Freitag, 15. Januar 2021

Neues Blog: Kochen für Geduldige

Ihr kennt diese Kochshows im Fernsehen? Ein hektischer Moderator läuft zwischen den Kandidaten hindurch, brüllt etwas. Eine Uhr ticket herunter. Die Lampe blinkt. Die Kandidaten starren angsterfüllt, aber doch voller Hoffnung auf die drei Pfannen: wird es noch auf die Sekunde genau perfekt? Der Moderator hat sich inzwischen eine Tröte geholt. Der Countdown läuft in großen Zahlen über das Zahl. Ein Kandidat stolpert, kann sich gerade noch halten. Dramatik, Spannung, ein großes Finales im letzten Augenblick.

Das will ich nicht.

Erdlochofen. Erster Test.


Ich schreibe, was an sich schon ein langsames Medium ist. Mein perfekter Kochtag sieht so aus, dass ich irgendwann Vormittags alles richte und mache, und dann im entsprechenden Moment vom Liegestuhl aufstehe, das Buch zur Seite lege und das fertige Essen hole. Gut Aroma braucht seine Zeit. Viele der besten Mahlzeiten schmecken am besten, wenn sie noch ein oder zwei Tage durchgezogen sind. Viele der besten Lebensmittel haben Tage oder gar Wochen, wenn nicht sogar Monate der Reifung hinter sich.

Darum soll es im neuen Blog gehen: Meine Artikel zum Essen und Trinken sind meist für Geduldige. Jetzt, nach zwei Jahren des Überlegens, wandern sie in einen eigenen Blog: Low-n-slow, zu deutsch: Niedrig(e Temperatur) und langsames Kochtempo. Mit Artikeln zu Essen aus Slow Cooker, Kugelgrill, Dutch Oven, Erdofen und was auch immer vorbeikommt. Kulturgeschichte des Essens und der Lebensmittel kommt ebenso vor, wie die Frage, was Lebensmittel für den Alltag besorgen.

Zeitlos natürlich. Unhektisch. Den Trends immer zwei Jahre hinterher oder ein Jahr voraus. Manchmal weiß der Igel, wo der Hase hinlaufen wird, manchmal ist es auch egal. Hauptsache Liegestuhl und Aroma. Die alten Posts zum Thema bleiben hier, die neuen Blogbeiträge zu Essen und Trinken liegen unter Low-n-slow.

Jo.


Donnerstag, 7. Januar 2021

Wikipedia zirpt

Letztens wurde ich über die Coolest Tool Award der Wikimedia gestolpert. Eine interne Auszeichnung für die besten technischen Helferlein, die das Wikiversum erschaffen hat. Ich bloggte nebenan darüber. Am stärksten interessierte mich der Pywikibot: ein Bot für Bots. Oder seriöser ausgedrückt: ein Framework zur Erschaffung von Bots. Allerdings wurde auch andere Projekte ausgezeichnet. 

So zum Beispiel "Listen to Wikipedia". Ein Programm und eine Website, die Wikipedia-Bearbeitungen in Töne übersetzt. Das ist recht atmosphärisch - mir in seiner konkreten Ausgestaltung aber auch schnell zu plengelig-zirpig, schnell bin ich gedanklich bei orangen Seidenvorhängen, Samt-Sitzsäcken, Tee, gemusterten Cord-Hemden, düsterem Licht und einer unglaublich schlechten Luft. Mit Wehmut denke ich an daturas Tool von Anno Dunne zurück, das Wikipedia-Bearbeitungen in Vogelstimmen übersetzte. Ich bloggte nebenan über die Coolest Tools. 

Wobei die Grundidee - Wikipedia in Töne zu übersetzen - zu den besseren Ideen dieser Wikiwelt gehört. Die konkrete Ausgestaltung bleibt ja geschmackssache. Wenn der Bot steht: so schwer kann es doch nicht sein, das Konzept auch für Thrash Metal Riffs umzuwandeln. Auch nicht meine Musik, aber was anderes. Vollkommen aus den Augen verlor ich in 2020 meine vagen Ideen, Wikipedia und Tanz zusammenzubringen. Vielleicht weil das Jahr 2020 und Tanz so unfassbar schlecht zusammenpassten. 

So stelle ich mir Wikipedia-Veranstaltungen 2021 vor. Bild: Die schwedische Death-Metal-Band Tribulation auf dem Rock unter den Eichen 2019 in Bertingen, Deutschland. Von: S. Bollmann Lizenz; The copyright holder of this file, Stefan Bollmann, allows anyone to use it for any purpose, provided that the copyright holder is properly attributed. Redistribution, derivative work, commercial use, and all other use is permitted.
 

Aber im Moment haben wir 2021. Die oftmals verkofpte und emotional unbeholfene Online-Enzyklopädie und die Kunstform mit dem wenigsten Kopf und der meisten wortlosen Abstraktion. Es kann ganz arg unbeholfen werden. Aber ich vermute hier kann großes entstehen. Vielleicht sollten wir harmlos anfangen und im Komfortbereich des Wikipedia-Meanstreams bleiben "Wiki Loves Thrash Metal" zum Beispiel, oder eine getanzte Gruppenchoreographie der Admins auf der nächsten Wikicon. Ich ahne großartiges, wir müssen es nur finden. 

Noch aber ist es Zeit auf das letzte Jahr und die Jahre davor zurückzuschauen. Mit Dingen, die näher am Herz der Online-Enzyklopädie sind: Software, die praktisch ist. Tools. Diese wurden mit dem Coolest Tool Award ausgezeichnet und ich bloggte nebenan darüber.  Begleitet von plingenden Listen-to-Wikipedia-Soundtrack. Nächstes Jahr können wir dann hoffentlich auf das Vandalismusballett zurückschauen.