Sonntag, 11. April 2021

Mittwoch, 7. April 2021

Liefern, holen und selber machen

Einst in Leizipg wohnte ich über einem Pizzabringdienst. Er im Erdgeschoss, ich im vierten Stock des Altbaus. Es fühlte sich immer ebenso dekadent wie luxuriös an, unten anzurufen, damit mir jemand die Pizza hochträgt. Meistens siegte die Scham über die Faulheit und ich holte sie mir. Spannender war der China-Lieferdienst, bei dem anscheinend der Chef persönlich, im Hemd und Mercedes kam, um die Chinapfanne für 4 Euro auszuliefern. 


 

Niemals hätte ich damals geahnt, dass all diese Menschen durch orange Radfahrer mit unförmigen Kästen im Dienste des globalen Monopolkapitalismus ersetzt werden würden. Auch ihr Repertoire ändert sich: Chop Suey, ein Standard auch noch in den 2000ern, wird immer seltener. Zum Glück können wir selber kochen. Ich testete und bloggte nebenan darüber: Chop Suey – vom Chinarestaurant in die Küche

Sonntag, 4. April 2021

In Schweizer Flüssen

Wie eine Forelle im Rhein zu schwimmen, dabei auf das Basler Münster zu sehen. Ein Wunsch von mir seit langem, dem derzeit allerdings noch diverse klimatische, logistische und pandemische Gründe entgegenstehen. Immerhin ist es möglich im Rhein zu schwimmen. 

Schwimmer im Rhein. Bild: Basel beach swimmer. Von: Smiley.toerist Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
 

In Basel im Sommer eine große Tradition. Noch allerdings liegt dies in weiter Ferne, ich kann nur Brandenburger Forellen grillieren, und dabei an die Schweiz denken. Ich bloggte nebenan: Grillierte Forelle mit Mandelbutter / Kulinarische Weltreise Schweiz.

Freitag, 26. März 2021

Makkaroni = Bucatini. Spirelli = Fusilli

Wenn es Euch wie mir geht, sitzt ihr manchmal im Sessel, gegrämt, die Haare raufend und den Handkraft-Beruhingsring knetend. Denkend: Warum meinen alle mit Makkaroni was verschiedenes? Und warum heißen Spirelli im Osten Spirelli? Das ergibt keinen Sinn. 

Die Spirelli heißen in Italien und im Westen Deutschlands "Fusilli" (italienisch für Spindel-Nudeln). Madames Verdacht ist es, dass der DDR-Führung die italienischen Nudelbegriffe zu westlich waren, und sie deshalb zu "Spiralnudeln" umgetauft wurden. Was nun der DDR-Bevölkerung zu dröge war, die das ganze wieder zu Spirelli zurück-italienisierte. Diese These bedarf noch der Überprüfung.


Makkaroni-Spirella, aka Fusili bucati. Bild: Fusili bucati. Von:Popo le Chien Lizenz:Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.
 

Das Makkaroni-Drama fiel mir erst vor kurzem auf, als im New York Magazine ein langer Artikel über das Drama "of the missing Bucatini" stand - oder auf deutsch, der nicht mehr vorhandenen Makkaroni in den USA. Aber warum Bucatini? Tatsächlich. Das was ich als Makkaroni bezeichne, längliche dünne Röhren, mit Loch in der Mitte heißen in der Welt - und bei den Wikipedia-Strebern - Bucatini. Maccheroni sind kurze, leicht gebogene hohle Nudeln. (Wobei die Italiener auch noch Maccheroni al pettine · Maccheroncini · Maccheroncelli) kennen. Wie Ellbogenmakkaroni in Italien heißen, suche ich noch. 

 Mein Makkaroni-Bild wurde auf jeden Fall maßgeblich von Packungsfotos im Supermarkt geprägt. Mirácoli ist schuld, dass ich keine Bucatini kenne. Aber Mirácoli geht es nicht gut. Ich bloggte darüber auf low'n'slow: Es gibt kein Mirácoli Carbonara mehr.

Donnerstag, 25. März 2021

Berliner Schwimmhallen als Buch und Quartett - als Karte

Das Poolhopping-Buch murkelt vor sich hin. Langsam aber beständig, ähnlich wie ich beim Schwimmen. Um uns die Zeit zu vertreiben, weil es hübsch ist, und weil es Werbung sein könnte, hat die Zitronenpresse zwei Karten produziert: "Poolhopping - das Buch" und "Schwimmbäder in Berlin - das Quartett."
 


 

Freund*innen dieses Blogs, der Zitronenpresse, von Schwimmbadbüchern oder schönen Karten, dürfe gerne Karten haben. Einfach kurz hier (oder bei info@zitronenpresse.info) melden. Und schon sind sie unterwegs.

Mittwoch, 17. März 2021

Schnitzel international in Petersburg

Meine kulinarischen Russlanderfahrungen aus erster Hand speisen sich aus einer Woche Sankt Petersburg im Jahr 2004. Ich kann sagen, dass es an 6 von 7 Tagen zähes Schnitzel mit labberigen Pommes gab. 

Wir werden eine Soljanka

 

Highlight der Pommes-Diät war ein Mittagsmahl nahe der Eremitage. Es war August, wir schweißüberströmt den ganzen Tag durch die Stadt gerannt. Unsere Gruppe begab sich zum Mittagsessen in einen Nachtclub: dunkelroter Samt, Poledancestangen auf der Bühne, Chrom und Messing. Und ein Klavier. Alles wurde uns geboten. Am Klavier ein einsamer Mann, der an diesem Augustmittag bei 28 Grad "Jingle Bells" und "White Christmas" spielte. Dazu gab es Schnitzel. Zum Glück ist die russische Kulinarik reicher, als es dieser Eindruck vermittelt. Darüber bloggte ich nebenan: zur Barsch-Soljanka.

Freitag, 5. März 2021

Vibrieren statt Heulen

Jeden Samstag um 10 Uhr morgens heult in Verlorenort die Sirene. Manchmal holt sie mich aus dem Schlaf. Meistens sendet sie mir allerdings zwei Nachrichten: Klassik, Pop et cetera wird gleich im Radio kommen. Und: Alles ist in Ordnung. Die Sirene funktioniert, du wirst gewarnt werden, jemand passt auf.

 

 

Sie reißt mich aber auch zurück in die Kindheit, den Kalten Krieg. Die regelmäßigen Proben der Sirenen. Die Kasernen, die wir auf dem Weg in die Innenstadt passierten, der Überschnallknall der Jagdflieger. Die Katastrophe nur knapp vor der Haustür, die Mittel dagegen auch. Im Jahr 2021 wandert alles in die Cloud. 

Am Warntag 2020 erfuhren viele Menschen überrascht, dass es in weiten Teilen Deutschlands gar keine Sirenen mehr gibt. Warnungen per Radio oder Fernsehen erreichen Menschen, die weder das eine noch das andere Hören oder Sehen auch nicht mehr. Und so gibt es Warn-Apps. Kleine Programme auf dem Smartphone, die warnen sollen. Die haben allerdings Probleme und Tücken und sind unfertig. Ich ging dem nach und bloggte nebenan darüber: Katwarn oder Nina? Warum zwei Apps?

Mittwoch, 3. März 2021

Ascheimer sind aus

Ich versuchte in Zeiten des Lockdowns einen Laubrechen zu kaufen. Dies macht den Einsatz des Internets erforderlich und bringt sonnendurchflutetes Parkplatzwarten mit sich. Ich bloggte darüber nebenan auf Fahrrad-Datenautobahn. 

FMIB 41790 White Elm, Public domain.

 

 

Mittwoch, 24. Februar 2021

Ein Buch zur Realität

Letztens hörte ich auf der Arbeit einen lautstarken Streit zum Thema Cancel Culture, Ken Jebsen und andere Unerfreulichkeiten. Heftige Vorwürfe gegen die Verschwörungstheoretiker kamen von meinem weißen männlichen Kollegen mit Uni-Abschluss jenseits der 40, die Verteidigung der Internetspinner kam von der jungen moslemischen Frau. Und ich dachte mal wieder, das ist alles komplizierter als die Menschen im Internet einem immer glauben machen wollen. Was an sich gut ist. Die Welt wäre furchtbar wenn sie so banal wäre wie Internetdiskussionen. Aber es wirft die Frage auf, wieweit dürfen sich Diskussion und Realität voneinander entfernen. Darüber schreibt Neal Stephenson und ich bloggte darüber neben an auf Fahrrad-Datenautobahn: Fall; or, Dodge in Hell und die Realität.

 

Ein Bild des Cloud-Spezialisten: J.M.W. Turner: Flint Castle.

 

Sonntag, 14. Februar 2021

Gedanken zu "If you tolerate this" (Manic Street Preachers)

Letztens grillte ich ein Käsetoast, um darüber zu bloggen

Dabei bekam ich Musik in die Ohren. Die "Manic Street Preachers" und ihr 1998 veröffentlicher Song "If you tolerate this your children will be next." In ätherischen Stadionrock schildern sie die Geschichte der internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg. Freiwillige aus allen Teilen Europas, die die Waffen ergreifen, um Faschismus und Nationalsozialismus aufzuhalten. 

Das Käsetoast (genannt "Welsh rabbit")

 

Das Käsetoast fast vergessend, folgte ich der Spur meiner Gedanken und den Pfaden des Internets, auf englisch, "I jumped into a rabbit hole." Ein passender Ausdruck, da mich meine Gedanken schon vom Käsetoast auf Kaninchen in Wales gebracht hatten, und die Manics wiederum in ihrem Song die Textzeile haben "Wenn ich auf Kaninchen schießen, kann ich auch auf Faschisten schießen."

Zwei Gedanken führten mich weiter: 1 - Gibt es jemanden auf der Welt, der so singen kann wie der Manic-Street-Preachers-Sänger James Dean Bradfield? 2 - Ist das Schießen auf Faschisten okay? Also im Kontext eines Bürgerkriegs oder schon davor? 

Zum Schießen: Gewalt in der politischen Auseinandersetzung ist im Deutschland des Jahres 2021 zu recht verpönt. Allerdings würden die meisten Menschen auch zustimmen, dass Gewalt, Krieg gar, gegen Nazideutschland gerechtfertigt war. Wo liegt der Kipppunkt zwischen der Maxime der Gewaltlosigkeit und der Maxime Nazis nicht an die Macht zu lassen. Was ist mit Leuten wie Trump, die zwar keine Nazis sind. Aber der gelernte Politologe in mir hakte jetzt vier Jahre lang innerlich Wesensmerkmale des Faschismus ab bei allen Trump-Aktionen. Auf jeden Fall ist die Überlegung ein Zeichen dafür, dass es zu spät ist. Krieg können Faschisten schon aus Prinzip besser als alle anderen. Jede Aktion, die wirksam sein soll, muss weit - und viele Jahre - vorher beginnen.

Zum Singen: Nein. Eine umfangreiche Youtube-Rechereche führte mich darauf, dass niemand so singen kann wie James Dean Bradfield. Zahlreiche Coverversionen versuchten sich, zahlreiche Coverversionssinger scheiterten. Am wenigsten kläglich wirken die Varianten, die einfach komplett aufräumen und gar nicht erst versuchen in die Nähe des Gesangs zu kommen. 

Achtbare Coverversionen waren von Theo Azami - (mit bisher 9 Views(!)) oder von Javier Quesada Aneya.

Manchmal wird die Musik auch als Soundtrack benutzt, um politische Inhalte zu transportieren. Der Titel "Wenn du das tolerierst, sind Deine Kinder die nächsten" bietet sich an. So finden sich auch vereinzelte Coronaleugner-Videos mit dem Soundtrack. Allerdings, da die Bezüge auf den spanischen Bürgerkrieg und den Antifaschismus sehr direkt sind, gibt es dafür nur weniger. Spannend aber die Zusammensetzung aus Video und Filmausschnitten aus der Dystopie "V wie Vandetta". Im Jahr 2021 extra irritierend, weil der Film auf eine globale Seuche bezug nimmt.

Und wer mitlesen möchte, kann auch einfach den Text auf englisch und italienisch lesen bei rock in traduzione.

Für mehr Info: Eine lange Doku der BBC über die Manic Street Preachers aus dem Jahr 1998. Und eine "New Musical Express Song Story" speziell zum Song.,

Sonntag, 7. Februar 2021

Parken am Eidersperrwerk möglich?

Parken am Eidersperrwerk ist möglich. Es ist empfehlenswert. Dort gibt es Krabbenbrötchen, Seevögel, Strömung und Meer. 

„Auf einem Bein habe ich gestanden! Bis Hamburg musste ich mich einzwängen!“ Dietbert wedelte mit Armen und Beinen, um die Dramatik der Lage zu unterstreichen. „1979! Ich habe mich in Niebüll in den Zug gezwängt, der erste nach dem großen Schnee in dem Schneechaos. Seit Tagen der erste Zug. Alle wollten in diesen einen Zug. Ich musste auf einem Bein bis Hamburg stehen. So voll war es.“ 

Ich schaute Dietbert an, versuchte mich am Kopfrechnen: 2021 – 1979 = 42. „Im Strampelanzug oder wie?“ 

Er setzte fort: „Das Bein war komplett eingeschlafen. Auf einem Bein hatte mein Vater gestanden! Bis Hamburg musste er sich einzwängen. Es war so furchtbar für meinen Vater. Seitdem fahren wir keine Bahn mehr. Deshalb habe ich den Audi mit Massagesitzen, Ambientbeleuchtung, dem Star-Wars-Hologramm auf der Rückbank und der autonomen Wunderbaum-Drohne Duftrichtung ‚neues Auto‘.“ 

„Und damit fährst du nach Amrum?“ 

„Ne, nie wieder Inseln. Viel zu gefährlich. Über Jahre war ich nur noch im Süden. Aber nächstes Jahr geht es nach Sankt-Peter-Ording. Abenteuerdietbert schlägt zu. Ich suche schon schöne Parkplätze auf der Strecke heraus.“ „Wie wäre es mit dem Eidersperrwerk?“ 

„Kann ich dort parken?“ 

„Aber hallo, der ganze Entertainmentkomplex Eidersperrwerk ist um den Parkplatz herum konzipiert.“ 

Halber Parkplatz am Eidersperrwerk
 

„Ich werde es in Erinnerung behalten. Aber ich muss weiter, Schneechaos verhindern!“ Dietbert hatte das Ansteckset „Schneefräse“ an seinen Rasentraktor montiert, die Version mit gelber Rund-Warnumleuchte. Er patrouillierte die 500 Meter Brandenburger Datschenweg auf und ab, jagte jeder einzelnen der wenigen Schneeflocken hinterher. Das Schneechaos musste gebändigt werden, bevor es auftauchte.“ 

Ich ging zurück, sammelte die letzten vollen Flaschen aus dem Schuppen ein, bevor es dort Minus 10 Grad haben würde, und fragte mich, warum das Eidersperrwerk so autolastig ist. Zwei Antworten fielen mir sofort ein „1967-1973“, die Baujahre. Und „Acht Kilometer“, die Entfernung zur nächsten Kleinstadt. 

Montag, 25. Januar 2021

Das Charlottenburger Stadtbad im Jahr 1900

Manchmal fällt in unserer Wohnung das heiße Wasser aus. In seltenen Fällen dauert es Tage, bis dieses wieder funktioniert. Zwischenzeitlich gehen wir in das Stadtbad Schöneberg zum heiß Duschen. Manchmal sind wir nach der Gartenarbeit in Brandenburg durchgeschwitzt und durchgearbeitet, haben den Eindruck, dass wir ein Level erreichten, dass jenseits einer heißen Dusche liegt, und fahren zum Turm Center Oranienburg auf der Suche nach einem warmen Bade- und Schwaderbecken.

Wir unternehmen damit eine kleine Zeitreise in die Geschichte der Bäder. Jahrzehnte bevor diese Schwimmbecken mit Bahnen hatten, gab es bereits Brause- und Wännenbäder. Die Brausebäder zum sauber werden, die Wannenbäder zum Schwadern. Eine Person allein, in der heißen Badewanne, bereits zu Zeiten als Toiletten bestenfalls auf halber Treppe lagen, Sanitäranlagen in den Wohnungen dürftig waren. Badeanstalten brachten Sauberkeit. Sie brachten schwebendes Wohlfühlen. 

Stadtbad Charlottenburg, Alte Halle (2018)
Kein anderes Bad Berlins ist mit dieser Geschichte des Wannenbads so sehr verbunden, wie das Stadtbad Charlottenburg. Bis 2009 war es das letzte Bad in dem noch Wannenbäder angeboten wurden. Es ist das älteste Bad der Stadt, von den bestehenden Bädern dasjenige, in dem als erstes Badewannen standen: 26 Wannenzellen für die Männer, 12 für die Frauen, gebaut im Jahre 1898. Einen bericht aus dem Jahre 1900 über das Bad fand ich in der Digitalen Landesbibliothek Berlins. 

 Darüber bloggte ich auf Poolhopping: Städtische Volksbadeanstalt Charlottenburg – 1900.

Sonntag, 17. Januar 2021

Balkan-Fleisch-Sauerkraut mit Fleisch aus dem Crocky

Madame vertritt die These, dass die Netflix-Serie "Emily in Paris" vor allem deshalb so erfolgreich ist, weil sie eine komplett gegenwärtige Welt zeigt, mit Instagram, jungen Menschen aus dem Jahr 2021 und allem was sie bewegt, aber ohne Corona. Normalität wie man sie erwarten würde. 

Um dies zu überprüfen schaute ich diese Serie auch, konnte mich nicht einigen, ob sie komplett furchtbar ist oder irgendwie ganz niedlich rüberkommt. Ich ließ die Serie laufen, während ich in der Küche neben an, Podvarak kochte und darüber bloggte.

Emily in Paris erzählt die Geschichte einer jungen Frau, Emily, die aus behüteten Verhältnisse im Mittleren Westen der USA überraschend nach Paris - PARIS! - kommt, um dort in einer französischen Werbeagentur zu arbeiten. Emily kann kein französisch, stolpert von einem Kulturschock in den nächsten, erlebt verschiedene Abenteuer in der Liebe. 

Podvarak-Zwischenstadium.

 

Emily verhält sich, wie man es vom Star einer Nachmittagsunterhaltungsshow erwartet. 

Fashion - LA MODE! - spielt eine wichtige Rolle. Es laufen ununterbrochen schöne junge Menschen, die fabulös gekleidet sind, durch die Gegend und genießen das Leben.

Serbisches Sauerkrautfleisch sieht kein bißchen schön aus und erst recht nicht fabulös. In einigen Zuständen der Zubereitung riecht es eher streng. Darüber bloggte ich nebenan.

Das Wort Paris im Serientitel soll übrigens französisch ausgesprochen werden, so dass sich "emiLY in paRI" beinahe reimt. Was in seiner furchtbaren Niedlichkeit ganz gut Appeal und Schrecken der Serie darstellt. Alle Beteiligten, außer Emily, sind erfolgreich und weltgewandt. Wir nehmen Emilys Position dabei ein, in diese phantastische Welt der Werbung und der Kommunikation einzutreten.


Podvarak, das serbische Sauerkrautfleisch ist keineswegs weltgewandt, ganz sicher nicht niedlich oder fabulös. Es ist massiv. Wäre das adjektiv "rustikal" noch nicht erfunden, würde allein die Existenz von Podvarak die Erfindung des Worts rechtfertigen. Podvarak ist quasi die Winterversion von Đuveč - was nun wieder etwas anderes ist als Đuvečreis - darüber bloggte ich auf low-n-slow.

Emily wird nach dem Überraschungserfolg, den die ganze Welt außer mir schon im Sommer feierte, eine zweite Staffel bekommen. Ob diese so gut funktionieren wird wie die erste? Wenn die Menschen wieder etwas unternehmen können und sich Restaurantbesuche nicht nur im Fernsehen ansehen müssen. Wir werden es sehen.

Freitag, 15. Januar 2021

Neues Blog: Kochen für Geduldige

Ihr kennt diese Kochshows im Fernsehen? Ein hektischer Moderator läuft zwischen den Kandidaten hindurch, brüllt etwas. Eine Uhr ticket herunter. Die Lampe blinkt. Die Kandidaten starren angsterfüllt, aber doch voller Hoffnung auf die drei Pfannen: wird es noch auf die Sekunde genau perfekt? Der Moderator hat sich inzwischen eine Tröte geholt. Der Countdown läuft in großen Zahlen über das Zahl. Ein Kandidat stolpert, kann sich gerade noch halten. Dramatik, Spannung, ein großes Finales im letzten Augenblick.

Das will ich nicht.

Erdlochofen. Erster Test.


Ich schreibe, was an sich schon ein langsames Medium ist. Mein perfekter Kochtag sieht so aus, dass ich irgendwann Vormittags alles richte und mache, und dann im entsprechenden Moment vom Liegestuhl aufstehe, das Buch zur Seite lege und das fertige Essen hole. Gut Aroma braucht seine Zeit. Viele der besten Mahlzeiten schmecken am besten, wenn sie noch ein oder zwei Tage durchgezogen sind. Viele der besten Lebensmittel haben Tage oder gar Wochen, wenn nicht sogar Monate der Reifung hinter sich.

Darum soll es im neuen Blog gehen: Meine Artikel zum Essen und Trinken sind meist für Geduldige. Jetzt, nach zwei Jahren des Überlegens, wandern sie in einen eigenen Blog: Low-n-slow, zu deutsch: Niedrig(e Temperatur) und langsames Kochtempo. Mit Artikeln zu Essen aus Slow Cooker, Kugelgrill, Dutch Oven, Erdofen und was auch immer vorbeikommt. Kulturgeschichte des Essens und der Lebensmittel kommt ebenso vor, wie die Frage, was Lebensmittel für den Alltag besorgen.

Zeitlos natürlich. Unhektisch. Den Trends immer zwei Jahre hinterher oder ein Jahr voraus. Manchmal weiß der Igel, wo der Hase hinlaufen wird, manchmal ist es auch egal. Hauptsache Liegestuhl und Aroma. Die alten Posts zum Thema bleiben hier, die neuen Blogbeiträge zu Essen und Trinken liegen unter Low-n-slow.

Jo.


Donnerstag, 7. Januar 2021

Wikipedia zirpt

Letztens wurde ich über die Coolest Tool Award der Wikimedia gestolpert. Eine interne Auszeichnung für die besten technischen Helferlein, die das Wikiversum erschaffen hat. Ich bloggte nebenan darüber. Am stärksten interessierte mich der Pywikibot: ein Bot für Bots. Oder seriöser ausgedrückt: ein Framework zur Erschaffung von Bots. Allerdings wurde auch andere Projekte ausgezeichnet. 

So zum Beispiel "Listen to Wikipedia". Ein Programm und eine Website, die Wikipedia-Bearbeitungen in Töne übersetzt. Das ist recht atmosphärisch - mir in seiner konkreten Ausgestaltung aber auch schnell zu plengelig-zirpig, schnell bin ich gedanklich bei orangen Seidenvorhängen, Samt-Sitzsäcken, Tee, gemusterten Cord-Hemden, düsterem Licht und einer unglaublich schlechten Luft. Mit Wehmut denke ich an daturas Tool von Anno Dunne zurück, das Wikipedia-Bearbeitungen in Vogelstimmen übersetzte. Ich bloggte nebenan über die Coolest Tools. 

Wobei die Grundidee - Wikipedia in Töne zu übersetzen - zu den besseren Ideen dieser Wikiwelt gehört. Die konkrete Ausgestaltung bleibt ja geschmackssache. Wenn der Bot steht: so schwer kann es doch nicht sein, das Konzept auch für Thrash Metal Riffs umzuwandeln. Auch nicht meine Musik, aber was anderes. Vollkommen aus den Augen verlor ich in 2020 meine vagen Ideen, Wikipedia und Tanz zusammenzubringen. Vielleicht weil das Jahr 2020 und Tanz so unfassbar schlecht zusammenpassten. 

So stelle ich mir Wikipedia-Veranstaltungen 2021 vor. Bild: Die schwedische Death-Metal-Band Tribulation auf dem Rock unter den Eichen 2019 in Bertingen, Deutschland. Von: S. Bollmann Lizenz; The copyright holder of this file, Stefan Bollmann, allows anyone to use it for any purpose, provided that the copyright holder is properly attributed. Redistribution, derivative work, commercial use, and all other use is permitted.
 

Aber im Moment haben wir 2021. Die oftmals verkofpte und emotional unbeholfene Online-Enzyklopädie und die Kunstform mit dem wenigsten Kopf und der meisten wortlosen Abstraktion. Es kann ganz arg unbeholfen werden. Aber ich vermute hier kann großes entstehen. Vielleicht sollten wir harmlos anfangen und im Komfortbereich des Wikipedia-Meanstreams bleiben "Wiki Loves Thrash Metal" zum Beispiel, oder eine getanzte Gruppenchoreographie der Admins auf der nächsten Wikicon. Ich ahne großartiges, wir müssen es nur finden. 

Noch aber ist es Zeit auf das letzte Jahr und die Jahre davor zurückzuschauen. Mit Dingen, die näher am Herz der Online-Enzyklopädie sind: Software, die praktisch ist. Tools. Diese wurden mit dem Coolest Tool Award ausgezeichnet und ich bloggte nebenan darüber.  Begleitet von plingenden Listen-to-Wikipedia-Soundtrack. Nächstes Jahr können wir dann hoffentlich auf das Vandalismusballett zurückschauen.