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Donnerstag, 25. Mai 2017

Badeseen beim Ländchen Glien

Es war letztes Jahr im Herbst. Die Sonnenstunden schwanden dahin, Nebel zog auf und mir wurde schmerzhaft bewusst, dass ich es kaum geschafft hatte, die örtlichen Brandenburger Seen aufzusuchen: Zu viele Badestellen, zu wenig Zeit. Neben den Ausflügen zum Plötzensee gab es nur ein paar Besuche am Kremmener See und ein kurzer wenig erbaulicher Dip in der Havel. Kleinigkeiten. Soviel fehlte noch.

Als alter Wikipedianer begann ich an den dunkler und kälter werdenden Abenden das ganze systematisch anzugehen und erstellte eine Liste. Die lag in den Tiefen der Festplatte. Nun aber, da ich die Mauersegler über dem Nachbarhaus kreischen höre, auf der Straße Menschen in Flip-Flops durch die Gegend laufen und mein persönliches Saison-Anbaden schon mehrere Wochen her ist, wird es Zeit die Liste wieder herauszuholen.


See full screen

Ausgangsort für die Seensuche ist das Ländchen Glien, eine Lehmplatte zwischen Havel und Rhin, gelegen nordwestlich von Berlin irgendwo zwischen Oranienburg, Hennigsdorf und Neuruppin. Dort ist Brandenburg, In Brandenburg gibt es Seen. Dies sind die potenziell beschwimmbaren Seen in der Nähe:

Sonntag, 19. Juni 2016

Nuklearparkplatz Oranienburg. Ein Vermächtnis der Auerwerke.

Das von mir geschätzte Turm-Erlebnisbad in Oranienburg ist für Überraschungen gut. Neben den zahlreichen Überwachungskameras, die das Schwimmbad bis vor kurzem lückenlos abfilmten, wie jetzt öffentlich wurde, hat es auch der Standort des Bades in sich.

Lehnitzsee (1)

Das Schwimmbad liegt idyllisch am Oder-Havel-Kanal nahe des Lehnitztsees. Bild. Lehnitzsee nördlicher Bereich des westlichen Ufers. Von: Jumbo1435 Lizenz: CC-Attribution-Share Alike 3.0 Unported


Das Turm-Schwimmbad steht am Lehnitzsee auf dem ehemaligen Werksgelände der Auerwerke. Die Auerwerke wiederum begannen ihre Existenz unscheinbar als früher Produzent von Gas-Glühstürmpfen und zogen in den 1920ern von Berlin nach Oranienburg. Für Gas-Glühstrümpfe wiederum benötigt man Thorium. Dieses wird einerseits aus sogenannten Monazitsanden gewonnen, andererseits lässt sich Thorium in spaltbares Uran-233 erbrüten. Dass ihr Produkt etwas mit Radioaktivität zu tun hatte, entdeckte Auer recht früh und versuchte erfolglos die radioaktive Zahnpasta Doramad zu vermarkten.

„Was leistet Doramad? Durch ihre radioaktive Strahlung steigert sie die Abwehrkräfte von Zahn u. Zahnfleisch. Die Zellen werden mit neuer Lebensenergie geladen, die Bakterien in ihrer zerstörenden Wirksamkeit gehemmt. Daher die vorzügliche Vorbeugungs- und Heilwirkung bei Zahnfleischerkrankungen. Poliert den Schmelz aufs Schonendste weiß und glänzend. Hindert Zahnsteinansatz. Schäumt herrlich, schmeckt neuartig, angenehm, mild u. erfrischend. Ausgiebig im Gebrauch.“
Radioaktive Zahnpasta ist aus heutiger Perspektive nicht empfehlenswert, fällt aber noch in die Irrungen und Wirrungen der Geschichte und einem naiven Umgang mit Technologie.

Zeitlich ist die Doramad-Produktion aber auch der Punkte an dem die Geschichte um Oranienburg und Auer unheimlich wird. Oranienburg hatte selbst für Verhältnisse deutscher Kleinstädte eine unselige NS-Geschichte mit dem KZ Sachsenhausen, SS-Wachtruppen-Ausbildungslagern und den Heinkel-Werken aus denen die deutschen Jagdflieger stammten. Oranienburg ist die deutsche Kleinstadt in der noch die meisten Weltkriegsbomben in der Erde liegen. Gründe, Oranienburg zu bombardieren gab es einige.

Bei Auer wurden ab 1933 die jüdischen Miteigentümer aus dem Unternehmen gedrängt und Auer selbst ging an Degussa. Im Besitz der Degussa war Auer an der deutschen Forschung zur Atombombe beteiligt. Während andernorts geforscht wurde, standen in Oranienburg die Produktionsanlagen mit denen Thorium und spaltbares Uran gewonnen wurden. Es gab dort auch größere Vorräte an Monazitsanden, Thorium und Uran. Etwa 1944 bekam die US-Army mit war dort vor sich ging. Zu diesem Zeitpunkt war auch klar, dass der Krieg für Deutschland verloren ist, Deutschland in verschiedene Besatzungszonen aufgeteilt würden werde und Oranienburg in der sowjetischen Zone enden würde.

Somit würden also Fabrikaktionslanlagen und Rohmaterialien, um Atombomben herzustellen, in die Hände der Sowjetunion fallen. Im März 1945 flog die US Air Force einen großen Angriff auf Oranienburg und den Verschiebebahnhof neben dem direkt die Auerwerke lagen. Auch wenn offiziell der Bahnhof das Ziel war, ist wohl davon auszugehen, dass vor allem Auer getroffen werden sollte.

Und wie das so ist, wenn große Menge radioaktiven Materials mit Bomben getroffen werden: Sie verteilen sich. Aufgrund des Bombardements und anderer Auer-Hinterlassenschaften strahlt Oranienburg so wie sonst in Deutschland nur noch der Schwarzwald. Auf dem ehemaligen Auergelände gilt das natürlich ganz besondern.

Zum Teil wurde vor der Turm-Eröffnung 2002 die Erde komplett abgetragen. Zum Teil aber auch nicht. An einigen Orten, wie dem Parkplatz, liegt Sand über der ehemaligen Erde und darüber dann Asphalt. Wer wollte, könnte sich aber in die strahlende Zukunft zurück graben auf dem Parkplatz.






Dienstag, 14. Juni 2016

Schwimmbäder nah und fern: Einige Nachträge

Bei meinen diversen Schwimmbadposts sind ja einige Fragen offen geblieben. Teils habe ich die im Text gestellt, teils habe ich sie mir auch nur gedacht.

Nun bin ich seit einiger Zeit Besitzer des praktischen Büchleins Bäderbau in Berlin. Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute. Einerseits kann ich das Buch natürlich nur empfehlen. Faszinierende Geschichten, noch faszinierende Fotos, Hintergrundinformationen und Wissen über jede Menge Bäder deren Existenz ich nicht einmal erahnte (Admiralsbad! Blub! Viele viele Fluss- und Seebadeanstalten). Zum anderen beantwortet das Büchlein aber auch einige Fragen.

Bundesarchiv Bild 183-Z0318-028, Berlin, SEZ, Wasserkaskaden
Bäder, die ich leider nicht mehr besuchen kann. Das SEZ in Friedrichshain. Immerhin ausführlich gewürdigt im Buch. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-Z0318-028 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0


Beim Stadtbad Schöneberg fragten wir uns, was aus den Wannenbädern wurde. Das weiß ich immer noch nicht. Aber immerhin ist jetzt gesichert, dass sie existierten. Die Wannen befanden sich in den Obergeschossen des straßenzugewandten Kopfbaus hin, während im Erdgeschoss des Kopfbaus die Angestellten des Bades wohnten. Außerdem erfuhr ich, dass auch in Schöneberg die großartige, großartige Konstruktion eines Glasdachs geplant worden war, die dann Budgetkürzungen zum Opfer fiel. Schufte! Gebaut wurde das Bad übrigens mit extrem knappen Budget um den dringenden Bedarf in Schöneberg abzuhelfen und die Nutzung war für nicht mehr als 20 Jahre geplant. Dafür allerdings hat sich das Bad gut gehalten.

Zum Stadtbad Mitte ist mir bei aller Begeisterung entgangen wie revolutionär es damals war. Es handelte sich um die größe überdachte Schwimmhalle Europas. Die 50-Meter-Bahnen in der Halle waren eine absolute Novität. Auch dass Frauen und Männer im selben Becken badeten war 1930 revolutionärer als es aus dem Jahr 2016 betrachtet aussieht. Schade allerdings, dass der ehemals auf dem Dach seinede Ostseestrand - zum Liegen und Sonnen - den Zeiten zum Opfer gefallen ist.

Das Stadtbad Wilmersdorf, das ich ja besonders liebe, weil es sich schon immer halb wie ein Freibad anfühlt, ist tatsächlich so geplant. Der Architekt schrieb damals unter anderem von einem "überdeckten Teich.. der eben nicht als Halle fühlbar wird, nicht als Innenraum, sondern nur noch überdachendes Zelt." Ziel erreicht würde ich sagen. Geschätzt hatte ich seine Bauzeit in die 1950er, tatsächlich wurde es 1961 eröffnet. Wobei in dem Buch ein Foto des Bades von 1963 ist, das noch eine Glaswand mehr zeigt als heute vorhanden ist. So ist das mit den Büchern. Sie beantworten Fragen und werfen neu auf: was wurde aus der Glaswand?

Das Stadtbad Lankwitz, von mir auf die 1960er geschätzt, stammte von 1967 bis 1970. Irgendwie fällt es selbst diesem Buch schwer, etwas interessantes zum Bad zu sagen, außer, dass es ungewöhnlich quadratisch ist.

Die diversen Kombibäder (Mariendorf, Seestraße, Gropiusstadt und noch diverse andere, die ich bisher nicht live gesehen habe) gehen auf einen standardisierten Typus der Firma Ibaco aus Velbert zurück, die diese Bäder quer über Berlin abwarf. Das Bad in Mariendorf war das letzte einer Fünfer-Serie. Das Bad in der Seestraße kam dann als Nachzügler einige Jahre später, ist ja auch optisch verändert und sollte ursprünglich auch ein Wellenbad haben.

Ich staune: die mittlerweile halb zugebauten Mosaiken in der Weddinger Seestraße, die mir nach dem Kunst-Leistungskurs des örtlichen Gymnasiums aussahen, kamen von einem Künstler mit Wikipedia-Artikel.Aber vielleicht lag es auch nur an der Zeit: die überraschende Erkenntnis, dass die naive Kunst aus dem VHS-Kurs damals für teuer Geld renommierter Künstler eingekauft wurde, traf mich mittlerweile nicht nur in Schwimmbädern, sondern auch in Unigebäuden, öffentlichen Plätzen und anderen öffentlichen Orten. Und fast immer lag die Zeit ihrer Entstehung zwischen 1980 und 1985.

Soviel zu den Berliner Bädern. Mir ist auch aufgefallen, wieviele Bäder ich noch nicht kenne und bei wievielen davon die absurde Öffnungszeitenpolitik der Berliner Bäderbetriebe sich auch jegliche Mühe gibt, mir einen Besuch zu verwehren.

Aber noch ein Nachtrag außerhalb Berlins. Diesmal nicht aus dem Buch. Zum mir ja eigentlich sympathischen Turm Center Oranienburg. Im Schwimmbad hingen bis vor kurzem 40 Überwachungskameras "Sieben Jahre lang wurden der Eingangsbereich, Wasserrutschen, die Sammelumkleide, das Sole- und das Sportbecken sowie Kellerräume, die nur für Mitarbeiter zugänglich sind, per Kameras kontrolliert." schreibt die MOZ. Örgs.

Dienstag, 8. März 2016

Schwimmbad TURM. Schwimmen im Erlebnisbad Oranienburg.

Samstagabend: unsere übliche Diskussion. Wir könnten ins Turm-Bad nach Oranienburg. Vom Garten verschwitzt, vom Spatenschwingen durchgeknetet könnten wir im Sole-Außenbecken abhängen. Oder wir könnten im Sportbecken einige erfrischende Bahnen ziehen. Aber es ist teuer. Und wir müssten nass eine rutschige Treppe hinunter- und hinaufsteigen. Meistens belassen wir es bei der Benutzung der Gartendusche oder einen Kurzausflug zum Kremmener See. Aber wenn es schon dunkel wird, der Abend abkühlt und der zu schaufelnde Lehm widerspenstig war, fahren wir doch in die Kreisstadt.

Das Erlebnisbad ist Teil eines gewaltigen Komplexes. Zur TURM ErlebnisCity gehören eine Mehrzweckhalle "MBS Arena", eine weitere Mehrzweckhalle, eine Kletterwand, ein Fitnessstudio, Kegel- und Bowlingbahnen und mehrere Kneipen und Cafés.

Ich finde wenige Informationen zum Komplex. Angesichts der Wuchtigkeit der Anlage ist das erstaunlich. Hier steht vermutlich das größte und teuerste öffentliche Gebäude Oranienburgs. Die Info-Armut ist das noch erstaunlicher. In der Arena spielen vor größeren Zuschauermengen Drittligateams Handball und Volleyball. Aber selbst einen öffentlichen Terminkalender für die Halle fand ich nicht.

Nach Jahren des Rätselns fand ich heraus, dass der Turm, nach dem die Anlage benannt ist, der unspektakuläre aber wenigstens nahegelegene ehemalige Schlauchturm auf dem Schwimmbad-Parkplatz ist. Daneben erfuhr ich, dass Turm in Eigenschreibweise T.U.R.M. lautet: Anfangs noch "übersetzt" als Traum Urlaub Riesen Möglichkeiten. Aber das war selbst den Oranienburgern schnell zu peinlich.


Nächtlicher Eingangsbereich zur TURM-Erlebniscity in Oranienburg.
TURM-ErlebnisCity. Der Eingangsbereich.

Das Bad gehört zur Generation der Spaßbäder, die westdeutsche Investoren Anfang der 1990er ostdeutschen Kleinstädten aufschwatzten und die heute Gemeinden mal mehr oder weniger erfreuen. Ich kann nach meinen Besuchen sagen: Mich macht dieses Bad glücklich. Den Besucherzahlen nach zu urteilen bin ich nicht der einzige.