Die Wikipedia-Academy hat ja durchaus eine bewegte Geschichte voller Höhepunkte und Höhepunkten an Tiefpunkten. Ich denke mal, ich trete niemand zu nahe, wenn ich sage, dass die Academy seit einigen Jahren in einer veritablen Krise steckte.
Deshalb gibt es dieses Jahr eine Neukonzeption. Mit klarerer Ausrichtung, gezielterem Vorgehen, und in der Hoffnung, ein paar eingeschliffene Probleme zu lösen. Das hatte jetzt schon einigen Vorlauf, führte aber jetzt in einem achten Stock in Berlin-Wilmersdorf zum ersten Treffen des organizing committees - und ich war dabei(*).
Die Academy hat einen klaren Fokus auf Forschung über Wikipedia. Es wird also kein zweiter Wikicon, und die Hauptinteressenten dürften auch andere Forscher sein, keine Wikipedianer. Aber im Gegensatz zu manch früherer Academy scheinen alle Beteiligten durchaus sehr interessiert daran, Mitglieder aus Community dabei zu haben.
Der Plan in wenigen Monaten eine Academy auf die Beine zu stellen, erscheint sportlich aber machbar; zumal in der Art Weise wie das da im achten Stock angefangen hat.
Überhaupt: Alle Anwesenden (incl. Nicole, Angelika, Denis) besitzen ein sehr sympathisches Verhältnis zwischen persönlicher Kompetenz und allgemeiner Anspruchshaltung an die Welt. Die machen das.
Und genug inhaltliche Substanz für eine ganze Konferenz zur Wikim/pedia-Forschung scheint es auch es auch zu geben. Ich bin sehr gespannt, und erwarte das beste.
* Zur Sortierung persönlicher Wassersuppen: die Einladung war schon raus, bevor ich auch nur für das WMDE-Präsidium kandidierte. Ich fasse das also mal nicht als MdP-Tätigkeit auf
Es ist schon manchmal ein Fluch. Da steht man friedlich im frühen Waschbetonbau der Deutschen Oper in Berlin in der Warteschlange für eine Bionade, und hört seinen Mitmenschen zu (zwei F, ein M, 20+, so studentisch halt); und die unterhalten sich, ob der Wikipedia-Artikel zum Stück nun etwas taugt oder nicht.. Weniger irritierend: der agitierte ältere Herr hinter uns, der sich am Ende über "das unglaubliche Friedrichstadtpalastpublikum" aufregte, das ja andauernd applaudiert.
Zumindest applaudierte es zurecht: das Berliner Staatsballett tanzte die Peer-Gynt-Inszenierung von Heinz Spoerli, die ursprünglich aus Zürich stammte. Musikalisch benutzt Spoerli die Grieg-Suite, ergänzt um einzelne neue, deutlich weniger romantische, Stücke von Brett Dean und Mark-Anthony Turnage (man höre und sehe hier)
Die Inszenierung Die Integration des Ibsen-Textes durch Schauspieler und/oder Sänger ist auch überraschend gut gelöst. Die treten neben den Tänzern quasi als Alter Ego auf, und reden auf sich selber ein. Präsent, sichtbar, und doch nicht die Aufmerksamkeit vom Tanz abziehend. Die Bühne minimalistisch aber nicht abschreckend, anfangs eher bieder, dann karg-unheimlich, dann die überzeugendste Wüste, die ich auf einer Bühne bisher gesehen habe.
Wobei die Wüste selbst zum dramaturgischen Instrument wird. Der Sand rieselt, die Tänzer rutschen diesen entlang, sein Rascheln ergänzt die Musik.
Spoerli findet klare Bilder und Ausdrücke für das Dorfleben, für Gynts Wahn, und für die Szenen in der Fremde. Solveig, der Bergkönig, und die Trolle überzeugen ganz besonders. Für den Sprung zwischen den verschiedenen Realitätsebenen hätte es geholfen, wenn wir die Handlung schon vorher präsenter gewesen wäre, aber auch so ließ es sich nachvollziehen - und Bilder und Musik funktionieren auch dann wunderbar, wenn man gerade etwas orientierungslos der Handlung folgt.
Und zum Abschluss: Diskussionspunkt der drei in der Schlange war, ob die romantische Musik Griegs nicht viel zu bieder und schmalzig für so ein zerrissenes, modernes, dramatisches Stück wie den Ibsen-Text ist: nein, nicht, wenn es so inszeniert ist wie hier.
Romantische Musik, dramatische bewegende Szenen mit bedrohlichen Trollen, eine tolle Wüste, und schöner Tanz. Großes Kino. Ne, deutlich mehr.
Da hat Wikipedia doch über 10 Jahre gebraucht, um sich dieses Themas anzunehmen. Aber heute konnte ich die Lücke füllen. Endlich hat Wikipedia einen Artikel zum WC-Reiniger.
oder genau: die Welt benutzt Deine vielleicht freien Inhalte, versteht aber die Lizenz nicht? Oder hat andere Probleme? Dann geht es Dir wie vermutlich fast allen. Zumindest wie mir: die Angaben bei den von mir zweitgenutzten Wikipediafotos sind fast nie bis ins Detail korrekt. Die dreimal, dass ich wirklich commons-Bilder verkauft habe, fanden statt, als die Leute lieber Geld investierten, um eine klare Ansage zu haben, als Zeit dafür aufzuwenden, CC zu verstehen. Da das System der freien Lizenzen auf Wikipedia und der Nachnutzungen deutlich verbesserbar ist, hat Wikimedia Deutschland die weise Variante gewählt, und fragt Betroffene.
Für unter Einsatz von Vereins- bzw. Spendenmitteln erstellte Werke soll ein möglichst einfaches Hilfsmittel bereitgestellt werden, das es dem Nachnutzer ermöglicht, mit wenig Aufwand eine lizenzkonforme Nachnutzung zu erreichen. Für die Entwickung eines solchen Tools ist Wikimedia Deutschland auf Erfahrungen von aktiven Wikimedianern angewiesen.
Und noch ein Tipp am Rande: wer hier auf die Kamera clickt, und Google dann die Datei verrät, kann viele ungeahnte Bildnutzungen finden.
Während meine Erfahrungen als Fotograf da übrigens sehr vielgestaltig sind, sind die des Autors komplett uniform: nobody ever cares, und selbst wenn man es richtig macht, versteckt Wikipedia selbst schon sehr sehr gut, wer die Texte eigentlich kreiert.
Vorgeschichte: in der Zeit erschien ein eher unsäglicher Text zum Thema Wikipedia und Lobbying, bei dem sich der Autor gezielt Achim als Ziel herausgepickt hatte. (Meines Wissens nicht online, die Zeit wird wissen, warum..). Der Artikel hat dann auf der Wikimedia-Mailingliste eine ganz spannende Diskussion darüber ausgelöst, wem Angriffe auf Wikipedianer gelten, wer Wikipedianer ist, was Wikipedia ist usw. Und dabei dieses wunderbare Posting on Hubertl ausgelöst:
[...]
Du schreibst: Es scheint jedenfalls ein tiefes, unbefriedigtes Bedürfnis zu geben, Wikipedia ans Zeug flicken zu müssen.
ich schrieb: "Wieso Wikipedia."
Ich bin Wikipedia. täglich. Ich fühle mir nicht ans Zeug geflickt. Es hat mit mir als Wikipedia nichts zu tun. Ich weiß nicht inwieweit du Wikipedia und nicht Wikimedia bist, ich bin es täglich. Über mein direktes Editieren hinaus. Deutlich darüber. Eigentlich alles was ich mache, hat irgendwas mit Wikipedia zu tun - bestimmte Privatbereiche ausgenommen. Was immer ich sehe, tue, handle, inzwischen steht fast alles in Bezug zu Wikipedia. Also, ich bin Wikipedia. Gestern hat Karl Gruber und ich gemeinsam ein neues GLAM-Projekt in eine Vorprojektphase gebracht. So groß und umfangreich, dass mir bis heute noch schwindlig ist und ich es kaum in seinem Ausmaß überblicken kann, auch noch nicht die Bedeutung und die Auswirkung. (Bericht kommt, wenn wir es erfasst haben, es könnte aber das größte bisherige Glamprojekt überhaupt sein). Zwei Stunden später ein weiteres - aber deutlich Kleineres. Alles Zufall, aber auch wiederum nicht. Wir arbeiten im Grunde schon jahrelang daran, Zufall, dass es gerade jetzt in eine spruchfähige Phase kommt. Es hat damit zu tun, dass alles was wir tun, mit den Augen von Wikipedia sehen im Hinblick darauf: Wie können wir die erfahrene Realität in Wikipedia für andere verpacken. Sogar im Urlaub denken wir daran, was alles an Bildern wir für Commons mitbringen können.
Und da soll ich mir wegen eines so bemühten Versuches in der Zeit auch nur eine Minute Gedanken darüber machen? Dieser Artikel ist doch völlig unerheblich. Mir ist das auch wurscht, ob sich Achim da und dort etwas über ein Vortragshonorar finanzieren lässt. Mir ist es egal, ob er hier und dort einen Satz ändert, der halt mehr den Erwartungen seiner Klienten entspricht oder nicht. Wenn ich für einen Freund, der sich nicht traut, einen Artikel schreibe, er dann kommt und meint, das klänge aber so vielleicht besser, dann ist es nichts anderes. Auch wenn ich direkt kein Geld verlange, aber jede Handlung für jemanden bringt den einen in irgendeiner Form in die Schuld des anderen. Man kann es sofort ausgleichen - durch Rechnungslegung - oder später. Aber immer wird es früher oder später einen Ausgleich geben.
Ich fühle jedenfalls mir als Wikipedia nicht ans Zeug geflickt. Mich berührt der Artikel nicht im Geringsten. Weder negativ, noch positiv. Ich habe keinerlei Gefühle was Achim betrifft, ob er nun vorkommt oder nicht. Dass er öffentlicher sein will, das hat er ja schon viel früher für sich entschieden. Was mich berührt sind diese Kommentare im nachfolgenden Link. Die geben mir Mut und Bestätigung, zusätzlich zu einem, bereits unter Dach und Fach gebrachten Glam-Projekt noch zwei weitere anzufassen. Das einzige Problem was ich habe, ist, mindestens 10, noch besser 20 Leute zusammenzubringen, die genausoviel Zeit und Lust haben, sich zumindest ein Jahr so einem Projekt zu widmen.
Da ist es mir doch völlig wurscht, was da ein journalistischer Unterläufel in der ZEIT schreibt.
Und Achim ist nicht Wikipedia. Und doch ist Achim Wikipedia. Wie jeder von uns Wikipedia ist. Und noch viele mehr. Ich schließe sogar Leser inzwischen mit ein. Ich jedenfalls habe einmal folgendes gehört, als ich mich einem intensiven Nur-Leser als aktiver Wikipedianer zu erkennen gab: "Ach du bist Wikipedia!"
Of those who don’t edit, a strong majority feels that they don’t have enough expertise to contribute to Wikipedia. Very few pointed out that technology was a barrier to editing: 3% said the edit interface wasn’t user friendly, 6% said that they weren’t comfortable with technology. In addition, 6% pointed out that they didn’t edit because they believed that their edits will be removed.
oder vielleicht doch für ganz andere Projekte.. Das wissen wir noch nicht, das entscheidet dann die Jury. Beim Wissenswert-Wettbewerb sind jetzt alle Vorschläge eingegangen, können auf meta besichtig werden, und harren der Stimmen bei der Publikumswahl.