Samstag, 4. September 2021

Traktorfreitag: Wahlen

Letzte Woche packte mich die Abenteuerlust. Mit dem Fahrrad begab ich mich auf fremdes Territorium. Ich überschritt die Bezirksgrenzen von Tempelhof-Schöneberg und wagte mich in das weite Berlin hinaus. 

Wie stets bei diesen kleinen Urlaubsfahrten nach Berlin stellte ich fest: als radelnder Mensch ist die Bezirksgrenze auffällig. Stets werden die Radwege besser, ihre Kennzeichnung deutlicher und der Straßenraum fairer geteilt. Dann komme ich wieder nach TS zurück und erlebe die Utopie der autogerechten Stadt - nur halb verfallen und nie umgesetzt. 

Da wir Bund, Stadt und Bezirk wählen, fragte mich Madame, ob man nicht einfach den ADFC direkt wählen kann? Und man kann: Saskia Ellerbeck, Grüne Spitzenkandidaten hat im Lebenslauf: " Leiterin des Bereichs Wissensmanagement und zentrale Prozesse beim ADFC Bundesverband" Das nenne ich für den Bezirk die bestmögliche Empfehlung.

Gegenüber meinen sonstigen Überzeugungen habe ich bereits briefgewählt - vor allem, weil ich als Wahlhelfer in einem anderen Wahllokal als dem Meinen eingesetzt bin und ich dieses Wahlscheingedingse das sonst auch mich und die anderen Wahlhelfenden zukäme, eher ansträngend fände. 

Ich weiß nicht, ob ich die Wahlkampf-Wahrnehmung nach der Stimme jetzt mehr oder weniger anstrengend finde. Diesmal beeinflusste er sogar meine Wahlentscheidung, dieses Anti-Grüne-anti-Annalena-Petitessen-Gewese ging mir zu sehr auf den Nerv. Nichts von den "Vorwürfen" wäre bei einem Mann länger als einen halben Tag ein Thema gewesen. Soweit ich rekonstruieren kann, das erste mal jemals, dass ich bei einer Wahl mit der Zweitstimme grün wählte.

Langsam freunde ich mich mit den biederen Herzplakaten der Berliner SPD an. Ist der Kevin Kühnert hier nicht knuddelig?



Das Board der Wikimedia Foundation wählte ich auch und wundere mich, dass man bei einer rein digitalen Onlinewahl länger als 20 Minuten - geradezu mehrere Tage - zur Auszählung benötigt. Vermutlich müssen die ganzen Bots und Mehrfachabstimmer noch aussortiert werden.

Während ich die Wahl habe, haben andere den Wahl. Zum Beispiel den Wahl W28. Und damit wünsch ich ein schönes Wochenende.


Freitag, 20. August 2021

Herbst = Wahlzeit. Im Wikiversum und anderswo.

Es wählen die Wähler bei Wahlen, manchmal mit Qualen. Während in Berlin eine Bundestagswahl, eine Abgeordnetenhauswahl und eine Volksabstimmung bevor stehen, eröffnet die Wahlsaison die Wikimedia/Wikipedia. Die Wikimedia-Stiftung lässt das Board wählen. Die Betreiberin der Wikipedia- und Wikimedia-Projekte wählt die Chefs. Nebenan, auf der Fahrradautobahn schrieb ich einige Sätze, wen ich warum wählen werde (und warum das allgemein wichtig ist).

Dienstag, 17. August 2021

Schullektüren, 1987-1995

Stumm schauten wir der endlosen Kette der gelben Busse zu. Der Schienenersatzverkehr passierte uns im 15-Sekunden-Takt: Mariendorf-Tempelhof und zurück. Z bewegte Schultern und Oberkörper, ihre Hände tanzten auf raumgreifenden Pfaden durch die Luft. Wir hatten uns verabredet, um ein paar Fotos für einen Simone-Bildes-Tribut für ihr Insta zu machen. Sie mit Salto mit Schraube, ich wollte helfen, indem ich in der Gegend stand.

Aber wir planten nicht. Sie hatte meinen Blick gesehen, der nicht zum Reden einlud. Ich seufzte: „Warum schreiben Menschen so anstrengende Sachen ins Internet? Warum lese ich das?“

Chaucer: Tales of Canterbury. Aus dem Ellesmere-Manuskript.

Während ich auf Z gewartet hatte, hatte ich durch Twitter gescrollt. Immer mehr kam mir die Plattform vor, wie alte Menschen, die ihren Fernseher anschreien - immer aggressiv, nie komplett falsch, nie ganz richtig und sinnlos. Aufregung über Themen, die weit außerhalb der eigenen Wirkungs- und Kompetenzsphäre lagen.

„Nimm zum Beispiel die USA“, fing ich an. Ich wusste, dass Z - als Absolventin der University of Arkansas in Northern Mississippi - mich verstehen würde. „Ich ging in Mississippi zur Schule“, fing ich an, „Was Vorurteile angeht die USA der USA. Mississippi ist der Bundesstaat mit der ärmsten Bevölkerung, der niedrigsten Bildung, den meisten fundamentalistischen Christen, einem krassen Rassismus. 

Und doch: Mississippi ist auch der Staat, in dem die Stadtregierung in der Hauptstadt Jackson gibt, die eine progressive Gesellschaft mit sozialistischen Wurzeln als Keimzelle einer sozialistisch-utopischen Region schaffen will. Oder meine persönlichen Erfahrungen: so furchtbar das Bildungssystem in vielerlei Hinsicht war: Von den sieben Lehrern, die mich in Mississippi unterrichteten hatte, waren drei herausragend. Eine Quote, die meine deutsche Schulen niemals erreichten.“

Inspiriert durch Blogposts von Herrn Rau und Poupous geheimen Laboratorium, dachte ich über Schullektüren nach. 

Freitag, 6. August 2021

Traktorfreitag: Melkrobotik bei freiem Kuhverkehr

Spannende Sachen lernt man in diesem Internet. Auch wenn gar kein Traktor im Zentrum des Geschehens steht. Freier österreichischer Kuhverkehr ist auf jeden Fall eine förderungswürdige Sache.


 

Dienstag, 27. Juli 2021

Die Flagge Ecuadors geht direkt auf Goethes Farbenlehre zurück

In Tegel steht ein Turbanatelier. Es befindet sich direkt neben einem Modellbahnladen, nicht weit entfernt vom Spielwarengeschäft "Kindertraum" und einer großen Buchhandlung, der Bücherstube Tegel. Die Grußdorfstraße verbindet die Berliner S-Bahn-Station Tegel und die U-Bahn-Station Alt-Tegel. Sie ist so sympathisch aus der Zeit gefallen, dass sie selbst mich aus dem frühmorgendlichen Halbschlaf riss. Ich staunte, und ich freute mich an den Läden, vergaß alle Gedanken an Blogposts über kulinarische Weltreisen und genoß 100 Meter Zeitreise quer durch Tegel. Kein Verfall, keine globalistische Ketten, kein Berlin-typisches handgefertigtes instagrammable Schnickschnack. Dort stehen klassische Geschäfte.


Turbanatelier Tegel


Ich fürchte, deren Existenz, und ihre Beharrungskraft gegen Lifestyleschnickis und Globalkapitalsten erklärt sich maßgeblich durch die minütlichen Fkugzeuge zum Flughafen Tegel, die bis vor kurzem über die Straße flogen. Der Flughafen TXL existiert nicht mehr. Ob es die Straße in fünf Jahren noch so gibt?

In die weite Welt geht es über neuen Flughafen BER. Dessen Eröffnung ging in allen Katastrophen der letzten Jahre unter. Aber er existiert, wird von Flugzeugen udn Fluggästen aus aller Welt angesteuert. Und damit war ich in Gedanken doch wieder bei der kulinarischen Weltreise, den Kochbananen und den südamerikanischen Teigtaschen. An denen ich mich versuchte. Und darüber bloggte: Kochbananen-Empanadas / Empanadas de verde con queso.

Samstag, 17. Juli 2021

Berlin erklimmen

Das Relief einer Stadt erfährt man am besten mit dem Rad. Jeder Hügel wird dadurch deutlich, jede Senke. Im Laufe vieler Radtouren entstand so in meinem inneren Auge ein dreidimensionales Berlin-Bild. Die Schilderungen von Urstromtälern, Hochebenen in der Stadt ergeben mehr Sinn. Nach Schöneberg geht es aus der Stadt kommend hinauf aus dem Urstromtal. Der Platz der Luftbrücke bildet einen erhöhten Punkt in Berlin. Nach Steglitz hinaus wird es hügelig. 

Mein ultimativer Innenstadtanstieg ist aber der Weg nach Westen entlang der Heerstraße, hinauf bis zum Theodor-Heuß-Platz. Den ich auch immer nur bei 30 Grad fahre. Immerhin wartet am Ende ein Freibad. Worüber ich bloggte: das Sommerbad Olympiastadion, monumental bröselde Altbauten.

Samstag, 10. Juli 2021

Oxalsäure schmeckt fein. Aber sie ist gefährlich

Sauerampfer und Rhabaraber haben vieles gemeinsam. Sie sind grün mit Tendenz zum rötlichen. Ihre beste kulinarische Zeit liegt im Frühjahr und Frühsommer. Sie schmecken sehr fein säuerlich. Und beide erkaufen sich diesen Geschmack mit Oxalsäure, die sowohl den Ampfer wie auch den Rhabarber das Jahr hindurch immer saurer und unbekönnlicher werden lässt. Während Rhabarber aber mit Spargel und Erdbeeren zur heiligen Trinität der Frühjahrspflanzen im Supermarkt gehört, fristet Sauerampfer ein Nischendasein bei Wildkräuterfans und Naturgartenliebhabern. Und in unserem Garten, wo er einfach vom vorherigen Acker übrig blieb. Außerdem kann er in guten Momenten dekorativ aussehen. 

Was mich bewog, eine Sauerampfplanze als Motiv zu nehmen, während ich über Bildbeschreibungsseiten bloggte. 

Aber langsamer: ich bloggte über Webseiten. 

Diese Websiten beschreiben etwas. 

Und das, was sie beschreiben, ist ein Bild. 

In diesem Beispiel: das Bild eines Sauerampfers. 

Solche Seiten benötigt man, wenn man Bilder ins Internet stellt. Damit die Betrachter wissen, was sie sehen. Und im Fall der Wikipedia: Damit sie das Bild auch nutzen können. Zum Sauerampfer, seiner Beschreibung und seiner Beschreibungsseite geht es auf Fahrrad-Datenautobahn: Bildbeschreibungen auf Wikimedia-Commons verstehen.


(Außerdem kommen noch DJ Hüpfburg, Cousine Twa, Curry66 und ein Wikipedia-Wettbewerb vor)

Sonntag, 4. Juli 2021

Fernsehen ohne Sport ist möglich

Es ist schockierend. Ich, der ich im sechsten Schuljahr jeden Morgen um 2 Uhr aufgestanden bin, um Olmypiaübertragungen aus Seoul anzuschauen, habe jedes Jahr zunehmend weniger Lust, mir Sport im Fernsehen anzuschauen.

 Vielleicht bin ich schuld daran. Mit Sicherheit auch der Sport. Wo beispielsweise beim Schwimmen einige Probleme liegen, darüber schreibt das Outside Magazin. Und ich wiederum schrieb, etwas ausführlicher als ursprünglich geplant, über den Artikel: Anderswo: FINA, International Swimming League und organisierte Kriminalität.

Mittwoch, 23. Juni 2021

Eine große Attraktion des Sommerbads Wilmersdorf sind die Kaninchen.

Eine friedliche Koexistenz zwischen Wühlmaus und Mensch ist möglich. Wir haben eine Art Waffenstillstand geschlossen. Wir wehren uns nicht aktiv gegen die Wühlmaus, aber verhindern, dass sie unsere Pflanzen tötet. Grundlage und Basis dieser friedlichen Koexistenz ist die Rolle mit Kaninchendraht. Dieser wird um die Wurzeln der jungen Pflanzen geschlungen. Die Wurzeln sind sicher. 

Der Draht vermodert im Laufe der Jahre. Aber bis er durchdringbar ist, sind die Wurzeln groß und mächtig genug, um sich der Wühlmaus allein zu erwehren. Die Suche nach neuen Kaninchendrahtrollen treibt mich gelegentlich in den Baumarkt. Dort was ich letztens. Und traf einen Turiner, mit dem ich über griechisches Essen sprach. Darüber bloggte ich nebenan. Low-n-slow.de: Moussaka / Kulinarische Weltreise.

Freitag, 18. Juni 2021

Kein Freibad über 25 Grad!

Berlin empört sich! Es ist schwierig an Freibadkarten zu kommen. Temperaturen über 30 Grad und Seuchen-Beschränkungen limitieren die Karten. In den ebenso wie beliebten wie langweiligen Bädern wie dem Prinzenbad sind die Onlinekarten wenige Sekunden nach Kassenöffnung ausverkauft. 

Dabei kenne ich kein einziges Berliner Freibad, das bei 25 Grad oder mehr besuchenswert wäre. Gehen im Slalom um Leute herum, schwimmen, eher paddeln, im Quetschslalom um Leute herum. Immer in der Hoffnung nicht von einem Beckenrand-Sprung-Artisten einen Fußtritt in die Wirbelsäule zu kommen. Während einem permenant kleine Kinder in die Ohren brüllen. 

 Es gibt keinen Grund, bei 25 Grad in ein Berliner Freibad zu gehen - außer bei verknappten Corona-Kartenkontingenten. Nicht alles ist schlecht an der Seuche. Langfristig ist das beim Klimawandel natürlich keine Strategie. Die Stadt braucht mehr Freibäder. Wegen des Co2 gerne auch weniger oder gar nicht beheizt.

Ostseestrand Grömitz

 

Ich nutze derweil die persönliche Flucht an See oder Meer - wo es zumindest im Wasser bei jedem Wetter Ruhe und Platz gibt. Zum Beipiel das Museum der alten Bundesrepubli, nach Grömitz an der Ostsee. Ich bloggte darüber.

Freitag, 4. Juni 2021

Das Blöken der Lämmer

Letzte Woche besuchte ich meine Zahnärztin. Das Ereignis war wenig angenehm, aber sonst unspektakulär. Bis ich am Kleistpark stand und auf den Bus wartete. Ich betrachtete versonnen die ehemalige BVG-Hauptverwaltung, noch ehemaliger seit 1939 Verwaltungsgebäude für die Verwaltung der Reichsautobahn. Ein leichter Sonnenschein versuchte mich aus dem Halbschlaf zu kitzeln. Etwas entfernt, mir den Rücken zugewandt stand eine vermutlich ältere und kleinere Frau mit mehreren Taschen.


Bis drei Jungs auf diesen modernen Elektrotretrollern vorbei fuhren, die Frau auf den breiten Gehwegen in zwei bis drei Metern Abstand passierten. Die Frau begann zu schreien, ein Geräusch aus Autosirene und "man nimmt mir gerade die Kinder weg", etwa 20 Sekunden. Dann legte sie sich hin. Sie streckte die Beine aus, stützte sich auf den Händen ab, begab sich in Seitenlage, eine Tasche unter dem Kopf, und schrie im selben Tonfall und derselben Stimmlage weiter.
 

Nachdem sich die Passanten vom Schock erholt hatten, fragte sie ein Mann, ob sie einen Arzt braucht oder er helfen kann. Sie sagte heftig "Nein" und verstummte kurz. Sie stand auf, und wartete weiter auf den Bus.
 

Ganz anders ist es in Hedwigenkoog in Dithmarschen. Schon allein, weil man dort halbe Tage auf den Bus warten müsste. Auch ist das einzige laute Geräusch das Blöken der Lämmer. Nur Großbauten aus dem Jahren 1938/1939 gibt es ebenso wie am Kleistpark. Vor allem aber liegt neben Hedwigenkoog die Nordsee. In der ich badete. Und darüber bloggte: Nordsee-Baden in Hedwigenkoog/ Westerkoog.

Montag, 17. Mai 2021

Barbie = Barbecue = Grillen

Wühlmaus
zu Haus
Augenschmaus
so niedlich

Leider Vegetarier
Wurzelvernichter
Pflanzenmörder
Ödlanderschaffer

Puschelplage

 

Nebenan bloggte ich über Krabbencocktail und australische Weihnachten. Boxing Day ist der 26. Dezember: Boxing Day Beach Barbie Cocktails

Montag, 10. Mai 2021

In Hongkong beeindruckte mich ein Baum

Als mir 2013 die Wikimania vergönnte, nach Hongkong zu reisen, beeindruckte mich alles: Die Häuser, die Dichte, die friedliche Atmosphäre auf den Straßen, die Hochhäuser, der Taifun. Sechs Tage Mindflash. 

Aber besonders beeindruckten mich die einzelnen Bäume. Sie standen in den reichen Vierteln. Sie waren umgeben von Luxushochhäusern, viele Dutzend Stockwerke hoch, Einkauszenten. Selten ein ebenerdiger Parkplatz, bei dem Tagesgebühr einer Berliner Monatsmiete entsprach. Und in der Mitte: ein Baum. Einer - und ich dachte: "Welch absurder Luxus, in dieser Gegend, in der die Quadratmeter mit Diamantstaub gemessen werden, einen ganzen Baum zu stehen zu lassen. Was für ein Baum, welch Ausschweifung."

Hongkong 2013, Taifun Utor im Anmarsch.

 

Ähnlich beeindruckend waren die Restaurants, die mich - sofern sie nicht-extrem-touristisch waren - komplett überforderten. Oder der Wet Market am Fähranleger, an dem ich Tiere für das Abendessen kaufen konnte, deren Existenz ich nie erahnt hätte. An Schildkröten erinnere ich mich nicht. Aber sie hätten mich nicht gewundert. Die Geschichte der Schildkröte als Nahrungsmittel ist lang. Ich bloggte nebenan darüber: Drei Varianten der Schildkrötensuppe.

Mittwoch, 28. April 2021

Sie müssen mit der Nudel in der Hochbahn fahr'n

Schwimmnudeln sind ein schönes Hochzeitsgeschenk. Sehr empfehlenswert sind diese, insbesondere wenn man mit dem ÖPNV zur Hochzeit fährt. Findet diese auch noch in Hamburg statt, wo jeder sich selbst für einen kleinen Snob hält: es gibt wenig schöneres als im vollen Hochzeitsbesuchsornat mit blauen und gelben Plastiknudeln die Hochbahn zu nutzen. 

Der sogenannte Mike-Krüger-Blick auf die Alster-Schwimmhalle.
 

Und so war diese Fahrt von Madame, mir und der Schwimmnudel zum Hamburger Museum der Arbeit, eine unserer denkwürdigeren S-Bahn-Fahrten. An der Nudel hingen Gutscheine für das Hamburger Bäderland. Dieses betreibt eine Schwimmoper namens Alsterschwimmhalle. Und ich war dort. Und bloggte darüber nebenan auf Poolhopping: Alster-Schwimmhalle Hamburg. Schwieriger Futurismus.

Montag, 19. April 2021

Linktipp: Buchhandlungs-Portrait Lichtenrader Bücherstube

Ihr kennt das: das Veröffentlichen eines Schwimmbad-Quartetts bringt vieles Erwartetes und auch vieles Unerwartetes mit sich. Da wäre zum Beispiel das wochenlange Verfluchen des eigenen DTP-Programms, weil es einfach nicht so will wie ich. Oder die Entdeckung, dass ein tonnenschweres Paket mit Quartetten aus Gründen bei einem Paketshop in Kreuzberg etwa 8 Kilometer entfernt der eigenen Wohnung gelandet ist.

Aber es gab natürlich auch anderes, weniger anstrengendes. Die ganzen Besuche in Schwimmbädern natürlich. Die verschiedenen Menschen und Journalisten, die ich kennenlernte und ganz besonders all' die Schwimmbadbegeisterten. Nicht zuletzt der Kontakt zu vielen Buchhandlungen. Fragt mich, inzwischen kann ich in ziemlich jedem Berliner Bezirk eine handvoll empfehlenswerter Buchhandlungen nennen.

Zum Beispiel in Lichtenrade, am südlichsten Südzipfel Berlins, die Lichtenrader Bücherstube. Einst vor langer Zeit musste ich am Bahnhof Lichtenrade Zeit totschlagen. Samstag Nachmittag in Lichtenrade ist eher tot als schlagen. Aber die Bücherstube blieb mir in positiver Erinnerung. Selbst nur aus dem Schaufenster sah es nach liebevollem Einzelhandel aus.

Wikipedia kennt keine Bilder der Bücherstube. Aber diese aparte  Sonnenblume mit Hummel in der Berlin-Lichtenrader Bahnhofstraße von Srittau Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Leider ist Lichtenrade von meiner Wohnung noch weiter entfernt als der dammiche Kreuzberger Paketshop damals. Und so blieb es mir nur, ab und an ein Quartett in einen Umschlag zu stecken und zu denken: "Schöne Reise, du wirst es gut haben."

Lutz Röhrig war reisefreudiger als ich, und ist zu Öffnungszeiten bis nach Lichtenrade gekommen. Er porträtierte lesenswert die Bücherstube.

Deshalb mein heutiger Linktipp:

 Zeit für Berlin über die Lichtenrader Bücherstübe. 

 

Ansonsten: es wird Frühling. Junge Herren im T-Shirt mit Man-Bun gehen abends um 19 Uhr auf dem Fußweg, nur um eine so dastehende Ampel plötzlich anzubrüllen: "Ey, Bitch. Was willst du, Mann???"

Sonntag, 11. April 2021

Mittwoch, 7. April 2021

Liefern, holen und selber machen

Einst in Leizipg wohnte ich über einem Pizzabringdienst. Er im Erdgeschoss, ich im vierten Stock des Altbaus. Es fühlte sich immer ebenso dekadent wie luxuriös an, unten anzurufen, damit mir jemand die Pizza hochträgt. Meistens siegte die Scham über die Faulheit und ich holte sie mir. Spannender war der China-Lieferdienst, bei dem anscheinend der Chef persönlich, im Hemd und Mercedes kam, um die Chinapfanne für 4 Euro auszuliefern. 


 

Niemals hätte ich damals geahnt, dass all diese Menschen durch orange Radfahrer mit unförmigen Kästen im Dienste des globalen Monopolkapitalismus ersetzt werden würden. Auch ihr Repertoire ändert sich: Chop Suey, ein Standard auch noch in den 2000ern, wird immer seltener. Zum Glück können wir selber kochen. Ich testete und bloggte nebenan darüber: Chop Suey – vom Chinarestaurant in die Küche

Sonntag, 4. April 2021

In Schweizer Flüssen

Wie eine Forelle im Rhein zu schwimmen, dabei auf das Basler Münster zu sehen. Ein Wunsch von mir seit langem, dem derzeit allerdings noch diverse klimatische, logistische und pandemische Gründe entgegenstehen. Immerhin ist es möglich im Rhein zu schwimmen. 

Schwimmer im Rhein. Bild: Basel beach swimmer. Von: Smiley.toerist Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
 

In Basel im Sommer eine große Tradition. Noch allerdings liegt dies in weiter Ferne, ich kann nur Brandenburger Forellen grillieren, und dabei an die Schweiz denken. Ich bloggte nebenan: Grillierte Forelle mit Mandelbutter / Kulinarische Weltreise Schweiz.

Freitag, 26. März 2021

Makkaroni = Bucatini. Spirelli = Fusilli

Wenn es Euch wie mir geht, sitzt ihr manchmal im Sessel, gegrämt, die Haare raufend und den Handkraft-Beruhingsring knetend. Denkend: Warum meinen alle mit Makkaroni was verschiedenes? Und warum heißen Spirelli im Osten Spirelli? Das ergibt keinen Sinn. 

Die Spirelli heißen in Italien und im Westen Deutschlands "Fusilli" (italienisch für Spindel-Nudeln). Madames Verdacht ist es, dass der DDR-Führung die italienischen Nudelbegriffe zu westlich waren, und sie deshalb zu "Spiralnudeln" umgetauft wurden. Was nun der DDR-Bevölkerung zu dröge war, die das ganze wieder zu Spirelli zurück-italienisierte. Diese These bedarf noch der Überprüfung.


Makkaroni-Spirella, aka Fusili bucati. Bild: Fusili bucati. Von:Popo le Chien Lizenz:Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.
 

Das Makkaroni-Drama fiel mir erst vor kurzem auf, als im New York Magazine ein langer Artikel über das Drama "of the missing Bucatini" stand - oder auf deutsch, der nicht mehr vorhandenen Makkaroni in den USA. Aber warum Bucatini? Tatsächlich. Das was ich als Makkaroni bezeichne, längliche dünne Röhren, mit Loch in der Mitte heißen in der Welt - und bei den Wikipedia-Strebern - Bucatini. Maccheroni sind kurze, leicht gebogene hohle Nudeln. (Wobei die Italiener auch noch Maccheroni al pettine · Maccheroncini · Maccheroncelli) kennen. Wie Ellbogenmakkaroni in Italien heißen, suche ich noch. 

 Mein Makkaroni-Bild wurde auf jeden Fall maßgeblich von Packungsfotos im Supermarkt geprägt. Mirácoli ist schuld, dass ich keine Bucatini kenne. Aber Mirácoli geht es nicht gut. Ich bloggte darüber auf low'n'slow: Es gibt kein Mirácoli Carbonara mehr.

Donnerstag, 25. März 2021

Berliner Schwimmhallen als Buch und Quartett - als Karte

Das Poolhopping-Buch murkelt vor sich hin. Langsam aber beständig, ähnlich wie ich beim Schwimmen. Um uns die Zeit zu vertreiben, weil es hübsch ist, und weil es Werbung sein könnte, hat die Zitronenpresse zwei Karten produziert: "Poolhopping - das Buch" und "Schwimmbäder in Berlin - das Quartett."
 


 

Freund*innen dieses Blogs, der Zitronenpresse, von Schwimmbadbüchern oder schönen Karten, dürfe gerne Karten haben. Einfach kurz hier (oder bei info@zitronenpresse.info) melden. Und schon sind sie unterwegs.

Mittwoch, 17. März 2021

Schnitzel international in Petersburg

Meine kulinarischen Russlanderfahrungen aus erster Hand speisen sich aus einer Woche Sankt Petersburg im Jahr 2004. Ich kann sagen, dass es an 6 von 7 Tagen zähes Schnitzel mit labberigen Pommes gab. 

Wir werden eine Soljanka

 

Highlight der Pommes-Diät war ein Mittagsmahl nahe der Eremitage. Es war August, wir schweißüberströmt den ganzen Tag durch die Stadt gerannt. Unsere Gruppe begab sich zum Mittagsessen in einen Nachtclub: dunkelroter Samt, Poledancestangen auf der Bühne, Chrom und Messing. Und ein Klavier. Alles wurde uns geboten. Am Klavier ein einsamer Mann, der an diesem Augustmittag bei 28 Grad "Jingle Bells" und "White Christmas" spielte. Dazu gab es Schnitzel. Zum Glück ist die russische Kulinarik reicher, als es dieser Eindruck vermittelt. Darüber bloggte ich nebenan: zur Barsch-Soljanka.

Freitag, 5. März 2021

Vibrieren statt Heulen

Jeden Samstag um 10 Uhr morgens heult in Verlorenort die Sirene. Manchmal holt sie mich aus dem Schlaf. Meistens sendet sie mir allerdings zwei Nachrichten: Klassik, Pop et cetera wird gleich im Radio kommen. Und: Alles ist in Ordnung. Die Sirene funktioniert, du wirst gewarnt werden, jemand passt auf.

 

 

Sie reißt mich aber auch zurück in die Kindheit, den Kalten Krieg. Die regelmäßigen Proben der Sirenen. Die Kasernen, die wir auf dem Weg in die Innenstadt passierten, der Überschnallknall der Jagdflieger. Die Katastrophe nur knapp vor der Haustür, die Mittel dagegen auch. Im Jahr 2021 wandert alles in die Cloud. 

Am Warntag 2020 erfuhren viele Menschen überrascht, dass es in weiten Teilen Deutschlands gar keine Sirenen mehr gibt. Warnungen per Radio oder Fernsehen erreichen Menschen, die weder das eine noch das andere Hören oder Sehen auch nicht mehr. Und so gibt es Warn-Apps. Kleine Programme auf dem Smartphone, die warnen sollen. Die haben allerdings Probleme und Tücken und sind unfertig. Ich ging dem nach und bloggte nebenan darüber: Katwarn oder Nina? Warum zwei Apps?

Mittwoch, 3. März 2021

Ascheimer sind aus

Ich versuchte in Zeiten des Lockdowns einen Laubrechen zu kaufen. Dies macht den Einsatz des Internets erforderlich und bringt sonnendurchflutetes Parkplatzwarten mit sich. Ich bloggte darüber nebenan auf Fahrrad-Datenautobahn. 

FMIB 41790 White Elm, Public domain.

 

 

Mittwoch, 24. Februar 2021

Ein Buch zur Realität

Letztens hörte ich auf der Arbeit einen lautstarken Streit zum Thema Cancel Culture, Ken Jebsen und andere Unerfreulichkeiten. Heftige Vorwürfe gegen die Verschwörungstheoretiker kamen von meinem weißen männlichen Kollegen mit Uni-Abschluss jenseits der 40, die Verteidigung der Internetspinner kam von der jungen moslemischen Frau. Und ich dachte mal wieder, das ist alles komplizierter als die Menschen im Internet einem immer glauben machen wollen. Was an sich gut ist. Die Welt wäre furchtbar wenn sie so banal wäre wie Internetdiskussionen. Aber es wirft die Frage auf, wieweit dürfen sich Diskussion und Realität voneinander entfernen. Darüber schreibt Neal Stephenson und ich bloggte darüber neben an auf Fahrrad-Datenautobahn: Fall; or, Dodge in Hell und die Realität.

 

Ein Bild des Cloud-Spezialisten: J.M.W. Turner: Flint Castle.

 

Sonntag, 14. Februar 2021

Gedanken zu "If you tolerate this" (Manic Street Preachers)

Letztens grillte ich ein Käsetoast, um darüber zu bloggen

Dabei bekam ich Musik in die Ohren. Die "Manic Street Preachers" und ihr 1998 veröffentlicher Song "If you tolerate this your children will be next." In ätherischen Stadionrock schildern sie die Geschichte der internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg. Freiwillige aus allen Teilen Europas, die die Waffen ergreifen, um Faschismus und Nationalsozialismus aufzuhalten. 

Das Käsetoast (genannt "Welsh rabbit")

 

Das Käsetoast fast vergessend, folgte ich der Spur meiner Gedanken und den Pfaden des Internets, auf englisch, "I jumped into a rabbit hole." Ein passender Ausdruck, da mich meine Gedanken schon vom Käsetoast auf Kaninchen in Wales gebracht hatten, und die Manics wiederum in ihrem Song die Textzeile haben "Wenn ich auf Kaninchen schießen, kann ich auch auf Faschisten schießen."

Zwei Gedanken führten mich weiter: 1 - Gibt es jemanden auf der Welt, der so singen kann wie der Manic-Street-Preachers-Sänger James Dean Bradfield? 2 - Ist das Schießen auf Faschisten okay? Also im Kontext eines Bürgerkriegs oder schon davor? 

Zum Schießen: Gewalt in der politischen Auseinandersetzung ist im Deutschland des Jahres 2021 zu recht verpönt. Allerdings würden die meisten Menschen auch zustimmen, dass Gewalt, Krieg gar, gegen Nazideutschland gerechtfertigt war. Wo liegt der Kipppunkt zwischen der Maxime der Gewaltlosigkeit und der Maxime Nazis nicht an die Macht zu lassen. Was ist mit Leuten wie Trump, die zwar keine Nazis sind. Aber der gelernte Politologe in mir hakte jetzt vier Jahre lang innerlich Wesensmerkmale des Faschismus ab bei allen Trump-Aktionen. Auf jeden Fall ist die Überlegung ein Zeichen dafür, dass es zu spät ist. Krieg können Faschisten schon aus Prinzip besser als alle anderen. Jede Aktion, die wirksam sein soll, muss weit - und viele Jahre - vorher beginnen.

Zum Singen: Nein. Eine umfangreiche Youtube-Rechereche führte mich darauf, dass niemand so singen kann wie James Dean Bradfield. Zahlreiche Coverversionen versuchten sich, zahlreiche Coverversionssinger scheiterten. Am wenigsten kläglich wirken die Varianten, die einfach komplett aufräumen und gar nicht erst versuchen in die Nähe des Gesangs zu kommen. 

Achtbare Coverversionen waren von Theo Azami - (mit bisher 9 Views(!)) oder von Javier Quesada Aneya.

Manchmal wird die Musik auch als Soundtrack benutzt, um politische Inhalte zu transportieren. Der Titel "Wenn du das tolerierst, sind Deine Kinder die nächsten" bietet sich an. So finden sich auch vereinzelte Coronaleugner-Videos mit dem Soundtrack. Allerdings, da die Bezüge auf den spanischen Bürgerkrieg und den Antifaschismus sehr direkt sind, gibt es dafür nur weniger. Spannend aber die Zusammensetzung aus Video und Filmausschnitten aus der Dystopie "V wie Vandetta". Im Jahr 2021 extra irritierend, weil der Film auf eine globale Seuche bezug nimmt.

Und wer mitlesen möchte, kann auch einfach den Text auf englisch und italienisch lesen bei rock in traduzione.

Für mehr Info: Eine lange Doku der BBC über die Manic Street Preachers aus dem Jahr 1998. Und eine "New Musical Express Song Story" speziell zum Song.,

Sonntag, 7. Februar 2021

Parken am Eidersperrwerk möglich?

Parken am Eidersperrwerk ist möglich. Es ist empfehlenswert. Dort gibt es Krabbenbrötchen, Seevögel, Strömung und Meer. 

„Auf einem Bein habe ich gestanden! Bis Hamburg musste ich mich einzwängen!“ Dietbert wedelte mit Armen und Beinen, um die Dramatik der Lage zu unterstreichen. „1979! Ich habe mich in Niebüll in den Zug gezwängt, der erste nach dem großen Schnee in dem Schneechaos. Seit Tagen der erste Zug. Alle wollten in diesen einen Zug. Ich musste auf einem Bein bis Hamburg stehen. So voll war es.“ 

Ich schaute Dietbert an, versuchte mich am Kopfrechnen: 2021 – 1979 = 42. „Im Strampelanzug oder wie?“ 

Er setzte fort: „Das Bein war komplett eingeschlafen. Auf einem Bein hatte mein Vater gestanden! Bis Hamburg musste er sich einzwängen. Es war so furchtbar für meinen Vater. Seitdem fahren wir keine Bahn mehr. Deshalb habe ich den Audi mit Massagesitzen, Ambientbeleuchtung, dem Star-Wars-Hologramm auf der Rückbank und der autonomen Wunderbaum-Drohne Duftrichtung ‚neues Auto‘.“ 

„Und damit fährst du nach Amrum?“ 

„Ne, nie wieder Inseln. Viel zu gefährlich. Über Jahre war ich nur noch im Süden. Aber nächstes Jahr geht es nach Sankt-Peter-Ording. Abenteuerdietbert schlägt zu. Ich suche schon schöne Parkplätze auf der Strecke heraus.“ „Wie wäre es mit dem Eidersperrwerk?“ 

„Kann ich dort parken?“ 

„Aber hallo, der ganze Entertainmentkomplex Eidersperrwerk ist um den Parkplatz herum konzipiert.“ 

Halber Parkplatz am Eidersperrwerk
 

„Ich werde es in Erinnerung behalten. Aber ich muss weiter, Schneechaos verhindern!“ Dietbert hatte das Ansteckset „Schneefräse“ an seinen Rasentraktor montiert, die Version mit gelber Rund-Warnumleuchte. Er patrouillierte die 500 Meter Brandenburger Datschenweg auf und ab, jagte jeder einzelnen der wenigen Schneeflocken hinterher. Das Schneechaos musste gebändigt werden, bevor es auftauchte.“ 

Ich ging zurück, sammelte die letzten vollen Flaschen aus dem Schuppen ein, bevor es dort Minus 10 Grad haben würde, und fragte mich, warum das Eidersperrwerk so autolastig ist. Zwei Antworten fielen mir sofort ein „1967-1973“, die Baujahre. Und „Acht Kilometer“, die Entfernung zur nächsten Kleinstadt. 

Montag, 25. Januar 2021

Das Charlottenburger Stadtbad im Jahr 1900

Manchmal fällt in unserer Wohnung das heiße Wasser aus. In seltenen Fällen dauert es Tage, bis dieses wieder funktioniert. Zwischenzeitlich gehen wir in das Stadtbad Schöneberg zum heiß Duschen. Manchmal sind wir nach der Gartenarbeit in Brandenburg durchgeschwitzt und durchgearbeitet, haben den Eindruck, dass wir ein Level erreichten, dass jenseits einer heißen Dusche liegt, und fahren zum Turm Center Oranienburg auf der Suche nach einem warmen Bade- und Schwaderbecken.

Wir unternehmen damit eine kleine Zeitreise in die Geschichte der Bäder. Jahrzehnte bevor diese Schwimmbecken mit Bahnen hatten, gab es bereits Brause- und Wännenbäder. Die Brausebäder zum sauber werden, die Wannenbäder zum Schwadern. Eine Person allein, in der heißen Badewanne, bereits zu Zeiten als Toiletten bestenfalls auf halber Treppe lagen, Sanitäranlagen in den Wohnungen dürftig waren. Badeanstalten brachten Sauberkeit. Sie brachten schwebendes Wohlfühlen. 

Stadtbad Charlottenburg, Alte Halle (2018)
Kein anderes Bad Berlins ist mit dieser Geschichte des Wannenbads so sehr verbunden, wie das Stadtbad Charlottenburg. Bis 2009 war es das letzte Bad in dem noch Wannenbäder angeboten wurden. Es ist das älteste Bad der Stadt, von den bestehenden Bädern dasjenige, in dem als erstes Badewannen standen: 26 Wannenzellen für die Männer, 12 für die Frauen, gebaut im Jahre 1898. Einen bericht aus dem Jahre 1900 über das Bad fand ich in der Digitalen Landesbibliothek Berlins. 

 Darüber bloggte ich auf Poolhopping: Städtische Volksbadeanstalt Charlottenburg – 1900.

Sonntag, 17. Januar 2021

Balkan-Fleisch-Sauerkraut mit Fleisch aus dem Crocky

Madame vertritt die These, dass die Netflix-Serie "Emily in Paris" vor allem deshalb so erfolgreich ist, weil sie eine komplett gegenwärtige Welt zeigt, mit Instagram, jungen Menschen aus dem Jahr 2021 und allem was sie bewegt, aber ohne Corona. Normalität wie man sie erwarten würde. 

Um dies zu überprüfen schaute ich diese Serie auch, konnte mich nicht einigen, ob sie komplett furchtbar ist oder irgendwie ganz niedlich rüberkommt. Ich ließ die Serie laufen, während ich in der Küche neben an, Podvarak kochte und darüber bloggte.

Emily in Paris erzählt die Geschichte einer jungen Frau, Emily, die aus behüteten Verhältnisse im Mittleren Westen der USA überraschend nach Paris - PARIS! - kommt, um dort in einer französischen Werbeagentur zu arbeiten. Emily kann kein französisch, stolpert von einem Kulturschock in den nächsten, erlebt verschiedene Abenteuer in der Liebe. 

Podvarak-Zwischenstadium.

 

Emily verhält sich, wie man es vom Star einer Nachmittagsunterhaltungsshow erwartet. 

Fashion - LA MODE! - spielt eine wichtige Rolle. Es laufen ununterbrochen schöne junge Menschen, die fabulös gekleidet sind, durch die Gegend und genießen das Leben.

Serbisches Sauerkrautfleisch sieht kein bißchen schön aus und erst recht nicht fabulös. In einigen Zuständen der Zubereitung riecht es eher streng. Darüber bloggte ich nebenan.

Das Wort Paris im Serientitel soll übrigens französisch ausgesprochen werden, so dass sich "emiLY in paRI" beinahe reimt. Was in seiner furchtbaren Niedlichkeit ganz gut Appeal und Schrecken der Serie darstellt. Alle Beteiligten, außer Emily, sind erfolgreich und weltgewandt. Wir nehmen Emilys Position dabei ein, in diese phantastische Welt der Werbung und der Kommunikation einzutreten.


Podvarak, das serbische Sauerkrautfleisch ist keineswegs weltgewandt, ganz sicher nicht niedlich oder fabulös. Es ist massiv. Wäre das adjektiv "rustikal" noch nicht erfunden, würde allein die Existenz von Podvarak die Erfindung des Worts rechtfertigen. Podvarak ist quasi die Winterversion von Đuveč - was nun wieder etwas anderes ist als Đuvečreis - darüber bloggte ich auf low-n-slow.

Emily wird nach dem Überraschungserfolg, den die ganze Welt außer mir schon im Sommer feierte, eine zweite Staffel bekommen. Ob diese so gut funktionieren wird wie die erste? Wenn die Menschen wieder etwas unternehmen können und sich Restaurantbesuche nicht nur im Fernsehen ansehen müssen. Wir werden es sehen.