Mittwoch, 1. Juni 2011

Link: WP:WK:WAAD

Not surprisingly, all this has given rise to “Wikilawyering”, a sort of recursive loss of perspective spoken largely in acronyms along with Wikilinking to lengthy, complex policy explanations, which are subdivided by topic and bolstered by lengthy, complex guidelines on how to Wiki-argue them properly. Sit back, grab some popcorn, and head over to the “Articles [Proposed] for Deletion”, at which the author of “Some Random Band That Almost Played the Safeway Opening Last Week” is ridiculed for trying to apply the Notability guidelines for Nu Metal when he should’ve gone for Alternative Emo!


PopMatters: Wikiocracy, or We're All Doomed... Citation Needed via @wikisignpost

Selbstaufsockelung in 100 90 Jahren #wikipediawelterbediskussion

Eine Koalition von Menschen und Vereinen will, dass Wikipedia Welterbe wird. So richtig dagegen scheinen nicht allzuviele, so richtig "ihr spinnt" oder "hä" doch so einige. Wir schrieben hier ja auch schon mal. Da die größte Reaktion auf die ganze Initiative noch immer ein äh mit vielen Fragezeichen zu sein scheint, war es nicht die schlechteste Idee, mal ein paar Leute zu fragen, die wissen wovon sie reden.

Wikimedia Deutschland lud gestern zur Podiumsdiskussion im Deutschen Technikmuseum zu Berlin. Veranstaltungen in der Umgebung sind wirklich dringend weiterzuempfehlen. Ein labyrinthiger, atmosphärischer Gang durchs leere Museum, um im dritten Stock anzukommen. Dort ein wirklich schöner, schlichter, stylisher Raum und ein grandioser Ausblick von der Terrasse auf das Gleisdreick und das Gelände vom Technikmuseum. Große Schau.

Anwesende habe ich nicht gezählt, vermute im Nachhinein so um die 40-50 Leute, davon etwa die Hälfte "übliche Verdächtige". Wikipedianer, die weder Vereinsvorstand noch Geschäftstsellenmitarbeiter sind, zählte ich (inklusive meinerselbst) drei fünf. Liebe Community, wenn ihr wollt, dass Eure Kritik ankommt - auf Wikipedia-Diskussionsseiten liest kein Nicht-Wikipedianer mit, hier hätten welche zugehört.

Kew Gardens Treetop Walkway - Sept 2008

Ein Podium, dass sich überraschend einig war, und die Welterbigkeit von Wikipedia so vage eine gute Idee fand. Ungewohnt informativ aber schon so ein bißchen dröge. Selbst der größte Skeptiker, Ralf Müller-Schmid von DRadio Wissen, fand Wikipedia an sich total toll, und die ganze Idee nur 100 Jahre zu früh. So museal ist Wikipedia, doch gar nicht, und Selbstaufsockelung ist ihm sowieso suspekt. Immerhin ließ er sich im Laufe der Diskussion herunterhandeln: am Anfang war es noch 100 Jahre zu früh für sowas, am Ende nur noch 90.

Dazu saß auf dem Podium noch ein Geschäftsführer Pavel Richter, der überzeugend das Leuchten in den Augen hatte, und seine Gurkenidee wirklich gut verkauft hat. Denn, bei aller Bescheidenheit, ich würde ja auch schon behaupten, dass Wikipedia weltweit der Menschheit kulturell mehr gebracht als der Bremer Roland beispielsweise.

Die Leute, die tatsächlich Welterbeahnung haben (Britta Rudolff die Heritage Studies lehrt und Till Kreutzer von der UNESCO-Kommission), meinten, dass es zwar neu und ungewohnt wäre, und die UNESCO-Kriterien sicher eine ungewohnte und dehnbare Interpretation brauchen; komplett und definitiv stehen sie dem Welterbeplan nicht entgegen. "Sehr schwierig und mutig aber theoretisch schon irgendwie möglich" würde ich mal deren Fazit zusammenfassen.

Schließlich saß da noch Linus Neumann, als "Sprecher des Internets" oder so, oder weil man mit seiner Einladung fünf Ankündigungen auf Netzpolitik.org bekam oder warum auch immer: der hat wirklich spannende Sachen gesagt, die aber immer so leicht offtopic waren.

Insgesamt jedoch hatte ich den Eindruck, dass die Veranstaltung am Ende ein ähnliches Fazit hatte, wie der Anfang auch: so ganz abstrakt und zur Aussage "das ist ein tolles Werk" ist die Idee gut. Aber kann man das nicht auch mit weniger bürokratischem Anhang sagen? Und bedeutet Welterbe nur "Wikipedia ist total seriös und super" oder halt auch noch jede Menge Kleingedrucktes, das niemand wirklich will.

Wassu stone circle

(Und ja, ich muss es sagen, hätte man mit den Ressourcen nicht auch einfach eine "Hilfsstelle zum professionellen Schreiben von Anträgen für Communitymitglieder für das Community-Projekt-Budget" aufbauen können?)

Update: Zahl der "freien Wikipedianer" auf fünf erhöht. Danke, Marcus!

Kaffee auf der Tastatur [4]



xkcd natürlich.

Dienstag, 31. Mai 2011

Määäääppy Birthday dear Stepro, määääääääppy Birthday to you.



Wünschen dieses Geburtstagsschaf und ich.

Investigativer Enzyklopädismus II: Doktorarbeitsplagiat

Wer es nicht glauben: Wikipedia-Artikel schreiben ist Recherche. Nachdem vor gerade mal zwei Wochen ein Wikipedianer einen Gestapo-Dezernatsleiter aufspürte, ist es diesmal ein falscher Doktor. Ich crossposte einfach mal aus dem Wikipedia-Kurier. Text stammt von anonym bleiben wollender IP-Adresse und steht unter CC-BY-SA 3.0.

Die Westfälischen Nachrichten berichteten am 28. Mai 2011 von einem möglichen Plagiatsfall an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster. „Dabei geht es um zwei Dissertationen, die angeblich große Übereinstimmung aufweisen. Dies hatten Autoren des Internet-Lexikons Wikipedia bemerkt, als sie einen Artikel überarbeiteten. Wikipedia informierte die Universität, nun wird der Fall geprüft.“ (K. Völker: ''Verdacht auf gefälschte Doktorarbeiten an Uni Münster.'' In: ''Westfälische Nachrichten'' vom 28. Mai 2011)

Nein, keine Plagiatsjäger war hier am Werk. Ein Zufallsfund im Rahmen der Literaturrecherche für einen Artikel des letzten Schreibwettbewerbs. Und ebenfalls ein Zufall, dass zehn Tage vor diesem Zufallsfund ein deutscher Minister wegen einer plagiierten Dissertation zurücktrat.

Als Autor nutze ich gerne den allgemeinen Teil von Dissertationen: komprimiertes Wissen, das den Stand der Wissenschaft darstellt und – so sollte es jedenfalls sein – mit der entsprechenden Referenzierung der Originalliteratur versehen ist. In einer Dissertation aus dem Jahr 2006 fand ich am Abend des 10. März dieses Jahres den Begriff ''Xxxxxxxxx xxxxxxxxxxxx xxxxxx'' (aus datenschutzrechtlichen Gründen unkenntlich). Ein Wachstumsfaktor aus der Prostata, der Osteoblasten zur Proliferation anregen soll. Trotz all der Journals und Büchern, die ich zur Erstellung des Artikel gelesen hatte: dem Begriff war ich bisher noch nie begegnet.

Die angegebene Quelle war ein Buch von 1996. Das war nicht zur Hand, also wurde die „Allwissende Müllhalde“ bemüht. Bei den spärlichen Suchergebnissen war unter anderem eine Dissertation von 2009 – gleiche Uni, sehr ähnliches Thema. Ein Klick auf die PDF-Datei und diese Geschichte nahm ihren Lauf. Beim Überfliegen des Textes der Einleitung dachte ich schon an ein Déjà-vu-Erlebnis. Der Text kam mir sehr bekannt vor. War da versehentlich die zuvor gelesene Datei von 2006 falsch verlinkt? Nein, ein anderer Autor, wirklich das Jahr 2009, gleicher Doktorvater, gleiche Fakultät und ja, im allgemeinen Teil genau der gleiche Text, mit minimalen (geradezu grotesken) Abweichungen.

Grotesk beispielsweise, wenn ein Diagramm kopiert wird, in dem sich plötzlich eine Diagonale befindet, die mit „Diagonal [sic] (keine Aussagekraft)“ gekennzeichnet ist. Selbst Zeilen- und Seitenumbruch gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Sehr vorteilhaft, wenn man einen großen Bildschirm hat, an dem man zwei PDF-Dateien nebeneinander lesen kann. Nun gut, im allgemeinen Teil volles Copy&Paste-Programm, da könnte man ja noch drüber wegsehen. Aber 1. wird der Autor der 2006er-Dissertation überhaupt nicht erwähnt, d.h. er taucht nirgends als Quelle auf und 2. der sehr hohe Grad an Übereinstimmungen findet sich auch im Ergebnis- und Diskussionsteil(!).

Mehrere Stunden dauert der Abgleich; bis tief in die Nacht. Der Übereinstimmungsgrad ist so hoch, dass es leichter ist die Unterschiede zwischen den beiden Dissertationen zu suchen. Und die sind klein und – wie schon erwähnt – teilweise grotesk. So ist beispielsweise das Literaturverzeichnis inhaltlich völlig identisch. Unterschiede gibt es lediglich in der Formatierung, da ein Punkt nach den Initialen, dort ohne, und die eine Dissertation hat eine Quelle weniger. Das verschiebt dann ab Nummer 10 sämtliche Quellen um eine Position nach vorne. Die Ursache: in der Dissertation von 2006 ist eine Quelle doppelt aufgeführt, an Position 9 und 10. Bei dem Werk von 2009 findet sich diese Quelle nur einmal, an Position 9. Die Doublette wurde also bemerkt und entfernt.

Selbst in der Danksagung gibt es völlig identische Absätze. Bei den Lebensläufen – übrigens der Hauptgrund dafür, dass die beiden Dissertationen hier (leider) nicht verlinkt sein können – gibt es dagegen keine inhaltlichen Übereinstimmungen. ''Magna cum laude'' (‚eine besonders anzuerkennende Leistung‘) gab es für die Arbeit von 2009.

Wirklich schockiert und entsetzt von dem Gesehenen, das mein Vorstellungsmögen weit übertraf, ging es ins Bett. Es wurde eine sehr unruhige aufgewühlte Nacht. Um es offen zu sagen, es ist kein angenehmes Gefühl etwas entdeckt zu haben, das für den/die Betroffenen möglicherweise sehr weitreichende Folgen haben kann – wenn man es publik macht. Ich kenne keinen der Beteiligten. Keiner hat mir irgendwas getan. Aber deshalb Nichtstun und so etwas (ohne Wertung des Sachverhalts, da ein laufendes Verfahren) durchgehen lassen? Auch kein besseres Gefühl.

Ich habe Rat gesucht bei Kollegen und guten Bekannten. Vier Habilitierten, von drei verschiedenen Universitäten, wurden die beiden Dissertationen vertraulich gezeigt. Einhellige Meinung: unvorstellbar und auf jeden Fall melden. Also eine E-Mail an die Medizinische Fakultät der Uni geschrieben, man möge doch bitte die beiden Dissertation eingehend prüfen, da der erhebliche Grad an Übereinstimmungen den Verdacht eines Plagiates nahe legt. Die Antwort des Dekans kam drei Stunden später: „vielen Dank für den Hinweis. [..] in dem zuständigen Gremium der Fakultät und Universität überprüfen und, falls erforderlich, die notwendigen Schritte unternehmen.“ Ende März ein Zwischenbescheid aus Münster mit Dank und dem Hinweis auf eingeleitete und noch laufende Ermittlungen. Am 20. Mai ein weiterer Zwischenbescheid, der den jetzt in den Westfälischen Nachrichten veröffentlichten Sachverhalt wiedergibt. Soweit der aktuelle Stand der Dinge. [[IP-Adresse|IP]] 28.5.



Montag, 30. Mai 2011

Oahu, #dänisch

Dänisch, die Sprache der Träume, Hot Dogs, Däninnen und Hans-Christian Andersens. Weg zu Butter, Schinken, Hot Dogs und nach Roskilde. Oh oooo! Vor langer Zeit einmal habe ich versucht, dänisch zu lernen.

Das war ein eher irritierendes Erlebnis. Die Grammatik stellte ausnahmsweise gar kein Problem dar, die ähnelt dem Deutschen tatsächlich sehr. Ortographie und Aussprache jedoch waren so rätselhaft, als man ein Naturvolk entdeckt - das 24 Stunden am Tag Kartoffeln isst.

Dänisch hat 30 Buchstaben, die alle entweder a oder o bedeuten. Beziehungsweise einen von sehr vielen Vokallauten, die so ähnlich klingen wie a oder o. Ob nun zum Beispiel ein d und ein l für a oder für o stehen, hängt vom Wort ab. So kann es also passieren, dass das geschriebene Wort cvrts sich ooaao ausspricht, während das gesprochene Wort oooaoo sich knallert schreibt. Wenn ich versuche, dänisch zu reden, hört sich das ungefähr so an wie Otto Mohl fühlt sich wohl am Pol ohne Atom von Loriot.

Wenn Dänen dänisch reden hört sich das immer noch vage so an, die schaffen es aber tatsächlich eine ganze komplexe Sprache in zwei Lauten und ihren Abwandlungen darzustellen. Aber wie frohlockte ich nun: auch sie haben damit Probleme.

Wie die Copenhagen Post berichtet (An overabundance of vowel sounds makes Danish a difficult language to learn – even for Danish children, say linguists) lernen dänische Kinder deutlich später Wörter als ihre Altersgenossen in anderen Sprachräumen. Erst wenn sie 8 bis 9 sind, holen sie den Wortlernvorsprung der europäischen Altersgenossen auf. Und wer ist schuld? Vokale! Geschrieben gibt es neun: a, e, i, o, u, æ, ø, å und y, gesprochen aber 40 verschiedene Vokallaute.

To make matters worse, modern Danes ‘swallow’ lots of the remaining consonants... In Danish, it is how ... a simple, little sentence like 'Det er det' becomes ‘dā-ă-dā’.

Oha.

Update: Danke an @theredbird, Ottos Mops stammt natürlich von Jandl, ersetzt durch Otto Mohl fühlt sich wohl.

Die tapferen Schneiderlein. #urheberrecht

Die ganze Urheberrechtsdebatte ist von Missverständnissen und romantischen Vorstellungen durchsetzt. Wolfgang Michal fügt dem jetzt auf Carta ein weiteres hinzu. Um Michals Argumentation kurz zusammzufassen: die Inhaltsindustrie nutzt Urheber, um sich Rechte zu erstreiten, die den Urhebern nichts mehr nutzen. Im Kampf zwischen Medienriesen und Verbraucherorganisationen drohen die Urheber zerrieben zu werden, und brauchen ein stärkeres Urhebervertragsrecht. Wobei insbesondere der Glaube trügt, ein stärkeres Urhebervertragsrecht würde vieles ändern.

Ganz falsch liegt er damit natürlich nicht. Die Urheber sind in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition, und die Aktivitäten der Urheberinteressenvertretungen wie Ver.di sind eine Schande. Die Fälle in denen Industriegewinne wirklich zu den Urhebern weitergereicht wird, sind so häufig nicht, und im Zweifel trifft es die, die sowieso schon nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld.

Das allerdings liegt nur bedingt am Urheberrecht. Beziehungsweise das Urheberrecht verstärkt da für viele Beteiligte noch die unglücklichen Effekte des Marktes. Der ganze Kreativmarkt ist ein für Urheber stehts ungünstiger Winner-Takes-it-All-Markt. So lange es möglich ist, überall die beste(*) Musik zu bekommen, wird der Produzent der besten Musik alles bekommen, der fast ebenso gute Produzent der zweitbesten Musik nichts.

Solange also primär für etwas bezahlt wird, was sich kostenlos reproduzieren lässt, werden immer einige Leute sehr viel Geld verdienen, und sehr viele Leute gar nichts. Je besser dieser eine und sein Werk geschützt ist, desto ungleichmäßiger wird die Verteilung. Kommt dazu noch ein Produkt, bei dem das Angebot deutlich größer ist als die Nachfrage, (weil: Schreiben macht ja Spaß), geht das Einkommen in den Randbereichen gegen Null.

Wird ein besseres Urhebervertragsrecht da was ändern? Nicht viel. Eigentlich nur, wenn es die großen Player (Contentindustrie, Verwertungsgesellschaften) zur Quersubvention zwingt. Geht es Leuten in anderen kreativen aber von Urheberrechten freien Bereichen besser? Wenn es irgendwo schlechte Arbeitsbedingungen gibt, dann bei Friseuren und Schneidern.

Müssen sich Autoren vielleicht einfach damit abfinden, die Friseure der Wissensgesellschaft zu sein?

(*) Und jetzt keine Grundsatzdiskussionen, dass doch die wahre, gute und schöne Musik.. "beste" in diesem Post hier, bedeutet, "am besten auf die Bedürfnisse des Publikums abgestimmt."