Die deutsche Sprache kennt 32 Wörter für Regen. Mindestens 16 von diesen ließen sich an diesem Brandenburger Spätabend anwenden. Ein Zug soll kommen, in ihm Ms Fluffy. Sie kommt mit der S-Bahn aus Berlin, sprintet dann in Hennigsdorf einmal den Bahnsteig entlang zur Regionalbahn Neuruppin und dann nach Kremmen.
Ein Bahnhof. Ein Bahnsteig. Zwei Gleise. Eines davon endet hier. Ein großer Parkplatz für den Pendelverkehr nach Berlin. Pionierfauna neben dem Funkmast. Ein Funkmast, ein Überbleibsel von DDR-Truppen? Das Bahnhofsgebäude ist als solches nicht mehr in Betrieb. Vor einigen Jahren hingen hier neue Schilder mit dem Hinweis auf einen Kiosk. Vom Kiosk selber war nie etwas zu sehen. Die Schilder verschwanden mittlerweile auch wieder.
Auf der anderen Seite der Gleise: Gebüsch, Wald, Pflanzengerümpel. Vielleicht fliegt einmal ein Rotmilan vorbei.
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Samstag, 30. Dezember 2017
Mittwoch, 16. August 2017
Resist to Exist - The Kids are alright
Nach Wacken geht’s zum Kacken.
Der Antifaschist fährt zum Resist.
Auch wenn es pisst. (Henne, Sänger von Rawside)
Junge Männer klettern auf den Bühnenzaun, schwenken die Fahne der Antifaschistischen Aktion. Die Ordnerin mit Union-Berlin-Käppi rennt herbei, versucht sie wieder herunter zu bewegen. Die dünne junge Frau mit der Rockabilly-Frisur, den Docs und dem „No Pasaran“-Tattoo bindet sich derweil die Haare, während zwei andere junge Frauen mit blonden bzw. blauen Haaren dem Typ mit dem halbnackten Oberkörper Schlamm ins Gesicht schmieren. Auf der Bühne rührt ein Russe mit Eishockeytorwartmaske, weißen Markenturnschuhen (wie hat er die in diesem Schlamm so weiß gehalten) irgendwas über Widerstand.
Nebenan, im Kuhstall, die Punks in den Polizeiuniformen, lassen es sich im Backstagebereich gutgehen. Verkaufsstände verkaufen „NZS BXN!“-T-Shirts, der Drugstore von der Potse in Berlin Schöneberg verkauft Solischnapps und die tschechische Antifa hat einen eigenen Merchandise-Stand.
Willkommen im Dorfe in Brandenburg.
Resist to Exist, existiert seit 2003. 2.500 Punks und Freunde aus Deutschland und Europa hören Punk, Hardcore, Streetcore, HC-Rap und Ska. Ursprünglich aus Berlin-Marzahn, findet das Festival mittlerweile in Kremmen statt: 3000 Einwohner, zwischen Berlin und Neuruppin, umgeben von Rhinluch mit Kremmener See, Schloss Schwante, Schloss Grossziethen, viel Lehm, viel Sand ein wenig Wald, ein Spargelhof und ein Selbstpflücker-Gemüsefeld.
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Dienstag, 13. September 2016
Badestelle Brandenburg: Schwimmen im Kremmener See
Es lag einst eine moorige Sumpflandschaft inmitten der Sandbüchse Mark
Brandenburg: das Rhinluch. Die Ebene, wo der Fluss Rhin eben nicht fließt, sondern sich eher häuslich einrichtet, verharrt und sich ausbreitet. Menschlicher Nutzung entzogen die Gegend sich durch ihre Sumpfigkeit, einzig durch
einen schmalen Damm konnten Menschen sie überqueren.
Bereits die Preußen versuchten seit dem 18. Jahrhundert die Gegend zu entwässern, um sie nutzbar zu machen. Aber erst die DDR konnte dabei ernsthafte Erfolge feiern.
Es kam, wie es kommen musste: mittlerweile kämpfen Naturschützer darum, wenigstens Reste des Rhinluchs (nordwestlich von Berlin, zwischen Oranienburg und Neuruppin) in seiner Sumpfigkeit erhalten, einen der deutschen Hauptrastplätze des Kranichzugs, Lebensraum für Rotbauchunke, Adler, Bekassine, Zwergtaucher, Kiebitz und was sonst noch die feuchte Wiese/ den flachen See liebt. Teile der Gegend stehen mittlerweile unter Naturschutz.
Bereits die Preußen versuchten seit dem 18. Jahrhundert die Gegend zu entwässern, um sie nutzbar zu machen. Aber erst die DDR konnte dabei ernsthafte Erfolge feiern.
![]() |
| Zentralbild Martin 25.7.1959 Jugendobjekt
Milchstraße Berlin. 43000 ha Wiesen- und Buschland legen Jugendliche für
die landwirtschaftliche Nutzung im Havel-Rienluch trocken. Diese Wiesen
waren bisher zur Viehfütterung nicht zu verwerten, da sie die meiste
Zeit des Jahres unter Wasser standen. 1550 freiwillig arbeitende
Jugendliche reinigen die vorhandenen Gräben und legen neue Gräben an,
damit der Grundwasserspiegel sinkt und das Regen- sowie Schmelzwasser im
Frühjahr abfliessen kann. Damit stehen erhebliche Mengen Futter
zusätzlich zur Verfügung, wodurch die Landwirtschaftsbetriebe dieser
Gegend in der Lage sind, ihre Viehbestände erheblich zu erweitern und
die tierische Produktion zu steigern. UBz: Ein Graben wird gesprengt. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-65843-0003 / CC-BY-SA 3.0 |
Es kam, wie es kommen musste: mittlerweile kämpfen Naturschützer darum, wenigstens Reste des Rhinluchs (nordwestlich von Berlin, zwischen Oranienburg und Neuruppin) in seiner Sumpfigkeit erhalten, einen der deutschen Hauptrastplätze des Kranichzugs, Lebensraum für Rotbauchunke, Adler, Bekassine, Zwergtaucher, Kiebitz und was sonst noch die feuchte Wiese/ den flachen See liebt. Teile der Gegend stehen mittlerweile unter Naturschutz.
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Montag, 15. August 2016
Heidel/Blau/Wald/Zeck/Moos
Es wird Herbst. Die Äpfel fallen uns vor die Füße. Wortwörtlich. Unser kleines Alkmene-Bäumchen hat Ende Juli den ersten verzehrfähigen Apfel abgeworfen; Sie sind noch nicht richtig reif und wurmstichig, aber in Teilen essbar. Die Nachbarin hat uns von ihrem Baum (Sorte noch unbekannt) gleich eine ganze Schüssel Fall-Äpfel für Apfelmus mitgegeben. Der James Grieve, unser Sommerapfel, ist schon halb abgeerntet.
Unser Selbstpflücker-Feld-für-alles-von-Erdbeeren-über-blauen-Blumenkohl-bis-Dill-und-Salat hat auch die ersten Äpfel im Angebot: Piros. Wie Pirol. Pinova, Pingo, Pisaxa und drei Dutzend andere Sorten ist Piros eine Sorte der Dresdner Obstforscher aus Pillnitz. Eingeführt in den Markt 1985, eine echte DDR-Sorte. Piros ist Sommersorte, frühblühend, frühtragend, nicht sehr lagerfähig und so mäßig aromatisch. Aber der Apfel ist da!
Bevor die Äpfel und die andere reichhaltige Herbst-Ernte dominieren, will ich doch noch mal etwas vom Sommer schwärmen mit einem echten Sommerobst: Heidelbeeren/Blaubeeren/ Schwarzbeeren/ Mollbeeren/ Wildbeeren/ Waldbeeren/ Bickbeeren/ Zeckbeeren/ Moosbeeren/ Heubeeren. Sie wachsen wild in Europa und sind dank ihrer tausenderlei tollen Inhaltsstoffen Superfood-verdächtig.
Aber könnte je etwas in Deutschland Superfood werden, was die Menschen schon von ihren Eltern kennen? Kann etwas total normal und gleichzeitig super sein? Natürlich nicht. Die Heidelbeere ist viel zu bekannt und zu profan, um sich jemals als Superfood durchsetzen zu können. Dabei haben die Beeren etwas für sich: neben Wasser und Kohlehydraten enthalten sie vor allem Pektin und mehr gesunde Chemikalien als eine halbe Apotheke.
Unser Selbstpflücker-Feld-für-alles-von-Erdbeeren-über-blauen-Blumenkohl-bis-Dill-und-Salat hat auch die ersten Äpfel im Angebot: Piros. Wie Pirol. Pinova, Pingo, Pisaxa und drei Dutzend andere Sorten ist Piros eine Sorte der Dresdner Obstforscher aus Pillnitz. Eingeführt in den Markt 1985, eine echte DDR-Sorte. Piros ist Sommersorte, frühblühend, frühtragend, nicht sehr lagerfähig und so mäßig aromatisch. Aber der Apfel ist da!
Bevor die Äpfel und die andere reichhaltige Herbst-Ernte dominieren, will ich doch noch mal etwas vom Sommer schwärmen mit einem echten Sommerobst: Heidelbeeren/Blaubeeren/ Schwarzbeeren/ Mollbeeren/ Wildbeeren/ Waldbeeren/ Bickbeeren/ Zeckbeeren/ Moosbeeren/ Heubeeren. Sie wachsen wild in Europa und sind dank ihrer tausenderlei tollen Inhaltsstoffen Superfood-verdächtig.
Aber könnte je etwas in Deutschland Superfood werden, was die Menschen schon von ihren Eltern kennen? Kann etwas total normal und gleichzeitig super sein? Natürlich nicht. Die Heidelbeere ist viel zu bekannt und zu profan, um sich jemals als Superfood durchsetzen zu können. Dabei haben die Beeren etwas für sich: neben Wasser und Kohlehydraten enthalten sie vor allem Pektin und mehr gesunde Chemikalien als eine halbe Apotheke.
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Mittwoch, 8. Juni 2016
Kommunistenspargel - Spargelanbau in der DDR
Vor einiger Zeit habe ich schon versucht zu ergründen, ob es in der DDR Spaghetti gab. Nun gibt es neben Spaghetti auch anderes feines Essen. Gerade in Berlin, das mittlerweile von Brandenburger Spargelhöfen umkreist und eingeschlossen ist, stellt sich die Anschlussfrage: Wie sah es eigentlich mit dem Spargel in der DDR aus? Konnte man auch vor 1990 nett entlang der Spargelfelder lustwandeln? Zumindest nach der in Beelitz nacherzählten Legende, haben dort die Spargelbauern seit 1990 alles wieder quasi aus dem Nichts erschaffen.
Immerhin: die Grundfrage lässt sich einfach beantworten: gab es in der DDR Spargel? Ja! Gab es soviel Spargel wie heute? Nein. Mit detaillierteren Informationen wird es schwieriger.
Vor der DDR existierte auf jeden Fall Spargel. Die Brandenburger Streusandbüchse bietet sich zur Spargelzucht an. Mit Berlin existiert auch ein naheliegender Markt für große Mengen des Gemüses. Die Brandenburger Kleinstadt Beelitz - gelegen etwas südlich von Berlin auf einem Sander aus Sand, Kies und Geröll - war schon vor dem Krieg berühmt für seinen Spargel. Von 1870 bis in die 1930er dehnte sich die Anbaufläche stets aus. In den letzten Jahrzehnten kamen ebenso zu Touristen zum Spargelfest nach Beelitz wie Erntehelfer aus Osteuropa.
Huchels Leistungsauslese können passionierter Kleingärtner auch heute noch als Pflanzen und Samen kaufen. 1929 entstand aus Huchels Forschungen die Deutsche Spargelhochzuchtgesellschaft Osterburg/Altmark.
Immerhin: die Grundfrage lässt sich einfach beantworten: gab es in der DDR Spargel? Ja! Gab es soviel Spargel wie heute? Nein. Mit detaillierteren Informationen wird es schwieriger.
Vor der DDR existierte auf jeden Fall Spargel. Die Brandenburger Streusandbüchse bietet sich zur Spargelzucht an. Mit Berlin existiert auch ein naheliegender Markt für große Mengen des Gemüses. Die Brandenburger Kleinstadt Beelitz - gelegen etwas südlich von Berlin auf einem Sander aus Sand, Kies und Geröll - war schon vor dem Krieg berühmt für seinen Spargel. Von 1870 bis in die 1930er dehnte sich die Anbaufläche stets aus. In den letzten Jahrzehnten kamen ebenso zu Touristen zum Spargelfest nach Beelitz wie Erntehelfer aus Osteuropa.
Spargelernte in Brandenburg. Vor 1945. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R0312-500 / CC-BY-SA 3.0
Vor-DDR-Spargel
Historisch wichtiger, heutzutage als Spargelgebiet weniger bekannt, ist die Altmark, heute im nördlichen Sachsen-Anhalt. Wie Brandenburg auch ein trockenes Gebiet mit leichten Sandböden. Um das Zentrum Osterburg herum gab es nicht nur regen Spargel-Anbau, sondern mit August Huchel auch eine der prägenden Gestalten der frühen Spargelzucht. Huchel untersuchte in den zwanziger Jahren planmäßig große Mengen der damals vorherrschenden lokal begrenzten Landsorten und begann die Spargelzucht zu systematisieren. Daraus entstand Huchels Leistungsauslese, die erste deutsche Spargelsorte im engeren Sinne.
Huchels Leistungsauslese können passionierter Kleingärtner auch heute noch als Pflanzen und Samen kaufen. 1929 entstand aus Huchels Forschungen die Deutsche Spargelhochzuchtgesellschaft Osterburg/Altmark.
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Dienstag, 7. Juni 2016
Spargelberge
Sieben Menschen aus dem weiteren Wikipedia-Umfeld stapfen durch den Sand. Spargelsand. Beginnend am Bahnhof Kremmen in Oberhavel geht es nach einem kleinen Rundparcours durch "Europas größtes Scheunenviertel" vorbei an Gaststätten und Andenkenläden zum Spargelhof mit angeschlossenem Streichelzoo, einem Eisverkauf und dem großartigen Spielplatz mit Traktorthema.
Die Kremmener Erntekönigin 2015/2016 verkauft Stücke einer Riesenerdbeertorte zu Gunsten von Frank Zanders Obdachlosenessen. Überholt von der galoppierenden Postkutsche geht es hinauf aus Land.
An der Straße stehen die besten Häuser aus den 30ern, 60ern und von heute. DDR-Zäune aus Armierungsstahl stehen neben dem was heutige Hauskataloge zu bieten haben: Säulen, Veranden, Steingärten und Riesenbonsais. Ziegen dösen im Schatten neben dem Schiefermonstrum mit einer Lichterkette, die eher an Zähne erinnert. Eine verlassene Straße, an jedem zweiten Grundstück das Schild "Warnung vor dem Hund." Einmal hängt am Zaun auch auch "Den Hund bitte nicht beachten". Der zu ignorierende Hund ist fast so groß wie der Zaun, wahrscheinlich reicht ihm ein kleiner Hüpfer, um auf die Straße zu kommen.
Auf den Grundstücken stehen Rosen, Pferdeanhänger und selbst liebevoll gestaltete Vogelscheuchen. An etwa jedem fünften Haus wird die Auffahrt neu gepflastert, Eine Ameisenstraße verläuft quer über den Weg. Warum machen die Ameisen denn einen Knick mittendrin? - Erdmagnetfeld!
Die Häuser verschwinden. Flugsanddünen am Weg. Dort wächst ein Restwäldchen von Kiefern. Der kleine Robinienansammlung in der Mitte blüht. DTausende von Bienen haben die Robinien ebenfalls entdeckt. Keine Biene zu sehen, aber der Wald summt als wären wir inmitten eines Bienenschwarms.
Wo auf dem Sand keine Kiefern stehen, sind Spargelfelder angelegt. Sand ist gut. Berlin und dessen spargelfreudige Konsumenten sind nicht weit. Die Ex-LPG-Felder haben eine dementsprechende Größe. Wir sind in Ostelbien. Versehen sind die Felder mit kilometern an Bewässerungsschläuchen. Spargel mag keine Staunässe - deshalb Sand - aber viel Wasser. In Brandenburg regnet es eher selten.
Der erste Spargel darf schon frei wachsen und sich erholen. Die weiße Folie ist entfernt. Schmale grüne Stengel strecken sich aus dem Spargeldamm heraus. Im Damm selbst sind noch einzelne weiße Stangen, die mensch ausbuddeln kann. In dieser Reihe ist die Saison bereits vorbei.
Heutzutage werden kommerziell nur noch zwei Spargelsorten angebaut. Die eine kann von April bis Ende Mai gestochen werden. Die andere rettet dem Bauern die Saison bis zum 24. Juni. Anderswo gibt es bereits Spargelzelte mit Bodenheizung, um die Ernte bis in den März ausdehnen zu können.
Zwei Spargelreihen weiter wird selbst am Sonntag gestochen. Die Arbeiter hören südosteuropäischen Turbofolk. Kann jemand die Sprache erkennen? Die Männer, jung, drahtig, muskulös, schieben Gestelle vor sich her. Diese Spargelmaschine? Wie heißt sie? "Spargelspinne" steht auf dem Gerät. Aber das scheint ein Markenname zu sein. Gibt es einen genereischen Begriff? Spargelauto? Folienlotte!
Der Sand wird zu Lehm. Der Sandweg - nicht geeignet für Fahrräder zu einem Lehmweg, verstärkt mit Feldsteinen und Bauschutt. Auch nicht geeignet für Fahrräder. Die Spargel- werden zu Raps- und Maisfeldern. Was wächst dort am Raps? Kornblumen! Mohn wächst! Klatschmohn? Oder anderer? Wie erkennt man die Unterschiede? Die Alte Weide hier: ist sie wohl als Naturdenkmal geschützt? Wir überqueren eine Landstraße. Ein kleines Kreuz mit frischen Blumen steht an der Einmündung.
Brandenburg hat Relief. Selbst das Berliner Umland. Hügelauf- und Hügelab. Dass dort jede kleine Erhebung gleich "Berg" oder "Berge" heißt, scheint übertrieben. Aber auf und ab geht es definitiv.
Es donnert. Ein Regenbogen. War der Himmel nicht vor 10 Minuten noch strahlend blau? Es regnet. Heftig, aber kurz. Vermutlich hat es oben schon aufgehört zu regnen als die ersten Tropfen unten ankamen. Über dem Raps kreist ein Milan. Nicht weit entfernt ist Eden. Eden, Ortsteil von Oranienburg. Eine Mustersiedlung für Vegetarier aus den 1900ern mit großen Gärten und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Oranienburg und Umland war schon lange Fluchtort für Berliner.
Jetzt noch auf den Gipfel des letzten Hügels erklimmen. Dann hinab zu Rhabarbercrumble, Erdbeeren und Sahnejoghurt. Eiszeitland im Frühsommer.
Die Kremmener Erntekönigin 2015/2016 verkauft Stücke einer Riesenerdbeertorte zu Gunsten von Frank Zanders Obdachlosenessen. Überholt von der galoppierenden Postkutsche geht es hinauf aus Land.
An der Straße stehen die besten Häuser aus den 30ern, 60ern und von heute. DDR-Zäune aus Armierungsstahl stehen neben dem was heutige Hauskataloge zu bieten haben: Säulen, Veranden, Steingärten und Riesenbonsais. Ziegen dösen im Schatten neben dem Schiefermonstrum mit einer Lichterkette, die eher an Zähne erinnert. Eine verlassene Straße, an jedem zweiten Grundstück das Schild "Warnung vor dem Hund." Einmal hängt am Zaun auch auch "Den Hund bitte nicht beachten". Der zu ignorierende Hund ist fast so groß wie der Zaun, wahrscheinlich reicht ihm ein kleiner Hüpfer, um auf die Straße zu kommen.
Auf den Grundstücken stehen Rosen, Pferdeanhänger und selbst liebevoll gestaltete Vogelscheuchen. An etwa jedem fünften Haus wird die Auffahrt neu gepflastert, Eine Ameisenstraße verläuft quer über den Weg. Warum machen die Ameisen denn einen Knick mittendrin? - Erdmagnetfeld!
Die Häuser verschwinden. Flugsanddünen am Weg. Dort wächst ein Restwäldchen von Kiefern. Der kleine Robinienansammlung in der Mitte blüht. DTausende von Bienen haben die Robinien ebenfalls entdeckt. Keine Biene zu sehen, aber der Wald summt als wären wir inmitten eines Bienenschwarms.
Wo auf dem Sand keine Kiefern stehen, sind Spargelfelder angelegt. Sand ist gut. Berlin und dessen spargelfreudige Konsumenten sind nicht weit. Die Ex-LPG-Felder haben eine dementsprechende Größe. Wir sind in Ostelbien. Versehen sind die Felder mit kilometern an Bewässerungsschläuchen. Spargel mag keine Staunässe - deshalb Sand - aber viel Wasser. In Brandenburg regnet es eher selten.
Der erste Spargel darf schon frei wachsen und sich erholen. Die weiße Folie ist entfernt. Schmale grüne Stengel strecken sich aus dem Spargeldamm heraus. Im Damm selbst sind noch einzelne weiße Stangen, die mensch ausbuddeln kann. In dieser Reihe ist die Saison bereits vorbei.
Heutzutage werden kommerziell nur noch zwei Spargelsorten angebaut. Die eine kann von April bis Ende Mai gestochen werden. Die andere rettet dem Bauern die Saison bis zum 24. Juni. Anderswo gibt es bereits Spargelzelte mit Bodenheizung, um die Ernte bis in den März ausdehnen zu können.
Zwei Spargelreihen weiter wird selbst am Sonntag gestochen. Die Arbeiter hören südosteuropäischen Turbofolk. Kann jemand die Sprache erkennen? Die Männer, jung, drahtig, muskulös, schieben Gestelle vor sich her. Diese Spargelmaschine? Wie heißt sie? "Spargelspinne" steht auf dem Gerät. Aber das scheint ein Markenname zu sein. Gibt es einen genereischen Begriff? Spargelauto? Folienlotte!
Der Sand wird zu Lehm. Der Sandweg - nicht geeignet für Fahrräder zu einem Lehmweg, verstärkt mit Feldsteinen und Bauschutt. Auch nicht geeignet für Fahrräder. Die Spargel- werden zu Raps- und Maisfeldern. Was wächst dort am Raps? Kornblumen! Mohn wächst! Klatschmohn? Oder anderer? Wie erkennt man die Unterschiede? Die Alte Weide hier: ist sie wohl als Naturdenkmal geschützt? Wir überqueren eine Landstraße. Ein kleines Kreuz mit frischen Blumen steht an der Einmündung.
Brandenburg hat Relief. Selbst das Berliner Umland. Hügelauf- und Hügelab. Dass dort jede kleine Erhebung gleich "Berg" oder "Berge" heißt, scheint übertrieben. Aber auf und ab geht es definitiv.
Es donnert. Ein Regenbogen. War der Himmel nicht vor 10 Minuten noch strahlend blau? Es regnet. Heftig, aber kurz. Vermutlich hat es oben schon aufgehört zu regnen als die ersten Tropfen unten ankamen. Über dem Raps kreist ein Milan. Nicht weit entfernt ist Eden. Eden, Ortsteil von Oranienburg. Eine Mustersiedlung für Vegetarier aus den 1900ern mit großen Gärten und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Oranienburg und Umland war schon lange Fluchtort für Berliner.
Jetzt noch auf den Gipfel des letzten Hügels erklimmen. Dann hinab zu Rhabarbercrumble, Erdbeeren und Sahnejoghurt. Eiszeitland im Frühsommer.
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Freitag, 3. Juni 2016
Flugsanddünen
Lehm.
Natürlich. Zu bedenken gilt allerdings: Die Welt besteht nicht nur aus Lehm. Auch wenn dieses Blog vielleicht den Anschein erwecken kann. Es existiert auch Ton. Ton ist wichtig. Dem Ton verdankt Brandenburg seine Backsteinklöster, Berlin seine alten Bauten, Velten verdankt dem Ton ein Ofenmuseum und das Ländchen Glien verdankt ihm seinen Eisenbahnanschluss. Aber dazu später mehr. Es gibt auch Sand.
Sand in Brandenburg wirkt als Thema nicht originell. Als "märkische Sandbüchse" verschrien, vermutlich mit Berechtigung. Wir sind aber nicht irgendwo in Brandenburg. Wir sind im Ländchen Glien. Glien ist slawisch für Lehm - da nun ist Sand erklärungsbedürftig.
Nach den Eiszeiten gab es keinen Sand. Nicht hier auf der leicht erhöhten Lehmplatte im Ländchen. Aber nebenan war Sand. In den Flusstälern dessen was später einmal die Havel werden sollte. Ansonsten war es wüst und leer. Und es war Wind. Und der Wind wehte durch die Täler, nahm den Sand mit und türmte ihn andernorts wieder auf. Es entstanden Dünen. Und dann war Wald.
Sand in Brandenburg wirkt als Thema nicht originell. Als "märkische Sandbüchse" verschrien, vermutlich mit Berechtigung. Wir sind aber nicht irgendwo in Brandenburg. Wir sind im Ländchen Glien. Glien ist slawisch für Lehm - da nun ist Sand erklärungsbedürftig.
Nach den Eiszeiten gab es keinen Sand. Nicht hier auf der leicht erhöhten Lehmplatte im Ländchen. Aber nebenan war Sand. In den Flusstälern dessen was später einmal die Havel werden sollte. Ansonsten war es wüst und leer. Und es war Wind. Und der Wind wehte durch die Täler, nahm den Sand mit und türmte ihn andernorts wieder auf. Es entstanden Dünen. Und dann war Wald.
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