Auf dem Weg zum Paracelsusbad passiere ich eine Schokoladenfabrik und eine Schraubenfabrik, zwei Discount-Baumärkte, Netto, Lidl, Sozialbauten aus den 1920ern und Sozialbauten aus den 1970ern. Hier ist nicht das schicke, hippe Berlin der Innenstadt aber auch nicht das wilde Berlin des Gesundbrunnens. Hier lebt Kleinbürgertum mit wenig Geld. Für den Rest Berlins halte ich mich in der terra incognita auf. Wohnen dort überhaupt Menschen? Gibt es dort Schwimmbäder?
Ja, dort wohnen Menschen. Und sie verfügen über ein Prachtschwimmbad. Fast möchte ich sagen: In Reinickendorf steht ein Schwimmtempel. Das letzte der Stadtbäder, die mehr Hygienepalast als Schwimmhalle sein wollten. Das letzte in der Reihe von der alten Charlottenburger Schwimmhalle über das Oderberger Bad und das Stadtbad Mitte. Hier endete eine Ära.
In Reinickendorf steht ein riesiger Bau, eine Schwimmhalle mit Tribüne, hoher Decke und diesem schicken Dach.
Das 1957 bis 1960 gebaute Paracelsusbad war das erste neue Berliner Hallenbad nach dem Krieg. Tatsächlich entstand hier das erste städtische Bad seit den 1920ern. Mit Breitensportschwimmen hatten es die Nazis anscheinend gar nicht. Das Bad in Reinickendorf orientierte sich in Idee und Ausstattung sichtlich an den Symbolbauten wie dem Stadtbad Mitte oder dem Stadtbad Neukölln. Umgebaut wurde das Bad Mitte der 1980er. Einige Akzente in Neonrosa machen dies deutlich.

