Samstag, 30. April 2011

Sozialwissenschaften. Umgepflügt durch Datenmengen.

Philipp Birken kündigt eine Revolution der Soziologie an, ohne es zu merken. Er hat neben einen spannenden Text zu Paradigmen in der Wissenschaft geschrieben: Ein viertes Paradigma der Wissenschaft.

Ich versuche mal den lesenswerten Post sehr kurz zuzusammenzufassen: Paradigma 1: Kucke die Welt an und beschreibe sie: also sowas wie die Erklärung einer Mondfinsternis etc. Paradigma 2: modelliere das ganze mathematisch genau. Also: Planetenbahnen, Vorhersage von Mondfinsternissen etc. Paradigma 3: Wenn die Mathematik nicht mehr für genaue Ergebnisse reicht, führe Computersimulationen mit ungefähren Ergebnissen durch: Klima und Meteorologie wären da ein bekanntes Beispiel. Paradigma 4 wäre es jetzt mit gigantischen Datenmengen anzufangen, und Computer nach Mustern suchen zu lassen. Ein Verfahren, dass ich auch als paradigmatischen Wandel begreifen würde, und das vor allem auch die Soziologe und ähnliche Wissenschaften von Grund auf verändern könnte.

Wie schon nicht unrichtig beschrieben, haben die Sozialwissenschaften bisher gewisse Probleme mit ihrer mathematischer Modellierung. Das nun wiederum liegt meines Erachtens an zuvielen Daten, beziehungsweise an mangelnden Experimenten. Die Wissenschaften leiden am verschärften Meteorologieproblem: es ist nahezu unmöglich, einzelne Faktoren zu isolieren, und die unübersichtliche Faktenlage der Welt soweit zu reduzieren, dass sie für mathematische Modelle handhabbar wird. Versucht man dies - zB in der neoklassischen Wirtschaftswissenschaft - kommt man zu tollen Formeln, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben. Versucht man hingegen die Wirklichkeit zu betrachten, scheitert man an der reinen Masse einwirkender Faktoren. Oder anders gesagt: entweder ignoriert man die Wirklichkeit unmathematisch und dementsprechend vage, oder man beschreibt etwas mathematisch, was mit der sozialen Wirklichkeit wenig zu tun hat.

Wie nun jeder Sozialwissenschaftler mit ein bißchen Herz für Methodik weiß, sind alle Versuche, dem Problem beizukommen, eher unbefriedigend. Da wiederum bietet die Computersimulation Ansatzpunkte, da sie größere Datenmengen beherrscht und eine Methodik bietet auch mit ungefähren Ergebnissen arbeiten zu können. Und erst recht bietet das durch-die-Daten-Pflügen echte Potenziale. Endlich mal Methoden, die nicht die - in Sowis - unmögliche Reduktion auf wenige Faktoren verlangen, sondern in der Lage sind, die Welt in ihrer Komplexität zu begreifen. Wenn die Sozialwissenschaften merken, was da an Potenzial ist, ich tippe so auf das Jahr 2030, wann das passieren wird, werden wir da noch eine echte Revolution sehen.

Wem gehört die Tätowierung?

Dachte ich hier schon mal laut darüber nach, wer eigentlich wie geistige Eigentumsrechte an Tätowierungen geltend machen kann? Oder wollte ich das nur. Egal, die Realität kommt sowieso schnell hinterher: Guy Who Did Mike Tyson's Tattoo Sues Warner Bros. For Copyright Infringement

In dem Fall geht es darum, dass der Mike-Tyson-Tätowierer, die Filmfirma Warner Bros. verklagt, die im Film Hangover 2 - Nachfolgefilm von The Hangover mit Mike Tyson - für Tysons Nachfolger ein arg ähnliches Tattoo benutzt, wie es Mike Tyson trägt. Die künstlerische Übernahme ist recht deutlich, allerdings stellt sich die Frage, nach dem allgemeinen Recht am Tattoo?

Kann man bald auch Rosen und Tribals schützen lassen, was ist mit Fotos von Tätowierten, mit Bildern von Ihnen, der Verwendung bei Werbekampagnen und muss man jetzt immer fragen, bevor man Mike Tyson eine Filmrolle anbietet? Mag jemand wilde Prognosen in den Ram werfen?

Sublime Dream

Und da jetzt noch ein CC-BY-SA-Logo nebentätowieren?


Donnerstag, 28. April 2011

Darummagichberlin (XXXI)

Weil es in meinem Lieblingseinkaufszentrum seit jetzt den Laden "TV Outlet - Teleshopping zum Anfassen" gibt.

Samstag, 23. April 2011

Traktorfreitag: Micropulling

Wie konnte mir das bisher entgehen? Modellbautraktorpulling! Gefunden dank elian und D. Ich werde die nächsten Tage eingehend auf Micropulling.com und Giving You The Best In Remote Control Pulling Parts verbringen.






Mittwoch, 20. April 2011

Früher war auch nichts wirklich besser

Die Editor Trends Study der Wikimedia Foundation bietet eine Menge unterschiedlicher Ansätze, um über Neulinge, Abenteurer, Gäste und Getriebene in der Wikipedia nachzudenken. Im Birchlog geschieht das, und an anderen Stellen ebenso. Irgendwann gelangt man dann ins Anekdotische. Wie war das damals, als ich selbst anfing?

Jemand sagte mal, Alice ist schon länger dabei als ich alt bin. Voll gelogen und ganz nah dran an einer kleinen Frechheit. Und zu den Urgesteinen der Wikipedia gehöre ich nunmal definitiv nicht. Ich wurde Ende 2004 angeschwemmt, auf der Suche nach etwas Sinnvollem, dass ich der Gesellschaft zurückgeben kann. Es hätte einfach sein können, stattdessen habe ich mich zunächst durch Regeln, Anleitungen und Grundsätze gelesen; nein, eher gefressen. Schon 2004 war das eine Herausforderung, denn wie heute war alles verstreut, eher zufällig zu finden. Die ersten vorsichtigen Versuche folgten, angelehnt an Wartungslisten. Dann ein Vorstoß. Angeregt durch einen Ausstellungsbesuch schreib ich einen - meinen - ersten bislang ungeschriebenen Artikel, mit Bildern, deren Nutzung beim Museum nachgefragt wurde. Möglichst korrekt, soweit es den damaligen Gepflogenheiten genügte. Das war aufregend. Ich war mir nicht sicher, was jetzt passiert. Und es passierte ... nichts. Die ersten Bearbeitungen durch andere Wikipedianer erfolgten sechs Wochen nach Einstellung, das waren dann interne Verlinkungen, Weblinks, Formsachen. Und ich saß da und wartete auf irgendeine Reaktion. Die ersten inhaltlichen Überarbeitungen (lang ersehnt) kamen dann im Oktober 2009 durch eine IP. Fast fünf Jahre später!

Erschreckend dennoch, dass trotz der Überarbeitungen Luc Tuymans noch immer als bedeutender Künstler in der Wikipedia zu finden ist. Wer - außer mir in der ersten Version des Artikels - hat das jemals behauptet?

Was aus meiner Anfangszeit auch noch in Erinnerung geblieben ist, ist eine kurze Diskussion um Namens-Konventionen. Es ging um die Verschiebung von Süßkirsche nach Süß-Kirsche (heute spannenderweiser zu finden unter Vogel-Kirsche), worin ich mehr Binde-Strich-Fanatismus als Nachvollziehbarkeit sah. Und im Verlauf keinerlei Notwendigkeit, mich in Fachdiskussionen zu verstricken, die weder wirklich wichtig noch wirklich spannend sind und zu denen ich mangels Fach wenig beitragen kann.

Und so kommt es, dass ich weiterhin Krümmelkuchen mit Sauerkirschen ohne Bindestrich backe und Luc Tuymans lieber im Museum als in der Wikipedia sehe.

Wo die Anknüpfpunkte zur Studie bzw. zu heute sind?

Noch immer
  • wird die Arbeit neuer Autoren zu häufig entweder mit unpersönlichen Bausteinen versehen oder gar nicht kommentiert
  • wird wie selbstverständlich auf Regeln und Vereinbarungen verwiesen, die dem Laien (auch bzw. gerade dem Wikipedia-Laien) nicht bekannt sein können
  • gibt es Einsteiger, die irgendwas an diesem Irrwitz trotzdem so spannend finden, dass sie dabei bleiben, sich artikelübergreifend engagieren, mit ihrem Erfahrungsvorsprung anderen helfen oder sich einfach in die Artikelarbeit stürzen
Noch immer
  • ist nicht bekannt, was ausschlaggebend für die Antwort auf Should I Stay or Should I Go ist
  • ist nicht bekannt, wie das Bleiben aktiv unterstützt werden kann
  • ist völlig unklar, inwieweit die Implantation von mehr Regeln (und ihre gleichzeitige Unauffindbarkeit) Einfluss auf neue und auch auf erfahrene Autoren hat
Viel Luft also für weitere Studien und hoffentlich auch konkrete Ansätze. Sowohl die Wikimedia Foundation als auch die Chapter stehen dabei in der Verantwortung. Und die Community, die das Thema (zumindest in der deutschsprachigen Wikipedia) bislang mit nur wenig Interesse diskutiert.

re:publica: ein durchwachsener rückblick #rp11

Nachdem ich jetzt ein paar Tage zeitlichen und auch einigen räumlichen Abstand habe, ist das doch eine gute Gelegenheit, neben dem Liveblogging noch einmal konzentriert auf die re:publica zurückzublicken. Hat es gelohnt? Was hat gelohnt? Und warum überhaupt?

Meine Höhepunkte waren:

* der Vortrag von Noha Atef über die Lage in Ägypten, die Tortureinegypt-Website und die Piggipedia-Flickr-Gruppe. Sie erzählte, dass die Polizei lieber Leute abholt, als Websites zu sperren, und dass es ungefährlicher ist, Fotos von Polizisten zu posten als ihre Namen. Und dass die Ägypter wussten, dass wirklich schwerwiegendes passiert, als plötzlich das Internet gesperrt war. Da war alles relevant und neu, von Noha Atef überzeugend rübergebracht. Und dazu war sie noch ein Vorbild an unprätentiösem Vortragen.
* der Vortrag von Markus Bösch über Newsgaming. Auch wenn die Idee ihre beste Zeit wohl gegen 2003 hatte, war sie mir komplett neu. Und die Idee Newsgaming ist meines Erachtens ausbaufähig. Zumal ich den Verdacht habe, dass das Konzept Newsgaming eigentlich schon ein großer Erfolg ist, die Newsgamer sich selbst aber so eng definieren, dass sie den Erfolg des Konzeptes nicht bemerken. Höhepunkt war diese Veranstaltung aber auch deshalb, weil Bösch einer der wenigen war, der das Medium Vortrag nutzte, und deutlich mehr machte, als einen Text vorzulesen.
* die letzten 15 Minuten des Till-Kreutzer-Vortrags, wo dieser vom Allgemeinem abkam und kurz aufblitzte, dass Kreutzer wirklich viel von der Materie versteht.

Mein irritierendster Moment:

* Daniel Domscheit-Berg, der sich richtig ernsthaft über 600 Euro spenden freut. In einem Saal dessen Miete für DDBs Vortrag vermutlich ein mehrfaches von 600 Euro kostete. In dem Saal, indem er vermutlich auch höhere Einnahmen hätte erzielen können, wenn er einfach den Hut hätte rumgehen lassen.

Erhellend:

* Peter Sunde, der zu flattr so ganz unterhaltsam war, aber durch seine Bühnenpräsenz klarmachte, warum ihm immer alle alles abkaufen.



Friedrichstadtpalast während rp11

Überraschend:

Vor der Kalkscheune über Peer Göbel gelaufen, den ich seit ungefähr 1999 nicht mehr in echt gesehen hatte.

Mein typischster Moment:

Der Vortrag von Till Kreutzer, iRights-Info, zum Thema Urheberrecht. Der Vortrag brachte mein Unbehagen auf den Punkt, diese Mischung aus "Warum?" und "dieses seltsame Wir." Kreutzer, der am Ende bewies, dass er wirklich detailliert Ahnung vom Urheberrecht hatte, hielt diesen Dauer-Lessig-Aufguss von wegen "das Urheberrecht ist am Ende, kreative Remixer, Neue Zeit, historisch, Mash-Up" das Übliche halt. Das hat natürlich an sich argumentative einiges für sich. Aber in diesem Rahmen? Jeder, der sich ein bisschen für Netzpolitik interessiert, hat den Vortrag sinngemäß schon dutzendemale gehört. Die Grundargumentation Neue-Zeit-Neue-Medien-Kreaktives-Remixing steht in meinem Feedreader in etwa 30 Postings am Tag. Ich denke, ich darf davon ausgehen, dass fast jeder, der Geld für re:publica ausgibt, und sich dann auch noch diese Veranstaltung aussucht, dass Alles schon mal gehört hat. Mehr als einmal.

Wozu also diesen Vortrag in einem Saal, der gefühlt 4000 Leute fasst? In der Hoffnung die Außenwelt zu erreichen? Aus allgemeinen Feelgood-Gefühl, weil wir alle einer Meinung sind? Um Gruppenkohäsion zu erzeugen? Um die zahlreichen Urheberrechts-Anhänger der Netzgemeinde zu erreichen? Oder weil das halt der Vortrag ist, den Kreutzer auch vor anderem Publikum hält, das nicht täglich die Urheberrechts-Remix-Leier eingeflößt kriegt? Wäre es für Leute, die andauernd Remix-Neu-Sharing eingeflößt kriegen, nicht viel spannender, mal etwas anderes zu hören? Gar Jemanden, der nicht aus der Lessig-Schule kommt? Vielleicht gar jemand, der für das geltende Urheberrecht ist? Oder wäre das zu shocking?

Auch wenn es jetzt etwas unfair ist, Kreutzer so allein rauszugreifen - zumal er zwischendurch demonstrierte, dass er besser könnte, wenn er wollte/dürfte, war er halt typisch. Dieselben Argumente durch dieselben Leute, die das schon immer sagen, und allen das Gefühl geben, das schon immer gewusst zu haben.

Insgesamt: drei Tage, die insgesamt auf jeden Fall den Besuch wert waren. Aber inhaltlich: hätte ich statt drei Tagen re:publica einen Tag meinen Newsfeed intensiv gelesen, hätte ich Heterogeneres, Spannenderes, Kontroverseres und vermutlich auch Inspirierenderes erfahren. Für meinen Geschmack zuviel Feelgood, zuviel Stagnation, zuwenig Inhalt, viel zu wenig Kontroverses, Spannendes, Neues, Irritierendes.



Dienstag, 19. April 2011

Wikipedia in 10 Jahren

Inspiriert vom Birchlog: Editor-Trends-Study-Followup


Wenn ich mir die derzeitigen Entwicklungen mal ansehe und extrapoliere:

Wikipedia 2020 wird:

* Inhaltlich zum größten Teil offiziell von Leute während ihrer Arbeitszeit geschrieben: PR-Firmen, Museen, Institutionen gesellschaftlicher Bildung,
* In Randbereichen weiterhin von begeisterten Enthusiasten gefüllt
* Von - durch Spenden, Fördergelder, Sponsoren younameit - bezahlten Kräften betreut, die Enthusiasten betreuen, Bildungsinstututionen motivieren und versuchen, die PR-Firmen auszubremsen ohne die derzeitigen Rüpel-GAUs en masse zu produzieren.


Montag, 18. April 2011

#digiges, alle mal ausatmen bitte

Die Digitale Gesellschaft hat seit neuestem eine Telefonnummer. Gleichzeitig ist sie auf 20 Mitglieder geschrumpft, was nun recht viele Mitglieder der undigitalen Gesellschaft zurücklässt. Die stets zu lobende Gastbloggerin Lyzzy hat dem ja auch schon Ausdruck verliegen: Digitale Gesellschaft, ist das nicht viel mehr als ein Verein in Gründung? Zur Zeit wohl nicht. Der Verein will die Welt verändern. Per Lobbyarbeit.

Wenn ich einmal abstrahieren darf: das deutsche politische System reagiert im Wesentlichen auf drei Impulse. Wahlen, Kampagnen und Lobbyisten. In der Reihenfolge. Wahlen sind mit Abstand am wirkmächtigsten, aber reichlich unbestimmt. Wenn alle paar Monate mal eine wechselnde Bevölkerungsgruppe ein allgemeines "gut" oder "nicht gut" äußern darf, dann ist das zwar ab und an gut für eine Grundsatzentscheidung (lieber Schröder als Lafontaine, lieber keine Leipziger-Parteitags-CDU, lieber keine aktive Beteiling an der NATO), für den Alltag aber deutlich zu unbestimmt.

Medienkampagnen wiederum wirken eher gegenteilig: wochenlang konzentrieren die sich auf ein Kleinthema (Sarrazin, S21, Google Street View, Guttenberg), während alle anderen Theman unbeachtet nebenherlaufen. Das wirkt zwar auch, aber nur in kleinen Bereichen. Womit für den politischen Alltag Lobbyismus als Methode des Einwirkens bleibt. Jeder, der schon mal näher an aktiven Politikern dran war, wird feststellen, dass sie Alle eine Gemeinsamkeit haben: keine Zeit. Deswegen präferieren sich auch gepushte, aufbereitete Information so deutlich gegenüber Informationen, die man sich holen musste. Deshalb sind Lobbyisten, die alles wichtige auf eine halbe A4-Seite kriegen, und mit dem Politiker so gut bekannt sind, dass sie alles beim 10-Minuten-Kaffee erläutern können, so deutlich im Vorteil gegenüber meiner Nachbarin, die mal alle zwei Jahre einen fünfseitigen handgeschriebenen Brief aufsetzt.

Hemmingstedt schranke druecken

Oft funktioniert das politische System Deutschlands wie eine Bahnschranke.

Da nun fast alle Sachentscheidungen weder Wahlentscheidend sind noch auf der Zeit-Titelseite landen, ist das Land der Lobbyisten jenes, welches unseren Alltag bestimmt. Dementsprechend ist die Gründung einer netzpolitischen Lobbyorganisation nicht nur vertretbar, sondern unbedingte Notwehr.

So weit zum Prinzip. Die konkrete Ausgestaltung hat ja ein bißchen Kritik erfahren. So als Beispiele verlinke ich mal die Carta-Artikel:

* Erstaunliche Vorgänge um die “Digitale Gesellschaft”
* Herzlichen Glückwunsch, Digitale Gesellschaft!

Soweit ich verstehe macht sich das inhaltlich an zwei Punkten fest: Der Verein trägt einen wahrlich anmaßenden Name, und scheint auf das Organisationsprinzip elitärer Klüngel zu setzen.

Den Namen finde ich ja eher schlimm, kann ihn aber verstehen. Politiker = keine Zeit = braucht eindeutige Signale = Differenzierung schadet. Und zum Organisationsmodell Greenpeace: ich sehe kurzfristige Vor- und Langfristige Nachteile. Bin aber ethischer Fundamentalist genug, um rein privat Digiges diesselbe Behandlung zuteil werden lassen, die ich Greenpeace angedeihen lasse: ich spende lieber für Andere und engagiere mich anderswo.

Und warum es erstmal ans Ausatmen geht: offensichtlich holpert die Gründung reichlich vor sich hin. Noch lässt sich einfach nicht abschätzen, ob der Name wirklich mit einer seltsamen Wir-sind-das-Volk-Attitüde einhergeht und ob das Volk dann wirklich aus 20 Personen besteht. Und selbst wenn: die Lobbyliste beim Bundestag hat derzeit 2150 Einträge. Da passen dann auch zwei, oder gar drei, "Wir-sind-das-Netz"-Lobbygruppen drauf.


Freitag, 15. April 2011

Traktorfreitag: Ferngesteuerter Schlegelmulcher



Welterbefotos

Wer wissen will, wie es war, lese in diesem Blog den Beitrag Ein-bißchen-Liveblog von re:publica Tag 3 #rp11, die Bemerkungen von 11:24h bis 11:57h.

Wer wissen will, wie es ausgesehen hat:

Republcia wikiwelterbe wikimedium 15.04.2011 12-04-48

Lag so herum.

Republica wikiwelterbe slide 15.04.2011 11-27-02

Ich hatte nicht die beste Sitzposition.

Republica wikiwelterbe publikum 15.04.2011 11-47-12

Republica wikiwelterbe publikum andere seite 15.04.2011 11-47-08

Aber konnte das Publikum sehen.


Republica wikiwelterbe rede 15.04.2011 11-45-50

Während sie reden.

Republica wikiwelterbe dalang 15.04.2011 12-04-43

Und wo geht es jetzt lang?







Ein-bißchen-Liveblog von re:publica Tag 3 #rp11

Was ist das?, für mich zum wiederfinden: Zeitplan

16:39 Mellow war es dann. Irgendwie war heute tatsächlich der “sprich south an”-Tag, ich bin nirgends mehr reingekommen. Andererseits gab es draußen lecker Espresso, schöne Sönne, Orangenhuhn und eh alles gut. Versönlicher Abschluss einer durchwachsenen Konferenz.

11:57 Draußen stehen Menschen und wollen rein. Es gibt T-Shirts.

11:57 Beinentknotungsversuche.

11:56 Publikum (der bayrische Kleingärtner wieder) fragt was dagestellt werden soll, formuliert das aber so seltsam, dass ich nicht genau weiß was er eigentlich meint. “Was bedeutet freies Wissen” Aah-

11:55 Wollen staatlichen Schutz wie der aussieht, kann man sehen.

11:54 Pub: Weltkulturerbe sagt wie Staaten Einfluss nehmen. Will Wikipedia staatlichen Schutz und wie soll der Aussehen?

11:53 Diskussion über Waldschlösschenbrücke. MC “der Staat hat keinen Einfluss auf dieses Projekzt.” Sind von Staaten unabhängig und getragen.

11:53 Wo wir gerade über langfristige Perspektiven reden. Ich muss ja die Initiave des WMDE-Vorstandes loben mal Kompass2020 zu überdenken und anzupassen.

11:51 Frage: welche Abhängigkeiten würden durch Weltkukturerbe entstehen? Gehen dann gewisse nicht Dinge, weil ein Verlust des Status droht?

11:50 MC steht auf Platz 6 der Editionsstastik sagt er. Hat Probleme mit niedersächsischen Kleingärtnern.

11:50 Catrin “Hoheit muss bei Community bleiben.”

11:49 “Frage: was ist denn die Zielsetzung? Finde es wunderbar, schützenswert. Aber da kommt mir die Frage: wie will man das schützen.” Berichtet von schlechten Erfharungen wie mühsam es ist, sich gegen einen Kleingärtner aus Oberbayern durchzusetzen. “Was ist Wissen und was ist frei?”

11:49 Person 4 geht. Andererseits wenn man woanders in nen Workshop will, muss man wohl vorher gehen.

11:49 Person 3 geht. Sebaso: “wir wollen keine neue Kategorie Digitales Weltkulturerbe”

11:48 Ah, Fragerunde. Erster Kommentar “ich finde das ganz großartig, ihr müsst das werden. Aber Bräuchte man nicht eine neue Kategore: digitales Weltkulturerbe.”

11:47 Je länger ich drüber nachdenke je bescheuter finde ich die Idee je mehr mag ich sie. Yeah!

11:46 Brauchen viel Hilfe. “es soll nicht so klingen wie es ist alles gemacht”

11:45 Zweite Person geht. Verstehe nicht wirklich warum Ist alles gut on topic, gut vorgetragen usw. Also wer die Ankündigung las sollte ungefähr das hier erwartet haben.

11:44 Erklärt wie man mitmachen kann. “auch Online”

11:44 Gibts eigentlich Welterbe T-Shirts heute?

11:43 Leider werde ich den Rest des Tages in Workshop 2 verbringen müssen, weil mein Bein rettungslos eingeschlafen ist.

11:43 “Ach Kooperation stand auf der Folie noch drauf”

11:41 Wollen Welterbe in Wikipedia einbinden.

11:39 “Wollen Wikipedia erlebbar machen” Wikipedia live. Btw. Jemand filmt. Ist der Film öffentlich? Kann man den dann sehen?

11:38 Sehr positives internationales Feedback auf Chapters conference.

11:37 Eigenständige Veranstaltungen dazu. Wo er gerade von Wikipedianern spricht, ich sehe im Raum – von den 20 Leuten deren Gesichter ich sehe – 4 plus 2 Geschäftstelle auf Podium plus 1 Geschäftstelle in Publikum- 1 ist mir im Gang entgegengekommen “zu voll”

11:36 “Wir wollen keine Jubelkampagne machen sondern sensibilisieren.” Über Gefahren reden, wie freies Wissen bedroht wird.

11:35 Aufklärung über Freies Wissen. “Frei etc usw-”

11:34 “Wir haben Ziele”- Wertschätzung für Wikipedianer. Apropos: noch ein Bonmot aus dem Schockwellenreiter-Vortrag, der auch noch das Netz eines MPIs betreut “Wenn Wikipedia ausfällt, stehen kurz darauf 90% der Wissenchaftler bei mir und sagen das Internet ist kaputt”

11:33 Welterbe von 1972. Damals gab es keine Ipads. Formaler Weg sehr umständlich und dauert sehr lange. Das wäre unspannend.

11:32 Und nein, der Herr in Reihe 2 ist nicht Fossa, auch wenn er so aussieht.

11:31 “Wir wollen uns nicht auf ein ganz spezielles Kriterium konzentrieren”, wir sind so toll, dass UNESCO sich anpassen soll-

11:31 Ach ja, Nachtrag zu Gestern. Die von mir beschriebene “Piggypedia” mit y ist anscheinend ein Wiki über Meerschweinchen. Die Fotosammlung zu prügelnder ägyptischer Polizei findet sich unter “Piggipedia” mit I.

11:30 Erklärt Welterbe. Setze ich hier als bekannt voraus und schweife mal gedanklich ab. Gibt es währenddessen noch was anderes aus dem Rest der Welt zu erzählen?

11:29 Argumentiert gegen dummy-argument “Weltkulturerbe ist aus Stein”. Ist jetzt bei immateriellem Welterbe.

11:28 Währenddessen also ein bißchen abschweifen. Rumlaufen und fotografieren dauert doch länger, besonders wenn man andauernd Leute trifft. Heute scheint der “sprich den south an”-Tag zu sein. Selbst in der S-Bahn wollte ein wildfremder schon mit mir über die N24-Kran-Doku von letzter Woche reden.

11:27 sebaso erklärt in blumigen Worten das warum.

11:26 “Wir fahren das nur auf Wikipedia.de”, ist jetzt online.

11:26 “Wikipedia.de kennen nicht viele Leute”. Zugangszahlen zwischen 400.000 und 1 Millionen.

11:25 Wir sind hier übrigens in einem der Veranstaltungswohnzimmer, aka Workshop 2. Raum ist wenig überraschend rammelvoll, so knapp 50 Leute.

11:24 wikipedia.de ist “Die Startseite der deutschsprachigen Wikipedia” huust. Dort sollen Informationen zur Welterbekandidatur stehen doppelhust

9:02 Und noch ein Nachtrag: Anscheinend war der flattr-Vortrag so erfolgreich, dass sowohl Netzpolitik wie wirres.net jetzt auch Kachingle installiert haben. Da freu ich mich doch und sage Willkommen auch ihr :-) Ich fürchte allerdings es könnte mich meinen Top-15-Platz kosten.

9:01 Noch ein Nachtrag. Habe heute Morgen schon diverses sehr gutes über den Günter Dueck-Vortrag gelesen/gehört. Hätte rp funktionierendes Internet, könnte ich ihn dann ja da ansehen :-)

8:59 Nun aber zum Tagesprogramm: 10 Uhr freies Kommunales (Workshop 1); falls besetzt: großer Saal, 11 Uhr Wikipedia-Welterbe (Workshop 2), falls besetzt: großer Saal, 12 Uhr: Krieg im Netz (kleiner Saal), falls besetzt: Quatsch Comedy Crowdfounding.

8:58 Beim nochmaligen Lesen des Blogs hier stellte ich fest, dass es nörgeliger rüberkommt als es gemeint ist. Eigentlich fühle ich mich sehr wohl und kriege massenhaft interessanten Input. Andererseits aber: das Niveau ist wirklich sehr schwankend und die letzten Veranstaltungen auf denen ich vor rp#11, waren eigentlich alle besser (sprich: nutzerfreundlicher) organisiert. Und wollten dafür weniger Geld.

8:57 Heute Mittag wird Boot gefahren. Das Wetter sieht trocken aus, bei der Kamera werde ich gleich noch mal das Objektiv abwischen, und es gibt Chancen, dass das UMTS an Bord tatsächlich irgendwo funktioniert.

Digitale Gesellschaft, ist das nicht viel mehr als ein Verein in Gründung?

Schon ein alter Hut (schließlich gibt's das schon seit seit Mittwoch) und daher schon fast zwangsläufig, dass man sich zum Affen macht, wenn man das nun zwei Tage später noch anspricht. Ich mache es kurz.

Greenpeace-Modell, noch nicht veröffentlichte aber wenig offene Vereinsstrukturen, ein ansprechendes Mitmach-Formular. Wenige Mitglieder (von denen man auch nur wenig weiß), ein Vorstand, eine vage aber umso naheliegendere Idee. Aber wie soll das nachhaltig und für die Menge der Netznutzer und -macher funktionieren? Ist nicht die digitale Gesellschaft, also die, die es auch ohne den Verein gibt, gerade deshalb ein Teil meines Lebens, weil es eben nicht _die_eine_ Meinung zu ACTA, zum Urheberrecht, zum Datenschutz oder zum Leistungsschutzrecht für Verleger gibt? Und es sind gerade die Unterschiede, auf die ich neugierig bin. Viel mehr als auf das, was die Menge der Leute oder die bekannten Gesichter sagen. Ist nicht die digitale Gesellschaft gerade die, die durch ihre Vielfalt fasziniert, in der Argumente und Authentizität mehr zählen als allein die Nase und ein paar Vorschusslorbeeren?

Ich habe noch nicht raus, wer da für wen spricht. Ich bin aber gespannt und ausreichend und wohlwollend neugierig, um das weitere Vorgehen des Vereins und seine Aktionen zu beobachten, abzuwarten, welche Kampagnen gestartet werden und wie die Meinungsbildung erfolgt; eine gewisse Skepsis kann ich nicht verleugnen.

Guten Tag!

Ist es hier eigentlich üblich, sich vorzustellen?

Ich bin das, das, das. Das und das und noch viel mehr. Ich weiß nicht, ob ich Trecker oder Schafe kann, Ballett ganz sicher nicht.


Donnerstag, 14. April 2011

Vermutlich nicht-live-blogging re:publica Tag 2 #rp11

Was ist das?, für mich zum wiederfinden: Zeitplan

18:36 Mittlerweile bin ich in der besten Döneria Schönebergs angekommen und harre meines abendlichen Dates. Bis dahin noch ein paar abschließende Worte zum Ägypten-Vortrag. Wow. Auf einer Konferenz des überbordenden Ichs sehr angenehm so einen persönlich zurücknehmenden und inhaltsreichen Vortrag zu hören, Viel gelernt, was ich jetzt nachlesen will, positive beeindruckt von der Sprecherin und sehr neugirig. Sehr anders als der Newsgames-Vortrag aber ähnlich beeindruckend.

18:00 In 2009 alone more than 100 bloggers arrested. “Internet police” abteilung des Innenministeriums-

17:59 Why they keep these sites online? Mubarak was very careful how the west and americans viewed him. Was nit blocking websites but arresting and threatening people.

17:58 were is tortureinegypt hosted? A. It is hosted in Egypt.

17:56 As a police officer you can google your name but you cannot google your pictire. “People who published texts were intimated, but not pictures.

17:55 It is not difficult to take a picture of a police officer. For me I have very easy technique: I see a police officer, I smile, he smiles, I take a picture and smiles.

Darummagichberlin (XXX)

.. weil es in Mitte hippe "Livestyle[sic!]-Restaurants" gibt.

Mittwoch, 13. April 2011

So-vage Liveblogging von re:publica XI #rp11

Was ist das?, für mich zum wiederfinden: Zeitplan

20:52 So, nachdem ich die Filmemacher von dem Film, den ich sehen wollte, schon im Publikum erleben durfte, habe ich beschlossen, den Film doch nicht sehen zu wollen. Damit war das alles um 20:00h zu Ende, und ich durfte begleitet von der zweitleisesten Straßenzeitungsverkäuferin Berlin nach Hause S-Bahnen.

19:53 GRUR-Angestellte “international affairs” spricht. Agreed to a lot of points. Likes to add: on a national level govt weren't succesful, put it on european/international level, ACTA has even been noticed by conservative lawyers. A lot of things going on european level. IFPI-lobbyist in commission. “I work for an academic association” GRUR have signed petition against ACTA. 3 ways to counterbalance lobby: European parliament, academics (should try to get in closer contact with academics, in Germany there is a change of generations, a lot of people think more like you do, especially at max-planck-institute. Have a lot of influence. Trust a little bit the courts,” Goes with dialogue with academic work.

19:50 Antwort: Konzentration bei ISPs, verstärkt Tendenz zu Restriktion.

19:49 Frage “when will be zje big revolution”, dass uns die hardware oder die tiefseekabel gehören (und nicht kommerziellen firmen)

19:47 frage zu G8-Treffen. Zim: “I don't believe that physical action there will change something” .Should campaign but dont believe in centralised actions.

19:45 Vortrag vorbei, mittlerweile etwa 70 Leute da.

19:44 Internet was made for sharing. You cannot stop these 1 and 0s until you destroy it. We have never been so connected and there have never been such violent attacks on those freedoms. Nächstes G8 by France. Sarkozy “wants to make it meeting of civilized internet”

19:42 Noch haben wir freies Internet und Freedom of expression, die es erlaubt.

1940 Slide “Sharing helps culture.” When you like a record do you shut it down or do you lend it to other people? If you like reading, do you go to a library? The more culture is spread, the more it is alive. “There is no culture without sharing.”

19:37 Statistiken zum Filesharing. (1) Einnahmen durch Konzerte seit Napster stark gestiegen, CDs nach Peak wieder gesunken. Hadopi.Studie: filesharer geben mehr für Musik aus als nicht.filesharer. Http;//Lpdn.fr/p2pstudies

19:30 “disturbing processes going on inside the Eiropean commission” besonders market DG under barnier working on reframing of directives.. “how could we go further”

19:29 European Parliament will vote in ACTA. “yes or no”

19:29 “you can have very good example at re:publica how is life without internet”

19:27 DoJ let ICANN remove websites from the internet because of copyright/trademark.

19.25 “turn internet companies into private copyright cops”

19:22 Erklärt ACTA inhaltlich. Version 2.0 of war on sharing-

19:19 Spannende Geschichten, wie ACTA überhaupt an die Öffentlichkeit kam und was LQdN dabei gemacht hat.

19:16 Lustiger Slide: Weltkugel mit Micky-Maus-Ohren

19:16 fragt wer ACTA kennt. Gut die Hälfte. Vielleicht wisst ihr dann ja schon alle, was ich sage.

19:14 Konservative Polutiker erzählen privat immer noch, dass sie auf Märkten, bei Handshakes etc. beschimpft werden, weil sie für Hadopi gestimmt haben. Benutzen es – nichtöffentlich – als Besipiel für ein schlechtes Gesetz.

19:11 “You all heard of Sarkozy and his personality” - lustige Handbewegungen. “Hadopi is dead wood at the moment.”

19:09 Slide “HADOPI RIP LOL”. Erklärt Hadopi--

19:08 When Sarkozy was elected, IFPI was very happy. Zimmermann fragt, wer Hadopi nicht kennt: etwa ein drittel meldet sich.

19:05 Disturbing trend to use copyright to infringe on fundamental rights.

19:04 LQdN provides tools for citizens. Active on European level and on France-

19:04 Zimmermann weiß noch nicht, wie lange der Vortrag dauern wird.

19:03 Saal groß, deshalb eher leer. Hörte außerdem vorhin von eigentlich allen, die Sascha Lobo “Trollforschung” sehen wollen. WARUM??

19:01 Als Rechner-Hintergrundbild hat er auf jeden Fall dieses barbusige französische Revolutionsbild dessen Name mir gerade entfiel. Auch ne Aussage. Und er trägt ein T-Shirt mit “Copyright”-Symbol und -Schrift drauf.

19:00 Gleich beginnt: Jeremje Zimmermann. Copyright vs. the Internet. Großer Saal Kalkscheune. Wirklich groß, recht verwinkelt, sehr holz. Lustige Holzstühle, Zimmermann scheint noch mit der Technik zu kämpfen.

18:44 Netz tot, Bier gut, hörte nur gutes über den Feldmann-Vortrag. Stelle fest, dass die Kalkscheune nicht mit Tagestickets zugänglich ist, was u.a. Erklären könnte, warum das hier alles viel viel nerdiger, punkiger und mit mehr Ahnung wirkt als nebenan.

18:03 “Verbunden (1 kbit/s)

17:59 “Verbunden (0 kbit/s)” Weiteres Kuriosum am Rande: überraschend wenige Kameras, diejenigen, die da sind, sind aber entweder fette DLSR oder gleich große Videocams/Fernsehkameras.

17:58 Und noch ein Kuriosum am Rande: ausgerechnet die Touriattraktion No. 1 dieser Gegend, der Friedrichstadtpalast, verweigert sich jedem Kaffee-Latte-Trend und serviert nur schwarz im Tässchen.

17:57 Liveblogging vom Mineralienstand hat einen Nachteil. Die einzige Ablagestelle für den Rechner mit Sichtkntakt wäre beim Wiener Feinbäcker. Dessen unteroptimales Angebot mag ich mir aber eigentlich nicht antun.

17:54 Surfstick geht. Leider ist neben dem Wlan auch O2 komplett tot. Keine Ausnahmen für Daten.. Also weiter beim nicht-live-blog. Gespräch neben mir “aber das ist echt confidential.” Höre besser zu, geht aber natülich nur um öde Social Media-Projekte mit widerborstigen Projektmanagern.

16:36 Falls die Seite wieder runtergeht: weitere Programmplanung: sobald ich da bin Policing Content (FS-Palast), 19 dann Quadrature du Net lauschen (großer Saal) + dann vermutlich gleich sitzen bleiben, um die seltsame Geschichte von den seltsamen Puppen vermutlich blöde zu finden. But you'll never know. Auf jeden Fall freu ich mich auf Jeremje Zimmermann.

16:25 Habe mich auch nach weiterem Nachdenken geeinigt, dass der erste Vortrag, hm, desillusionierend war. Ich bin doch kein FH-Zweitsemester.

16:24 Bin dabei, Entsatz für den UMTS-Stick zu besorgen. Auf dem Weg den schüchternsten Straßenzeitungsverkäufer Berlin getroffen. Das Mädel neben ihm, das öde Geschichten von Freund, Motorrad und Bundeswehrrucksack ins iPhone säuselte war etwa dreimal so laut.

15;15 Kurzresumee Wade, Wiki, Wunderkammer. Ja, so, als Text hätte ich das in 15 Minuten konsumieren können, für jemand der dauernd über Hyper, Bilder und so sprach, wenig Mehrwert. Bilder zu klein, Vortragsführung zu wenig zündend und inhatlich eher so in einer geradezu wikipedianischen Behäbigkeit. Leider Zusammenhänge eher behauptet als begründed. So Ideensammelsurium

15:15 Weiterhin kein Netz übers WLAN. Mal schauen ob ich etwas über das weitere Programm erfahre irgendwo.

14:48 “Relevanz ist Firlefanz” Applaus im Saal.

14:46 Nelson (hyperzext, xanadu) → Barners.Lee → Cunningham (Exkurs: Hypercard)

14:40 Vaanevar Bush, Memex.

14:33 Zettelkasten. Luhmann.Virtueller Zettelkasten. Wiki.

14:24 Und 1837. Laterna Magica, Schachtürke.

14:23 Und plötzlich haben wir 1998.

14:15 Leibniz

14:11 Wunderkamern etc. “Die Grenze zwischen Wissenschaft und Jahrmarkt war fließend.”

14:06 Wissensproduktion im apollinsísch.dyonischen Zwist. Jetzt gehts los.

14:05 Einführungsgeplänkel. Geht das auch mal los?

13:59 Habe mich entschieden, dass unser Wohnzimmer doch größer ist als der Raum von Workshop 3.

13:58 Bin verwöhnt. Das Lenyard-Hängegedingsel ist echt nicht die Qualität, die ich kenne. Pappschild ohne Hülle plus Dauerregen könnte fatal werden.

13:57 Höre, dass WLAN eh nicht funktioniert. Das immerhin hatte ich geplant-

13:54 Lautes, demonstratives Lachen scheint hier en vogue zu sein.

13:51 So mittlerweile in des Schockwellenreiters Vortrag “Die Geburt des Wikis aus der Wade der Wunderkammer. Wege zu einem Web des Wissens.” angekommen. Wahrscheinlich unter Einfluss des Buches “Die Geburt der Alliteration aus dem Alphabet der Anfangsbuchstaben” entstanden. Kleiner, niedlicher Saal nebenbei, jetzt mit 12 Leuten gefüllt, damit etwa halbvoll.

13:42 Kalkscheune ist voll, Stände wirken sinniger und jemand mit einem blauen T-Shirt meint, ich solle ihn ansprechen, wenn ich mein Blog vermarkten will.

13:36 Auf der Suche nach der Kalkscheune? Haben die Leute da vorm Hotel NVA-Uniformen an? Oder ist das nur eine exzentrische Feuerwehr?

13:29 Nebenbei, Wikimedia Deutschland, hier wäre eine tolle Gelegenheit, Infomaterial auszulegen-

13:28 Rundgang: gegen Atom, Lichtblick, taz, Freitag, ich habe eine gewisse Ahnung in welche Richtung die Organisatoren verbindungen haben-

13:24 Doch eher nicht-live-blogging heute. Der Autor ist zu blöd seinen UMTS-Stick zu bedienen und mag nicht heute abend alle Passwörter ändern müssen. Komme ins Blog nicht rein...

13:23 Warum haben die mir das Programm für Morgen in die Hand gedrpckt?

13:19 Alles eher unübersichtlich. Wo ist jetzt der Stand mit dem Bootsfahren?

13:16 Aufgeschnappte Gesprächsfetzen aus dem Weg zum Friedrichstadtstadtpalast “You were right. What the fuck. HAHAHAHAHA”

13:10 Bahnhof Friedrichstadt. Habe beschlossen, dass rp heute der unexklusivste aller Schreibstoffe ist, und kontempliere darüber, mich vor den Mineralienstand im Bahnhof zu setzen und livezubloggen, was da los ist.

12:02 Ich soll das Haus nicht ohne ausgedruckte Eintrittskarten verlassen. Ich soll das Haus nicht ohne ausgedruckte Eintrittskarten verlassen. Ich soll das Haus nicht ohne ausgedruckte Eintrittskarten verlassen.

11:50 Tolle neue Tasche jetzt auch namentlich gekennzeichnet. Überlege, ob ich eigentlich Gummistiefel für den Hinweg besitze.

11:01 Twitter beschwert sich, dass die erste Veranstaltung ein lahmer Werbeblog war, fühle mich in meinem Programmorakeln bestätigt. Twitter beschwert sich auch, dass 02 überlastet ist - fühle mich in der Auswahl meines UMTS-Sticks widerlegt. Weiterhin ekliger Regen, Fahrrad bleibt wohl zu Haus. Schedule funktioniert auch nicht mehr, bilde vage ein mich zu erinnern, dass das Nachmittagsdings um 13 Uhr losging.

9:03 Habe beschlossen 24/7/3 zu machen. Drei Tage ah sieben Stunden, bei denen ich je 24 Minuten aufpasse. CU heute Nachmittag dann erst.



Samstag, 9. April 2011

Donnerstag, 7. April 2011

Mit Larry Lessig am Wannsee

Lawrence Lessig war in Berlin. Der bekannte Streiter gegen restriktives Urheberrecht und Poster-Child der akademischen "Freiheit-im-Internet"-Kämpfer hielt einen Vortrag zu Internet. Kultur, und Politik. Alles halt.

Zum Ambiente: die American Academy war mir vor dem Vortrag tatsächlich kein Begriff. Nach dem Blick auf die Karte, der eine herrschaftliche Villa direkt am großen Wannsee preisgab, dachte ich, aha, noch so ein spannendes Berlin-Überbleibsel aus dem Kalten Krieg. Denskste: Arbeit aufgenommen 1998.

Ein Tolle Aussicht vom Salon direkt auf den See gab es trotzdem, wobei das ganze Ambiente sowohl edel als auch eigentümlich familiär wirkte. Alle waren ausgesprochen höflich und bemüht, ein Großteil der Anwesenden kannte sich offensichtlich sehr gut. Der ehemalige Fellow Lawrence Lessig war den ganzen Abend nur Larry. Als er von der Geburt seines zweiten Kindes in Berlin erzählte nickten alle wissend und erinnerten sich. Die Begleitredner haben sich erst gar nicht vorgestellt, weil sie wohl davon ausgingen, dass eh alle sie kennen. Das ganze mit überdurchschnittlichen Häppchen versehen und mit einer Raumgestaltung, die vor allem an amerikanische Fernsehserien erinnerte. Und da meine persönliche US-Zeit ja weniger in Golfclubs an der Ostküste stattfand, sondern mehr unter Rednecks und Schwarzen, war auch mir das ein ganz neues US-Erlebnis.

Der Vortrag selbst:
erstmal entsprach er den Erwartungen, Lessig ist ein sehr guter Redner, der Ideen griffig rüberbringen kann, in der Lage ist, auch abstrakte Konzepte zu vermitteln, und ansonsten ein wirklich guter Abendgestalter.

Zur Technik fielen mir dann allerdings gleich zwei Sachen auf: Materialschlacht und Modulbauweise. Das ganze war eine Powerpoint-Materialschlacht. Jeder Absatz hatte eine eigene Folie, und wie er es schaffte mehrere Videos auf eine Folie zu bekommen, rätsel ich immer noch. Andererseits: viele der Folien, z.B. mit <1> oder Equality oder Fan oder dem Napster-Logo etc. sind offensichtlich vielfach verwendbar, und können problemlos in verschiedenste Vorträge integriert werden. Not bad.

Noch spannender war es aber, dass der Vortrag selber anscheinend genauso aufgebaut war. Mit 3 1/2 Modulen, die sich beliebig untereinander koppeln lassen und auch mit weiteren Modulen verbinden. Was nicht schlecht ist, da hat man zu Hause schon alles von 10 Minuten bis 5 Stunden Vortrag auf der Festplatte, und muss nur aneinanderkoppeln. In Berlin schienen es mir 3 1/2 Module zu sein, wobei die ersten drei noch einen gemeinsamen Rahmen namens "Equality" bekamen:

(1) Urheberrecht/Remix/Kultur
(2) Netzneutralität
(3) Wikileaks
(4) Polarisierung

Zum Rahmen: die Idee der Gleichheit sieht Lessig sowohl in der amerikanischen Geschichte als auch noch im Internet verwirklicht. Dabei geht es weniger um tatsächliche Gleichheit, sondern um den Anspruch darauf: der hätte frühen Amerikanern Selbstbewusstsein und Souveränität im Umgang mit Macht gegeben, würde Bloggern erlauben einfach so ihre Meinung zu schreiben, YouTube-Künstlern einfach so Remixe von Popsongs hochzuladen oder Wikipedianern, einfach so das Wissen der Welt definieren zu wollen. Mittlerweile überträgt sich der Anspruch vom Netz wieder in die Politik, siehe Nahost. Der Gedanke war leider eher angerissen denn ausgeführt, das war mE das spannendste am ganzen Vortrag.

Lessig-zum-Urheberrecht setze ich in diesem Umfeld einfach mal als bekannt voraus, das war sehr gut gemacht, aber auch nichts, was man nicht schon ähnlich von ihm las oder hörte. Wer noch einmal rekapitulieren möchte, bediene sich einfach an den Endlinks im (ansonsten verbesserungsfähigen..) Wikipedia-Artikel. Das halbe Modul Netzneutralität bestand auch aus wenig mehr, als dass Netzneutralität wichtig für die Kreativität im Netz sei, und er empfahl zwei Bücher zu lesen, deren Namen mir schon wieder entfallen ist. (weiß zufällig jemand der Anwesenden, welche das waren?)

Spannender, und mir neuer, war das Wikileaks-Modul. Die Vorgehensweise der US-Regierung, Wikileaks zerschlagen zu wollen, vergleicht er mit dem der Musikindustrie und Napster. Es mag gelingen, Wikileaks selbst zu zerschlagen, aber langfristig wird es dutzende neuer Wikileaks geben. Hilfreicher als Terrorismusvorwürfe wären Pläne, wie man in Zukunft mit großen Datendumps umgeht.

Lessig stellte dem Veröffnetlichungsmodell alles-ins-Netz ein "verantwortliches Veröffentlichen" entgegen. Dass er nun ausgerechnet, die von Kontrollwahn und schmutzigen Geschäften gezeichneten State-Department-Depeschen als "verantwortungsvollen Umgang" bezeichnete - ich habe dann einfach mal beschlossen, dass er einfach sein amerikanisches Publikum damit aus der Reserve locken wollte. Auch der Kurzzschluss von Wikileaks zum arabischen Frühling war mir dann zu kurz. Sicher haben sowohl Internet als auch der Anspruch auf Gleichheit einiges mit den Ereignissen in Nordafrika zu tun. Facebook und Twitter scheinen wichtig gewesen zu sein, oder auch dieser Mash-Up aus Google Earth in Bahrain (These Are The Controversial Satellite Photos That Set Off Protests In Bahrain). Nur hat Wikileaks bei dem allen keine Rolle gespielt.

Hhu rammboecke

Politische Debatte in den USA. Stilisiert.

Der letzte Teil, Polarisierung, schien mir der Teil zu sein, an dem Lessig noch arbeitet, der deshalb viel vorläufiger, unklarer und verschwommener wirkte. In kurz: die amerikanische politischen Medien polarisieren immer mehr. Während früher drei Medien das politische Nachrichtengeschehen beherrschten, alle Medien alle Zuschauer hatten und deshalb einen moderaten Mittelweg wählten, seien es heute unzählige, und gerade die erfolgreichsten (HuffPo, Fox News etc.) würden ihr Geschäftsmodell in überzogener Polarisierung finden. Gleichzeitig hätte die Regierung, die dort vielleicht moderierend eingreifen könnte, jede Glaubwürdigkeit verloren, weil die Amerikaner ihr politisches System zu recht für käuflich hielten. Spannend hier vor allem seine ambivalente Haltung zur Tea Party, die er einerseits für alte, weiße Leute auf der Suche nach verlorenen Privilegien sieht, andererseits ihren Grundimpuls gegen das derzeitige politische System nachvollziehen kann.

Die Anschlussdiskussion brachte dann erwartungsgemäß wenig inhaltliches, aber zeigte doch nett, wer im Publikum saß. Die Wikileaks-Provokation verfing überhaupt nicht, und niemand erwähnte sie. Dafür kam natürlich - wir sind in Deutschland - sofort das Thema Datenschutz auf. Noch spannender aber die Reaktionen auf das Schlagwort Tea Party. Da gab es erwartbar die deutsche Spontan-Reaktion "Amerikaner sind alle doof und ungebildet" und die amerikanische linke Spontan-Reaktion "die Tea-Party ist ein gekauftes Konstrukt der Koch-Brüder" Wunderlich eigentlich, dass Lessig da nicht mehr den Bogen bekommen hat. Unter anderem fordert die Tea-Party genau das, was er vorher schon ansprach: Equality.
Heise war auch da.


Montag, 4. April 2011

Lex Nutzerkonto?

Internet-Law über einen hessischen Gesetzentwurf:

Neu eingefügt werden soll der Begriff des Nutzerkontos in § 2 Nr. 4 TMG. Unabhängig davon, worauf die Regelung abzielt, ist der Gesetzeswortlaut so formuliert, dass jegliches Nutzerkonto bei einem registrierungspflichtigen Dienst umfasst ist.


Mein innerlicher kurzer "ist-Wikipedia-betroffen"-Check erbrachte zwar ein Nein. Aber so die Generalaussicht plötzlich unter eine Lex Facebook zu fallen, finde ich ja eher unsympathisch.

Komfortzone

Nahost revolutioniert, massakriert, weckt Hoffnung und deprimiert, und ist selbst für Nahostverhältnisse bewegt. Japan, ach Japan..., Ei, oh Weh. Weh. Gut, dass zwar die Elfenbeinküste tragisch aber wenigstens unwichtig ist. Was tut es gut, endlich wieder das Berliner Kasperltheater mit dem Dutzend Politikdarsteller als Topmeldung bringen zu können.

Nebenbei: Machtkampf Medwedew/Putin scheint fahrt aufzunehmen. Heute in der Zeitung auf Seite 5 gefunden.

Sonntag, 3. April 2011

Das Pelmenitreffen

Vorgeschichte:

Also: es gibt bei Wikipedia eine mehr oder weniger lockere Redaktion Essen & Trinken. Also genauer: ein paar Leute, die sich regelmäßig der Themen zum Essen annehmen und versuchen sich zu besprechen. Da diese Leute recht unterschiedlichen Temperaments aufweisen, und auch verschiedene Zugänge zum Thema haben, ist das meist recht unterhaltsam.

Nun gab es die Idee mal ein Real-Life-Redaktionstreffen zu machen. So zum Reden, zum Kucken, zum Bilden, zum Fotografieren-üben, zum wasauchimmer und natürlich zum Kochen. Weil das alles etwas langwieriger in der Vorbereitung ist, und wir feststellen, dass ein Großteil der Redaktion sowieso aus Berlin kommt, haben wir uns entschlossen ein Vor-Treffen zu machen, Vorzubesprechen und natürlich zu kochen.

Für das detaillierte Vorgespräch kann man natürlich auch in der Wikipedia nachlesen.

Das eigentliche Treffen:

Der erste Gast brachte sich gut ein, indem er sehr pünktlich war, und dann gleich noch einen Kasten Bier dabei hatte. Der zweite Gast klingelte, nur um über die Gegensprechanlage zu sagen, dass er noch was besorgen müsse, und verschwand wieder für einige Zeit.

Die Küche stellte sich als groß genug für alle Anwesenden heraus, das Esszimmer auch, und auch der noch fehlende Dill ließ sich mit Hilfe des Türken um die Ecke auftreiben. Wie (fast immer) bei solchen Treffen: die bis-dato-nur-im-Netz-Bekannten sind nicht immer ganz so wie von mir erwartet, aber eigentlich immer sehr nett und sehr interessant.

Tapfere Besucher schleppten Mengen an Einkäufen die Treppen hoch. Rainer brutzelte wie ein junger Gott, Oliver streichelte den Teig aus, Dinah und Birgit falteten Pelmeni als hätten sie nie etwas anderes gemacht, Poux hat die Küche organisiert, Ralf beaufsichtigte und instruierte alles und hat nebenbei noch einen Fotokurs gegeben. Und ich hab nett Bier getrunken.

Die Teamarbeit hat super geklappt, auch auf - für 7 Personen - engeren Raum und schwierigeren Koordinationsaufgaben, stand niemand im Weg, niemand hat sich den anderen vorgedrängt, alle waren kooperativ.

Und das beste war: es hat geschmeckt. Um das ganze in Ausführlichkeit zu würdigen: es gab handgemachte Pelmeni mit Hackfleischfüllung, dazu marinierte Rote Bete, Smetana und frischen Dill, gewürzte Tomaten, und heißgeräucherte Hühnerbrust. Dazu Weißwein und Bier, zum Nachtisch noch eine Tarte Tatin.

Der weitere Abend hatte dann noch ein paar Diskussionsthemen: heißt der Gründonnerstag so, weil man da Grünzeug isst. Oder isst man an dem Tag Grünzeug, weil er so heißt? Ist die Ostberliner Verkehrsführungsphilosophie so ähnlich wie die Hamburger? Ist das Halb-Ei ein typisches Merkmal der 50er-Jahre-Architektur? Und ist die Hedwigkathedrale von innen rund? Was ist saarländischer: Schwenkbraten oder Schwenkgrill? Braucht man Latein? Gehört Hering in Königsberger Klopse? Woher kommt der Schmand? Darf man den Wodka hier und jetzt auch lauwarm trinken? Immerhin beim letzten Thema konnten wir uns auf "ja" einigen, und der Rest der Gäste ging so gegen 2 Uhr Nachts.

So gegen halb Eins hatten wir auch kurz mal schlechtes Gewissen, weil wir so wenig vorplanen. Mein Vorschlag, einfach in der Ringbahn dreimal um die Stadt zu fahren, und da dann weiterzuplanen, fand nur mäßigen Widerhall. Was bedeutet: wir brauchen ein weiteres Vortreffen. Bald. Und wer Lust auf weitere Treffen hat, sage doch einfach in der Wikipedia bescheid.

Danach:
















Das Internet hat ein Gedächtnis wie ein Sieb

Heise schreibt ein weiteres Indiz dafür, dass sich das frühe Internet ins digitale Nirwana absetzt.

Was mir ein willkommener Anlass ist, mich noch einmal über den "das Internet vergisst nichts"-Mythos zu wundern. Ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber mein Internet vergisst alles möglich. Meine Geocities-Seite: nicht mehr aufzutreiben. Meine grössten Peinlichkeiten: wenn man sehr genau weiß was man sucht, und gezielt sucht, noch geradeso findet. Flamewars von 2006: weg. Lobeshymenen von 2007: weg. Mein Internet vergisst eigentlich alles.

Freitag, 1. April 2011

Traktorgfreitag: Alles uneindeutig, Wahrheit gesucht.

Wladimir Gawriilowitsch Krikhatzkij - The First Tractor

Letztens suchte ich ja mal Informationen zur Traktoristin an sich. Das Traktoristinnen-Projekt läuft noch hinter den Kulissen, brachte mich aber am Rande eine andere Geschichte. Feli machte mich aufmerksam, dass es im sozialistischen Realismus zwar viel Feldarbeit, kaum Traktoren gäbe. Der sozialistische Realismus seit mithin zwar sozialistisch, aber nicht sehr realistisch war. Die Erkenntnis klingt kontraintuitiv, könnte aber überraschenderweise doch stimmen. Meine darauf folgende Recherche jedenfalls ist eher uneindeutig: Zwar gibt es genug Texte, die den Traktor als typisches Motiv des sozialistischen Realimus preisen, jedoch sind diese nie detailliert genug und vor allem finde ich kaum Bilder. Bis auf eines: der erste Traktor.

Der Wikipedia-Artikel nun wiederum kolportiert eine noch interessantere Geschichte:

Ein weiterer Aspekt der mit dem „ersten Traktor“ verbundenen Zeit ist, dass es in diesen revolutionären Zeiten in Mode war, seinen Kindern Akronyme als Namen zu geben, so zum Beispiel „Wladlen“ für „Wladimir Lenin“ oder „Wilor“ für „Wladimir Iljitsch Lenin – Organisator der Revolution“. Auf diese Weise entstand auch der Vorname „Dastrapertrak“ („Даздрапертрак“) mit der Bedeutung „Es lebe der erste Traktor!“ („Да здравствует первый трактор!“).


Wie es sich gehört bei solch schönen Geschichten, sie steht seit sieben Jahren im Wikipedia-Artikel, aber ohne jede Quellenangabe. Aber so schnell bin ich dann doch nicht zu schlagen: der deutsche Eintrag ist eine Übersetzung aus der englischen Wikipedia: The first tractor. Auch da fehlt leider jede Quelle. Aber es gibt einem identifizierbaren Autor: User:Altenmann. Der war immerhin mal Admin, ist also so vage generell vertrauenswürdig. Nur leider ist Altenmannmittlerweile gesperrt. Weil er anderen falschen Tatsachen vorgespielt hat. Das erhöht die Glaubwürdigkeit nicht. Und Nachfragen kann man bei gesperrten Benutzern auch nicht.

Vielleicht hilft die andere Erwähnung in der englischen Wikipedia im Artikel Eastern Slavic Naming Conventions. Schade, die hat denselben Autor, der ist immer noch gesperrt. Die Google-Suche auf deutsch oder englisch bringt nur Wikipedia-Klone, Einträge, die zeitlich weit nach dem Initialeintrag bei Wikipedia entstanden sind und einen Nachnamen. Auf Kyrillisch finde ich in books gar nicht, im normalen Google immerhin einen Treffer, Даздраперма и Лагшмивара - имена, рожденные революцией den ich mangels Russischkenntnissen nicht zuordnen kann. Wer will, mag sich jetzt etwas Akte-X-Musik vorstellen. Oder jemand fragen, der russisch kann.

Zum Trost bei all der Unsicherheit wenigstens noch etwas russisches Tractorpulling:






Sprich von Dir

Um es mal klarzustellen, ich habe schon gejammert als es die Wikipedia-Editor-Trends-Study noch gar nicht gab, jetzt aber ist Jammern ja voll mainstream.

Soweit ich sehe, gibt es derzeit zwei Problemfelder an denen verschiedene Leute etwas ändern wollen: (1) mehr Newbies anlocken, (2) mehr Oldbies behalten. Wobei (2) vermutlich wichtiger aber auch ungleich schwieriger ist. Für die Newbies gibt es schon eine ganze Menge Programme und Ansätze und so wie ich die Foundation verstande habe, steht auch ein WYSIWYG-Editor sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Das gefällt.

Beim zweiten Teil allerdings kann man wohl nur Änderungen herbeiführen, wenn man tief in die Communitystruktur eingreift. Davor schrecken Foundation und WMDE (zurecht) zurück, schafft das doch leicht mehr böses Blut als es hilft. Andererseits scheint die Community da angelangt zu sein, wo auch das deutsche Universitätswesen steht: des Problems bewusst, aber so tief in diversesten Schützengräben verbarrikadiert, dass es komplett unmöglich ist, etwas zu ändern.

Ein paar Grundideen was zu ändern wäre, gibt es seit 2005 mindestens: wir müssen freundlicher sein, geduldiger, der bürokratische Wahnsinn muss abgebaut werden etc. Klappt seit 2005 leider nicht. Immerhin: je weniger Leute da sind, desto weniger Stress und Überforderung, desto mehr Chancen mal mit etwas mehr Geduld auf andere zuzugehen.

Aber ein Artikel von Bastian Greshake (Professoren in sozialen Netzwerken), brachte mich auf eine ganz andere Idee. Der berichtet über eine Studie zu facebook (ich habe die methodisch nicht angekuckt und halte sie mal naiv für valide) und die Profile von Professoren auf facebook. Fazit:

Die Versuchspersonen, die das persönliche Profil zu sehen bekamen, bewerteten die Glaubwürdigkeit der Professorin höher, als jene Personen, die eines der beiden anderen Profile zu Gesicht bekamen. Erstaunlicherweise gab es keinen signifikanten Unterschied für das Profil, welches sowohl mit wissenschaftlichen als auch persönlichen Informationen gefüllt war.


Kompetenz durch Einkaufszettel? Geht mir zwar persönlich gegen den Strich, scheint aber in der Welt so zu funktionieren. Womit wir dann wieder beim Wikipedia/Welt-Konflikt sind. Wenn Wikipedia irgendetwas nicht möchte, dann "persönliche Profile". Für "persönliche Infos" gibt es keinerlei Hilfestellungen. In den Artikel wird militant darauf geachtet, keine Persönlichkeit einzubringen, auf Profilseiten wird schnell der Vorwurf der Selbstdarstellung laut, wenn man zuviel persönliches macht und wer gar einen größeren Anteil seiner Edits dem Persönlichen widmet wird mehr oder weniger freiwillig vor die Tür befördert werden. Alles mit der Begründung der Enzyklopädität.

Nun aber frage ich mich: ist das vielleicht tatsächlich nicht nur sozial schädlich, sondern auch der Enzyklopädität? Mindert es die Glaubwürdigkeit "da draußen", wodurch Leute wegbleiben, die wichtiges beitragen könnten? Würde es die Glaubwürdigkeit erhöhen, auf den Profilseiten keine Artikellisten zu pflegen sondern "Ich beim Baden", "Ich beim Einkaufen", "Ich in meinem Keller beim Schokoladeessen?








Ich beim Pfostenschubbern.









Und da ist der Kulturschock: ey, ich bin Nerd, ich will auf meiner Nutzerseite nur komische kryptische Angaben, die nur eingeweihten verständlich sind. Ich hasse es, mich irgendwó mit Passfoto, Lebenslauf und "ich bin der Dirk" vorzustellen. Goodbye Nerdistan?


* Frage an die Runde: gibt es eine Technik einzelne Artikel aus dem Wikipedia-Kurier sinnvoll zu verlinken?


Aprilscherz

Gibt's nicht.

Ha ha!