Freitag, 31. Dezember 2010

Traktorfreitag: Krabumm

Kraweel
Krawall
Krabumm
Bumm Bumm

Krawatte?
Sylvester?
Nein!
Ach.

Kraweel
Krawumm
Kraboff
Puff Puff







Mittwoch, 29. Dezember 2010

7000 Autos können nicht irren. #Dithmarschen #Brauneautobahntafeln

Das Auto zur weihnachtlichen Nordseefahrt zu nutzen, war die richtige Entscheidung. Strom und Heizung liefen durchgehend. Anschlussprobleme traten nicht auf, und die Informationspolitik des Fahrzeugführers war exzellent. Brandenburger Kiefernwälder sehen verschneit deutlich besser aus als im Sommerzustand. Die Tatsache, dass der ÖPNV ab Heide komplett eingestellt war, hat mich dann auch nicht betroffen. Vor allem aber konnte ich mich mal wieder informieren, was der braune-Tafel-Bestand an den Autobahnen macht.

Wenn man erst 1 1/2 Stunden durch repetetive Kiefernwälder fährt, dann 1 1/2 Stunden durch eine leicht gewellte repetetive Ebene und dann eine weitere Stunde durch eine komplett flache repetetive Ebene, bieten braune Autobahntafeln einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert. So vielfältig, so bizarr. Dank ihrer weiß ich wie oft es historische Altstadt in Deutschland gibt. Was der Zukunftszentrum Mensch - Natur - Technik - Wissenschaft (ZMTW) Nieklitz ist, weiß ich bis heute nicht, aber dafür will ich unbedingt in das Preußenmuseum. Und nicht zuletzt: Einer braunen Tafel verdanke ich Kunde von der Existenz des Wenzel-Hablik-Museums in Itzehoe, und dessen Besuch war ein echter Gewinn.

Braune Tafeln in Dithmarschen sind ein anderes Thema. Der touristische Reiz Dithmarschens lässt sich vergleichsweise einfach in ein paar Worten zusammenfassen: Nordsee, Schafe, Deich, Wattenmeer, Nordsee, Watt, Seehunde, Nordsee. Die einzige Tafel, die schon länger an der A23 steht zeigt dementsprechend auch einen Seehund und einen Leuchtturm; was man halt so erwartet.

Buesum leuchtturm leuchtturmt

Nun sind aber auch Dithmarscher Lokalpolitiker auf die Idee gekommen, in die Braune-Tafel-Szene einzusteigen. Dem Seehund folgte eine weitere Tafel Meldorfer Dom; das ist zwar kein Dom im eigentliche Sinne des Wortes, wird aber schon lange so genannt. Wenn die Kirche mal offen ist, ist sie ist eindrucksvoll und einen Besuch wert.

Meldorf nachtdom nachtdom scharf 29.12.2009 19-10-10
Meldorfer Dom vor einem Jahr.

Dann allerdings kam Büsum. Die Stadt wie gemacht für Westalgiker, die sich nach ihrer Kindheit in den 70ern sehnen. Die Stadt, die sich verzweifelt bemüht, endlich mal in den 90ern anzukommen. Büsum betreibt nicht etwa Braune-Tafel-Werbung mit der Nordsee oder dem Fischereihafen, sondern mit der Sturmflutenwelt "Blanker Hans". Nun ja, kann man nachvollziehen; wer die A23 bis dahin durchgehalten hat, weiß, dass demnächst die Nordsee kommt, und braucht vielleicht keine Zusatzermunterung.

Andererseits hat die Sturmflutenwelt "Blanker Hans" nicht nur einen Namen zum Weglaufen, sondern ist auch sonst ein ebenso ambitioniertes wie teures Zeugnis lokalpolitischer Verwirrung. Im Wesentlichen stehen da in eigentümlicher und nicht eben wertiger Kulisse ein paar Rechner in zwei großen Räumen, die Informationen liefern, die man im Internet besser bekommt. Zum anderen gingen Millionen von Fördermitteln in eine Art entschärfter Achterbahnfahrt durch Tunnel in einer blau-grün illuminierten Halle mit Sturmgeräuschen, die eine Sturmflut simulieren sollen. Ja. Wirklich. Die wenigen Besucher, die sich in das Sturmfluterlebnis stürzen wiederum treiben die Lokalpolitik in Krisen und müssen jetzt mit braunen Tafeln hergelockt werden. Eine tragische Geschichte insgesamt, aber in ihrem ganzen Irrsinn in sich schon wieder logisch.

Seit diesem Winter allerdings wird die Sturmflutenwelt-Blanker-Hans-braune-Tafel in den Schatten gestellt von ihrem Gegenstück zur Kreissstadt Heide. Heide hat ein paar Probleme. Husum zum Beispiel; Husum ist nicht weit weg, ist deutlich schicker, der Stadtpoet ist beliebter (Theodor Storm v. Klaus Groth). Und da wo Husum einen ausgesprochen schnuckligen Hafen besitzt, hat Heide eine mehrere Fußballfelder große Betonfläche. Die Heider Stadtmitte wird durch einen riesigen Parkfläche aus allen Proportionen gerissen.

Heide marktplatz 2004

Um eine Vorstellung der Heider Parkbrache zu erhalten, kombiniere man einfach die Anmutung des IKEA-Parkplatzes mit ein paar historischen Häuschen am Ende. Es wirkt verloren, einsam, hoffnungslos. Tapfer stemmen sich zehn geleaste Dithmarscher Mercedesse und diverse auswärtige Kleinwagen gegen die Leere. Das wasserlose Brunnenimitat in der Platzmitte würde vermutlich eindrucksvoll wirken, würde es nicht in der Leere verloren gehen. In den 20 Minuten, die man von einem Ende zum anderen braucht, lernt man eigene Mikroklimastürmesysteme kennen, die es nur innerhalb dieser Fläche gibt. Immerhin findet man meistens einen Parkplatz.

Okay, die Gestaltung einer braune Tafel für Heide stellt tatsächlich eine gewisse Herausforderung dar. Das Stadtwahrzeichen Wasserturm ist der Bringer nicht. Historische Altstadt wäre zwar halbwegs zutreffend (zumal die 50/60er wohl mittlerweile auch schon historisch sind), aber nicht gerade originell. Mit Hohnbeer könnte man nette Zeichnungen anbringen, und meines Erachtens Leute neugierig machen, aber das wäre halt schon sehr mutig, und 362 Tage im Jahr sind die Auswirkungen auf das Stadtbild übersichtlich.

Heide nordereggenhahn

Was Heide allerdings tatsächlich hat, ist die Bauernrepublik Dithmarschen. Im sehr späten Mittelalter war Dithmarschen für ein paar hundert Jahre de facto eine unabhängige Bauernschaft, und wäre die Geographie zuvorkommender gewesen, hätte die Gegend sich sicher der Schweizer Eidgenossenschaft anschließen können. Großer Stolz aller Dithmarscher ist das kollektive Totschlagen adeliger Invasoren im Jahr 1500, und an sich sind Republik und Bauernschaft jedem Dithmarscher sofort ein Begriff.

Und, was für die Braune-Tafel-Problematik natürlich von Bedeutung ist. Die Geschichte spielt im Mittelalter. Damit ist sie natürlich bestens gelegen im Mittelaltertrend: Freie Bauern, böse Adlige, eine einfache Welt, vor Nordsee und Schafen. Wutbürger trifft Mittelaltermarkt, wenn das kein Braunes-Tafel-Thema ist. Und neben ihrer verspäteten Eignung für die Tourismuswerbing, ist die Bauernrepublik die Ausrede für den Parkplatz in der Mitte. Der entstand als Versammlungsort "auf der Heide" und war historischer Versammlungsort der Dithmarscher Bauern. Zudem bringt er der Stadt den zweifelhaften Titel ein, den "größten Marktplatz Deutschlands" zu besitzen.

Heide marktplatz deep


Nun ist der größe Marktplatz eher was für das Guinessbuch(*), als für die Tourismuswerbung. Marktplätze sollen belebt sein, pittoresk, atmosphärisch, historisch, vielleicht auch kitschig, aber groß? Es ist ja nicht so, dass ein allgemeiner Mangel an betonierten Ebenen herrschte in der Welt, oder diese sich als Besucherattraktionen bewährten. Auch ist den Heidern in Jahrzehnten nichts besseres eingefallen, als die Mittelbrache ausschließlich mit Parkplätzen zu füllen. Die Ausstattung des Platzes mit hunderten älterer Mittelklasseautos macht die Sache nicht besser. Ist ja nicht so, dass wir nie einen Parkplatz sahen.

Allerdings, und da kommt Dithmarschens eigene Entdeckung der Langsamkeit ins Spiel, war das mal anders. Menschen haben einmal an Autobahnen campiert und sich Parkplätze angekuckt. Womit wir dann wieder in der Westalgie wären. Wer interessiert Postkarten aus den 60ern oder frühen 70ern durchsieht, wird eine hohe Anzahl von Autobahnen und Parkplätzen entdecken. Autos sind neu und aufregend und verkörpern Fortschritt. In Dithmarschen gilt das immer noch. Statt für die Bauernrepublik oder wenigstens die historische Altstadt, hat Dithmarschen sich für die IKEA-Parkflächenvariante entschieden. Größter Marktplatz Deutschlands steht auf der braunen Tafel.

"Liebe Touristen! Kommen Sie von weit her! Wir haben einen überdimensionierten Parkplatz!"

(*) Wenn es denn stimmen würde. Korrekt wäre der "größte unbebaute Marktplatz". Der Freudenstädter Marktplatz erstreckt sich über ein paar Quadratmeter mehr, ist nach überzeugenden Schilderungen aber ähnlich hässlich.


Heide weihnachtsmarkt st juergen und baum schwarz 07.12.2009 18-53-36
Weil Weihnachten ist, noch ein marktplatzversöhnliches Bild.

Darummagichberlin (XXIII)

Konsequent ist er ja, der unversicherte Winterdienst mit Sommerreifen und diversen Zusatzfeatures.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Möchte jemand mit mir einen Schafverleih eröffnen?

Vor langer Zeit einmal, im Zoo Hannover, sah ich eine Border-Collie-als-Schäferhund-Vorführung; zugegebenermaßen eine der beeindruckendsten Momente, die ich je einem Zoobesuch verdanke und Ursprung eines halben Dutzends Lebensweisheiten, wie zum Beispiel "man soll Border Collies nicht im Haushalt halten." Dieses Talent, diese Energie, diese Intelligenz.

Vor nicht ganz so langer Zeit, habe ich dann einen Schäfer, sein Quad, drei Border Collies und eine Schafherde in Yorkshire live gesehen; praktischerweise am Hügel gegenüber, also quasi aus der Vogelperspektive. Oder um es anders zu sagen. Ich habe das hier (ohne die LEDs) live gesehen. Hooray!



Seitdem bin ich übrigens auch problemlos davon zu überzeugen, dass zumindest größere Teile des LED-Videos echt sind. Nach der Live-Vorführung war ich dann noch beeindruckter, und beschloss, Border Collies nur mit zugehöriger Schafherde zu erwerben. Leider war ich damit in einer Minderheit, der Collie entwickelte sich zum Modehund und vegetiert jetzt in vielen Familien so vor sich hin, wie ein ukrainischer Kernphysiker, der in Itzehoe Pommes verkauft.

Und wie das Leben so spielt, ich bin nicht der einzige mit dem Gedanken mit der Schafherde. Das Wall Street Journal berichtet In a Tale That Wags Dog Owners, They Rent Flocks for Bored Collies, oder in Kurzzusammenfassung Ms. Foster keeps a llama to chase off the coyotes that threaten the lambs that go to market to finance the sheep that entertain her dogs. Zumindest laut den ominösen Experten gibt es einen Trend, dass zunehmend gelangweilte Border Collies regelmäßig zur Schafherde gebracht werden, um sie zu hüten.

Noch gibt es den Trend nur in den USA, aber er wird doch sicher nach Deutschland kommen. Leere Wiesen in der Nähe Berlins gibt es genug (höre ich da Tempelhofer Feld im Hintergrund?), und Schafe sollten auch aufzutreiben sein. Also bitte. Wir sind hier in Berlin. Wer seine Kinder zum iYoga auf Mandarin schicken wird, wird seinen Hund doch wohl auch Donnerstags von 15 bis 18.30h zum Schafhutkursus bewegen.

Montag, 27. Dezember 2010

Ballettmontag: Dithmarschen

Zu der Themenkombination gibt es ehrlich gesagt nichts mitzuteilen.

Freitag, 24. Dezember 2010

Traktorfreitag: Feiert schön

Meldorf xmas tractor


Sternlein blinkt.
Englein singt.
Häslein schweigt.
Rehlein schaut.
Gänslein

Weihnachtstraktor.

Zeit der Wunder.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

SEO für Anfänger

Ich hätte es ahnen können: Neben dem Google-Dauerbrenner Hitler-Witze scheint auch der Wollfetischismus einen Nerv zu treffen. Google, Du hast einen eigentümlichen Geschmack. Kennt jemand zufällig Hitlerwitze mit Wolle?

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Nicht-kausal, vermutlich




Hä, was?

My Blackberry is not working



(Wer mag, darf sich an dieser Stelle einen Rant über ARD/ZDF und Haushaltsgebühr im Vergleich zur BBC vorstellen.)

(via Thomas Knüwer)

Dienstag, 21. Dezember 2010

Rezension: Sparda-Badeschaf

Badeschaf nah oben

Die Sparda-Bank war ja schon mehrfach Thema dieses Blogs. Nach etwas unsaftem Beginn verstehen wir uns mittlerweile prächtig. Letztens hatte ich dort einen etwas längeren Termin, und kam geradezu begeistert wieder. Nicht nur, dass sie ausnehmend nett, und freundlich waren; vor allem waren sie bereit jede meiner dummen Rückfragen im Zweifel auch dreimal zu beantworten, bis ich alles so verstanden hatte, wie ich wollte. Doch, kann ich nur empfehlen.

Was aber eigentlich das wirklich Wichtige war: seit diesem Besuch habe ich ein Badeschaf. Soweit ich verstanden habe, entstammt es der Werbekampagne "Wir bringen ihre Schäfchen ins Trockene".

Das hohle Plastikgefährt, ist 10 cm lang, 8 cm hoch und wiegt 36 Gramm. Auf dem Boden steht eine sechsstellige Nummer, bei der ich keinen Bezug zu irgendwas herstellen kann. Und es schwimmt. Und es hat eine drollige abnehmbare Mütze.

Badeschaf schraeg oben

Der Boden ist glatt; das hilft beim trockenen Stehen, scheint aber im Wasser nur mäßig geeignet zu sein. Sollte man zu bewegterem Baden neigen, hat das Schaf leichte Gleichgewichtsprobleme und kippt über. Glücklicherweise kann man die Mütze abnehmen, dann schwimmt es wieder.

Weitere Nachteile: es handelt sich um kein Quietscheschaf, das Schaf bleibt stumm. Das Material ist ein bißchen rutschig und das Schaf an sich ungriffig. Ich will ja nicht gleich Wolle, aber doch auch kein Schaf, dass einem sofort aus der Hand glitscht. Und natürlich ist es viel zu weiß, um annähernd realistisch zu sein.

Andererseits: Juchu! Ich habe ein Badeschaf! Liebe Bank, Du bist super!

Badeschaf dunkelschraeg



Montag, 20. Dezember 2010

Projekt Silberwissen, Wikimedia?

Bitte sagt mir, dass der Projektname ein Test ist oder so. Oder wurde Projekt Silberwissen jetzt eingeführt, um nachträglich den Projektnamen 50plus zu rehabilitieren? So plötzlich im Vergleich klingt 50plus gleich viel besser als vorher.

Darummagichberlin (XXII)

Dialog heute Abend: "Ach, Staaken war mal im Osten? Und ich dachte immer, das wäre einfach nur so häßlich."

Weiterer Preissturz für Wikipedia-Artikel. Boden erreicht.

Der Lohn für Wiki Bio on Goran liegt doch tatsächlich bei 0,00 Dollar. Immerhin, in noch tiefere Tiefen werden die Honorare wohl nicht sinken.


Balettmontag: Traktor

Montag ist leer so ohne Traktor. Kein Traktormontag mehr, nur noch Wochenanfang. Wenn der Traktor weg ist, was dann? Genau. Ballett! Um die Eingewöhnung zu erleichtern, allerdings erstmal ein Traktorpost zum Thema Ballett? Überraschenderweise gibt es eher weniger Punkte der Überschreidung. Traktorballet wäre zwar offensichtlich, aber ist dann doch eher Traktor goes Ballett als Ballett goes Traktor. Aufgeführt zum 20-jährigen Jubiläum des schwedischen Ice-Hotels und mir unbegreiflicherweise zur Zeit nur mit niedrigen dreistelligen Zuschauerzahlen ausgestattet.



Aber dann? Das Time Magazine 1960 sah das Ballett gar als Gegensatz des Traktors! Time: Cinema: Russian Without Tractors Time immerhin gibt den richtigen Typ: Russland. Sowjetunion. Wenn ein Staat je sowohl Traktoren als auch Ballett zu obersten Priorität erklärt hat, dann die Sowjetunion. Und siehe da, es gibt auch ein Ballett im Traktoristen-Milieu: Dmitri Schostakowitschs Der helle Bach. spiegelt dabei auch noch Glanz und vor allem Elend sowjetischer Kulturpolitik.

Das Ballett ist eine Komödie, die auf einem kollektivierten Bauernhof spielt. Der Handlungsort sollte das Wohlwollen der Zensoren sichern, die Oper stammt von 1935, einer Zeit, in der Verfolgungen und Deportationen zum Alltag gehörten. Obwohl anspruchsvoll und musikalisch auf der Höhe der Zeit, sollte Der helle Bach doch leicht verständlich sein. Die Uraufführung in Leningrad traf auf begeistert Zuseher, die Oper war weitgehend ausverkauft, die sowjetischen Kritiker begeistert.

Andererseits war Schostakowistsch schon durch seine Oper Lady Macbeth von Mzensk in Ungnade gefallen. Obwohl für die Moskauer Aufführung entschäft und verharmlost, war die Oper wohl von Beginn an chancenos. Die Prawda schrieb einen vernichtenden Verriss, warf den Künstlern falsches Klassenbewusst sein und großrussische Attitüten gegenüber der Bauernklasse vor.

Die Kritik war vernichtend: Schostakowitsch, als der berühmteste am Werk beteiligtem durfte weiter komponieren, stellte jedoch alle Arbeiten an dramatischen Werken ein. Der Co-Librettist Adrian Piotrowski landete im Gulag, der Choreograph Fedor Lopukschow verlor seinen Posten als Chef des Bolschoi-Balletts und wurde wohl noch durch verwandtschaftliche Beziehungen vor dem Gulag bewahrt. Das Bolschoi wartete bis 2003, bis es den hellen Bach wieder inszeniert.


Sonntag, 19. Dezember 2010

Vom Nachttisch geholt: Bücherrundumschlag

Hier gibt es nicht nur offene Tabs, sondern auch geschlossene Bücher. Mal ein Rundumschlag durch das, was sich hier in letzter Zeit so ansammelte.

Noel Behn. The Kremlin Letter. World Books 1968. Das Buch verdanke ich den stets empfehlenswerten Five Books, in diesem Fall glaube ich der Empfehlung von vergessenen Cold-War-Thrillern. Das Buch immerhin ist durch den Film
nicht so ganz vergessen. Handlung: eine Gruppe Freelance-Agenten aus den USA wird umfangreich vorbereitet und dann in den Jahren des Nach-Stalinismus nach Moskau geschleust, um einen geheimnisvollen Brief aus höchsten Westkreisen an einen Kreml-Machtaspiranten wieder zu beschaffen. Wie es sich gehört gibt es viel Verrat und verratene Verräter und menschliche Abgründe.

Kurz gelesen nach Mills (s. unten) war dies jedoch irgendwie enttäuschend. Direkt nach dem wirklich schwarzen und bitterem Realismus von Mills, hatte ich zu oft das Gefühl doch in einer James-Bond-artigen Traumwelt zu leben, in der Übermenschen durch die Gegend laufen. Schon nicht ungeschickt, wie sich das Übermenschentum im realen Einsatz immer mehr abnutzt, die Menschen immer menschlicher werden und die Gegend immer grauer und trauriger. Ausnehmend clever konstruiert ist das auch. Aber irgendwie fehlte mir bei all der Cleverness der emotionale Gehalt. Schon am Anfang war ich unfähig, zu einem Charakter eine emotionale Bindung herzustellen, und so saß ich da eher vor. Sicher gute, unterhaltsame, dunkle Lektüre, aber auch sicher nichts für die Insel.


Juli Zeh. Schilf. Schöffling & Co. 2007. Neben Mills die zweite dringende Leseempfehlung dieser Seite. Nachdem ich mich schon andauernd auf Juli Zeh berufe, versuche ich jetzt auch langsam, mehr von ihr zu lesen.

Die Hauptfigur von Schilf ist der theoretische Physiker Sebastian, der zu einem Mord erpresst wird. Nebenfiguren sind sein Freund und Rivale Oskar, eine überehrgeizige Kommissarin, ein Kommissar mit tödlichen Kopfschmerzen und die Frage wieviele Universen es gibt, und ob wir in mehreren gleichzeitig sein können.

Gleichzeitig wirklich und unwirklich, intelligent genug aufgebaut, dass ich das Buch eigentlich noch mehrmals lesen müsste, um das in Gänze würdigen zu können, strudelartig hineinziehend. Mehr als einmal bringt es mich dazu, liebgewordene Annahmen zu hinterfragen, und sprachlich ist es wie jedes Juli-Zeh-Buch bisher ein einziges Highlight. Gripping.

Anja Marschall (Hg.): Matjes mild bis makaber. Deich Verlag, Glückstadt. 2009. Ehrlich gesagt, bin da ein leichten Täuschung aufersessen, dachte ich doch, es gäbe zumindest etwas zur Kulturgeschichte im Buch. De facto ist es aber eine reine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen irgendwo ein Matjes vorkommen muss. Und obwohl ich ja eigentlich wirklich Fan davon bin, wenn Leute selber etwas machen, und unter die Leute bringen, war ich hier doch relativ enttäuscht. Der Matjes an sich spielt meistens nur eine Nebenrolle, fast immer könnte er problemlos durch Kaffe, Rinderbraten, Kohl wasauchimmer ersetzt werden, ohne dass die Geschichte sich veränderte. Sprachlich ist es meistens sehr beschränkt und die überraschendne Pointen.. Naja.. Leicht geschockt war ich allerdings als ich am Ende las, dass fast alle Kurzgeschichtenautoren eher professionell schreiben. Immerhin: mit Herzblut und so richtig schlecht kann ich solche Bücher nicht finden.

Michael Ende. Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. Thienemann. 2004. Nachdem ich Jahrzehnte nur die Fernsehversion des Buches kannte, wurde mir jetzt endlich mal Buchversion aufgedrängt. Die Geschichte an sich setze ich als bekannt voraus, für spannende Zwischentonsuche empfehle ich die zB die FAZ, für mich war es jetzt eine sehr nette Lektüre, die auch mit Altersabstand nichts von ihrer Faszination verloren hat. Hätte es nicht leicht abwertende Konnotationen, würde ich ja sagen, unglaublich niedlich. Aber tiefer. Einfach zauberhaft.

Archaeonaut 7. Stadt und Kloster Riesa. Archäologie und frühe Geschichte. Landesamr für Archäologie. Dresden 2007. Leider - wie zu viele historische Texte - geschrieben ohne jede Rücksicht auf Leser. Habe mich bis zum Ende durchgequält, aber wenn man nicht eh schon Spezialist für Riesaer Frühgeschichte ist, ist das fast unzumutbar.

Manning O'Brine. Mills. Corgi Books 1969. Das andere Buch von den Five Books. Während es dort vor allem als liebenswerte Schilderung Italiens angepriesen wurde, ist mir dann doch zuerst aufgefallen, dass jeder Deutsche im Buch entweder Nazi oder ausgesprochenes Charakterschwein ist - meistens beides - und außerdem spätestens zwei Seiten nach dem Deutschen-Outing als erschosssen wird.

Das Buch steckt noch tief in den Nachwehen des zweiten Weltkriegs. Mills, die Titelfigur, war ehemals als britischer Agent bei den italienischen Partisanen, ist danach in den Secret Service der Nachkriegszeit gegangen, sein Herz gehört aber weiterhin Italien. Neben seinen Tätigkeiten als britischer Agent sucht er so quasi freiberuflich ehemalige Nazis, und als er einen von denen in einer der eindrucklichsten Anfangsszenen eines Buch umbringt, hat er plötzlich alle wichtigen Geheimdienste auf den Spuren. Die Glauben, dass der Deutsche noch ein Geheimnis hatte, dass nun Mills meistbietend verkaufen will. Mills wiederum liefert sich mit den diversen Geheimdiensten eine Katz- und Mausjagd quer durch Italien. Die Vergangeheit des zweiten Weltkriegs steht übermächtig über dem Buch, die Handlungen sind lebendig, die Szenen ergreifend. Ein kurzes, aber intensives Buch,

Riesaer Geschichten. Ein Bummel entlang der Hauptstraße. Jahreszahlfindichnicht. Das allerdings ist ein liebenswertes Heimatkundebuch, wie ich es gern öfter sehen würde. Die Riesaer Hauptstraße ist, wie unschwer zu erraten, die Hauptstraße in Riesa. Zu fast jedem Haus gibt es eine kurze archivfundierte Geschichte, und sowohl historische wie auch aktuelle Fotos. Wo vorhanden kommen Zeitzeugenberichte dazu, und eine kluge lesenswerte Zitierweise der Quellen. Insgesamt in seiner Gründlichkeit bewundernstwert, beim lesen wird die Straße lebendig, und beim Durchschlendern ist diese Stadt eine andere als vorher. Soviel reicher als vorher, soviel spannender, bewegter.

elian, ich würde Dich da ja gerne hinschicken.

Aber es wäre gut, wenn Du mal wieder was schriebest.

http://www.girlscanblog.org/

Um es auch mal zu sagen: Danke Wikipedia. Ihr seid super!

Ich bastele ja gerade mal wieder etwas intensiver an einem Wikipedia-Artikel. Und ich muss ehrlich zugeben: so gute Zusammenarbeit und Hilfe, wie jetzt gerade, habe ich bei Wikipedia seit Jahren nicht mehr erlebt. Ihr seid ein Traum.

Samstag, 18. Dezember 2010

Zwei Wikimedia-Satzungsentwürfe

Wie schon geschrieben, bei der außerordentlichen Wikimedia-Deutschland-Mitgliederversammlung am 22. Januar 2011 wird es unter anderem über zwei verschiedene überarbeitete Satzungsentwürfe gehen. Seit gestern ist auch der Olaf-Simons-Entwurf veröffentlicht. Da beide in Wikis stehen, kann man sie auch einfach diskutieren, sobald ich ernstlicher zum Lesen gekommen bin, geht es vermutlich auch hier weiter.

Entwurf AG Verantwortungsstruktur.


Entwurf Olaf Simons.

Freitag, 17. Dezember 2010

Traktorfreitag: Unimog Schneepflug

Unimog mit Schneefräse um 1955

Manchmal fallen Themen einfach aufeinander. Während ich letztes mal ja schon die vielen Qualitäten des Unimogs anriss, bietet es sich heute an, noch ein paar Worte, diverse Videos und eine Auswahl an wirklich eigentümlicher Hintergrundmusik zum Thema Unimogs und Schneepflüge, oder besser, Schneeschleudern loszuwerden.

Wie ich vorletztes mal ja schon schrub, sind Traktoren geborene Schneeräumer. Wie ich letztes mal schrub, sind Unimogs im wesentlichen geländegängige Traktoren. Wie ich ebenfalls schrieb, hat ein komischer Mensch im Internet geschrieben, dass die Hälfte aller Schneepflüge vor Unimogs hängen. Da das anscheinend niemand wirklich gezählt hat, gibt es keine valide Gegenquellen, was bedeutet: die Hälfte aller Schneepfüge hängt vor Unimogs.

Was aucb bietet sich mehr an, als ein geländegängiges Fahrzeug mit meterhoher Bodenfreiheit und der Fähigkeit wirklich jedes Werkzeug dran zu befestigen, auf den Schnee loszulassen? Okay, ein Fahrzeug, das deutlich weniger kostet und deutlich weniger wartungsbedürftig ist vielleicht... Aber was sind Kosten wenn es doch im TRAKTOOOR geht.

Für den Anfang erstmal klein. Aber seien wir ehrlich: selbst dieses Spielzeug ist wahrscheinlich effektiver, als die komischen Elektrohandfeger, die gerade Berlins Gehwege schneefrei bekommen sollen.



Jetzt größer. In der Hoffnung, dass die Tonspur irgendwie ins 80er-Revival passt.



Und zum Abschluss: kein Schnee, aber cool. Bodenfreiheit.



Zum Wochenende



Ein mittelalter Mann trommelt.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Was ich schon immer sagen wollte


















in Königs Wusterhausen.

"Why do you want images of animals having sex? This is no way to claim it is educational."

Drei Neuigkeiten zu den Wikimedia-Bildern. Penisse, Rechthilfe und Livestream.

1. Penisse

Vorerst gibt es keine Relevanzlöschungen auf Wikimedia Commons, auch nicht bei Sex. Auf einer Diskussionsseite einer Metaseite (Wikipedia halt..) hat sich eine mehr oder weniger improvisierte Abstimmung mit 239:230 Stimmen entschieden, die vorgeschlagene Richtlinie "Sexual content" nicht anzunehmen. Nicht mal vorläufig.

Die Richtlinie hätte neben Offensichtlichem (wie dem Verbot der Kinderpronographie und dem Einholen von Persönlichkeitsrechten, beides Punkte, die schon anderswo geregelt sind) auch solch illustren Punkte wie "nur enzyklopädische Dateinamen" und sonstige Absonderlichkeiten gehabt, um nur ja niemand zu irritieren. Ich zitiere mal: For example, File:Félicien Rops - Sainte-Thérèse.png, an anti-Catholic erotic artwork of Saint Teresa of Ávila, is in Category:Caricatures of Saint Teresa of Ávila instead of the main category Category:Saint Teresa of Ávila. Einer der Hauptkritikpunkte an der Richtlinie war, dass es durch sie möglich wäre, Bilder ohne Gegenkontrolle zu löschen, "weil sie nicht dem Commons-Ziel entsprechen". Das wäre der Gummiparagraph par excellence.

Qualité toison
Könnte Wollfetischisten erotisieren.

Natürlich hätte sich Commons mit der Richtlinie sofort alle Probleme eingefangen, die auch die Wikipedia-Löschdiskussionen schon überschatten: im Zweifel gewinnt derjenige, der am schnellsten auf dem Löschknopf ist, und nicht derjenige, der nachdenkt. Wenn die Diskussion schon Standpunkte bringt, dass Tiere beim Sex überhaupt nicht lehrreich sein können, schwamt mir Übles. (Wer will und es braucht darf an dieser Stelle einen antiamerikanischen Rant, Schwerpunkt Prüderie, einsetzen) Und selbst wenn alle Löschungen übergerechtfertigt sind, erfordert das allgemeine Mysterium des Unbekannten und Verschwiegene schon übermenschliches Vertrauen herauf, das auch blind und ohne Kontrollmöglichkeit zu glauben.

Andererseits haben die Contra-Stimmer die Abstimmung nur knapp gewonnen. Die Gegner selbst sind ein arg lockerer Verbund aus Leuten denen der Vorschlag zu restriktiv, Leuten, denen er zu liberal ist, und Leuten, denen er zu schlecht formuliert ist. Da die Foundation wohl auch an sich auf eine restriktivere Auslegung drängt, war das noch nicht das letzte Wort. Noch immerhin können wir andächtig staunen, wieviel Männer auf dieser Welt ihren Penis mit Handykameras fotografiert haben.

2. Rechtshilfe

Der deutsche Verein hat sich in der Zwischenzeit entschieden, in bestimmten Fällen Fotografen (und Autoren) finanzielle Unterstützung zu gewähren, wenn diese gegen unrechtmäßige Nachnutzung vorgehen. Aus zuverlässiger Quelle wurde mir versichert, dass damit keine der Speziallizenzbastler gemeint sind, die jetzt schon gerne mal abmahnen, sondern eher Fälle, die tatsächlich prinzipiell für alle Wikipedianer gelten. Das ist super und doch genau das was ein Förderverein machen soll: Initiativen, die schon da sind, fördern.

Als Beispiel fielen mir da die seltsamen Raubdrucke auf Amazon ein, oder natürlich die Bild, die letztens einen autoren- und fotografenfreien Wikipedia-Beileger hatte. Jetzt braucht der Verein nur jemand, der wirklich klagen will. Ich hoffe ja, es sind nicht nur Fotografen dabei, sondern auch Autoren - allein um zu wissen, was ein deutsches Gericht zur komplett unauffindbaren Methode zu sagen hat, mit der Wikipedia selbst Autoren kennzeichnet,

3. Neue-Bilder-Stream


Dank Olaf Simons habe ich übrigens den (mehr oder weniger) Real-Life-Stream neuer Commons-Dateien entdeckt. Damit kann man sicher auch gut arbeiten, und beispielsweise Urheberrechtsverletzungen entdecken. Ich allerdings freue mich mehr am netten Hintergrund und dem schönen Tab, den ich dann ab und an anclicken kann. Weiß zufällig jemand, ob man den in eine Website einbinden oder als Bildschirmschoner nutzbar machen kann? Und nun zum Abschluß noch ein paar Fundstücke aus dem Stream:

Ferid Boughdir, Interview Tunis 20101215

Street Lights Oberschleissheim Winter

1603 Alkmaar Kaerius

Radiodirektørene i nrk

Arianit Koshare IMG 0090

Hampden Avenue on the North Wagga flats under water

第45屆工展會場內 2010

LicencesPropriétéIntellectuelleCreativeWorks Licenses

Catopsilia pomona (yellow) and Graphium doson (black and blue) butterflies mud-puddling - 20100616