Mittwoch, 17. April 2019

Alte Bäder Baerwaldstraße, Oderberger et cetera. Die Schwimmbäder Ludwig Hoffmanns.

Wir laufen durch die Straßen des Weddings. Madame, einige Wikipedianer und ich: auf Stadterkundung durch Berlin. Dr. Fieselschweif stupst mich an:

„Schau mal die Schule! Ein Hoffmann-Bau!“ 

Ich bleibe mäßig interessiert.

Dr. Fieselschweif setzt nach: „Interessierst Du Dich nicht für Architektur?“

Ich nehme mich zusammen. Verkneife mir das

„Ich interessiere mich für Architektur. In Berlin stehen Bauten, vor denen könnte ich auf die Knie sinken. Aber Hoffmann baute langweiligen Historismus.“

Aber ich bleibe nett. Abgesehen von seinem Architekturgeschmack ist Dr. Fieselschweif ein Netter.

Berlin. Der Bär. Das Bad Ludwig Hoffmann. Eine Trias, die zusammengehört. (Hier: das Baerwaldbad)


Sei es, dass Dr. Fieselschweif lang genug stupste. Sei es, dass Hoffmann - als Architekt zum Beispiel des Baerwaldbads oder des Oderberger Bads - beim Thema der Berliner Schwimmbäder unausweichlich ist – irgendwann beschloss ich mein Wissen zu erweitern: Die Verkörperung wohlanständiger Langeweile kann nicht alles sein, was es zu Hoffmann zu wissen gibt. Längere Recherchen und einen geschriebenen Wikipedia-Artikel später weiß ich:

Dienstag, 19. März 2019

Hummeln lieben Lungenkraut

Hänsel und Gretel leuchten im UV-Licht. Hildegard von Bingen irrte. Im März tummeln sich Hummeln in den rosa Blüten. Wild bewegtes Leben findet zwanzig Zentimeter über dem Boden statt. Die Blüten sind klein. Das Gewächs bleibt flach. Auch leuchten die Blüten kaum im sichtbaren Bereich.

Die exzentrische Schönheit des Kräutchens erschließt sich erst bei Betrachtung aus der Nähe. Es sein denn, man ist eine Hummel.

Hummeln lieben Lungenkraut


Sind Hummeln großartig? Natürlich sind Hummeln großartig. Müssen wir uns darüber unterhalten? Nein. Insekten sind in. Flauschige-Fell-Insekten erst recht. Selbst die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde kürte dieses Jahr eine einfache geöffnete "Bienenfreund"-Rose zur Rose des Jahres und auch Dietbert erklärte uns gegenüber seine Hummelliebe.

Die teilte er uns letztens mit, als ich ihn mit einem Esslöffel durch den Garten laufen sah. „Schon an der Outdoorküche?“, fragte ich. "Nein. Das ist Zuckerwasser, um verhungernde Hummelköniginnen zu retten. Ich suche sie!" Eine ehrenvolle Aufgabe, aber wenn wir die Hummeln schon mit einem Flying Buffet am Leben halten müssen, läuft etwas schief.

Auch habe ich wenig Lust den Tag lang mit einem Löffel voller Zuckerwasser durch den Garten zu irren und verhungernde Hummeln zu suchen. Sollen die Hummeln doch für sich selber sorgen! Wir können Rahmenbedingungen schaffen.

Blüten allüberall


Dienstag, 5. März 2019

Kleine Kulturgeschichte der Königsberger Klopse

Ich blicke auf ihn: den Klops der Rätsel. Auf den ersten Blick liegt er einfach und schmackhaft vor mir, der Königsberger Klops. Auf den zweiten Blick löst sich die Einfachheit in Nichts auf, so ähnlich wie das Mehl in der Klops-Sauce.

Die Sache scheint einfach: Königsberger Klopse; fast schon ein Synonym für uninspiriertes Kantinenessen. Neben Ravioli vielleicht das einzige Gericht, das eine dauerhafte Heimat in der Dose gefunden hat: Hackfleisch, Kartoffel, Sahne. Eine Dreieinigkeit des Unheils scheint auf dem Teller zu liegen.

Und doch: ein genauerer Blick lohnt. Angeblich ist der Königsberger Klops das bekannteste Regionalgericht der deutschen Küche – und doch gehört seine Heimatregion Ostpreußen schon lange nicht mehr zu Deutschland. Königsberg (Kaliningrad) liegt über sieben Stunden Autofahrt von der nächsten deutschen Grenze entfernt.



Geprägt wird das Aroma die Königsberger Klopse von einer Geschmackskombination Sardelle-Kaper-Zitrone, die nicht typisch für Deutschland ist. Und von deren Zutaten nicht eine in Deutschland vorkommt. Es handelt sich um ein Gericht, das scheinbar überall in Deutschland ist und das sich seit dem 19. Jahrhundert in verschiedensten Kochbüchern aus allen deutschen Regionen finden lässt – und über das es dennoch kaum Informationen gibt.

Ein untypisches Gericht wird zum „typischen Deutschen Essen“, ein Regionalgericht, das allen Regionen entschwand, ein Gericht, das einfach immer da ist ohne wahrgenommen zu werden. Das Rätsel der Königsberger Klopse.


Samstag, 16. Februar 2019

Das Schwimmbadquartett ist erschienen

Bei Zitronenpresse / Verlag Dirk Franke erscheint MEIN SCHWIMMBADQUARTETT. Jetzt käuflich.

Für weitere Informationen geht es hier zu Schwimmbäder in Berlin. Ein Quartett.

Schwimmbäder in Berlin. Ein Quartett.
 

Sonntag, 27. Januar 2019

Schwimmbad Braunschweig: Zu Besuch im Bürgerbadepark

Schrieb Jules Vernes von Schwimmbädern? Verfasste der französische Reiseschriftsteller und Proto-SciFi-Autor Romane über das gewöhnliche Hallenbad? Es wäre möglich. Verne griff technische Trends der Zeit auf, in der er lebte. In Vernes Zeit waren Hallenbäder eben nicht gewöhnlich, sondern High-Tech. In Vernes Lebenszeit von 1828 bis 1905 wurde das moderne Hallenbad erfunden. Und dennoch, soweit ich weiß, existiert kein Wort des Franzosen zum Thema.

So musste ich mich von der Wikipedia-Jules-Verne-Tagung, die mich nach Braunschweig geführt hatte, in der Mittagspause davonschleichen, um ein historisches Bad zu sehen, das noch fast in Vernes Zeit entstand. Das ehemalige Stadtbad Braunschweig, heute Bürgerbadepark, gehört mit seiner Eröffnung 1932 zu den ältesten Bädern Deutschlands.




Vieles, was Verne im 19. Jahrhundert beschrieben hatte, war noch ferne Science Fiction zu der Zeit des Stadtbads Eröffnung. Die Eröffnung des Bades lag näher an Vernes Todestag als an der ersten Mondlandung.

So also begab ich mich den kurzen Weg in strahlendem Sonnenschein durch die Braunschweiger Parklandschaft am Flüsschen Oker. Blumen blühten, der Himmel hatte sein schönstes Blau aufgezogen. Durch die Parks radelten und liefen die Menschen. Auf der Oker ruderten Braunschweiger.



So stand ich dann vor dem Bad. Und war mit einer schwierigen Frage konfrontiert:

Mittwoch, 9. Januar 2019

Schwarzes Teil Scholle gefährlich?

Nein, das schwarze Teil, dass manchmal beim Essen innerhalb der Scholle auftaucht, ist ungefährlich. Es ist essbar. Es handelt sich um den Rogen, also die Scholleneier. Ob es sich dabei um eine Delikatesse handelt, ist umstritten. Auf jeden Fall zeigt die Existenz des Rogens, dass die Scholle nie tiefgefroren war – bevor man den Fisch einfriert und verkauft, muss der Rogen entfernt werden.


Es ist kurz nach Weihnacht


Wir sitzen um den ausgezogenen Tisch. Der Grünkohl hat den Crockpot verlassen. Die Pfanne wartet auf die Schollen. Die eigentlich zum Grünkohl geplante Wurst fiel in letzter Sekunde dem Einkauf beim Fischhändler Beckmann in Büsum zum Opfer.

Eigentlich wollten wir nur ein paar Krabben von Manni mit der Wollmütze kaufen. Aber während Manni gerade nach hinten verschwand, um einen Karpfen zu zerlegen, lachten uns die Schollen an.
„Können wir die Schollen noch ins Weihnachtsessen einbauen?“ Kurzes Nachdenken. „Wir haben Grünkohl“. Passt das?



Zum Grünkohl soll Schweinefleisch serviert werden. Schollen gehen mit Speck. Kohl- Schwein – Fisch. Das passt. „Funktioniert Grünkohl mit Scholle?“ Spontan-Internet-Suchen per Handy im Fischgeschäft brachte das erwünschte Ergebnis. „Hat hier jemand schon mal Scholle gebraten?“ „Nö, immer nur im Restaurant frisch gegessen.“ Wird schon gehen.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Burg – Zelt – Höhle – die Paul-Gerhardt-Kirche in Schöneberg

Im Innern der Kirche hörte ich ein Konzert des Kirchenchors. War es Händels Messiah? Ein Bach-Oratorium? Oder das Ohrenlerchen-Stück von Einojuhani Rautavaara?



Wohlanständiges Bildungsbürgertum tummelte sich wie im Buche beschrieben. Sie verkörperten und verkörpern Werte des Selbermachens, der Kunst und Kreativität. Ein traditionell gutmenschlicher Anstand im positiven Sinne findet sich hier in einer Blüte, wie man sie in Berlin kaum für möglich hält.

Und dann trat ich vor die Tür: direkt gegenüber hatte der afghanische Supermarkt noch geöffnet, schräg gegenüber widersetzte sich der halbverfallene Sexshop allen Anstürmen des Internets(*). Getunte BMWs mit dunklen Scheiben fuhren über die Kreuzung, Sonderangebotsrufe des türkischen Supermarkts (neben dem afghanischen Supermarkt) schallten über die Straße und die internationale Crowd sammelte sich vor dem Eingang des englischsprachigen Kinos. Hier treffen und trafen Welten an einer Kreuzung aufeinander.

Paul-Gerhardt-Kirche von Norden




Ich drehte mich um, betrachtete die Kirche, aus der ich trat: Die Paul-Gerhardt-Kirche in Alt-Schöneberg: Dreiecke, übereinander gestapelt mit einem hohen steilen Turm. Umgeben von einer gestalteten Gartenfläche, die sich anschickt ein Park im Miniaturformat zu sein.