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Freitag, 21. Februar 2020

Schwimmhalle Weinstraße Friedrichshain - verschwunden

Der Aldi. Das Handy. Der Blick. Staunend schaue ich über den Supermarktplatz. Dann wieder auf das Handy. Ich betrachte mein E-Mail-Programm. Das Friedrichshain-Kreuzberg-Museum teilt mir mit:

Sehr geehrter Herr Franke,
die Adresse Weinstr. 9 als auch die Schwimmhalle an diesem Ort existiert noch. Siehe  internet über Öffnungszeiten usw.

Nun war ich schon in der Weinstraße, hatte dort vergeblich nach einem Bad gesucht. Aber ich kann mich irren. Immerhin hatte ich mich an das Museum gewandt, da ich auf seine Kompetenz vertraute. Wieder radle ich aus Schöneberg Richtung Volkspark Friedrichshain und durchstreife dessen südliche Randbebauung.

Ich stehe in der Weinstraße, dort wo das Schwimmbad einst war – und sehe einen Aldi. Sein Parkplatz spärlich gefüllt, der Aldi-Bau ein Standardbau in einem Dunkelbraun, das kein Mensch je brauchte. Kein Schwimmbad, nicht einmal ein umgenutzter Schwimmbadbau.

Blick gegen die Sonne auf den Aldi in der Weinstraße Berlin-Friedrichshain. Der Parkplatz ist leer.
Weinstraße 9. Ein Parkplatz. Ein Aldi. Kein Schwimmbad.


Das Bad bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Meine über lange Jahre Wikipedia antrainierten Internet-Recherchefähigkeiten erbrachten nichts zu „Öffnungszeiten“ usw. Das Bad ohne Spuren, ohne Hinweis. So unauffällig und spurlos verschwand es, dass das Friedrichshain-Kreuzberg-Museum knapp 20 Jahre später nicht bemerkt hat, dass die Schwimmhalle nicht mehr steht.

Ich schiebe mein Fahrrad durch die umliegenden Straßen. Ich entdecke ein Ostalgie-Restaurant, ein christliches Hilfswerk, eine Privatschule und eine Gedenkstätte für das Frauengefängnis Barnimstraße. Ein kleiner Hinweis auf das Ex-Schwimmbad steht dort: An der anderen Seite der Kreuzung steht eine Sporthalle mit VT-Falte, die dem typischen Dach der Ostmoderne.

DDR-Sporthalle in der Weinstraße Friedrichshain.Graffitti-übersäht. Die Merkmale der Ostmoderne im Bau sind zu erkennen.
Sporthalle nahe der Weinstraße. Ein letzter Hinweis.


Ist es das Schwimmbad? Nein. Wurde es gleichzeitig mit diesem gebaut? Vermutlich.

Basketball ist nicht schwimmen. Ich schiebe das Rad nach Norden. Setze mich an Ludwig-Hoffmanns-Märchenbrunnen. Ich sinniere dem Hallenbad hinterher. Anfang der 1970er-Jahre. Das verschwundene Schwimmbad Weinstraße ist nicht eines. Es ist das DDR-Typenbau-Schwimmbad. Das erste Bad des Typs C – des lichtdurchfluteten Barcelona-Typs. Hier wurde er entwickelt, setzte die lange Tradition Friedrichshains als Schwimmbad-Pionier fort. Nie waren die Dachwellen mutiger, nie die Flächen geräumiger. Nie gab es mehr Licht. Nie vermochte es sich ein DDR-Typenbau mehr aus der Grundpiefigkeit seines Staates zu lösen.

In der Weinstraße begann die Geschichte von Typ C. Und es verschwand spurlos. Im Jahr 2000 endete dort der öffentliche Badebetrieb. 2001 schwamm zuletzt ein Vereinssportler im Becken. 2002 wurde die endgültige Schließung offiziell. Zwischen 2002 und 2008 kamen die Abrissbagger.

Chronologie eines Verschwindens

Donnerstag, 16. Mai 2019

Vom Versuch, das Quartett „Schwimmbäder in Berlin“ über amazon zu verkaufen.

Samstagabend. Die Dunkelheit hat bereits eingesetzt. Ich stehe auf dem Weg zum Branle-Tanzen auf einer Hauptverkehrskreuzung in Berlin-Zehlendorf. In der Hand trage ich den Liter Milch, den ich noch gerade vor Geschäftsschluss aus der BioCompany holen konnte. Das Handy klingelt. Ich schaue einhändig balancierend auf die Anzeige. Das Gerät zeigt eine 09er-Vorwahl. Bayern? Thüringen?

Kurz gehe ich in mich: Kenne ich eine Person in Thüringen-Bayern, die mich samstagabends anrufen würde? Nein. Also nehme ich das Gespräch an. Um mich herum rauschen die BVG-Busse. Mädchen, die noch schnell zum bald schließenden Papiergeschäft wollen, unterhalten sich.

Einige Spielkarten des Quartett Schwimmbäderin Berlin. Unter anderem mit der Schwimmhalle Finckensteinallee und dem Stadtbad Prenzlauer Berg.
Schwimmbäder in Berlin. Die Quartettkarten.

Etwas redet im Telefon auf mich ein. Ich verstehe kein Wort. Bin mir nicht einmal sicher, welche Sprache die Person spricht. Deutsch? Kann nicht sein. Englisch? Auch dann müsste ich einzelne Wörter erkennen. Ich versuche, den Anrufer loszuwerden. Der allerdings insistiert und scheint mich persönlich sprechen zu wollen.

Inzwischen habe ich die Kreuzung verlassen, bin in einen nahe gelegenen Arkadengang geflüchtet. Der Anrufer redet weiter auf mich ein. Das Wort „Amazon“ mache ich aus. Sein Gespräch soll wohl deutsch sein. Ich beginne zu ahnen, worum es geht.


Mittwoch, 11. Januar 2017

Piratenmeer Büsum. Schwimmen im Wellenbad an der Nordsee.

HO! HO! HO! JoJoJo!. Und ne Buddel Rum! Wer denkt bei einem kommunalem Schwimmbad nicht an Piraten, Papageien und die raue See?
Das Büsumer Schwimmbad ist komplex. Es hat Probleme. Büsum ist ein Touristenort an der Nordsee. Die Idee, das alte Meerwasserschwimmbad "Wellarium" zu erneuern und zu verspaßbaden traf eine Stadt, die merkte, dass die Zahl der Touristen stets abnahm und diejenigen Touristen, die kamen, immer älter wurden.



Die Eröffnung des Piratenmeers 2004 war eine Verzweiflungstat. Gerade die frühen 2000er waren eine Zeit, in der Büsum ein gewisses Talent für glücklose Verzweiflungstaten hatte. DAS Prestigeobjekt der damaligen Zeit, die Sturmflutenwelt "Blanker Hans" wurde mittlerweise trotz des damit einhergehenden Gesichtsverlustes geschlossen. Das Piratenmeer existiert weiterhin.