Eine friedliche Koexistenz zwischen Wühlmaus und Mensch ist möglich. Wir haben eine Art Waffenstillstand geschlossen. Wir wehren uns nicht aktiv gegen die Wühlmaus, aber verhindern, dass sie unsere Pflanzen tötet. Grundlage und Basis dieser friedlichen Koexistenz ist die Rolle mit Kaninchendraht. Dieser wird um die Wurzeln der jungen Pflanzen geschlungen. Die Wurzeln sind sicher.
Der Draht vermodert im Laufe der Jahre. Aber bis er durchdringbar ist, sind die Wurzeln groß und mächtig genug, um sich der Wühlmaus allein zu erwehren. Die Suche nach neuen Kaninchendrahtrollen treibt mich gelegentlich in den Baumarkt. Dort was ich letztens. Und traf einen Turiner, mit dem ich über griechisches Essen sprach. Darüber bloggte ich nebenan. Low-n-slow.de: Moussaka / Kulinarische Weltreise.
Berlin empört sich! Es ist schwierig an Freibadkarten zu kommen. Temperaturen über 30 Grad und Seuchen-Beschränkungen limitieren die Karten. In den ebenso wie beliebten wie langweiligen Bädern wie dem Prinzenbad sind die Onlinekarten wenige Sekunden nach Kassenöffnung ausverkauft.
Dabei kenne ich kein einziges Berliner Freibad, das bei 25 Grad oder mehr besuchenswert wäre. Gehen im Slalom um Leute herum, schwimmen, eher paddeln, im Quetschslalom um Leute herum. Immer in der Hoffnung nicht von einem Beckenrand-Sprung-Artisten einen Fußtritt in die Wirbelsäule zu kommen. Während einem permenant kleine Kinder in die Ohren brüllen.
Es gibt keinen Grund, bei 25 Grad in ein Berliner Freibad zu gehen - außer bei verknappten Corona-Kartenkontingenten. Nicht alles ist schlecht an der Seuche.
Langfristig ist das beim Klimawandel natürlich keine Strategie. Die Stadt braucht mehr Freibäder. Wegen des Co2 gerne auch weniger oder gar nicht beheizt.
Letzte Woche besuchte ich meine Zahnärztin. Das Ereignis war wenig angenehm, aber sonst unspektakulär. Bis ich am Kleistpark stand und auf den Bus wartete. Ich betrachtete versonnen die ehemalige BVG-Hauptverwaltung, noch ehemaliger seit 1939 Verwaltungsgebäude für die Verwaltung der Reichsautobahn. Ein leichter Sonnenschein versuchte mich aus dem Halbschlaf zu kitzeln. Etwas entfernt, mir den Rücken zugewandt stand eine vermutlich ältere und kleinere Frau mit mehreren Taschen.
Bis drei Jungs auf diesen modernen Elektrotretrollern vorbei fuhren, die Frau auf den breiten Gehwegen in zwei bis drei Metern Abstand passierten. Die Frau begann zu schreien, ein Geräusch aus Autosirene und "man nimmt mir gerade die Kinder weg", etwa 20 Sekunden. Dann legte sie sich hin. Sie streckte die Beine aus, stützte sich auf den Händen ab, begab sich in Seitenlage, eine Tasche unter dem Kopf, und schrie im selben Tonfall und derselben Stimmlage weiter.
Nachdem sich die Passanten vom Schock erholt hatten, fragte sie ein Mann, ob sie einen Arzt braucht oder er helfen kann. Sie sagte heftig "Nein" und verstummte kurz. Sie stand auf, und wartete weiter auf den Bus.
Ganz anders ist es in Hedwigenkoog in Dithmarschen. Schon allein, weil man dort halbe Tage auf den Bus warten müsste. Auch ist das einzige laute Geräusch das Blöken der Lämmer. Nur Großbauten aus dem Jahren 1938/1939 gibt es ebenso wie am Kleistpark. Vor allem aber liegt neben Hedwigenkoog die Nordsee. In der ich badete. Und darüber bloggte: Nordsee-Baden in Hedwigenkoog/ Westerkoog.
Als mir 2013 die Wikimania vergönnte, nach Hongkong zu reisen, beeindruckte mich alles: Die Häuser, die Dichte, die friedliche Atmosphäre auf den Straßen, die Hochhäuser, der Taifun. Sechs Tage Mindflash.
Aber besonders beeindruckten mich die einzelnen Bäume. Sie standen in den reichen Vierteln. Sie waren umgeben von Luxushochhäusern, viele Dutzend Stockwerke hoch, Einkauszenten. Selten ein ebenerdiger Parkplatz, bei dem Tagesgebühr einer Berliner Monatsmiete entsprach. Und in der Mitte: ein Baum. Einer - und ich dachte: "Welch absurder Luxus, in dieser Gegend, in der die Quadratmeter mit Diamantstaub gemessen werden, einen ganzen Baum zu stehen zu lassen. Was für ein Baum, welch Ausschweifung."
Hongkong 2013, Taifun Utor im Anmarsch.
Ähnlich beeindruckend waren die Restaurants, die mich - sofern sie nicht-extrem-touristisch waren - komplett überforderten. Oder der Wet Market am Fähranleger, an dem ich Tiere für das Abendessen kaufen konnte, deren Existenz ich nie erahnt hätte. An Schildkröten erinnere ich mich nicht. Aber sie hätten mich nicht gewundert. Die Geschichte der Schildkröte als Nahrungsmittel ist lang. Ich bloggte nebenan darüber: Drei Varianten der Schildkrötensuppe.
Schwimmnudeln sind ein schönes Hochzeitsgeschenk. Sehr empfehlenswert sind diese, insbesondere wenn man mit dem ÖPNV zur Hochzeit fährt. Findet diese auch noch in Hamburg statt, wo jeder sich selbst für einen kleinen Snob hält: es gibt wenig schöneres als im vollen Hochzeitsbesuchsornat mit blauen und gelben Plastiknudeln die Hochbahn zu nutzen.
Der sogenannte Mike-Krüger-Blick auf die Alster-Schwimmhalle.
Und so war diese Fahrt von Madame, mir und der Schwimmnudel zum Hamburger Museum der Arbeit, eine unserer denkwürdigeren S-Bahn-Fahrten. An der Nudel hingen Gutscheine für das Hamburger Bäderland. Dieses betreibt eine Schwimmoper namens Alsterschwimmhalle. Und ich war dort. Und bloggte darüber nebenan auf Poolhopping: Alster-Schwimmhalle Hamburg. Schwieriger Futurismus.
Ihr kennt das: das Veröffentlichen eines Schwimmbad-Quartetts bringt vieles Erwartetes und auch vieles Unerwartetes mit sich. Da wäre zum Beispiel das wochenlange Verfluchen des eigenen DTP-Programms, weil es einfach nicht so will wie ich. Oder die Entdeckung, dass ein tonnenschweres Paket mit Quartetten aus Gründen bei einem Paketshop in Kreuzberg etwa 8 Kilometer entfernt der eigenen Wohnung gelandet ist.
Aber es gab natürlich auch anderes, weniger anstrengendes. Die ganzen Besuche in Schwimmbädern natürlich. Die verschiedenen Menschen und Journalisten, die ich kennenlernte und ganz besonders all' die Schwimmbadbegeisterten. Nicht zuletzt der Kontakt zu vielen Buchhandlungen. Fragt mich, inzwischen kann ich in ziemlich jedem Berliner Bezirk eine handvoll empfehlenswerter Buchhandlungen nennen.
Zum Beispiel in Lichtenrade, am südlichsten Südzipfel Berlins, die Lichtenrader Bücherstube. Einst vor langer Zeit musste ich am Bahnhof Lichtenrade Zeit totschlagen. Samstag Nachmittag in Lichtenrade ist eher tot als schlagen. Aber die Bücherstube blieb mir in positiver Erinnerung. Selbst nur aus dem Schaufenster sah es nach liebevollem Einzelhandel aus.
Leider ist Lichtenrade von meiner Wohnung noch weiter entfernt als der dammiche Kreuzberger Paketshop damals. Und so blieb es mir nur, ab und an ein Quartett in einen Umschlag zu stecken und zu denken: "Schöne Reise, du wirst es gut haben."
Lutz Röhrig war reisefreudiger als ich, und ist zu Öffnungszeiten bis nach Lichtenrade gekommen. Er porträtierte lesenswert die Bücherstube.
Ansonsten: es wird Frühling. Junge Herren im T-Shirt mit Man-Bun gehen abends um 19 Uhr auf dem Fußweg, nur um eine so dastehende Ampel plötzlich anzubrüllen: "Ey, Bitch. Was willst du, Mann???"