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Sonntag, 5. Juni 2022

WMDEDGT 2022-Juni-05

 Im Fernsehen läuft Miss Marple, die sich gerade den Zusammenhang zwischen einem Toten und gestohlenem Schnupftabak aufklärt. Ich versuche, mich für das e-Tagebuch an den Tag zu erinnern und Ei-der-Daus, heute ist ja der fünfte des Monats. Ich kann das ordinäre Tagebuchschreiben mit dem Bloggen verbinden, indem ich mich am Blog-Event WMDEDGT ("Was machst Du eigentlich den ganzen Tag") beteilige.

Dieser wird gehostet von Frau Brüllen, dort finden sich auch die Beiträge der anderen Blogger.

Im Rückblick:

Ich nutze die seltene Gelegenheit so lange zu schlafen wie ich kann, gehe fließend vom Schlaf in das Fernsehen über, schaue im Halbschlaf zappend gleichzeitig "Asterix bei den Olympischen Spielen", "Hinter den Kulissen bei das Große Backen" und "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen." Irgendwann begleitet Kaffee das Fernsehen.

Ich lerne im TV: die bekannten Fertigtorten von C&W werden noch mit mehr Handarbeit gemacht als ich gedacht hätte. Ich staune, dass es im Deutschland des Jahres 2022 noch Arbeitsplätze gibt, bei denen Menschen anscheinend acht Stunden am Tag Tortenringe um Biskuitböden platzieren oder Sahne auf tausenden Torten glattstreichen. Mir entzünden sich bereits diverse Gelenke allein bei dem Gedanken, diese eine Bewegung hunderte Male am Tag über Wochen/Monate/Jahre hinweg gleichartig durchführen zu müssen. Ich hätte ernsthaft gedacht, der ganze Prozess sei deutlich mehr automatisiert.

(Zwischenbemerkung: Miss Marple übernachtet mittlerweile auf einem Schiff, auf dem das Motiv für den Mord zu vermuten ist. Ein Matrosenchor singt mittelschlecht "Rule Britannia".)

Weitere Erkenntnisse aus "Hinter den Kulissen." Buttercreme lässt sich nicht gut schockfrosten, weshalb sich C&W auf Sahnetorten spezialisierte. Ebenso: Puderzucker muss in Fett eingepackt werden, da beim Auftauen Flüssigkeit entsteht, die den Zucker auflösen würde. Und: der Trend auf dem Markt geht zu Torten, die mit anderen Süßspeisen gefüllt werden, wie zum Beispiel eine Windbeutel-Sahnetorte.

Madame rief an, erzählte vom Wald aus dem Schwarzwald und dem Pizzastein. 

Im Asterix-Film-mit-echten-Schauspielern (also kein Zeichentrick; es gibt sicher ein Fachwort dafür, dass mir gerade entfallen ist), gibt es eine lange Reminiszenz an das Ben-Hur-Wagenrennen. Mit einem Gastauftritt von Michael Schuhmacher, der für Germania antritt und auf seinen Intermediate-Holzrädern für feuchten Sand die Konkurrenz in Grund und Boden fährt. Der Auftritt des verschmitzt grinsenden Schumacher, der damals einfach nur nett und sympathisch war, bekommt inzwischen einen unerwartet tragischen Unterton.

Irgendwann gelang mir die Flucht aus dem TV-Halbschlaf. Nachbar R hat freundlicherweise Brötchen vorbeigebracht. Ich lese die Lokalblätter der letzten Tage aus Dithmarschen und Oranienburg, esse Brötchen mit Tilsiter und Holsteiner Mettwurst.

(Miss Marple verdächtigt einen der Schiffs-Offiziere "ein Erzverbrecher zu sein". Wir wissen noch nicht, welcher. Mein Verdacht: Alle!)

Ich nutze die Gelegenheit, die mir Familienbesuch in Tourismusgegend bietet und lenke den Subaru nach Büsum. Allerdings halte ich bereits vor dem Strand an und ignoriere Hafen und Krabben. Aber der Outlet-Store eines süddeutschen Trikotagenherstellers öffnet auch Sonntags: Ich kaufe drei langweilige bürofähige Polohemden in grau-blau-schwarz und verzichte auf das T-Shirt mit Affe und Deutschlandfahne. 

Heute nicht: das war Gestern

(Hach, der Miss-Marple-Film in seiner deutschen Übersetzung brachte bisher die Wörter "Hoppelpoppel", "Erzverbrecher" und "Techtelmechtel". Ich bin hin-und-weg.)

Zurück vom Einkaufstrip verzichte ich auf den Freibadbesuch - dann wird es halt nachher an der Nordsee länger. Ich bastele an der Vernetzung zwischen Handy, dem ersten und dem zweiten Kindle, Ersatz-für-den-kaputten-Tolino, der Bibliothek, Audible, dem Lautsprecher - der Kaptain liest gerne. Etwas Sorgen bereitet mir der Bluetooth-Part. Es finden sich zwar alle verfügbaren Geräte - auch reproduzierbar. Aber die Erfahrung lehrt, dass solche Verbindungen überraschend wieder verschwinden. Ich in Berlin sitzen werde, wenn dies passiert.

Also schreibe ich eine kleine Anleitung zur Wiederverbindung: Kindle mit Bluetooth-Lautsprecher verbinden. 



Es ist irgendwie früher Nachmittag (die Zeiten heute sind alle etwas verschwommen), der Kaptain hat sich mit einem der beiden Kindles auf die Terrasse begeben. Ich nehme Kaffeetasse und und die VWL-Unterlagen mit, denke über Nachfragefunktionen und Preiselastizität nach. Zwischendurch Plausch über Nachbarn, Familie und das vielleicht kommende Glasfasernetz in Dithmarschen.

Hochwasser ist um 17.00h. Wir machen uns kurz vorher auf den Weg. Ich beschloss, der Badestelle Vollerwiek eine Chance zu geben. Nachdem dies ein ehemaliger Favorit ist, vermodderte de Badestelle in den letzten Jahren und ich entdeckte Wesselburenerkoog und Westerkoog, Aber wer weiß, ob es weiter so moddert?

Wir parken direkt vor den Schafen. Angesichts des eingetrübten Wetters ist der Parkplatz an der Badestelle überraschend voll. Aber anscheinend sind alle parkenden zu E-Bike-Touren verschwunden. Es bleibt leer.



Dank fast-Halbmond herrscht Nipptide. Bereits vom Deich, sehe ich Jugendliche, die bereits zum Ende des Badebereichs gelaufen sind, und denen das Wasser bei höchstem Wasserstand bis zum Knie reicht. Was solls: nun bin ich hier. Ich gehe ins Wasser - kalt, aber es war Pfingsten auch schon deutlich kälter. Der Modder ist noch da. Ich mache eine sicher wahnsinnig gesunde Wanderung, Knöcheltief im Wattschlamm, bei jedem Schritt um das Gleichgewicht kämpfend, bis mir das Wasser irgendwann wenigstens zum Oberschenkel reicht. 

Kraul hat ja den Vorteil: es braucht nicht viel Platz nach unten, einfach den Arm knapp am Bauch vorbeiziehen. Ich schwimme 10 Meter zurück zum Strand, währenddessen mich die Strömung 15 Meter parallel zum Strand getrieben hat. Wow. Nach dem Zurückschwanken, trockne ich auf dem Wasser. Ich höre am Strandkorb nebenan ein jüngeren schwäbischen Pärchen sich über Drummachines unterhalten. 

(Miss Marple ist bei dramatischen Wendepunkten. Der sympathische Kompagnon von Miss Marple wird gerade des Mordes verdächtigt).

Da der Badestellenkiosk bereits geschlossen hatte, gibt es keine Pommes, sondern Nudelauflaufreste. Danach lesen wir zusammen. 

Ich beschließe die Schlaf-Nachhol-Kur fortzusetzen, blogge noch etwas und schaue Miss Marple. 

(Diese hat mittlerweile den Fall gelöst, aber der ignorante Polizeichef glaubt ihr nicht, ist kurz davor, sie einzusperren, da sie sich in Polizeiarbeit einmischt.)


Mittwoch, 9. Januar 2019

Schwarzes Teil Scholle gefährlich?

Nein, das schwarze Teil, dass manchmal beim Essen innerhalb der Scholle auftaucht, ist ungefährlich. Es ist essbar. Es handelt sich um den Rogen, also die Scholleneier. Ob es sich dabei um eine Delikatesse handelt, ist umstritten. Auf jeden Fall zeigt die Existenz des Rogens, dass die Scholle nie tiefgefroren war – bevor man den Fisch einfriert und verkauft, muss der Rogen entfernt werden.


Es ist kurz nach Weihnacht


Wir sitzen um den ausgezogenen Tisch. Der Grünkohl hat den Crockpot verlassen. Die Pfanne wartet auf die Schollen. Die eigentlich zum Grünkohl geplante Wurst fiel in letzter Sekunde dem Einkauf beim Fischhändler Beckmann in Büsum zum Opfer.

Eigentlich wollten wir nur ein paar Krabben von Manni mit der Wollmütze kaufen. Aber während Manni gerade nach hinten verschwand, um einen Karpfen zu zerlegen, lachten uns die Schollen an.
„Können wir die Schollen noch ins Weihnachtsessen einbauen?“ Kurzes Nachdenken. „Wir haben Grünkohl“. Passt das?



Zum Grünkohl soll Schweinefleisch serviert werden. Schollen gehen mit Speck. Kohl- Schwein – Fisch. Das passt. „Funktioniert Grünkohl mit Scholle?“ Spontan-Internet-Suchen per Handy im Fischgeschäft brachte das erwünschte Ergebnis. „Hat hier jemand schon mal Scholle gebraten?“ „Nö, immer nur im Restaurant frisch gegessen.“ Wird schon gehen.

Mittwoch, 12. September 2018

Abbaden in der Nordsee Dithmarschen

Nordsee-Sonnenuntergangs-Baden im Herbst; Stinteck-Wesselburenerkoog..

2017


Dieses leichte Stechen im Oberschenkel, wenn das kalte Wasser kalt bleiben möchte. Die Herbstsonne strahlt über den Deich und die letzten Strandkörbe. Die Reste des ersten Herbststurmes im Jahr 2017 wurden bereits weggeräumt. Jetzt zeigt sich ein Dithmarscher Spätsommeridyll aus grünem Deich, dem Imbiss neben der Deichkrone, einer einsamen Dusche und plätscherndem Wasser, das bei Hochwasser gegen die Steine des Böschungsschutzes pfumpt. Gelbe, in der Sonne leuchtende Andreaskreuze markieren die Stellen, an denen Schwimmer auf die Buhnen achten sollten. Das Meer lädt ein.

Nordsee bei Stinteck. Hohes Hochwasser.

Dennoch: September. Die Wärme der Sonne reicht für die obersten zwei Zentimeter des Wassers. Danach fängt das leichte Stechen an. Es geht auch nach fünf Minuten im Wasser nicht weg. Es ist kalt. Einige Schwimmzüge helfen. Das Salz treibt nach oben, der kaum zu spürende Wellengang macht keinen Unterschied. Eine einzelne abgerissene Alge treibt vorüber.

Eine Radfahrerin unterhält sich mit Madame, die gerade versucht per kalter Dusche Temperaturgewöhnung zu betreiben. Sie beschwert sich, dass es hier flach ist. Ist es gar nicht. Nicht, wenn man den höchsten Punkt der Flut abpasst und dann auch noch harten festen Sand unter den Füßen erwischt.

September 2017. Die drei letzte Strandkörbe und das Meer.

Leichtes Schaukeln des Wassers. Kämpfen mit dem Auftrieb im fast unbeweglichen Salzwasser. Wenn man lang genug wartet, sticht der Kälteschmerz nicht mehr so sehr am Bein, wandert nach oben. Wissen, warum man schwimmt. Schweben in der Weite des Meeres, von oben strahlende Sonne, von schräg oben das Kreischen der Möwe, ein leichter Salzgeschmack auf den Lippen.   

Stinteck, Dithmarschen. Dorf am Deich. Nicht allzu weit entfernt vom Touristenmagnet Büsum und doch mehr ein Strand, 20 Ferienhäuser und ein halbes Dutzend Restaurants und Bistros. Der nächste Supermarkt oder Bäcker sind in Autoweite oder die Brötchen-werden-kalt, das Eis-fängt-an-zu-schmelzen-Fahrradweite entfernt. Einer dieser seltsamen Dithmarscher Unorte, deren komplettes Leben aus vorbeiradelnden Pärchen im Partnerlook besteht.

2018


Donnerstag, 22. Juni 2017

Qualle blau Nordsee gefährlich?

Blaue Nordseequallen sind nicht gefährlich. Sie nesseln und brennen ein wenig. Das ist weniger schlimm als bei Brennesseln. Wenn dieser Effekt stört, oder wenn jemand allergisch reagiert, sollte die Haut mit Essig oder Rasierschaum einsprüht werden. Dass das Ganze mit einer stumpfen Kante (Plastik-Karte, Rückseite eines Messers) abschaben. Auf keinen Fall sollte die Stelle mit Süßwasser behandelt werden. Süßwasser setzt mehr Gift frei.

Gefährlich kann es werden, wenn die Nesseln ins Auge geraten. Deshalb gilt es beim Tauchen in der Nordsee: Augen zu oder eine Schwimmbrille tragen.

Jellyfish - geograph.org.uk - 185481
Bild: Jellyfish. Close up, von: Gary Rogers Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Wie es geschah



Früher Juni, Dithmarschen, Nordseeküste, Pfingsten, strahlender Sonnenschein, Wind. Am Büsumer Hauptstrand brechen sich die Wellen. Das Wasser hat entspannte 16 Grad, die Luft schon fast 20 Grad. Eine Frau in Mütze, Schal und Daunenjacke schaut uns skeptisch an, als wir ins Wasser steigen.


Die Flut läuft noch etwa eine halbe Stunde. Die Wellen überspülen bereits die Einstiegstreppe. Wir wandern, wandern, wandern. Watt ist Wanderland, selbst wenn das Wasser bis an den Strand reicht. Die Küste ist flach. Ein paar Zentimeter Wasser unter dem Bauch müssen ja sein. Irgendwann dann Längslange ohne dabei den Boden zu touchieren.

Wir ziehen einige Schwimmzüge. Dank Wellen und Strömung ist unklar, ob es jetzt vorwärts oder rückwärts geht. Das Wasser ist kalt, angenehm und salzig. Und es brennt. Nanü? Brennen auf der Haut? Fühlt sich an wie Brennesseln.


Brennesseln? In der Nordsee? Wohl kaum. Vielleicht Quallen? Kenne ich nur von der Ostsee. Später dann, wieder an Land: Madame erzählt, dass sie das zum Brennen gehörige Tiert auch gesehen hat: es war blau.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Piratenmeer Büsum. Schwimmen im Wellenbad an der Nordsee.

HO! HO! HO! JoJoJo!. Und ne Buddel Rum! Wer denkt bei einem kommunalem Schwimmbad nicht an Piraten, Papageien und die raue See?
Das Büsumer Schwimmbad ist komplex. Es hat Probleme. Büsum ist ein Touristenort an der Nordsee. Die Idee, das alte Meerwasserschwimmbad "Wellarium" zu erneuern und zu verspaßbaden traf eine Stadt, die merkte, dass die Zahl der Touristen stets abnahm und diejenigen Touristen, die kamen, immer älter wurden.



Die Eröffnung des Piratenmeers 2004 war eine Verzweiflungstat. Gerade die frühen 2000er waren eine Zeit, in der Büsum ein gewisses Talent für glücklose Verzweiflungstaten hatte. DAS Prestigeobjekt der damaligen Zeit, die Sturmflutenwelt "Blanker Hans" wurde mittlerweise trotz des damit einhergehenden Gesichtsverlustes geschlossen. Das Piratenmeer existiert weiterhin. 

Sonntag, 4. Januar 2015

Falls Büsum ein Identitätsproblem bekommt

..kann es sich immer noch problemlos als lebendes Museum der alten Bundesrepublik wiedererfinden.

Büsum Wintermarkt 27.12.2014 14-51-33

Büsum Wintermarkt 27.12.2014 14-51-19

Büsum Grothus 27.12.2014 14-12-11

Büsum Stranddomicil 27.12.2014 14-10-46

Büsum Seegarten 27.12.2014 14-13-04

Büsum Hohenzollern 27.12.2014 14-12-36
Fairerweise sollte ich sagen, dass es seit drei, vier Jahren auch ein paar Ecken gibt die anders aussehen. Aber wie wir schon am 11.9.2001 sagten "ach, wenn der dritte Weltkrieg ausbricht, dann haben wir hier immer noch 20 Jahre Zeit um uns darauf einzustellen bevor er da ist."

Update 2019. Die Zahl der zeitgenössisch wirkenden Ecken hat sich stark erhöht. Vor wenigen Jahren hätte mich diese Aussage überrascht. Aber das Büsum des Jahres 2019 wirkt modern.

Dienstag, 4. Januar 2011

Wiederveröffentlichung: Stumflutenwelt Blanker Hans

Update 2018: Die Sturmflutenwelt ist nun seit mehreren Jahren geschlossen. Der Gemeinde Büsum wurde die Veranstaltung zu teuer,

Nachdem ich vor ein paar Tagen über die Dithmarscher Sehenswürdigkeiten und ihre Braune-Tafel-Fähigkeit an sich gebloggt habe, erinnerte mich Madame Poupou daran, dass ich eine der Sehenswürdigkeiten ja schon vor zwei Jahren ausführlicher verewigt hatte. Da selbst ich daran jede Erinnerung verloren hatte, und Madame Poupou ebenfalls die Wohnung wechselte, nutze ich die Gelegenheit, noch einmal auf die vielen Merkwürdigkeiten der Sturmflutenwelt "Blanker Hans" hinzuweisen.


* nee

im detail:

**einführung: obwohl die braune autobahntafel grad erst im bau ist, ist der blanke hans zumindest in büsum nicht zu übersehen. das prestigeprojekt des tourismusservice wird an allen möglichen und einigen unmöglichen stellen angepriesen. die zeitung hingegen berichtet zuverlässig regelmäßig über verluste und mangelnde besucherzahlen. da auch der werbefilm auf der website in bester shopping-tv-qualität uns nicht wirklich aufklärte was es ist, beschlossen wir die 10 euro für den besuch der sturmflutwelt aufzuwenden.