Posts mit dem Label Potsdam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Potsdam werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 10. Juli 2019

Die albernsten, schönsten Schwimmbad-Namen

„PotWaL“, sage ich. „Pottwal?“ Signore Kondukteur ist irritiert. „PotWaL – POTsdamer WAsserLandschaft. Der Name den fast das Potsdamer Sportbad bekommen hätte bevor es sich zum Allerweltsnamen Blu entschloss. Mit dem Namen Potwal hätte es zu solch Bädern wie dem Nautiland, dem Ronolulu, dem GochNess oder dem TuWass aufgeschlossen. Nicht Friseure sind die Meister des schlechten Wortspiels. Schwimmbadbetreiber sind es“

Eingangsbereich des Sportbads blu mit Namensmatte
In der Diskussion war PotWaL. Doch nannten die Potsdamer ihr Bad blu - leider.
Wir stehen vor dem Lidl-Zentrallager in Orion bei Kremmen. Wir haben uns erfolgreich durch den etwa zweimonatlich stattfinden Sonderverkauf geschlagen, dessen Schilder uns auf der Rückfahrt von der Hafleg herbeilockten. Jetzt stehen wir am Grill, der inmitten der weiten Landschaft aus Lagerhallen und Parkplatz, Bratwürste verkauft. .

Signore schaut in das Grillfeuer und erzählt vom Waldbrand. Er war in seinem Haus in Wochenend-West, sah vom Balkon Feuer im Wald. Vielleicht 30 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt. Die Flammen schlugen mehrere Meter hoch. Er rief die Feuerwehr an, es folgten ewige Diskussionen mit der Leitzentrale wo nun genau der Brandherd ist und wo Wochenend-West liegt. Kondukteur sah bereits das Feuer über die Kronen der Kiefern auf seine Grundstückskiefern und das Haus übergreifen, eilte zur Wegabzweigung um die Feuerwehr einzuweisen. Nur leider kam die nach gut 20 Minuten mitten durch den Wald abseits aller Wege.

„Immerhin, nur Brand im Unterholz“ - „Gut, dass ihr in Wochenend-West noch eine Freiwillige Feuerwehr habt. Stell Dir vor, sie hätte extra aus Potsdam kommen müssen.“ 

„PotWaL“ sage ich. „Pottwal?“ „PotWaL. Du hast Potsdam gesagt und ich habe diese vierköpfige Gruppe mit der schwangeren Frau und dem Typ in Bauarbeiterkleidung gesehen, die ihren Einkaufswagen mit den 12 Kartons mit aufblasbaren Walen zum Porsche geschoben haben. Da musste ich an PotWaL denken. Denn nichts ist schöner und alberner als Schwimmbadnamen.“

Die Liste der schönsten Schwimmbadnamen mit Wortspiel:


Aggua - Troisdorf (direkt an der Agger)

Alohra - Rastatt

Aquadrom – Hockenheim

Aquariush – Unterschleißheim („This is the age of Aquariush!“)

Freitag, 26. Januar 2018

Schwimmbad Potsdam: Kiezbad am Stern

Am Rande der Stadt liegt das andere Potsdamer Bad. Während das Bad am Hauptbahnhof, das Blu, der Neubau des Blus, die Diskussionen um den Neubau des Blus, die Diskussionen um den Namen des Blus und natürlich um seine Kosten und auch noch Diskussion um die Stilllegung des Bads am Brauhausbergs im Zuge des Neubaus des Blus die Öffentlichkeit dominieren, geht Potsdams zweites Bad in der öffentlichen Diskussion verloren.

Jenes andere Bad, das Kiezbad am Stern liegt im Neubaugebiet Stern, stammt aus der Endzeit der DDR und die Potsdamer bauten es mittlerweile fast bis zur Unkenntlichkeit um. Darüber hinaus handelt es sich um ein angenehmes unkompliziertes Nachbarschaftsbad zum Schwimmen.

Kunst am Bau neben dem Eingang des Kiezbads am Stern. Gehalten im Stil klassischer Ostmoderne.
Ostmoderne neben dem Eingang.


Fast hätte ich im Kiezbad den „Typ Berlin 83“ nicht mehr erkannt als ich davor stand. Dabei liegt das Bad inmitten eines typischen DDR-70er-Jahre-Stadtteils, in denen sich so gerne die Typbau-Schwimmbäder aufhalten. In unmittelbarer Nähe des Bades liegen eine Schule, eine Bibliothek, eine ehemalige Kaufhalle. Fast möchte ich sagen, „das Übliche.“

Es ist eigentümlich, wie die DDR gleichartige Stadtviertel über das Land verteilt hat. Die DDR-Bauplanung wirkt, als hätte sie immer  „Sim City“ mit „Copy and Paste“ gespielt und nahezu identische Ensembles auf weitere Wiesen fallen lassen.

Hier eine durch alle Epochen beliebtes Skulturenform auf der Wiese neben dem Bad.


Ich sehe dieses Stadtviertel. Und ich weiß, dass hier im Viertel ein Schwimmbad liegt. Dann es scheint unumgänglich, dass hier ein DDR-Typbau entstand. Die erste Ansicht des Bades allerdings ließ mich ratlos zurück: von außen sah es erst einmal nach gar keinem der üblichen Verdächtigen A, B, C oder D aus. Da war Metall, Holz, Glas, eine nur schwer auszumachende Form - wo landete ich denn hier?

Donnerstag, 10. August 2017

Schwimmbad Potsdam: Schwimmen im "Blu"

Der Laie staunt und der Experte noch viel mehr: es steht ein neues, zeitgemäßes, Bad im Großraum Berlin. Es hat nicht nur einen großen, bunten Spaßbereich, sondern auch noch ein Sportbecken im Olympiaformat.

Nachdem bisher im Berliner Raum die Fahne der Multifunktionsbäder eher schlecht als recht vom Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg und dem Turmcenter Oranienburg hochgehalten wurde, die Berliner Neubauplanungen für ein modernes Multifunktionsbad halt dort stecken wo Berliner Neubauplanungen immer stecken, springt Potsdam ein. Nahezu im Zeitplan, aufwendig, an zentraler Lage neben dem Hauptbahnhof, entstand ein neuer Schwimmtempel. Der Tempel eröffnete fast im Zeitplan und nur zwei Wochen, nachdem das Vorgängerbad schloss, im Sommer 2017.

Schimmhalle BLU, gesehen von den Fahrradständern aus.
Das BLU. Eingangsseite.


Das Blu trat dabei ein schweres Erbe an. Der Vorgänger, das Bad am Brauhausberg, gehörte zu meinen liebsten Bädern aller Zeiten.

Mittwoch, 12. April 2017

Schwimmhalle Potsdam. Schwimmen im Bad am Brauhausberg

Es ist wie im Ferienlager in der achten Klasse. Du lernst den Menschen überhaupt kennen. Denjenigen auf den Du immer gewartet hast, so schön, berauschend intelligent, witzig, voller Charme. Du bist hin und weg. Und dann erzählt der dieser Mensch: Ich fahre morgen früh; nach Hause. Auf eine Hallig. Und nächste Woche wandern meine Eltern mit mir nach Kanada aus. Wo wir 20 Jahre im Wald leben werden ohne jede Verbindung zur Außenwelt.

Was überwiegt: Freude über den Fund oder Schmerz über den Verlust?



So ähnlich geht es mir mit dem Potsdamer Bad am Brauhausberg. Diese Kurven! Diese Seele! Diese großzügige Anlage! Der 4-Meter-Abgrund am Schwimmbadboden. Die Lampen. Die unglaubliche luxuriöse Größe.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Ostmusik

Letztens stieß ich doch ein paarmal auf Musik aus Ostdeutschland. Uwe hat mich auf die Spaßcombo Possenspiel hingewiesen, die zwar so dezent-anstregende Texte hatten (lustig!), aber musikalisch auch mehr funky waren als ich der DDR je zugetraut hätte. Ich stieß auch Chicoree, die zwar musikalisch eher typischen lyrisch-melancholischen Ostrock machten, aber zumindest Preise für den genial-bescheuertsten Bandnamen bekommen sollten.

Und Marcus tadelte mich, weil mir die Dithmarscher-Erzgebirgsche Co-Produktion "Die immer lacht" - zur Zeit immerhin Platz 2 der deutschen Charts - so gar nichts sagte. Drei musikalisch ostdeutsche Entdeckungen innerhalb weniger Tage. Und das mir! Sollte ich da tatsächlich etwas übersehen haben? Sollten aus der DDR und ihren Nachfolgebundesländern musikalische Highlights hervorgegangen sein, die sich mir bisher entzogen?

Und das ausgerechnet mir, der ich ja selbst größere Teile der 90er in Leipzig verbracht habe und mich da intensiver mit Popmusik beschäftigt als je vorher oder nachher. Sollte ich nicht den kompletten 80er/90er-Kanon der sächsisch-thüringisch-brandenburgischen Musik auch nachts um drei im Schlaf können? Sollte es noch mehr geben? Habe ich bewegendes übersehen? Was gab es noch?

Musiker aus Brandenburg


Um das Thema überschaubar zu halten, habe ich versucht mich auf Brandenburg zu beschränken. Dank der Bibliothek Potsdam gibt es zum Thema eine ausführliche und fast aktuelle (September 2014) Übersicht: "Musiker aus Brandenburg. Kurzbiografien der in der Sondersammlung Musik aus Brandenburg“ der Musikbibliothek der Stadt - und Landesbibliothek Potsdam vertretenen Musiker."

Deren 65 Seiten sind nicht vollständig und haben anscheinend insbesondere was die 2000er angeht Lücken, bieten aber von Büchsenschütz, Gustav über Bach, Carl Philipp Emanuel und Paul van Dyk bis hin zu Blutiger Osten und der Fercher Obskisten Bühne doch eine große Auswahl. Was gab und gibt es denn so an Brandenburger Musik?

Chart-Fernseh-Schlager natürlich. Den lasse ich mal weitgehend aus. Der ist halbwegs bekannt und musikalisch halbwesg uninteressant - scheint zudem eher aus anderen Teilen der DDR gekommen zu sein als ausgerechnet aus Brandenburg. Der einzige Name, der mir da wirklich was sagte, war Wolfgang Lippert - nun ja. Spannender sind in der Richtung Gerhard Gundermann und Achim Mentzel, die ich jetzt aber auch für eingeschworene Westdeutsche als bekannt voraussetze.

Beat und Rock


Zu den unbekannteren Episoden der DDR-Musikgeschichte gehörte die Beat-Musik, die allerdings schon kurz nach ihrem Aufkommen wieder verboten wurde. Die Sputniks aus Berlin (1963-1966), die Butlers (1962-1965) aus Leipzig oder Scirocco (1964- ) aus Potsdam existierten zu kurz oder waren zu stark gegängelt um eine eigenen Identität zu entwickeln. Scirocco war die einzige Band, die länger existierte und für den größten Teil der Zeit haben die dann eher unerträglichen Schlager produziert. Für mich klingt das eher so als wäre die Entwicklung des Beats zusammengebrochen als die Bands noch dabei waren, englische Bands zu kopieren. Hätte was werden können, ist es aber anscheinend nicht.