Samstag, 10. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Kombibad Mariendorf, Sommerbad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Sommerbad im Kombibad Mariendorf.

Ein Bad mit Prominenz: Liegt hier in Mariendorf doch das Sommer-Zweitwohnzimmer des Schwimmbadblogs. Ein Bad ohne Zukunft: das ganze Kombibad mit Hallenbad und Freibad demnächst der Abrissbirne zum Opfer fallen und durch etwas Neues ersetzt werden. Ein Bad mit Verwechslungsgefahr: Gibt es doch auch nicht nur das Sommerbad bein Kombibad Mariendorf, sondern auch noch das Sommerbad Mariendorf, das ein gutes Stück weiter nördlich neben dem Volkspark Mariendorf liegt. Und ein Bad mit Park, und was für einem.

Update: das Schwimmbadblog wies darauf, dass ihr Sommerwohnzimmer das andere Mariendorfer Sommerbad ist. Aber natürlich ist sie auch ab und an hier anzutreffen.



Das heutige Bad ist Teil des Kombibads Mariendorf und besteht auf einem Hallenbad (siehe Iberty vom Januar) und dem Freibad. Zum Freibad gehört eine Riesenwiese und diverse Becken. Die Berliner Bäder Betriebe haben sich große Mühe gegeben, das Bad geschickt zu verstecken. Eigentlich ist es ganz einfach: man fahre vom Mehringdamm aus nach Süden. Dann fahre man weiter nach Süden und wenn man das Gefühl hat, Berlin schon verlassen zu haben, fahre man noch ein Stück nach Süden. Irgendwo etwas abseits der Straße hinter diversen Mehrfamilienhäusern liegt das Bad.


Obwohl ich bereits diverse mal mit Bus und Auto am Mariendorfer Bad war, habe ich jedes mal mit dem Fahrrad echte Probleme auch nur den Eingangsbereich zu finden und drehe gerne noch die ein oder andere Schleife durch die angrenzen Wohngebiete. Die Schilder sind spärlich und zeigen auch eher so vage grob in die Richtung, in der das Bad liegen könnte. Aber damit teilt das Bad so ein wenig das Schicksal Mariendorfs: nach Mariendorf findet ja auch niemand hin.

Gelände


Mann, ist das groß mann. Das ist keine Freibadwiese, das ist ein ausgewachsener Park. Und er ist echt schön. Aber wie das Bild selbst auch gut versteckt: der Eingang mit einem kleinen Häuschen, verkleidet mit Kieselwaschbeton, ist maximal unbeeindruckend. Direkt dahinter - wie soll ich es höflich sagen - ein recht schmaler Gang, rechts eine anämische Hecke und so eine Art Bast-Sichtschutz, links das Waschbetongebäude des Hallenbads, ein traurig aussehendes Minibiergärtchen, mehrere Fenster an denen es Eis und Pommes geben würde wenn sie offen wären  – und das was wohl im letzten Jahrtausend eine Markise war, ich jetzt aber als Reste von Stoffbahnen bezeichnen würde. Von Park, Wiese, Wasser, Rutschen komplett gar nichts zu sehen. Das ist bisher der verbauteste Schwimmbadeingang den ich je in Berlin gesehen habe. Wie schrieb ich schon beim Hallenbad „das Kombibad Mariendorf macht es schwer, es zu lieben.“

Aber es geht doch. Um die Ecke gebogen, gelangt man auf’s Gelände. Das Becken ist theoretisch direkt hinter dem Eingang, aber durch Bäume und Büsche verborgen, so dass es nur zu hören und nicht zu sehen ist – das bleibt übrigens so: Sofern man nicht im Becken ist, kann man es im ganzen Bad nur hören, aber niemals sehen. Der Weg über die Wiese beginnt. Die ist wie gesagt groß, hat das Format von größerer Wiesen im Tiergarten oder im Gleisdreieck-Park, hat zum Ende hin leichte und geschmackvolle Niveauunterschiede und ist ansonsten in lockerem Abstand von älteren Bäumen bewachsen. Selbst ohne Bad gäbe das eine sehr gute Parkwiese. Sonst stand noch ein – nur bei strahlendem Sonnenschein offenes – Trampolin herum und ich glaube irgendwo weiter hinten waren auch weitere Sportmöglichkeiten.


Umkleiden etc.


Anscheinend haben die Berliner Bäder das Ziel, das in wirklich jedem Bad die Konstellation aus abschließbaren Schränken und Wertschließfächern anders ist. Im Sommerbad Wilmersdorf beispielsweise liegen die Wertschließfächer hinter dem Eingang im Schwimmbad, den Schlüssel gibt es gegen einen Euro Pfand, während man für die altersschwachen Schränke ein eigenes Schloss mitbringen kann. Im Hallenbad Wilmersdorf liegen die Wertsclißefächer im Foyer vor dem Drehkurz, in den ganzen Kombibädern in den Hallen im Foyer hinter dem Drehkreuz und in Schöneberg liegen Sie in der Halle. In Mariendorf nun wiederum liegen die Wert-Schließfächer vor dem Drehkreuz (etwas blöd, um an sein Schließfach zu gelangen muss man das Bad verlassen), und man benötigt mitgebrachte Vorhängeschlösser. Dafür nehmen die Schränke Münzpfand und wirken immerhin etwas solider als im Sommerbad Wilmersdorf.

Zu den Kabinen ist es ein langer Weg und auch die Kabinen sind in wenig beeindruckenden Gebäudchen mit Kieselwaschbeton untergebracht. Aber dann: abschließbare heile (!) Schränke in gutem (!!) Zustand. Kabinen in denen das mobiliar weitgehend komplett ist. Und die erste Berliner Freibaddusche, ich freiwillig benutzt habe ohne langsam rückwärts wieder den Duschraum zu verlassen. Es war überraschend.  Aber die Dusche wirkte schon fast einladend.

Schwimmen


Ein Becken für Schwimmer (50 Meter! 8 Bahnen, keine davon irgendwie abgetrennt) und ein großes Becken für Nichtschwimmer. Das Schwimmbad hatte einen kleinen warzenartigen Fortsatz an dem ein Drei-Meter-Brett stand, irgendwo (nicht im Schwimmbecken!) endete auch die Wasserrutsche. Die Becken gewinnen keine Designpreise, sind aber funktional.

An sich finde ich die optische Trennung Wiese/Becken eher bedauerlich, den Schwimmer entgeht so der Blick in den Park, der Rest des Bades ist optisch von seinem Zentrum abgeschnitten - aber immerhin entstand so recht überzeugend die Illusion an einem Teich im Wald zu schwimmen.
Originell übrigens dass die Planen zur Abdeckung des Beckens auf großen Rollen direkt an einem Ende des Beckens angebracht sind. Immerhin kann einem aus der Richtung dann niemand ins Kreuz springen. Gerade bei heißer Sonne liegt unter den Planen auch ein recht angenehmer Schattenplatz.

Schon fast possierlich sind die fünf oder sechs Strandkörbe neben dem Becken. Vielleicht kann man sie mieten? Bei strahlender Sonne jedenfalls war einer belegt und die anderen gegen Nutzung gesichert, bei schlechterem Wetter waren sie alle zu.

Publikum


Wo kommen sie alle her? Selbst an einem wettertechnisch durchwachsenen Tag, war es überraschend voll, bei etwas mehr Sonne – aber noch unter 30 Grad - wurde es langsam schwer, auch nur Platz zum Schwimmen zu finden. Nun ist Mariendorf gefühlt der Stadtteil mit der höchsten Rollatordichte Westberlins und das setzt sich dann im Bad auch fort. Geschwader älterer Damen in Viererformation schwammen natürlich auch durch das Becken. Aber insgesamt ist der Altersschnitt der Freibadbesucher fast immer jünger als im Hallenbad und letztlich war das auch hier so.

Gastronomie


Das Restaurant Poseidon hatte ich ja schon beim Hallenbad gelobt und das Lob kann ich fortsetzen.  Sehr freundlich, sehr schnell, die Pommes waren mit am obersten Ende dessen was deutsche Schwimmbäder so zu bieten haben. Okay, das ganze Ensebleme wirkt baulich desolat, die Markise wirkt so als hätte sie noch Nicoles Grand-Prixs-Erfolg miterlebt und der Biergarten macht depressiv – aber wenn mir klar ist, dass sowieso demnächst alles abgerissen wird, würde ich auch keine neue Markise anschaffen.

Sonstiges


Die Dame um die 80(?), mein Format aber kleiner, sehr blond, eine Sonnenbrille von der Größe eines Topflappens, schwamm im Toter-Käfer-Stil (Brust-Rückwärts)und vor ihr huppelte so ein rosa hohler Tüddel. Sah in etwa so aus, wie der Griff, an dem man ziehen muss, um die Flugzeug-Rettungsweste aufzublasen. War es ein Accessoire des Schwimmanzugs? Die Rettungsweste? Das Behältnis für den 50-Euro-Schein? Oder die Asche des toten Dackels? Groß! Und nur in Mariendorf.

Auch Mariendorf: ich sichtete die originalen Blümchen-Badekappen. Juche!

Preise/Öffnungszeiten


5,50 Berliner Normalpreis. Öffnungszeiten: Ja, was weiß ich!? Die Berliner Bäder haben mit mich mit ihren Freibadöffnungen derart verwirrt, dass ich kapituliere. Aber das Schwimm-Blog kennt sich mit den Zeiten aus.

Fazit

Hinter den sieben Häusern, der Trabrennbahn, den vielen Tankstellen und der 80er-Revival-Minieinkaufszone planschen überraschend viele Menschen in einer Mischung aus Park und Teich im Wald. Funktional und sinnig, unprätentios, in vielerlei Hinsicht gut versteckt - aber fast perfekt, wenn es darum ginge einen normalen, entspannten Freibadbesuch zu genießen.

Kommentare:

schwimm-blog-berlin hat gesagt…

Und wieder einmal treffend und schön beschrieben.
Selbst wenn das Bad nicht genannt worden wäre, ich hätte es sofort erkannt. Sie waren (fast) alle da. Die Stammschw...gäste.

Geöffnet ist das Bad von 7 - 19 Uhr bei schönem Wetter bis 18.09.

Liebe Grüße
schwimm-blog-berlin

dirk franke hat gesagt…

Danke sehr. Und die Sache, dass ich bei der Veortung Deines Wohnzimmers mal wieder die beiden Bäder verwechselt habe, ist mittlerweile auch geändert.