Montag, 11. Januar 2016

Schwimmbad Berlin: Stadtbad Wilmersdorf

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Wilmersdorf.

Stadtbad wilmersdorf 30.03.2014 16-40-13

Das Stadtbad Wilmersdorf ist neben dem Schöneberger Bad mein zweites Stammbad. Nein eigentlich mein erstes. Während das Schöneberger Bad ja seit einiger Zeit ein Premium-Bad mit höheren Eintrittspreisen, wärmeren Wasser und ein paar Goodies wie Rutsche und Solebecken ist, ist das Wilmersdorfer Bad primär ein Bad zum Schwimmen.

Kühleres Wasser, wenig Chi chi, aber auch bessere Eintrittspreise. Leider liegt es ein Stück weiter weg und hat gegenüber Schöneberg auch die deutlich schlechteren Öffnungszeiten.

WilmersdorfHeidelbergerPlatzSchwimmbad-1

Das Wilmersdorfer Bad stammt soweit ich weiß, wie das nahegelegene Sommerbad Wilmersdorf, aus den 1950ern als den Berlinern Luft, Liebe, Freiheit und Auslauf geben sollte. Wahrscheinlich noch beeinflusst von den Gartenstadtideen der Vorkriegszeit ist ein einfacher funktionaler Bau mit offensichtlichem Wert auf Luft und Liebe. Auch offensichtlich war das letzte Mal, dass sich eine zuständige Stelle letztmals ernsthaft für das Bad interessiert hat, irgendwann in Den 1970ern. Aber das muss nichts Schlechtes sein.


Gebäude 


Ein mittlerweile denkmalgeschützter Bau gebaut 1959-1960 vom „Hochbauamt Wilmersdorf.“ Anscheinend war es eine gute Zeit des Hochbauamts. Eine Schwimmhalle mit leicht geschwungenem Pultdach und sehr großen Fenstern nach Süden hin. Übersichtlich, ästhetisch gut gelungen, einfach aber mit allem notwendigen ausgestattet.

Für mich immer ein positives Beispiel im Verhältnis von Eleganz zu Aufwand. Bonuspunkte für die auch sehr zeittypische Bronze(?)-Figur einer Schwimmerin vor dem Eingang. An der Halle klatschen noch ein paar Funktionsgebäude, die deutlich weniger elegant sind, weswegen ich versuche sie nach Möglichkeit zu ignorieren.

Umkleidekabine/Dusche


Orange! Zumindest die Kabinen glänzen im besten 70er-Jahre orange von dem ich sehr hoffe, dass es mittlerweile auch denkmalgeschützt ist. Die Aufteilung entspricht dem 1970er und früheren Standards: Nach dem Eingang trennen sich Männchen und Weibchen. Es gibt längere Gänge an deren Seiten links Schränle und rechts Kabinen liegen (oder umgekehrt).

Kabinen kann man nutzen, muss man aber nicht – und je älter die Männer sind, die man trifft, desto eher scheinen sie dazu zu zeigen, Kabinen für eine unangebrachte Einschränkung ihrer selbst zu halten. Noch nicht ganz verstanden habe ich, warum die „Decke“ der Kabinen mit einem Gitter versehen ist. Mir ist nicht klar, wovor da schützen soll. (Update: aus fachkundiger Quelle erfuhr ich, dass es vor ein paar Jahren tatsächlich Diebstähle/Belästigungen von oben gegeben haben soll. Diebstahl über die Kabinendecke hinweg fände ich jetzt zwar eine der kompliziertestmöglichen Methoden um jemand zu belästigen/zu klauen, aber anscheinend sahen das andere Menschen/Männer anders.)

Die Duschen sind kalt und warm und relativ sauber und so zusammen in einem großen Raum untergebracht. Der Raum, schon fast die Halle zeigt noch deutlich Anklänge an die ältere Duschaufteilung wie sie zum Beispiel auch im Stadtbad Mitte oder dem Paracelsusbad zu finden ist, die Dusch-Kuschel-Kabine der 1970er und später war noch weit entfernt.

Die Ablage für Handtücher und ähnliches ist eher spärlich. Positiv fällt auf, dass die Duschen mit einer Lichtschranke ausgelöst werden. Sie sind damit eine der wenigen Berliner Schwimmbadduschen, die tatsächlich so lange laufen wie man sie benötigt.

Becken 


Das übliche möchte man sagen. Ein 25-Meter-Becken mit Sprungbrettern (1 und 3 Meter), gelegen in der wie geschrieben sehr eleganten und lichtdurchfluteten Halle. Daneben noch ein Nichtschwimmerbecken. Das Becken in großen Teilen tief (Schwimmbrett), auffallend die schlechte Sicht im Wasser, die durch die zahlreichen Sauerstoffbläschen verursacht wird. Eine tolle Sicht hätte man übrigens auch aus der Halle, wenn nicht 20 Jahre nach Schwimmbadbau der Berliner Senat die Stadtautobahn neben das Bad gebaut hätte.

Alles was man zum Schwimmen braucht in angenehmer Atmosphäre und mit der schönsten Schwimmbadarchitektur der Stadt ohne Ablenkungen. So soll es sein.

Publikum


Faszinierend. Während ich in Schöneberg tendenziell immer den Eindruck habe knapp zur älteren Hälfte der Besucher zu gehören, bin ich in Wilmersdorf gefühlt Teil der jüngsten zehn Prozent und senke allein durch meine Anwesenheit das Durchschnittsalter um 20 Jahre. Besonders in der Zielgruppe 75+ scheint dieses Bad beliebt.

Gastronomie


Der Kiosk im Eingangsbereich steht leider seit längerer Zeit leer, war letztens aber mal öffentlich ausgeschrieben. Laut Schild gibt es im Keller Richtung Sauna noch ein Bistro. Dort traute ich mich aber noch nicht hin.

Preis


5,50. Berliner Standardbadepreis.

Sonstiges 


 Soweit ich sehe, werben die Berliner Bäderbetriebe für das Bad vor allem mit der „großzügigen Saunalandschaft“, die sich irgendwo im Keller versteckt. Was mir egal ist. Ich will schwimmen.

Fazit 


Mir nicht ganz begreiflich, warum das Bad teurer ist als das in jeder Hinsicht besser gepflegte, neuere und saniertere Bad in Lörrach. Aber die Berliner Bad-Preise sind ein Mysterium für sich. Auch die Öffnungszeiten könnten kundenfreundlicher sein. Aber wenn man denn mal drinnen ist und bezahlt hat: als Bad zum Schwimmen perfekt. Ich bin da gern.

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