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Samstag, 6. Juni 2020

Schwimmen in Schopfheim, Hallenbad Krone, Wiechs

Der soziologische Springteufel. In meinem Hinterkopf spukt er herum. Gelegentlich springt er heraus. Das Kästchen öffnet sich. Von der Feder nach oben geschleudert, drängt sich das Männchen mit roten Hörnern, langer Nase und spitzem Kinn ins Bewusstsein. Mein soziologischer Springteufel heißt Thomas Voss und lehrt an der Universität Leipzig Mikrosoziologie. Er lehrte dort schon Rational Choice Theorie und Mikrosoziologie als ich in Leipzig studierte. Mein innerer soziologischer Springteufel ist Mikrosoziologe und trägt eine Brille.

So lese ich die Artikel zu den Corona-Verschwörungsdemos. Ich wundere mich kurz „Es ist seltsam, dass die Demos je größer werden, je lockerer die Beschränkungen werden. Das ergibt keinen Sinn.“ Da springt mein innerer Thomas Voss heraus, der Springteufel, direkt in mein Gehirn und wedelt mit dem erhobenen Zeigefinger. „Ha! Das war schon immer so! Revolutionen und Aufstände brechen immer in dem Moment aus, indem der angenommen Missstand sich abschwächt. Das lässt sich per Rational Choice problemlos erklären! Das beweise ich schon seit den späten 1980ern!“

Metall-Türschild der Krone Wiechs. Klassicher Stil aus Metall mit stilisierter Krone. Der Schiftzug in Gold.
Türsschild der Krone Wiechs. Willkommen zur Hallenbad-Wellness. Mit Spätzle.


Da mir die innere Auseinandersetzung mit Rational Choice zu anstrengend ist, wandle ich zu Madame in die Kammer und rede drauflos, während sie versucht, an der Tonspur ihres neuen Screencasts zu basteln. „Weißt du was ich am IKEA-Parkplatz gesehen habe? Ein Radfahrer mit Rückspiegel am Helm. So ein MAMIL, ein MittelAlter-Mann-in-Lycra, mit oranger enger Hose, Rennrad, orangem Helm. Und am Helm ein einem Ausleger ein Rückspiegel. Etwa so groß wie ein 2-Euro-Stück. Das sah bizarr aus. Aber auch cool.“ Madame erblickt ein gefährliches Leuchten in meinen Augen. Ich ergänze: „Wie so ein kleines Horn, das spiegelt.“

Montag, 30. März 2020

Schwimmen im alten Heidbergbad Braunschweig

Leere Straßen konnte Braunschweig bereits im Jahr 2018. Eine breite Hauptstraße, gekreuzt von einer anderen Hauptstraße. Über die eine Überführung mit einer weiteren Hauptstraße führt. Inmitten dessen schlängelt sich eine Straßenbahnlinie. Die Frühlingssonne brannte mit neu gefundener Kraft auf den Beton. Ich schlenderte nach der Jules-Vernes-Veranstaltung durch die Gegend, wähne mich in einer BRD-Zeitreise. Hatte vor 20 Minuten ein 1970er/1990er-Bad verlassen. Noch erholte ich mich vom Anblick des öffentlichen Gebäudes nebenan.

Sportbad Heidberg. Glasfront des Sportbad-Teils mit emporstrebendem Dach.
Sportbad Heidberg


Von meinem Aussichtspunkt auf einem kleinen Hügel aus, wirkte es wie ein Gefängnis. Vermutlich war es eine Gesamtschule. Das angemalte Stück Berliner Mauer an der Grundstücksgrenze hätte zu beidem gepasst. Menschenleere Betongegend.

Schule Heidberg, gesehen vom Hügel nebenan. Sie ist leer.
Ist es ein Gefängns? Ist es eine Schule? Es ist in Heidberg.


Ich brachte mich zurück von den Randbetrachungen. Des Schwimmens wegen war ich gekommen. Des Schwimmens wegen im Heidbergbad.

Bei vielen Themen, über die ich im Frühjahr 2020 schreiben könnte, frage ich mich derzeit: Gibt es das in einem halben Jahr noch? Wird es relevant sein? Hier fällt mir die Antwort leichter: Das Braunschweiger Heidbergbad wird in einem halben Jahr nicht mehr existieren. Es existierte schon 2019 nicht mehr.

Freitag, 21. Februar 2020

Schwimmhalle Weinstraße Friedrichshain - verschwunden

Der Aldi. Das Handy. Der Blick. Staunend schaue ich über den Supermarktplatz. Dann wieder auf das Handy. Ich betrachte mein E-Mail-Programm. Das Friedrichshain-Kreuzberg-Museum teilt mir mit:

Sehr geehrter Herr Franke,
die Adresse Weinstr. 9 als auch die Schwimmhalle an diesem Ort existiert noch. Siehe  internet über Öffnungszeiten usw.

Nun war ich schon in der Weinstraße, hatte dort vergeblich nach einem Bad gesucht. Aber ich kann mich irren. Immerhin hatte ich mich an das Museum gewandt, da ich auf seine Kompetenz vertraute. Wieder radle ich aus Schöneberg Richtung Volkspark Friedrichshain und durchstreife dessen südliche Randbebauung.

Ich stehe in der Weinstraße, dort wo das Schwimmbad einst war – und sehe einen Aldi. Sein Parkplatz spärlich gefüllt, der Aldi-Bau ein Standardbau in einem Dunkelbraun, das kein Mensch je brauchte. Kein Schwimmbad, nicht einmal ein umgenutzter Schwimmbadbau.

Blick gegen die Sonne auf den Aldi in der Weinstraße Berlin-Friedrichshain. Der Parkplatz ist leer.
Weinstraße 9. Ein Parkplatz. Ein Aldi. Kein Schwimmbad.


Das Bad bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Meine über lange Jahre Wikipedia antrainierten Internet-Recherchefähigkeiten erbrachten nichts zu „Öffnungszeiten“ usw. Das Bad ohne Spuren, ohne Hinweis. So unauffällig und spurlos verschwand es, dass das Friedrichshain-Kreuzberg-Museum knapp 20 Jahre später nicht bemerkt hat, dass die Schwimmhalle nicht mehr steht.

Ich schiebe mein Fahrrad durch die umliegenden Straßen. Ich entdecke ein Ostalgie-Restaurant, ein christliches Hilfswerk, eine Privatschule und eine Gedenkstätte für das Frauengefängnis Barnimstraße. Ein kleiner Hinweis auf das Ex-Schwimmbad steht dort: An der anderen Seite der Kreuzung steht eine Sporthalle mit VT-Falte, die dem typischen Dach der Ostmoderne.

DDR-Sporthalle in der Weinstraße Friedrichshain.Graffitti-übersäht. Die Merkmale der Ostmoderne im Bau sind zu erkennen.
Sporthalle nahe der Weinstraße. Ein letzter Hinweis.


Ist es das Schwimmbad? Nein. Wurde es gleichzeitig mit diesem gebaut? Vermutlich.

Basketball ist nicht schwimmen. Ich schiebe das Rad nach Norden. Setze mich an Ludwig-Hoffmanns-Märchenbrunnen. Ich sinniere dem Hallenbad hinterher. Anfang der 1970er-Jahre. Das verschwundene Schwimmbad Weinstraße ist nicht eines. Es ist das DDR-Typenbau-Schwimmbad. Das erste Bad des Typs C – des lichtdurchfluteten Barcelona-Typs. Hier wurde er entwickelt, setzte die lange Tradition Friedrichshains als Schwimmbad-Pionier fort. Nie waren die Dachwellen mutiger, nie die Flächen geräumiger. Nie gab es mehr Licht. Nie vermochte es sich ein DDR-Typenbau mehr aus der Grundpiefigkeit seines Staates zu lösen.

In der Weinstraße begann die Geschichte von Typ C. Und es verschwand spurlos. Im Jahr 2000 endete dort der öffentliche Badebetrieb. 2001 schwamm zuletzt ein Vereinssportler im Becken. 2002 wurde die endgültige Schließung offiziell. Zwischen 2002 und 2008 kamen die Abrissbagger.

Chronologie eines Verschwindens

Montag, 27. Januar 2020

Schwimmen, plantschen und lesen in der Fontane-Therme Neuruppin

Hchuuuu- platsch- hchuuuuu – platsch. Er erreicht meine Ohren, dieser unverkennbare Sound des Delphin-Schwimmens. Oberkörper aus dem Wasser wuchten, nach vorne durch die Luft werfen – hchuuu – und mit dem ganzen Körper zurück ins Wasser – platsch. Ungläubig senke ich das Buch, rolle mich im Bademantel ein Stück nach links und linse ins Wasser. Hchuuuu – Platsch. Unverkennbar. Eine Frau schwimmt Delphin. Beziehungsweise schwimmt sie den Stil nicht mehr. Nach einer Rollwende krault sie im formvollendeten Freistil davon.

Ich bin überrascht. Und auch wieder nicht. In der Fontane-Therme kann der Besucher im Morgenmantel auf dem Liegestuhl lümmeln, Juan Morenos „1000 Zeilen Lüge“* lesen und an Cocktails denken (ich). Oder die Besucherin kann Delphin schwimmen (sie).

Die Fontane-Therme im Resort Spa Hotel Mark Brandenburg vermarktet sich nicht als Sportbad. Bei Weitem nicht. Das Wort „Sport“ wirkt in diesem Umfeld ähnlich passend wie eine Kettensägen-Schnittschutzhose. Die angestrebte Stimmung ist „Sole-Schwebebecken bei leiser Musik.“

Nachts auf dem Weg zur Fontanetherme. Der Gang zwischen Hotel und Therme ist beleuchtet.
Auf dem Weg zur Fontanetherme.


Aber Sport funktioniert. Das Becken ist tief genug (1.30m) und lang genug (25 Meter), um ernstlich darin zu schwimmen. Dank etwas, dass die Therme „Wohlfühldichte“ nennt und das faktisch einen frühzeitigen Einlassstopp bedeutet, bleibt genug Platz zum schnellen Vorankommen. Zumal die anderen Anwesenden sich auf Seesauna, Bibliothek, Solebecken und Bistro verteilen.

Sonntag, 17. November 2019

Schwimmbad Quartett Berlin - die fehlenden Karten

50 Meter schlägt 25 Meter. Ein 10-Meter-Sprungturm ist besser als keiner. Aber welcher Ortsteil ist cooler? Märkisches Viertel oder Wuhlheide? All' dies kann der Spieler erfahren beim Spielen des Schwimmbadquartetts.

Im Sommer erschien bei der Zitronenpresse das erste Schwimmbadquartett der Welt. Damit existiert das ultimative Kurznachschlagewerk zu den Hallenbädern in Berlin:

Das Schwimmbadquartett.

(Das Ihr gerne beim Verlag - info@zitronenpresse.info - oder im kompetenten Buchhandel bestellen könnt und sollt. Weihnachten ist nahe und ihr alle kennt Schwimmer*innen.)

Das Quartett erzeugt in mir Glück. Es hatte einen entscheidenden Nachteil: Ein Quartett hat 32 Karten. In Berlin stehen mehr als 32 öffentliche Hallenbäder.

Zitronenpresse liefert im Blog nach. Die fehlenden Karten. Mit den Bädern: Baerwaldbad, Kombibad Gropiusstadt, Kombibad Seestraße, Schwimmhalle Thomas-Mann-Straße, Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz, Schwimmhalle Allendeviertel, Schwimmhalle Hüttenweg, Sportzentrum Siemensstadt und Zehlendorfer Welle.

Quartettkarte Baerwaldbad.

Ist es überhaupt geöffnet? Oder versucht es sich gerade wieder als Eventlocation? In all' den Jahren gelang es mir nie, das Bad von innen zu sehen.

Freitag, 30. August 2019

Friesenstadion im Friedrichshain: DDR-Rekord-Schwimmbad, Ruine, Erinnerung

Der Mann. Der Sand. Das gelbe Band. Während ich langsam mein Fahrrad das Oval des Neuen Hains im Volkspark Friedrichshain entlang schiebe, kniet ein Mann im Sand der Grube. Dort, wo vermutlich einst das Schwimmbecken des Karl-Friesen-Stadions war, ist ein Loch. In dem Loch liegt eine Sandkiste. Sie soll ein Beachvolleyballfeld darstellen. Nur fehlen dafür ein Netz und Linien und alles Andere außer Sand.


Blick aufs Karl-Friedrich-Friesen-Stadion in den 1950ern. Mit Sprungbecken, Sprungturm und gefüllter Tribüne.
Das Friesenstadion kurz nach dem Bau, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-M0206-0371 / Otto Donath / Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany
Vielleicht möchte der Mann beachvolleyballerisch tätig werden. Aber bisher kniet er. Ich setze mich auf eine Bank, esse den mitgebrachten Apfel und erhole mich vom Anstieg auf die Friedrichshainer Anhöhen. Warum komme ich immer nur bei über 30 Grad auf die Idee von Schöneberg nach Friedrichshain zu radeln? Auf dem Weg vom Badeschiff an der Spree zu den ehemaligen Wein- und Trümmerbergen unter dem Volkspark entdeckte ich die „Mühsamstraße.“ Der kleine Anarchist in mir freute sich. Der durchgeschwitzte Radfahrer freute sich auch.

Lageplan Neuer Hain m Volkspark Friedrichshain.Unter Graffitti kaum zu erkennen.
Lageplan des Neuen Hains. In ortstypischem Zustand.


Einige Jugendliche schlendern vorbei.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Die albernsten, schönsten Schwimmbad-Namen

„PotWaL“, sage ich. „Pottwal?“ Signore Kondukteur ist irritiert. „PotWaL – POTsdamer WAsserLandschaft. Der Name den fast das Potsdamer Sportbad bekommen hätte bevor es sich zum Allerweltsnamen Blu entschloss. Mit dem Namen Potwal hätte es zu solch Bädern wie dem Nautiland, dem Ronolulu, dem GochNess oder dem TuWass aufgeschlossen. Nicht Friseure sind die Meister des schlechten Wortspiels. Schwimmbadbetreiber sind es“

Eingangsbereich des Sportbads blu mit Namensmatte
In der Diskussion war PotWaL. Doch nannten die Potsdamer ihr Bad blu - leider.
Wir stehen vor dem Lidl-Zentrallager in Orion bei Kremmen. Wir haben uns erfolgreich durch den etwa zweimonatlich stattfinden Sonderverkauf geschlagen, dessen Schilder uns auf der Rückfahrt von der Hafleg herbeilockten. Jetzt stehen wir am Grill, der inmitten der weiten Landschaft aus Lagerhallen und Parkplatz, Bratwürste verkauft. .

Signore schaut in das Grillfeuer und erzählt vom Waldbrand. Er war in seinem Haus in Wochenend-West, sah vom Balkon Feuer im Wald. Vielleicht 30 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt. Die Flammen schlugen mehrere Meter hoch. Er rief die Feuerwehr an, es folgten ewige Diskussionen mit der Leitzentrale wo nun genau der Brandherd ist und wo Wochenend-West liegt. Kondukteur sah bereits das Feuer über die Kronen der Kiefern auf seine Grundstückskiefern und das Haus übergreifen, eilte zur Wegabzweigung um die Feuerwehr einzuweisen. Nur leider kam die nach gut 20 Minuten mitten durch den Wald abseits aller Wege.

„Immerhin, nur Brand im Unterholz“ - „Gut, dass ihr in Wochenend-West noch eine Freiwillige Feuerwehr habt. Stell Dir vor, sie hätte extra aus Potsdam kommen müssen.“ 

„PotWaL“ sage ich. „Pottwal?“ „PotWaL. Du hast Potsdam gesagt und ich habe diese vierköpfige Gruppe mit der schwangeren Frau und dem Typ in Bauarbeiterkleidung gesehen, die ihren Einkaufswagen mit den 12 Kartons mit aufblasbaren Walen zum Porsche geschoben haben. Da musste ich an PotWaL denken. Denn nichts ist schöner und alberner als Schwimmbadnamen.“

Die Liste der schönsten Schwimmbadnamen mit Wortspiel:


Aggua - Troisdorf (direkt an der Agger)

Alohra - Rastatt

Aquadrom – Hockenheim

Aquariush – Unterschleißheim („This is the age of Aquariush!“)

Dienstag, 25. Juni 2019

Hallenbad Frankfurt-City. Schwimmen im Stadtbad Mitte.

In Frankfurts Mitte steht ein Geheimbad. Noch innerhalb der Wallanlagen liegt ein öffentliches Hallenbad. Allerdings weiß niemand davon. Denn, was ein öffentliches Bad ist, tarnt sich als Fitnessclub.

Blick auf das Stadtbad von den Wallanlagen aus. Zwei Fahrräder im Vordergrund.
Stadtbad Frankfurt Mitte. Von den Wallanlagen aus ist noch die ursprüngliche Schwimmbadform erkennbar.
 
„Yalla. Meine Cousine hat Nagelstudio wo sie so nach Hause kommt. Hat lauter Russen als Kunden, die die Klappe halten. Yalla, warum soll sie dem Staat sagen?“ Ich sitze vor auf der Bank im kleinen Park vor dem geschlossenen Stadtbad Schöneberg in Berlin und höre die örtlichen Geschäftsnachrichten. Voller Enthusiasmus war ich zur benachbarten Bibliothek gefahren, Carmen Rohrbachs „Solange ich atme“ abholen.

Natürlich schaute ich nicht nach den Öffnungszeiten. Um 10.30 Uhr vormittags wird eine öffentliche Bibliothek ja wohl geöffnet haben. Oder auch nicht. Nun also sitze ich auf der Bank zwischen Bibliothek und Schwimmbad, warte auf eine Bibliothekarin, die mir die Tür öffnet und erkläre im Fünf-Minuten-Takt enttäuschten Familien, dass das Stadtbad Schöneberg bis November 2019 geschlossen sein wird. Und, Yalla, erfahre mehr über nagelpflegende Cousinen und ihr Geschäft als ich je wissen wollte.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Vom Versuch, das Quartett „Schwimmbäder in Berlin“ über amazon zu verkaufen.

Samstagabend. Die Dunkelheit hat bereits eingesetzt. Ich stehe auf dem Weg zum Branle-Tanzen auf einer Hauptverkehrskreuzung in Berlin-Zehlendorf. In der Hand trage ich den Liter Milch, den ich noch gerade vor Geschäftsschluss aus der BioCompany holen konnte. Das Handy klingelt. Ich schaue einhändig balancierend auf die Anzeige. Das Gerät zeigt eine 09er-Vorwahl. Bayern? Thüringen?

Kurz gehe ich in mich: Kenne ich eine Person in Thüringen-Bayern, die mich samstagabends anrufen würde? Nein. Also nehme ich das Gespräch an. Um mich herum rauschen die BVG-Busse. Mädchen, die noch schnell zum bald schließenden Papiergeschäft wollen, unterhalten sich.

Einige Spielkarten des Quartett Schwimmbäderin Berlin. Unter anderem mit der Schwimmhalle Finckensteinallee und dem Stadtbad Prenzlauer Berg.
Schwimmbäder in Berlin. Die Quartettkarten.

Etwas redet im Telefon auf mich ein. Ich verstehe kein Wort. Bin mir nicht einmal sicher, welche Sprache die Person spricht. Deutsch? Kann nicht sein. Englisch? Auch dann müsste ich einzelne Wörter erkennen. Ich versuche, den Anrufer loszuwerden. Der allerdings insistiert und scheint mich persönlich sprechen zu wollen.

Inzwischen habe ich die Kreuzung verlassen, bin in einen nahe gelegenen Arkadengang geflüchtet. Der Anrufer redet weiter auf mich ein. Das Wort „Amazon“ mache ich aus. Sein Gespräch soll wohl deutsch sein. Ich beginne zu ahnen, worum es geht.


Dienstag, 7. Mai 2019

Stadtbad Neukölln: Schwimmen im Hallenbad Ganghoferstraße

Die Neuköllner Karl-Marx-Straße. Knapp 3000 Meter Neukölln zwischen Hasenheide und Ringbahn. Erreichbar nach einer steilen Fahrradabfahrt den Rollberg vom berüchtigten Rollbergviertel aus hinunter. Die Karl-Marx-Straße: der Ort, an dem Neukölln sich so zeigt, wie Westdeutsche und Sachsen sich den Stadtteil vorstellen: Dönerladen, Pfennigland, Handyshop, Friseur, Kleiderladen, Friseur, Handyshop. Bei Stadtplanern heißt diese Mischung „kleinteilige migrantische Ökonomie“. Stadtplaner lieben diese Mischung nicht, denn die Läden machen wenig Umsatz, werfen kaum Gewinne ab.

Willkommen im Stadtbad Neukölln


Die Monumentalbaustelle, die seit Jahren die Straße auf und ab wandert, verstärkt den Eindruck von Enge und Lärm gekonnt. Entlang der Straße drücke ich mich inmitten von Menschenmengen an größeren Handyshops vorbei; echte Flagshipstores. Sie breiten sich auf mehreren hundert Quadratmetern aus, werden betrieben von o2 und unbekannten Anbietern.

Gelegentlich wagt sich zwischen Dönerläden und Pfennigländern ein Hipstereinsprengsel hervor. Handgemachte Burger vom Biorind werden angeboten, ethisch wertvolle Cafés für Betriebsfeiern werben für sich, Und natürlich existieren auch Handyläden für Hipster. Der Handyladen – ein Ort mit dem vermutlich alle Neuköllner vom kleinteiligen Migranten bis zum großspurigen Hipster etwas anfangen können.

Zentral der Karl-Marx-Straße, nicht weit entfernt vom ehemaligen Böhmisch-Rixdorf, biege ich ab in die Ganghoferstraße. Links: ein Gebäude, das aussieht wie der verramschte Überrest eines 70er-Jahre Miniatureinkaufszentrums/Parkgarage/Sozialwohnungsbau. Gegenüber: ein wilhelminischer Prachtbau mit Hundert-Meter-Fassade. Säulen, Steine gravitätische Fassaden: Als wäre ein Stück Museumsinsel irrtümlich zwischen die Handyläden gebeamt. Willkommen im Stadtbad Neukölln. Das Bodemuseum von Neukölln mit Schwimmhallen.

Zur Bauzeit war das Schwimmbadumfeld parkähnlich. Heute parkhausig.


Mittwoch, 17. April 2019

Alte Bäder Baerwaldstraße, Oderberger et cetera. Die Schwimmbäder Ludwig Hoffmanns.

Wir laufen durch die Straßen des Weddings. Madame, einige Wikipedianer und ich: auf Stadterkundung durch Berlin. Dr. Fieselschweif stupst mich an:

„Schau mal die Schule! Ein Hoffmann-Bau!“ 

Ich bleibe mäßig interessiert.

Dr. Fieselschweif setzt nach: „Interessierst Du Dich nicht für Architektur?“

Ich nehme mich zusammen. Verkneife mir das

„Ich interessiere mich für Architektur. In Berlin stehen Bauten, vor denen könnte ich auf die Knie sinken. Aber Hoffmann baute langweiligen Historismus.“

Aber ich bleibe nett. Abgesehen von seinem Architekturgeschmack ist Dr. Fieselschweif ein Netter.

Berlin. Der Bär. Das Bad Ludwig Hoffmann. Eine Trias, die zusammengehört. (Hier: das Baerwaldbad)


Sei es, dass Dr. Fieselschweif lang genug stupste. Sei es, dass Hoffmann - als Architekt zum Beispiel des Baerwaldbads oder des Oderberger Bads - beim Thema der Berliner Schwimmbäder unausweichlich ist – irgendwann beschloss ich mein Wissen zu erweitern: Die Verkörperung wohlanständiger Langeweile kann nicht alles sein, was es zu Hoffmann zu wissen gibt. Längere Recherchen und einen geschriebenen Wikipedia-Artikel später weiß ich:

Samstag, 16. Februar 2019

Das Schwimmbadquartett ist erschienen

Bei Zitronenpresse / Verlag Dirk Franke erscheint MEIN SCHWIMMBADQUARTETT. Jetzt käuflich.

Für weitere Informationen geht es hier zu Schwimmbäder in Berlin. Ein Quartett.

Schwimmbäder in Berlin. Ein Quartett.
 

Sonntag, 27. Januar 2019

Schwimmbad Braunschweig: Schwimmen im Bürgerbadepark

Schrieb Jules Vernes von Schwimmbädern? Verfasste der französische Reiseschriftsteller und Proto-SciFi-Autor Romane über das gewöhnliche Hallenbad? Es wäre möglich. Verne griff technische Trends der Zeit auf, in der er lebte. In Vernes Zeit waren Hallenbäder eben nicht gewöhnlich. Im 19. Jahrhundert waren HallenbäderHigh-Tech. In Vernes Lebenszeit von 1828 bis 1905 wurde das moderne Hallenbad erfunden. Und dennoch existiert kein Wort des Franzosen zum Thema.

So musste ich mich von der Wikipedia-Jules-Verne-Tagung, die mich nach Braunschweig geführt hatte, in der Mittagspause davonschleichen, um ein historisches Bad zu sehen, das noch fast in Vernes Zeit entstand. Das ehemalige Stadtbad Braunschweig, heute Bürgerbadepark, gehört mit seiner Eröffnung 1932 zu den ältesten Bädern Deutschlands.



Fassade des in der Weimarer Republik gebauten ehemaligen Stadtbads Braunschweig, heute Bürgerbadepark. Im strahlenden Sonnenschein.
Bürgerbadepark, Hauptfassade

Vieles, was Verne im 19. Jahrhundert beschrieben hatte, war noch ferne Science Fiction zu der Zeit des Stadtbads Eröffnung. Die Eröffnung des Bades lag zeitlich näher an Vernes Todestag als an der ersten Mondlandung.

So also begab ich mich den kurzen Weg in strahlendem Sonnenschein durch die Braunschweiger Parklandschaft am Flüsschen Oker. Blumen blühten, der Himmel hatte sein schönstes Blau aufgezogen. Durch die Parks radelten und liefen die Menschen. Auf der Oker ruderten Braunschweiger.

Bürgerpark Braunschweig. Mit Radlerin und blühenden Blüten an einem sonnenreichen Frühlingstag.
Bürgerpark Braunschweig


So stand ich dann vor dem Bad. Und war mit einer schwierigen Frage konfrontiert:

Sonntag, 9. Dezember 2018

Wasserwelt Langenhagen: Schwimmen im Hallenbad bei Hannover


In Langenhagen stand das ultimative Schwimmbad. Nicht, weil es größte, bunteste oder schönste Schwimmbad war. Obwohl dieses Bad groß, lichtdurchflutet und für seine Zeit ein echtes Prachtbad war. Sondern schlicht und einfach, weil ich im alten Langenhagener Bad schwimmen lernte. Für mich wird dieses Bad immer das ultimative Bad bleiben.

Dort verbrachte ich meine kurze aber ereignisreiche Zeit im Schwimmverein, sprang das erste Mal im Leben vom 3-Meter-Brett, holte meine einzige Ehrenurkunde jemals bei Bundesjugendspielen.

Das ehemalige Schwimmbad Langenhagen (geschlossen und abgerissen 2003). Foto: Holger Finck
Natürlich ist es alleine deshalb für mich das beste Bad aller Zeiten und aller, die noch kommen werden. Aber ausgehend von meinen Erinnerungen an eine hohe lichtdurchflutete Halle, mehrere Becken und eine Wasserrutsche(!) Anfang der 1980er war es auch objektiv ein gutes, schönes Bad seiner Zeit. Dem ist nicht mehr.so In dem was Zeitzeugen eine „Nacht- und Nebel-Aktion“ nennen, wurde das Bad 2003 plötzlich abgerissen.

Ein Nachfolgebau, die Langenhagener Wasserwelt, ließ bis 2017 auf sich warten. Der Bau entstand ab 2016 und sollte den ersten Planungen zufolge 27 Millionen Euro kosten, die das kleine Langenhagen tatsächlich im Haushalt fand, ohne zusätzliche Kredite aufzunehmen.

Das Bad wurde als Freizeitbad konzipiert, weil es Hannover ähnlich wie Berlin geht: die Stadt ist vollkommen damit ausgelastet, die alten Bäder von vor 1990 am Leben zu erhalten, so dass und weit kein Spaßbad oder eine Therme in der Stadt existiert. Alle Bäder, die vage in die Richtung Erlebnisbad zielen, liegen im Umland.


Langenhagener Wasserwelt (eröffnet 2017)

Aber nun ist das Bad da. Und ich bin auch da: Hoffnungsfroh und ängstlich. Was würde mich erwarten? Die Fahrt durch Langenhagen selbst beginnt wenig ermutigend. Die Walsroder Straße, die wir aus dem Norden entlang kamen, sah schon deutlich bessere Zeiten. (*)

Sonntag, 28. Oktober 2018

Stadtbad Prenzlauer Berg. Schwimmen im Schwimmbad Oderberger Straße.

Szene Eins: Ich, halbnackt in einer engen Sammelumkleide stehend. Ein Klopfen an der Tür, ein Ruf „Housekeeping“. Und bevor ich mich versehe, steht eine jüngere Frau in schwarzem Kleid mit einer weißen Rüschen-Schürze mit mir in der Kabine.

Szene Zwei: Drei Menschen schwimmen ihre Bahnen. Die beiden Anderen bewegen sich sportlich ambitioniert. Ich als Dritter bin zumindest am Schwimmen. Plötzlich stapft ein Trupp von zwei Männern und einer Frau, alle Mitte in 20 - in voller Straßenkleidung mit Rucksack ins Bad, läuft am Beckenrand entlang und verschwindet an der Rezeption.

Für seine Bauzeit ist das Stadtbad spärlich verziert. Die vorhandene Verzierung aber rockt.

Szene Drei: Ein Bad, das immer mal wieder als „das schönste Bad Berlins“ in der Zeitung erscheint. Ein Bad, das kaum mehr Eintritt kostet als ähnliche Bäder in Neukölln oder Charlottenburg. Es ist Nachmittags, im Prenzlauer Berg rund um das Bad herrscht großen Gewusel auf den Straßen. Und das Bad ist leer. Es ist komplett leer. Ich bin allein.

Szene Vier: ein Herbstvormittag mitten in der Woche. Angesichts meiner bisherigen Besuche rechne ich mit einem leeren Bad und leeren Bahnen. Denkste! Plötzlich sind fast 20 Menschen in dem nicht allzu großen Becken. Vor Schreck laufe ich fast rückwärts gegen die Tür Wo kamen die her?

Hier geht es hinein ins Stadtbad Oderberger.

Willkommen im Stadtbad Oderberger Straße. Willkommen im Bad der Wunder.

Donnerstag, 9. August 2018

Freibad Gesundbrunnen: Schwimmen im Sommerbad Humboldthain

Sommerbad Humboldthain bei 30 Grad: dat is Wedding, wa, wie er lebt. Das pure Leben - geordnet, betont und ermöglicht durch die perfekte Anlage des Sommerbads Humboldthain.

Sommerbad Humboldthain, 20 Grad: was für eine Tristesse.

Jedes Freibad hat seine 30-Grad-Geschichte und seine 20-Grad-Geschichte. Selten aber klaffen sie so weit auseinander wie hier im Gesundbrunnen.

Aber der Reihe nach.

Berlin-Gesundbrunnen. Der Stadtteil, in dem ich aus der S-Bahn steige, und schon sehe ich kleine Mädchen in Adiletten, an der Leine eine Kreuzung aus Husky und Rottweiler, die dem Mädchen bis etwas über den Bauchnabel reicht. Das ist Gesundbrunnen, der Teil von Wedding, der sich starke Mühe gibt, jedem Wedding-Klischee zu entsprechen.



Das Sommerbad selbst liegt im Humboldthain: einem ehemaligen botanischen Park, der dann Flakbunker wurde, dann Trümmerberg, dann Volkspark und mittlerweile so eine Art verwilderter Wald mit Graffiti, Schildern und Müll ist.

Das Sommerbad entstand im Übergang der Phasen "Trümmerberg" und "Volkspark" anfang der 1950er. Es liegt in einer Landschaft, die ganz geschickt mit den Niveau-Unterschieden der Gegend spielt. Die Planer orientierten sich offenbar am 30-Jahre-älteren Sommerbad am Insulaner: die Aufteilung und das Raumgefühl der beiden Bäder ähneln sich.

Bekannte Elemente aus dem - gleichzeitig mit dem Bad am Humboldthain vom selben Architekten gestalteten - Sommerbad Wilmersdorf erkenne ich auch: Die Hecken, das prachtvolle Blumenbeet am Eingang, die weite und luftige Gestaltung der Liegewiesen.

Und dann kamen die Achtziger: und ich weiß nicht, wen sie mit der Planung beauftragt haben und wie oft sie zwischendurch die Bauplanung wechselten. Ich bin verwirrt. Aber das waren die Gestalter anscheinend auch.

Freitag, 20. Juli 2018

Sommerbad Rixe: Schwimmen im Freibad Mariendorf

Im Volkspark Mariendorf existiert ein Bad fast nicht. Es liegt im Park. Es ist schön, Es hat Charme. Es liegt inmitten einer zauberhaften Umgebung. Jedoch lässt es nur selten Besucher herein.

Die wenigen Menschen, die von seiner Existenz wissen, verwechseln das Bad im Park oft mit dem größeren und neueren Bad nebenan, das viel länger geöffnet hat. Willkommen im Sommerbad Mariendorf, dem charmanten Freibad im Zwielicht seiner Schattenexistenz.

Ich könnte stundenlang davor sitzen und es einfach nur anhimmeln.


Diejenigen, die das Sommerbad kennen, vergleichen es innerlich schnell mit dem ähnlich aussehenden, gleich alten, aber größeren, schickeren und besser gepflegten Bad im Nachbarbezirk.

Willkommen im Sommerbad Mariendorf, dem unverdienten Aschenputtelbad am Rande des Volksparks. Ausgestattet ist das Freibad mit dem liebevollen Charme des Underdogs, der historischen Authentizität, die nur lange vernachlässigtes aufweisen kann und dem traurig-schönsten Brunnen der Berliner Bäder.

Freitag, 8. Juni 2018

Erstes Freibad Berlins: Deutsches Stadion

Ein Mann steht vor mir. Ein braungebrannter, brustbehaarter älterer Herr lehnt sich an die Tribüne des Olympiabads, ein bisschen rundlich, aber darunter sind noch Muskeln zu erkennen. Um den breiten Hals liegt ein Goldkettchen. Die Badehose scheint mir rosa-bunt zu sein. Ich denke „West! West! West-Berlin!“.  Dabei bin ich doch im äußersten Westen der Stadt angekommen, um Spuren eines alten Gesamtberlins zu finden. Als ein Besuch im Freibad noch nicht bedeutete, ältere Herren lässig lehnend zu treffen, sondern:

„Lachende Jugend darin. Gebräunte Gestalten überall bei fröhlichem Tummeln; heiteres bewegtes Treiben – und doch liegt Ernst im Spiele.“

Hier im Westend, neben dem heutigen Olympiastadion, steht der Rest des ersten Berliner Freibads überhaupt: eine Säulenreihe in antiker Anmutung. Weil Säulenreihen noch nie typische Freibadbauten waren, wird deutlich, dass jenes erste Bad kein normales Freibad war.

Das Bad. Gut zu erkenne die Säulenreihe, durch die die Athleten kamen. Ausschnitt aus A Deutsches Stadion megnyitó ünnepsége 1913. június 8-án. Fortepan 86192.jpg . FOTO:FORTEPAN / Schmidt Albin Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported


In Berlin stand einst ein Freibad mit 100-Meter-Becken und einem 10-Meter-Sprungturm. Im Becken schwammen Karauschen und andere Fische, die das Wasser säuberten. Dieses 100-Meter-Bad, mit mehreren Tausend Tribünenplätzen, war nicht etwa der Endpunkt einer langen Entwicklung, sondern das erste Sommerbad(*), das je in Berlin gebaut wurde! Willkommen zum Bad im Deutschen Stadion.

Das Bad war das größte Freibad, das Berlin je hatte. Gebaut und geplant ohne großartigen Erfahrungen mit dem Bau einer solchen Anlage und eigentlich auch eher als „Beiwerk“ eines größeren Stadions. Letztlich erwies es sich wie das gesamte Stadion als wenig anforderungsgerecht und sollte bereits 21 Jahre nach seiner Eröffnung durch einen neuen Bau ersetzt werden.

Freitag, 4. Mai 2018

Schwimmen Berlin: Strandbad Wannsee

Mein erstes Berliner Bad. Das Strandbad Wannsee war nicht das erste Bad, das ich besuchte, oder auch nur das erste, das ich sah. Aber es war das erste Bad, dessen Namen ich kannte. Denn natürlich hatte ich damals schon den Schlager gehört; den Conny-Froboess-Badehosen-Schlager. Nicht, dass ich sicher wusste, dass dieser Wannsee überhaupt in Berlin lag. Sicher hätte ich keine Ahnung gehabt, dass der See eigentlich eine Bucht der Havel ist – oder dass ich gewusst hätte, was die Havel ist. Und ganz sicher wäre mir nicht im geringsten bewusst gewesen, dass hier eine Architekturikone der Moderne steht. Das Bad verkörpert den radikale Bruch mit dem betulichen Hoffmann-Stil der Berliner Stadt, hin zum Anspruch eine Weltstadt zu sein.

Blick vom Höhenweg auf das Sonnendeck eines der Bauten. Weiter hinten der über einen Steg erreichbare Aussichtturm für die Rettungsschwimmer.


Das Wannseebad – ein Bad zwischen Symbol und echter Badeanstalt. Wenn es auch eher Symbol ist für die 1950er und West-West-Berlin in seiner fröhlichen Sommerfrische als für die 1920er und den gescheiterten Aufbruch. Ein Symbol ist es aber, das zum Glück aber jedes Jahr durch hunderttausende Besucher fest im hier und jetzt verankert wird.

Freitag, 27. April 2018

Wasserball gegen Homophobie. SG Regenbogen Neukölln und der SSV Esslingen.

Man stelle sich die Szene vor: Hertha BSC spielt das letzte Spiel der Saison in Solidarität gegen Homophobie in Regenbogenhosen und Trikots. Der Mannschaftskapitän kann leider nicht mitspielen, weil er sich beim Aufhängen der Regenbogenfahne im Stadion verletzt hat. Und im Café verkauft derweil ehrenamtlich Bayern München Solidaritätsbier für einen Euro.

SG Neukölln vor dem Spiel


Klingt absurd – ginge es um Fußball. Absurd ist das aber nicht im Wasserball. Denn so ist es geschehen. Nur spielte nicht Hertha BSC, sondern die SG Neukölln. Und das Bistro besetzte nicht Bayern München, sondern die Wasserfreunde Spandau 04. Wobei Spandau 04 sehr viel erfolgreicher spielt als Bayern. Und das ganze trug sich nicht im Olympiastadion zu, sondern in der Allianz-Arena des Berliner Wassersballs: der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg.


Im Spiel. Angriff auf das Neuköllner Tor.

Zum ersten Mal beim Wasserball


Ich habe in meiner Kindheit im Verein geschwommen und war gar nicht so schlecht. Ich habe dann in meiner Jugend nicht nur American Football, sondern auch Handball gespielt und war immerhin einst  Kreismeister im Kleinfeldhandball im Landkreis Hannover. Die logische Verbindung aus Handball und Schwimmen – Wasserball - ignorierte ich bis zu diesem Tag.