Montag, 4. April 2016

Schwimmbäder Nah und fern: Dithmarscher Wasserwelt, Heide, Schleswig-Holstein

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: die Dithmarscher Wasserwelt, in Heide, Dithmarschen, Schleswig-Holstein

West! West! Westdeutschland! Es gibt in der ehemaligen Bundesrepublik diese Tradition von Bädern, die unoprätentios einfach für die Gemeinde da sind. Weder sind sie besonders flashy, noch versuchen sie Touristen anzulocken, dafür haben sie alles was mensch im Alltag braucht. Das Heider Bad ist ein Bestandteil dieser Tradition. Verglichen mit den echten Touri-Bädern in den nahegelegenen Ortschaften Büsum und St. Peter Ording sind hier das Zielpublikum eindeutig die Einheimischen - so ist auch Anspruchshaltung, Gestaltung und Öffentlichkeitsarbeit des Bades.

Dabei hat die Dithmarscher Wasserwelt meines Erachtens mehr zu bieten als viele selbsternannte Spaßbäder: es ist unkompliziert, alles funktioniert, die Öffnungszeiten sind zuverlässig und es ist einfach da. Ein in vieler Hinsicht sehr angenehmes Bad.

Entstanden ist das Bad als "Schwimmzentrum" in den 1970ern. Davon ist allerdings kaum mehr etwas zu bemerken. Die ganze Anlage wirkt immer noch sehr neu und zeitgemäß nachdem sie 2002/2003 zum heutigen Bad umgebaut wurde - was vor allem heißt, dass Rutschen und Außenanlagen hinzukamen und es in seiner ganzen Anmutung nicht allzu sehr aus der Zeit gefallen scheint.


Gebäude


Es ist halt da. In seiner Anmutung durchaus funktional, vor allem mit Metall und Glas gestaltet. L-förmig mit einem recht nett gemachten Rutschenturm. Pluspunkte gibt es für die schräg zur Fensterseite hin ansteigende Decke, die dem ganzen den Eindruck von Raum und Helligkeit gibt, mehr als es das vorhandene Licht eigentlich rechtfertigen würde. Ansprechend-solide würde ich es mal zusammenfassend nennen. Die L-Form mit abgetrenntem Sprungbecken, die Anordnung der Kabinen neben dem Schwimmbecken und die Gastronomie am Längsende des Beckens mit Blick auf dieses lässt eine enge Verwandtschaft im Konzept zu den Berliner Kombibädern erkennen - nur dass das hier alles einmal gründlich umgebaut und durchaus nett modernisiert wurde.

Umkleidekabinen/Duschen


Die Kabinen sind getrennt nach Geschlechtern. Dabei ist das Heider Bad eines der wenigen mir bekannten Bäder, bei dem die Laufwege für Frauen kürzer sind als diejenigen für Männer - meistens ist das umgekehrt. Einige Gebrauchsspuren sind erkennbar, an sich ist aber alles in Ordnung und funktioniert und  ist aus unauffällig normalen Kunststoff/Metall und farblich auch eher in unauffälligem beige-elfenbeinfarben.

Das "Duschen vor dem Baden"-Schild


Auch ein fester Bestandteil jedes Schwimmbades ist der Hinweis vor dem Baden zu Duschen. Diese Hinweisschilder sind anscheinend nicht genormt, es ist überraschend wie vielfältig und abwechslungsreich der entsprechende Hinweise gestaltet sind. Mal sind sie bittend, mal ermahnend oder fordernd - mal bereits fest in die Wandgestaltung integriert, mal auf laminiertem ausgedruckten Papier. Die Heider Variante ist ausgedruckt, A4, gestalterisch eher harmlos-fröhlich (bunt, Comic Sans?) und weniger fordernd als vielmehr erläuternd, warum Duschen vor dem Schwimmen eine gute Idee ist.

Schwimmbecken


Es ist riesig. Wenn man es weiß, kann man noch das 1970er-Bad mit 50-Meter-Becken, Sprungbecken daneben und Restaurant am Ende erkennen, das ja auch in Berlin gerne gebaut wurde. Nur wurde das Bad in Dithmarschen umfassend erweitert - großes Lob an die Umbauenden, dass die 50-Meter-Bahn dabei nicht dem Umbau zum Opfer gefallen ist. Ein Innenbecken mit 50-Meter-Bahn, dessen Ende flacher ist und als Nichtschwimmerbereich gekennzeichnet. Dazu kommt ein recht großes Sprungbecken mit drei Meter Turm, und ein Solebecken, dessen Größe in anderen Städten auch schon für ein Hauptbecken ausreichen würde und auch noch zwei Rutschen, die vermutlich auch irgendwo enden. Selbst bei voller Belegung des Bades ist es eigentlich nie ein Problem, dort noch mit Platz abzuhängen.

Draußen kommt dann noch ein beheiztes Außenbecken hinzu, das über das heute übliche Spielzeug und eine kleine Rutsche verfügt - allein der rechteckige, schwimmfähige Teil ist mindestens 20 Meter lang, eignet sich also tatsächlich zum Schwimmen. Das Außenbecken ist ganzjährig offen und führt im Winter zum netten Anblick des dick eingemummelten Bademeisters der unter seinem recht nett aussehenden Vordach aufpasst. Auf dem Rettungsplan im Foyer fanden wir dann auch noch zwei weitere kleine Becken (eins drinnen, eins draußen), die uns beim Badbesuch versteckt geblieben waren. Zum Außenbereich gehören auch noch größere Wiesen und Freiflächen, so dass sich das Bad wohl auch recht problemlos als Freibad nutzen lässt.

Auffallend ist die ausgeprägte Bandenwerbung knapp unter der Hallendecke, bei der lokale Geschäfte aller Art für sich Werbung machen. Wirkt ein wenig so als könnten dieselben Banden auch am Spielfeldrand des örtlichen Fußballvereins in der Schleswig-Holstein-Liga, des Heider SV, hängen. Aber wer weiß: vielleicht gibt es da auch einen Kombideal.

Publikum


Wie so halt so sind die Dithmarscher. In sich selber ruhend und eher nicht so laut, aber einem Klönschnack in den Bahnen gegenüber nicht abgeneigt. Vor allem halt Einheimische und wie die Dithmarscher so sind: zu einem Großteil Einheimische, die das schon mehrere Generationen sind. Abgesehen davon, dass alle etwas älter wurden war die Kundschaft wohl schon zu Eröffnungszeiten des Schwimmzentrums sehr ähnlich.

Fönen


Mir wurde aufgetragen, auch mal etwas zur Fönsituation zu schreiben. Wer meine Frisur kennt, weiß, warum ich dem Thema normalerweise nicht die große Aufmerksamkeit schenke, aber hier war ja eine geeignete Testerin dabei. Alle Föne fest installiert auf einer Höhe - zu hoch für Kinder, zu niedrig für Erwachsene. Deshalb stehen dort noch diverse Stühle und Podeste herum mit denen man individuell die eigene Körperhöhe anpassen kann. Das ist verbesserungsfähig. Steckdosen für selber mitgebrachte Geräte scheint es auch nicht zu geben.

Gastronomie


Typische Schwimmbadgastonomie der netteren Sorte. Das Bistro/Café ist eher funktional und mit Mut zur Farbe eingerichtet und erlaubt den Blick auf das Becken. Typische Schwimmbadkarte mit Wurst, Schnitzel und Hamburger. Aber auch Scholle - wir sind ja an der Nordsee und die Salate machen zumindest auf der Karte auch einen okayen Eindruck. Bei uns war das Personal schnell und freundlich, der Kaffee auch gut und ohne Tadel.

Für die Lokalität spricht, dass sie zwei Sparschränke an der Wand haben und diverse Pokale in der Ecke -> sprich, es gibt echte Stammkundschaft,

Pluspunkte gibt es dafür, dass im Beckenbereich diverse Tische und Stühle stehen, an denen Menschen auch problemlos selbst mitgebrachtes verzehren können.

Preis/Öffnungszeiten


Bis zu zwei Stunden kostet es fünf Euro, danach die Tageskarte acht Euro. Bei aller Sympathie erschließt sich mir nicht, warum man in dem Bad einen ganzen Tag verbringen sollte (außer es ist Freibadwetter mit Außengelände, dann hat Dithmarschen aber noch eine ganze Menge anderer Badeorte zu bieten) und wenn man echte Strecken schwimmt (und dafür mehr als zwei Stunden braucht) sind acht Euro ärgerlich. Die fünf sind okay. Originell: am Eintritt muss man auf jeden Fall acht Euro bezahlen und kriegt drei Euro wieder, wenn man das Bad schnell genug wieder verlässt.

Montags zu, Mittwochs ab 15 Uhr geöffnet, sonst entweder von 6.30 bis 21 Uhr (Woche) oder 9 Uhr bis 21 Uhr (Wochenende). Das passt.

Sonstiges 


Was man direkt an der Nordseeküste gar nicht erwarten würde: die Sole im Solebecken ist tatsächlich echt, aus 500 Meter Tiefe gefördert.

Pluspunkt: Free Wifi.

Fazit

Unprätentios, nett, für jeden was dabei und dabei groß genug, dass man auch zu vollen Zeiten noch sein Plätzchen findet. Das 50-Meter-Becken mit kaltem Wasser zum Kilometer schrubben, das Außenbecken zum entspannten Schwimmen und das riesige Solebecken zum Rumschwadern. Alles unaufdringlich, etwas eingewohnt, patent und die Gastronomie schließt sich da an. Sofern man es schafft unter zwei Stunden Aufenthaltsdauer zu bleiben, ein sehr angenehmes Alltagsbad.
 

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