Bemerkung am Rande: ich habe ja einmal vor einiger Zeit Politik studiert. Und mein damaliger Magistervater war zwar prinzipiell enthusiastischer Europäer, lehnte aber die EG/EU recht rabiat als undemokratisch ab. Um ein komplexes Argument kurz zu machen: Sein Haupteinwand war: Demokratie funktioniert nur, wenn es eine gemeinsame Öffentlichkeit und damit einen gemeinsamen Diskurs gibt. Europäische Öffentlichkeit gab es aber damals nur sehr elitär, vor allem unter Politkern, Politikwissenschaftlern und gut gemeinten Europa-Magazinen auf Programmplätzen auf denen sie keiner wahrnahm. Der Öffentlichkeit selbat war alles paneuropäische, die Politik und die Wirtschaft der Nachbarländer schnurzegal.
Kann es sein, dass ausgerechnet Griechenland tatsächlich das erste mal ist, dass es wirklich eine gemeinsame europäische Öffentlichkeit zu einem Thema gibt? Kann es also sein, dass ausgerechnet Griechenland und die Diskussion darum der erste Schritt zu einer tatsächlichen europäischen Demokratie ist?
Europa und das Schaf. Bild: Mutton bustin at puyallup fair By Emergency Brake from Your mom's house (mutton bustin') CC BY 2.0
In all' seinen komischen Fotos, seltsamen Motiven, Neigungen zum Klische und seltsamer Vorliebe für menschenleere Hauptstraßen liebe ich Wikimedia Commons. Commons erlaubt dann doch immer wieder einen Blick auf die Welt so wie echte Menschen sie sehen, und darauf wie die Welt nun einmal aussieht. weder technisch perfekt, noch unter optimalen Bedingungen, sondern halt alltäglich. Mit allen Vor- und Nachteilen. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn man bizarre Kategorien auf Commons anschaut. Und damit menine ich jetzt nicht mal [[Kategorie:Sexuelle Spiele unter Einbeziehung von Artischocken, Dreifaschsteckern und Erdbeerkuchen]], sondern profaneres, alltäglicheres. Friseursalons zum Beispiel. Oder: Kategorie:Friseursalons in Deutschland.
So sollte ein Salon aussehen. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
So sah er mal aus. Bundesarchiv, B 145 Bild-F079059-0009 / CC-BY-SA [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Figaro. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
Figaro. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
Vielhaarmony. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
Die Deko. By Frank Vincentz (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Darummagichberlin
Weil ich anders bin. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
Mit der Lizenz zumn Str?????n By Frank Vincentz (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
I ♥ Haarstation. By Saalebaer (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons
Und nochmal was richtiges: Salon Beate. By Oxfordian Kissuth (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Die Löschdiskussionen innerhalb der Wikipedia sind ja mitterweile ebenso berühmt wie berüchtigt. Manchmal sind aber auch echte kleine Perlen darunter. Wie die Diskussion gestern zum -mittlerweile gelöschten - Artikel "Verlängerung von Möbelbeinen."
Nicht enzyklopädisch relevant--JTCEPB (Diskussion) 22:15, 3. Jul. 2015 (CEST)
Für Senioren ist das Thema wegen Problemen beim Aufstehen schon relevant. --OchridDiskussionsseite 22:17, 3. Jul. 2015 (CEST)
Ein Buch unter ein Möbelbein zu legen, dafür brauchen auch Senioren keinen Artikel.--JTCEPB (Diskussion) 22:31, 3. Jul. 2015 (CEST)
+1 Dafür reicht der Brockhaus, Wikipedia unnötig (und in dem Fall auch unpraktisch) Berihert ♦(Disk.)
Ein Buch reicht nicht. Es müssen vier sein, und die gleich dick.
Wenn es nicht reicht, müssen es acht sein. Brockhaus wäre ideal, Auflage
ist egal.--Der wahre Jakob (Diskussion) 00:04, 4. Jul. 2015 (CEST)
Auch Wikipedia hat praktische Anwendungen. Hier: als Türstopper.
Letztens unterhielt ich mich mit einem Wikipedianer über diverse Wikimedia-(WMF und WMDE-)Kommunikationen, die oftmals verquast wirken, werblich wirken, jegliche Augenhöhe vermissen und irgendwie abgeschottet und weit weg sind und zu allem möglichen Lust machen, aber nicht zur Interaktion. Fiel uns natürlich bei Wikimedia besonders auf, trifft aber sehr oft wenn man liest wie Institutionen und Organisationen versuchen auf Social Media zu agieren. Bei den Wikimedias ist es nur um so drolliger, weil da ja eigentlich die Ausgangsvoraussetzungen viel mehr auf Augenhöhe sind als in anderer organisierter Onlinekommunikation und weil "Interaktion" quasi das Grundwesen aller Wiki-Projekte ist. Und weil es doch eigentlich gar nicht so schwer ist. Um mich selbst von der Wikimania zu zitieren: "Treat them as friends."
Wie banal das ganze eigentlich ist, fiel mir auf als ich heute einen Post über gute Instagram-Nutzung von Unternehmen las - vermutlich der am wenigsten herzliche oder brüderliche Anlass. Und selbst die Werbeberater für Unternehmen schreiben:
Wie auch in anderen Social Media
Kanälen, sind Marken auf Instagram dann am erfolgreichsten, wenn sie
sich wie die Freunde eine Nutzers verhalten,... Ziel ist es also, über ungewöhnliche,
ansprechende Bilder oder Videos Geschichten zu erzählen oder ein
Statement zu hinterlassen, um einen Anlass zur Interaktion zur bieten.
Wenn das selbst Großreederein auf Instagramm hinkriegen Ist es denn so schwer, Interaktion und Kommunikation-wie-ein-Freund innerhalb eines Movements zu schaffen? Wohlgemerkt ein Movement, das schon in seinen Grundwerten auf Augenhöhe, Gleichberechtigung und Interaktion setzt?
Wo laufen sie denn? Ja, wo laufen sie denn? Gibt es Pegida überhaupt noch?
Die ein oder andere wird sich noch erinnern. In diesem Blog war der wildgewordene aggressive Dorfprovinzialismus namens Pegida schon desöfteren Thema. Der letzte Post stammt aus dem Februar, als der Niedergang Pegidas sich abzuzeichnen begann und ich prophezeite:
sehe ich auf die Dauer ein paar Pöstchen in der AfD (letztlich egal),
viele tausend frustrierte Sachsen (unangenehem, sowohl für die Menschen
wie auch für diejenigen, die mit ihnen zu tun haben) und leider ganz
neue Netzwerke zwischen Neonazis, Hools und Rechtskonservativen
Bürgerlichen
Jetzt haben wir Juni, und einiges ist passiert: Pegida läuft - bei stets sinkender Beteiligung - immer noch im Kreis, Legida in Leipzig ist endgültig zum kleinen Häufchen geifernder nazistischer Wahnwichtel geworden, die Bürgermeisterwahl in Sachsen wäre mit 10% für Pegida eigentlich ein grandioser Erfolg gewesen -war angesichts der geweckten Erwartungshaltung aber ein großer Reinfall. Die Gidas sind gerade dabei zu zerfallen und in Freital bei Dresden rottet sich ein Mob vor dem Flüchtlingshein zusammen, der an die frühen 1990er erinnert.
Pegida
Aber der Reihe nach: Pegidas Programm bestand im Wesentlichen aus drei Punkten: Ausländer gehören raus/verboten/abgeschafft/körperlich angegriffen, für Volksabstimmungen und im Kreis laufen. Das ist ein einfaches Programm mit niedrigschwelligen Eintrittshürden und dementsprechend ließ sich auch schnell eine Masse organisieren. Andererseits führt es zu nichts: inhaltlich ist es nicht nur abartig sondern auch unbestimmt, wenig konkret und damit auch wenig handlungsleitend. Immer nur im Kreis hat auch nicht wirklich Außenwirkung, es sei denn nebenan zerbricht gerade die Sowjetunion. Irgendwie hat bei Pegida aber niemand realisiert, dass 1989 eine absolute historische Sondersituation und nicht die Regel war. Seitdem der Oertel-Flügel mit seinem Hang zur Volksabstimmung aus Pegida raus ist, lässt sich Pegida endgültig als "ein paar hundert Ausländerfeinde laufen im Kreis" zusammenfassen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann laufen sie...
Instant-Graffiti. Und auch noch: der Auto-Fan in mir freut sich an der riesigen Bandbreite alter und neuer, normaler und eher abgefahrener Autos wie dieser alten S-Klasse.
So mancher Wikipedia-Artikel ist schon ziemlich alt.
Mal eine Beobachtung am Rande: nachdem es jahrelang schwerer wurde, noch "freie Flächen" in der Wikipedia zu finden, in denen man neues schreiben konnte, scheint es mir zunehmend wieder einfacher zu werden. Sehr viele Artikel sind auf einem Stand von 2009/2010/2011 und da kurz zu recherchieren was seitdem passiert ist, geht einfach und mit wenig Aufwand lässt sich schnell Gutes tun.