Sonntag, 3. Januar 2016

Schwimmbäder nah und fern: Hallenbad Lörrach

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Spannung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.Heute: das Hallenbad Lörrach.

Nach Berlin geht es diesmal ganz in den Süden an die Schweizer Grenze. Lörrach liegt auf der deutschen Grenzseite von Basel, hat knapp 50.000 Einwohner, ein Freibad und ein Hallenbad. Lange eine kleine Industriestadt, erlebt die Stadt seit diversen Jahren einen Schweiz-induzierten Boom, der sich vor allem daraus speist, dass reiche Schweizer aus Basel und dem Umland Lörrach zum Arbeiten und Leben nutzen. Das einzige Hallenbad im Ort eröffnete am 7. Dezember 1973 und dient allen Sportvereinen wie der BRSV Lörrach oder Rot-Weiss Lörrach, der Tauchsportgemeinschaft Lörrach-Weil, sowie Schulen und Einwohnern zum Baden. Die Naturfreunde Lörrach halten im Schwimmbad ihr Wintertraining für das Kayakfahren ab. Das Bad liegt am Rand des Rosenfelsparks am Fuß des Lörracher Innenstadtbergs, nahe diverser weiterführender Schulen. Die urprünglichen Baukosten beliefen sich - inklusive der Rosenfelshalle - auf 6,3 Millionen DM.

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Gebäude: In meinem Inneren habe ich ein idealtypisches Bild eines Kleinstadtschwimmbades. Das „Hallenbad Lörrach“ kommt – angefangen vom Namen – nahe an dieses Idealbild heran; eine rechteckige Halle mit großen Glasfenstern. Die Anmutung ist diejenige,  die öffentliche Gebäude in den 1970ern/1980ern halt so hatten. Sämtliche ausgefalleneren Elemente des Bades wie die farbige Fenstergestaltung oder die Kunst an der Fliese sind offensichtlich neueren Datums und nachträglich angebracht. Einziges Extra ist die kleine Galerie an der Längsseite des Schwimmerbeckens, auf der bei eventuellen Schwimmwettkämpfen das Publikum aus zusehen kann. Erreichbar ist dieser langgezogene Balkon mit Holzbrüstung über den Vorraum, so dass das Publikum nicht erst in den eigentlichen Schwimmbereich muss.

Umkleidekabine/Dusche: An sich eine unspektakuläre Einrichtung. Vom Eingang kommt man in den Flur. Um vom Flur zu den Schränken zu gelangen, muss man zwangsweise durch eine Kabine durch, die eine lange Barriere zwischen Eingangsflur und Schränken bilden. Von den Schränken wiederum führt der Weg durch die Duschen ins Becken. Alles liegt auf einer Ebene. Die Kabinen und Schränke sind allen Interessierten aller Geschlechter zugänglich – sprich: es gibt einen gemeinsamen Bereich mit Einzel- und Familienkabinen und je eine Sammelkabine für Männer und Frauen. Schränke sind wieder für alle erreichbar, Duschen getrennt. Kabinen/Schränke/Duschen sind offensichtlich recht neuen Datums und tadellos gepflegt.

Interessantes Detail: die Kabinen sind vom selben Schweizer Hersteller wie im Stadtbad Schöneberg in Berlin, anscheinend aber ein anderes Modell. Noch spannenderes Detail: die raffinierte Türöffnungsmethodik, die in Schöneberg nie richtig funktioniert, lässt sich in Lörrach vollkommen problemlos bedienen. Überhaupt: wie das ganze Bad sind anscheinend auch Duschen und Kabinen in den letzten Jahren einmal grunderneuert worden. Hinter dem eigentlich recht soliden Ansatz blitzt immer wieder das Bestreben nach Stil und Eleganz durch, dass sich dann auch später im Becken und Deko zeigt.

Becken: Wie sie so sind diese idealtypischen Kleinstadtschwimmbäder. Ein 25-Meter-Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmerbecken und ein Babybecken. Das Hallenbad Lörrach ist eines der wenigen mir bekannten Schwimmbäder, das keinerlei Sprungbrett hat – wohl auch, weil ein erwachsener Mensch auf einem 3-Meter-Brett möglicherweise Probleme mit der Deckenhöhe bekommen könnte. Das Wasser hatte knapp 29 Grad und die Startblöcke sind ebenfalls ziemlich neu und modisch. Wie allgemein gesagt werden muss: auch wenn das ganze Bad ein Ausbund an solider Langeweils ist – es war top in Ordnung, alles ging, die Fliesen waren nicht im geringsten rutschig und allgemein erweckt Becken und Gelände druherum den Anschein als würde einmal am Tag eine Herde Hausmeister jede einzelne Schraube geradeziehen und für Ordnung sorgen.

Publikum: Ingesamt kommen besuchen pro Jahr etwa 100.000 Menschen das Bad. Bei unserem Besuch war es relativ voll, aber es war auch in den freien Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr. Viele Menschen aus der Alterskohorte 2 bis 12, niemand zwischen 12 und 25, und danach je älter desto mehr.

Gastronomie: Es existiert eine Bar an der man zwischen 16 und 20 Uhr Pommes und Frikadellen bekommen. Da es noch vor 16 Uhr war, habe ich den Saeco-Kaffee/Süßigkeitenautomaten probiert. Der Automat war auch eher von der stilvollen Art und Saeco, aber anscheinend gab es am Besuchstag Probleme:  der Espresso war zum sich schütteln.

Preis: 4 Euro. Damit unter dem Berliner Standardpreis von 5,50 Euro.

Sonstiges: Seit 2008 wird das ganze Schwimmbad mittels einer Holzhackschnitzelanlage beheizt.

Fazit: Spannend. Mal gebaut als quadratisch, praktisch, gut. Nicht spektakuläres, nichts aufregendes, aber was da ist, ist grundsolide. Mittlerweile aber anscheinend heftig aufgehübscht, erneuert, ökologisch umgebaut und umgestaltet, so dass sich das Hallenbad Lörrach auf den Weg von solide nach stylisch begeben hat. Es bleibt spannend, ob die Reise weitergeht.

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