Sonntag, 18. März 2018

Uri Buri in Akko, heute in Kitchen Impossible

Akko, eine Stadt in der Bucht von Haifa. Unser Blick fällt im Herbst 2017 auf ihren Hafen am östlichen Mittelmeer. Ein junger bärtiger Mann mit Stirnband stellte uns gerade einen Heringssalat vor die Nase. Madame fragt „War Kitchen Impossible schon hier?“. Ich „Nein, aber sie sollten hier drehen.“ Manchmal schon hielten wir uns in Restaurants auf, von denen wir dachten, sie wären eine geeignete Location für die Fernsehsendung. Dies war das einzige Mal, das wir uns wirklich wunderten, warum sie hier noch nicht drehten.

Am Ende des Roten Pfeils liegt Uri Buri,


Kein halbes Jahr später hat uns die Fernsehsendung erhört. Die Kitchen-Impossible-Folge vom 18. März wird in Akko spielen – und in Akko kann es nur ein Restaurant geben: Uri Buri.


Blick auf den Hafen.


Kitchen Impossible


Kitchen Impossible ist – neben the Great British Menu – die beste Kochsendung der Welt.

Donnerstag, 8. März 2018

In 11 Stationen durch die Nordermarsch in Dithmarschen

Alle Landschaft ist Kulturlandschaft. In Mitteleuropa existiert keine Landschaft, die nicht von Menschen geformt und verändert wurde. Die Suche nach unberührter Natur bleibt in Europa müßig. In Europe lohnt es zu suchen nach dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, dem Miteinander- und Gegeneinanderwirken der Kräfte, dem Versuch von Mensch, Tieren und Pflanzen sich ein Heim zu schaffen und dabei mit den Elementen umzugehen. Ertragreich suchen kann man in Dithmarschen an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Hier wurde das Land vom Menschen nicht nur verändert, sondern erst geschaffen.
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Dort, wo heute Straßen, Felder und Häuser stehen, breitete sich vor 500 Jahren - manchmal auch noch vor 50 Jahren - das unzugängliche Wattenmeer aus: Sumpf mit Ebbe und Flut. Wasser, Salz und Strömungen. Bestenfalls befanden sich dort Salzwiesen – Wiesen, die regelmäßig von Sturmfluten überschwemmt wurden. Es waren Gegenden, in denen sich Mensch und Vieh bestenfalls bei gutem Wetter aufhalten konnten. Gegenden, aus denen sie bei oftmals überraschend auftretendem Schlechtwetter fliehen mussten. Menschen änderten die Landschaft, indem sie  Schutzmaßnahmen: Ringdeiche, Wurten, Deiche, Sperrwerke, um länger zu bleiben.

Oder die Landschaft lebte, änderte sich von alleine. Deiche stürzten. Das Meer holte sich Land zurück. Diese Jahrhunderte der Auseinandersetzung haben ihre Spuren in Dithmarschen hinterlassen. Um diese Geschichten zu sehen und zu erfahren, habe ich für Freunde und Verwandte eine kleine Autotour zusammengestellt. Diese Tour lässt im Laufe eines längeren Nachmittags die Geschichte lebendig werden, das Zusammenspiel zwischen Mensch und Meer in dieser Gegend verstehen.

Seedeiche besuchen wir nicht. Die findet hoffentlich jeder von alleine. In Wesselburenerkoog.


Die Route führt entlang der historischen Linie zwischen Alter Marsch und Neuer Marsch. Die Alte Marsch besteht aus den Teile der Marsch, die vor Menschengedenken (seit mehr als 500 Jahren) eingedeicht wurden, die Neue Marsch und denjenigen Teile der Marsch, deren Existenz erst kürzer zurück liegt.

Schülpersiel


Lage: an der Eider

Es beginnt in Schülpersiel.

Sonntag, 4. März 2018

Schwimmbad Brandenburg: Wildorado, Wildau

Wildau im Südosten Berlins. Mit knapp 10.000 Einwohnern handelt es sich um die drittgrößte Stadt des Landkreises Dahme-Spreewald. Durch die Nähe zu Berlin expandiert Wildau in den letzten Jahren stark.

Ich befinde mich in einer Art Innenstadt. Vor mir liegen ein großer Supermarkt und ein Dönerstand.  Menschen hasten vom Parkplatz zum Supermarkt. Am Dönerstand stehen zwei junge Männer mit Rottweiler, scherzen mit dem arabischstämmigen Mann im Stand. Nebenan wartet die Bushaltestelle auf Fahrgäste. Dort fahren zwei Linien: eine zum Flughafen Schönefeld, eine zum A10 Center,

Wildau, im Umland Berlins, gefressen vom Giga-Einkaufszentrum A 10 Center. Das nach Gesamtfläche größte Einkaufszentrum der Region Berlin. Mit mehr als 20.000 Besuchern täglich kommen hier mehr als doppelt so viele Menschen nach Wildau wie in der Stadt überhaupt leben. Überwiegend sind dies übrigens Brandenburger.

Mein Versuch in dieser Kleinstadt an einem Samstagnachmittag etwas Leben zu finden, endete an dieser Bushaltestelle bei Döner und Supermarkt. Mit einer türkischen Pizza in der Hand („Dürum alle!“), inmitten von Häuserschluchten, einer leeren Straße und einem überdimensionierten Supermarkt.

Vorher war ich Schwimmen gewesen: dort war es voll. Menschen mit Kindern bis vier Jahren waren in großen Mengen anwesend bis weit nach Berlin hinein. Aber niemand sonst. Ist es ein Spaßbad? Nicht wirklich. Ist es ein kommunales Schwimmbad? Ich bin nicht sicher.



Vielleicht ist es beides, vielleicht keines. Ein wenig ähnelt das Wildorado damit der Stadt Wildau selbst, die auch nicht zu wissen scheint, ob sie ein echter eigener Ort ist, oder so eine Art Shoppingmallstandort für das Südostumland Berlins.

Aber genug zum A10-Center, ich war ja nicht mal da. Ich war schwimmen. Das Wildorado. Sollte ich sagen, es ist unübersichtlich?

Sonntag, 25. Februar 2018

Welchen Gartenschlauch kaufen?

2017 war das Jahr des Regens: Niesel, Schauer, Landregen, Fisselregen, Starkregen, Wolkenbruch, Wolkenguss, Weltuntergang. Gerne kamen die Regen gleichzeitig und bescherten uns neue Gartenerlebnisse.




Zeitweise erleichterte uns das Wasser vom Himmel das Setzen von Sträuchern – musste man diese doch nicht mehr angießen, sondern traf in 15 Zentimeter Tiefe direkt auf das stehende Grundwasser. Selbst die Wühlmaus kroch aus ihren überfluteten unterirdischen Gängen, baute sich eine kleine Plattform aus herumliegendem Holz und verbrachte einige Wochen im Sommer damit, auf ihrem Floß durch die niedrigeren Teile des Gartens zu Paddeln.

Ein Thema, mit dem Madame und ich uns diesen Sommer also gar nicht beschäftigten, war Bewässerung. Ich glaube, der einzige Gedanke, den wir in diese Richtung entwickelten, war die Sorge, wie wir die Regentonnen so gegen die Strömung sichern können, dass sie nicht in Nachbars Garten treiben,






Aber nun ist Winter. Es ist immer noch nass. Auf dem Weg zum Subaru muss man schon wieder Gummistiefel anziehen. Aber im Winter wundert mich das nicht. Da gehört das so und ich bevorzuge doch die Nässe gegenüber den 20-Zentimeter-Eisplatten, die wir hier auch schon erlebten.

Nach dem Winter kommt Sommer. Der Winter beschert uns zum Abschluss doch noch einige sonnige, regenfreie Tage. Spätestens mit dem bald einsetzenden Frühling wartet die Rückkehr der Brandenburger Semitrockensteppe.

Der Winter, die Zeit, in der die Gartenkalender raten den Zaun kritisch zu betrachten oder den Schnittlauch anzutreiben oder auch Kataloge zu wälzen. Die Zeit im warmen und trockenen zu sitzen, am Whiskey zu süffeln, zu denken und zu planen: Vielleicht sollten wir doch einen Gartenschlauch anschaffen. 

Sonntag, 18. Februar 2018

Schwimmbad Berlin: Köpenick, Schwimmhalle Allendeviertel

Suche die Schwimmhalle nicht, bevor du nicht inmitten der Plattenbauten bist. Die Ostberliner Grundregel gilt auch in Köpenick. Die Köpenicker Altstadt - städtebaulich das direkte Gegenteil zu DDR-Neubausiedlungen – reicht bis fast an das Schwimmbad. Im Gegensatz zu Berlin selber besitzt Köpenick auch eine echte Altstadt. Selbst beim Durchfahren erkennt der Reisende den mittelalterlichen Stadtgrundriss.

Hier wirkt alles weniger nach Berlin, sondern nach einer echten alten Stadt - die das auf eine bronzezeitliche Siedlung zurückgehende Köpenick ja auch ist. Der einsame Schwimm-Wanderer sieht auf die Uhr, denkt sich, in drei Minuten sollte ich da sein - und noch alles sieht das so überhaupt nach der typischen DDR-Großsiedlung aus. Sollte hier ein Überraschungsbad, ein DDR-Neubau inmitten historischer Bausubstanz stehen?

Aber nein. Direkt vor der Schwimmhalle beginnt das Salvador-Allende-Viertel mit Plattenbauhochhäusern und einem kleinen Einkaufszentrum. Gegenüber liegt eine Schule, ehemals zu Vorwendezeiten die Salvador-Allende-Schule(*). Hier steht ein typisches 1970er-DDR-Neubauwohngebietszentrum.

Das Allendeviertel I entstand Anfang der 1970er Jahre, das Allendeviertel II daneben Anfang der 1980er. Nach allem was ich lese, scheint hier eine der Gegenden zu sein, in denen man DDR-Nostalgie nachvollziehen kann. Alle loben und lobten die Nettigkeit, das Aufeinander-Aufpassen, die gefühlte Geborgenheit, die Gemeinschaft.. Ich fühle mich genötigt zu sagen, dass diese heimeligen Gemeinschaften sich immer daran erweisen wie sie mit den Nicht-Heimeligen umgehen, aber das führt zu weit.

Hier ist wichtig: architektonisch und von der gebäudeinduzierten Lebensqualität her, sind diese DDR-Neubaugebiete weit besser als ihr Ruf. Und am Rande des Viertels steht eine Schwimmhalle.





Genau wie das Bad nur am Rande des Gebiets liegt, ist es auch nur gerade so eben eine typische Berliner Volksschwimmhalle im Typbau. Handelt es sich beim Bad in Köpenick doch weder um den verbreiteten Typ C noch um den Typ Berlin 83, sondern noch um den deutlich älteren Typ Bitterfeld.

Freitag, 9. Februar 2018

Schwimmen Israel: Akko, Argaman Beach

Herbst in Israel. Wir chillen bei entspannten 26 Grad Lufttemperatur. Die Wassertemperatur liegt in ähnlichen Bereichen. Die Israelis baden nicht mehr. Denn es ist ja kalt. Nur noch die hartgesottenen kälteunempfindlichen Extremschwimmer halten sich am Strand auf.

Die Strände und ihre Einrichtungen befinden sich in Auflösung. Während in Tel Aviv gerade ganze Strände zwecks Umgestaltung abgetragen werden, sind die Anlagen in Akko noch offen, aber deutlich am Zusammenpacken. Als Mitteleuropäer wirkt manches in Israel unerwartet.

Andererseits: wir befanden uns an einer Traumlage bei bestem Wetter an einem nahezu leeren Mittelmeerstrand. Die Konfrontation mit dem Ungewohnten nehme ich gerne auf mich.



Akko liegt im äußersten Norden Israels. Die Grenze zum Libanon befindet sich in Laufweite. Die Stadt liegt am nördlichen Ende der Bucht von Haifa auf einem Felsvorsprung in diese Bucht hinein.

Felsen und Bucht eignen sich als natürlicher Hafen, so dass Akko seit Jahrtausenden besiedelt ist. Der Argaman Beach selbst ist nach der purpurnen Farbe benannt, den die Kanaaniter einst aus Schnecken gewannen. Eine prägende Blüte erlebte die Stadt mit den Kreuzzügen. Über den Hafen Akkos reisten die christlichen Pilger schon vor den Kreuzzügen ins Land. Die Kreuzritter bauten die Stadt dann zu einer Festungsstadt - der Festungsstadt - aus.

Hier hatte der Ritterorden der Johanniter (jetzt: Malteser) seine große Zeit. Die Festungsanlage von Akko ließ jede europäische Burg der Zeit wirken wie die Schwimmhalle Hohenschönhausen im Vergleich zu den Londoner Olympiaanlagen von 2012.



Kein Wunder, dass die Ritter vom Heiligen Lande in Europa nicht den besten Ruf hatten. Zu einer Zeit, in der die anderen Ritter im Dunkeln auf klammen, zugigen Burgen in Wales saßen und mühsam den Kamin anheizten, saßen die Kreuzfahrer in einer sonnenbeschienenen gigantischen Festung, hatten Zugang zu Seide, Gewürzen und Zucker. Das warme Meer brachte Fische direkt an den Strand.

Sonntag, 4. Februar 2018

Schwimmbad Dahlen. Schwimmen in der Schwimmhalle Hüttenweg

Das Pionierbad liegt im Wald. Es hat fast immer geschlossen. Seine eigenwillige Geschichte ist nicht dokumentiert. Eine Betrübnis.

Einst war Berlin keine deutsche Stadt im engeren Sinne. Berlin stand unter alliierter Oberhoheit. Die Bedeutung der Alliierten war in den späten 1940ern und frühen 1950ern stark ausgeprägt, ließ dann aber nach. Die Stadt wurde immer DDR‘riger (Osten) beziehungsweise bundesrepublikanischer (Westen). Einige Besonderheiten bewahrte sich die Stadt dennoch.

Abbildung der Schwimmhalle Hüttenweg von der Eingangsseite. Zwei Fahnen der Berliner Bäder Betriebe. Gut zu erkennen ist die erhöhte Hallendecke unter der das Drei-Meter-Brett liegt.
Schwimmhalle Hüttenweg. Hier die Eingangsseite.


In Westberlin beispielsweise existierten drei große alliierte Wohn- und Stationierungsgebiete. In Wedding/Reinickendorf lag die französische Cité Foch, in Gatow wohnten die britischen Truppen und in Dahlem die Amerikaner. Zu allen diesen Wohngebieten Gebieten gehörte mindestens ein Schwimmbad – einst nur für die Alliierten zugänglich, nach der Wende für alle. Das Bad in Dahlem war das erste dieser Bäder, das komplett neu entstand und nicht einfach die Weiternutzung eines alten Bades und es gehört zu den frühen westdeutschen Typenbauten.


 
Dann begann das große Berliner Bädersterben der Jahrtausendwende. Das Bad in Gatow existiert nicht mehr. Das französische Bad der Cité Foch wurde auch letztens abgerissen. Einzig die amerikanischen Bäder in der Finckensteinallee und im Dahlemer Hüttenweg unweit des Jagdschlosses Grunewald existieren noch(*). Es ist Teil des Cole Sportzentrums, das wiederum direkt an das Alliiertenmuseum anschließt – hier gibt’s Westberliner Geschichte in größeren Mengen.