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Mittwoch, 7. September 2011

Habe jetzt den echten ersten Wikipedia-für-Welterbe-Fan gefunden..

Vorher möchte er allerdings Wikipedia komplett umbauen, damit sie "welterbewürdig" ist. Didn't I say so?

Mittwoch, 1. Juni 2011

Selbstaufsockelung in 100 90 Jahren #wikipediawelterbediskussion

Eine Koalition von Menschen und Vereinen will, dass Wikipedia Welterbe wird. So richtig dagegen scheinen nicht allzuviele, so richtig "ihr spinnt" oder "hä" doch so einige. Wir schrieben hier ja auch schon mal. Da die größte Reaktion auf die ganze Initiative noch immer ein äh mit vielen Fragezeichen zu sein scheint, war es nicht die schlechteste Idee, mal ein paar Leute zu fragen, die wissen wovon sie reden.

Wikimedia Deutschland lud gestern zur Podiumsdiskussion im Deutschen Technikmuseum zu Berlin. Veranstaltungen in der Umgebung sind wirklich dringend weiterzuempfehlen. Ein labyrinthiger, atmosphärischer Gang durchs leere Museum, um im dritten Stock anzukommen. Dort ein wirklich schöner, schlichter, stylisher Raum und ein grandioser Ausblick von der Terrasse auf das Gleisdreick und das Gelände vom Technikmuseum. Große Schau.

Anwesende habe ich nicht gezählt, vermute im Nachhinein so um die 40-50 Leute, davon etwa die Hälfte "übliche Verdächtige". Wikipedianer, die weder Vereinsvorstand noch Geschäftstsellenmitarbeiter sind, zählte ich (inklusive meinerselbst) drei fünf. Liebe Community, wenn ihr wollt, dass Eure Kritik ankommt - auf Wikipedia-Diskussionsseiten liest kein Nicht-Wikipedianer mit, hier hätten welche zugehört.

Kew Gardens Treetop Walkway - Sept 2008

Ein Podium, dass sich überraschend einig war, und die Welterbigkeit von Wikipedia so vage eine gute Idee fand. Ungewohnt informativ aber schon so ein bißchen dröge. Selbst der größte Skeptiker, Ralf Müller-Schmid von DRadio Wissen, fand Wikipedia an sich total toll, und die ganze Idee nur 100 Jahre zu früh. So museal ist Wikipedia, doch gar nicht, und Selbstaufsockelung ist ihm sowieso suspekt. Immerhin ließ er sich im Laufe der Diskussion herunterhandeln: am Anfang war es noch 100 Jahre zu früh für sowas, am Ende nur noch 90.

Dazu saß auf dem Podium noch ein Geschäftsführer Pavel Richter, der überzeugend das Leuchten in den Augen hatte, und seine Gurkenidee wirklich gut verkauft hat. Denn, bei aller Bescheidenheit, ich würde ja auch schon behaupten, dass Wikipedia weltweit der Menschheit kulturell mehr gebracht als der Bremer Roland beispielsweise.

Die Leute, die tatsächlich Welterbeahnung haben (Britta Rudolff die Heritage Studies lehrt und Till Kreutzer von der UNESCO-Kommission), meinten, dass es zwar neu und ungewohnt wäre, und die UNESCO-Kriterien sicher eine ungewohnte und dehnbare Interpretation brauchen; komplett und definitiv stehen sie dem Welterbeplan nicht entgegen. "Sehr schwierig und mutig aber theoretisch schon irgendwie möglich" würde ich mal deren Fazit zusammenfassen.

Schließlich saß da noch Linus Neumann, als "Sprecher des Internets" oder so, oder weil man mit seiner Einladung fünf Ankündigungen auf Netzpolitik.org bekam oder warum auch immer: der hat wirklich spannende Sachen gesagt, die aber immer so leicht offtopic waren.

Insgesamt jedoch hatte ich den Eindruck, dass die Veranstaltung am Ende ein ähnliches Fazit hatte, wie der Anfang auch: so ganz abstrakt und zur Aussage "das ist ein tolles Werk" ist die Idee gut. Aber kann man das nicht auch mit weniger bürokratischem Anhang sagen? Und bedeutet Welterbe nur "Wikipedia ist total seriös und super" oder halt auch noch jede Menge Kleingedrucktes, das niemand wirklich will.

Wassu stone circle

(Und ja, ich muss es sagen, hätte man mit den Ressourcen nicht auch einfach eine "Hilfsstelle zum professionellen Schreiben von Anträgen für Communitymitglieder für das Community-Projekt-Budget" aufbauen können?)

Update: Zahl der "freien Wikipedianer" auf fünf erhöht. Danke, Marcus!

Dienstag, 24. Mai 2011

Pro & Contra Welterbe

Pro:

- Die Idee ist bescheuert.

- Die Idee ist so geschickt bescheuert, dass man ausgiebig darüber parlieren kann.

- Okay, grundsätzlich nette Presseberichte in New York Times oder The Atlantic sind jetzt nicht das schlimmste was passieren kann.

- So gut parlieren kann man, dass das jetzt der ungefähr drölfzigste Blogpost zum Thema ist. Allein dafür: danke.

- Die Gefahr, dass der Plan wirklich erfolgreich ist, sind gering.


Contra:


- Baal, Bakunin und Gott mögen verhüten, dass die UNESCO doch noch eine Goldene Gurke findet, die sie überreichen kann.

- Verein, Communiy, Fragen und so.. Siehe Stepros Post.

- Die grundsätzlich strukturkonservative hammwanochniewollenwirnicht deutsche Community ist ein denkbar schlechter Startpunkt für sowas.

- Schon wieder Videos mit Jimmy; als ob wir nicht alle noch fundraisingtraumatisiert wären.

- Sollte die UNESCO sich nicht lieber um kulturelle Schätzen kümmern, die tatsächlich bedroht sind?

- Schon jetzt sind Leute in der Wikipedia, die vor lauter gefühlter Wichtigkeit kaum mehr gehen können, arg unerträglich.

- Wehe dem Moment, in dem eine Behörde anfängt, bei Wikipedia-Interna mitzureden.

- Ins Museum kommt man erst, wenn man mausetot ist.





Samstag, 14. Mai 2011

Marie Curie und das Welterbe

Das stets großartige Webcomic xkcd hatte letztens eine Episode über Marie Curie und weibliche Vorbilder, die in dem Satz gipfelte "Aber eine Person wird nicht bedeutend, indem sie versucht bedeutend zu sein. Sie wird bedeutend in dem sie versucht etwas zu tun, und es dann so sehr versucht, dass sie auf dem Weg dahin bedeutend wird."

Das nun wiederum trifft die Einstellung vieler Wikipedianer sehr gut. Größenwahn und Eitelkeit gern - aber vermittelt durch das Werk. Keine Personen in den Vordergrund, keine Personalisierung, Ruhm ist Talmi; Autorennamen sind nur mit Mühe zu finden und die Suche nach den Personen dahinter endet oft im anonymen Nichts. Auch die Frage, ob Autoren oder Andere finanziell irgendwie entschädigt werden sollte, ist, vorsichtig gesagt, umstritten. Das Werk als Selbstzweck. Seien wir ehrlich, selbst die Leser interessieren keinen echten Wikipedianer auch nur ein kleines bißchen.

Ich gebe zu, desöfteren habe ich wirklich Mitleid mit den Leuten, die für eine so calvinistische Lasst-Uns-in-Ruhe-Gemeinschaft auch noch Öffentlichkeitsarbeit machen müssen, und die jedes mal zu hören kriegen "ihr hättet uns auch einfach in Ruhe lassen können." Ein Weg voller Missverständnisse, Fehlkommunikationen und beidseitigen Überraschungen.

Und jetzt wollen die einen nicht nur einfach nicht in Ruhe lassen, sondern gleich noch Welterbe. Ist das jetzt eigentlich mehr oder weniger als Nobelpreis und was wird dann 2020 die Steigerung? Das ist mutig. Oder wollen sie nicht? Wollen sie diskutieren? Aber warum? Und wer will? Wer will nicht?

Also ich bin persönlich bin ja immer noch verwirrt, wo das ganze nun hinsoll. Wikipedia muss nicht Welterbe werden, so richtig beschlossen scheint das nicht, soweit ich beurteilen kann. Aber so richtig ergebnissoffen kommt mit das auch nicht vor? Und sollte die ergebnissoffene Diskussion nicht beginnen mit: "Ist Wikipedia in Gefahr und muss geschützt werden. Wenn ja, wie?" oder "Wird Wikipedia auch in 200 Jahren noch jemand kennen?" oder "Wie kann Welterbe digital werden?" Für eine echte offene Diskussion ist das Thema Wikipedia muss/soll/darf Welterbe werden doch arg eingerenzt und für eine nicht-offene Diskussion verweise ich auf Stepros Post. Ich bin verwirrt.

Ach ja, und so ganz abstrakt zu der ich: ich glaube ich habe es tatsächlich geschafft, mich bisher auf einen Standpunkt festnageln zu lassen: Ganz abstrakt: Komplett bescheuerte Idee. Das finde ich super. In Angesicht der Tatsache, dass dafür andernweitig nutzbare Ressourcen aufgewendet werden: zuviel "versuchen bedeutend zu sein", zu wenig "ganz doll etwas ändern."





Freitag, 13. Mai 2011

Wikipedia und das Welterbe



Das deutsche Wikimedia-Chapter ist nicht nur das älteste und eines der aktivsten, sondern auf jeden Fall auch eines der kreativsten. In vielerlei Hinsicht kann man Wikimedia Deutschland als innovativen Vorreiter betrachten: Sei es die Herausgabe einer Wikipedia-CD/DVD, die Ausrichtung der ersten Wikimania, die Etablierung anderer internationaler Wiki-Konferenzen oder die Entwicklung der gesichteten und geprüften Versionen.

Einem sicher ganz besonderen Krea-Tief entsprang der dringende Wunsch, Wikipedia müsste UNESCO-Welterbe werden. Für einige offenbar völlig unverständlicherweise traf diese Idee nicht überall nur auf ungeteilte Zustimmung. Natürlich - der Gedanke klingt verlockend, der ohnehin schon wertvolle Markenname würde noch einmal geadelt. So zeigten sich bei einer Konferenz in Berlin auch die Vertreter anderer Länder wohl recht angetan von dieser Idee.
In der deutschen Wikipedia-Community dagegen wollen sich jedoch nicht nur viele Fürsprecher einfinden, sondern in einer Art kleinem "Meinungsbild" überwiegen zur Zeit gar die Gegner des Vorhabens.

Nun kann man darüber streiten, ob Wikipedia tatsächlich als Immaterielles Kulturerbe geeignet ist. Auch kann man verschiedener Ansicht sein, ob so ein Titel nun eher hilfreich oder eher hinderlich für die Fortentwicklung unserer Enzyklopädie sein könnte. Wirklich wissen kann es niemand, eine Untersuchung in der Art einer Technikfolgeabschätzung oder so etwas ähnlichem hat sicher noch niemand ins Auge gefasst.

Was mich persönlich aber an dieser ganzen Geschichte immens stört, ist der Umgang der Geschäftsstelle (und auch des Vorstands?) mit den Mitgliedern. Durch die Darstellung in der Öffentlichkeit muss man zwangsläufig zu der Ansicht kommen, dieses Projekt wurde "vom Verein" (das wären ja eigentlich die Vereinsmitglieder) beschlossen und unterstützt. Leider kann davon nicht die Rede sein. Während auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende letzten Jahres fast nur die verstärkte Einbindung der Mitglieder in die Vereinsprojekte Thema war, und auch auf der regulären MV im Januar dies wieder beschworen wurde, sieht die Realität für mich anders aus.

Auf der Mitgliederversammlung war vom Welterbe-Projekt keine Rede. Nicht im Ausblick auf das kommende Jahr, nicht in den Berichten der Vorstände, nicht im Bericht aus der Geschäftsstelle. Tags darauf fand ein "open space" statt, an dem ich ebenfalls teilnahm. Meine Verwunderung war enorm, als ich dort zufällig (es gab verschiedene Themengruppen) von dem Vorhaben erfuhr. "Getarnt" war diese Idee unter dem Namen "10 Jahre Wikipedia".
Nun hielt ich das für eine erste Idee, über die man mal so eben rumspinnt. Umso verblüffter war ich dann, als kurz danach dieses Thema der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und sich als ein großes Hauptprojekt des Vereins für dieses Jahr herausstellte. Pressemitteilungen, Titelthema der Vereinszeitung, in den Blogbeiträgen angepriesen.

Im Wikimedia-Blog erwähnt Sebastian Sooth heute die Frage "Und warum wir die Community nicht von Anfang an viel stärker einbezogen haben." Eine Antwort darauf gibt es leider auch dort nicht.

Vielleicht verstehen ja einige, dass ich mich als Mitglied bei so einem Vorgehen nicht wirklich sonderlich ernst genommen fühle. Mein Schweigen zu dem Thema in letzter Zeit war mehr oder weniger größere Frustvermeidung. Offenbar wurde aus den Diskussionen der außerordentlichen MV doch nicht so viel gelernt, wie ich erhofft hatte. Schade!

Freitag, 15. April 2011

Welterbefotos

Wer wissen will, wie es war, lese in diesem Blog den Beitrag Ein-bißchen-Liveblog von re:publica Tag 3 #rp11, die Bemerkungen von 11:24h bis 11:57h.

Wer wissen will, wie es ausgesehen hat:

Republcia wikiwelterbe wikimedium 15.04.2011 12-04-48

Lag so herum.

Republica wikiwelterbe slide 15.04.2011 11-27-02

Ich hatte nicht die beste Sitzposition.

Republica wikiwelterbe publikum 15.04.2011 11-47-12

Republica wikiwelterbe publikum andere seite 15.04.2011 11-47-08

Aber konnte das Publikum sehen.


Republica wikiwelterbe rede 15.04.2011 11-45-50

Während sie reden.

Republica wikiwelterbe dalang 15.04.2011 12-04-43

Und wo geht es jetzt lang?