Ostern ist blau. Ostern ist grün. Wenn ich tief in mich gehe, was Ostern eigentlich für mich ist, dann entdecke ich die rationale Schicht mit dem christlichen Feiertag, der christlichen Bedeutung ebenso wie der soziologisch-historischen Bedeutung, warum es im Jahr 2018 in Deutschland so gefeiert wird, wie es gefeiert wird.
Die christo-emotionale Schicht
Weiter auf der inneren Entdeckungsreise folgt die christo-emotionale Schicht. Der Restchrist in mir taucht auf, der immer noch ein wenig beleidigt ist, dass Weihnachten das große Fest hier ist – wo diese Stellung doch eigentlich Ostern zustände.
Kreuzigung und Auferstehung stellen das zentrale Ereignis aller Evangelien dar. Jesu Geburt hingegen ist eine Nebenstory eines Evangeliums ist, die überhaupt nur bekannt ist, weil Sie am sich seines christlichen Ursprungs schon lange entledigten Weihnachtens, mit durchgeschleppt wird.
Hier tauchen erste Bilder auf: die Barockkirche Wesselburen in Dithmarschen, der Ostergottesdienst im Dunkeln mit Madame und Ms. Moin, lutherische Rituale, die so ritualistisch sind, dass sie schon fast katholisch wirken – und dann der helle Schein, das Licht. Er ist auferstanden.
Schnee, bunte Kärtchen, kontroverse Diskussionen, Menschen, die mindestens so spannend waren wie erwartet, Schnee, noch mehr Schnee, ein Flipchart, und fröhliche Spiele. Das präsidiale Reisen startete spannend. Hier sind eher die persönlichen Eindrücke meiner Klausur als Wikimedia-Deutschland-Präsidiumsmitglied
Der Berg
Die Klausur fand im Hanns-Seidel-Tagungshaus im Wildbad Kreuth statt. Während die Bundestagsgruppe der CSU noch morgens abreiste, kamen wir nachmittags an. Kreuth liegt ungefähr so weit weg von München wie Itzehoe von Hamburg, war aber eine andere Welt. Und Kreuth erwies sich als pittoresker denn Itzehoe. Insbesondere die letzten 500 Meter den Berg hinauf nach Kreuth hatten es in sich. Wenn man oben angekommen war, wollte man nicht mehr herunter. Zumal – wer verlässt schon gerne die eigene Klosterzelle, wenn Franz Josef Strauß gütig über einen lächelt.
Andererseits war das mit dem rauf- und runterkommen nicht so einfach. Mit Schneeketten war das fahren auf den Berg möglich, ohne Schneeketten nur manchmal. Ich hörte von tapferen Präsiden, die ihre Koffer noch den Berg hinauf getragen haben. Dafür haben ich dann mit Delphine und Anja nach zwei Tagen auf dem Parkplatz meinen Peugeot eine knappe halbe Stunde lang ausgraben müssen. Der Scheepflugtraktor ist soweit nicht gekommen, dieses Auto wieder auszugraben.
Auch sonst funktionierte die Abschließung der Klausur gegenüber der Welt: Internet gab es nur über den einzigen Telekom-Hotspot. Das Handynetz funktionierte gleich gar nicht. Im Talkessel sah und hörte man nichts von der weiten Welt. Selbst zum Fernsehen hätte man in den einen Fernsehraum im Hause gehen müssen.
Teambuilding
Teambuilding stand auf der Tagesordnung, und machte mich misstrauisch. Mein letzter Versuch an einem professionell gecoachten Teambuilding teilzunehmen, endete darin, dass wir alle linksherum um eine brennende Kerze gingen, und uns gegenseitig sagten, wie toll wir sind.
Und natürlich befürchtete ich die obligatorische Wollknäuelübung, bei der wir am Ende alle verwickelt sind, und überrascht tun, wie vernetzt das ist. Aber okay, es ist meine erste WMDE-Klausur, ich lasse mich überraschen, und atme tieeeeef durch. Tiefenentspannt beschloss ich, dass ich alles auf mich zukommen lasse und alles mit mir machen lassen würde - selbst Kerzen und Wollknäuel.
Kerzen gab es keine, und das Wollknäuel entpuppte sich als Haken mit Bändern zum Bauklötze stapeln. Ich nahm schon an Schlimmeren teil, würde aber trotzdem die Behauptung aufrechterhalten, dass gemeinsames Schneemannbauen genauso teambildnerisch gewesen wäre, und dabei deutlich mehr Spaß gemacht hätte.
Die langweiligen organisatorischen Teile
Was ist Kompass 2020, wo kommt er her, und wie sollte man ihn ändern? Was sind Ressorts? Wer macht was? Wer will in welches Ressort? Wie oft finden Telefonkonferenzen statt? Wie findet man „seine“ Mitarbeiter in der Geschäftsstelle? Etc.
Die genaue Ressortverteilung findet man im Forum, wobei die Ressorts ihre Aufgaben und Möglichkeiten an sich eher noch vage beschrieben sind, und durchaus etwas konkrete Ausgestaltung vertragen können.
Meine Ressorts sind mittlerweile Lobbying (aka Politik), Freiwilligenförderung, Organisationsentwickelung, und Vereinskommunikation. Außerdem bin ich noch in den AGs Visionen und Mitgliederversammlung gelandet. Das bedeutet im Umkehrschluss: erst einmal nichts zu tun habe ich mit Finanzen, Fundraising, und PR, vermittle aber natürlich gerne Kontakt.
Communityentwicklung:
Ausgehend von einer Umfrage in der Wikipedia haben wir kontrovers diskutiert, inwieweit WMDE Probleme lösen kann, die nach Meinung der Community nicht dringlich sind, oder auch gar nicht bestehen. Oder auch: inwieweit WMDE diese Probleme überhaupt lösen sollte. Sicher kein Thema, mit dem man bei einem Mittagessen zu einem abschließenden Ergebnis kommt.
Lizenzen für Fotos
Um es mal so zu sagen: es wurde kontrovers diskutiert.
SMARTe Ziele des Präsidiums für 2012:
Einige. Um die detailliert aufzuzählen, verweise ich auf das Protokoll der Klausur; das hoffentlich bald öffentlich ist. Da steht dann auch drin, was SMART ist.
Kein Präsidiums-Klausurpost ohne Essen
Gut, aber nicht die opulenten Luxusschwelgereien wegen der ich mich habe aufstellen lassen. Freitag beim Südtiroler war ich nicht, weil sich die Planungen änderten, und ich schon auf dem unzugänglichen Berg im Funkloch saß.
Sonnabend mittags Kässpätzle in einer Kleinbauern-Selbstverwalteten-Natur-Glückliche-Kühe-Meierei (kulinarischer Höhepunkt), Sa Abend Huhn (okay) mit leckeren karamellisierten Zwiebeln, und einem Dessert, das vermutlich noch von der CSU übrig geblieben war. Das war echt eine andere Liga. Sonntags mittags gab es auch etwas, aber da gleichzeitig die Lizenzdiskussion stattfand, habe ich nicht wirklich mitbekommen, was auf dem Teller lag.
Ich tuckere gerade friedlich mit dem kleinen roten Auto mit dem großen "B" auf dem Nummerschild durch einen wohlhabenderen Teil des Münchner Umlands. Plötzlich taucht hinter mir ein grün-silberner BMW auf. "Stop! Polizei!"
Ich stoppe, und schau interessiert aus dem Auto.
Drei Polizisten kommen auf mich zu. Zwei ältere Herren, ein Dritter, fast nach Azubi aussehender, einige Schritte hinter ihnen.
Polizist: "Grüss Gott", wie man hier in Bayern sagt.
P: Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte.
Ich: (Krams.)
P: Also ich weiß ja nicht, ob das in Berlin erlaubt ist. Oder ob die Berliner Kollegen da nicht so genau hinschauen. Aber hier geht das nicht was wir gerade bei Ihnen gesehen haben.
Ich: (interessiert) Was haben Sie denn gesehen?
P: Während der Fahrt mit dem Handy telefonieren geht in Bayern aber nicht.
Ich: Das glaube ich gern. Und bekenne mich in vielen Fällen schuldig. Aber telefoniert habe ich tatsächlich nicht.
P: Naja, so genau habe ich das auch nicht gesehen. Vielleicht haben Sie auch nur die Hand zum Kopf geführt. ... Wo wollen Sie denn hin?
Ich: Wildbad Kreuth. [Haus der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung]