Samstag, 5. Februar 2011

Darummagichkirchentage





Fundstück von der Festplatte. Damals als der Kirchentag in eine kleine, friedliche, atheistische Stadt hereinbrach..


Darummagichberlin (XXV)

Mein aus Wien stammender Nachbar meint, er hat Hausverbot im Bezirksamt, weil er zu viele kritische Fragen stellt.


Offene Tabs wegbloggen 20110205

Mahindra Scorpio (124712558)
Traurige Nachricht: anscheinend gibt es keine Traktoren in Ägypten. Immerhin hat der indische Nutzfahrzeug- (und Traktoren-)Hersteller Hahindra& Mahindra Limited eine Fabrik in Ägypten, baut dort aber den Geländewagen Mahindra Scorpio.

Aber um in Nahost zu bleiben. Diverse Ägypten-Hintergründe gingen ja schon über meinen Twitter-Account. Aber kennt jemand Hintergründe zum jemenitischen Brothut?

Doch noch vage Nahost: My point is this: as digital networks grow and become more centralized and privatized, they increase opportunities for participation, but they also increase inequality, and make it easier for authorities to control them. Würde mich übrigens nicht wundern, wenn facebook demnächst Systemdestabilisierung auch offiziell als gegen die Geschäftsbedingungen verstoßend aufnimmt. Dazu dann auch noch Facebook treads carefully after its vital role in Egypt's anti-Mubarak protests

Naher drän. Der Irrsinn der da ist unser Wirtschaftssystem. Vanity Fair: When Irish Eyes Are Crying

Wurde auch mal Zeit. Wikileaks-Depeschen zum Thema ACTA. La Quadrature du Net: WikiLeaks Cables Shine Light on ACTA History

Ich bin ja versucht. Politisch natürlich total evil und unbedingt abzulehnen: anderseits: wann hat man schon die Chance bei wildfremden und einer wilden Bevölkerungsmischung mal in den Haushalt zu kommen. Zensus 2011 für Berlin und Brandenburg. Erhebungsbeauftragte (Interviewer).


Donnerstag, 3. Februar 2011

Dschungelcamp vs. Romeo und Julia

Romeo und Julia (Ballett von Prokofjew, Nordharzer Städtebundtheater) gegen Ich bin ein Star (RTL).

Der Vergleich hinkt: eine der aufwendigsten Produktionen des deutschen Privatfernsehens gegen ein eingespartes Stadttheater. Eines der größten Dramen der Menschenheit gegen Schmierentheater. Liebe, Leben, Drama hochverdichtet auf zwei Stunden oder in Belanglosigkeit ausgelatscht über zwei Wochen. Eine glatte Aufführung gegen die Inszenierung in der Inszenierung in der Inszenierung, 150 Zuschauer gegen 8 Millionen. Dramatische Brückenkonstruktionen im Urwald gegen einen wenig bemerkenswerten Theatersaal. Aber andererseits: bei beiden ging es um Drama, Aufregung, Gefühle, also alles. Und sowohl Ballett wie Fernsehen waren großes Kino.

Musik: Weniger klar als man denken sollte. Ich bin ein Star hat für deutsches Privatfernsehen eine ungewöhnlich gute und kreative Musikauswahl. Den Soundtrack zur Sendung hätte ich gerne selber, die Musik war passend und ungewöhnlich. Das Nordharzer Städtebundtheater hingegen hat kein Orchester, so dass es die Begleitmusik auf Band gab. Nichts gegen die Aufnahme, aber der fehlende Vor-Ort-Charakter fiel mir doch desöfteren eher schmerzhaft auf. Trotzdem: letztlich war es ein Duell Prokofjew gegen Deichkind. Klarer Sieg für Romeo und Julia.

Schöne Menschen: Das durchschnittlichste was heutige Schönheits-OPs anzubieten haben gegen die Bühnenpräsenz eines Ballettensembles. Das ist nun wirklich so eindeutig wie die Musik eigentlich sein sollte.

Meta-Ebenen: Langsam gibt es auch etwas für das Dschungelcamp zu sagen. Während Romeo und Julia da eher glatt war, und gar nicht erst mit Meta-Ebenen anfing, hatte RTL die Inszenierung in der Inszenierung gegen die Inszenierung. Schauspieler inszenieren sich, RTL geht mit und dramatisiert, dann plötzlich Tofugate, die Situation kippt, zwei Tage überrollen die Verhältnisse die Inszenierungen und danach inszeniert RTL gegen die Inszenierung der Teilnehmer. Ganz groß. Camp meets Herr der Fliegen. Vermutlich in der Konstellation nicht wiederholbar, aber einer der großen Momente des deutschen Fernsehens.

Kostüme und Kulisse: Die Kostüme.. oh je. In Quedlinburg gab es eine Theaterkritik, die meinte, die Kostüme wirkten ein bißchen als wären sie aus einer Freischütz-Inszenierung 1961 übrig geblieben. Ich dachte ja an "tschechischer Märchenfilm versucht und eindrucksvoll gescheitert", das hatte wenig Schmiss und wirkte doch eher altbacken. Wobei die formlosen Dschungelcamp-Jacken auch nicht besser waren. Während die Bühne beim Ballett aber die verkorkste Kostümierung aufnahm, gab es im Fernsehen hohe Bäume, reißende Flüsse, Abgründe, spektakuläre Brücken, Tiere, Sensationen. Klarer Sieg für RTL.

Drama: Beides mit Höhen und Tiefen. Das Dschungelcamp hatte viel Zeit zu füllen, und die sehr gute konsenquente professionelle Drama-Ausschlachtung jedes Klogangs schwankte zwischen sehr unterhaltsam und ärgerlich. Glücklicherweise musste RTL aber auf die totale Kontrolle verzichten. Sarah Knappik irrlichterte zwar überfordert aber doch unkontrollierbar durch die Kulissen. Die Nacht in der Peer Kusmagk weinte, war wie schon erwähnt, ganz großes Fernsehen. Und dabei zuzusehen, wie mäßig sympathischen Leuten ihre Inszenierung desaströs aus den Händen gerät, ist voyeuristisch, aber ein lohnendes Erlebnis.

Auch das Ballett hatte im Bereich Drama Höhe und Tiefen: Bei der Teenage-Liebesgeschichte musste ich doch manchmal an die murmelnden nach unten kuckenden Teenager der realen Welt denken, sowohl Julia als auch Romeo waren irgendwie unauffällig, wirkten nicht so ganz präsent. Wenn ein weinender Ex-GZSZ-Star mich mehr bewegt, als eine sterbende Julia, läuft was falsch. Andererseits waren die anderen Rollen superb besetzt. Gräfin Capulet war beim Gehen deutlich dramatischer als ein Dschungelcampbewohner der sich an Lianen und dabei mit Schlangen kämpft schwingt, Tybalts souveräne Arroganz würde jede Katze zu Tränen beschämen, Mercutio sprang über die Bühne wie der frühe Sommer.

Unentschieden.

Feuerwehrfaktor: das Nordharzer Städtebundtheater hatte einen Vorsichsfeuerwehrmann in Galauniform anwesend und ein schönes handgeschriebenes Schild im Foyer: "Feuerwehr anwesend."

Gesamt:
Knapper als gedacht, aber dank der anwesenden Feuerwehr doch ein knapper Sieg für Prokofjew.


Mittwoch, 2. Februar 2011

Zur Nacht



Explosionen!



Ein paar Gedanken zum Hordorfer Bahnunfall


Der Eisenbahnunfall von Hordorf macht auf einen Aspekt aufmerksam, der in den letzten Jahren kaum beachtet wurde. Während in vielen Regionen neue Zugangebote mit Triebwagen aller Hersteller zunahmen, ging der Güterverkehr in der Fläche zurück. In letzter Zeit nimmt jedoch auch der Güterverkehr wieder zu. Was passiert wenn ein Güterzug auf einen solchen "leichten" Triebwagen trifft sieht man jetzt deutlich.

Auch die Zeit hat heute die Problematik thematisiert.

In Nordamerika ist der Güterverkehr auf der Schiene das dominierende Transportgeschäft. Im Gegensatz zu Europa gibt es wesentlich weniger aktive Sicherheitssysteme (Signalanlagen etc., da auch das traditionelle Zugsicherungssystem "Timetable and Train Order" auf einem ganz anderen Ansatz basiert.Als weiteren Schritt ist vorgesehen, bis 2015 Positive Train Control auf Strecken mit Personen- und Gefahrgüterverkehr einzuführen.

Auf Grund dessen wurde durch die Aufsichtsbehörden ein hoher Wert auf die passive Sicherheit bei den Fahrzeuge gelegt. So gibt es einen umfangreichen Katalog mit den technischen Bestimmungen für Fahrzeuge. Diese Anforderungen sind so hoch, dass es bis heute keinen erfolgreichen Hersteller von Triebwagen gibt, der diese Anforderungen erfüllt. Die Anforderungen erhöhen das Gewicht der Triebwagen, so dass der Vorteil durch Treibstoffeinsparung wieder weitgehend aufgebraucht wird. Das einzige Exemplar eines solchen Fahrzeuges wurde durch das Unternehmen Colorado Railcar hergestellt und ist heute betriebsunfähig abgestellt.

Wenn in Nordamerika trotzdem Triebwagen aus europäischer Produktion fahren, dann auf separaten Strecken oder zu Zeiten, in denen der Güterverkehr verboten ist, so in California oder in Ottawa. Selbst nach einem Eisenbahnunfall wie in Glendale kommt schnell die Forderung die Wendezüge durch solche mit einer Lok am vorderen Ende zu ersetzen. Vielfach werden deshalb alte Lokomotiven ohne Motor als Steuereinheit genutzt.

Auch wenn in Deutschland neuere und bessere Zugsicherungssysteme eingesetzt werden, das Unverhältnis zwischen einem schweren Güterzug und einem relativ leichten Triebwagen wird bleiben. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass in Zukunft solche Unfälle häufiger auftreten aber das Risiko, dass es bei einem solchen Zusammenstoss Tote gibt, wird nicht vermeidbar sein.

Dienstag, 1. Februar 2011

Girls, Gender, Obsession? (kleines Update)

die New York Times berichtete über einen 15-Prozent-Frauenanteil in der Wikipedia, und welche Auswirkungen der auf seltsame Themengewichtungen in der Wikipedia zeigt.

Mindspillage aka Kat Walsh hat dazu einen lesenswerten Essay geschrieben, Women on Wikipedia, dessen Kernsatz ich gerne und zustimmend zitiere und eimfach mal behaupte, dass das in de-Wikipedia noch ausgeprägter und reformbedürtiger ist als in en:

I think the disproportionate lack of women in the community isn't about gender so much as it is about a culture that rewards certain traits and discourages others. And we're not getting people who don't have those other traits, male or female; more of the people who do fit the current culture are male. But the focus should be on becoming more open and diverse in general--becoming more inclusive to everyone, which will naturally bring in more women.


Jetzt gibt es eine ausgeprägte Debatte, und Sue Gardner (Wikipedianer der Welt, lest ihr Blog!) hat eine schöne Zusammenstellung der Wikipedia-Gender-Debatte.

Da die FAZ ihren monatlichen uninformierten Artikel samt Wiki-Watch über Wikipedia schon heute hinter sich gebracht hat, wird sie das Gender-Thema wohl ignorieren - ich prognostiziere, dass die Süddeutsche das Thema am Freitag aufgreifen wird :-) Leider wohl ohne die Erwähnung von Drittligafußballern, Promisternchen, Dorfkirchen und Küchengeräten. (Am Rande: Paul Krugman: the kitchen test)

Update: Voll falsch geraten. Nicht SZ am Freitag, sondern Welt schon am Montag. Wikipedia leidet unter akutem Frauenmangel. (Der Dank für den Hinweis an @publictorsten.)


Montag, 31. Januar 2011

Herrje, Fleischhauer!

Spon-Fleischhauer merkt zur causa Gorch Fock an: Mit Gleichstellungsbeauftragten und Mobbingberatung ist im Kampfeinsatz leider nicht viel auszurichten. - Klar. Aber mit Segelschiffen.


Na dann fragt doch einfach..

Umfragen über Umfragen. Nicht nur, dass die Journalistenherden gerade über Wikipedia herzogen, und Wissenschaftler sowieso andauernd da sind, jetzt wollen auch noch Wikipedianer und Wikimedianer was von den Wikipedianern wissen. Um einen Überblick zu behalten: das läuft grad:

Nochmal hinweisen möchte ich auf meine eigene Millionenliste. Mal angenommen, Wikipedia hätte ganz hohe Spendeneinnahmen, wofür sollten sie ausgegeben werden.

Und auch wenn Wikipedianer durchaus Ideen haben, wie sie Geld ausgeben können, einnehmen möchten sie es eher nicht. Achim fragt, ob Wikipedia sich institutionell an VG-Wort-Ausschüttungen beteiligen sollten. Kann und sollte man viel zu sagen, das Umfrageergebnis ist jedoch überraschend eindeutig: NEIN. (und noch ein Lesetipp: Wikipedianer verschenken Millionen) Privat würde ich das trotzdem jemand raten, vielleicht kann ich ja noch jemand dazu überreden, hier mal einen Guide zu schreiben, wie das geht.

Schon etwas älter ist die Mitgliederbefragung von Wikimedia Deutschland so an sich. (Anmeldung erforderlich, wenn ich richtig deute aber auch für Nichtmitglieder)

Und noch etwas älter, und leider ziemlich unbemerkt durchgerutscht irgendwie, die Abstimmungsergebnisse beim Wissenswert-Wettbewerb.





Sonntag, 30. Januar 2011

Villabajo liegt in Deutschland

Während in Villarriba das Schiedsgericht noch fest im Sattel sitzt, geht es in Villabajo ans Aufräumen. Seit dem Beginn des Meinungsbildes vor zwei Tagen scheint eines klar: das Schiedsgericht in seiner bisherigen Form wird es in der deutschsprachigen Wikipedia wohl in Zukunft nicht mehr geben. Zu einig sind sich die Reformbefürworter und die Schiedsgerichtsgegner darin, dass das bisherige Gremium versagt hat.

So schreiben die einen, "Reformen" seien "offensichtlich notwendig" und fordern eine Kompetenzenausweitung, eine Erhöhung in der Zahl der Mitglieder oder eine Festschreibung "klarer Befugnisse". Die Gegner des jetzigen Schiedsgerichtes werfen dagegen ein, es sei "zu langsam, zu träge", das Konzept sei gescheitert und das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen zu gering.

Aus meiner persönlichen Sicht bedeutet der derzeitige Abstimmungsstand vor allem eines: die deutschsprachige Wikipedia ist in der Lage, sich selber zu reformieren und einmal eingeführte Strukturen auf den Prüfstand zu stellen. Das hatte sich schon gezeigt, als die Kandidaturen für lesenswerte und exzellente Artikel zusammengelegt wurden und damit ein zentrales Instrument der Qualitätskontrolle neu gestaltet werden konnte. Und das zeigt sich jetzt wieder, wenn es darum geht, ein aus der englischsprachigen Wikipedia importiertes Konzept entweder grundlegend zu überdenken oder ins Archiv der Wikipedia-Geschichte zu befördern.

Das ist das eigentlich Gute an der laufenden Diskussion: der Blick nach vorne, der auch nicht davor zurückschreckt, verkrustete Pfannen neu zu polieren und im Zweifel über Bord zu werfen.