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Samstag, 15. Oktober 2022

22-10-15 HSA = Hochschulabschluss

Meine Ohren sind definitiv noch erkältungsgeschädigt: Klassik, Pop et cetera wurde heute gar nicht - wie ich zuerst hörte - vom „Polizisten Frank Fleischpflanze“ moderiert, sondern vom Publizisten Jan Fleischauer.

Uns trieb die Reiselust bis in den Garten. Wir kauften auf dem Weg 40 Kilo Kiesel und einen Wäscheleinenhaken. Danach Gänseschwärme, Kranichschwärme und Sonnenuntergang.

Madame mähte die restlichen Wiesenteile. Ich durchstöberte die Wochenendausgabe der Lokalzeitung (ich liebe Kleinanzeigen!) und fragte mich, was mir „HSA“ in den Kontaktanzeigen sagen will. Google half:

Hochschulabschluss! 

Also falls jemand einen "berufstätigen 63jährigen, HSA" näher, vielleicht intim, kennenlernen möchte: ich habe Kontaktdaten.


Sonntag, 24. November 2019

Mitsingen bei Das Lumpenpack / Jason Bartsch im Astra-Kulturhaus.

„Maaama. Just killed a man. Put a gun against his head. Pulled my trigger, now he’s dead.“

Sie singen. „Mama, life had just begun. But now i’ve gone and thrown it all away.“

Wir stehen im Astra-Kulturhaus, RAW-Gelände, Warschauer Straße, Friedrichshain. Wir haben am Schawarma-Stand noch schnell gegessen. Wann wird Das Lumpenpack auf die Bühne kommen? In einer Stunde vielleicht? Das Konzertpublikum ist noch nicht bereit. An den Garderoben stehen lange Schlangen.

Die Technik spielt Musik vom Band. „Bohemian Rhapsody“. Und sie singen. Das Publikum stimmt ein: „MAMA!, oooouuuuuooooohhh. Didn’t mean to make you cry.“

Junge Leute. Viele um die 20. Lange war ich nicht mehr bei einem Konzert, bei dem das Publikum halb so alt ist wie ich. Die Künstler sind mindestens 15 Jahre jünger. Und vollkommen ohne Queen-Bezug. Das Publikum singt einfach so. Aus Laune. Aus Spaß. „Thunderbolt and lightning very very frightening. Gallileo, Gallileo. Gallileo, Gallileo. Galileo, Figaro, magnifico“

Woher kennen die den Text des Songs? Der Film Austin Powers ist über 20 Jahre her. Ein Drittel des Publikums war 1997 noch nicht geboren. Das Queen-Album mit dem Original-Song erschien vor über 40 Jahren.

„Es lief gerade der Film „Bohemian Rhapsody“ im Kino, erinnert mich Madame.“ Stimmt. Mir fällt auf, wie kurz 20 Jahre sich anfühlen und wie Popkultur an mir vorbeirauscht. „BISMILLAH, NO, WE WILL NOT LET YOU GO!“

Mir wird bewusst, dass Monster Ronson’s Ichiban Karaoke, Ort des legendären Wikimedia-Karaokes auf der anderen Ecke des Straßenblocks liegt. Bevor meine Gedanken abschweifen können, ertönen die ersten Rufe „Jason!“.

Jason Bartsch mit Gitarre beim Haldern Pop Festival. Tatsächlich tragt er die Gitarre nur manchmal. Manchmal rappt er ja auch oder macht Rumpelhouse.
Jason Bartsch (Haldern Open Ait 2019). Foto: Alexander Kellner. Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Im Hintergrund der Bühne hängt ein Transparent „Jason Bartsch“. Nie gehört. Ist dieser „Janson Bartsch“ die Vorband? Stehen wir zwischen seinen Freunden? Mehr Leute rufen „Jason!“ Die kennen die Vorband? Die freuen sich auf die Vorband? „Jason!“. Dies wird ein besonderes Konzert werden.

Sonntag, 16. Juni 2019

Welches ist die beste Radiosendung?

Welches ist die beste Radiosendung? Eine Diskussion. Nominiert werden: BBC Radio 4 Gardener’s Question Time, Deutschlandfunk Klassik, Pop et cetera, SWR2 – Forum, Deutschlandfunk Gottesdienst, National Public Radio (NPR)Car Talk, Deutschlandfunk - Sportgespräch

Der Rinderkamm der Hakenberger Fleisch (Hafleg) kommt im Grill langsam auf Temperatur. So eben überschritt das Fleischinnere die 39-Grad-Marke. Es liegt damit bereits sechs Grad über der Außentemperatur. Hinter DJ Hüpfburg surrt eine große Holzbiene vorbei, verschwindet sofort Richtung Nachbarsgarten.

Ich beginne zu erzählen von den karmesinroten Kapuzinerkäfern, die es sich im Holzstapel hinter den Schuppen aus Holz bequem gemacht haben. Hübsche Käfer! Und selten zudem. Aber als Bewohner von selbstgebohrten Gängen im Holz beunruhigen sie mich. Ich frage mich: können wir vielleicht andere Tiere ansiedeln, die sich von Kapuzinerkäfern ernähren? DJ Hüpfburg fragt: „Habt Ihr ein Internetradio hier! Jetzt käme Gardeners Question Time auf BBC. Die beste Radiosendung der Welt.“

Gardeners Question Time

BBC Radio 4, Freitag und Wiederholung
Letzte Sendung:Summer Garden Party at Mount Stewart (Part 1)

Der Klassiker des BBC-Programms läuft seit 1947 im Home Service Irland und Nordirland der BBC. Seit 1957, also auch seit 62 Jahren, läuft die Sendung im Uk-weit ausgestrahltem Radioprogramm der BBC. Dabei wechselte sie mehrfach Sender und Sendeplatz. Bei der meist live aufgezeichneten Sendung stellen Anwesende im Publikum Fragen zu ihren spezifischen Gartenproblemen.

Wohnzimmer-Internetradio zum Hören von BBC, WEVL und SWR
Das BBC-(Internet)-Radio


Ein Panel aus Experten antwortet, mal fachkundig, mal humoristisch launig, auf diese Fragen. Die Sendung glänzt durch Wortwitz und Fachwissen.  Regelmäßige Zuhörer können die verschiedenen Stilvorlieben der einzelnen Experten erkennen und sich natürlich auf Seiten einer Lieblingspanelistin schlagen. Gartennerds allerdings beklagen eine in den letzten Jahrzehnten einsetzende Verflachung, die das Unterhaltsame auf Kosten des Inhalts verstärkt in den Vordergrund rückt. Die Sendung hat eine Spezialherausforderung für deutsche Zuhörer: britische Pflanzennamen.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Klassik-Pop-et cetera. Radio wie es sein könnte.

Tüdü. Tüdü. Tüdüüdaa. Tüdü. Tüdü. Tüdüüdaa. Samstag vormittags. Aus dem Schlafzimmer wanken, im Halbschlaf mit dem ersten Kaffee. Das Wochenendjournal auf dem Deutschlandfunk ist vorbei. Frisch gebackenes Brot, Kaffee und der Deutschlandfunk warten in der Küche. Im Deutschlandfunk läuft das Tüdü, Tüdü, Tüdüdüda:  Die Sendung Klassik-Pop-et ceterabeginnt.



Eine Sendung mit einem einfachen Konzept: Eine interessante Person, oft Musiker, meist mittelprominent, stellt eine Stunde lang ihre Lieblingsmusik vor. So einfach, so alt, so grundlegend. Ein Mensch, seine Lieblingsmusik. Radio heruntergebrochen auf das Wesentliche.

Dienstag, 15. März 2011

Panik!

Vorweg: wir werden nicht alle sterben. Nichtmal alle Japaner werden sterben. Auch wenn ich manchmal den leisen Eindruck habe, mancher würde sich freuen, weil das seinen politischen Punkt besser machte.

Auch vorweg: Jedesmal wenn ich das KKW Brunsbüttel sehe, warte ich auf den Tag, an dem das KKW einfach aus Altersschwäche zusammenbricht. Die Abschaltung der derzeit diskutierten Atomkraftwerke ist sehr dringend nötig. Und nochmal vorweg: was wirklich in Fukuschima passiert, weiß nur eine zweistellige Zahl von Leuten, und selbst die nicht, da anscheinend ein Großteil der Messgeräte hinüber scheint. Mittlerweile tritt ernsthaft Radioaktivität aus, aber immer noch weiß niemand, wo wie wann es in Japan nun jemand trifft. In Panik wegrennen, wenn es einen vielleicht trifft, ist meistens kontraproduktiv, aber verständlich. In Panik wegrennen, wenn es vielleicht jemand auf der anderen Hälfte des Erdballs trifft...

Aber um mal auf Snotty zu antworten: das Kernkraftwerk scheint sowas wie die deutsche Urangst zu verkörpern. Die deutsche Anti-AKW-Bewegung ist wohl tatsächlich die einzige Bewegung, die relativ kontinuierlich große Menschenmassen auf die Straße bringt. Keine Friedensbewegung schafft das, Anti-Nazi nur ab und zu anlassbezogen und mit enormen internen Spannungen. Weder für noch gegen Integration bringt eine solche Massenbewegung zustande, keine Frauenrechte, keine niedrigeren Steuern, Welthunger schon gar nicht. Nicht mal bessere Straßen bringen zuverlässig solche Menschenmassen auf die Straßen und Plätze. Aber sei gegen Atom, und die Menge ist Dein Freund. Bei allem, was man Deutschen gern, oft und gut vorwerfen kann, eine besondere Sympathie für Atomkraft gehört nicht dazu.

Nun ist Kernkraft dennoch nicht das einzige Thema, dass die Deutschen an sich bewegt. Wahlen haben den Nachteil, dass es Pakete gibt, und seien wir ehrlich: die SPD ist ein wandelndes Desaster, die Linke vor allem mit sich selbst beschäftigt, und die Grünen geben einem mehr als genug Gründe, halt auch eventuell die Kernkraftkröte zu schlucken. Aber ich muss doch sagen, nur weil ein Teil der Leute bereit war, in einem Punkt eine Kröte zu schlucken, heißt nun nicht, dass alle anderen die Kröte auch noch füttern müssen oder nicht darauf hinweisen dürfen, dass sie da ist. Das ist dann doch eher wilhelmisches Politikverständnis.

So gesehen verkörpert die derzeitige Aufwühlung genau das, was ich ja eigentlich immer predige: kein Hühnerhaufen, sondern langfristige politische Arbeit und Strukturen, die dem ganzen zu Grunde liegen. Aber, und das ist wohl das Schmerzliche, etwas für Japan tun kann man auch mit guten Strukturen und langfristiger Organisation nicht. Geld hat Japanan selber, die Mengen, die man braucht, um eine Wirtschaft zu stabilisieren, lassen sich mit privater Hilfe nicht aufbringen. Auch sich-selbst-detailgenau-informiert-halten ist zwar abstrakt gut, hilft aber Niemanden. Das was Japan braucht, hat hier niemand. Über Mappus schimpfen oder gar demonstrieren, ist zwar auch nicht zielführender, aber immerhin gibt es einem das Gefühl aktiv zu sein. Menschen brauchen sowas.

Montag, 30. August 2010

Deutschlandfunk-Jingles. Eine Schimpftirade. Ein alter Mann liegt im Bett und schimpft über den Deutschlandfunk

Deutschlandfunk! Oder auch Deutschlandradio! Was soll das? Warum bringt ihr mich um meinen Nachtschlaf und jagt Gänsehaut meinen Rücken rauf und runter. Denkt ihr etwa an die Mieter im dritten Stock, wenn ich wieder einmal verschreckt aus dem Bett springe, und die dann glauben müssen, wir würden dem Hobby des Walroßwerfens zuneigen?

Wenn ich mal echt crazy bin und voll einen drauf mache, kann es vorkommen, dass ich auch noch nach Mitternacht zum Einschlafen Radio höre. Das ist auf dem Deutschlandfunk dank solcher Sendungen wie der Liederbestenliste hinreichend bizarr für mich. Nichts wiegt mich so selig in den Schlaf wie die Wiederholung von "Deutschlandradio Kultur Fazit" in der Wiederholung eine Stunde später im Deutschlandfunk. Insbesondere der 700. Beitrag zum Thema Berliner Opernstreit hat ungeahnte Fähigkeiten, mich selig entschlummern zu lassen.

Nun aber hast du beschlossen, mich nicht mehr in den Schlaf zu wiegen, sondern hinterrücks zu erschrecken. Du hast Jingles. In der Sendung. Die so klingen als wären sie aus dem Altbestand der RTL-Morningshow mit Keule und DuDuDiana. Sowas wie "Deutschlandradio Fazit. OPER! Die besten Opernstreits der 90er und von heute. Düdelü" oder auch "Deutschlandradio Fazit. KINO! *Wusch* *Schnauf* *tröt* Die Kinokritik". WARUM?


Schafe auf Kohlfeld. Ohne Deutschlandunk.



Wer will beim Schäfchenzählen schon andauernd von Ratatawusch! Schoo! Knäck! Zabong! aus dem Bett gescheucht werden?



Wenn der Moderator vorher sagt, dass jetzt die Kinokritik kommt und direkt danach eine Kinokritik kommt, brauch ich selbst beim Schäfchenzählen kein Science-Fiction-Woooasch, um mir zu erzählen, dass die Kinokritik kommt.

Wollte ich großgeschriebene ANKÜNDIGUNGEN, würde ich nachts JingleFM-Lustig-Spritzig-Hot hören. Ich will distinguierte Menschen, die sich kenntnisreich über Themen unterhalten, von denen ich nichts verstehe. Nichts wiegt mich so sicher in den Schlaf wie klassisches Bildungsbügertum. Nicht schreckt mich so auf wie "Deutschlandradio Fazit - JINGLE! - Die Jinglekritik!*rätätätätäkrachz*" Du hast mich soweit. Bald schlepp ich den Rechner mit ans Bett, um mir auch Abends noch BBC zu geben. Sei gewarnt.


Und bevor jetzt die Standardantwort mit sich ändernden Zeiten, jugendlicher Zielgruppe etc. kommt. Im Vergleich mit den Leuten, denen ich auf der Suche nach coolen Berliner Clubs nicht helfen kann, bin ich uralt. Verglichen mit den DLF-Publikum allerdings bin ich vermutlich noch im Zahnfeealter.

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Trotz allem steht der Deutschlandfunk im Wettbewerb um die beste Radiosendung.

Kultur in Iberty.