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Sonntag, 7. Februar 2021

Parken am Eidersperrwerk möglich?

Parken am Eidersperrwerk ist möglich. Es ist empfehlenswert. Dort gibt es Krabbenbrötchen, Seevögel, Strömung und Meer. 

„Auf einem Bein habe ich gestanden! Bis Hamburg musste ich mich einzwängen!“ Dietbert wedelte mit Armen und Beinen, um die Dramatik der Lage zu unterstreichen. „1979! Ich habe mich in Niebüll in den Zug gezwängt, der erste nach dem großen Schnee in dem Schneechaos. Seit Tagen der erste Zug. Alle wollten in diesen einen Zug. Ich musste auf einem Bein bis Hamburg stehen. So voll war es.“ 

Ich schaute Dietbert an, versuchte mich am Kopfrechnen: 2021 – 1979 = 42. „Im Strampelanzug oder wie?“ 

Er setzte fort: „Das Bein war komplett eingeschlafen. Auf einem Bein hatte mein Vater gestanden! Bis Hamburg musste er sich einzwängen. Es war so furchtbar für meinen Vater. Seitdem fahren wir keine Bahn mehr. Deshalb habe ich den Audi mit Massagesitzen, Ambientbeleuchtung, dem Star-Wars-Hologramm auf der Rückbank und der autonomen Wunderbaum-Drohne Duftrichtung ‚neues Auto‘.“ 

„Und damit fährst du nach Amrum?“ 

„Ne, nie wieder Inseln. Viel zu gefährlich. Über Jahre war ich nur noch im Süden. Aber nächstes Jahr geht es nach Sankt-Peter-Ording. Abenteuerdietbert schlägt zu. Ich suche schon schöne Parkplätze auf der Strecke heraus.“ „Wie wäre es mit dem Eidersperrwerk?“ 

„Kann ich dort parken?“ 

„Aber hallo, der ganze Entertainmentkomplex Eidersperrwerk ist um den Parkplatz herum konzipiert.“ 

Halber Parkplatz am Eidersperrwerk
 

„Ich werde es in Erinnerung behalten. Aber ich muss weiter, Schneechaos verhindern!“ Dietbert hatte das Ansteckset „Schneefräse“ an seinen Rasentraktor montiert, die Version mit gelber Rund-Warnumleuchte. Er patrouillierte die 500 Meter Brandenburger Datschenweg auf und ab, jagte jeder einzelnen der wenigen Schneeflocken hinterher. Das Schneechaos musste gebändigt werden, bevor es auftauchte.“ 

Ich ging zurück, sammelte die letzten vollen Flaschen aus dem Schuppen ein, bevor es dort Minus 10 Grad haben würde, und fragte mich, warum das Eidersperrwerk so autolastig ist. Zwei Antworten fielen mir sofort ein „1967-1973“, die Baujahre. Und „Acht Kilometer“, die Entfernung zur nächsten Kleinstadt. 

Dienstag, 15. Dezember 2020

Herbst - beste Zeit für's Wattenmeer

Carruthers zieht mit letzter Kraft an den Skulls. Davis zermartert sich im Nebel den Kopf über die Strecke. Sie müssen im Dinghy den Weg am Rande des Priels entlang finden, bevor ihr großes Plattbauchboot vom deutschen Kreuzer Blitz entdeckt wird. Sie rudern durch den Nebel, unter ihnen nur wenige Dezimeter Wasser. Die Strömung der Gezeiten zerrt am Boot. Die Markierungen der Fahrrinne sind im Nebel nicht zu sehen. Durch die stets wandernden Priele sind sie kaum hilfreich. Carruthers und Davies rudern im Jahr 1902 südlich von Juist, der gottverlassenen Ecke, in der es nichts gibt außer der wagemutigen Hoffnung einst ein Seebad zu werden. Und dort werden die geheimen Pläne des kaiserlich deutschen Militärs Wirklichkeit, die die Gentleman-Segler Carruthers und Davies im unwirtlichen Spätherbst in das tückische Wattenmeer führten. 

Der Geruch der Weihnachtsbäckerei riss mich aus meinem Buch. Sollte ein Vanillestangerl fertig geworden sein? Mein Geist schleppte sich träge zurück aus dem nebligen Wattenmeer nach Berlin-Schöneberg. Der Späti nebenan wegen Coronauflagen gerade geschlossen. Direkt davor standen drei Streifenwagen, keine Ahnung, wo diese hinwollten. Ein halbvoller M85-Bus fuhr vorbei. Nur der kalte Nieselregen erinnert an das Wattenmeer. 

Wattenmeer, Marschlandschaft. Die Landschaft, die erst im Herbst zu sich selber kommt. Die Marsch, entrungen dem Meer. Doch wirkt sie nie so wie echtes festes Land. Im Sommer kann der Boden hart wie Gestein werden. Dennoch, die Entwässerungskanäle, die Rohre, der Blick auf die Deiche: Sie alle erinnern daran, dass dieses Landschaft nur provisorisch existiert, in seiner Seele amphibisch bleibt. Für eine Zeit der See abgerungen und dort wird es wieder zurückkehren. Zehn, zwanzig, dreißig Meter Modder und darunter der Meeresboden. Die Süßwasserschicht ist dünn, unten im Boden das Salz. 

Das Watt bei Ebbe und Nebel vor der Nordseeinsel Pellworm
Wasser-Land. Bild: Das Watt bei Ebbe und Nebel vor der Nordseeinsel Pellworm von:Wattwurmsucher Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Wenn die wenigen Monate des Sommers vorüber gezogen sind, kommt die Nasszeit. Die Landschaft kehrt zu sich selbst zurück. Nebel, Regen, Nieselregen, Starkregen, Wind – Wasser aus allen Richtungen. Der Boden beginnt sich im Schlamm aufzulösen. Die Entwässerungsgräben schwellen an, wollen wieder Priele werden. Draußen, jenseits des Deiches, sind die Tiden ungestört. Keine kleinen Boote mehr. Die Ausflugsschiffe haben sich auf ein Minimum reduziert. 

Donnerstag, 18. Juni 2020

Schwimmen Nordsee Wesselburenerkoog

„Summ-Summ“

„krqiiiiiiiiiiiii“

„Summ-Summ“

„krqiiiiiiiiiiii“

Das sterbensniedliche Alien-Kind fleht auf der Kino-Leinwand hoffnungsvoll. Es versucht, das Raumschiff zum Starten zu bringen. Hilflos versucht es die magischen Knöpfe zu finden, die magischen Worte zu sprechen. Doch es fehlt der Schlüssel. „Summ-Summ“. Nichts passiert. „Krqiiiiiii“ Sein flehendes Summ-Summ auf der Leinwand wird kurz übertönt vom quietschenden Scheibenwischer direkt vor meiner Nase.

Badestelle Wesselburenerkoog bei Nipptide. Nordsee, Wolken am Himmel, das Wasser reicht zum Deichfuß.
Meer, Salzwiese, Himmel.

Im Heider Autokino am Fernsehturm ist in wenigen Minuten ein Regenschauer niedergegangen. Sonne, fünf Tropfen, Sonne. Die Nordseegegend gibt sich Mühe mit dem Nordseewetter. Der Scheibenwischer quietscht sich seinen Weg über die trockene Frontscheibe. Ich bin so vertieft in „Shaun 2 – Ufo-Alarm“, dass ich erst daran denken muss, den Scheibenwischer wieder auszuschalten.

Heide / Dithmarschen, die Metropole im Nordseewind, war Berlin um Wochen voraus. Bereits Mitte Mai hatte die Stadt mit Hilfe der Lokalprominenz Freshtorge und „Holzi“ Holst ein Autokino auf die Beine gestellt. Samstags ergänzt um die Autodisco. Bei der alten Telefon-Post. Kaptain, Madame und ich mussten hin.

Der Kaptain war enttäuscht. Die Lautsprecher zum Ins-Auto-hängen ihrer Jugend ersetzten Kinobetreiber vor Jahrzehnten durch UKW-Sender. Auch versicherten Madame und ich auf wiederholte Nachfragen des Kaptains, dass wir keine wilden Knutschorgien vorhatten. „Aber dafür ist Autokino doch da!“. In des Kaptains Jugend war Autokino spannender.

Der Kaptain ließ sich dadurch besänftigen, dass sie im Kino ihre E-Zigarette („Rum-Traube-Nuss“) paffen durfte. Zudem konnte sie sich durch die Autofenster über den Parkplatz mit Hardy, dem Tuba-Spieler vom Spielmannsug Blau-Weiß unterhalten. Nach dem zweiten Umrangieren hatte ich als Fahrer die Grundlagen der Sichtphysik im Autokino verstanden: Hinten ist besser. Hinten sehe ich mehr als das Dach des eigenen Subarus.



Collage aus zwei Bildern: oben Szenenfotoa su Shaun2-Farmageddon mit Schafen am Stricken und Schachspielen, unten Foto Schafe am Nordseedeich
Shaun-Schafe (oben) und Wesselburenerkoogschafe (unten)

Madame ist von Shaun, wie wir alle, begeistert. „Die Schafe sind so englisch. Sie sind so schafig.“ Da hat sie recht: Die Claymation-Figuren wirken wie Schafe. Auch wenn die echten Viecher am Deich so aussehen, als würden sie herumstehen. Im Innern stricken sie und trinken Tee und spielen Schach. Das vorwitzige Lamm treibt sich mit Außeridischen herum.


Wir können das beurteilen. Wir waren am Deich: Schwimmen in Wesselburenerkoog.

Freitag, 2. August 2019

Feuerqualle Nordsee gefährlich?

Rote Quallen in der Nordsee sind unangenehm. Das Berühren ihrer Tentakel schmerzt. Die Feuerquallen sind nicht gefährlich, aber das Schlimmste, was einem Schwimmer an der Nordseeküste begegnet. Die Nesseln der Feuerqualle brennen. Sie lassen sich behandeln mit Essig oder Salzwasser. Keinesfalls mit Süßwasser oder Alkohol. Bei starken Schmerzen und erst Recht bei allergischen Reaktionen sollte die Badeaufsicht oder ein Arzt aufgesucht werden.

Büsum. Die ersten Tage des Junis 2019 liegen hinter uns, der sich zum heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen entwickeln würde. Wir Baden wie jedes Jahr zu Pfingsten an. Dank Osterparadox und spätem Pfingsten findet unser traditionelles Nordseeanbaden ungewöhnlich spät statt. Die Nordsee hat kuschelige 15 Grad Wassertemperatur erreicht. Im Gegensatz zu manch anderem Jahr sind wir nicht alleine.

Jellyfish North Iceland
Die Feuerqualle ist hübsch. Aber besser mit Abstand bewundern. Bild: Cyanea capillata in North Iceland waters von: Smiley.toerist Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

An der frisch renovierten Büsumer Perlebucht trauen sich weitere Touristen ins Meer. Ganze Kleinfamilien laufen die Amphitheater-ähnlichen Stufen hinunter. Jetzt, etwa eine halbe Stunde vor dem Hochwasser, sehen wir sogar einzelne mutiger ältere Männer und jüngere Frauen im Wasser schwimmen.

Die Quallendichte ist erheblich. Zu Beginn des Sommers, am Anfang ihres Lebens, sind die ersten blauen Nesselquallen so groß wie 2-Euro-Stücke. Dennoch laufe ich Slalom an diesen vorbei. Laufe einige Schritte rückwärts. „Pass auf!“, ruft Madame, "Feuerqualle". Inmitten ihrer harmlosen blauen Cousins hat sich eine rote Qualle verirrt. Ebenfalls nur so klein wie ein 2-Euro-Stück. Aber deutlich unangenehmer. Ich verharre. Ich warte. Nach einigen Minute hat die Strömung der See mir einen quallenfreien Weg in das tiefere Wasser freigetrieben.

Ich schwimmen die ersten Züge. Genieße die Wellen, die Sonne, die Sicht auf das Meer bis zum Horizont. Der salzige Geschmack auf den Lieben zeigt mir, dass ich zu Hause angekommen bin. Die selbst bei Sonne und Windstille stets vorhandenen Strömungen zeigen: „Hier ist kein Teich. Hier ist erst recht kein Becken. Hier ist richtiges Meer.“ Das beste Schwimmen des Jahres.

Und dennoch, den Gedanken an die Feuerqualle werde ich nicht mehr los. Auch mit vielen Jahren Abstand sind die Erinnerungen an unser gelegentliches Zusammentreffen damals nicht verschwunden: Rötung und Quaddeln. Von Schwindeln und Kopfschmerz blieb ich immer verschont. Der Schmerz beeindruckte mich nachhaltig.

Cyanea capillata IMG 5657 ersvika
Nicht in das Wasser gehen: Feuerquallen-Schwarm. Bild:  Cyanea capillata (EN: Lion's Mane Jellyfish. NO: Rød brennmanet), in the bay at Ersvika, Hurum (Buskerud county, Norway) von: Bjoertvedt Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Cyanea capillata


Die Feuerqualle der Nordsee, biologisch Gelbe Haarqualle und noch biologischer Cyanea capillata kommt im nördlichen Atlantik und seinen Randmeeren vor. Küstennah treffen Badende meist auf kleinere Exemplare. Die Quallen können bis zu 1,50 Meter große Schirme hervorbringen. Die Tentakel werden im Normalfall bis zu 10 Meter lang. Je weiter im Norden und je kälter das Wasser desto größer wachsen die Quallen. In Nord- und Ostsee erreichen Quallen einen Durchmesser von höchstens 40 Zentimeter. Die Tentakel können bei Nordseequallen länger als ein Meter werden.

Mittwoch, 12. September 2018

Abbaden in der Nordsee Dithmarschen

Nordsee-Sonnenuntergangs-Baden im Herbst; Stinteck-Wesselburenerkoog..

2017


Dieses leichte Stechen im Oberschenkel, wenn das kalte Wasser kalt bleiben möchte. Die Herbstsonne strahlt über den Deich und die letzten Strandkörbe. Die Reste des ersten Herbststurmes im Jahr 2017 wurden bereits weggeräumt. Jetzt zeigt sich ein Dithmarscher Spätsommeridyll aus grünem Deich, dem Imbiss neben der Deichkrone, einer einsamen Dusche und plätscherndem Wasser, das bei Hochwasser gegen die Steine des Böschungsschutzes pfumpt. Gelbe, in der Sonne leuchtende Andreaskreuze markieren die Stellen, an denen Schwimmer auf die Buhnen achten sollten. Das Meer lädt ein.

Nordsee bei Stinteck. Hohes Hochwasser.

Dennoch: September. Die Wärme der Sonne reicht für die obersten zwei Zentimeter des Wassers. Danach fängt das leichte Stechen an. Es geht auch nach fünf Minuten im Wasser nicht weg. Es ist kalt. Einige Schwimmzüge helfen. Das Salz treibt nach oben, der kaum zu spürende Wellengang macht keinen Unterschied. Eine einzelne abgerissene Alge treibt vorüber.

Eine Radfahrerin unterhält sich mit Madame, die gerade versucht per kalter Dusche Temperaturgewöhnung zu betreiben. Sie beschwert sich, dass es hier flach ist. Ist es gar nicht. Nicht, wenn man den höchsten Punkt der Flut abpasst und dann auch noch harten festen Sand unter den Füßen erwischt.

September 2017. Die drei letzte Strandkörbe und das Meer.

Leichtes Schaukeln des Wassers. Kämpfen mit dem Auftrieb im fast unbeweglichen Salzwasser. Wenn man lang genug wartet, sticht der Kälteschmerz nicht mehr so sehr am Bein, wandert nach oben. Wissen, warum man schwimmt. Schweben in der Weite des Meeres, von oben strahlende Sonne, von schräg oben das Kreischen der Möwe, ein leichter Salzgeschmack auf den Lippen.   

Stinteck, Dithmarschen. Dorf am Deich. Nicht allzu weit entfernt vom Touristenmagnet Büsum und doch mehr ein Strand, 20 Ferienhäuser und ein halbes Dutzend Restaurants und Bistros. Der nächste Supermarkt oder Bäcker sind in Autoweite oder die Brötchen-werden-kalt, das Eis-fängt-an-zu-schmelzen-Fahrradweite entfernt. Einer dieser seltsamen Dithmarscher Unorte, deren komplettes Leben aus vorbeiradelnden Pärchen im Partnerlook besteht.

2018


Donnerstag, 8. März 2018

In 11 Stationen durch die Nordermarsch in Dithmarschen

Alle Landschaft ist Kulturlandschaft. In Mitteleuropa existiert keine Landschaft, die nicht von Menschen geformt und verändert wurde. Die Suche nach unberührter Natur bleibt in Europa müßig. In Europe lohnt es zu suchen nach dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, dem Miteinander- und Gegeneinanderwirken der Kräfte, dem Versuch von Mensch, Tieren und Pflanzen sich ein Heim zu schaffen und dabei mit den Elementen umzugehen. Ertragreich suchen kann man in Dithmarschen an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Hier wurde das Land vom Menschen nicht nur verändert, sondern erst geschaffen.
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Dort, wo heute Straßen, Felder und Häuser stehen, breitete sich vor 500 Jahren - manchmal auch noch vor 50 Jahren - das unzugängliche Wattenmeer aus: Sumpf mit Ebbe und Flut. Wasser, Salz und Strömungen. Bestenfalls befanden sich dort Salzwiesen – Wiesen, die regelmäßig von Sturmfluten überschwemmt wurden. Es waren Gegenden, in denen sich Mensch und Vieh bestenfalls bei gutem Wetter aufhalten konnten. Gegenden, aus denen sie bei oftmals überraschend auftretendem Schlechtwetter fliehen mussten. Menschen änderten die Landschaft, indem sie  Schutzmaßnahmen: Ringdeiche, Wurten, Deiche, Sperrwerke, um länger zu bleiben.

Oder die Landschaft lebte, änderte sich von alleine. Deiche stürzten. Das Meer holte sich Land zurück. Diese Jahrhunderte der Auseinandersetzung haben ihre Spuren in Dithmarschen hinterlassen. Um diese Geschichten zu sehen und zu erfahren, habe ich für Freunde und Verwandte eine kleine Autotour zusammengestellt. Diese Tour lässt im Laufe eines längeren Nachmittags die Geschichte lebendig werden, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Meer in dieser Gegend verstehen.

Seedeiche besuchen wir nicht. Die findet hoffentlich jeder von alleine. In Wesselburenerkoog.


Die Route führt entlang der historischen Linie zwischen Alter Marsch und Neuer Marsch. Die Alte Marsch besteht aus den Teile der Marsch, die vor Menschengedenken (seit mehr als 500 Jahren) eingedeicht wurden, die Neue Marsch und denjenigen Teile der Marsch, deren Existenz erst kürzer zurück liegt.

Schülpersiel


Lage: an der Eider

Es beginnt in Schülpersiel.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Qualle blau Nordsee gefährlich?

Blaue Nordseequallen sind nicht gefährlich. Sie nesseln und brennen ein wenig. Das ist weniger schlimm als bei Brennesseln. Wenn dieser Effekt stört, oder wenn jemand allergisch reagiert, sollte die Haut mit Essig oder Rasierschaum einsprüht werden. Dass das Ganze mit einer stumpfen Kante (Plastik-Karte, Rückseite eines Messers) abschaben. Auf keinen Fall sollte die Stelle mit Süßwasser behandelt werden. Süßwasser setzt mehr Gift frei.

Gefährlich kann es werden, wenn die Nesseln ins Auge geraten. Deshalb gilt es beim Tauchen in der Nordsee: Augen zu oder eine Schwimmbrille tragen.

Jellyfish - geograph.org.uk - 185481
Bild: Jellyfish. Close up, von: Gary Rogers Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Wie es geschah



Früher Juni, Dithmarschen, Nordseeküste, Pfingsten, strahlender Sonnenschein, Wind. Am Büsumer Hauptstrand brechen sich die Wellen. Das Wasser hat entspannte 16 Grad, die Luft schon fast 20 Grad. Eine Frau in Mütze, Schal und Daunenjacke schaut uns skeptisch an, als wir ins Wasser steigen.


Die Flut läuft noch etwa eine halbe Stunde. Die Wellen überspülen bereits die Einstiegstreppe. Wir wandern, wandern, wandern. Watt ist Wanderland, selbst wenn das Wasser bis an den Strand reicht. Die Küste ist flach. Ein paar Zentimeter Wasser unter dem Bauch müssen ja sein. Irgendwann dann Längslange ohne dabei den Boden zu touchieren.

Wir ziehen einige Schwimmzüge. Dank Wellen und Strömung ist unklar, ob es jetzt vorwärts oder rückwärts geht. Das Wasser ist kalt, angenehm und salzig. Und es brennt. Nanü? Brennen auf der Haut? Fühlt sich an wie Brennesseln.


Brennesseln? In der Nordsee? Wohl kaum. Vielleicht Quallen? Kenne ich nur von der Ostsee. Später dann, wieder an Land: Madame erzählt, dass sie das zum Brennen gehörige Tiert auch gesehen hat: es war blau.

Dienstag, 16. Mai 2017

Anbaden (in Vollerwiek)

Fliege davon, Fischbrötchenpapier! Vom Sturm getragen, der Sonne entgegen, den Austernfischern vor die Füße geweht  und sicher letztendlich einer Seeschwalbe oder einer Lachmöwe zum Opfer fallend. Die kalte Nordsee blubbert ungerührt, läuft auf, läuft ab, wie halt immer. Ob Sommer oder Winter.

Sommer. Er wird kommen. Seitdem ich mit sechs Jahren einst angesichts der Ostsee beschloss „diese Badewanne ist mir zu groß“, dann aber doch zum Reingehen überredet wurde, versuche ich mein traditionelles Meeresanbaden auf Pfingsten zu legen. Sonne, 14 oder 15 Grad Wassertemperatur und ein kurzer Hüpfer in das Wattenmeer. Manchmal schaffe ich es nicht, oft aber schon, einmal Meer im Jahr sollte sein.

Badestelle Vollerwiek im Frühjahr
Badestelle Vollerwiek mit Löwenzahn



2017 aber ist es anders. Noch ist kein Pfingsten. Pfingsten ist um genau zu sein noch mehrere Wochen weg. Die Luft hat 10 Grad, das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie sagt auch meiner kleinen Ecke Nordsee 10 Grad Wassertemperatur voraus. Die Sonne scheint, aber der Wind bläst, Hochwasser ist am späten Mittag – eigentlich zu früh, damit das Wasser sich wirklich aufwärmt.

Andererseits: nach all‘ den Kilometern in Hallen- und Freibädern will ich dieses Jahr endlich einmal ins freie Wasser. Im See schwimmen und nicht nur ein wenig friedlich hin- und herpaddeln. In die Wellen, in die Sonne, in den Wind, Wasserschichten spüren, mit und gegen die Strömung schwimmen, mich einlassen auf etwas lebendiges, lebende sich ändernde Natur. Das kann nicht früh genug anfangen.

10 Grad Luft und Wasser. Dank Wind gefühlt noch einiges weniger.

Montag, 13. Juni 2016

Wikipedia von A bis Z. Ein Versuch

Brockhaus


Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Ist es ein Nachschlagewerk? War es ein Nachschlagewerk? Seit einigen Jahren befindet sich der Brockhaus in einer Art Limbo des Untotseins. Irgendwie existiert er noch. So richtig aber auch nicht mehr. Ohne jetzt die Irrungen und Wirrungen des ehemaligen Goldstandards der deutschen Nachschlagewerke nachzuerzählen, reicht es mir zu erwähnen, dass noch vor 10 Jahren der Brockhaus quasi das unerreichbare Ziel, die große Messlatte und die ferne Vision dessen war, was Wikipedia werden sollte. Genau wie Wikipedia den Brockhaus anscheinend maßlos überschätzte, so war und ist der Brockhaus selbst ratlos wie er mit der Wikipedia umgehen sollte. Man weiß nicht, ob man von vertanen Chancen reden soll. Denn hatte der Brockhaus je Chancen?

Chiara Ohoven


Chiara Ohoven

Chiara Ohoven ist ein deutsches It-Girl. Viel mehr wissen wir nicht, da Wikipedia den zu Chiara gehörigen Artikel permanent löscht. Vor einigen Jahren erlangte sie kurzzeitig deutschlandweite Berühmtheit durch eine Do-it-Yourself Schönheits-OPs mit Schlauchbootlippen als Ergebnis, fand aber vor den Do-it-Yourself-Enzyklopädisten damit keine Gnade. Ansonsten folgt Chiara ihrer Mutter und ihrem Vater auf das Parkett der High Society und des Glamours. Und da kein Wikipedianer je zur High Society gehörte oder gehören wird, gilt sie in Wikipedia weiterhin als nicht-relevant.

Donauturm