Dienstag, 26. Juli 2011

Wikimania: Chiara, nicht mehr ganz so rough draft

So, danke für die vielen super Kommentare. Die haben sehr geholfen, und mittlerweile bin ich mir über ein paar Gedanken klarer. Ich hoffe, ich habe nichts übersehen,

Chiara ist mittlerweile ein paar Runden weiter. Detailverbesserungen sind noch eine Menge drin, und gerade zum Ende franzt es noch etwas aus. Aber ich denke es macht sich. Wer schauen mag:



Plagiate und Sockenpuppe, UK-Version. Johann Hari.

Da die Wiki-Watch-Diskussion in Deutschland gerade eine Ruhepause einlegt, ist das ein guter Grund mal den Blick gen England zu werfen. Johann Hari war bis vor kurzem ein Darling der linksliberalen Presse in Großbritannien. Er gewann mit dem Orwell-Preis für guten Journalismus 2008, hatte eine Kolumne bei der britischen Tageszeitung The Independent ebenso wie bei der Huffington Post, Artikel von ihm erschienen in der New York Times, Le Monde und Ha'aretz. Für jemand, der gerade mal 31 ist, eine eindrucksvolle Leistung. Die aber wohl gerade an ihr Ende kam.

Leider hat sich das vor ein paar Tagen dramatisch geändert. Seit dem 12. Juli ist von seinem Posten bei der Tageszeitung The Independent suspendiert. Und seinem Wikipedia-Artikel ist aus gleich auszuführenden Gründen auch nicht zu trauen.

Zuerste wurde ihm vorgeworfen, Zitate aus den Artikeln anderer ohne Nennung in seine Arbeiten einbaute. Dabei ging es mal um wenige Zeilen, mal um fast vollständige Interviews, etwa mit Noam Chomsky oder der Journalistin Ann Leslie. Hari hat das auch gar nicht erst abgestritten, sondern versucht sich rauszureden, aber als Deutscher hat man ja mittlerweile Erfahrungen mit den üblichen Ausreden erwischter Plagiatoren. Die Vorwürfe schien er halbwegs überstanden zu haben, zumal er wohl überzeugend die tragische Geschichte des tapferen Linken gegen die konservativen Mob gab. Aber dann hat er sich wohl doch um seinen Job wikipediert.

Auch Jonathan Hari hat exzessiv dem Hobby des wikipedierens gefröhnt. Vor allem dessen, dass da heißt: Sprich gut über Dich und schlecht über Andere. Der User David r from meth productions zeigte eine besondere Affinität zu Hari-relevanten Themen in Wikipedia.

Dieser David r hatte die ungute Eigenschaft in Artikel anderer Journalisten - Christina Odone, Francis Wheen, Andrew Roberts und Niall Ferguson - zu schreiben, dass sie homophob sind, gefeuert wurden, und ihnen andere Charakterfehler zuzuschreiben - meist kurz nachdem diese mit Hari in einen Streit geraten waren. IP-Accounts haben in eine ganze Reihe von Artikeln jeweils die zugerechnete Meinung Haris geschrieben, während Haris eigener Artikel - unter fleißiger Mitarbeit von David r - eine einzige Lobeshymne wurde. Wie sich das gehört, bedrohte er Diskussionsgegner auch gerne mal mit einem Rechtsstreit. Und brachte natürlich auch die Geschichte vom tapferen Linken:

Check out his website. Your impugning of his integrity will be used, I suspect, mainly by Zionist groups and anti-environmentalists in their mailing lists to undermine his writing about Palestine and climate change. (The Private Eye attack began after Johann attacked their homophobia). It's frustrating to see a decent guy who works hard for left-wing causes being pulled down by his own side (using right-wing allegations!) because they disagreed with him on one issue.


Andere IP-Konten bearbeiteten vorhin Haris Biographie, und entfernten erst komplett seine Jugend auf einer teuren Privatschule, und, damit gescheitert, versuchten die als zu unelitär und normal wie möglich darzustellen.

Angelich ist David r Klimawissenschaftler, der ein entfernter Bekannter oder enger Freund Haris ist, schreibt allerdings nie über Klimawissenschaft, aber viel über Hari. David Rose, wie er heißen soll, nun hat behauptet ein entfernter Studienfreund von Hari zu sein - weswegen er sich gut bei ihm auskennt - aber natürlich direkt nicht das geringste mit ihm zu tun zu haben. Einem Admin ist allerdings aufgefallen, dass David r eine IP-Adresse direkt beim Independent, Haris Arbeitgeber hat, was der nun wiederum mit Aushilfsjobs da erklärt, die ihm sein guter Freund Hari verschafft hat. Praktischerweise bei einer ganzen Reihe von Medien, immer in der Zeit in der Hari dort war.

In den Kommentaren gibt es dann eine spannende Suche nach David Rose, der sich trotz all der konkreten Informationen nicht finden ließ. Darunter waren doch eigentlich eindeutige Sache wie ein intensiver Forschungsaufenthalt in der Antarktis, über den keine Veröffentlichungen organisieren, oder die Mitgliedschaft in einer 100-Mann kleinen trotzkistischen Partei, in der niemand einen David Rose kennt. Der einzige den sie fanden war ein anderer Journalist selben Namens, der vehement abstritt, näher mit Hari zu tun zu haben. Dafür finden sich unbestätigte Erwähnungen eines David Rose durch Hari bereits Jahre vorher als Haris Webmaster oder in diversen anderen Blogs und Diskussionsforen - wohl auch nicht, ohne dass Rose mehrfach vorgeworfen wurde, er wäre eine Sockenpuppe von Hari.

Und nachdem der Wikipedia-Skandal dann halb durch war, kam der nächste. Er hatte Zitate und Gespräche nicht nur plagiiert, sondern auch gleich frei erfunden. Diesmal allerdings mit Leuten, die sich noch schlechter wehren können. Hilfsbedürfte in der zentralafrikanischen Republik, und zwei unauffindbare und eventuell nicht-existente Briten in Dubai. In beiden Fällen haben die erfundenen Zitate natürlich maßgeblich zur emotionalen Schlagkraft der Geschichten beigetragen, und beide Reportagen waren ausschlaggebend für Journalismuspreise, die Hari gewann.

Und nun: Hari ist bei seiner Zeitung beurlaubt, die Orwell-Preis-Verleiher befinden über die Rücknahme, und sei Ruf als Starjournalist ist wohl endgültig zerstört. Sie fallen reichlich, zur Zeit.

Und en hat einen lobenswwerten neuen Baustein, dessen Adaption nach de ich dringend nahelege: en.wikipedia:Johann Hari

Sonntag, 24. Juli 2011

zeit für eine wende?



attila albert hat in den letzten tagen einige blogbeiträge (statt eines vorworts, grenzen der vorstandsarbeit und hass und liebeverfasst, die imo viele treffende beobachtungen und überlegungen enthalten.

an einer stelle schreibt attila, dass ein milliardenschweres medienunternehmen im grunde leichter zu handlen ist als der wikimedia deutschland e.v., dass ein wust an emails und telkos stattfindet und am ende vergleichsweise wenig (gemessen an aufwand und persönlichem sich-aufreiben) herauskommt. darüber habe ich eine ganze weile nachgedacht. ich glaube, attila hat hier auf ein grundproblem von wmde hingewiesen, das strukturelle ursachen hat, und von denen ich auch nicht weiss, wie man sie auflöse könnte.

als beispiel, was ich meine, folgende parabel (die die ebene foundation/wmde absichtlich auslässt, da dies am kern nichts ändert):

stell dir eine erfolgreiche zeitung mit vielen millionen lesern vor. diese zeitung wird nicht von angestellten journalisten geschrieben, sondern von engagierten menschen, die wirtschaftlich unabhängig sind, und journalismus als hobby betreiben. alle autoren arbeiten an telearbeitsplätzen von zuhause aus. redaktionskonferenzen finden, wenn überhaupt, nur selten statt. unter anderem wegen der unabhängigkeit der autoren und ihren breitgefächerten persönlichen hintergründen, interessen und fachkompetenzen, ist die zeitung beim leser so erfolgreich.

die leser sind von der zeitung begeistert und bezahlen dafür gerne einen obulus an den verleger. der verleger bezahlt von diesem geld die redaktionssoftware, papier, druck und vertrieb der zeitung. danach ist immer noch eine ordentliche stange geld übrig. ein normaler verlag würde nun vielleicht die journalisten mit arbeitsverträgen ausstatten und sie ordentlich bezahlen. er könnte eine inhaltliche richtung vorgeben und eine unternehmerische strategie von oben nach unten umsetzen.

dieser verleger möchte jedoch das was die zeitung ausmacht - die unabhängigkeit der autoren - um keinen preis gefährden und hat deshalb von anfang an beschlossen, sich inhaltlich aus der zeitung komplett herauszuhalten. das sehen auch die autoren der zeitung so und deshalb haben sie den verlag mit dieser vorgabe ursprünglich sogar selbst gegründet.

der verlag steht nun vor der aufgabe, die zeitung auf anderen wegen zu fördern, die autoren in ihrer arbeit zu unterstützen und das eingenommene geld sinnvoll auszugeben. wegen des "keine einflussnahme auf inhalte oder autoren"-dogmas entscheidet sich der verlag für eher "flankierende maßnahmen". er fördert die wissenschaftliche auseinandersetzung mit zeitungsprojekten wie dem eigenen. er lobbyiert in der politik für bessere rechtliche rahmenbedingungen für solche projekte. er beschäftigt entwickler, die die redaktionssoftware und die druckmaschinen verbessern. er fördert andere, ähnliche projekte, die noch keinen eigenen verleger haben. er sorgt dafür, dass die seltenen redaktionskonferenzen der autoren für diese keine zusätzlichen kosten verursachen und kauft bücher für autoren, wenn diese das wünschen und für ihre arbeit benötigen.

am ende beschäftigt der verlag deshalb einen stab von mitarbeitern und auftragnehmern, die die "flankierenden maßnahmen" umsetzen. dies stößt nun auf einmal den unabhängigen hobbyautoren der zeitung bitter auf. sie haben plötzlich den eindruck, mit ihrem engangement gelder zu erwirtschaften, die dann anderen zugute kommen, die sich entschieden haben, für geld zu arbeiten. dass die hobbyautoren selbst ebenfalls für geld arbeiten - für den eigenen arbeitgeber - und dass sie sich selbst entschieden haben, ohne entlohnung als hobby eine zeitung zu schreiben, blenden die autoren dabei aus. die autoren blenden außerdem aus, dass das "autorenferne" geldausgeben des verlags darauf beruht, dass die autoren dem verlag höchstselbst verboten haben, das eingenommene geld unmittelbar in die zeitung, die inhalte, die autoren zu investieren. die autoren werfen dem verlag vor, er habe sie vergessen. die autoren werden misstrauisch gegenüber dem verlag.

der verlag nimmt die klagen der autoren ernst, will jedoch auch nicht das "keine einflussnahme auf inhalte oder autoren"-dogma aufgeben, dass er selbst als grundprinzip des funktionieren der zeitung erkennt.

der verlag versucht deshalb, einen teil des geldes "in die hand der autoren zurückzugeben", indem er ein eigenes budget einrichtet, mit dem wünsche der autoren finanziert werden, bei dem sich der verlag aber inhaltlich zurücknimmt. es wird ein ausschuss eingerichtet, der die finanzierungswünsche beurteilen soll, in dem neben verlagsmitarbeitern auch unabhängige autoren sitzen. die zusammenarbeit zwischen ausschuss und verlag verläuft schwierig, die beteiligten misstrauen sich, die zusammenarbeit droht zu scheitern. verlag und autoren sind davon gleichermaßen entsetzt und schieben sich gegenseitig die schuld am drohenden scheiten zu.

was will ich damit sagen? 1.: ich habe auch keine lösung. 2. das dilemma ist imo strukturell und nicht einfach aufzulösen. 3. die emotionalität, das misstrauen, die empfindlichkeit sind nicht ursache sondern konsequenz.

Samstag, 23. Juli 2011

Freitag, 22. Juli 2011

Traktorfreitag:Tieftonballett

Ich muss etwas gestehen: ich habe eine Motorpassion, die die für Traktoren übertrifft. Im täglichen Leben noch seltener auszuleben, und zum Ausgleich verstehe ich davon genausowenig wie von Traktoren. Es sind Schiffsdiesel.

Engine block in Russia

Welche großartige Entdeckung, dass es ein Trecker-Treck-Team gibt, dass seinen Traktor mit einem ungebauten Schiffsdiesel ausgestattet hat. Der Dragon Fire von Paul Heistermann wird von einem Zvezda M503 mit 42 Zylinder, 147 Litern Hubraum und mit 10.000 Wettkampf-PS angetrieben. Der hat ehemalst auf einem Schnellboot der Volksmarine Dienst getan.

Bundesarchiv Bild 183-S1007-0321, Rostock, 25. Jahrestag DDR-Gründung, Flottenparade

Für's Traktorpulling haben sie ihn von Diesel- auf Methanolantrieb umgebaut, und ihn dabei so entschlackt, dass der ehemals 5,4-Tonnen-wiegende Motor jetzt auf einem Trecker mit 5,4 Tonnen Gesamtgewicht sitzt. (Umfangreiche Details zum Umbau)

Hier eine Fotoserie vom Umbau.

Erstmals aufgetreten 2007 in Weseke in der 5,4-Tonnen-Klasse, ist er leider nicht mehr wettkampffähig in Deutschland, da die 5,4-Tonnen-Klasse abgeschafft wurde. Was ihn aber bisher zum Glück nicht daran hindert, als besonderer Showakt deutschlandweit beim Treckertreck aufzutreten.

Und, womit ich zum Titel dieses Posts komme, ich beschwerte mich ja letztens über viel zu wenig Durchdringungskraft beim Tieftonballett. Ich hätte es wissen müssen, Grenzerlebnisse gibt es natürlich nicht niemals nie in den angesagten Berliner Vierteln, sondern im Grimmen auf dem Acker. An Power mangelt es bei Dragon Fire nicht. Und wenn der den Motor anschaltet, dann vibriert aber jede Faser. Subbassige und bassige Durchdringung selbst in vielen Meter Entfernung. Pooower.


Leider kommt bei den ganzen YouTube-Videos der Ton nicht wirklich rüber. Aber ich denke am zittern der Kamera kann man ahnen, wie sich das anfühlt, wenn der Motor anspringt.



Und auch wenn es auf Youtube verdächtig viele Videos gibt, in denen der Motor hochgeht, bevor der Traktor den Full Pull geschafft hat, hier doch mal ein Erfolgsvideo:



Mittwoch, 20. Juli 2011

Wem es entgangen sein sollte: Wikimedia Deutschland hat strategische Kernziele

Ich zitiere mal großzügig Alices Mail von der Mailingliste:

Liebe Leser der Vereins-Mailingliste,

das Ressort Qualität stellt den Überarbeitungsentwurf der
strategischen Kernziele auf
https://forum.wikimedia.de/w/Kompass_2020/Qualität_2011 zur
Diskussion.

Wie lässt sich die Qualität in den Wikimedia-Projekten steigern,
welches Bild von Qualität wird verfolgt, sind Wissenschaftler die
einzigen Experten?

Diskutiert mit dem Ressortverantwortlichen Ralf Liebau auf
https://forum.wikimedia.de/w/Diskussion:Kompass_2020/Qualität_2011


Anmeldung erforderlich, aber auch für Nicht-Vereinsmitglieder möglich. (Sofern ich das Forum mittlerweile verstehe..)

Auf, Diskussion, voran!


"Philosophie von “Zusammenarbeit 2.0″" (CPB VI)

So ist es doch ebenso nett wie instruktiv. Twoonix hat auf meinen gestrigen Blogpost nun wiederum auf seinem Blog geantwortet:

In seinem Beitrag zeigt er Verbindungen von Mitarbeitern unserer Firma mit dem Verein und dem Gremium der Budgetvergabe von Wikipedia-Projekten auf. Diese sind durch das Mitwirken der Twoonix in der Community bekanntermassen vorhanden und sollen im folgenden erläutert werden.

Melanie auf Blog-Twoonix:
Die Twoonix-Connection

Korrektur

Was ist es gut, dass Iberty tatsächlich Leser hat, die mich auf meine Fehler hinweisen können. Danke! So schrieb ich am Freitag, dass Brandenburg eine Trecker-Diaspora sei. Dem ist nicht so. Ein Kommentator wies mich darauf hin: Brandenburg ist groß und die Traktorenfreunde Groß Schacksdorf-Simmersdorf haben in den letzten Jahren – wenngleich im kleinen Rahmen – schöne Traktorentreffen veranstaltet.

Das hat mich ein bißchen Suchen lassen, und tatsächlich: die Lausitzer Rundschau berichtete bereits 2009 vom Eldorado für Schlepperfreunde Und noch besser: das diesjährige Traktorentreffen hat noch nicht stattgefunden, sondern ist im August. Wobei ich wohl leider trotzdem nicht kann. Aber immerhin: ein Hoch auf Groß Schacksdorf-Simmersdorf!

Bundesarchiv Bild 183-1985-0717-024, LPG Simmersdorf , Ernte, Verlustprüfung



Dienstag, 19. Juli 2011

Community-Projektbudget (V): die Twoonix-Connection

Um mal einen der faszinierendern Nebenstränge im Fall Community-Projektbudget anzureissen, der eng mit der noch auszubreitenden Nebenhandlung Serbien zusammenhängt:

Juliana stand in einer komplexen Beziehung zu Wikimedia Serbia und hatte in dieser Funktion etwas mit der Organisation des Wikimedia Management Congress 2011; Belgrade, Serbia zu tun.

Für diesen Kongress hat sie an das deutsche Community-Projekt Budget einen Antrag auf Förderung gestellt.

Soweit so unspannend. Spannender wird es, wenn man sieht, wer diesen Kongress sponsert: Website (wiki, domain and hosting) is donated by TWOONIX Software Company, Berlin, Germany

Was eventuell daran liegt, dass Juliana unter anderem für Twoonix gearbeitet hat.

Spannend wird es dann aber in den weiteren Schritten:

Über diesen Antrag entscheiden dann nacheinander zwei Gremien:

* der Community-Projektausschuss. In dem sitzt unter anderem Ralf R ("Wikipedia, Wikimedia, Twoonix Software GmbH"). Der hat sich meines Wissens bei der Abstimmung im Ausschuss nicht enthalten.

* der Wikimedia-Deutschland-Vereinsvorstand. In dem sitzt unter anderem Robert Radke ("Geschäftsführender Gesellschafter von Twoonix").


Montag, 18. Juli 2011

Community-Projektbudget (IV): Was ist überhaupt passiert?

Die Geschichte des Community-Projektbudgets vom WMDE schlägt weitere Wellen. Hatte ich ja schon gedacht, die dramatischen Momente wären eigentlich schon vorüber, haben mich gleich zwei Rücktritte Gestern und Heute eines besseren belehrt.

Nach einem kurzen Hintergrund zum Community-Projektbudget und der ganzen farbenfrohen dramatischen Auseinandersetzung fehlt ja noch das wichtigste: der Blick wenn der Rauch verflogen ist, und darauf, was nun zu einem rückgetretenen Ausschussmitglied, zwei absentierten Ausschussmitgliedern und zwei zurückgetretenen WMDE-Vorstandsmitgliedern führte.

Freundlicherweise ist mir die Wikipedia zuvorgekommen, wo heute Abend auf der Diskussionsseite zum Community-Projektebudget eine Dokumentation entstand. An der haben den Abend über diverse Vorstands- und Ausschussmitglieder mitgearbeitet, und scheinen halbwegs einig zu sein, so dass zumindest kein kompletter Unsinn in der Chronologie steht. Stand ist 18.7.2011 um 23:10 und hier ist der Text zur Dokumentation:


31. Mai 2011: deadline zum einreichen von anträgen für das CPB. eingereicht sind u.a. auch anträge des vorstands- und ausschussmitglieds olaf k (2 Anträge), sowie der vorstandsmitglieder sebastian m (1 Antrag) und achim (2 Anträge) [1] und ein antrag des wikimedia chapter serbien auf unterstützung bei einem kongress, in dieser sache vertreten durch juliana, die beruflich sowohl mit dem ausschussmitglied ralf r als auch mit dem vorstandsmitglied robert verbunden ist.

Anfang Juni 2011: der CPB-ausschuss konstituiert sich telefonisch und sortiert bereits einige anträge endgültig aus, die übrigen anträge werden einzelnen berichterstattern zugeteilt, die daraufhin mit den antragstellern kommunizieren. die geschäftsstelle richtet im anschluss eine mailingliste und ein wiki ein, die anträge werden durch sebastian s in das wiki übertragen.

7. Juni 2011: olaf k versendet mails an die antragsteller, in denen diesen mitgeteilt wird, ihre anträge könnten lediglich durch die ausschussmitglieder eingesehen werden.

17.-18. Juni 2011: der ausschuss tagt in hamburg. der ausschuss ändert seine geschäftsordnung. dem vorstand wird diese änderung zunächst nicht mitgeteilt. aus sicht des ausschusses beseitigt die änderung lediglich eine sprachliche redundanz. die berichterstatter berichten, die antragsteller stellen ihre anträge persönlich vor, anschließend stimmen die ausschussmitglieder per handzeichen über jeden antrag ab. die tagung des ausschusses wird durch sebastian s protokolliert. als die arbeit der geschäftsstelle bezüglich des landtagsprojektes in hamburg kritisiert wird, wird sebastian s gebeten, den raum zu verlassen. direkt danach stellte olaf k seinen eigenen antrag vor, dies wude durch anneke protokolliert. achim konnte kurzfristig doch nicht teilnehmen. eines seiner projekte wurde abgelehnt, der andere antrag von achim wurde teilweise angenommen. ein antrag von olaf k wurde abgelehnt, einer wurde angenommen.

Ende Juni 2011: dem vorstand wird zugetragen, der ausschuss habe seine geschäftsordnung geändert, olaf k habe einen antrag für das CPB gestellt, über diesen selbst (mit-)beraten und dieser antrag sei auch bewilligt worden. das selbe wird dem vorstand hinsichtlich des antrages von wikimedia serbien zugetragen, bei dem mitglieder des vorstandes das ausschussmitglied ralf r für befangen halten. ausserdem wird dem vorstand zugetragen, der antrag sebastian m sei abgelehnt worden. mitglieder des vorstands verlangen auskunft von olaf k, insb. über dessen eigenen antrag, den antrag von wikimedia serbien und die änderung der geschäftsordnung. mitglieder des vorstandes sind der auffassung, die geänderte geschäftsordnung und/oder das antrags- und abstimmtungsverhalten von olaf k und ralf r widerspreche den regeln von WMDE zur vermeidung von interessenkonflikten. olaf k reagiert nicht. der für 30. Juni 2011 angekündigte bericht des ausschusses verzögert sich, als neuen termin für den bericht nennt der ausschuss den 2. Juli 2011. dem vorstand wird von olaf k ein dringlicher antrag genannt, woraufhin der vorstand olaf k um eine begründung des ausschusses, wieso der antrag gefördert werden sollte, bat. olaf k reagiert nicht. aus sicht von sebastian m besteht die gefahr, dass der ausschuss seinen bericht veröffentlicht und der vorstand sodann die seiner auffassung nach unkorrekt zustande gekommenen voten des ausschusses bestätigen muss, wenn er nicht eine öffentliche debatte hierüber führen möchte.

29. und 30. Juni 2011: sebastian m zieht daraufhin seinen eigenen antrag formal zurück und dringt am 29. Juni verdeckt in die mailingliste ein, gibt sich und achim (die beide als antragssteller schon im wiki angemeldet waren) am 30. Juni die leserechte auch für alle anderen wikiseiten, wird darauf von anneke angesprochen, warum er sich als antragsteller im Wiki aufhalte und schreibt im anschluss an die CPB-Liste, dass er dies getan habe, weil den Eindruck habem dass der Ausschuss ihm vorsätzlich Informationen vorenthalte. parallel informiert er den vorstand, dass er sich und achim die rechte gegeben habe. ein vorstandsmitglied fragt, wieso nicht alle leserechte bekommen haben; daraufhin richtet sebastian m benutzerkonten für die anderen vorstandsmitglieder ein und gibt ihnen ebenfalls leserechte. ausser sebstian m machen die vorstandsmitglieder von diesen rechten keinen gebrauch.

1. Juli 2011: ausschussmitglied anneke tritt wegen der eingriffe des vorstandes in mailingliste und wiki zurück, ausschusssmitglied ralf r kündigt an, zu pausieren. aus sicht des ausschusses stehen sebastian m eingriffe mit dessen abgelehntem antrag in zusammenhang. der vorwurf der informationsverweigerung sorgt für irritationen, da der ausschuss selbst bis dato vom vorstand noch nicht direkt kontaktiert wurde und insbesondere oben aufgeführte fakten nicht kommuniziert wurden.

2. Juli 2011: antragstellerin juliana fordert im namen von wikimedia serbien den rücktritt von sebastian m. kurz darauf stellen mitglieder von wikimedia serbien klar, dass juliana nicht für wikimedia serbien sprechen kann.

4. Juli: Ausschussmittglied Atomiccocktail - gerade im Urlaub - legt seine Arbeit nieder.

6. Juli: Der Vorstand verschickt eine Darstellung seiner Wahrnehmung und bittet um eine Stellungnahme. 4 von 7 Ausschussmitgliedern beantworten diese. Einige lehnen dies kategorisch ab, da sich aus dieser Darstellung der Vorwurf der Korruption bzw. Begünstigung von Korruption ableiten lässt.

1.-13. Juli 2011: ausschuss und vorstand halten diverse telcos zur aufklärung der gegenseitigen vorwürfe ab. mitglieder der community spekulieren, was wohl eigentlich genau vorgefallen ist. der ausschuss übergibt dem vorstand einen detaillierten bericht.

13. Juli 2011: der vorstand macht deutlich, mehrheitlich das verhalten sebastian moleskis zu missbilligen. zugleich benennt der vorstand eine mitschuld olaf konsinskys an den entstandenen missverständnissen und weist noch einmal auf die regelungen zu interessenkonflikten hin. mehrere antragsteller bitten wiederholt um klärung datenschutzrechtlicher Fragen. die gegenseitigen vorwürfe von ausschuss und vorstand sind trotz des statements des vorstandes nicht endgültig ausgeräumt. die community diskutiert weiter.

14. Juli 2011: sebastian m begründet seinen eingriff in mailingliste und wiki des ausschusses mit verdacht auf korruption. peter verlangt eine vollumfängliche entschuldigung von sebastian m.

17. Juli 2011: vorstandsmitglied alice tritt entnervt zurück.

18. Juli 2011: vorstandsmitglied achim tritt entnervt zurück.


P.S. Kleines Interna: Wer C-PB (I) vermisst, möge sich hierhin wenden.


Sonntag, 17. Juli 2011

Open Knowledge Convention Berlin

Rosental Ost mit Hochobir und Petzen 13112007 21
Frei/offen/libre.

Etwas verspätet, wenn auch wichtig, mein Bericht zur Open Knowledge Convention 2011 in Berlin. Die Konferenz fand am Monatsübergang Juni/Juli in Berlin statt, wurde von der britischen Open Knowledge Foundation veranstaltet, und zu den Unterstützern gehörten Organisationen wie die Bundeszentrale, Wikimedia Deutschland oder Googles Co:llaboratory. Zweck der ganzen Aktion "is a wide-ranging conference that brings together individuals and organizations from across the open knowledge spectrum for two days of presentations, workshops and exchange of ideas"

Zum Ort: mit der Kalkscheune werde ich einfach nicht warm. Pro: ein wunderbarer Innenhof, bei dem die Gestalter es geschafft haben, den Vorteile von Draußen (frische Luft) und Drinnen (kein Regen) so gut zu kombinieren, dass man unter einer Art horizontaler Segeln trocken und doch luftig sitzen kann. Contra: die Räume. Entweder gibt es die Halle, die fast immer deutlich zu groß sind, oder winzige Veranstaltungsräumchen, die fast immer zu klein sind.

Positiv an der Kalkscheune immerhin, dass der Ort mir eine Radtour durch sämtliche Touristenschreckensorte Berlins erlaubt, und ich dann Leute beim Sightseeing sightsee'en kann. Aber kann mir irgendjemand erklären, warum Menschen freiwillig zum Checkpoint Chalie gehen?

Drumherum: Sehr übersichtliche Zahl an Ständen, aber mit Open Access, Wikimedia, FSF etc. natürlich tatsächlich das was ich suchte. Hohe dichte an interessanten Leute, und fast erfreulicher, sehr geringe Dichte an uninteressanten Leuten.

Programm:
Irgendwie hatte ich den Eindruck, die gesamte britische Regierung ist anwesend, und erläutert ihr offene-Daten-Programm. Okay, nur der Offene-Daten-Arm der britischen Regierung, aber der scheint größer. Dazu noch einiges anderes über Freie Software, eine Art Offene-Daten-Facebook, der Schock wenn Regierungsprogramme in den USA plötzlich massiv gekürzt werden, über Freie Inhalte zur gerechten Weltordnung und einiges anderes mehr.

Programm detailliert:

Featureless und Anti-Featureless:
Mein persönliches Highlight war Benjamin Mako Hills When Free Software Isn’t Better, der spannend genug war, um einen eigenen Blogpost zu bekommen. Dito der Vortrag zu Wikipedia & Research. Der stellte im wesentlichen das Research Committee vor, was auch noch dringend einen ganz eigenen Iberty-Beitrag benötigt. Aber falls jemand Ahnunghabendes mitliest: in meinen Notizen findet sich "2100 Papers, 38 Doctoral Thesis" on Wikipedia in einem Jahr. Im Vergleich zu allen Zahlen, die ich jetzt online finde, scheint mir das sehr viel. Habe ich da was falsch notiert? Stimmen die Online-Zahlen nicht?

Ewe and lamb in Kent
Freie Inhalte vermehren sich.

Die britische Regierungsoffensive: (Data All the Way Down), Keynote: Open data as business model, Implementing an Open Data programme within government)

Samstag, 16. Juli 2011

Wikimania-Chiara-Rough draft

Sehr sehr rougher draft. Aber für Kommentare und Anmerkungen wäre ich trotzdem schon dankbar.




Was wurde aus..

Drei kurze Updates: der Müsteraner Doktorarbeitsplagiator (..Wachstumsfaktor aus der Prostata, der Osteoblasten zur Proliferation..) ist seinen Doktortitel los. (und Klaus Graf regt sich auf)

Nina Paley und ihr Streit mit der GEMA (in Iberty) erhöht tatsächlich den Weltbekanntheitsgrad der GEMA. Heute/Gestern in der New York Times: Sita Sings The Blues Blocked in Germany Was nun auch mit hoher Wahrscheinlichkeit bedeutet, dass Medien weltweit das Thema in den nächsten Tagen entdecken werden.

Und schlußendlich, nächste Runde beim Copyfraud-Makaken. Der Fotograf hat sich bei Techdirt gemeldet und scheint langsam die urheberrechtlichen Implikationen seine Story zu bemerken. Behauptet "‘I was the artist behind it" und bemerkt langsam seinen Catch-22. Entweder er bleibt bei der Geschichte mit dem Unfall: dann hat er eine weltweit umhergehende Story aber keine Rechte am Foto, oder er gibt zu, dass er selbst fotografierte: dann hat er die Rechte, aber das Foto ist nichts mehr wert. Bin mal gespannt ob er sich für weltweiten Ruhm als Affenfotounfallentdecker oder als Lügner entscheidet. Ich gehe jetzt mal von ersterem aus, und danach sind die Fotos frei.



Freitag, 15. Juli 2011

Traktorfreitag: Rain Out

So hart es mir fällt es zuzugeben: es gibt Größeres. Größeres selbst als einen 8000-PS-Traktor, der mit einem ehemaligen Schiffsmotor angetrieben wird. Eingestanden, dafür bedarf es der Naturgewalten. Aber die tobten sich tatsächlich 10 kurze aber intensive Minuten über dem Hexenkessel im Vorpommerschen Grimmen aus. Aber von Anfang an:

Grimmen nach dem regen 09.07.2011 21-10-53

Trecker-Treck ist hier ja öfter mal Thema.

Grimmen start 09.07.2011 22-07-34

Nun ist aber Berlin, selbst Brandenburg totale Trecker-Treck-Diaspora. Während es in Schleswig-Holstein eigentlich jedes Sommer- und Herbstwochenende irgendwo eine Veransatltung gibt, ist in Berlin nichts. In Brandenburg nichts, und selbst noch weiter weg nur sehr sehr wenig. Also ergriff ich die Chance nach Grimmen zu fahren. Dort fand mit einem Lauf der Deutschen Meisterschaft sogar richtig großes Pulling statt, mit den frei gebauten 8000-PS-Traktoren unter Flutlicht etc. also wirklich großes Kinoo.

Hier beim Losfahren war strahlender Sonnenschein, in Grimmen war strahlender Sonnenschein, nur auf der Autobahn befand sich ein heftiges Regengebiet, das auch so ganz ungünstig in Richtung Grimmen zog. Kaum also hatte ich die Jugendherberge in Greifswald bezogen, die örtliche Tankstelle gefunden, mich mit allem Grundlegenden versorgt, und war wieder in Grimmen, war es dann nicht mehr ganz so sonnig:

Grimmen wolken kommen

Zum Glück gab es ein Festzelt, in das ungeähr 30 Sekunden nach dem Foto gleich auch die Leute auf dem Foto flüchteten:

Grimmen wolken über zuschauern

Zehn Minuten später hatte der knochentrockene Boden sich leider in eine Schlammwüste verwandelt. Mit Hilfe diverser Servicetraktoren und einer Planierraupe versuchten die Veranstalter, die Bahn wieder herzurichten: Traktorpulling auf einer feuchten Unterlage ohne Grip ergibt leider wenig Sinn. Und die Teams versuchten ihre Traktoren wieder herzurichten.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Zur Nacht: Zweihänder



Community-Projektbudget (III): Chronologie einer Aufregung

Der nächste Teil im Versuch, sich der unübersichtlichen Gemengelage des Community-Projektbudgets (CPB) zu nähern. Nach dem Versuch von letzter Woche darzustellen, was das CPB eigentlich sein sollte und hoffentlich auch wird, jetzt der Versuch eines Nachvollziehens der derzeitigen Diskussion. Die ganze Diskussion in ihrer mäandrierenden Ausführlichkeit gibt es in der Wikipedia, die ersten Diskussionsversuche von Tag eins auf der Mailingliste, [VereinDE-l] Rücktritte/Pausen Community-Projektbudgetausschuss

Vorlauf: Nach Außen: Friede, Freude, Eierkuchen, alles scheint prima zu laufen.

Tag 1: 1. Juli: Anneke, Ausschussmitglied: Da die Zusammenarbeit mit dem Vorstand des Vereins Wikimedia Deutschland meinerseits nicht mehr gewünscht ist, trete ich mit sofortifer Wirkung von meinem Amt zurück. Der nächste Nachrücker ist RaBoe. Liebe Grüße Euch,

Kurz darauf gefolgt von Ausschussmitglied Ralf: Meine Arbeit im Ausschuß pausiert vorerst, bis die Differenzen mit dem Vorstand geklärt sind. Da einige Ausschußmitglieder momentan privat verhindert sind, kann dies einige Tage dauern.

Das kam jetzt ein bißchen überraschend, demzufolge große Aufregung.

Spontane Reaktion Vorstandsmitglied Achim: Bis heute besteht von seiten des Vorstands bzw. Teilen desselben ein ziemlich massives Informationsdefizit bezüglich der Aktivitäten des CPB-Ausschusses - nuya, eigentlich besteht komplette Funkstille in unsere Richtung seitens des Ausschusses bzw. dessen Vorsitzenden. Da dies aua unserer Sicht nicht nur suboptimal sondern schlicht inakzeptabel ist, wurden für alle Vorstandsmitglieder Zugänge in den Arbeitsbereich des Ausschusses geöffnet - dieser Eingriff in die Souveränität führte zu dem bekannten Ergebnis. Man mag das doof finden, aber ....

Kurz darauf von Vorstandsmitglied Michail: Es ging u.a. um die Bitte des Ausschusses einen Antrag vorzeitig zu genehmigen, da eine gewissen Terminnot bestünde. Die Bitte unsererseits dann auch die Begründung für diesen Antrag vorzeitig zu liefern, geschah leider nicht (warum auch immer). Es geschah einfachnichts. Es geht also nicht nur um Richtlinien, sondern auch bereits um Anträge.

Auch noch am selben Abend, Ausschussmitglied Martin: Nein, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, wir wurden erst nach Verwunderung über neue Mitglieder in der Benutzergruppe „Ausschuss“ informiert. Man hat mit uns nicht den Dialog im Voraus gesucht, sondern offensichtlich nur mit [Ausschussvorsitzenden und WMDE-Schatzmeister] Olaf. ... Dass der Vorstand nicht auf diesen unseren Bericht warten kann, wo wir Ehrenamtliche gerade in Urlaub, Umzug oder Prüfungsstress sind, ist bedauerlich. Dass nun auch Vorstandsmitglieder Einsicht auf unsere internen Beratungen über Anträge haben, die Vorstandsmitglieder einreichten, erachte ich als problematisch und ohne vorherigen Hinweis bedenklich. Dass wir private Informationen dort hinterlassen haben, die für eine nun noch größere Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, kommt noch dazu.

Also mein Stand erster Abend: Irgendein dringendes Kommunikationsproblem zwischen WMDE-Vorstand und Ausschussvorsitzendem von dem der restliche Ausschuss nichts wusste. WMDE-Vorstand hat sich selbst Zugriff auf vertrauliche Daten eingeräumt.

Tag 2, 2. Juli.
Noch in der Nacht, Vorsitzender Sebastian: Der Vorstand tritt am Dienstag zu seiner nächsten Telefonkonferenz zusammen, wo auch das weitere Vorgehen besprochen wird. Ich gehe davon aus, dass wir uns Mittwoch [6. Juli, Tag 6) umfassend äußern können. [...] Aus Sicht des Vorstands war Eile geboten. Warum sie das war, werden wir auch begründen

Vorwurf in der Diskussion: [D]ie vermutung gründet sich darauf, dass der ausschuss ausdrücklich angekündigt hatte, am 3.7. seinen bericht zu liefern und auf den angaben der ausschussmitglieder, dass der vorstand keinerlei kommunikationsversuche gegenüber diesen gestartet hat, bevor die "drastischen massnahmen" ergriffen wurden. es ist aber lediglich eine vermutung.

Nochmal Sebastian: Die zweite Vermutung, der Vorstand hätte keinerlei Kommunikationsversuche gestartet, trifft auch nicht zu. Verbindungsglied zwischen Ausschuss und Vorstand ist der Schatzmeister, also Olaf. Ihm gegenüber wurden zu verschiedenen Zeiten Fragen gestellt und Informationswünsche mitgeteilt, von denen wir bis vor kurzem davon ausgingen, dass sie auch weitergeleitet wurden.

Nochmal von Ausschussmitglied Martin: Die eine Anmerkung sei vielleicht gestattet: Wieso werden die offensichtlich nicht nur mono- sondern bilateralen Probleme zwischen Vorstand und einem Ausschussmitglied (das nun auch noch Vorstandsmitglied ist) auf dem Rücken des gesamten Ausschusses ausgetragen? Das ist ein für mich vollkommen unverständliches, unzweckmäßiges Verhalten und schadet zwar nicht nur dem Ausschuss, aber vor allem diesem. ... Natürlich sind wir euch gegenüber rechenschaftspflicht, dann fragt doch aber gefälligst den Ausschuss. Das ist nicht so schwer, der hat eine Mailingliste.

Ausschussmitglied Anneke führt weiter aus: Hintergrund ist, dass der 1. Vorsitzende des Vereins gestern unangekündigt - und meinem Empfinden nach komplett aus dem Off - sich selbst und anderen Leserechte auf das interne Beratungswiki des Ausschusses verschafft hat ... In diesem Wiki lagern eine Menge personenbezogener Daten der Antragsteller sowie u.a. auch Telefonnummern der Ausschussmitglieder - Was geht hier eigentlich mit Datenschutz? // Mehrere Mitglieder des Vorstandes haben selbst Anträge eingereicht (von denen vom Ausschuss nicht alle bewilligt wurden). Auch diesbezüglich hat diese Vorgehensweise der Informationsbeschaffung ein Geschmäckle.

Längere Diskussion darum, ob Vorstandsmitglieder Achim und Sebastian eigene Anträge eingereicht haben. Haben sie, scheint aber allem Anschein nach keine Rolle bei der ganzen Sache zu spielen. Achim hat seine Anträge auch mittlerweile veröffentlicht, Sebastian ebenso wusste zu dem Zeitpunkt, dass sein Antrag schon seit Wochen abgelehnt war, und hat ihn formal vor der ganzen Aktion zurückgezogen. [Siehe dazu auch den Leserkommentar unten]

Achim stellt klar: Nur zur Kenntnis: Ich habe mir nirgends Rechte gegeben - ich wüßte nichtmal wie ich das tun sollte; Allen Vorstandsmitgliedern wurden entsprechend Rechte freigegeben... Ich persönlich habe den Zugriff bislang nicht genutzt und werde dies auch nicht tun.

Sebastian legt noch mal mit seiner Interpretation von Interessenkonflikten nach, und wie das ist mit eigenen Anträgen: Ich sehe den Konflikt gerade nicht. Unsere Richtlinie zu Interessenskonflikten sagt aus, dass betroffene Personen die Entscheidungsfindung nicht beeinflussen dürfen (von der Lieferung von Informationen und Antworten auf Fragen abgesehen). Sie sieht aber nicht vor, dass sie von den Beratungen und den Abstimmungen nichts wissen kann. Warum auch? Mir erschließt sich nicht, welcher Konflikt hier existieren sollte.

Kleine Grundsatzdiskussion zwischen Sebastian und Martin, ob der Ausschuss quasi autonom agiert, und bei den formal vorgegebenen Punkten den Vorstand informiert und entscheiden lässt, oder ob er quasi den Vorstand die ganze Zeit mit im Entscheidungsprozess halten sollte.

Vorstandsmitglied Ralf schlägt auf: Zur Kenntnis: Ich war technisch nicht in der Lage mir selbst Leserechte im CPB-Wiki zu geben. Ich habe nicht um diese Rechte gebeten, war an einer Entscheidung der Vergabe der Leserechte nicht beteiligt und werde diese Rechte auch nicht nutzen. Ich selbst habe keine Anträge an das CPB gestellt und sehe mich deshalb auch in keinerlei Hinsicht befangen,

Vorschlag aus der Community, die Leserechte wieder abzugeben und normal zu kommunizieren. Antwort Sebastian: Ich bin für jede konstruktive Lösung dankbar. Allerdings ist es zu früh, jetzt schon danach zu suchen, wenn das eigentliche Problem noch nicht abschließend untersucht wurde. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Was wohl heißen soll: die Leserechte bleiben aus Gründen beim Vorstand.

Abend weitere Unklarheiten, weil nicht nur der Vorstand, sondern auch einige wenige MItarbeiter der Geschäftsstelle Zugriff auf die Ausschusswiki, und damit auf alle darin enthaltenen Daten haben; ob das vorher bekannt war, und inwieweit diese benötigt werden, um den Ausschuss organisatorisch zu unterstützen.

Im Hintergrund spielt die Nebenhandlung Serbien, die aber in all ihrer Gloriosität einen eigenen Blogpost verdient.

Weitere Grundsatzdiskussionen, ob Vorstandsmitglieder überhaupt berechtigt sind, Anträge zu stellen. In Kürze: ja.

Nachts Vorstandsmitglied Sebastian W. (nicht der Vorsitzende): Danke. Es glaubt Gottseidank niemand ernsthaft, dass irgend jemand der daran Beteiligen (oder sind wir schon bei „darin Verwickelten“ angekommen?) die Vergabe des Budgets im Sinne des Vereinszwecks verhindern will. Inzwischen weiß ich aber wieder, warum ich so lange mit mir ringen musste, mich als Kandidat für den Vorstand zur Verfügung zu stellen. Es gibt zu wenige, die die Fahne der Vernunft über dem Meer der Eitelkeiten schwenken.

Tag 3, 3. Juli: Grundsatzpost eines Communitymitglieds: ...Nicht zum ersten Mal fällt die Vereinsführung, insbesondere in Form des 1. Vorsitzenden, negativ auf. Es ist wie in der Politik: es wird moralisch und in Punkto gesunde Sensibilität und Integrität so was von daneben gegriffen, danach wird - wenns denn auffällt - in Politsprech herumgewieselt oder stur und wortkarg die eigene Position durchgesetzt und nach Kohl'scher Manier ausgesessen. Was bei WMDE leider allzu oft vergessen zu werden scheint: nicht alles, was nicht explizit in MVs verboten wurde, ist erlaubt. Und noch viel mehr ist nicht alles, was machbar sein könnte, auch sinnvoll...

Weitere Diskussion, um Anträge durch Vorstandsmitglieder. Nochmal Ausschussmitglied Anneke: Um hier mal ein wenig Klarheit zu schaffen: Formell gesehen ist das Einreichen von Anträgen seitens des Vorstandes möglich. Im Endeffekt war es dem Ausschuss auch lieber, die Leute stellen Anträge offen, als das irgendwelche Pappkameraden vorgeschickt werden (das ist bei der Vernetzung hier ja durchaus möglich). Ansonsten haben wir diese Anträge wie alle anderen behandelt, d.h. wir habe geguckt, ob wir das Konzept für konsistent und sinnvoll halten. Auch ist der Antrag von Sebastian im Vorfeld aus inhaltichen Gründen abgelehnt worden, nicht aus persönlichen. Thema Druck: Nein, es ist kein weiterer Druck seitens der Vorstandes ausgeübt worden. Allerdings empfinde ich seit gestern durchaus einen gewissen Druck und ich habe nach wie vor Probleme, wenn sich Personen, die hier einen Antrag eingereicht haben sich hier Leserechte verschaffen,

Anderes Communitymitglied: Auch mal meine Sicht als communitymitglied dazu: Ein Sturm im Wasserglas. Offenbar gab es vorher keine Überlegungen wie dieses Gremium zu Arbeiten hat. Dann ist auch die Kommunikation über nur eine Person, zwischen Gruppe und Verein, offenbar nicht optimal gewesen.

Noch ein Communitymitglied: Ich habe lange Jahre einen Verein geführt und weiß, dass man als Vorsitzender Dinge erfährt, die nicht an die Öffentlichkeit gehören: Erkrankungen von Mitgliedern und Mitarbeitern, private Geldprobleme usw. Das Vertrauen der Mitglieder, dass man in solchen Bereichen im Sinne des Vereins vorgeht, gewinnt man nur, wenn man in allen anderen Bereichen sorgfältig dokumentiert, nachvollziehbar Informationen weitergibt, auf Fragen kurzfristig antwortet und nicht immer wieder und in vielen Bereichen Gründe findet, Informationen zurückzuhalten, Berichte verspätet vorlegt usw. Dazu gehört auch Sensibilität für mögliche Konflikte

Tag 4: Ausschussvorsitzender und WMDE-Schatzmeister Olaf taucht wieder auf: Ich bitte alle Beteiligten, die interne Klärung innerhalb des Budgetauschusses und des Vorstandes abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Tagen klärende Gespräche stattfinden.

Sebastian nochmal: Ich hatte auf dieser Seite mehrfach erklärt, dass der Vorstand am Dienstag abend (also morgen) zu einer Telefonkonferenz zusammentreten wird und dass ich davon ausgehe, dass wir am Mittwoch über die Hintergründe der Situation berichten werden. ... Ein paar persönliche Worte: diese ewige Ungeduld und Neugier, dieses ewige immer-alles-sofort-wissen-müssen, selbst bevor die Fakten überhaupt für irgendjemanden klar sind, ist einfach nur ätzend und destruktiv. Niemandem ist damit geholfen. Wenn ich hier erkläre, dass innerhalb von fünf Tagen alles aufgeklärt werden wird, dann erwarte ich, dass das ausreicht und Spekulationen, Mutmaßungen und insbesondere Anklagen und Unterstellungen sofort aufhören.

Spätabends Stellungnahme Ausschussmitglied Peter: Ich bin z. Zt. im Urlaub. Allen Mitgliedern des Budgetausschusses ist das bekannt, auf meiner Benutzerseite in WP ist das ebenfalls mitgeteilt. ...Mein Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Vereins ist durch dessen Eingriff in die Interna des Ausschusses massiv gestört. Solange hier von Seiten des Vereinsvorstands bzw. des Vereinsvorsitzenden eine vollumfänglich nachvollziehbare Erklärung für dieses Tun fehlt, lasse ich als Community-Vertreter alle Amtsgeschäfte ruhen. Dass die Arbeit des Ausschusses, die ich als ausnahmslos sachbezogen u verantwortlich erlebt und mitgestaltet habe, auf eine solche Art und Weise in Misskredit gebracht werden kann, hätte ich vor dem zurückliegenden Wochenende niemals für möglich gehalten

Tag 6, Tag der angekündigten großen Erklärung des Vorstands: Die Vorstandsmitglieder geben ihre Leserechte wieder ab. Erklärung Anneke: Für`s Protokoll: Der Vorstand hat gestern getagt und die Leserechte für das interne Beratungswiki wurden gestern wieder zurückgenommen und es erfolgte eine schriftliche Entschuldigung seitens Sebastian Moleskis an die Mitglieder dieses Ausschusses. Ob da alle so mit zufrieden sind, kann ich nicht sagen, ich persönlich erwarte hier zumindest auch noch eine öffentliche Entschuldigung.

Große Aufklärung kommt nicht. Zitat: Die Diskussion im Vorstand ist noch nicht abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird der Austausch fortgeführt. Auch mit dem Ausschuss werden weitere Gespräche stattfinden, um die nötigen Voraussetzungen für die Fortführung seiner Arbeit zu schaffen und die persönliche Vertrauensbasis zu stärken.

Die Mitgliedschaft ist lautstark unbegeistert.

Abends, Community: die statements des vorstandes erklären leider weder eine echte nachvollziehbare eilsituation, noch findet sich hier eine unmissverständliche und klare entschuldigung. was soll das? nachdem die mitglieder des budgetausschusses durch die aktionen und äusserungen von vorstandsmitgliedern erheblich diskreditiert worden sind, erwarte ich, dass der vorstand hier auch klare worte findet, um deren reputation wieder herzustellen. andernfalls muss klarer ausgesprochen werden, was einer solchen entschuldigung entgegenstehen könnte. ich glaube nicht, dass eine vertrauensvolle zusammenarbeit in der zukunft möglich wird, wenn vorwürfe weiter einfach im raum stehen bleiben

Noch eins von zahlreichen Beispielen: «Nachdem es keinen Bedarf mehr für den direkten Zugriff auf Wiki und Mailingliste des Budgetsausschusses gab, hat Sebastian Moleski noch während der Konferenz die Zugänge auf den Stand vor dem 1. Juli zurückgesetzt.» Sorry, in viereinhalb Stunden mus man abklären können, ob es diesen Bedarf gegeben hat, oder ob der nie vorhanden war, und für eine allfällige Begründung auch eine Formulierung finden. In einer Woche, sagt ihr, diskutiert ihr weiter?

Dafür immerhin ein genehmigter Eilantrag: Wikipedia Loves Monuments Mittelhessen.

Zusammenfassung durch Achim was in der Telefonkonferenz passierte:

Wir haben uns darauf verständigt, dass die Zugänge für die Vorstandsmitglieder in das Arbeitswiki nicht notwendig sind - alle Zugänge wurden entsprechend auf den vorherigen Stand zurückgesetzt, Sebastian hat sich für den Eingriff entschuldigt und ihn erklärt.
Wir haben über einen uns vorliegenden, dringlichen Antrag für ein CPB-Projekt beraten und einstimmig beschlossen, dass wir den uns mittlerweile vorliegenden Begründungen des Ausschusses für eine Förderung folgen - das Projekt kann nun starten, Informationen siehe oben und im Wikipedia:Kurier.
Wir haben in der durch das Fehlen eines zentralen Vorstandsmitglieds zu überbrückenden Zeit beschlossen, dem CPB-Ausschuss ein Treffen zur Klärung vorzuschlagen und es ihnen zu überlassen, ob ein solches gewünscht ist - die Anfrage ging an den Ausschuss gemeinsam mit der Übermittlung des Ergebnisses.
Wir haben weitere Wartezeit mit aus aktueller Sicht relativ unwichtigen Themen gefüllt - bsp. über den Kommentar von Wikimedia Serbien auf dieser Seite
Wir haben darüber beraten, was von dem Eindringen in die Mailingliste durch Sebastian zu halten ist - im Ergebnis hat er den Fehler eingeräumt, dass er nicht richtig kommuniziert hat und er hat sich bei den Mitgliedern des Ausschusses intern und hier öffentlich entschuldigt.
Wir haben abschliessend 2 1/2 Stunden an einer ausführlichen Darstellung des Sachstandes, der Chronologie der Ereignisse und auch Wahrnehmungen gearbeitet, bei der in der mittlerweile längst nicht mehr entspannten Atmosphäre innerhalb des sehr divers besetzten Vorstands an nahezu jedem Satz gefeilt wurde, bis die zentralen Sichtweisen der diametral gegenüberliegenden Wahrnehmungen vertreten waren - dieser Bericht wurde heute an den Ausschuss versendet und ist hoffentlich Gegenstand der kommenden Telefonkonferenz.
Wir haben abschliessend darüber beraten, wie wir der langen Latte noch offener Fragen, gegenseitiger Anschuldigungen und Vorwürfe, Vorhaltungen durch Ausschussmitglieder, Antragsteller und der Community begegnen wollen und können, ohne mit voreiligen Verurteilungen etc. an die Öffentlichkeit zu treten. Wir sind uns in etlichen Punkten in ihrer Bewertung und Relevanz noch immer nicht einig und es bedarf noch einiges an Diskussion und auch Streit, um diese Punkte zu klären. All das lässt sich im aktuellen Zustand nicht nach außen kommunizieren, ohne weitere Vermutungen zu nähren, weiteres Mißtaruen und weitere Vorwürfe aufzubauen


Tag 7, 7. Juli:
Ausschussmitglied Peter nachts: ..[Sebastian] hat sich ohne vorherige Rücksprache mit dem Vereinsvorstand diese Infos einfach durch Eindringen in das Arbeitswiki des Ausschusses sowie durch Lektüre von ausschussinternen Mails (Mailingliste des Ausschusses) beschafft. In diesem Wiki und in dieser Mailingliste gibt es nichts, was in irgendeiner Weise unsauber, problematisch, unfair, vereinsgefährdend oder unlauter wäre. Hier wurde auch nicht daran gearbeitet, dem Vorstand Infos systematisch vorzuenthalten, wie [Sebastian] in den letzten Tagen nicht müde wurde anzudeuten.


Tag 8: Langes Statement Olaf S, der selber auf der Mitgliedsversammlung einen Antrag auf ein anderes Verfahren gestellt hatte, und auch einen Antrag beim jetzigen Ausschuss gestellt hat: Das Gutachtergremium agierte - ich sage das nachdem ich ihm als Antragsteller gegenübersaß - hochprofessionell. Die Stimmung im Beratungsraum, in dem Antragsteller sich den Fragen der Gutachter stellten, war offen und sachlich kritisch gegenüber den Bewerbern, es roch nach konzentrierter Mammutsitzung. Ich war da ehrlich beeindruckt, fand das als Antragsteller faszinierend gut organisiert. ... Die aktuelle Konfliktzone zwischen Vorstand und Ausschuss überraschte mich nicht - im Moment frage ich mich, ob der Fehler allein persönlicher Natur ist, oder ob ich ihn als Strukturfehler einstufen soll. Dass es gut war, ein Communitybudget auszuschreiben, steht außer Frage - die Menge der Anträge und die Arbeit des Gremiums, das hier engagiert tätig wurde - ein klares ja. Mir wäre viel daran gelegen, die Mitglieder des Gremiums würden individuell nachdenken, ob man das Vorverfahren (vor der Vorladung in Hamburg) öffentlicher hätte führen sollen und wie ein solches Gremium gegenüber dem Vorstand positioniert sein soll. Ich vermutete im Herbst, es würde am freisten urteilen, wenn es selbst nicht entschiede, nur einen fundierten Ratschlag abgab.

Tag 9-12: Übliches Diskussionsrauschen. Viele spannende und interessante Vorschläge zu geänderten Strukturen, die hier jedoch den Rahmen sprengen würden.

Tag 13 (tatsächlich gepostet während ich hier im Blogpost gerade zwischen Tag 2 und 3 schrieb): Ralf für den Vorstand:
[...] Der CPB-Ausschuss hat am 17. Juni 2011 vor Beschlussfassung über die vorliegenden Förderanträge seine Geschäftsordnung geändert und Ausschussmitglieder, die selbst Antragsteller oder eng mit einzelnen Anträgen verbunden waren, haben an der Beratung ihrer Anträge teilgenommen. Es besteht im Vorstand Konsens, dass in der Geschäftsordnung des Ausschusses die Nichtteilnahme von Antragstellern an Beratungen hätte klarer geregelt werden müssen. Alle Antragsteller sollten die gleichen Bedingungen haben und nicht besser gestellt sein, nur weil sie gleichzeitig dem Ausschuss angehören. Wir sehen hier Bedarf, missverständliche Formulierungen zu korrigieren. Etwaige Änderungen an der Geschäftsordnung sollen dem Vorstand zukünftig zeitnah, insbesondere vor ihrer erstmaligen Anwendung übermittelt werden.

Aus dem Vorstand heraus sind an den Schatzmeister und CPB-Ausschussvorsitzenden Olaf mehrere dringliche Anfragen zur Arbeit des CPB-Ausschusses gestellt worden, die jedoch unbeantwortet blieben. Während einigen Mitarbeitern und den Mitgliedern des Ausschusses Olafs private Hinderungsgründe bekannt waren, wurde dies dem Vorstand nicht kommuniziert. Für solche Verhinderungen haben wir zwar Verständnis, müssen aber auch anerkennen, dass diese fehlende Information zu erheblichen Missverständnissen geführt hat. Wir stellen mehrheitlich fest, dass der Schatzmeister durch die fehlende Information an den Vorstand Mitschuld an den Ereignissen trägt, ihm daraus jedoch keine grobe Pflichtverletzung vorzuwerfen ist. Allgemein sind alle Vorstandsmitglieder aufgefordert, etwaige Verhinderungen zeitnah im Vorstand mitzuteilen, um grundsätzliche Irritationen zu vermeiden und gegebenenfalls Aufgaben anders zu verteilen. Um den Kontakt in den Ausschuss zu verbessern, wird hier eine weitere Ansprechperson (Vertretung) gewünscht.

Wir stellen auch mehrheitlich fest, dass der Eingriff in das Ausschuss-Wiki und die Ausschussmailingliste durch Sebastian nicht notwendig war. Wir haben uns zwar intensiv mit den Beweggründen des Ersten Vorsitzenden auseinandergesetzt, sind aber der Überzeugung, dass es bessere Wege zur Informationserlangung – wie beispielsweise die direkte Ansprache von möglichst vielen Ausschussmitgliedern – gegeben hätte. Wir missbilligen mehrheitlich die gewählte Vorgehensweise und bedauern die dadurch entstandenen Differenzen zwischen CPB-Ausschuss und Vorstand. [...] Uns ist zwischenzeitlich der sehr umfangreiche Bericht des CPB-Ausschusses zu seiner Arbeit in Hamburg zugegangen. Für die detaillierten Darstellungen der Bewertungen zu den einzelnen Anträgen bedanken wir uns ausdrücklich bei allen Beteiligten. Die geleistete Arbeit verdient ein genaues Studium, weshalb wir über diese Anträge erst in der Telefonkonferenz am kommenden Dienstag beraten können (es braucht schlichtweg viel Zeit zum Lesen) [...]





Mittwoch, 13. Juli 2011

Foto-Makake im internationalen Rechtsvergleich

Neuer Blogpost zum Thema, diesmal beim Urheberrechtsblog The 1709 Blog: Monkey See, Monkey Do, Monkey get Copyright, too? Die herangehensweise nicht unsinnvoll:

Most of the analyses I’ve seen are Americans trying to sort it out under American law, which is typical, but not necessary the best approach here. You see, the monkey is Indonesian. The work was made in Indonesia. The photographer who’s camera was taken and the agency claiming copyright ownership of the photos are British.


Einig sind sie sich, dass der Affe auf jeden Fall keine Rechte hat. Der Fotograf, für den die Agenturen die Rechtswahrnehmung ausüben, auch nicht. Unter indonesischem Recht könnte eventuell der Nationalpark etwas erhoben haben, unter britischem Recht allerdings Niemand.

Angesichts der Leserschaft bei 1709 lohnt es sicher auch, die Kommentarspalte weiter zu verfolgen.


Dienstag, 12. Juli 2011

Der Foto-Makake schickt die Anwälte..

Ich hatte hier ja schon ein paarmal den Affen, das Urheberrecht, und die Kamera. Und zumindest die amerikanische Nachrichtenagentur Caters scheint ihre nicht vorhandenen Rechte auch ernstlich verfolgen zu wollen:

Michael, regardless of the issue of who does and doesn't own the copyright - it is 100% clear that the copyright owner is not yourself.

You have blatantly 'lifted' these photographs from somewhere - I presume the Daily Mail online. On the presumption that you do not like to encourage copyright theft (regardless of who owns it) then please remove the photographs.


Techdirt: Monkeys Don't Do Fair Use; News Agency Tells Techdirt To Remove Photos

Diese Fotos übrigens.


Foto: Unbekannter Makake (abgebildet) mit der Kamera von David Slater

Wir waren jung und hoffnungsfroh #wikimania 2005

Wie in diesem Blog schon ein paarmal erwähnt, findet dieses Jahr die Wikimania - also das weltweite Wikifantentreffen - im August in Israel statt. In Vorbereitung darauf baten die Organisatoren um alte Aufnahmen alter Wikimanias.

Da ich meiner Schemenhaften Erinnerung nach mit Fotoapparat 2005 in Frankfurt war, bin ich also gerade nochmal die Festplatte durchgegangen. Aber leidersiehe da: ich hatte den Apparat zwar mit, benutzte ihn aber selten. Immerhin, als damals noch guter und fleißiger WIkipedianer sind alle meine Bilder schon hochgeladen und kategorisiert. Ich werde also Moka Patanges nicht wirklich weiterhelfen können. Aber dafür, ihr wisst was kommt, Opa zeigt Dias aus Jugendzeiten..


Nein, das ist natürlich nicht von mir, aber wenn es schon um Jugendfotos geht.. Foto: Elya , unter CC-BY-SA 3.0

Wm-recep-later

Wm-recep-prep2

Wm-recep2

Wm-recep1

Wm-recep-prep3

"Gefühltes Urheberrecht"

Wie ja schon da oder dort (oder dort) zu lesen war, gibt es jetzt ein unabhängiges von Google finanziertes, und irgendwie von den Berliner Unis getragenes Forschungszentrum zum Thema Internet und Gesellschaft. Also erstmal: Willkommen und Yeah.

Aber was auch immer die Macher dazu veranlasste, die Berliner Universität der Künste mit einzubeziehen, deren Internetkompetenz kann es nicht wirklich gewesen sein. Gestern Nacht im Deutschlandradio, Interview mit dem Direktor der UdK, Martin Rennert. (Nachzuhören in Gänze beim Deutschlandradio):

''die UdK hat ein massives Interesse das gefühlte Urheberrecht, nicht nur das tatsächliche, zu stärken'' (2:52) .. "man hätte sich schon vor zehn Jahren um das Urheberrecht kümmern müssen" (3:46) .. "Jeder, der das Internet benützt, weiß, dass man Urheberrechtsfragen vermeiden kann, indem man auf andere Websites geht" (4:07), .. "es herrscht im Moment in weiten Teilen blanke Anarchie" (7:32).

Das einzige echte Beispiel ist dann ausgerechnet News of the World, dass zwar tatsächlich die Ethik losgelassener Firmen zeigt, aber eben keine Rechtslücken ausnutzte, und keineswegs vom globalen Status profitierte, sondern eines der wenigen Ereignisse internationalen Nachrichtenrangs sind, die wirklich gar nichts mit dem Internet zu tun haben..

Hoffen wir einfach mal, dass der Direktor am Rande zur Kenntnis nehmen wird, was denn sein Institut gerade tatsächlich erforscht.

Eingeschränkte Privatsphäre

Das Versprechen des Internets ist es, auch mit fremden Leuten in Neuseeland kommunizieren zu können.

Das Versprechen Facebooks ist es, im Internet zu sein, ohne mit fremden Neuseeländern zu tun zu haben.

Und Google+ verspricht nun, das Paradox aufzulösen, wenn wir die Neuseeländer nur fleißig sortieren.


Sonntag, 10. Juli 2011

Yeah, Fitnessschnitzel!

Darummagichvorpommern:



Am besten mit Fitnessvanilleeis:



Denn ich war dabei:




Samstag, 9. Juli 2011

Wikipedistik: Wikipedia als Indikator für Konflikte

Laut dieser Pressemitteilung über eine Heidelberger Studie, kann man aus Wikipedia lernen, welche Staaten besonders konfliktträchtig sind. Nein, nicht, indem man die Staatsartikel liest, das wäre zu einfach.

Die Forscher suchten besonders umstrittene Wikipedia-Artikel heraus (steht leider nicht wie sie die bestimmten), und berechneten dann, auf welche Länder sie verlinken.

Meiner eigenen Erfahrung nach, kommt da vor allem ein seltsamer Bias dessen raus, was Menschen im deutschen Sprachraum interessiert, aber die Forscher wollen das in ihrer Originalveröffentlichung weiter nachweisen. G. Apic, M.J. Betts & R.B. Russell: Content disputes in Wikipedia reflect geopolitical instability, PLoS ONE 6(6): e20902. doi:10.1371/journal.pone.0020902


Yeah, endlich Flame-Wars bei Twick.it!

Wirklich schöner Blogpost, und sehr gute Idee:

Ab sofort startet Twick.it Phase 2 mit allem, was eine echte Community zum Austausch braucht.


Freitag, 8. Juli 2011

Traktorfreitag: Grimmen, here I come!

9. Juli 2011 im Grimmener Hexenkessel

Tractor-Pulling unter Flutlicht

"Das ist einzigartig in Deutschland!!!!!"

in Europa gibt es nur 3 solcher Nachtläufe.




Der Copyfraud-Makake ist in Deutschland angekommen

Also der hier, mit jener Masche. Treibt sich auch bei deutschen Presseagenturen herum:

zahlt die dapd auch honorare an affen?

Zur Nacht: Schokoladendrucker



Öhm, DHL

Wenn Du in einem 12-Parteien-Haus im Flur einen Zettel deponierst, dass irgendjemand - dessen Namen nicht genannt werden kann - ein Paket bei der Kneipe drei Häuser weiter abholen soll; wie genau stellst Du Dir das vor?

Donnerstag, 7. Juli 2011

Community-Projektbudget (II): Was ist das Community-Projektbudget

Es fing so schön, so traumhaft an. Wikimedia Deutschland ließ sich dazu herab, tatsächlich mal Anträge aus der (Wikipedia-)Community ernsthaft fördern zu wollen, die Community war begeistert, der Enthusiasmus groß, und das dazu gewähkte Gremium arbeitete überraschend zügig und vergleichsweise transparent nach Außen. Doch dann, oh dann, dann passierte soviel, dass das in einen Blogpost gar nicht mehr hineinpasst.

Wer gleich den saftigen Skandal sehen möchte, Tränen und Aufregung, Unfassbares und unfassliche, wer fasziniert zusehen möchte, wie sich ein Vereinsvorsitzender selbst demontiert, gehe gleich zum Link: Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Vorstand und Ausschuss Wer das ganze etwas übersichtlicher haben möchte, muss sich noch ein paar Posts gedulden, während ich im Urschleim herumsuche.

Die Vorgeschichte ignoriere ich mal, nicht, dass WMDE sich schon aufgelöst hat, bevor ich endlich beim eigentlichen Thema bin. Die eigenliche Geschichte begann auf der Mitgliederversammlung am 19. März dieses Jahres. Auf der haben die abstimmenden Mitglieder beschlossen:


Fliege, ob Community-Projektbudget, oh fliege!



Zur Unterstützung von Community-Initiativen zur Förderung Freien Wissens wird ein ständiges Community-Projekt Budget mit folgenden Grundsätzen etabliert:

(1) Über das Budget werden Initiativen gefördert, die geeignet sind, Freies Wissen mit besonderem Schwerpunkt auf die Wikimedia-Projekte zu unterstützen.

(2) Initiativen werden auf Antrag gefördert. Die Mindestförderhöhe beträgt 5.000 Euro.

(3) Grundsätzliche Fördervoraussetzung ist, dass die Initiative nicht vom Verein selbst umgesetzt wird.

(4) Antragsberechtigt ist jede natürliche und juristische Person, die nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis (z.B. Anstellungsverhältnis) zum Verein steht.

Die Zuweisung der Fördermittel erfolgt zwei Mal im Jahr auf Basis aller zum jeweiligen Stichtag vorliegenden Anträge. Über die Zuweisung entscheidetder Vorstand auf Vorschlag des Budgetausschuss, für den folgende Festlegungen getroffen werden.

(1) Der Budgetausschuss besteht aus sieben Personen.
Drei Mitglieder des Vereins werden per Fernwahl gewählt.
Drei Mitglieder werden von der Community der Wikimedia-Projekte gewählt.
Der Schatzmeister ist von Amts wegen stimmberechtigtes Mitglied des Ausschusses sowie bis zur Festlegung der Geschäftsordnung des Budgetausschusses dessen Vorsitzender.

(2) Die Amtszeit der gewählten Mitglieder beträgt ein Jahr.

(3) Entscheidungen trifft der Budgetausschuss mit einfacher Mehrheit seiner Mitglieder.

(4) Die Festlegung von Förderrichtlinien obliegt dem Budgetausschuss mit Zustimmung des Vorstands.

(5) Entscheidungen über die Zuweisung von Fördermitteln werden veröffentlicht.

(6) Der Budgetausschuss evaluiert und berichtet halbjährlich über seine Arbeit.

(6) Für das Jahr 2011 werden dem Community Projekt Budget 200.000 Euro aus den Mitteln des Vereins zur Verfügung gestellt. Für die Folgejahre sind dem Community Projekt Budget im Rahmen des Wirtschaftsplans angemessene Beträge zuzuweisen.

(7) Für die Betreuung des Community Projekt Budgets sind ausreichende Personalressourcen zu schaffen.

Das bisherige CommunityBudget wird mit einer Einzelfördergrenze von max. 4.999 Euro fortgeführt.



Fliege, oh Community-Projektbudget, oh fliege!



Also in Kürze: unabhängiges Gremium, Letztentscheidung liegt beim Wikimedia-Vorstand; eingereicht werden kann alles zwischen 5000 und 200.000 Euro. Damit kann man doch endlich mal was machen. Die Wahl und Konstitution des Ausschusses ging überraschend zügig. Bei der Wahl der Vereinsmitglieder meldeten sich viele Leute, die bisher noch nie irgendwo aufgetreten sind, und so auch mal ein bißchen Außensicht in den Inzuchthaufen Wikimedia bringen können. Für Details gibt es eine Wikipedia-Seite "Community-Projektbudhet", deren Aufgeräumtheit und Transparenz gerne ein Beispiel für andere öffentliche WMDE-Seiten geben darf.

Zumindest ein paar Anträge sind auch öffentlich, Achim hat seine im Freibierblog veröffentlicht. Und auch wenn das Antragsniveau wohl insgesamt durchwachsen ist, kommt es ja nicht auf den Durchschnitt an, sondern auf die Menge der Guten.

Viele spannende Ideen, viele engagierte Leute. Und auch wenn läppische 15% des Gesamtbudgets sicher noch ausbaufähig ist (85% gehen dann ja in Nicht-Community-Projekte), ist das doch ein Anfang. Erwähnte ich schon, wie klasse ich die Idee finde.

Naja, und dann kommt das unsanfte Erwachen, für das es einen oder mehrere weitere Blogposts geben wird.