Dienstag, 13. September 2016

Schwimmbäder nah und fern: Kremmener See

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: der Kremmener See.



Es war einst eine moorige Sumpflandschaft inmitten der Sandbüchse Mark Brandenburg, menschlicher Nutzung weitgehend entzogen, einzig durch einen schmalen Damm zugänglich. Bereits die Preußen versuchten seit dem 18. Jahrhundert die Gegend zu entwässerung, um sie nutzbar zu machen, aber erst die DDR konnte dabei ernsthafte Erfolge feiern.

Bundesarchiv Bild 183-65843-0003, Grabensprengung zur Entwässerung
Zentralbild Martin 25.7.1959 Jugendobjekt Milchstraße Berlin. 43000 ha Wiesen- und Buschland legen Jugendliche für die landwirtschaftliche Nutzung im Havel-Rienluch trocken. Diese Wiesen waren bisher zur Viehfütterung nicht zu verwerten, da sie die meiste Zeit des Jahres unter Wasser standen. 1550 freiwillig arbeitende Jugendliche reinigen die vorhandenen Gräben und legen neue Gräben an, damit der Grundwasserspiegel sinkt und das Regen- sowie Schmelzwasser im Frühjahr abfliessen kann. Damit stehen erhebliche Mengen Futter zusätzlich zur Verfügung, wodurch die Landwirtschaftsbetriebe dieser Gegend in der Lage sind, ihre Viehbestände erheblich zu erweitern und die tierische Produktion zu steigern. UBz: Ein Graben wird gesprengt. Quelle:
Bundesarchiv, Bild 183-65843-0003 / CC-BY-SA 3.0

Es kam wie es kommen musste: mittlerweile kämpfen die Naturschützer darum, wenigstens Reste des Rhinluchs (nordwestlich von Berlin, zwischen Oranienburg und Neuruppin) zu erhalten, einen der deutschen Hauptrastplätze des Kranichzugs, Lebensraum für Rotbauchunke, Adler, Bekassine, Zwergtaucher, Kiebitz und was sonst noch die feuchte Wiese/ den flachen See liebt.





Inmitten dieses Gebiets liegt der Kremmener See. Nein, eigentlich liegen dort die beiden Kremmener Seen. Zwei Seen, dicht beinander, mal ist auf Karten der eine und mal der andere als Kremmener See bezeichnet. Erst Rückfragen bei der Stadt und zwei längere Gespräche mit den erwähnten Naturschützern brachten mir die Erkenntnis wie es mal war. Die beiden Seen waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein See. Dann zeigte die Entwässerung erste Folgen, der See verlandete und teilte sich in zwei: das Beetzer Eck - im Nordwesten - mittlerweile fast unzugänglich, weiter am verlanden und auch mit Booten nicht mehr befahrbar und den Kremmener See - gelegen näher an Kremmen, deutlich besser erschlossen und mit Strand und Badestelle.

Die Gemeinde wies noch darauf hin, dass es sich beim Kremmener See nicht um eine EU-Badestelle handelt - sprich, das Gewässer wird nicht regelmäßig auf Schadstoffe überwacht und Badende baden auf auf eigene Gefahr und eigenes Risiko. Aber dafür ist der See seit 1924 Naturschutzgebiet. Baden im Naturschutzgebiet, das hat was.


Gelände


Naturschutzgebiet ist super. Es geht tatsächlich ein längeres Stück durch das Nichts – beziehunsgweise einen Damm entlang, auf dessen linker und rechter Seite Feuchtwiesen liegen. Diese wurden beim ersten Besuch gleich von mehreren Störchen bevölkert und auch sonst wirkt das ganze wie aus dem Bilderbuch.

Dann ein großer Parkplatz im Wald. Direkt im See liegt auf einem Pfahlbau die SeeLodge, ein Hotelrestaurant. Ein Neubau aus den 1990ern, der die Badeanstalt - ebenfalls ein Pfahlbau - aus den 1920ern ersetzte - wie auch immer sie das hinbekommen habe, einen Neubau mitten in das Gebiet zu setzen. 



Das SeeLodge-Gelände selbst ist nur zu Fuß erreichbar. Das Gebäude, wohl von kanadischen Holzhäusern im Outcountry, inspiriert und wirkt wahrlich stilecht und passend in der Gegend. Wir laufen aber erstmal am Restaurant vorbei zum Strand. Dort stehen noch diverse Hütten und Stände, in deren einerdie Topiletten sind – dazu später mehr - und aus der anderen heraus Essen und Getränke verkauft werden.

Je nach Jahreszeit und Wetter scheint es mehrere Verkaufsstände zu geben, bei Sonne im Sommer hat eher der große Stand mit Bar auf, bei Regem im Herbst eher der kleine Stand bei dem sich das Getränkeangebot auf Bier und Kaffee aus der Drückkanne beschränkt.

Der Sandstrand ist von einer Art Steg aus Beton eingegrenzt, an dessen Außenseits dann Boote anlegen. Auf dem Steg sind teilweise noch Tische und Stühle.

Baden




Sehr angenehm. Das Wasser ist nicht wirklich klar, dazu ist es zu schlammig, aber wirkt sauber und angenehm. Der Sandboden ist fest, wenn man etwas weiter reinläuft bemerkt man den Hauptzugangswegs (frei) und die nicht so gern benutzten Pfade (Wasserpflanzen). Das Gefälle ist so, wie man sich das vorstellt - ohne harte Abbruchkante, aber doch merklich vorhanden. Im Wasser selbst ein faszinierender Wechsel aus recht warm und sehr kalt, teilweise mit einem halben Meter unterschied. Sobald man den Steg hinter sich gelassen hat, schwimmt man in einem eindrucksvollen Panorama aus Schilfrändern, Seerosen, einem Wald am Horizont, einem Kanal, der in der Ferne verschwindet und dem ein oder anderen Vogel am Horizont. Würde ich ein Badebilderbuch planen, sähe das genau so aus. Auf dem See ist das ein oder andere kleinere Boot unterwegs - die sind aber so spärlich, dass es eher den landschaftlichen Reiz erhöht als gefährlich zu wirken.

Umkleide, etc.


Noch nicht aufgesucht. Die Toiletten sind laut meiner Mutter furchtbar. Nicht benutzen wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Wenn Mama sowas sagt, wird das natürlich nicht mehr hinterfragt, sondern ist so.

Gastronomie


Es gibt das erwähnte Restaurant. Das hatte allerdings bei jedem unserer Besuche eine geschlossene Gesellschaft zu Gast. Kein Wunder, für's Heiraten in großartiger Kulisse ist das ein hervorragender Ort.

Aber was ich im Internet über die SeeLodge las, sowohl auf ihrer Website wie auch auf den bekannten Review-Seiten haben mich nun auch nicht motiviert dahin zu gehen. Das Verhältnis von Kistsch und Show zu kulinarischer Subtanz scheint ein ungutes und auch die Hygieneverhältnisse ähneln angeblich eher dem kanadischen Outback fernab von allem als dem was ich im Umkreis einer deutschen Großstatd vermuten würde.

Und die externen Toiletten.. nun ja. Aber egal, es gibt ja noch Verkaufssstände. Deren Kaffee, Bratwurst, Kuchenangebot ist nicht herausragend, aber auch nicht schlecht. Um einen Strandtag zu überstehen ist das vollkommen ausreichend,

Publikum


Letztes mal war ein Hochzeitspaar da, dass noch Hochzeitsfotos gemacht hat: Lasziv auf dem Steg, verträumt halb im Wasser und am Ende heftig spritzend ins Wasser laufend. Großes Kino. Ansonsten Ausflugsgesellschaften, Familien, Radtouren. Alle nicht wirklich schick, eher so glückliches Dorf aber insgesamt recht angenehm. Auch bei Schietwetter war immer irgendjemand da, so dass man sich nicht einsam fühlte und auch bei 33 Grad am Wochenende war es noch lange nicht überfüllt.

Preise/Öffnungszeiten

Das Gelände ist öffentlich zugänglich und nicht abgesperrt, also umsonst und immer. Ob die SeeLodge sich beschwert, wenn ihr nachts um zwei wildes Vollmondbaden plant, habe ich bisher noch nicht getestet.

Sonstiges


Der Greifvogel. Wie gesagt: See, Natur und Schilf allüberall und über dem See ein größerer Greifvogel (Rohrweihe?), der sich ein paar Fische fing. Großes Kino.


Das Beetzer Eck, also der andere Kremmener See, hat angeblich auch eine Badestelle. Aber nachdem mir die Naturschützer den Weg geschildert hatten (am Ende war es "vor dem Wald links" und dann 1,5 Kilometer laufen) verstand ich auch, warum sie auch meinten, dass es dort selbst bei perfektem Angelwetter nur selten Angler hin verschlägt. Dafür soll das Wasser dort sehr klar sein und es ein perfekter Ort sein, wenn man wirklich allein sein möchte..


Fazit



Solange man nicht plant, die Toiletten aufzusuchen: ein See wie im Bilderbuch, Baden wie in den verklärten Erzählungen von Oma mit Greifvogel, Kaffee, Sandstrand und viel viel Natur.

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