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Sonntag, 14. August 2022

Warten unter Alkmene

Warten auf den Abend, an dem die Temperaturen unter 30 Grad sinken. Auf Tage unter 30 Grad. Madame verkochte Falläpfel zu Apfelkaramell. Ich las ein mittelprächtiges französisches Buch dessen Namen ich bereits wieder vergaß sowie das weit bessere „Flight Portofolio“ von Julie Orringer.

Oh wie braun-gelb ist Panama. Immerhin weht unter dem Apfelbaum eine frische Brise. Die Hornissen im Baum halten die Wespen fern.


Dienstag, 19. März 2019

Hummeln lieben Lungenkraut

Hänsel und Gretel leuchten im UV-Licht. Hildegard von Bingen irrte. Im März tummeln sich Hummeln in den rosa Blüten. Wild bewegtes Leben findet zwanzig Zentimeter über dem Boden statt. Die Blüten sind klein. Das Gewächs bleibt flach. Auch leuchten die Blüten kaum im sichtbaren Bereich.

Die exzentrische Schönheit des Kräutchens erschließt sich erst bei Betrachtung aus der Nähe. Es sein denn, man ist eine Hummel.

Hummeln lieben Lungenkraut


Sind Hummeln großartig? Natürlich sind Hummeln großartig. Müssen wir uns darüber unterhalten? Nein. Insekten sind in. Flauschige-Fell-Insekten erst recht. Selbst die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde kürte dieses Jahr eine einfache geöffnete "Bienenfreund"-Rose zur Rose des Jahres und auch Dietbert erklärte uns gegenüber seine Hummelliebe.

Die teilte er uns letztens mit, als ich ihn mit einem Esslöffel durch den Garten laufen sah. „Schon an der Outdoorküche?“, fragte ich. "Nein. Das ist Zuckerwasser, um verhungernde Hummelköniginnen zu retten. Ich suche sie!" Eine ehrenvolle Aufgabe, aber wenn wir die Hummeln schon mit einem Flying Buffet am Leben halten müssen, läuft etwas schief.

Auch habe ich wenig Lust den Tag lang mit einem Löffel voller Zuckerwasser durch den Garten zu irren und verhungernde Hummeln zu suchen. Sollen die Hummeln doch für sich selber sorgen! Wir können Rahmenbedingungen schaffen.

Blüten allüberall


Sonntag, 25. November 2018

Die Tanne an unserem Garten als Sing- und Sitzwarte

Die Ödnis als Baum: die Tanne. Als Sing- und Sitzwarte für Vögel jedoch eignet sie sich hervorragend.

Vögel am Sing- und Sitzwarten

"EINE Tanne. Das wäre nichts für mich.“ Schräg-gegenüber Nachbar Dietbert ist klar. „Die wird viel zu hoch. Und dann noch allein stehend. Da fehlt die Ordnung. Ich brauche meine Thujenhecke.“ Das ist deutlich zu sehen. Hat Dietbert seinen Yin- und Yang-Schotter doch hinter einer drei Meter hohen Thujenmauer versteckt.

Anders sehen es unsere anderen Nachbarn, Wilhelm und Wilhelmina. Die haben eine schicke Einzeltanne am Ende ihres Grundstücks stehen. Und so wenig ich mir je einen Nadelbaum im Garten wünschte, so apart ist doch diese Gartengrenztanne.

Dass wir einmal Frieden miteinander schließen, der Nadelbaum und ich, hätte ich nicht geahnt.

Dienstag, 25. September 2018

Die Rose Betty Prior in unserem Garten

„Wann fangt Ihr an, Euren Garten zu machen?“ Dietberts Frage mochte unschuldig klingen. Aber sie traf. Die Apfelbäume Alkmene und James Grieve wuchsen immerhin schon seit zwei Jahren im Garten. Madame erweiterte stetig das Beet und der Hartriegel hatte schon einen Winter über geleuchtet. „Aber..“, setzte ich an. Dietbert war schneller: „Ich habe da noch Rasenmähtipps für Euch“ Und Dietbert verschwand.

Ja, der Garten wuchs und gedieh. Aber nur im hinteren Teil des Grundstücks. Vorne lagen noch die Bauschuttreste des Bungalows. Die Wasser-Uhr-Grube hatte sich in eine schneckenbewohnte Schlammgrube verwandelt und die Wiese/Lehmstaubwüste Richtung Straße hatte sich noch nicht von den Baumaßnahmen erholt. Dennoch: wozu grabe ich hunderte von Narzissen ein, nur damit Dietbert blöde Fragen stellt!

Hallo, Betty Prior.


Immerhin, damit ist es vorbei. Dietbert, der in seinem Garten einen englischen Rasen, 400 Quadratmeter Schotter und zwei formgeschnittene Kirschlorbeers hat, erzählt nun von Maja Lundes „Geschichte der Bienen“ und wie schlimm das alles ist mit dem Bienensterben. „Die Geschichte der Bienen solltet Ihr unbedingt lesen! Da bekommt man großen Respekt vor der Natur!“

Unsere teil-naturnahe-wiesenintegrierte Gartengestaltung sieht er immer noch nicht als vollwertig an. Und auch den dezenten Hinweis, dass es bei uns Insekten bis zum Abwinken gibt, ignoriert er. Immerhin, er ist allein. Den Rest der Nachbarn konnten wir mit Hilfe einiger durchdringend pink leuchtenden Rosen, die bis November durchhalten, davon überzeugen, dass unser Garten absichtlich so aussieht, wie er aussieht.

Willkommen, Rose, die so aussieht, als würde sie auch ganz ohne Sonne leuchten. Hallo, Betty Prior.

Dienstag, 21. August 2018

Hainschwebfliege: Wunderfliege für den Garten

Nein. Die Hainschwebfliege ist nicht gefährlich. Die Hainschwebfliege frisst Blattläuse. Eine dieser Miniaturfliegen frisst hunderte Blattläuse. Und sie ist auch ansonsten ein Hammerinsekt. Hier ein ein Zentimeter geballte Power, die fast so wirkt als könnte sie beamen; ein Tier das dann auch noch die Alpen in mehreren tausend Metern Höhe überfliegt.

Die Schwebe


Ein Ikea-Klapptisch. Auf ihm stehen zwei Tassen Kaffee, Kuchenreste, ein Wäschesprenger, um die Wespen zu verscheuchen und einige gepflückte Miniaturblüten aus dem Garten. Madame liest Zadie Smiths „Swing Time“, ich klicke mich durch die neusten News zum „Sommerhaus der Stars.“ Beide leiden wir noch etwas unter dem sehr guten insgesamt aber doch reichlichen Gin Tonic bei Paulinas Freilichtkinovorführung im Garten gestern(*).

Da stellt Madame fest: „Du musst gar nicht mehr zur Goldrute, um die Schwebfliegen zu sehen und zu fotografieren.“ Ha! Ha! Als ob dieses Insekt sich in freier Bewegung fotografieren ließe!

Hoverfly May 2008-8
Bild: Hoverfly May 2008-8 von: Alvesgaspar Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Denn obwohl die Fliege vor allem schwebt, stationär wie ein Hubschrauber an einer Stelle, so macht sie dies nie lange genug. Die Fliege steht in der Luft, dann wusch!, mehr beamen als fliegen, und schon steht sie an einer anderen Stelle.

Zu schnell für das menschliche Auge, dass die Fliege sieht, auch ihr Muster erkennen kann und wusch! Ist die weg. Die 12 Bilder, die das menschliche Auge pro Sekunde aufnimmt, reichen nicht, um der Bewegung der Fliege Herr zu werden. Ihr zu folgen ist fast unmöglich, ihr eine Kamera nachzuziehen, schon nicht mehr trivial.

Donnerstag, 2. August 2018

Nacktschnecke Leopardenmuster schädlich?

Große Schnecken mit Leopardenmuster sind unschädlich und ungefährlich. Es sei denn, man ist eine Nacktschnecke. Für andere Nacktschnecken sind diese großen gemusterten Schnecken - Tigerschnegel – Limas Maximus – bedrohlich.

Tigerschnegel fressen andere Nachtschnecken. Liebe Gartenbesitzer: kuschelt und herzet die Schnegel. Verwöhnt sie und streichelt sie: denn sie fressen andere Nacktschnecken. Die Tigerschnegel sind eure besten Freunde.


Ein Prachtexemplar.




Die Schnecke im Garten


Wilhelm und Wilhelmina stehen mit einem Eimer und einer langen Zange auf dem Rasen. Wir rufen hinüber: „Habt ihr was vor?“. Wilhelmina ruft zurück: „Schnecken! Überall Schnecken! Hunderte! Wir sammeln sie auf!“ Soweit so normal in einem Garten. Kaum ein anderes Lebewesen provoziert so den gärtnerischen Aktionismus wie die gehäuft auftretende Nacktschnecke.

Was allerdings verwundert: der wilhelminische Garten ist nur durch einen Maschendrahtzaun von dem Unserigen getrennt. Ein Maschendrahtzaun stellt kein Hindernis für eine ernsthafte Nacktschnecke da.

Und doch: auf unsere Seite des Maschendrahtzauns verirrt sich nur gelegentlich eine Nacktschnecke. Die beiden spanischen Wegschnecken des Gartens kennen wir persönlich, wissen, wo sie wohnen und im Wesentlichen lassen wir sie gewähren. Keine drei Meter nebenan allerdings, füllen Wilhelm und Wilhelmina einen kompletten Eimer mit den Viechern.

Freitag, 13. Juli 2018

Der Rotmilan kreist über unserem Garten

Die Sonne schien seit Wochen. Sie zeigte keinerlei Zeichen wieder aufzuhören. Von Regen wussten nur noch die Älteren. Langsam begann der Rasen zu stauben. Das Getreidefeld hinter der Datscha war frühzeitig ergelbt, jetzt schon Mitte Juni.

Wir betrachteten die leeren Regentonnen. Von hinten kam überraschend noch viel mehr Staub herangeweht. Wir standen inmitten einer Staubwolke, die immerhin in der Sonne glitzerte. Hinter diesem verbarg sich der Mähdrescher: Er fuhr Noternte, bevor das Getreide komplett vertrocknete. Während Madame und ich die Strohteilchen aus dem Gesicht wischten und den Haaren zupften, schauten wir noch oben. Dort kreisten sie wieder: die großen, eindrucksvollen Vögel, die so ganz ohne Flügelschlag zu schweben schienen. Die Rotmilane waren wieder da, folgten im sicheren Abstand dem Mähdrescher.


Bild: Milvus milvus (2011-04-17 Switzerland Kanton Schaffhausen Gennersbrunn Von Hansueli Krapf Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0

Rotmilan, milvus milvus: ein eindrucksvoll aussehender Greifvogel, der sich zu einem Meister des mühelosen Gleitflugs entwickelt hat. Typisch für die Aussicht von unserer Terrasse, wo er immer wieder kreist, und typisch für Brandenburg. Denn hier, quasi direkt an unserer Datscha, liegt ein Schwerpunkt seines weltweiten Verbreitungsgebiets.

Von Harz bis Müggelsee  


Ist das Harzvorland die deutscheste aller Landschaften? Ist der Streit um die Aufstellung von Windrädern der deutscheste aller Streits? Ist der Rotmilan der deutscheste aller Vögel?

Freitag, 18. Mai 2018

Brandenburg-Hymne: Geschichte mit Nazis

Oh Du Brandenburger Adler

(Teil 2)


Zur Vorgeschichte: Regelmäßig fahren Madame und ich mitten im märkischen Wald an einem Gedenkstein vorbei:

"Hier im Krämerwald, in der ehemaligen Jugendherberge Neu-Vehlefanz, hat Gustav Büchsenschütz im Jahre 1923 das Lied ‚Märkische Heide, märkischer Sand' gedichtet und komponiert."
Zuerst überraschte es mich, dass überhaupt eine Hymne, die inoffizielle Hymne des Landes Brandenburg, quasi aus der modernen Zeit kommt. Die Märkische Heide ist zwar nicht die offiziele Hymne Brandenburgs - das Land hat keine Hymne - wird aber regelmäßig zu offiziellen Anlässen gespielt. Ihr Dichter war kein romantischer Poet des 19. Jahrhunderts in Gamaschen mit wallendem Haar, sondern Leiter des Steglitzer Bäderamtes. Nach etwas mehr Recherche offenbarte sich allerdings eine Geschichte, die idealtypisch eine Berlin-Brandenburger-Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt.

Mehr zur Vorgeschichte, siehe den Post Roter Adler Brandenburg Hymne.

Die Geschichte


Ein junger Mann schreibt ein schlechtes Lied. Ein Ereignis, das auf dieser Welt häufiger vorkommt. Interessant wird das Werk wie so oft in der Kunst durch sein Nachleben. Büchsenschütz selbst schrieb das Lied bei einem Wochenendausflug von Berlin aus mit dem Zug nach Velten und dann wandernd weiter durch das Brandenburger Eiszeitland.

Die Gruppe, laut Büchsenschütz „zehn, fünfzehn Jungs und Mädels“ wanderten vom Ofenmuseum Velten über die Alte Hamburger Poststraße und durch den Krämer Wald. Sie landeten in der Jugendherberge Neu-Vehlefanz. Oder mit Büchsenschütz:

„Das nannte sich Jugendherberge, aber es war nur ne olle Bauernkate, links vom Flur Zimmer, rechts ne Stube, in der Mitte ne Küche. Olle Feld-Bettstellen und olle Decken, das war alles ganz, ganz primitiv. Das sanitäre Häuschen auf dem Hof. Morgens früh waschen an der Pumpe mit kaltem Wasser.“

Dort verbrachte er den langen, anscheinend einsamen Abend und am nächsten Morgen war ein Lied zum Wandern und Singen geboren.

Nun ist es deprimierend genug für Brandenburg, dass die Brandenburg-Hymne von einem Berliner auf Wochenendausflug geschrieben wurde. An diesem Ort zu dieser Zeit treten dort noch jede Menge deutsche Geschichtsverirrungen hinzu.

Der Bismarckorden


Vom Bahnhof Velten nach Neu-Vehlefanz wanderte Büchsenschütz nicht in irgendeiner Wandergruppe, sondern in einer Jugendgruppe des Bismarckordens. Der Bismarckorden war eine radikalere Abspaltung des Bismarckbundes, der wiederum der DNVP – der Deutsch-Nationalen-Volkspartei - nahestand.

Bundesarchiv Bild 102-09993, Potsdam, Reichstreffen des Bismarckbundes
Der Bismarckbund marschiert. Büchsenschütz' Bismarckorden war dessen militante Abspaltung. Bild: Das grosse Reichstreffen des Bismarckbundes in Potsdam! Der grosse Vorbeimarsch der Mitglieder des Bismarckbundes vor dem Reichsführer H.O. Sieveking im Luftschiffhafen in Potsdam. Quelle:
Bundesarchiv, Bild 102-09993 / CC-BY-SA 3.0

Die DNVP und der Bismarck-Bund verfolgten in der Weimarer Republik einen strikt konservativ-monarchistischen Kurs. Sie trauerten dem verflossenen Kaiserreich nach, lehnten die Republik ab und wollten zurück in eine Monarchie.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Roter Adler Brandenburg-Hymne?

Oh du Brandenburger Adler

(Teil 1)


Manchmal sitzen Madame und ich in unserer Datsche und schauen nach dem kreisenden Rotmilan. Wir freuen uns an den Erd- und Ackerhummeln, die auf dem Lavendel wippen, und hören im Hintergrund den durchdringenden Sound der röhrenden Motorräder auf der Speedwaybahn.

Rotmilan; manchmal als Roter Adler bezeichnet.


Nicht weit weg von Erdhummeln und Rotmilan, in Wolfslake, hat einer der zehn Klubs der deutschen Motorrad-Speedway-Bundesliga sein zu Hause gefunden. Dort liegt die Speedway-Sandbahn, umgeben von Erdwällen auf denen die Besucher stehen. Das Parken erfolgt auf der Wiese. Auf der Bahn finden im Jahr knapp zehn Wettkämpfe statt.

Speedway Wolfslake gegen Stralsund 07.06.2015 14-07-53
Speedwaybahn Wolfslake

An ebenjenem Speedway-Stadion führt der Gustav-Büchsenschütz-Weg vorbei. Er beginnt am Stadion in Wolfslake, geht einige Kilometer durch den Wald und die Siedlung Neu-Vehlefanz, bis hin zum Gemüsefeld, wo wir frischen Blumenkohl vom Feld schneiden. Man kann sagen: dank des Gemüsefeldes sind wir regelmäßige Gustav-Büchsenschütz-Weg-Fahrer. Das aufregendste, was uns auf der Straße je passierte, war die Sichtung einer Ringelnatter, die auf dem Asphalt lag.

Donnerstag, 3. August 2017

Unser kleiner Apfel James Grieve im Garten

Es war einmal ein kleiner Apfel. Der kümmerte vor sich hin. Während seine große Schwester wuchs und wuchs, die später nachgepflanzte Birne zum Überholen ansetzte und selbst die aus dem Nichts auftauchende Mirabelle den Apfel schon bald überragte, mückerte der kleine Apfel. War es die Wühlmaus? Die Brandenburger Trockenheit? Oder doch eine Kombination der beiden?

Bis eines Jahres ein Unwetter das nächste jagte. Die Menschen konnten gar nicht rechtzeitig die Schlauchboote aus dem Keller holen konnten, bevor sie dort schon wieder gebraucht wurden. Weiden wandelten sich in Seen, Äcker in Feuchtgebiete. Auf jedem Quadratzentimeter lebten eine Fantastilliarden Mücken - und der Apfel wuchs und wuchs.



In unserem Garten, der noch vor recht kurzer Zeit ein Acker war, also rein und leer, stehen mittlerweile zwei Äpfel: Alkmene und James Grieve.  Beide bekamen wir von unseren Eltern geschenkt, beide holten wir wurzelnackt aus einer Brandenburger Baumschule bei Werder – Obstbaumgebiet. Gezüchtet und gewachsen sind sie in einem Klima, das dem unseren ähnlich ist. Während Alkmene sich von Anfang an prächtig machte, Äste nach links und rechts und oben ausstreckte, der Stamm an Größe und Masse zulegte, als würden wir ihn mit Apfel-Anabolika füttern,  kümmerte James Grieve vor sich hin.

War es die Wühlmaus, die in der Nähe tätig war und dem Flachwurzler ganz besonders zusetzte? Die ungünstigere Stelle mit mehr Wind? Oder braucht der in Schottland gefundene James Grieve trotz aller gegenteiligen Händlerbeteuerungen doch mehr Wasser als die in Brandenburg gezüchtete Alkmene?

Man soll nicht immer nur auf die Äpfel achten. Links ein James-Grieve-Blatt: länglich, glatt, elegant. Rechts Alkmene: runder, höher/dreidimensionaler, gebogen und mit kurzem Stil.


Aber James Grieve kommt. Die Gespinstmotten des Frühsommers scheint der Baum überstanden zu haben. Dieses Jahr ist der Baum als Baum zu erkennen. Mittlerweile überragt er mich deutlich. Ich muss meine Arme ausstrecken um an die Spitzen der Äste zu gelangen und auch mit einer Hand umfassen lässt der Stamm sich nur noch mühselig. Madame begann dieses Jahr, die Äste zu erziehen, herunterzubinden und festzuziehen - schließlich wollen wir aus ästhetischen und pragmatischen Gründen lieber einen Apfel mit breiter Krone in Griffhöhe als einen schmalen hohen Baum.

Weil das mit den Blättern so nett ist, hier die Rückseite. Lang/glatt (James Grieve) lässt sich auch rückwärtig von rund/strukturiert (Alkmene) unterscheiden.


Und obwohl 2017 ein berauschend schlechtes Apfeljahr in Berlin/Brandenburg wird, scheint James Grieve Äpfel tragen. Vier Früchte hängen noch am Baum. Aber noch sieht es gut aus. Sollte 2017 das Durchbruchsjahr für den James Grieve im Ländchen Glien werden?

Sonntag, 2. Juli 2017

Schwimmbad Brandenburg: Aqua Stadtbad, Hennigsdorf

Hennigsdorf? Ist das noch Berlin? Nicht mehr ganz. Der Ort liegt direkt an der Stadtgrenze und war damit zwischen 1961 und 1989 von allem abgeschnitten. Hier war Brandenburg zu Ende. Nach Westen kam die Mauer, nach Osten die Pampa. Wenn es schon komisch war, dass Berlin von seinem Umland abgeschnitten war - immerhin war Westberlin eine Millionenstadt, die sich selbst genügen konnte. Das Umland allerdings, abgeschnitten von der Metropole, zu klein für sich selbst, ausgerichtet auf das große Nichts - das ist nur noch absurd.



Heute ist Hennigsdorf weder richtig Stadt noch richtig Land, geographisch im Nirgendwo, in dem zwar einige Menschen Arbeiten (bei Bombardier zum Beispiel) und Leben, alle andere aber bestenfalls durchfahren, vom echten Land in die echte Stadt.

Dabei liegt Hennigsdorf idyllisch an der Havel, ist aber wohl doch zu industriell geprägt um Berliner Wochenendausflüglers Ziel zu sein. Ein Bad hier ist für die Menschen vor Ort und muss dementsprechende Bedürfnisse erfüllen. Ein echtes kommunales Bad also, dessen Höhenflug an Schicki-Micki bereits die Benennung als „Aqua“ war.

Dienstag, 13. September 2016

Badestelle Brandenburg: Schwimmen im Kremmener See

Es lag einst eine moorige Sumpflandschaft inmitten der Sandbüchse Mark Brandenburg: das Rhinluch. Die Ebene, wo der Fluss Rhin eben nicht fließt, sondern sich eher häuslich einrichtet, verharrt und sich ausbreitet. Menschlicher Nutzung entzogen die Gegend sich durch ihre Sumpfigkeit, einzig durch einen schmalen Damm konnten Menschen sie überqueren.



Bereits die Preußen versuchten seit dem 18. Jahrhundert die Gegend zu entwässern, um sie nutzbar zu machen. Aber erst die DDR konnte dabei ernsthafte Erfolge feiern.

Bundesarchiv Bild 183-65843-0003, Grabensprengung zur Entwässerung
Zentralbild Martin 25.7.1959 Jugendobjekt Milchstraße Berlin. 43000 ha Wiesen- und Buschland legen Jugendliche für die landwirtschaftliche Nutzung im Havel-Rienluch trocken. Diese Wiesen waren bisher zur Viehfütterung nicht zu verwerten, da sie die meiste Zeit des Jahres unter Wasser standen. 1550 freiwillig arbeitende Jugendliche reinigen die vorhandenen Gräben und legen neue Gräben an, damit der Grundwasserspiegel sinkt und das Regen- sowie Schmelzwasser im Frühjahr abfliessen kann. Damit stehen erhebliche Mengen Futter zusätzlich zur Verfügung, wodurch die Landwirtschaftsbetriebe dieser Gegend in der Lage sind, ihre Viehbestände erheblich zu erweitern und die tierische Produktion zu steigern. UBz: Ein Graben wird gesprengt. Quelle:
Bundesarchiv, Bild 183-65843-0003 / CC-BY-SA 3.0

Es kam, wie es kommen musste: mittlerweile kämpfen Naturschützer darum, wenigstens Reste des Rhinluchs (nordwestlich von Berlin, zwischen Oranienburg und Neuruppin) in seiner Sumpfigkeit erhalten, einen der deutschen Hauptrastplätze des Kranichzugs, Lebensraum für Rotbauchunke, Adler, Bekassine, Zwergtaucher, Kiebitz und was sonst noch die feuchte Wiese/ den flachen See liebt. Teile der Gegend stehen mittlerweile unter Naturschutz.


Mittwoch, 8. Juni 2016

Kommunistenspargel - Spargelanbau in der DDR

Vor einiger Zeit habe ich schon versucht zu ergründen, ob es in der DDR Spaghetti gab. Nun gibt es neben Spaghetti auch anderes feines Essen. Gerade in Berlin, das mittlerweile von Brandenburger Spargelhöfen umkreist und eingeschlossen ist, stellt sich die Anschlussfrage: Wie sah es eigentlich mit dem Spargel in der DDR aus? Konnte man auch vor 1990 nett entlang der Spargelfelder lustwandeln? Zumindest nach der in Beelitz nacherzählten Legende, haben dort die Spargelbauern seit 1990 alles wieder quasi aus dem Nichts erschaffen.

Immerhin: die Grundfrage lässt sich einfach beantworten: gab es in der DDR Spargel? Ja! Gab es soviel Spargel wie heute? Nein. Mit detaillierteren Informationen wird es schwieriger.

Vor der DDR existierte auf jeden Fall Spargel. Die Brandenburger Streusandbüchse bietet sich zur Spargelzucht an. Mit Berlin existiert auch ein naheliegender Markt für große Mengen des Gemüses. Die Brandenburger Kleinstadt Beelitz - gelegen etwas südlich von Berlin auf einem Sander aus Sand, Kies und Geröll - war schon vor dem Krieg berühmt für seinen Spargel. Von 1870 bis in die 1930er dehnte sich die Anbaufläche stets aus. In den letzten Jahrzehnten kamen ebenso zu Touristen zum Spargelfest  nach Beelitz wie Erntehelfer aus Osteuropa.

Bundesarchiv Bild 183-R0312-500, Mark Brandenburg, Spargelernte
Spargelernte in Brandenburg. Vor 1945.  Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R0312-500 / CC-BY-SA 3.0


Vor-DDR-Spargel

Historisch wichtiger, heutzutage als Spargelgebiet weniger bekannt, ist die Altmark, heute im nördlichen Sachsen-Anhalt. Wie Brandenburg auch ein trockenes Gebiet mit leichten Sandböden. Um das Zentrum Osterburg herum gab es nicht nur regen Spargel-Anbau, sondern mit August Huchel auch eine der prägenden Gestalten der frühen Spargelzucht. Huchel untersuchte in den zwanziger Jahren planmäßig große Mengen der damals vorherrschenden lokal begrenzten Landsorten und begann die Spargelzucht zu systematisieren. Daraus entstand Huchels Leistungsauslese, die erste deutsche Spargelsorte im engeren Sinne.

Huchels Leistungsauslese können passionierter Kleingärtner auch heute noch als Pflanzen und Samen kaufen. 1929 entstand aus Huchels Forschungen die Deutsche Spargelhochzuchtgesellschaft Osterburg/Altmark.