Mittwoch, 12. September 2018

Abbaden in der Nordsee Dithmarschen

Nordsee-Sonnenuntergangs-Baden im Herbst; Stinteck-Wesselburenerkoog..

2017


Dieses leichte Stechen im Oberschenkel, wenn das kalte Wasser kalt bleiben möchte. Die Herbstsonne strahlt über den Deich und die letzten Strandkörbe. Die Reste des ersten Herbststurmes im Jahr 2017 wurden bereits weggeräumt. Jetzt zeigt sich ein Dithmarscher Spätsommeridyll aus grünem Deich, dem Imbiss neben der Deichkrone, einer einsamen Dusche und plätscherndem Wasser, das bei Hochwasser gegen die Steine des Böschungsschutzes pfumpt. Gelbe, in der Sonne leuchtende Andreaskreuze markieren die Stellen, an denen Schwimmer auf die Buhnen achten sollten. Das Meer lädt ein.

Nordsee bei Stinteck. Hohes Hochwasser.

Dennoch: September. Die Wärme der Sonne reicht für die obersten zwei Zentimeter des Wassers. Danach fängt das leichte Stechen an. Es geht auch nach fünf Minuten im Wasser nicht weg. Es ist kalt. Einige Schwimmzüge helfen. Das Salz treibt nach oben, der kaum zu spürende Wellengang macht keinen Unterschied. Eine einzelne abgerissene Alge treibt vorüber.

Eine Radfahrerin unterhält sich mit Madame, die gerade versucht per kalter Dusche Temperaturgewöhnung zu betreiben. Sie beschwert sich, dass es hier flach ist. Ist es gar nicht. Nicht, wenn man den höchsten Punkt der Flut abpasst und dann auch noch harten festen Sand unter den Füßen erwischt.

September 2017. Die drei letzte Strandkörbe und das Meer.

Leichtes Schaukeln des Wassers. Kämpfen mit dem Auftrieb im fast unbeweglichen Salzwasser. Wenn man lang genug wartet, sticht der Kälteschmerz nicht mehr so sehr am Bein, wandert nach oben. Wissen, warum man schwimmt. Schweben in der Weite des Meeres, von oben strahlende Sonne, von schräg oben das Kreischen der Möwe, ein leichter Salzgeschmack auf den Lippen.   

Stinteck, Dithmarschen. Dorf am Deich. Nicht allzu weit entfernt vom Touristenmagnet Büsum und doch mehr ein Strand, 20 Ferienhäuser und ein halbes Dutzend Restaurants und Bistros. Der nächste Supermarkt oder Bäcker sind in Autoweite oder die Brötchen-werden-kalt, das Eis-fängt-an-zu-schmelzen-Fahrradweite entfernt. Einer dieser seltsamen Dithmarscher Unorte, deren komplettes Leben aus vorbeiradelnden Pärchen im Partnerlook besteht.

2018


Mittwoch, 29. August 2018

Sommerbad Neukölln - Columbiabad (Culle) - ein Besuch

Das schlimmste soll es sein. Das allerschlimmste sogar. Das schlimmste Freibad, nicht nur Berlins, sondern Deutschlands, steht in Neukölln. So hat es die Bild gemeldet. Bild bezog sich auf eine „Studie“ von Testberichte.de. Die Autoren hatten weder das Bad selbst gesehen noch beurteilten sie das Bad. Testberichte wertete die Google-Bewertungs-Punkte aus. Von 355 Bädern – das schlimmste.

Ich war skeptisch – einerseits gegenüber der Methodik des Berichts – andererseits auch gegenüber dem Bad. Das Columbiabad hat keinen guten Ruf. Ich erwartete, so eine Art vollbesetztes Bad Humboldthain zu finden; mit kleinen Jungs, die gleich rausfliegen, weil sie schon Hausverbot haben, in einer leicht verlassenen Architektur der 1950er.

Columbia Sommerbad Berlin-Neukölln
Bild: Columbia Sommerbad Berlin-Neukölln. Von: onnola Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic

Welch ein Irrtum! Vielleicht steht hier mein nächstes Stammbad. Sicher aber steht am Neuköllner Columbiadamm eines der schönsten Bäder der Stadt.

Es beginnt bereits mit der Lage: das Bad liegt am Rande des Tempelhofer Feldes (zwischenzeitlich Flughafen Tempelhof), ist also Teil des spektakulärsten Parks Berlins. Kommt man wie ich aus dem Westen Berlins angefahren, geht es am Park vorbei, dann passiert man eine der wenigen Berliner Moscheen, die wirklich aussehen wie eine Moschee und steht dann vor dem Eingang des Bades.

Gelände


Das Bad hat seinen Ruf weg und in der Vergangenheit kam es gerade hier immer mal wieder zu Zwischenfällen mit hitzeerweichten, hormonfehlgesteuerten jungen Männern. Berlin hat offensichtlich reagiert und das Bad in größeren Teilen umgebaut. Das Columbiabad gehört zu der handvoll Berliner Bäder, um die sich nach dem Jahr 2000 jemand ernsthaft Gedanken gemacht hat. Das Bad an sich wirkt ungewöhnlich durchdacht, die einzelnen Teile sinnvoll aufeinander abgestimmt.

Ich beim ersten Besuch an einem heißen Sommertag in den Ferien. Die Schlange war entsprechend lang. Einige Besucher hatten bereits die Schlange verlassen, waren gegenüber in die Hasenheide zu einem Rasensprenger gelaufen und vergnügten sich dort. Die Schlange war komplett von Bäumen beschattet.

Das Tor erinnerte mich mit seinen hohen Zäunen und den diversen Schleusentüren eher an eine gesicherte Industrieanlage als an ein Schwimmbad. Das Durchschleusen der überaus entspannten und lockeren Menschen geschah aber flüssig, für die Mehrfachkarteninhaber gab es einen Extra-Durchlass. Die ganze Szene wirkte für Berliner Verhältnisse überraschend wohl geordnet.

Direkt hinter dem Einlass folgen überraschend große und neue Sanitärgebäude – der allerdings beim zweiten Besuch größtenteils abgesperrt war, so dass sich in der einen Dusche dann doch wieder die Männer drängten.

Nach dem Sanitär- folgt der Liegewiesenbereich mit Bistro am Rand und am Ende die beiden großen Becken, wiederum mit Steinstufen. Wiese und Pflanzen machen einen gut gepflegten Eindruck. Sowohl Schatten- wie auch Sonnenplätze sind reichlich vorhanden.

Umkleiden / Duschen


Links führt der Gang zu den Männern, rechts zu den Frauen. Hohe, luftige Räume. Die scheinen mir vergleichsweise neu zu sein, erinnern in der Gestaltung aber ein wenig an klassische Bäderarchitektur. Die Hallen sind vielfach unterteilt, so dass einzelne Gänge und mehrere kleinere Umkleidebereich übrig bleiben, in denen einzelne Wechselkabinen stehen, aber auch genug Platz ist um sich mal kurz im Spind-Raum umzuziehen.

Die Wechselkabinen haben etwas auf Brust/Kopfhöhe eine größere Öffnung – ich vermute einmal aus Kontrollbedürfnis; es sind damit aber auch eine der wenigen Berliner Freibad-Wechselkabinen, die nicht stockenduster sind.

Die Duschen sind Vormittags sauber, gut auffindbar und erwecken einen angenehmen Eindruck. Immerhin, damit der Besucher nicht ganz vergisst, dass er sich gerade in Berlin befindet, leistet sich das Wasser einen ähnlich bizarren heiß-kalt-Rhythmus wie in unser Altbauwohnung, deren Leitungen vermutlich aus dem Jahr 1949 stammen.

Wenig überraschend: an einem heißen Tag am späten Nachmittag nimmt der Zustand der Kabinen massiv ab.

Schwimmbecken


Zwei Becken. Ein Schwimm/Sprungbecken und ein Multifunktionsbecken. Das Schwimmbecken entspricht in seinem Stil den älteren Berliner Nachkriegsmodellen (Insulaner, Prinzenbad) mit einer Stufenterrasse nebenan. Das Becken weist keinerlei Bahnmarkierungen auf (weder Startblöcke, noch Bahnmarkierungen am Beckenboden). Aus der Ferne würde ich mal auf sechs Bahnen (~ 15 Meter) tippen. Am Ende steht ein Zehn-Meter-Turm. Das Becken ist angenehm tief, auf der flacheren Seite jenseits der zwei Meter, und unter dem 10-Meter-Turm geht es sicher auf mehr als vier Meter herunter.

Angenehm: es gibt keine Startblöcke, fast um das gesamte Becken sind Absperrgitter, die ein Springen von den Längs- und Querseiten verhindern sollen. Praktisch klappt das besser als in den meisten anderen Bädern.

Für den Tag – Heiß, Sommerferien – war trotz ungeleinter Bahnen selbst Schwimmen besser möglich, als ich es unter vergleichbaren Bedingungen in anderen Bädern kenne oder erwartet hätte. Um 12 wird der Sprungturm geöffnet, etwa das hintere Drittel bis Viertel des Beckens zum Schwimmen mit einer Leine abgesperrt.  An sich scheint sich gegen 12 Uhr der Wechsel von den Schwimmern zu den Plantschenden zu vollziehen. Nachmittags wurde es mit dem Schwimmen schwer bis unmöglich.

Das zweite Becken ist ein Multifunktionsbecken mit sehr flachen Bereichen, flachen Bereichen, der 83-Meter-Rutsche und deren Auslauf. Am besten gefallen mir natürlich die geleinten 33-Meter-Bahnen am hinteren Ende. Auf diesen wurde meinem Eindruck nach die ganze Zeit ernsthaft und seriös geschwommen.

Publikum


Ich sah vor dem Eingang viele Eltern mit Fahrradanhängern, in denen kleine Kinder saßen. Ich hörte deutsch, englisch und spanisch. Türkisch sprach nur die Security manchmal untereinander. Die Klischee-Neukölln-Jugendlichen waren natürlich auch anwesend, wurden in ihrer Anzahl aber klar von den Business-Jungeltern-mit-Veganhintergrund klar in den Schatten gestellt. Hier ist es keine Frage, ob sich die Bevölkerung Neuköllns wandelt, hier ist es schon passiert.

Nebenbemerkung: die paar Anwesenden Jugendlichen zeigten erstaunliche Salti vom 10-Meter-Brett. Respekt

Gastronomie


Heißt wie in Wilmersdorf auch „Snackpoint“ und scheint vom selben Betreiber zu sein. Im Vergleich allerdings fällt der Snackpoint hier klar ab: nur wenige Tische, die junge Frau am Tresen wirkte bestenfalls halb bei der Sache und so ganz offensichtlich fehlen Liebe und Engagement, die in Wilmersdorf deutlich zu sehen sind.

Sonstiges


Ich las die Bewertungen. Viele negative Schilderungen über das Publikum aus den Jahren 2009,/2010/2011 – was mittlerweile fast 10 Jahre her ist und so gar keine Aussagekraft mehr hat. Neuere Probleme scheinen vor allem Kleinkriminalität (mir wurde mein Walkman geklaut!) zu sein und anstrengende Jugendliche – wobei alle Kommentare nach 2012 auch davon sprechen, wie gut die Security, verschiedene Projekte und die Schwimmmeister ihr Publikum in den Griff bekommen.

Das Bad gehört (gehörte) nicht der Stadt Berlin oder den Berliner Bädern, sondern der Bundesrepublik Deutschland. Sicher ein Überbleibsel der Zeit als das Temepelhofer Feld noch ein Flughafen war. Die Bundesrepublik wollte das Bad vor einigen Jahren verkaufen. 

Weiterlesen


Zum Eintauchen; Der Neuköllner mit einer umfangreichen Sammlung zum Sommerbad.

Das andere, auch erstaunlich nette, als  „Problembad“ bekannte Bad ist das Sommerbad Humboldthain.

Sehr viel langweiliger: das Prinzenbad in Kreuzberg,

Was man in Neukölln auch machen kann: Tieftonballett

Oh ja, und die Journalisten kommen wie die Fliegen, wenn es doch um DAS SCHLIMMSTE, DAS BERÜCHTIGSTE.  Ein todesmutiger Korrespondent der Süddeutschen wagte sich ins Kriegsgebiet ("Messer, Prügel, Polizeieinsätze: Das Columbiabad in Berlin-Neukölln ist das berüchtigtste Freibad Deutschlands. Aber die Bademeister geben noch nicht auf." - ehrlich gesagt ist mir der Artikel jetzt zu blöd, um ihn zu verlinken)

Das eine Event, dessen Video vermutlich bis in alle Ewigkeit geteilt werden wird: die versuchte Sprungturmstürmung. Mehr zum Video und dessen unseligem Nachleben bei mimikama: Das Video aus dem Freibad in Neukölln

Mit Vergnügen, die es eigentlich besser wissen sollten, kamen auch auf der Suche nach dem Chaos und wirkten geradezu enttäuscht, dass nichts passierte. Oder das alles soll Ironie sein. Als ob wir in den 2000ern wären. Assi aber entspannt.

Mehr Erfahrungen mit Bädern hat das Schwimmblog, die entsprechend entspannter ist: Sommerbad Neukölln.

Dienstag, 21. August 2018

Hainschwebfliege gefährlich?

Nein. Die Hainschwebfliege ist nicht gefährlich. Die Hainschwebfliege frisst Blattläuse. Eine dieser Miniaturfliegen frisst hunderte Blattläuse. Und sie ist auch ansonsten ein Hammerinsekt. Hier ein ein Zentimeter geballte Power, die fast so wirkt als könnte sie beamen; ein Tier das dann auch noch die Alpen in mehreren tausend Metern Höhe überfliegt.

Die Schwebe


Ein Ikea-Klapptisch. Auf ihm stehen zwei Tassen Kaffee, Kuchenreste, ein Wäschesprenger, um die Wespen zu verscheuchen und einige gepflückte Miniaturblüten aus dem Garten. Madame liest Zadie Smiths „Swing Time“, ich klicke mich durch die neusten News zum „Sommerhaus der Stars.“ Beide leiden wir noch etwas unter dem sehr guten insgesamt aber doch reichlichen Gin Tonic bei Paulinas Freilichtkinovorführung im Garten gestern(*).

Da stellt Madame fest: „Du musst gar nicht mehr zur Goldrute, um die Schwebfliegen zu sehen und zu fotografieren.“ Ha! Ha! Als ob dieses Insekt sich in freier Bewegung fotografieren ließe!

Hoverfly May 2008-8
Bild: Hoverfly May 2008-8 von: Alvesgaspar Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Denn obwohl die Fliege vor allem schwebt, stationär wie ein Hubschrauber an einer Stelle, so macht sie dies nie lange genug. Die Fliege steht in der Luft, dann wusch!, mehr beamen als fliegen, und schon steht sie an einer anderen Stelle.

Zu schnell für das menschliche Auge, dass die Fliege sieht, auch ihr Muster erkennen kann und wusch! Ist die weg. Die 12 Bilder, die das menschliche Auge pro Sekunde aufnimmt, reichen nicht, um der Bewegung der Fliege Herr zu werden. Ihr zu folgen ist fast unmöglich, ihr eine Kamera nachzuziehen, schon nicht mehr trivial.

Donnerstag, 9. August 2018

Schwimmbad Berlin: Sommerbad Humboldthain, Berlin

Sommerbad Humboldthain bei 30 Grad: dat is Wedding, wa, wie er lebt. Das pure Leben - geordnet, betont und ermöglicht durch die perfekte Anlage des Sommerbads Humboldthain.

Sommerbad Humboldthain, 20 Grad: was für eine Tristesse.

Jedes Freibad hat seine 30-Grad-Geschichte und seine 20-Grad-Geschichte. Selten aber klaffen sie so weit auseinander wie hier im Gesundbrunnen.

Aber der Reihe nach.

Berlin-Gesundbrunnen. Der Stadtteil, in dem ich aus der S-Bahn steige, und schon sehe ich kleine Mädchen in Adiletten, an der Leine eine Kreuzung aus Husky und Rottweiler, die dem Mädchen bis etwas über den Bauchnabel reicht. Das ist Gesundbrunnen, der Teil von Wedding, der sich starke Mühe gibt, jedem Wedding-Klischee zu entsprechen.



Das Sommerbad selbst liegt im Humboldthain: einem ehemaligen botanischen Park, der dann Flakbunker wurde, dann Trümmerberg, dann Volkspark und mittlerweile so eine Art verwilderter Wald mit Graffiti, Schildern und Müll ist.

Das Sommerbad entstand im Übergang der Phasen "Trümmerberg" und "Volkspark" anfang der 1950er. Es liegt in einer Landschaft, die ganz geschickt mit den Niveau-Unterschieden der Gegend spielt. Die Planer orientierten sich offenbar am 30-Jahre-älteren Sommerbad am Insulaner: die Aufteilung und das Raumgefühl der beiden Bäder ähneln sich.

Bekannte Elemente aus dem - gleichzeitig mit dem Bad am Humboldthain vom selben Architekten gestalteten - Sommerbad Wilmersdorf erkenne ich auch: Die Hecken, das prachtvolle Blumenbeet am Eingang, die weite und luftige Gestaltung der Liegewiesen.

Und dann kamen die Achtziger: und ich weiß nicht, wen sie mit der Planung beauftragt haben und wie oft sie zwischendurch die Bauplanung wechselten. Ich bin verwirrt. Aber das waren die Gestalter anscheinend auch.

Donnerstag, 2. August 2018

Schnecke Leopardenmuster schädlich?

Große Schnecken mit Leopardenmuster sind unschädlich und ungefährlich. Es sei denn, man ist eine Nacktschnecke. Für andere Nacktschnecken sind diese großen gemusterten Schnecken - Tigerschnegel – Limas Maximus – bedrohlich.

Tigerschnegel fressen andere Nachtschnecken. Liebe Gartenbesitzer: kuschelt und herzet die Schnegel. Verwöhnt sie und streichelt sie: denn sie fressen andere Nacktschnecken. Die Tigerschnegel sind eure besten Freunde.


Ein Prachtexemplar.




Die Schnecke im Garten


Wilhelm und Wilhelmina stehen mit einem Eimer und einer langen Zange auf dem Rasen. Wir rufen hinüber: „Habt ihr was vor?“. Wilhelmina ruft zurück: „Schnecken! Überall Schnecken! Hunderte! Wir sammeln sie auf!“ Soweit so normal in einem Garten. Kaum ein anderes Lebewesen provoziert so den gärtnerischen Aktionismus wie die gehäuft auftretende Nacktschnecke.

Was allerdings verwundert: der wilhelminische Garten ist nur durch einen Maschendrahtzaun von dem Unserigen getrennt. Ein Maschendrahtzaun stellt kein Hindernis für eine ernsthafte Nacktschnecke da.

Und doch: auf unsere Seite des Maschendrahtzauns verirrt sich nur gelegentlich eine Nacktschnecke. Die beiden spanischen Wegschnecken des Gartens kennen wir persönlich, wissen, wo sie wohnen und im Wesentlichen lassen wir sie gewähren. Keine drei Meter nebenan allerdings, füllen Wilhelm und Wilhelmina einen kompletten Eimer mit den Viechern.

Freitag, 27. Juli 2018

Großer Regen Berlin 2017

An einem Tag fiel mehr Regen als sonst in einem Monat. An einigen Orten fiel an einen Nachmittag mehr Regen als sonst in einem halben Jahr. Die nächsten Tage regnete es wieder. Das Benefizkonzert für den halb versunkenen Ort Leegebruch musste abgebrochen werden - wegen schlechtem Wetters. 2017 herrschte in Berlin und Teilen Brandenburgs landunter. Besonders trafen die Unwetter den Nordwesten von Stadt und Umland. Dort wo unsere Latifundien liegen.

In kurzer Zeit war ich so nass wie nie zuvor als ich angezogen war. Ich fiel als Kind einst angezogen in einen See und kletterte dann wieder hinaus. Selbst dort war ich nicht tiefendurchnässt. Wäsche frisch und ungeschleudert aus der Waschmaschine ist nicht so nass, wie die Sachen, die ich an diesem 29. Juni 2017 trug.



Unser Schlafzimmer war nicht mehr benutzbar, da das Wasser durch die Decke genau auf das Bett herunterlief. Das Warmwasser fiel aus, da der Warmwasserkessel im Keller stand - und absoff. Das Dorf Leegebruch stand wochenlang komplett unter Wasser - ebenso wie im ganzen Ländchen Glien tiefer gelegene Wiesen, Weiden, Äcker, Parkplätze und schlecht abgedichtete Keller.

Unsere Datschennachbarin Paulina verbrachte Monate damit ihre – unterkellerte – Datscha wieder auszugraben, abzupumpen und einmal ein komplett neue Drainage und Versiegelung einzulegen. Nie wieder wollte sie einen See im Keller haben.



Seen und Flüsse waren über längere Zeit nicht beschwimmbar, da die Wassermassen allen Unrat mitrissen der auf und an der Straße lag. Berlin leitet dank Mischkanalisation bei solchen Ereignissen seine Abwässer teilweise ungeklärt in die Flüsse, Spree und Havel und alles was flussabwärts von ihnen lag, bekamen eine volle Ladung ungeklärter Berliner Abwässer mit.

Auf dem Acker hinter unserer Datsche konnte das Feld nicht abgeerntet werden - bei allen Versuchen das gesamte Jahr über versanken die Landmaschinen rettungslos im Schlamm. Da, wo hinter unserem Zaun normalerweise ein Rapsfeld ist, entwickelte sich 2017 eine Seen – und Tümpellandschaft, die sich zum großen Paradies für Stechmücken aller Art entwickelte.

Freitag, 20. Juli 2018

Freibad Berlin: Sommerbad Mariendorf

Im Volkspark Mariendorf existiert ein Bad fast nicht. Es liegt im Park. Es ist schön, Es hat Charme. Es liegt inmitten einer zauberhaften Umgebung. Jedoch lässt es nur selten Besucher herein.

Die wenigen Menschen, die von seiner Existenz wissen, verwechseln das Bad im Park oft mit dem größeren und neueren Bad nebenan, das viel länger geöffnet hat. Willkommen im Sommerbad Mariendorf, dem charmanten Freibad im Zwielicht seiner Schattenexistenz.

Ich könnte stundenlang davor sitzen und es einfach nur anhimmeln.


Diejenigen, die das Sommerbad kennen, vergleichen es innerlich schnell mit dem ähnlich aussehenden, gleich alten, aber größeren, schickeren und besser gepflegten Bad im Nachbarbezirk.

Willkommen im Sommerbad Mariendorf, dem unverdienten Aschenputtelbad am Rande des Volksparks. Ausgestattet ist das Freibad mit dem liebevollen Charme des Underdogs, der historischen Authentizität, die nur lange vernachlässigtes aufweisen kann und dem traurig-schönsten Brunnen der Berliner Bäder.