Montag, 16. April 2018

Schwimmbad Friedrichshain? Nein.

Friedrichshain, Du Hort vergangener Schwimmbadherrlichkeit. Friedrichshain – der Berliner Ortsteil am nördlichen Spreeufer, direkt östlich von Berlin-Mitte-Mitte-Mitte. Hier war schon Arbeiterviertel als in Kreuzberg und Wedding noch die Kartoffeln auf den Äckern blühten.

Friedrichshain war der Ortsteil Berlins, an dem einst das prächtigste Freibad der Stadt lag. In Friedrichshain erblickten mehrere Badtypen das Licht der Welt. Die frühe DDR trug hier ihre Sportwettkämpfe aus. In Friedrichshain stand das erste und einzige Spaßbad der DDR. Wenn es um Berliner Schwimmbäder ging, war Friedrichshain stets dabei.

Bild: Kühle Duschen für Groß und Klein im Freizeitpark des Sport- und Erholungszentrums.
Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-1982-0723-028 / Zimmermann, Peter / CC-BY-SA 3.0

Was wurde aus Dir, Friedrichshain? Vom Quell des Berliner Schwimmsports hin zur heutigen Wüste. Einzig blieben das Badeschiff - als Symbol brauchbarer denn als Bad. Und es blieb ein 40 Jahre altes DDR-Bad mit Öffnungszeitenproblemen, welches uns bald verlassen wird. Der geschichtsträchtigste Ortsteil des Berliner Schwimmens wird bald auf dem Trockenen sitzen.

Bild: Übersichtskarte der Straßen und Ortslagen in Berlin-Friedrichshain von: Alexrk2 Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wenn Schwimmbäder für den Alltag der dort wohnenden Menschen stehen, so ist der Ortsteil von einem der lebendigsten Ortsteile Berlins zu einem Schatten seiner selbst geworden.

Es war einmal in Friedrichshain


Das prächtigste Freibad


Berlin früheste Flussbäder an der Spree lagen westlich von Friedrichshain. Die ersten Bäder betrieben ehemalige Halloren am Unterbaum, etwa auf Höhe des heutigen Bundestags, in Moabit. Aber keines dieser Bäder blieb so lange bestehen oder war so einflussreich wie die von Pfuel’sche Badeanstalt.

Ernst von Pfuel war ein preußischer Offizier, General und späterer preußischer Ministerpräsident. Er pflegte eine enge (erotische?) Jugendfreundfreundschaft mit Heinrich von Kleist. Von Pfuel prägte das Schwimmen im 19. Jahrhundert. Er „erfand“ das moderne Brustschwimmen, indem er es kodifizierte und erfand ebenso die Schwimmausbildung an der Angel.Von Pfuel eröffnete an allen Orten, an denen er als Offizier stationiert war, Militärbadeanstalten: in Prag, Wien und dann 1817 in Berlin.

Feier zum 50-jährigen Jubiläum der von Pfuel'schen Schwimmanstalt 1867 in der Spree.

Die Berliner Anstalt allerdings war bereits von Anfang an nicht nur für das Militär, sondern für die Öffentlichkeit, insbesondere Schulen, zugänglich. Die Anstalt bestand aus Holzbassins, die in die Spree hinein gebaut wurden. Die von-Pfuel'sche Badeanstalt galt mit ihren großen Bassins, ihrer umfangreichen Ausrüstung von „Springthürmen“ bis hin zu Rettungskähnen und der straffen Organisation vom Kassenwart bis hin zum Schwimmschüler als beispielgebend für Deutschland und Europa. An der von Pfuel’schen Anstalt in Berlin richteten sich direkt alle weiteren Militärbadeanstalten aus.

Das Bad selbst wurde irgendwann ein reines Freizeit- und Erholungsbad für die Öffentlichkeit. Es konnte über hundert Jahre seines Bestehens feiern und schloss erst 1933. Damit ist es immer noch das langlebigste und vermutlich auch bestbesuchte aller Berliner Freibäder jemals.

Zugeben muss ich, dass der Eingang und die Landanlagen der Badeanstalt auf der Kreuzberger Seite der Spree lagen. Allerdings gehört die Spree selbst an dieser Stelle zu Friedrichshain. Entscheidender Punkt für die Lage eines Schwimmbads ist ja wohl die Lage des Schwimmbeckens.

Das zweite Hallenbad der Stadt


Komplett in Friedrichshain, wieder direkt an der Spree entstand das zweite städtische Hallenbad der Stadt Berlin. Tatsächlich war es sogar jenes Bad, dessen Bau als erstes Begann, dann allerdings später fertiggestellt wurde als das erste städtische Hallenbad Berlins in Moabit

Das Volksbad Friedrichshain lag an der Schillingbrücke. Diese führt – unweit der ungleich bekannteren Oberbaumbrücke – über die Spree zwischen Kreuzberg und Friedrichshain und war Ort des zweiten echten Hallenbads Berlin. Entstand das erste Bad in der Arbeitergegend Moabit – nicht zuletzt um das ungewaschene Proletariat sauber zu kriegen und zu beschäftigen – so war es diesmal der Friedrichshain. Sozialstrukturell eine ähnliche Gegend wie Moabit und mit mindestens genauso viel ungewaschenem Proletariat versehen wie der Stadtteil weiter unten an der Spree.

Der Bau des Bades an der Schillingbrücke begann schon vor der Fertigstellung des Bades an der Turmstraße in Moabit. Konzept und Gestaltung waren ähnlich. Allerdings war der Ortsteil Friedrichshain bereits weiter in seiner Entwicklung gediehen; nicht nur, dass es mehr Proletarier gab, es gab auch weniger Platz zum Bauen und so musste das Bad zwischen andere Gebäude eingepasst werden.

Immerhin hatte es zwei Fronten – eine zur Straße und eine direkt zur Spree. Auch anders als in Moabit: bei aller Sparsamkeit, die der Bauherr walten ließ  hatte hier das Schwimmbecken eine Ädikula als schmückende Zutat sowie einen „gemütlich auf einer Muschel sitzender Frosch“, der unablässig Wasser in das Hauptschwimmbecken spie. Nicht verschwiegen werden sollen auch die „zwei geräumige, mit Büsten des Kaiserpaares ausgestattete Wartesäle“.

Die vorderen repräsentativen Flügel zur Straße hin nahmen Wannen- und Brausebäder auf – ein Konzept, das so im Wesentlichen noch mehrere Jahrzehnte erhalten blieb, während die Schwimmhalle mit dem großen Becken in den Hinterhof kam. Das Bad wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört (hier ein Foto von 1946) und nicht wieder aufgebaut.

Das „Stadion der Rekorde“


Die frühe DDR baute nur in Notfällen neue Bäder. Meist entstanden diese aus kommunalem Engagement mehr oder weniger am offiziellen Staatswesen vorbei oder die Bäder waren für Spitzensport und Repräsentationszwecke gedacht. Das erste Ostberliner Nachkriegsbad, das Friesenstadion im Volkspark Friedrichshain, gehört deutlich in die letzte Kategorie.

Es entstand 1951 in kürzester Zeit als Bad für die Weltjugendspiele, eine Art kommunistischer Olympiade. Dafür war es typisch für eine Zeit, in der die DDR eigentlich gar keine Bäder errichtete, es sei denn, es ging um Hochleistungssport und Prestige. Das Friesenstadion diente Beidem. Lange Zeit stand hier das Renommierbad der DDR, Ort für das Training und Wettkampfvorbereitung der Leistungskader, für Schwimmwettkämpfe und Meisterschaften.

Bild: Zentralbild Mittelstädt 29-8-69 Berlin:Deutsche Meisterschaften der DDR im Sportschwimmen vom 28. bis 31.8.69 im Friesenstadion-Unter sehr schlechten Witterungsbedingungen mußten die Schwimmer am 29.8.69 ihre Wettkämpfe austragen-Über 100-m-Rücken der Herren siegte Roland Matthes (Turb.Erfurt) in seinem Vorlauf. Von: Rainer Mittelstädt.
Bundesarchiv, Bild 183-H0829-0025-001 / CC-BY-SA 3.0


1958 schwamm Karin Beyer im Friesenstadion über 100 Meter Brust den ersten Schwimmweltrekord der DDR. Der trug sicher auch dazu bei, dass da Stadion einst den Beinamen „Stadion der Rekorde trug.“

Das Stadion hatte 50-Meter-Bahnen, war vollkommen wettkampfgerecht und zusätzlich befand sich im Stadion ein Sprungbecken mit 10-Meter-Turm. Auf den Tribünen konnten 8.000 Besucher das Geschehen verfolgen. Zum Gelände selbst gehörten weitere Sportanlagen wie beispielsweise eine Rudertrainingsanlage:

Wieder bei den Weltfestspielen der Jugend 1973, dem „Woodstock der DDR“, diente das Friesenstadion nicht mehr primär als Sportstadion, sondern als Veranstaltungsort. Im Anschluss an den „Karneval der Nationen“ findet hier ein Zirkus zu Wasser, zu Lande und in der Luft statt.

Bild: Zentralbild Ulmer-Wendorf Ulm-Ho. 6.8.1958 Alle für den Massensport geeigneten Sporteinrichtungen zur öffentlichen Benutzung freigegeben Die beiden Stenotypistinnen Steffi Kurze (rechts) und Barbara Ladwig sind zünftige Wasserratten. Ihnen hat es das Friesenstadion im Friedrichshain angetan. Von nun an werden auch sie zu den ständigen Besuchern dieser herrlichen Sportstätte gehören.Von: Rudi Ulmer.
Attribution: Bundesarchiv, Bild 183-57330-0001 / CC-BY-SA 3.0

Das Ende des Bades setzte mit seiner Modernisierung ein. 1963 bekam das Bad eine transportable Überdachung, die leider zuverlässig die Entlüftung störte, was die Bausubstanz angriff.   Anfang der 1970er zogen die Vereine TSC und KJS aus dem bereits damals maroden Stadion nach Richtung Norden nördlich der Werner-Seelenbinder-Halle. Der TSC allerdings nutzt das Stadion auch noch weiter bis zum Abriss. Hierzu gab es eine "blecherne" Trainingshalle (50m), im unmittelbarer Nähe zur Danziger Straße. Teile der Tribüne schloss die Baupolizei noch zu DDR-Zeiten 1987 aufgrund ihrer Marodität.

Da in den 1990ern anscheinend niemand in ganz Berlin Geld hatte oder die Notwendigkeit sah, Bäder zu erhalten, fiel auch dieses Bad dem großen Berliner Schwimmbadsterben der 1990er zum Opfer.   Das Bad stellte 1996 endgültig den Betrieb ein. Zur damaligen Mentalität gibt der Berliner Kurier Auskunft, der 1998 schrieb: Ein Schandfleck wird zum Schmuckstück: Das völlig verrottete Friesenstadion wird endlich abgerissen.(*)

Höhepunkt des DDR-Bauprogramms


Die Typisierung und damit weite Verbreitung der DDR-Schwimmhallen geschah in der Provinz. Es begann in Anklam mit Typ Anklam, dann folgte ein Bad in Bitterfeld aus dem der Typ Bitterfeld wurde. Nachdem hier mehr oder wenige lokale Lösungen staatsweit adaptiert wurden, war der sogenannte Typ C eine Neuentwicklung.

Schwimmhalle Weinstraße (nicht mehr vorhanden).


Aufbauend auf A und B sollte er schöner, größer und prächtiger sein. In den Jahren des Honecker-Antritts sollte Typ C eine neue „sanfte“ DDR symbolisieren, die ihren Einwohnern einen Lebensstandard bieten konnte, der sich hinter dem Westen nicht verstecken musste.

Es entstand Typ C. Ein Bauhaus-orientierter Bau mit klaren Formen, viel Glas, einem 25-Meter-Becken mit bester Aussicht in die Nachbarschaft. Dazu kam ein Nichtschwimmerbecken, eine Sauna, breite, geräumige Gänge. Die ganze Halle durchwehte ein kleiner Hauch von Luxus.

Schauseite der Schwimmhalle Holzmarktstraße in "Architektur der DDR" 1977-2 S. 78-81.


Das erste dieser Bäder, mit dem die DDR überzogen werden solle, entstand in Friedrichshain. Wie schon das Friesenstadion war auch hier der Volkspark Friedrichshain der Bauort – das Bad entstand an seinem Rande in der Weinstraße. Nun dauerte diese Phase der sanften DDR nicht sehr lange, das Geld reichte nicht für den versprochenen Luxus  und das Typ-C-Bauprogramm kam nie wirklich über die Berliner Stadtgrenzen hinaus.

Schwimmhalle Holzmarktstraße (2017)


Immerhin reichte es noch für ein zweites Bad der Bauart in Friedrichshain – diesmal wieder an der Spree in der Holzmarktstraße. Dennoch, falls die DDR jemals eine gute Phase hatte, dann waren es die frühen Honecker-Jahre mit den Weltfestspielen der Jugend 1973, einer vorsichtigen gesellschaftlichen Öffnung und eben diesem Schwimmbad. Es dauerte nicht lang.

Das Schwimmbad Weinstraße ist fast schon folgerichtig spurlos verschwunden. An seiner Stelle steht heute ein Aldi und niemand weiß nichts über das Bad. Die Schwimmhalle Holzmarktstraße immerhin steht noch, wenn auch unbeachtet und nur in seltenen Ausnahmefällen für die Öffentlichkeit zugänglich.


Das erste Spaßbad


Irgendwann Mitte/Ende der 1970er muss dann in der DDR das Zeitalter der Verzweiflung eingesetzt haben. Statt einem ebenso ambitionierten wie letztlich hoffnungslosen Programm wie dem Typ C verlegte sich das Regime auf reine Symbolpolitik. Keine flächendeckende Versorgung mehr, keine echte Verbesserung der Lage – Hauptsache groß und symbolisch.

Das nächste und letzte revolutionäre Bad des Staates lag wieder am Rande des Volksparks Friedrichshain: das SEZ. Erstes Spaßbad Berlins, eines der ersten Spaßbäder Deutschlands mit Bowlingbahnen, Eissporthalle, Restaurants und 1000 Angestellten. Ein großartiges Bild für das Fernsehen und Ereignis über welches das ganze Land mitreden konnte. Aber von Anfang an und allen bewusst wurde es geschaffen in einer Form, deren Wiederholung unmöglich war.

Bild: Sport und Erholungszentrum (SEZ) Badegäste mit Badekappe Von: Gerd Danigel. ddr-fotograf.de Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International


Hier wollte nicht einmal mehr jemand die Lage verbessern, hier wollte jemand gut aussehen. Die Peinlichkeit, dass das Bad ausgerechnet von einem Westkonzern gebaut wurde, musste dementsprechend verschwiegen werden.

Das SEZ entstand  1981 am Rand des Volksparks Friedrichshain. Erich Honecker zeigte die Bedeutung, die die DDR-Führung dem Bau beimaß, indem er den goldenen Schlüssel zum Bad persönlich annahm. Gebaut hatten das Bad offiziell schwedische Konzerne, tatsächlich aber baute Hochtief. Somit baute ein westdeutscher Konzern das erste Berliner Spaßbad – drei Jahre vor Eröffnung des Neuköllner Blubs und sechs Jahre vor Eröffnung des Wellenbads am Spreewaldplatz.

In seinen Hochzeiten besuchten anderthalb Millionen Gäste das Bad, die von über 1.000 Angestellten betreut wurden. Wobei das Bad zwar das Zentrum des Komplexes und seine große Neuigkeit bildeten, tatsächlich aber entstanden hier Sporthallen, eine Bowlingbahn, eine Tischtennishalle sowie Gymnastik- und Ballettsäle. Auch Veranstaltungsräume, Restaurants und eine Rollschuh- und Eisbahn.

Der Schwimmpalast wurde dann schnell zu teuer und eine Konzeptänderung hatte niemand im Plan. Nach einigen Jahren des subventionierten Durchschleppens, schloss der Senat das SEZ im Jahr 2002 ganz und gab das Gelände für einen Euro an einen Investor. Dieser betreibt dort seitdem ein Sportzentrum ohne Schwimmbad.

Mittlerweile streiten sich Investor und Stadt Berlin, weil der Senat das Gelände zurück haben will. Einig sind sich immerhin Stadt und Investor, dass beide dort Wohnungen errichten und sie beide die Reste des Freizeitzentrums abreißen möchten. Im November 2016 schließlich präsentierte der Berliner Senat einen Bebauungsplan für das Areal, der 800 Wohnungen vorsieht. Da wird das nichts mehr mit Schwimmen.

Was blieb


Das einzige echte Schwimmbad des Ortsteils ist die Schwimmhalle Holzmarktstraße. Gelegen beim Ostbahnhof am Holzmarkt, nicht weit entfernt vom RAW-Gelände. Eigentlich ein Filetstück, aber unbeachtet. Das Bad hat, wenn man Glück hat, zwischen 6.30h und 8.00h für die Öffentlichkeit geöffnet. Ansonsten dürfen hier nur Vereine und Schulen hinein – wenn das Bad nicht einmal wieder aus betrieblichen oder technischen Gründen ganz geschlossen ist. Oder aber den Sommerferien dann ganz und auf unbestimmte Zeit und mit hoher Wahrscheinlichkeit für immer. Dabei ist es ein spannendes Bad.

(Noch) der Rest der Friedrichshainer Bäder.


Das letzte weitgehend originale Bad des Typs C. Gebaut zum Schwimmen und zu diesem hervorragend geeignet. Somit sowohl als Gebäude interessant wie auch als Schwimmbad nützlich. Nur sind halt fünf offene Bahnen an bestenfalls 10 Stunden in der Woche am frühen Morgen für einen Ortsteil mit 130.000 Einwohnern nicht gerade viel.

Schwimmbadöffnungszeiten in Friedrichshain Mitte der 1990er. Zur Zeit sind es viermal die Woche von 6.30h bis 8.00h. Ab Sommer dann vermutlich gar nichts mehr.


Dann wäre da noch das Badeschiff, dessen Eingang eigentlich am Treptower Ufer der Spree liegt. Aber da die komplette Spree an dieser Stelle friedrichshainisch ist und das Schiff im Wasser liegt, ist es doch - siehe auch die von Pfuel'sche Badeanstalt - ein Friedrichshainer Bad. Das Schiff ist Ausdruck einer revolutionären Idee: wieder Baden in der Spree. Und als solches dem Ortsteil würdig.

Nur ist das Becken halt auch nur acht Meter breit. Angesichts seiner exponierten Lage und der Besuchermengen zum Schwimmen bleibt es somit komplett ungeeignet. Eine revolutionäre Idee in reduzierter Umsetzung. Das beste was Friedrichshain derzeit zu bieten hat,

Nebenan


Bedarf wäre da. Nicht in Friedrichshain, aber in der Nähe, liegen Bäder, die eigentlich bei jedem meiner Besuche bis an den Anschlag gefüllt waren: SSE oder Ernst-Thälmann-Park im Prenzlauer Berg, das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg, die Schwimmhalle Anton-Saefkow-Straße in Fennpfuhl. Zu jeder Zeit hatte ich in jedem dieser Bäder Probleme ausreichend Platz zum Schwimmen zu finden. Nur soll in Friedrichshain nichts entstehen.




Wellenbad am Spreewaldplatz. Das einzige echte öffentliche Hallenbad im gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit 300.000 Einwohnern.

Und wenn ich so in der Gegend schaue: das Prinzenbad. Immer brüllend voll. Das Wellenbad am Spreewaldplatz – trotz Sondergebühr und dem furchteinflößenden Umkleidetrakt. Jedes Mal voller Schwimmer.


Ach Friedrichshain


Ach Friedrichshain, du hattest das schönste und größte Flussbad der Stadt. Du warst Vorreiter mit dem zweiten Hallenbad der Stadt, dem ersten Typ-C-Bad der DDR und dem ersten Spaßbad der DDR. Das Friesenstadion war über Jahre eines der Top-Bäder des Staates, ebenso wie das SEZ Ausstrahlung über die DDR hinaus haben sollte. Welch Schwimmbadherrlichkeit! Und jetzt? Ein 40 Jahre altes Bad mit ernstlichen Öffnungszeitenproblemen und ein Kahn in der Spree, der nicht über den Status eines arbeitenden Konzeptes hinauskommt. Ach, Friedrichshain!


Zum Weiterlesen


Wie eigentlich immer an dieser Stelle empfehle ich das Standardwerk zum Thema: Bäderbau in Berlin. Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute von Uta Maria Bräuer und Jost Lehne.

Eine detaillierte Beschreibung der von Pfuel‘schen Anstalt um 1870 bietet das „Lehrbuch der Schwimmkunst: für Turner und andere Freunde der Leibesübungen und zur Benutzung in Schul- und Militär-Schwimmanstalten“ von Hermann Otto Kluge, erscheinen bei Ernst Mittler und Sohn . Komplett einsehbar über Google Books.

Zu den DDR-Typenbauten verweise ich auf B, C oder D. Eine Bestimmungshilfe.

Wer sich anhand tatsächlich noch vorhandener Schwimmbäder einmal durch die Berliner Schwimmbadgeschichte schwimmen will, orientiere sich an: In zehn Schwimmbädern durch die Berliner Stadtgeschichte

Die schönsten, historischsten, eigenwilligsten Bäder listete ich unter Schwimmbad Berlin: Die schönsten, irritierendsten und buntesten.

Alle Iberty-Schwimmbadposts liegen unter: Schwimmbäder nah und fern. Rückblick und Ausblick.

Anmerkung


In der Zeit des "Schandflecks" Friesenstadion entstand ein spannend klingender Kurz-Film zum Stadion: „Sportfrei“: von Anne Klamroth und Ines Thomsen:  Seit zwei Jahren sehen sich Rico, Enni, Tom, Steven und Christian jeden Tag in der Ruine des alten Friesenschwimmstadions in Friedrichshain. Manchmal sitzen sie nur auf den Zuschauerbänken und quatschen, meist aber betreiben sie ihre Art von "Sport". Sie spielen Hockey mit alten Dosen, Aschenbecherweitwurf von der Tribüne und Stuhldiskuswerfen vom Sprungturm. In der Dokumentation wird versucht ein Bild der Clique an diesem "ihrem" Ort zu zeichnen und damit auch das alte Friesenschwimmstadion zu porträtieren, als abgeschlossenen Raum, inmitten des Zentrums einer Großstadt, in dem sich eine Gruppe von Menschen ein Reich mit ganz eigenen Gesetzen geschaffen hat. /  Und der Film gewinnt immerhin den 1. Preis im deutschen Wettbewerb bei den Internationalen. Kurzfilmtagen Oberhausen

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