Dienstag, 22. August 2017

Schwimmbäder nah und fern: Prinzenbad, Berlin-Kreuzberg

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Das Prinzenbad.

Manche Liebe dauert länger. Auch wenn ich alle Schwimmbäder irgendwie ja doch liebe, taten Prinzenbad und ich uns schwer miteinander.

Da war zum einen der Hype: das Prinzenbad ist DAS Berliner Bad, glaubt man Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und Filmen. Und dann war da das Bad selbst – eher durchschnittlich in der Anlage, das Publikum zu homogen, zu jung und zu schön. Bei den Sanitäranlagen handelte es sich um eine wenig bemerkenswerte Achtziger-Jahre-Anlage. Wenn man da an die echten Berliner Perlen und Charakterbäder denkt wie das Paracelsusbad, das Stadtbad Mitte, das Columbiabad, das Bad Zingster Straße, die Finckensteinallee, das Stadtbad Neukölln, oder die Holzmarktstraße, dann steht man staunend vor dem Prinzenbad. Warum machen die alle so ein Gewese?

Einzig die vorbeirauschende U1-Strecke der U-Bahn bietet etwas Flair. Und ausgerechnet dieses Bad rechtfertigt ein eigenes Blog, ein eigenes Buch, unfassbare Besucherzahlen und einen Dokumentarfilm? Dafür, wie durchschnittlich dieses Bad eigentlich ist, war mir der Hype immer zu heftig.



Aber dann, doch noch. Letztlich kann ich einfach nicht in ein Schwimmbad gehen, ohne hingerissen zu sein. Ich war beim letzten Besuch schon anfangsversöhnt, weil ich einen jungen Mann sah, der mit einem Stift längeren Text in ein Notizbuch schrieb und dann eine Frau, die mit einer Staatsbibliothek-Berlin-Tüte auf dem Handtuch saß.

Und dann, ich stand ich am hinteren Ende des Sportbeckens. Das Licht entwickelte sich Richtung abendlicher Färbung, durch eine Lücke in den Bäumen hindurch sah ich die Dachspitzen des Neuen Kreuzberger Zentrums – 70/80er-Jahre-Betonhochhäuser mit versuchtem Design; über diesem umrundete vor oranger-roter-Himmel ein Schwarm Krähen futuristische Fernsehantennen und Dachaufbauten. Diese nostalgische Achtziger-Siebziger-Jahre-Moderne, ein mittelbedrohlicher Vogelschwarm im Sonnenuntergang; ein Endzeit-Cyberpunk-Ausblick, während ich selbst in der Sonne im Freibad stehe. Und da hatte das Prinzenbad auch mich gepackt und ich war begeistert.
Das Sommerbad Kreuzberg, wie das Prinzenbad offiziell heißt(*), entstand 1954-1956 ungefähr zeitgleich mit dem Sommerbad Mariendorf (NICHT das Sommerbad beim Kombibad Mariendorf) und dem Sommerbad Wilmersdorf.  Um genau zu sein, wurden die Bäder in Wilmersdorf und Kreuzberg am Pfingstsonnabend im Mai 1956 mit zwei Stunden Abstand eröffnet. Das Prinzenbad um 13 Uhr, das Lochowbad um 15 Uhr.

Bau und Planung des Kreuzberger Bades begannen als erstes, dauerten aber aufgrund verschiedener Komplikationen länger. Nur haarscharf rettete es sich mit dem früheren Eröffnungstermin vor dem Wilmersdorfer Bad über die Ziellinie. Gebaut wurde das Bad vom Hochbauamt Kreuzberg und wie damals üblich mit weiten Wiesen, einer großräumigen freien Anlage und dem Bedürfnis nach Licht und Weite.

Idyllisch liegt es ja. Hinter den Bäumen am Kanal (rechts): das Prinzenbad.


Das Bad entstand, wie das Wilmersdorfer Bad auch und beispielsweise 30 Jahre später auch das Bad am Ernst-Thälmann-Park auf dem Gelände eines ehemaligen Gaswerks. Während die Hinterlassenschaften des Gaswerks in Wilmersdorf und Prenzlauer Berg weitgehend friedlich blieben, entdeckte man 1976 bei der Verlegung von Gasleitungen auf dem Gelände des Prinzenbads umfangreiche Giftreste im Boden. Teer und nochmal Teer.

Anscheinend war man beim ersten Bau etwas schludrig gewesen, musste nun die Folgen auslöffeln beziehungsweise eher wegbaggern. Es handelte sich um die größte Bodenverseuchung West-Berlins, die zu einer neunjährigen Baustelle und letztlich fast dem kompletten Abriss und Neubau des Bades führte.

Fast der gesamte Grund und Boden in bis zu 20 Metern Tiefe - samt der Freibadanlagen darauf - wurde abgetragen und dort neuer Boden aufgeschüttet. Der Bau zog sich bis Anfang der 1980er hin mit dem Erfolg, dass das Prinzenbad fast keine Bestandteile von vor 1984 hat. Dank Neubau, Abriss, Sanierung und erneutem Neubau ist es vermutlich auch das teuerste Bad, das Berlin je gebaut hat.

Gelände


Das Bad liegt zentral in Kreuzberg, etwa auf halber Strecke zwischen Bergmannstraße und Oranienstraße, knapp nördlich des Landwehrkanals, an der U-Bahnlinie U1, nicht allzu weit vom Kottbusser Tor (mit dem Neuen Kreuzberger Zentrum) im Norden und dem Baerwaldbad im Süden. Das Gelände ist zwischen U-Bahn, diversen Straßen und dem Landwehrkanal eingeklemmt.

Mittemang in Kreuzberg am Kanal. Open Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Weiße Kacheln am Eingang. Das wirkt schon sehr wie das Neue Kreuzberger Zentrum und sendet ein wenig die Botschaft aus „hier wird kein Spaß gehabt.“ Die Eingangswege sind eng begrenzt, keine Chance mit einer Mehrfachkarte einfach gemütlich an der Schlange der an der Kasse wartenden vorbei zu laufen. Je nach Andrang erfordert das entweder Geduld oder eine gewisse Penetranz des Sich-Durchdrängelns.

Und, wir sind in Kreuzberg, auch an der Kasse streitet lautstark ein älterer Mann mit Kassenkraft und Security, ob er die übrigen Eintritte seiner „Sommerbad-Saisonkarte“ für billig an Schwimmbadbesucher verkaufen darf oder nicht. Sie einigten sich dann darauf, dass sie nichts dagegen tun können, wenn er 10 Meter Schamabstand zur Kasse hält.

Der Eingang ist ziemlich zugebaut mit Umkleiden, Bistro und ähnlichem, dahinter ein weiter großer Beckenbereich. Auch hier sind die Becken optisch von den umliegenden großen Wiesen getrennt, aber am Becken selbst sind noch einige Freiflächen und eine Sonnenterrasse, so dass es schon kurz hinter dem Eingang geräumig und angenehm wirkt.

Umkleiden etc.


Ah! Endlich! In allen Berliner Bädern findet man problemlos Stellen, wo mal jemand mit dem Schraubenzieher und ein paar Ersatzteilen vorbeikommen könnte und wo man denkt „ab und an eine heftige Grundreinigung hätte auch was für sich.“ Aber diese Personen mit Schraubenziehern und Hochdruckreiniger scheinen niemals da zu sein. Jetzt weiß ich, wo die Personen alle sind: in Kreuzberg.

Das Bad ist gewienert, gepflegt und glänzt, ich hatte zwischendurch schon Angst, aus Versehen nicht mehr in Berlin zu sein. Aber so ist das wohl halt, wenn Dreiviertel der Berliner Hauptstadtpresse in fahrradweite dieses einen Bades wohnt..

Ansonsten: das Pavillonmodell der 1980er, wo jeweils einzelne Gebäude mit Umkleiden, Duschen etc. direkt hinter dem Eingang liegen. Kenne ich das aus anderen Berliner Bädern im Backsteinfassadendesign, dominiert hier die weiße Kachel und die entsprechenden Kabinen und Duschen sind einfach auffindbar.

Und die sind dann so gepflegt, dass man denkt nicht mehr in Berlin zu sein.

Becken


Immerhin: zwei 50-Meter-Becken. Ein Schwimmerbecken, auch genannt Multifunktionsbecken oder auch Terrassenbecken mit 50 Metern und sechs Bahnen direkt hinter dem Eingang, ein ziemlich großes Nichtschwimmerbecken mit zwei Brunnen und einer kleinen Rutsche und dann, etwas versteckt, noch ein „Sportbecken“ mit 50 Metern und acht Bahnen. 

Das Terrassen/Multifunktionsbecken kam erst einige Jahrzehnte später hinzu. Was es dort sollte, weiß es glaube ich bis heute nicht. Ppen Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Das Terrassenbecken ist jenseits der zwei Meter tief. An seinem hinteren Ende lag wohl einmal ein Sprungturm, auf jeden Fall geht es dort noch mehr ins Tiefe. Der hintere Bereich ist abgesperrt, sodass man die 50 Meter nicht wirklich durchschwimmen kann. Dort tollen irgendwelche Kinder herum. Eigentliches Hauptfeature des Beckens sind aber anscheinend die Steinterrassen direkt am Becken, auf denen man sich ausstrecken und sonnen kann und die wohl der Hauptort des Sehen- und Gesehenwerdens im Prinzenbad sind, wie ich dem einschlägigen Fachbuch entnahm.

Das Nichtschwimmerbecken ist das Berliner Sommerbad-Standardmodell, das sich so annähernd baugleich auch schon am Insulaner oder im Sommerbad Mariendorf sah. 

Das Sportbecken liegt relativ versteckt. Überraschenderweise und unsportlicherweise ist es sowohl wärmer als auch flacher als das Multifunktionsbecken, dafür aber mit seinen acht Bahnen auch größer.  Zum Ende hin wurden es dann 120cm Tiefe, was das Wenden zur Herausforderung macht.

Die Becken ist an allen Seiten von Mauern umgeben, der Platz drumherum ist schmal. Das hindert Menschen nicht daran, hier zu liegen und zu lesen – vermutlich, weil er der ruhigste und entspannendste Teil des ganzen Kreuzberger Bades ist, und man als ambitionierter Schwimmer halt auch direkt ins Becken hüpfen kann.

Das Publikum im Sportbecken war ein deutlich anderes, das war tatsächlich zum Schwimmen gekommen – mal mit mehr mal mit weniger sportlichem Ehrgeiz, aber halt auch nicht zum Baden.

Publikum


Kreuzberg halt. Schöne, hippe, junge Menschen trieben sich im Bad herum; und davon ziemlich viele. Für ein Freibad ist das Publikum überdurchschnittlich sportlich, für Kreuzberg sind überraschend wenige Besucher anwesend, die nach Migrationshintergrund aussehen und sonst ist das Publikum halt genauso öde und uniform auch, wie das was mensch in Kreuzberg mittlerweile auf der Straße sieht.

Nett immerhin die junge Frau mit wilden Tattoos in echter Sport-Vereins-Schwimmanzug, dementsprechender Badekappe und Schwimmbrille und dementsprechendem Schwimmstil.

Im Multifunktionsbecken waren ein paar Kinder, im Nichtschwimmerbecken natürlich viel mehr. Im Sportbecken wurde sehr sportlich geschwommen und die Menschen auf der Terrasse wirkten auch alle jung und sportlich. Sympathiepunkte gab es immerhin dafür, dass viele Menschen echte Bücher lasen, die Staatsbibliotheks-Tüten und den jungen Mann mit Notizbuch.

Ganz großes Kino boten die kleinen Mädchen, die vom Beckenrand aus einen Radschlag ins Schwimmbecken machten. Ich war neidisch.

Gastronomie


Der übliche Schwimmbadkiosk  mit dem üblichen Schwimmbadprogramm aus Pommes, Wurst und Schnitzel. Aber in der großen Version mit verschiedenen Würsten, belegten Broten, Kuchen und einer ganzen Batterie an Softdrinks. Mir haben sie netterweise auch einen Espresso verkauft, obwohl der gar nicht auf der Karte stand und dann auch noch den Tassenpfand erlassen, weil ich mein letztes Bargeld schon für den Espresso (2,50€ - ich hatte nicht viel dabei) gegeben hatte.

Sonstiges


Flair und Stilpunkte gibt es für die vorbeifahrende U-Bahn, die man von großen Teilen des Geländes hören und von Teilen der Liegewiese auch aus sehen kann. Da fühlt man sich mal wie in der Stadt.
Ansonsten: offensichtlich gehen alle Leute, die nie in Freibäder gehen, dann mal ins Prinzenbad. Und dann erzählen sie, dass es knallevoll war und man selbst auf der Wiese kaum mehr Platz bekam. Na, aber wenn alle Leute in dieses eine Bad..

Großes Drama, soll das Sportbecken entkachelt und durch ein Metallbecken ersetzt werden, später dann auch die weiteren Becken. Was in Kreuzberg natürlich nicht ohne Bürgerinitiative geht. Nun kann man bei der Kachel/Metallfrage verschiedener Meinung sein: ich kenne Anhänger von Beidem. Ich persönlich mag die Optik beim Metall lieber und die Haptik der Kacheln, aber wenn es ums Prinzenbad geht, geht es natürlich gleich um "ein einzigartiges Baudenkmal in Berlin" und "Das magische Blau des Wassers ist durch den Einbau von stahlgrauen Edelstahlbecken verschwunden und damit auch alle Assoziationen an Ozeane, an Himmel, an Weite und an Unendlichkeit." - also ich stehe ja echt auf Weite und auf Ozeane. Aber inmitten der Prinzenbadmauern, übertönt von der U-Bahn und mit den schwarzen Bahnen-Balken am Boden "das magische Blau des Wassers" - ?

Große Party: Anfang August war im Bad der Queer Summer Splash.


Preise


Preise: das übliche. 5,50€ Normaleintritt und die Öffnungszeiten bestimmen die Berliner Bäder offensichtlich, indem sie einmal das Woche das Qi Gong werfen.

Weiterlesen


Berlin hat viele andere schöne und spannende Bäder. Die Iberty-Schwimmbadposts liegen unter: Schwimmbäder nah und fern: Rückblick und Ausblick.

Wenn ein Bad in Berlin in der Zeitung ist, dann dieses. Es hat sogar einen eigenen Blog  bei der taz.

Wenig überraschend handelt es sich beim Prinzenbad auch um das einzige Bad mit einem eigenen Buch. Das Buch bietet ein wenig Geschichte, einige Anekdoten und Kurzinterviews mit Menschen, die dem Bad verbunden sind oder waren. Von Anspruch und Aussagekraft her eine typische Freibadlektüre, aber doch so recht unterhaltsam.



Ach, dieser Hype. Wenn mal ein Berliner Bademeister porträtiert wird, dann natürlich der des Prinzenbads. Wenn mal ein Fuchs im Bad erschossen wird, wollen gleich die Piraten eine Mahnwache veranstalten. Was auch immer die Zeit dazu gebracht hat, Elisabeth von Thurn und Taxis das Prinzenbad besuchen zu lassen – ich weiß es nicht. Langeweile? Drogen? Immerhin bringt der Artikel zum Besuch der Gräfin die Erkenntnis, dass man im Normalfall in Berliner Bädern weder abgestochen noch ausgeraubt wird- 

Zu einem eigenen Film hat es das Bad auch gebracht. „Prinzessinnenbad", ein Dokumentarfilm von 2005 über die Jugend in Kreuzberg“ hat die ein oder andere Auszeichnung gewonnen und wurde einmal im deutschen Feuilleton herumgereicht (Hier beispielsweise die FAZ). Dabei gilt auch hier, dass der Hype und das reale Leben manchmal in Konflikt geraten. Einige Jahre nach den Dreharbeiten sagten die Mädchen:

Im Januar 2007, kurz vor der Berlinale, sahen die Mädchen den Film dann zum ersten Mal. „Es war eine Katastrophe“, sagt Tanutscha. „Klara und ich waren schockiert. Mina hat sogar geweint.“ Sie hatten das Gefühl, dass aus dem Rohmaterial nur die schlimmsten Szenen ausgewählt wurden. „Wir hatten im Film alle unsere Rollen“, meint Klara. „Tanutscha war die Aufmüpfige, ich die ganz Kaputte und Mina die, die alles super hinkriegt.“ Ändern konnten sie an dem Film nichts. Sie hatten ihr Mitspracherecht am Schnitt abgetreten. Heute würden sie den Film nicht noch einmal machen, sie würden auch keinen Bekleidungsgutschein im Wert von zweihundert Euro als Entlohnung akzeptieren.

Der Spielfilm Prinzenbad von 1993 hingegen spielt in Budapest, und sei hier deshalb nur am Rande erwähnt „Prinzenbad“ ein Spielfilm von 1993, der mir spontan sympathisch klingt

Fazit


Über das Bad lässt sich besser lesen als wirklich anwesend zu sein. Als Gelände mehr Flair haben Mariendorf oder Wilmersdorf beispielsweise, das „harte, echte“ Berlin gibt es im Columbiabad oder in Pankow. Nur diese Ruhe im Sportbad und dann der Blick auf das Neue Kreuzberger Zentrum – das hat was.

Anmerkungen


(*) Zum Baubeginn lobte Kreuzberg einen Namenswettbewerb mit öffentlicher Abstimmung aus. Damals setzte sich "Kreuzberger Badewanne" durch. Den Namen mit der Badewanne verschwiegen dann aber in den späteren Jahrzehnten alle Schwimmbadbetreiber peinlich berührt.

 




Kommentare:

schwimm-blog-berlin hat gesagt…

Ich war zuletzt zum Queer Summer Splash im Sommerbad Kreuzberg. Leider hat es mich wieder nicht gepackt...Durchschnittlich, eher sogar unterer Durchschnitt.

Und, als ich so da saß, dachte ich: Ja, genau. Das ist es warum das Bad so gehypt wird. Es ist Durchschnitt. Was alle irgendwie kennen. Aus ihren Heimatbädern
-Kreuzberg, der Ort an dem man vor dem Mauerbau sein musste und den noch heute die Mystik der damaligen Zeit umgibt. Der Ort am dem "sie" sein wollen. Medienschaffende, Künstler, all die, die nicht Spätzle genannt werden wollen ;-) jeder findet im Sommerbad Kreuzberg etwas aus jedem X beliebigen Freibad in Westdeutschland. Das Zuhause Gefühl.
Und auch wenn es mich nicht packt, Durchschnitt ist etwas durchaus schönes. Ständige Extravaganz ist anstrengend



dirk franke hat gesagt…

Das kann es tatsächlich sein. Ich hatte im Text schon "Hannover" als Referenz für einen durchschnittlichen Ort stehen - bis mir auffiel, dass ich ja aus Hannover komme und die Bäder dort spezieller sind als das Prinzenbad :-) Aber ich glaube das trifft es: einerseits natürlich die Lage - für große Teil der schreibenden Zunft ist das Bad das nächstgelegene - andererseits halt dass es ziemlich generisch ist. Weder als Bau einzigartig, das Publikum war mal irgendwann wild, gehört mittlerweile aber definitiv zu den zivilisiertesten der Berliner Bäder. Und selbst die Tatsache, dass es besser gepflegt ist als die meisten anderen Berlner Bäder entspricht ja eher dem westdeutschen Standard. Ein grundsolides Westdeutsches Bad mit ein paar Berliner Accessoires (U-Bahn, Vorgeschichte, die netten schönen jungen Menschen reden englisch oder spanisch oder italienisch) - das scheint anzukommen.