieht man um so klarer, je weniger man direkt danach sucht. Ein verunsicherter Drehbuchschreiber in >The Author's Initial Dream

Also, I did a screenplay adaptation of Wikipedia’s Ramses The Great article, but it just turned out as a 300-type Actionfest rather than Historical Epic