Dienstag, 31. Mai 2011

Määäääppy Birthday dear Stepro, määääääääppy Birthday to you.



Wünschen dieses Geburtstagsschaf und ich.

Investigativer Enzyklopädismus II: Doktorarbeitsplagiat

Wer es nicht glauben: Wikipedia-Artikel schreiben ist Recherche. Nachdem vor gerade mal zwei Wochen ein Wikipedianer einen Gestapo-Dezernatsleiter aufspürte, ist es diesmal ein falscher Doktor. Ich crossposte einfach mal aus dem Wikipedia-Kurier. Text stammt von anonym bleiben wollender IP-Adresse und steht unter CC-BY-SA 3.0.

Die Westfälischen Nachrichten berichteten am 28. Mai 2011 von einem möglichen Plagiatsfall an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. „Dabei geht es um zwei Dissertationen, die angeblich große Übereinstimmung aufweisen. Dies hatten Autoren des Internet-Lexikons Wikipedia bemerkt, als sie einen Artikel überarbeiteten. Wikipedia informierte die Universität, nun wird der Fall geprüft.“ (K. Völker: ''Verdacht auf gefälschte Doktorarbeiten an Uni Münster.'' In: ''Westfälische Nachrichten'' vom 28. Mai 2011)

Nein, keine Plagiatsjäger war hier am Werk. Ein Zufallsfund im Rahmen der Literaturrecherche für einen Artikel des letzten Schreibwettbewerbs. Und ebenfalls ein Zufall, dass zehn Tage vor diesem Zufallsfund ein deutscher Minister wegen einer plagiierten Dissertation zurücktrat.

Als Autor nutze ich gerne den allgemeinen Teil von Dissertationen: komprimiertes Wissen, das den Stand der Wissenschaft darstellt und – so sollte es jedenfalls sein – mit der entsprechenden Referenzierung der Originalliteratur versehen ist. In einer Dissertation aus dem Jahr 2006 fand ich am Abend des 10. März dieses Jahres den Begriff ''Xxxxxxxxx xxxxxxxxxxxx xxxxxx'' (aus datenschutzrechtlichen Gründen unkenntlich). Ein Wachstumsfaktor aus der Prostata, der Osteoblasten zur Proliferation anregen soll. Trotz all der Journals und Büchern, die ich zur Erstellung des Artikel gelesen hatte: dem Begriff war ich bisher noch nie begegnet.

Die angegebene Quelle war ein Buch von 1996. Das war nicht zur Hand, also wurde die „Allwissende Müllhalde“ bemüht. Bei den spärlichen Suchergebnissen war unter anderem eine Dissertation von 2009 – gleiche Uni, sehr ähnliches Thema. Ein Klick auf die PDF-Datei und diese Geschichte nahm ihren Lauf. Beim Überfliegen des Textes der Einleitung dachte ich schon an ein Déjà-vu-Erlebnis. Der Text kam mir sehr bekannt vor. War da versehentlich die zuvor gelesene Datei von 2006 falsch verlinkt? Nein, ein anderer Autor, wirklich das Jahr 2009, gleicher Doktorvater, gleiche Fakultät und ja, im allgemeinen Teil genau der gleiche Text, mit minimalen (geradezu grotesken) Abweichungen.

Grotesk beispielsweise, wenn ein Diagramm kopiert wird, in dem sich plötzlich eine Diagonale befindet, die mit „Diagonal [sic] (keine Aussagekraft)“ gekennzeichnet ist. Selbst Zeilen- und Seitenumbruch gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sehr vorteilhaft, wenn man einen großen Bildschirm hat, an dem man zwei PDF-Dateien nebeneinander lesen kann. Nun gut, im allgemeinen Teil volles Copy&Paste-Programm, da könnte man ja noch drüber wegsehen. Aber 1. wird der Autor der 2006er-Dissertation überhaupt nicht erwähnt, d.h. er taucht nirgends als Quelle auf und 2. der sehr hohe Grad an Übereinstimmungen findet sich auch im Ergebnis- und Diskussionsteil(!).

Mehrere Stunden dauert der Abgleich; bis tief in die Nacht. Der Übereinstimmungsgrad ist so hoch, dass es leichter ist die Unterschiede zwischen den beiden Dissertationen zu suchen. Und die sind klein und – wie schon erwähnt – teilweise grotesk. So ist beispielsweise das Literaturverzeichnis inhaltlich völlig identisch. Unterschiede gibt es lediglich in der Formatierung, da ein Punkt nach den Initialen, dort ohne, und die eine Dissertation hat eine Quelle weniger. Das verschiebt dann ab Nummer 10 sämtliche Quellen um eine Position nach vorne. Die Ursache: in der Dissertation von 2006 ist eine Quelle doppelt aufgeführt, an Position 9 und 10. Bei dem Werk von 2009 findet sich diese Quelle nur einmal, an Position 9. Die Doublette wurde also bemerkt und entfernt.

Selbst in der Danksagung gibt es völlig identische Absätze. Bei den Lebensläufen – übrigens der Hauptgrund dafür, dass die beiden Dissertationen hier (leider) nicht verlinkt sein können – gibt es dagegen keine inhaltlichen Übereinstimmungen. ''Magna cum laude'' (‚eine besonders anzuerkennende Leistung‘) gab es für die Arbeit von 2009.

Wirklich schockiert und entsetzt von dem Gesehenen, das mein Vorstellungsmögen weit übertraf, ging es ins Bett. Es wurde eine sehr unruhige aufgewühlte Nacht. Um es offen zu sagen, es ist kein angenehmes Gefühl etwas entdeckt zu haben, das für den/die Betroffenen möglicherweise sehr weitreichende Folgen haben kann – wenn man es publik macht. Ich kenne keinen der Beteiligten. Keiner hat mir irgendwas getan. Aber deshalb Nichtstun und so etwas (ohne Wertung des Sachverhalts, da ein laufendes Verfahren) durchgehen lassen? Auch kein besseres Gefühl.

Ich habe Rat gesucht bei Kollegen und guten Bekannten. Vier Habilitierten, von drei verschiedenen Universitäten, wurden die beiden Dissertationen vertraulich gezeigt. Einhellige Meinung: unvorstellbar und auf jeden Fall melden. Also eine E-Mail an die Medizinische Fakultät der Uni geschrieben, man möge doch bitte die beiden Dissertation eingehend prüfen, da der erhebliche Grad an Übereinstimmungen den Verdacht eines Plagiates nahe legt. Die Antwort des Dekans kam drei Stunden später: „vielen Dank für den Hinweis. [..] in dem zuständigen Gremium der Fakultät und Universität überprüfen und, falls erforderlich, die notwendigen Schritte unternehmen.“ Ende März ein Zwischenbescheid aus Münster mit Dank und dem Hinweis auf eingeleitete und noch laufende Ermittlungen. Am 20. Mai ein weiterer Zwischenbescheid, der den jetzt in den Westfälischen Nachrichten veröffentlichten Sachverhalt wiedergibt. Soweit der aktuelle Stand der Dinge. [[IP-Adresse|IP]] 28.5.



Montag, 30. Mai 2011

Oahu, #dänisch

Dänisch, die Sprache der Träume, Hot Dogs, Däninnen und Hans-Christian Andersens. Weg zu Butter, Schinken, Hot Dogs und nach Roskilde. Oh oooo! Vor langer Zeit einmal habe ich versucht, dänisch zu lernen.

Das war ein eher irritierendes Erlebnis. Die Grammatik stellte ausnahmsweise gar kein Problem dar, die ähnelt dem Deutschen tatsächlich sehr. Ortographie und Aussprache jedoch waren so rätselhaft, als man ein Naturvolk entdeckt - das 24 Stunden am Tag Kartoffeln isst.

Dänisch hat 30 Buchstaben, die alle entweder a oder o bedeuten. Beziehungsweise einen von sehr vielen Vokallauten, die so ähnlich klingen wie a oder o. Ob nun zum Beispiel ein d und ein l für a oder für o stehen, hängt vom Wort ab. So kann es also passieren, dass das geschriebene Wort cvrts sich ooaao ausspricht, während das gesprochene Wort oooaoo sich knallert schreibt. Wenn ich versuche, dänisch zu reden, hört sich das ungefähr so an wie Otto Mohl fühlt sich wohl am Pol ohne Atom von Loriot.

Wenn Dänen dänisch reden hört sich das immer noch vage so an, die schaffen es aber tatsächlich eine ganze komplexe Sprache in zwei Lauten und ihren Abwandlungen darzustellen. Aber wie frohlockte ich nun: auch sie haben damit Probleme.

Wie die Copenhagen Post berichtet (An overabundance of vowel sounds makes Danish a difficult language to learn – even for Danish children, say linguists) lernen dänische Kinder deutlich später Wörter als ihre Altersgenossen in anderen Sprachräumen. Erst wenn sie 8 bis 9 sind, holen sie den Wortlernvorsprung der europäischen Altersgenossen auf. Und wer ist schuld? Vokale! Geschrieben gibt es neun: a, e, i, o, u, æ, ø, å und y, gesprochen aber 40 verschiedene Vokallaute.

To make matters worse, modern Danes ‘swallow’ lots of the remaining consonants... In Danish, it is how ... a simple, little sentence like 'Det er det' becomes ‘dā-ă-dā’.

Oha.

Update: Danke an @theredbird, Ottos Mops stammt natürlich von Jandl, ersetzt durch Otto Mohl fühlt sich wohl.

Die tapferen Schneiderlein. #urheberrecht

Die ganze Urheberrechtsdebatte ist von Missverständnissen und romantischen Vorstellungen durchsetzt. Wolfgang Michal fügt dem jetzt auf Carta ein weiteres hinzu. Um Michals Argumentation kurz zusammzufassen: die Inhaltsindustrie nutzt Urheber, um sich Rechte zu erstreiten, die den Urhebern nichts mehr nutzen. Im Kampf zwischen Medienriesen und Verbraucherorganisationen drohen die Urheber zerrieben zu werden, und brauchen ein stärkeres Urhebervertragsrecht. Wobei insbesondere der Glaube trügt, ein stärkeres Urhebervertragsrecht würde vieles ändern.

Ganz falsch liegt er damit natürlich nicht. Die Urheber sind in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition, und die Aktivitäten der Urheberinteressenvertretungen wie Ver.di sind eine Schande. Die Fälle in denen Industriegewinne wirklich zu den Urhebern weitergereicht wird, sind so häufig nicht, und im Zweifel trifft es die, die sowieso schon nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld.

Das allerdings liegt nur bedingt am Urheberrecht. Beziehungsweise das Urheberrecht verstärkt da für viele Beteiligte noch die unglücklichen Effekte des Marktes. Der ganze Kreativmarkt ist ein für Urheber stehts ungünstiger Winner-Takes-it-All-Markt. So lange es möglich ist, überall die beste(*) Musik zu bekommen, wird der Produzent der besten Musik alles bekommen, der fast ebenso gute Produzent der zweitbesten Musik nichts.

Solange also primär für etwas bezahlt wird, was sich kostenlos reproduzieren lässt, werden immer einige Leute sehr viel Geld verdienen, und sehr viele Leute gar nichts. Je besser dieser eine und sein Werk geschützt ist, desto ungleichmäßiger wird die Verteilung. Kommt dazu noch ein Produkt, bei dem das Angebot deutlich größer ist als die Nachfrage, (weil: Schreiben macht ja Spaß), geht das Einkommen in den Randbereichen gegen Null.

Wird ein besseres Urhebervertragsrecht da was ändern? Nicht viel. Eigentlich nur, wenn es die großen Player (Contentindustrie, Verwertungsgesellschaften) zur Quersubvention zwingt. Geht es Leuten in anderen kreativen aber von Urheberrechten freien Bereichen besser? Wenn es irgendwo schlechte Arbeitsbedingungen gibt, dann bei Friseuren und Schneidern.

Müssen sich Autoren vielleicht einfach damit abfinden, die Friseure der Wissensgesellschaft zu sein?

(*) Und jetzt keine Grundsatzdiskussionen, dass doch die wahre, gute und schöne Musik.. "beste" in diesem Post hier, bedeutet, "am besten auf die Bedürfnisse des Publikums abgestimmt."

C F K O UU Y, Berliner Bäderbetriebe



Daran, dass das Schöneberger Bad mal geöffnet war, erinnern sich nur noch die Ältesten der Alten.

Die Freibäder haben noch nicht offen, weil es nicht sommerlich genug ist. Wenn ich draußen am Zaun rüttle, hilft es auch wenig, dass das Sommerbad Wilmersdorf mein liebstes Bad in Deutschland ist.

Wobei diese mangelnde Sommerlichkeit aber nicht davon abhält, die Hallenbäder schon unter dem Sommerfahrplan zu fahren, sprich, sie sind in geraden Wochen Dienstags zwischen 15h und 15.30h offen, wenn in der Woche ein gesetzlicher Feiertag ist. (Es sei denn dieser fällt auf einen Dienstag).

Nein, auch das Bad Mariendorf viele Plusplunkte für eine unglaublich kafkaeske Athmosphäre bekommt, ich habe wenig Lust nach Mariendorf zu radeln, nur um mal eine halbe Stunde ins Wasser zu springen.


Freitag, 27. Mai 2011

daughters of the authors (only if they are not married)

Another national peculiarity can be found in Chile where the term of [copyright] protection can be computed from the date of death of the last surviving person amongst the wife and daughters of the authors (only if they are not married). This strange (and not genderneutral) provision might be soon abrogated by a Bill currently in discussion.
Aus: Dusollier, Séverine: WIPO Scoping Study on Copyright and Related Rights and the Public Domain, 2010

Wiki/Copyright/Wissenschaft

Dasjadolle, es gibt tatsächlich Wissenschaft, die sich mit Urheberrecht und Wikis beschäftigt: Jeremy Philipps: Authorship, ownership, wikiship: copyright in the 21st century. In: Derclaye, E. (ed.) Copyright And Cultural Heritage Preservation and Access to Works in a Digital World. Edward Elgar, Cheltenham. ISBN 978 1 84980 004 4

Primär mit der Frage, ob ein Wiki eine Datenbank im Sinne der EU ist, und welche Rolle der einzelne Autor spielt. Mehr, wenn ich es mehr als überflogen habe. Wikipedia selbst bezeichnet Philipps dabei als Elefant am Frühstückstisch, den er mal vorsichtshalber ignoriert.

Bemerkung am Rande. Jeremy Philipps ist der Betreiber des Blogs IPkat, das ich ja auch hier immer mal wieder ganz gerne verlinke.

Traktorfreitag: Geh-hinterher-Traktor

Traktor bedeutet ja glaube ich auf lateinisch irgendwas, was in meinen vier Jahren Latein nicht vorkam. Trecker hingegen bedeutet auf Plattdeutsch Schlepper, und schleppen ist es ja, was ein Trecker soll: Pflug, Egge, Güllewagen, Abflammmaschinhttp://www.blogger.com/img/blank.gife und was es alles gibt. Nun sind Trecker groß wie Rapsfelder und damit zu groß für kleine Rapsfelder: die Lösung lautet Einachsschlepper.

Einachschlepper bestehen im wesentlichen aus einem Motor auf zwei Reifen, und einer Kupplung, um diverse Geräte anzuschließen: in der Landwirtschaft halt die üblichen Verdächtigen (Fräse, Pflug; Egge etc.), und im Gartenbau ebenso (Rasenmäher, Fräse, Laubsauger etc.) Das sieht ungefähr so aus:



Auch wenn mir das Gerät wirklich neu war, für unsere Großeltern war es noch High-Tech, und in China noch bis vor 10/20 Jahren Stand der Technik, und überall wo es kleine Felder oder wenig Geld gibt, sind sie immer noch weit verbreitet.

Auch wenn generell zum Hinterhergehen gedacht, verfügen die Geräte doch über einen eigenen Antrieb, es ist also einfach möglich, zwei weitere Räder anzumontieren, und sich damit, langsam, durch die Gegend zu bewegen.

Die Vorteile gegenüber einem richtigen Traktor sind ja eher offensichtlich: es ist wendig, leicht, preiswert, und unkommpliziert. Der Nachteil gegenüber einem konventionellen Traktor ist es natürlich auch: POOOOOOOOWER! Nicht ganz so offensichtlich ist das Gerät Nachts, weswegen der Einachser wohl - im öffentlichen Straßenverkehr betrieben - zu den Hauptverursachern schwerer Unfälle in den Ländern seines Hauptverbreitungsgebiets gehört.

Fern aller Notwendigkeit und öffentlichen Straßen gefällt mir das Gerät aber sehr. Es ist versatil, robust, sprotzt und tuckert wie sich das gehört. Auch wenn ich kein Beispiel gefunden habe: man kann sicher auch Steine dranbinden und Tractor-Pulling veranstalten. Das wird dann auch gleich noch echter Kraftsport.

Einachser im Einsatz (leider ohne Explosionen):



So ganz allgemein könnte die Geh-hinter-dem-Traktor-her-Szene etwas Nachhilfe gebrauchen, was packende Videos angeht. Das hier war das Highlight:



Immerhin, Ansätze zum Traktorpulling gibt es:



Arte und die orange Orange


Gestern Abend sendete Arte den recht bekannten Kubrick-Film Uhrwerk Orange. Vorher war eine 52minütige Doku zur Entstehung des Films unter dem Namen Es war einmal ... angekündigt. Den Film habe ich schon mehrfach gesehen, die Doku hat mich interessiert.
Ausgehalten habe ich sie 7 Minuten, dann hatte ich Angst um meine Zähne und die Tischplatte und habe abgeschaltet.

So ein unterirdisches Niveau hätte ich auf Arte wohl zuletzt vermutet. Offenbar hatten die Autoren sich zwar mit Produzenten, der Witwe Kubricks und wer-weiß-nicht-alles unterhalten, aber den Film nicht gesehen und das Buch nicht gelesen. Zumindest aber haben die Redakteure es wohl nicht verstanden. Schon ein kurzer Blick auf den englischen Originaltitel "A Clockwork Orange" hätten dem Off-Sprecher und dem Synchron-Regisseur nicht nur ein Licht, sondern einen ganzen Kronleuchter aufgehen lassen müssen. Aber nein, man erwähnte im gefühlten 10-Sekunden-Takt den Namen des Films als "Uhrwerk orange", ohne e am Ende ausgesprochen. Dumm nur, dass es eben nicht um ein orangefarbenes Uhrwerk, sondern eigentlich um eine (wie einen Wecker) aufgezogene Orange geht. Darüber, warum im deutschen Titel der Artikel damals weggelassen wurde, kann man nur spekulieren. Nun muss das nicht jeder Zuschauer des Films unbedingt gleich realisieren. Wenn man aber eine fast einstündige Doku zu diesem Film produziert, ist das nicht mehr nur peinlich, sondern völlig daneben.

Schon ein Blick in Wikipedia hätte hier übrigens weitergeholfen, es gibt dort sogar einen Abschnitt über den Titel des Films: »Anthony Burgess selbst erklärte den Titel seines Buches so: „1945, als ich von der Army kam, hörte ich einen achtzigjährigen Cockney in einem Londoner Pub von jemandem sagen, er sei schräg wie eine aufgezogene Orange" (as queer as a clockwork orange).«

Wer sich nicht gruselt und nicht zum Tischkantenbeißen neigt, kann sich diese "Doku" übrigens noch ansehen: Arte wiederholt den Schrecken am 4. Juni.

Mir bleibt nur, die Toten Hosen zu zitieren: "And always remember: The world is an orange!"

Donnerstag, 26. Mai 2011

Mein Gesicht ist satirisch gemeint #tyson #urheberrecht

So, da der Film Hangover 2 nun auch in Deutschland anläuft, und auch TVTotal berichtet, ein guter Grund nochmal kurz auf das Tyson-Tattoo einzugehen. Als kurze Rekapitulation: Mike Tyson hat ein auffallendes Gesichtstattoo und spielt im Film Hangover 2 mit. Die Hauptrolle im Film trägt ebenfalls diese Tätowierung, und ist auf den Werbeplakaten für den Film zu sehen. Mike Tysons Tätowierer nun wiederum geht dagegen vor Gericht vor, weil er die Rechte an der Tätowierung hat, und die nicht einfach so Werbung mit seinem Kunstwerk.. Schlußendlich wird es auf einen Vergleich hinauslaufen und alle kriegen Geld.

Abgesehen davon, dass jetzt jede Menge Leute Geld verdienen, sehe ich aber gerade zwei Gesichtspunkte, die über den konkreten Fall hinausweisen. Ralf Möbius schrieb kurz, dass Mike Tyson im Gebiet des deutschen Urheberrechts weiter ins Schwimmbad darf. Dem würde ich nicht widersprechen, finde es aber zu fantasielos gedacht.

Zum einen ist Möbius Beispiel des "Logos für seine Security-Firma" sicher nicht die häufigsten kommerzielle Übernahme von Tätowierungen anderer Leute. Die dürfte eher erfolgen, wenn jemand in ein Tattoo-Studie kommt und sagt "Ich hätte auch gern das Tattoo von Mike Tyson/David Beckham/Chiara Ohoven/Kate Middleton/meiner Lehrerin" etc. Oder natürlich, wenn die sowieso alle diesselben fünf Tribals tätowieren. Die Umstellung der ganzen Tätowiererei von einem jeder-darf-alles-Gebrauch auf ein System mit Lizenzen, Verboten, Verwertungsgesellschaften und Leergeräteabgabe auf Tätowiernadeln ist so bedeutungslos nicht.

It's summer time 04

Zum anderen kamen bisher alle Fälle ja deswegen zum Konflikt, weil es kommerziell Fotos der Tätowierung gab. Sei es das Filmplakat, sei es Werbung mit David Beckham und prominent aufgenommenem Tattoo. Und da scheint mir durchaus noch unsicher, wo die Grenze liegt. Sind keine kommerziell nutzbaren Fotos von Mike Tyson mehr möglich? Müssen die SuicideGirls immer eine Einverständniserklärung des Tätowierers abgeben? Muss bei einer Werbeaufnahme das Tattoo deutlich im Vordergrund stehen oder reicht es, wenn es zu erkennen ist? Mir deucht, die Juristierei hat da noch viel zu entscheiden, wenn es jemand darauf anlegt.

Techdirt hat mich auf einen anderen Gesichtspunkt aufmerksam gemacht: Warner Bros. argumentiert damit, dass das Tattoo in Hangover 2 eine Parodie sei - abgestritten vom Tätowierer, weil die Tätowierung im Film identisch ist. Nun würde ich ja Techdirt folgen, dass diesselbe Tätowierung auf dem Anti-Mike-Tyson-Gesicht von Ed Helms satirisch sein kann. Was nun aber dazu führt, dass das Gesicht Teil des Kunstwerks ist, und dementsprechend der Gestalter/Träger des Gesichts auch Rechte.. ach, es ist ein endloses Feld.

Jetzt bin ich erstmal gespannt, ob andere Tätowierer den Ball aufgreifen, und bewusst wahrnehmen, dass sie Rechte einklagen können, oder lieber alles beim alten bleibt.

Und ganz am Rande: wer umsonst mit Chio Chips nach Thailand fahren will, kann das versuchen.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Andere Überzeugen ist tückisch

Es könnte passieren, dass man seine eigene Meinung ändert, und dann andauernd über Dritte gegen sein früheres Selbst anargumentieren muss. Anstrengend ist das.

Behördenwahnsinn und moderne Technologie


Seit November gibt es den neuen Personalausweis, nun habe auch ich zwangsläufigerweise so ein Teil. Da mein "alter" am ablaufen war und ich einen Reisepass brauche, dachte ich mir es wäre sinnvoll gleich mit zwei Klappen auf eine Fliege zu schlagen. Also beides zusammen beantragt.

Keine Überraschung: Natürlich kann man sein Passbild nicht digital abgeben, weder per Mail noch per Stick oder sonst irgendwie. Also ausdrucken...

Erste Überraschung: Um ein Passbild von den Mitarbeitern des Bürgerzentrums akzeptiert zu bekommen, braucht man sehr gute Nerven. Bei meinen Besuchen hatte ich den Eindruck, etwa die Hälfte aller BittAntragsteller wird erst einmal pauschal gleich am Empfang wegen des Fotos zurückgewiesen. In meinem Fall schickte man mich beim ersten Versuch mit dem Kommentar "viel zu hell" wieder weg. Tags darauf war mein Passbild zu dunkel. Da ich mit solcher Unbill bereits rechnete, hatte ich eine Belichtungsreihe ausgedruckt und warf 5 Kandidaten auf den Tisch. Plötzlich war das Bild nicht mehr zu dunkel. Hat man also die bildliche Hürde nach langen Diskussionen genommen, geht es ans Beantragen.

Zweite Überraschung: Die (man erinnere sich: nur analog akzeptierten) Fotos werden gleich vor Ort einscannt. Mit einem Standard-Billig-Kombi-Gerät aus dem Ichbindochnichtblöd-Markt. Bei jedem Sachbearbeiter schien eine andere Marke zu stehen. Also Passbild auf den Scanner gelegt, in der Software geklickt. Helligkeitskorrektur oder so ein Schnickschnack angeblich nicht möglich.

Dritte Überraschung: Der Wahnsinn hat Methode. Für Perso und für Pass werden die Bilder jeweils neu eingescannt. Eine Datenübernahme von einem zum anderen Antrag ist nicht möglich. Die beiden Fotos werden auf die Formulare geklebt, die vor Ort bleiben. Grotesk: Bei der Abholung bekommt man beide Fotos zurück. Wozu für die Zeit zwischen Beantragung und Aushändigung zwei Fotos dort physisch herumliegen müssen, konnte man mir nicht beantworten. Prinzipiell hätte eines ja zumindest gereicht.

Vierte Überraschung: Na gut, überrascht war ich dann nicht mehr wirklich. Meine Fingerabdrücke wurden auch zweimal eingescannt. Keine Datenübernahme zwischen den beiden Anträgen, man erinnert sich.

Kostenpunkt: 87,80 € für beides. Teure neue Welt.

Was kann ich nun mit meinem Wunderwerk der Innovation und Datensammlung anstellen? Meine größte Überraschung: Fast nichts. Selbst über ein halbes Jahr nach dessen lang zelebrierter Einführung kann man noch keine elektronische Signatur auf den Ausweis laden. Alles noch in der Entwicklung. Um dies irgendwann - sofern es jemals fertig sein wird - auch nutzen zu können, braucht man ein Komfort-Lesegerät der Klasse 3. Aus Sicherheitsgründen sowieso zu empfehlen. Zertifiziert ist bisher ein einziges, ein Reiner SCT. Seit 2 Monaten warte ich nun darauf, dass dieses einzig mögliche Gerät lieferbar ist. Bisher ist es noch nicht erhältlich. Heute bekam ich als voraussichtlichen Liefertermin Mitte Juli genannt.

Während man woanders über die digitale Zukunft diskutiert, überlegt der Amtsschimmel noch, ob er an der Zukunft überhaupt teilnimmt. Jahrelange Planung für den sogenannten nPA, tolle Marketing-Aktionen und dann: Nichts funktioniert. Bizarre neue Welt.

Offene Tabs wegbloggen 20110525

Ryan Giggs.

Von Zeit und Aufwand her, die insgesamt in Wikipedia weltweit stecken. hätte man auch locker ein paar Pyramiden in Handarbeit bauen können.

Kurzinterview mit Sue Gardner in Marie Claire ..the whole Silicon Valley apparatus. I spent about three months visiting maybe 100 organizations, and I didn't come across a single woman who was not getting us coffee or answering the phone.

Schicke Enduro-Fotos bei Liesels Artikeln.

Sehr schöner Kommentar des stets lesenwerten John Haughton im Observer zum Hargreaves-Review: Hallelujah! At last we are getting somewhere

Und somewhere kommen wir auch woanders hin, ich dachte ja das Thema wäre tot, aber anscheinend ist es eher untot. Amerikanische Ärzte lassen sich per Unterschrift zusichern, dass ihre Patienten nicht böses über sie veröffentlichen dürfen. Ars Technica: Doctors and dentists tell patients, "all your review are belong to us"

Muss ich noch dazuschreiben xkcd oder weiß das eh jeder?



Weniger angetan: Verleumdung gehört nun mal zum Geschäft bei Wikipedia. Recherchieren unnötig. Leider benutzen „Journalisten“ auch immer wieder Wikipedia als Quelle, obwohl sie es besser wissen sollten.

*sigh* Ludwig von Mises Institute
One type of popular user-created object sold in Second Life is the breedable animal. Essentially, these objects mimic the life cycle of a real animal; they eat to survive, sleep, and replicate. Amaretto created a breedable horse and associated virtual horse food, both of which it sells in Second Life. Amaretto competes in the market of virtual animal sellers with Ozimals, which owns and sells virtual breedable bunnies.

In early November 2010, Ozimals sent Amaretto a “cease-and-desist” letter alleging that (1) Amaretto’s virtual horses were a “virtual clone” of Ozimals’s virtual bunnies and (2) Amaretto was infringing Ozimals’s copyrights.

Ralf Möbius zum Tattoo-Tyson-Problem im deutschen Recht. Gemäß dem urheberrechtlichen Zweckübertragungsgrundsatz wird der Träger eines derart schutzfähigen Tattos lebenslang vom Tätowierer unbehelligt in ärmellosen T-shirts posieren dürfen, während der Bruder des Tätowierten das Motiv jedoch nicht ohne den Urheber zu fragen als Logo für seine Security-Firma nutzen darf.

ORF kompetent: Das Wechselspiel von Wikipedia und Journalismus

… and everyday life:
Pointing to Wikipedia or the Encyclopedia Britanica as the best of a culture’s intellectual output makes about as much sense as looking to sausage for the best of a culture’s protein sources.

Literary Blurb = der Satzfetzen eines berühmten Kollegen, der hinten auf dem Buch selbiges anpreist. Literary blurb translation guide

Kleider in den luftleeren Raum hängen. Chris Brock: Creating the Invisible Mannequin Effect

Löschkandidatensaga, immerhin, der Tagesanzeiger hat Spaß, und Wikipedia gibt sich jede Mühe für unfreiwilliges Entertainment zu sorgen. Hirschmann ist für Wikipedia Persona non grata

So Dithmarschen an sich:
(via Dirk Jacobs):



Dienstag, 24. Mai 2011

Darummagicherfurt


Das Leben ist völlig unkompliziert, sogar im Landtag ist man relaxt und lässt sich zu über 90% entspannt fotografieren. Dabei sind die Abgeordneten samt Mops quer durch die Fraktionen freundlich bis äußerst lustig und die ein-zwei "schwierigen Fälle" liegen im Bodensatzbereich.

Foto: Martina Nolte / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Auf der Fahrt vom Shooting hinter den Kulissen des Flughafens zurück zum Landtag macht der Taxifahrer mal eben für diverse Ralfs eine Extra-Sightseeingtour durch Erfurts Altstadt. Die auswärtigen Teilnehmer am Landtagsprojekt sind mit einer Übernachtung im Kloster absolut zufrieden. Erstes Abendessen mit Blick zum wunderschönen Rathaus, zweites Abendessen mit Blick zu Dom und Severi. Ein Gnu findet den Reiz der Stadt nahe an seinem Idealmaximum Fürth.

Alles in allem gefällt mir Erfurt einfach - inklusive seiner wikiaffinen Gäste. Danke für tolle Leute mit perfekter Organisation. So macht das Hobby Spaß und Frust bleibt komplett weg. Das Projekt lief dermaßen zufriedenstellend, dass kaum Verbesserungsmöglichkeiten zu finden sind. Auch das kann Wikipedia.

Pro & Contra Welterbe

Pro:

- Die Idee ist bescheuert.

- Die Idee ist so geschickt bescheuert, dass man ausgiebig darüber parlieren kann.

- Okay, grundsätzlich nette Presseberichte in New York Times oder The Atlantic sind jetzt nicht das schlimmste was passieren kann.

- So gut parlieren kann man, dass das jetzt der ungefähr drölfzigste Blogpost zum Thema ist. Allein dafür: danke.

- Die Gefahr, dass der Plan wirklich erfolgreich ist, sind gering.


Contra:


- Baal, Bakunin und Gott mögen verhüten, dass die UNESCO doch noch eine Goldene Gurke findet, die sie überreichen kann.

- Verein, Communiy, Fragen und so.. Siehe Stepros Post.

- Die grundsätzlich strukturkonservative hammwanochniewollenwirnicht deutsche Community ist ein denkbar schlechter Startpunkt für sowas.

- Schon wieder Videos mit Jimmy; als ob wir nicht alle noch fundraisingtraumatisiert wären.

- Sollte die UNESCO sich nicht lieber um kulturelle Schätzen kümmern, die tatsächlich bedroht sind?

- Schon jetzt sind Leute in der Wikipedia, die vor lauter gefühlter Wichtigkeit kaum mehr gehen können, arg unerträglich.

- Wehe dem Moment, in dem eine Behörde anfängt, bei Wikipedia-Interna mitzureden.

- Ins Museum kommt man erst, wenn man mausetot ist.





Montag, 23. Mai 2011

Das Welterbe-Problem

Wikipedia has become the biggest encyclopedia in the human history. Worldwide Wikimedian movement was born. Wikimedia Foundation and Wikimedia chapters are getting more money every year. We are able to do more things to spread free knowledge. We grew up. We’ve built impressive monument of our generation. But, is our goal to build a monument? Or we want something different? If we want, what is that?


(milosh's blog - tatsächlich ohne Erwähnung des Welterbeplans, aber mit Ideen wie Wikipedia tatsächlich leben kann)

Sonntag, 22. Mai 2011

Stell Dir vor, jemand verklagt Deinen Steiß. Mike Tyson, Tätowierung und #Urheberrecht

Die Randbereiche des geistigen Eigentums sind ja die spannendsten. Dort, wo das System bricht, Inkonsistenzen auftreten, wo zum Beispiel die Frage verhandelt wird, was überhaupt ein Werk ist, und was nicht. Mit besonderem Interesse habe ich deshalb ja vor drei Wochen schon mal auf den Streit um Mike Tysons Tätowierung hingewiesen.

Mike Tyson

In Kürze: Mike Tyson hat im Gesicht ein auffallendes Tattoo, die Macher des Films The Hangover Part II bewiesen nicht nur bei der Filmtitelwahl wenig Originalität verpassten ihrer Hauptrolle in klarer Anspielung auf Tyson (der auch mitspielt) eine sehr ähnliche Tätowierung. Die wiederum ist auf den Plakaten zum Film zu sehen. Mike Tysons Tätowierer nun wiederum besteht darauf, dass seine Tätowierung Kunst ist, dementsprechend per Copyright geschützt, dementsprechend die Imitation und Fotos davon nicht ohne seine Nachahmung möglich.

Die Tyson-Tattoo-Debatte ist heute in der New York Times angekommen, was heißt, dass sie mit gewisser Wahrscheinlichkeit auch in ein paar Tagen bis Wochen bei den einschlägigen deutschen Medien auftaucht. Die NYT hat dabei gleich noch ein paar spannende andere Fälle gefunden: David Beckhams Tattoo-Artist gegen David Beckham oder der Tätowierer Matthew Reed gegen Nike, beide außerhalb der Gerichte geklärt. Da da eine Entscheidung aber weitreichende Konsequenzen haben dürfte, noch mal kurz eine kurze vorhergehende Erklärung:

Bisher war der Stand: es gibt kein Copyright auf Tätowierungen, weil noch niemand versucht hat, es durchzusetzen. Rechtlich ist das durchaus nicht sicher, ob es so bleibt. Ist ein künstlerisches Werk weniger Wert wenn es auf Haut statt Papier angebracht wird? Das klingt an sich wenig überzeugend, und das amerikansiche Copyright ist in der Integration neuer Entwicklungen deutlich flexibler als das europäische.

Bernard Gillam14
Gemalte Tätowierung - eindeutig Kunst. Tätowierte Tätowierung?

Andererseits könnten die Auswirkungen weitreichend sein: im Gegenzug hieße das natürlich, dass auch die Tätowierungen selber sich an's Copyright halten müssten: Symbole, die andere erfunden haben, bekannte Bilder, verbreitete Tribals, unbekannte neue Bilder, das Foto der Mutter, dass ein dritter gemacht hat - hallo Anwälte.

Andererseits sind die möglichen Auswirkungen in Bezug auf den Tätowierten noch monströser: wenn es schon verwirrend genug ist, dass einem das Bild, dass man gekauft hat, gar nicht wirklich gehört, wie ist das, wenn mein Arm oder Rücken mir noch nur in Teilen gehört? Der Schwimmbadbesuch dürfte wohl auf jeden Fall weiterhin möglich sein, aber das Foto davon? Das kommerzielle Foto? Der Auftritt im Laientheater mit Eintritt? Die Karriere als Model? Hat mein Tätowierer dann des Rest des Lebens Einfluss darauf, was ich mit meinem linken Arm mache?


Samstag, 21. Mai 2011

Wenn ich meinen Wunsch-Wikipedia-Pressebericht schreiben könnte..

..sähe der vermutlich gar nicht so anders aus als The Awls Wikipedia And The Death Of The Expert. Informiert, optimistisch, kritisch, mit einem guten Auge für Stärken und Schwächen. Bin positiv überrascht, werde sich noch mehr dazu schreiben, wollte aber schon mal die allgemeine Leseempfehlung vergeben.


Hin! Hin!

Freitag, 20. Mai 2011

Traktorfreitag: Open Source


Bild: CC-BY-SA 3.0, Fotograf: vermutlich Marcin Jakubowski, Quelle

Aus Linux wurde Wikipedia wurde ein Traktor. Die Welt entwickelt sich weiter und strebt nach Höherem. Nachdem Open Source seine ersten erfolgreichen Implementation in der Software hatte, und sich jetzt auch ganz achtbar bei der sonstigen Erschaffung von Inhalten gestaltet, gibt es endlich auch Open Souce Traktoren.

In Missouri, USA, steht die Factor e Farm von Open Source Ecology, gegründet von einem polnisch amerikanischen Fusionsphysiker, und möchte den Grundstock für ein bequemes Leben in kleinen Gemeinschaften schaffen. 50 Maschinen vom Laserschneider zur Backsteinpresse, die man tatsächlich braucht, um komfortabel Leben zu können, alle dem Prinzip Lego nach miteinander vertauschbar und einfach zu warten, zu kaufen und mit überall erhältlichen Teilen zu reparieren.

Die Sendung Breitband sendete letztens einen Beitrag über deren Open-Source-Traktoren. Da staunte nicht nur ich. Der sieht zwar etwas anders aus als gängige Traktoren, soll aber angeblich all deren Eigenschaften aufweisen und dazu noch diejenigen eines Frontladers. Geschaffen aus dem Erfahrungen was alles mit einem alten, robusten 50er-Jahre-Traktor schief gehen kann und ausgelegt auf Jahrzehnte. Leider noch als Prototyp, aber wir hoffen ja.


Bild:CC-BY-SA 3.0 Fotograf: vmtl. WikiSysop, Quelle.

Zumal wenn man den Traktor dann in einen Minitraktor zum Hinterlaufen umbauen kann. Oder in eine Drehbank. Oder so ähnlich. Auch wenn es bisher nur ein wirklich fertiges Gerät gibt - die Backsteinpresse -, wollen sie doch bis Ende 2012 alle 50 Geräte im Einsatz haben, und dann ebenso Dritt-Welt-Länder wie amerikanische Jungfarmer beglücken. Natürlich auch noch Nachhaltig, mit selbst gewonnener Energie, und was dazu gehört.

Noch bin ich skeptisch, ob das wirklich einfacher und billiger und langlebiger und gemütlich ist, und ob sie ihre zwei Millionen Finanzierung zusammenbringen und ob das wirklich Jahrzehnte funktioniert. Aber die Idee ist super, finden auch Atlantic und Make.

Wer die Sendung auch noch anhören möchte, hier ist der Player.



Und der TED-Talk




Und weil das alles sehr ernst war, folgt eine Explosion:

Offene Tabs wegbloggen 20110521

I never look at photographs of Schwarzenegger without thinking of Clive James’s wonderful description of him looking like “a condom stuffed with walnuts”.

Ein Hoch auf Wikia und vielleicht ganz interessant für Wikimania-Teilnehmer Pay as You Go Sim with Data Wiki/Israel. Auch für alle anderen Länder.

Niemand schreibt so spannend über Numerik. Birchlog: Mathematiker: Das Ende der Nahrungskette?

Erwähnte ich nicht letztens irgendwann, dass Twitter natürlich kein (Urheberrechts)freier Raum ist. Siehe da AP: ''A federal lawsuit over rights to a Twitter feed might sound like a case of bringing a grenade launcher to a squirrel hunt. But the court fight over OMG Facts reminds that the power of a tweet can extend well beyond 140 characters.''

Btw Recht: Open the gates! Digitized journals on legal history

Kennt sich hier jemand mit Documentcloud aus? Spannend sieht es ja aus. Taugt das?

Spannend. Nieman Journalism Lab Encyclo, eine Enzyklopädie über die Zukunft des Journalismus. Scheint eher auf ein geschlossenes Expertensystem mit eingeschränkter User-Beteiligung hinauszulaufen, wirkt aber vor allem so als könnte es funktionieren. Ich bin sehr gespannt.

Darrell Logan: Being a scientist in the age of Wikipedia

Die tragische Geschichte eines Internet-Users, der versuchte, Inhalte zu administrieren: Noah Garfinkel: The Tourtured Tale Of How A YouTube Uploader Lost His Mind

Duck of Minerva: As I only have the energy to police one wikipedia article, consider this a formal request for someone else to take a swing at this one.

Wie man im Internet eine Diskussion gewinnt ohne Ahnung zu haben. Diskussion-Judo für Fortgeschrittene und durchaus gut. Besonders all denjenigen ans Herz gelegt, die dauernd Diskussionen verlieren, weil sie sich aufregen, offen beleidigend werden oder ähnlichen Kindekram begehen. The Dabbler: How To Win Arguments On The Internet Without Really Knowing What You Are Talking About

An amazing / unlikely free offer, courtesy of the British press on Twitpic

Mittwoch, 18. Mai 2011

Großbritannien: Fair Use: Hammwa nich, brauchen wir vielleicht. #hargreaves

Ereignisse, bei denen ich Zweifel gehabt hätte, sie noch selbst zu erleben: ein offiziell von einer westlichen Regierung in Auftrag gegebener Bericht sagt aus, dass weniger Urheberrecht besser wäre. Nachdem ich dem Hargreaves-Bericht ja schon einen Wikipedia-Artikel spendiert habe, und man da jetzt nachlesen kann, dass er 130 Seiten in 11 Kapiteln hat, doch noch ein paar erläuternde Worte.

Angeblich hat Premier David Cameron den Report in Auftrag gegeben, weil die Google-Gründer ihm vermittelten, dass ein Unternehmen wie Google in Europas Rechtssystem nicht gründbar wäre. Cameron hat also den Journalisten/Medienwissenschaftler/Ex-Greenpeace-Führungsperson Ian Hargreaves damit beuaftragt, eine Kommission zusammenzustellen. Die hatte mal nicht die üblichen Verdächtigen Mitglieder aus den Lobbyverbänden, sondern eher so Leute, wie den bei Wikipedia nicht unbekannten James Boyle.

Die Erwartungen waren hoch, zeitweise erwarteten die Interessierten gar die Forderung nach einer offenen Fair-Use-Bestimmung, die deutlich im Gegensatz stünde zu allem was EU-Urheberrechtspolitik so macht. Und auch wenn sie am Ende dann doch zu der Entscheidung kamen, dass Fair Use an sich sinnvoll ist, in der EU derzeit nicht geht, sind sie doch auch sonst recht deutlich: Ausweitung der Schrankenbestimmung bis zum Limit und Einsetzen für Neue (Text- und Datenanalyse, offene Schrankenbestimmung für sich ändernde Technik), eine öffentliche Stelle, die verwaiste Werke benutzbar macht, eine Eindämmung des Patent-Creeps, der stattfindet. Das sind erstaunliche Forderungen.

Und auch sonst nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Sie beklagen das Dickicht von Urheber- und Patentrecht. Ziemlich oft und ziemlich explizit wettern sie gegen die Lobbynomics, die weitgehend die IP-Gesetzgebung bestimmen. IP-Politik würde mehr an öffentlichkeitswirksam jammernden Vorzeigeprominenten gemacht als an einem Ausgleich der Interessen oder gar ökonomischen Gesichtspunktekn. Die Experten wünschen sich "mehr faktenbasierte Politik." Für einen wissenschaftlichen Bericht in Regierungsauftrag tatsächlich ein angenehmes Leseerlebnis.

Francisco de Zurbarán 006
Schaf in den Fängen des Urheberrechts.

Ob die UK-Regierung davon was umsetzt? Ich habe ja Zweifel, die Prominenten werden ja nicht aufhören zu jammern, und die entsprechenden Lobbyverbände haben vermutlich schon alle Geschütze in Anschlag gebracht, die sie habe. Aber hey, ein quasi regierungsöffentlicher Bericht, der nicht sagt "mehr, mehr, mehr". Langsam glaube ich doch ab und an daran, dass die IP-Politik nicht auf Jahrzehnte hinaus im Irrsinn versinken wird.

Kurz gestubbt: Hargreaves Report

Digital Opportunity. A Review of Intellectual Property and Growth, auch bekannt unter dem Namen Hargreaves Report oder Hargreaves Review ist ein Bericht einer unabhängigen Kommission unter dem Ökonom Ian Hargreaves über den Zustand des Urheber- und Patentrechts im Vereinigten Königreich. Die von David Cameron beauftragte Kommission schlägt umfangreiche Änderungen am Urheberecht vor, wie etwa die Ausweitung der Privatkopie, eine bessere Nutzbarmachung von Verwaisten Werken und eine Ausweitung der Schrankenbestimmungen des Urheberrechts auf Daten- und Textanlayse.

Der 130-Seiten starke Report erschien am 18. Mai 2011. Allgemein bemängelt er eine Urheberrechtspolitik, die stark durch Lobbyismus und den Einfluss der Unterhaltungsindustrie bestimmt. Er fordert eine stärkere Ausrichtung an tatsächlich nachweisbaren ökonomischen Folgen von Urheber- und Patentrecht.


Wenn ich das richtig sehe: Wikipedia schneller als die üblichen deutschen Verdächtigen.

Dienstag, 17. Mai 2011

Wikipedia at its best: Investigativer Enzyklopädismus

Investigativer Enzyklopädismus. Süddeutsche Zeitung:

''Im April 2011 aber begann der Wikipedia-Autor Zsasz mit einem Artikel für die Internet-Enzyklopädie über einen Gestapo-Dezernatsleiter mit dem Namen Dr. Richter-Brohm...'' (Der BMW-Chef, der bei der Gestapo war)

Kurz gestubbt: Worshipful Company of Stationers and Newspaper Makers #lsr

Die Worshipful Company of Stationers and Newspaper Makers (dt. „Ehrenvolle Gesellschaft der Papiermacher und Zeitungsverleger“), bekannter unter der Kurzform Stationers’ Company, ist eine Livery Company in der City of London. Die 1403 gegründete Gilde erhielt ihre Royal Charter am 4. Mai 1557 und kontrollierte in Teilen des 16. und 17. Jahrhunderts das Verlagswesen in England. Während die Stationers’ Company in der Gruppe der Livery Companies immer nur eine Nebenrolle spielte und nie umfassenden Einfluss auf die Geschicke des Londoner Handels gewann, spielte sie eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Pressezensur und Urheberrecht.

Nimmt übrigens auch am spannenden Miniaturenwettbewerb teil.

"Rollstuhlrampen für Wikipedia"

Übernahme eines Poste von der Diskussionsseite zum Welterbe. An dem ist soviel richtig und gleichzeitig soviel falsch, dass er auf jeden Fall einen interessanten Ansatz zum Nachdenken bildet.


Psychisch Kranke werden ausgeschlossen, von wegen Wissen der gesamten Menschheit

Wikipedia ist so angelegt, das labile Menschen hier nicht mitarbeiten können. Ich leide unter der Borderlinestörung, das heißt, Anfeindungen und Beleidigungen haben mich schon vor langem hier vertrieben. Kritik wird hier oft beleidigend geäußert, auch von Administratoren. Wikipedia vereint das Wissen derer, die hart genug sind, dem hier knallharten Ton zu widerstehen.

Also handelt es sich, wie überall auf der Welt, um einen Ort, in dem bestimmte Menschen ausgeschlossen werden. Adminstratoren haben hier viele rechte, und ich habe schon einge Male erlebt, dass willkürliche Entscheidungen nicht geahndet wurden. Mein Wissen, und ich habe viele tausend edits hier hinterlassen, wird seit Jahren nicht mehr genutzt.

Eine strenge Richtlinie und ein Adminstratorensystem, dass die groben Admins in ihren Rechten beschränkt, würde die Wikipedia zugänglich machen auch für psychisch Kranke. Rollstuhlrampen für Wikipedia.

Wer würde auf der Straße einem Rollstuhlfahrer sagen, er solle sich nicht so anstellen, Menschen mit Behinderung können eben einfach nicht überall hin, denn schließlich sind Treppen für die Mehrheit der Bevölkerung nutzbar, da hat er eben Pech. Aber eben dass geschieht hier.

Labile Menschen werden durch die Aktzeptanz der agressiven Umgangsformen hier vertrieben.

Eine Bewußtsein dafür, dass Agression nicht tolerierbar ist, würde Wikiepdia wirklich zu einem Ort für alle machen und nicht nur für eine "Elite".


Autor ist Benutzer:Einnachdenklicher und der Beitrag steht unter der CC-BY-SA 3.0

Montag, 16. Mai 2011

Offene Tabs wegbloggen 20110516

Hammerwerfen ist eine der unterschätztesten sportlichen Disziplinen. Es erfordert jede Menge Technik und Rhythmusgefühl und natürlich Kraft. Die Hauptherausforderung des Sports ist es, dass Beine und Bauch höchstleistung bringen müssen, während gleichzeitig Arme und Oberkörper so entspannt wie möglich sein müssen. Leider führt das zu einem etwas unglücklichen Aufbau des Körpers (unten breit, oben nicht so), so dass alle Welt denkt, die sehen gar nicht sportlich aus.

Die Nordsee von oben. (Danke Anneke!; auch wenn der Trailer mir zuviel touristisch Bekanntes und zuwenig spektakuläre, einsame Natur zeigt, aber nuja, so geht das halt mit Marketing)

Crowdsourcing: Lessons from Henry Ford

Last months I’ve been thinking a lot about what should we do to constantly let know that we care about small [Wikim/pedia-]communities.

Dystopie im Alltag. Unsettling. Nanolaw with Daughter.

Eine erstaunlich weit zoombare Karte von Baden-Württemberg.

Schöner, nachdenklicher, vergleichsweise verständlicher Text zum Thema, was will die Philosophie in der Welt. TPM: Philosophy that’s not for the masses

Wie gehen verschiedene Wikipedia mit neuen Usern um? Endami: A bit more on user talk pages

Angeleihnte Meerschweinchen.

Fette Liste: Wikimedia Deutschland im April



Sonntag, 15. Mai 2011

Der Skandal um den Kinderkanal


Seit Dezember verfolge ich sehr interessiert die Ereignisse um den Millionenbetrug beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal. Es geht um mehr als 8 Mio. Euro. Nun wurde also Anklage gegen den ehemaligen Produktionsleiter erhoben, der Prozess soll im Juni beginnen.

Obwohl ich aus den Pressemeldungen schon einiges über den Umfang des Betruges wusste, hat mich das erste Überfliegen des Revisonsberichts (pdf) mit offenen Mund zurückgelassen. Spannend wie ein Krimi titelte auch entsprechend die taz. Obwohl ich die betreffenden Personen und die Abläufe größtenteils kenne, hat mich die Art und Weise doch heftig überrascht. Zusammengefasst kann man sagen: Über Jahre hinweg wurden von verschiedenen Unternehmen Rechnungen gestellt, die keinerlei Grundlage hatten. Zum Teil wurden reine Phantasieleistungen abgerechnet, teilweise Leistungen, die andere Unternehmen erbracht hatten, und teilweise Leistungen von Mitarbeitern aus dem eigenen Haus.

Nach einem aufmerksameren Lesen des Berichts bin ich mir sicher, dass der Betrug auch zumindest noch zwei anderen Mitarbeitern bekannt gewesen sein muss. Bekannt geworden sind bisher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen fünf Ki.Ka-Mitarbeiter sowie gegen den Geschäftsführer eines Unternehmens, der mit seiner Selbstanzeige die ganze Geschichte erst ins Rollen brachte. Doch das kann nur die Spitze des Eisberges sein: Zwangsläufigerweise müssen auch bei den anderen beteiligten Unternehmen Personen strafbar gehandelt haben, schließlich schreiben sich die Scheinrechnungen nicht von selbst und die Geldeingänge müssen auch irgendwo verbucht werden. Die jeweiligen Finanzämter dürften sich sicher auch noch dafür interessieren. Vier weitere Unternehmen werden im Prüfbericht bisher erwähnt, ohne ihre Namen zu nennen. Spätestens zur Verhandlung dürften auch diese ans Tageslicht kommen.

Besonders bemerkenswert finde ich die Höhe der Unterschlagungen im Verhältnis zum Gesamtbudget. Bei einem Jahresetat für den ganzen Ki.Ka insgesamt in Höhe von etwa 35 Mio. € etwa eine Million jährlich abzuzweigen ist schon ein beachtlicher Anteil.
Interessant ist auch das mich stark an zu Guttenberg erinnernde Verhalten der Intendanten: MDR-Intendant Reiter feuert erst einmal um sich und verteilt Entlassungen und Abmahnungen an die nächste Leitungsebene, sieht für sein eigenes Verhalten aber offenbar keine Beanstandung. Noch besser steht ZDF-Intendant Schächter da: Obwohl für den Kinderkanal von ARD und ZDF eigentlich zur Hälfte mitverantwortlich, teilt er fleißig gegen den federführenden MDR und den früheren Ki.Ka-Programmgeschäftsführer Beckmann aus. Selbstreflexion gleich Null.

Äußerst ärgerlich ist zum einen nun natürlich der Imageschaden für den Ki.Ka. Hier bin ich aber zuversichtlich, dass sich das nicht weiter auf die Akzeptanz des Senders auswirken wird. Die Leidtragenden sind meiner Ansicht nach die vielen Redakteure und anderen Mitarbeiter des Senders, die von den ganzen Betrügereien nichts wussten und mit noch weniger Geld als sowieso schon budgetiert auskommen mussten.

Das andere große Ärgernis ist für mich die Scheinheiligkeit von Reiter: Seinen mehrfach geäußerten Kommentar, der Ki.Ka sei offenbar bisher mit weniger Geld ausgekommen, also kann man den Etat ja ruhig etwas kürzen, finde ich unter aller Sau. Außerdem ist es ein Affront gegen die Mitarbeiter, die mit vergleichsweise (vor allem im Gegensatz z. B. zum ZDF) lächerlichen finanziellen Mitteln ein derart hochwertiges Programm auf die Beine stellen.

Eigentlich sollte man doch denken, dass nun nach Abdichten des Finanzlecks wieder mehr Geld zur Verfügung steht. Im Gegenteil hat man aber offenbar dem Ki.Ka in diesem Jahr seine sehr beliebte und erfolgreiche Sommertour gestrichen. Komische Welt.

Manchmal fühle ich mich wie ein Pferd vor dem Windrad

Schuelp pferd vor windrad

Samstag, 14. Mai 2011

Kurz gestubbt: Candy Desk

Der Candy Desk ist ein mit Süßigkeiten gefüllter Tisch im Sitzungssaal des US-Senats. Der Tisch, der als Arbeitsplatz eines republikanischen Senators dient, steht in der letzten Reihe in der Nähe des Saaleingangs. Senatoren, die dort vorbeilaufen, können sich frei an denen in einer Schublade gelagerten Süßigkeiten bedienen.

Marie Curie und das Welterbe

Das stets großartige Webcomic xkcd hatte letztens eine Episode über Marie Curie und weibliche Vorbilder, die in dem Satz gipfelte "Aber eine Person wird nicht bedeutend, indem sie versucht bedeutend zu sein. Sie wird bedeutend in dem sie versucht etwas zu tun, und es dann so sehr versucht, dass sie auf dem Weg dahin bedeutend wird."

Das nun wiederum trifft die Einstellung vieler Wikipedianer sehr gut. Größenwahn und Eitelkeit gern - aber vermittelt durch das Werk. Keine Personen in den Vordergrund, keine Personalisierung, Ruhm ist Talmi; Autorennamen sind nur mit Mühe zu finden und die Suche nach den Personen dahinter endet oft im anonymen Nichts. Auch die Frage, ob Autoren oder Andere finanziell irgendwie entschädigt werden sollte, ist, vorsichtig gesagt, umstritten. Das Werk als Selbstzweck. Seien wir ehrlich, selbst die Leser interessieren keinen echten Wikipedianer auch nur ein kleines bißchen.

Ich gebe zu, desöfteren habe ich wirklich Mitleid mit den Leuten, die für eine so calvinistische Lasst-Uns-in-Ruhe-Gemeinschaft auch noch Öffentlichkeitsarbeit machen müssen, und die jedes mal zu hören kriegen "ihr hättet uns auch einfach in Ruhe lassen können." Ein Weg voller Missverständnisse, Fehlkommunikationen und beidseitigen Überraschungen.

Und jetzt wollen die einen nicht nur einfach nicht in Ruhe lassen, sondern gleich noch Welterbe. Ist das jetzt eigentlich mehr oder weniger als Nobelpreis und was wird dann 2020 die Steigerung? Das ist mutig. Oder wollen sie nicht? Wollen sie diskutieren? Aber warum? Und wer will? Wer will nicht?

Also ich bin persönlich bin ja immer noch verwirrt, wo das ganze nun hinsoll. Wikipedia muss nicht Welterbe werden, so richtig beschlossen scheint das nicht, soweit ich beurteilen kann. Aber so richtig ergebnissoffen kommt mit das auch nicht vor? Und sollte die ergebnissoffene Diskussion nicht beginnen mit: "Ist Wikipedia in Gefahr und muss geschützt werden. Wenn ja, wie?" oder "Wird Wikipedia auch in 200 Jahren noch jemand kennen?" oder "Wie kann Welterbe digital werden?" Für eine echte offene Diskussion ist das Thema Wikipedia muss/soll/darf Welterbe werden doch arg eingerenzt und für eine nicht-offene Diskussion verweise ich auf Stepros Post. Ich bin verwirrt.

Ach ja, und so ganz abstrakt zu der ich: ich glaube ich habe es tatsächlich geschafft, mich bisher auf einen Standpunkt festnageln zu lassen: Ganz abstrakt: Komplett bescheuerte Idee. Das finde ich super. In Angesicht der Tatsache, dass dafür andernweitig nutzbare Ressourcen aufgewendet werden: zuviel "versuchen bedeutend zu sein", zu wenig "ganz doll etwas ändern."





Dithmarscher Schafstelze auf Kartoffeln




Ja, wirklich.

Freitag, 13. Mai 2011

Wikipedia und das Welterbe



Das deutsche Wikimedia-Chapter ist nicht nur das älteste und eines der aktivsten, sondern auf jeden Fall auch eines der kreativsten. In vielerlei Hinsicht kann man Wikimedia Deutschland als innovativen Vorreiter betrachten: Sei es die Herausgabe einer Wikipedia-CD/DVD, die Ausrichtung der ersten Wikimania, die Etablierung anderer internationaler Wiki-Konferenzen oder die Entwicklung der gesichteten und geprüften Versionen.

Einem sicher ganz besonderen Krea-Tief entsprang der dringende Wunsch, Wikipedia müsste UNESCO-Welterbe werden. Für einige offenbar völlig unverständlicherweise traf diese Idee nicht überall nur auf ungeteilte Zustimmung. Natürlich - der Gedanke klingt verlockend, der ohnehin schon wertvolle Markenname würde noch einmal geadelt. So zeigten sich bei einer Konferenz in Berlin auch die Vertreter anderer Länder wohl recht angetan von dieser Idee.
In der deutschen Wikipedia-Community dagegen wollen sich jedoch nicht nur viele Fürsprecher einfinden, sondern in einer Art kleinem "Meinungsbild" überwiegen zur Zeit gar die Gegner des Vorhabens.

Nun kann man darüber streiten, ob Wikipedia tatsächlich als Immaterielles Kulturerbe geeignet ist. Auch kann man verschiedener Ansicht sein, ob so ein Titel nun eher hilfreich oder eher hinderlich für die Fortentwicklung unserer Enzyklopädie sein könnte. Wirklich wissen kann es niemand, eine Untersuchung in der Art einer Technikfolgeabschätzung oder so etwas ähnlichem hat sicher noch niemand ins Auge gefasst.

Was mich persönlich aber an dieser ganzen Geschichte immens stört, ist der Umgang der Geschäftsstelle (und auch des Vorstands?) mit den Mitgliedern. Durch die Darstellung in der Öffentlichkeit muss man zwangsläufig zu der Ansicht kommen, dieses Projekt wurde "vom Verein" (das wären ja eigentlich die Vereinsmitglieder) beschlossen und unterstützt. Leider kann davon nicht die Rede sein. Während auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende letzten Jahres fast nur die verstärkte Einbindung der Mitglieder in die Vereinsprojekte Thema war, und auch auf der regulären MV im Januar dies wieder beschworen wurde, sieht die Realität für mich anders aus.

Auf der Mitgliederversammlung war vom Welterbe-Projekt keine Rede. Nicht im Ausblick auf das kommende Jahr, nicht in den Berichten der Vorstände, nicht im Bericht aus der Geschäftsstelle. Tags darauf fand ein "open space" statt, an dem ich ebenfalls teilnahm. Meine Verwunderung war enorm, als ich dort zufällig (es gab verschiedene Themengruppen) von dem Vorhaben erfuhr. "Getarnt" war diese Idee unter dem Namen "10 Jahre Wikipedia".
Nun hielt ich das für eine erste Idee, über die man mal so eben rumspinnt. Umso verblüffter war ich dann, als kurz danach dieses Thema der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und sich als ein großes Hauptprojekt des Vereins für dieses Jahr herausstellte. Pressemitteilungen, Titelthema der Vereinszeitung, in den Blogbeiträgen angepriesen.

Im Wikimedia-Blog erwähnt Sebastian Sooth heute die Frage "Und warum wir die Community nicht von Anfang an viel stärker einbezogen haben." Eine Antwort darauf gibt es leider auch dort nicht.

Vielleicht verstehen ja einige, dass ich mich als Mitglied bei so einem Vorgehen nicht wirklich sonderlich ernst genommen fühle. Mein Schweigen zu dem Thema in letzter Zeit war mehr oder weniger größere Frustvermeidung. Offenbar wurde aus den Diskussionen der außerordentlichen MV doch nicht so viel gelernt, wie ich erhofft hatte. Schade!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Haftung für Fotos in eingebundenen RSS-Feeds



Im März hat das Landgericht Berlin eine wie ich finde bemerkenswerte Entscheidung zur Haftung bei per RSS-Feeds eingebundenen Fotos getroffen.

Die Quintessenz des Ganzen dürfte sein: Im Gegensatz zu Links macht sich der Seitenbetreiber die per RSS-Feed eingebetteten Inhalte zu eigen und sie nach § 19a UrhG öffentlich zugänglich. Das gilt auch dann, wenn klar erkennbar ist, von welchem Anbieter die Inhalte übernommen wurden. Ein Haftungsausschluss im Impressum ist diesbezüglich wirkungslos.

Im verhandelten Fall ging es um Urheber- bzw. Nutzungsrechte an einem Foto. Besagtes Foto wurde samt Text 1:1 per vom Anbieter zur Verfügung gestellten RSS-News-Feed automatisch mit in die Webseite des Nutzers eingebunden. Die Quelle des Feeds wurde als Hinweis angegeben.

Mein hoffentlich gesunder Menschenverstand, auf den es bei Gericht ja bekanntlich meist nicht ankommt, sträubt sich energisch gegen diese Entscheidung. Warum in aller Welt stellt jemand einen RSS-Feed zur Verfügung, wenn er bei dessen Einbindung dann wegen Urheberrechtsverletzung dagegen vorgeht?

Für die Praxis dürfte das bedeuten: Entweder man findet eine technische Möglichkeit, Fotos von der Einbindung eines News-Feeds auszunehmen, oder man lässt es besser gleich ganz bleiben. Denn: Auch wenn es in dieser Entscheidung um ein Foto geht, ist ein ähnliches Vorgehen wegen textlichen Urheberrechtsverletzungen ja nicht ausgeschlossen. Schöpfungshöhe dürfte auch bei Nachrichtenmeldungen recht schnell erreicht sein.
Da man keinen Einfluss auf die Inhalte des Feeds hat, bleibt jegliche Einbindung ein unkalkulierbares Risiko.

Also Lesen des Feeds per Offline-Reader auf dem eigenen PC ja, Einbindung in eine eigene (auch rein private) Webseite vorerst nein. Bleibt zu hoffen, dass diese merkwürdige - erstmal vorläufige im einstweiligen Verfügungsverfahren - Entscheidung des Gerichts demnächst im Hauptsacheverfahren oder noch besser höchstrichterlich gekippt wird. Dass diese Ansicht kein Einzelfall ist, zeigt eine fast identische Entscheidung des AG Hamburg vom September 2010 (Az. 36A C 375/09).

Das Risiko beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf eigene Websites: Das allseits beliebte "Teilen/Sharen" von Webseiten auf der Facebook-Pinnwand ist eigentlich kaum anders zu beurteilen. Dazu machte Rechtsanwalt Ferner sich so seine Gedanken.