Freitag, 1. April 2011

Traktorgfreitag: Alles uneindeutig, Wahrheit gesucht.

Wladimir Gawriilowitsch Krikhatzkij - The First Tractor

Letztens suchte ich ja mal Informationen zur Traktoristin an sich. Das Traktoristinnen-Projekt läuft noch hinter den Kulissen, brachte mich aber am Rande eine andere Geschichte. Feli machte mich aufmerksam, dass es im sozialistischen Realismus zwar viel Feldarbeit, kaum Traktoren gäbe. Der sozialistische Realismus seit mithin zwar sozialistisch, aber nicht sehr realistisch war. Die Erkenntnis klingt kontraintuitiv, könnte aber überraschenderweise doch stimmen. Meine darauf folgende Recherche jedenfalls ist eher uneindeutig: Zwar gibt es genug Texte, die den Traktor als typisches Motiv des sozialistischen Realimus preisen, jedoch sind diese nie detailliert genug und vor allem finde ich kaum Bilder. Bis auf eines: der erste Traktor.

Der Wikipedia-Artikel nun wiederum kolportiert eine noch interessantere Geschichte:

Ein weiterer Aspekt der mit dem „ersten Traktor“ verbundenen Zeit ist, dass es in diesen revolutionären Zeiten in Mode war, seinen Kindern Akronyme als Namen zu geben, so zum Beispiel „Wladlen“ für „Wladimir Lenin“ oder „Wilor“ für „Wladimir Iljitsch Lenin – Organisator der Revolution“. Auf diese Weise entstand auch der Vorname „Dastrapertrak“ („Даздрапертрак“) mit der Bedeutung „Es lebe der erste Traktor!“ („Да здравствует первый трактор!“).


Wie es sich gehört bei solch schönen Geschichten, sie steht seit sieben Jahren im Wikipedia-Artikel, aber ohne jede Quellenangabe. Aber so schnell bin ich dann doch nicht zu schlagen: der deutsche Eintrag ist eine Übersetzung aus der englischen Wikipedia: The first tractor. Auch da fehlt leider jede Quelle. Aber es gibt einem identifizierbaren Autor: User:Altenmann. Der war immerhin mal Admin, ist also so vage generell vertrauenswürdig. Nur leider ist Altenmannmittlerweile gesperrt. Weil er anderen falschen Tatsachen vorgespielt hat. Das erhöht die Glaubwürdigkeit nicht. Und Nachfragen kann man bei gesperrten Benutzern auch nicht.

Vielleicht hilft die andere Erwähnung in der englischen Wikipedia im Artikel Eastern Slavic Naming Conventions. Schade, die hat denselben Autor, der ist immer noch gesperrt. Die Google-Suche auf deutsch oder englisch bringt nur Wikipedia-Klone, Einträge, die zeitlich weit nach dem Initialeintrag bei Wikipedia entstanden sind und einen Nachnamen. Auf Kyrillisch finde ich in books gar nicht, im normalen Google immerhin einen Treffer, Даздраперма и Лагшмивара - имена, рожденные революцией den ich mangels Russischkenntnissen nicht zuordnen kann. Wer will, mag sich jetzt etwas Akte-X-Musik vorstellen. Oder jemand fragen, der russisch kann.

Zum Trost bei all der Unsicherheit wenigstens noch etwas russisches Tractorpulling:







Sprich von Dir

Um es mal klarzustellen, ich habe schon gejammert als es die Wikipedia-Editor-Trends-Study noch gar nicht gab, jetzt aber ist Jammern ja voll mainstream.

Soweit ich sehe, gibt es derzeit zwei Problemfelder an denen verschiedene Leute etwas ändern wollen: (1) mehr Newbies anlocken, (2) mehr Oldbies behalten. Wobei (2) vermutlich wichtiger aber auch ungleich schwieriger ist. Für die Newbies gibt es schon eine ganze Menge Programme und Ansätze und so wie ich die Foundation verstande habe, steht auch ein WYSIWYG-Editor sehr weit oben auf der Prioritätenliste. Das gefällt.

Beim zweiten Teil allerdings kann man wohl nur Änderungen herbeiführen, wenn man tief in die Communitystruktur eingreift. Davor schrecken Foundation und WMDE (zurecht) zurück, schafft das doch leicht mehr böses Blut als es hilft. Andererseits scheint die Community da angelangt zu sein, wo auch das deutsche Universitätswesen steht: des Problems bewusst, aber so tief in diversesten Schützengräben verbarrikadiert, dass es komplett unmöglich ist, etwas zu ändern.

Ein paar Grundideen was zu ändern wäre, gibt es seit 2005 mindestens: wir müssen freundlicher sein, geduldiger, der bürokratische Wahnsinn muss abgebaut werden etc. Klappt seit 2005 leider nicht. Immerhin: je weniger Leute da sind, desto weniger Stress und Überforderung, desto mehr Chancen mal mit etwas mehr Geduld auf andere zuzugehen.

Aber ein Artikel von Bastian Greshake (Professoren in sozialen Netzwerken), brachte mich auf eine ganz andere Idee. Der berichtet über eine Studie zu facebook (ich habe die methodisch nicht angekuckt und halte sie mal naiv für valide) und die Profile von Professoren auf facebook. Fazit:

Die Versuchspersonen, die das persönliche Profil zu sehen bekamen, bewerteten die Glaubwürdigkeit der Professorin höher, als jene Personen, die eines der beiden anderen Profile zu Gesicht bekamen. Erstaunlicherweise gab es keinen signifikanten Unterschied für das Profil, welches sowohl mit wissenschaftlichen als auch persönlichen Informationen gefüllt war.


Kompetenz durch Einkaufszettel? Geht mir zwar persönlich gegen den Strich, scheint aber in der Welt so zu funktionieren. Womit wir dann wieder beim Wikipedia/Welt-Konflikt sind. Wenn Wikipedia irgendetwas nicht möchte, dann "persönliche Profile". Für "persönliche Infos" gibt es keinerlei Hilfestellungen. In den Artikel wird militant darauf geachtet, keine Persönlichkeit einzubringen, auf Profilseiten wird schnell der Vorwurf der Selbstdarstellung laut, wenn man zuviel persönliches macht und wer gar einen größeren Anteil seiner Edits dem Persönlichen widmet wird mehr oder weniger freiwillig vor die Tür befördert werden. Alles mit der Begründung der Enzyklopädität.

Nun aber frage ich mich: ist das vielleicht tatsächlich nicht nur sozial schädlich, sondern auch der Enzyklopädität? Mindert es die Glaubwürdigkeit "da draußen", wodurch Leute wegbleiben, die wichtiges beitragen könnten? Würde es die Glaubwürdigkeit erhöhen, auf den Profilseiten keine Artikellisten zu pflegen sondern "Ich beim Baden", "Ich beim Einkaufen", "Ich in meinem Keller beim Schokoladeessen?








Ich beim Pfostenschubbern.









Und da ist der Kulturschock: ey, ich bin Nerd, ich will auf meiner Nutzerseite nur komische kryptische Angaben, die nur eingeweihten verständlich sind. Ich hasse es, mich irgendwó mit Passfoto, Lebenslauf und "ich bin der Dirk" vorzustellen. Goodbye Nerdistan?


* Frage an die Runde: gibt es eine Technik einzelne Artikel aus dem Wikipedia-Kurier sinnvoll zu verlinken?



Aprilscherz

Gibt's nicht.

Ha ha!


Mittwoch, 30. März 2011

Darummagichberlin (XXVIII)

Weil hier Leute auf der Mittelinsel stehen, die quer über die Fahrbahn verwirrten Touristengruppen mitteilen, dass das alles "ein kleines bißchen faschistisch" sei.



Dienstag, 29. März 2011

Was ist interessant und/oder relevant?


Alles. Wunderbar ausgedrückt von xkcd mal wieder:




Hurra! Gastbloggerin ist kein Fisch!

So, der neue Monat kommt, das Frühjahr sprießt, und über die neue Gastbloggerin notafish könnte ich soviel sagen, dass es mir vor Schreck glatt die Sprache verschlägt.

Für die Basisinformationen verweise ich auf die Meta-Benutzerseite. Darüber hinaus schreibt sie noch einen lesenswerten Blog Ceci n'est pas une endive. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass notafish eigentlich immer in der Nähe ist, wenn es irgendwo im Meta-Bereich spannend wird, sie unglaublich herzlich ist, einen spannenden Außenblick auf Deutschland hat, und sowieso ein Gewinn jeder Unterhaltung.

Ich bin stolz wie Oskar, sie hier zu haben, und bin sehr gespannt, was sich wohl bis zum 1. Mai an Blogposts ergeben wird.






Taubenvergrämen auf dem Balkon



Montag, 28. März 2011

Ach ja, auch Wikipedia mag ich ja ab und an.

Darum. (Mouseover).


Sonntag, 27. März 2011

Von der Klassenfahrt zum Wohnheim lediger Männer

10 Jahre Wikipedia.