Dienstag, 10. Februar 2015

Ein Wikipedia-Fake über lange Zeit: die Dithmarscher-Stormarner Legionäre und Wilhelm Ramm

Nein zur kreisreform plus insidefahne
Pseudohistorische Flagge Dithmarschens. Eine passende Illustration für einen Fake-Geschichts-Artikel.

Die Qualitätssicherung der Wikipedia arbeitet manchmal langsam, aber sie ist unerbittlich. Manchmal arbeitet sie sehr langsam. So zum Beispiel im Falle der "Dithmarscher-Stormarner Legionäre" - einem angeblichen Freikorpsregiment aus den Freiheitskriegen, das seit 2005 in der Wikipedia verzeichnet war und 2015 als Fake gelöscht wurde. Hauptindiz für die Löschung war  schlußendlich, dass das als Quelle angegebene Buch nicht existiert. Um genau zu sein, existiert nicht einmal der Verlag, der das Buch angeblich herausgegeben hat.

Erstrwähnung und Wilhelm Ramm: Juli 2005

Am 7. Juli ergänzt ein nicht-angemeldeter Nutzer den Artikel Freikorps um die Dithmarscher-Stormarner Legionäre, die angeblich während der napoleonischen Kriege bestanden haben. Wie damals durchaus üblich noch ohne Quellenangabe.

Derselbe Nutzer schrieb dann auch den Artikel zum Legionärsführer Wilhelm Ramm:

Wilhelm Ramm...Dithmarscher-Stormarner Legionäre

Montag, 9. Februar 2015

Was zu erwarten war #pegida

Sheep crossing (2540222647)
Wo laufen sie denn?

Pegidas Programm ist nun seit Monaten im Wesentlichen, dass der Prozess westlicher Demokratie total doof ist und sie im Kreise laufen um das zu ändern. Konkret was tun geht nicht, weil das ist ja alles doof. Vorhersehbare Sackgasse: es geht nicht voran und außer Zuspruch in der Selbstbestätigungsblase kann da nichts kommen; es läuft sich schon fast wortwörtlich tot.

Angesichts der Zwangslage gibt es zwei Alternativen:

(1) Weiter im Kreise laufen und die typische Trolltaktik anwenden: weiter eskalieren, damit es aussieht als würde doch etwas passieren.

(2) Oder versuchen, aus der Sackgasse zu kommen, indem man doch so Politik macht wie das andere Menschen in diesem Lande auch machen. Wenn aber die gesamte Raison d’être war, dass politisches Engagement konventioneller Art böse ist und alle Anhänger kamen, weil sie Politik doof fanden, werden sie nicht plötzlich den gängigen Weg gehen wollen. Und siehe da, der Wir-sind-seriös-und-ernsthaft-Ableger hat sofort keine Freunde mehr:

Wo ist das Volk?

Jetzt bleibt es nur noch zu sehen, wann der Wir-bleiben-unbestimmt-und-gegen-alles-Ableger soweit eskaliert hat, dass da selbst in Dresden niemand mehr mitgehen mag, weil es zu trollig wird.

Und nein, es wird nicht alles gut. Bei der Frage was bleibt, sehe ich auf die Dauer ein paar Pöstchen in der AfD (letztlich egal), viele tausend frustrierte Sachsen (unangenehem, sowohl für die Menschen wie auch für diejenigen, die mit ihnen zu tun haben) und leider ganz neue Netzwerke zwischen Neonazis, Hools und Rechtskonservativen Bürgerlichen.(vermutlich langfristig die Folge, die am meisten Stress und Ärger machen wird)
 

Sonntag, 8. Februar 2015

Wikimania-Bewerbungs-Freitextfelder (Update: Sprachempfehlung geändert)

Borregos Sheeps Mexico City Ixtapaluca
Für diejenigen, die bei ihrer Wikimania-Stipendien-Bewerbung schon im Voraus überlegen wollen, was sie antworten und nicht erst, wenn sie das Formular offen haben, hier die Fragen, die kommen werden:

(zur Frage: man kann auf deutsch antworten, dann checkt die Jury aber noch anderswo, ob man in der Lage ist halbwegs verständlich englisch zu schreiben. sprich: eine gute englische bewerbung ist sicher besser als eine gute deutsche, eine schlecte englische vermutlich nicht mehr)

Zur Sprache (Update): gar nicht so leicht. Mittlerweile ist mir ja aufgefallen bzw. ich wurde dahin gestupst (danke, Rebecca), dass die Jury in Runde zwei ja native German spricht und sich vermutlich tendenziell eher über lange deutsche Texte freut als über lange englische.. hm, herausforderung: Englischkenntnisse gut genug demonstrieren um in Runde zwei zu kommen und in der dann einen guten deutschen Text schreiben. Wie man das in einem Formular fertigkriegt weiß ich aber auch noch nicht.

"Erzähl uns etwas über deine Beteiligung in deinem Heimatwiki oder in der breiteren Wikimedia-Bewegung. Was hast du erstellt oder beigetragen, um dein Wiki oder die Gemeinschaft zu verbessern? Hast du eine dieser Aktivitäten geleitet oder organisiert?"

"Was ist Großartiges passiert als Ergebnis dieser Aktivitäten? Dies kann entweder quantitativ oder qualitativ beschrieben werden und kann online oder offline Auswirkungen haben. Hier sind einige Beispiele, die helfen könnten."

"Über welche Zusammenarbeit mit anderen Wikimedianern oder Wikimedia-Organisationen bist du am meisten stolz?"

"Wie teilst du üblicherweise deine Erfahrungen (oder Sachen, die du gelernt hast) mit der Gemeinschaft? Beispiele von Wikizusammenfassungen oder -berichten, Blogbeiträgen, Diskussionen bei Treffen etc. sind hier willkommen."

"Hast du früher eine Wikimania auf einem WMF-Stipendium besucht? Falls ja, verwende bitte den Platz unten, um uns über etwas Großartiges als Ergebnis eines früheren Wikimania-Besuchs zu erzählen. Was sind deine Ziele für einen erneuten Wikimania-Besuch?"

Und für diejenigen, die die deutschen Übersetzungen auch etwas schräg finden, hier nochmal die Originalformulierungen: 

Tell us about your involvement in your home wiki or the broader Wikimedia movement. What have you built or contributed to in order to improve your wiki or community? Have you lead or organized any of these activities?

What’s something great that happened as a result of these activities? This could be described either quantitatively or qualitatively, and could impact either online or offline. Here are some examples that might help.

What collaborations with other Wikimedians or Wikimedia organizations are you most proud of?

"How do you usually share your experiences (or things you’ve learned) with your community? Examples of on-wiki summaries/reports, blog posts, meetup talks, etc. are welcome here. "

"Have you previously attended Wikimania on a WMF scholarship? If so, please use the space below to tell us about something great that happened as a result of attending Wikimania previously? What are your goals for attending Wikimania again?"

Freitag, 6. Februar 2015

Partizipation, der vierte Hinterhof und einige wenige, vokale Männer


Heidschnucken in Schmarbeck 06 Wikimedia Deutschland wird die Jahresplanung 2016 partizipativ und mit den Freiwilligen zusammen vornehmen. Nein, bitte kein Gelächter - mir haben mittlerweile mehrere Menschen, die es wissen müssten, versichert, dass die Partizipation in der Planung wirklich und tatsächlich gewollt ist. Also: die Absichten sind vergleichsweise gut.

Nun sind die Absichten das eine, und der Weg zur Hölle mit guten Vorsätzen gepflastert und das Gegenteil von gut ist gut gemeint.. und naja, und so weiter. Bei der Durchführung einer partizipativen Planung stellt sich ja nicht nur die Frage: will WMDE partizipativ planen, sondern auch: kann WMDE überhaupt partizipativ planen?

Da Sebastian Moleski - ehrenamtlicher Schatzmeister von WMDE - dankenswerterweise schrieb: "Um das anzuschieben, bin ich für jeden Vorschlag dankbar, wie wir diese Diskussion am besten führen. Umfrage im Forum? Diskussion hier? Umfrage/Diskussion in der Wikipedia?" will ich doch mal versuchen etwas ausführlicher zu schreiben, was ich da für sinnvoll halte und was nicht.

Nicht sinnvoll

Traffic Jam, West of Ireland
Was ich nicht für sinnvoll halte, ist relativ einfach: einfach so vor sich hindrömmeln wie immer, dann eine Diskussionsphase aufmachen in der die Mitglieder was sagen dürfen, und dann wieder vor sich hindrömmeln.

Das hat zwei Effekte:

(1) Vorwissen, Enthusiasmus, Zeitbudget und Ansprüche der Mitglieder und Interessierten sind sehr verschieden: ein Community-Zwischenschritt irgendwo in der Mitte wird 90% der Interessierten außen vor lassen, weil das nichts bringt.

(2) Wenn man ein Angebot macht und wartet, dass Leute kommen, kommen halt die 10 Leute, die gerade nichts besseres zu tun haben oder sowieso de facto auf dem vierten Hinterhof am Tempelhofer Ufer in der Geschäftsstelle leben. Das sind aber nur bedingt diejenigen, die man haben will. Also nichts für ungut und gegen die Person: im Zweifelsfall zähle ich da ja mit zu: aber es sind nur einige wenige. Es gibt 7000 halbwegs aktive Wikipedia-Autorinnen, sicher eine vierstellige halbwegs aktiver Commons/Wikidata/ und 1300 altive Mitglieder von WMDE. Wenn sich davon nur 10 bis 15 an der Planung beteiligen ist das ein Versäumnis des Vereins. Neben den 15 die eh kommen, muss man sich um die anderen 8000 aktiv kümmern. .

Wenn man sich nicht kümmert, passiert folgendes, worüber sich auch letztens jemand aus dem erweiterten WMDE-Umfeld beschwerte: "Das sich-Abhängig-machen von der Meinung einiger weniger, vokaler Männer, die ihre Zeit auf WP:DK verbringen (wie dies seit Jahren leider bei hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern immer wieder vorkam), wird den Verein nicht weiterbringen." Darauf kann man dann auf zwei Arten reagieren: abschotten nach Außen. Oder die nicht ganz-so-vokalen-Männer-und-Frauen zu Gehör bringen.

Die Übermacht der einigen wenigen ist ein logisches Ergebnis von Halbherzigkeit: das passiert, wenn einem die Freiwilligen eigentlich egal sind/ man sie für selbstverständlich haält und einfach so hinnimmt, sie aus verschiedenen Gründen aber auch nicht komplett ignorieren kann. Alle anderen brauchen mehr Aufmerksamkeit, mehr Entgegenkommen, mehr Kümmern.

Sinnvoll 

Tractors and sheep Ballachly - geograph.org.uk - 1043846 Stellt sich die Frage:  wenn komplette Abschottung nicht gewollt ist, man sich aber auch nicht von den Menschen mit viel Zeit, viel Meinung und wenig Schmerzempfinden abhängig machen will: was tun? Die Antwort ist abstrakt einfach. Sie ist aber in der Umsetzung schwer, weil es ein Kultur der Partizipation benötigt, die gelebter Alltag ist und sich eben nicht auf einen Prozess unter vielen beschränkt, sondern dauerhaft und permanent da ist: Community-Mainstreaming bei Wikimedia Deutschland.

Rausgehen, rausgehen, rausgehen

Die Jungs vom vierten Hinterhof sind immer da und die rufen auch laut genug, um gehört zu werden. Nun haben die sicher was sinnvolles zu sagen, aber es sind wenige und sie sind nicht unbedingt repräsentativ. All' die Anderen 99,9% potenziell interessierter Mitglieder sind nicht da + die sitzen auch nicht gelangweilt zu Hause herum und warten, dass man sie anspricht. Die haben schon ein erfülltes Leben und müssen davon überzeugt werden, dass ihr Leben noch erfüllter ist, wenn sie mitplanen.

Das heißt zum Beispiel:
* die Freiwilligen müssen die Möglichkeit haben zu wissen, wo und wie sie sich einbringen können und das mit entsprechenden Vorlaufzeiten (mindestens vier Wochen vor einem konkreten Schritt)
* man muss glaubhaft klar machen, dass es eine persönlich lohnende Veranstaltung ist und ihr Engagement tatsächlich Folgen und Auswirkungen haben wird
* das ganze muss do gut dokumentiert und vorbereitet sein, dass sie stets wissen wo im Prozess sie sind und was es heißt
* zu wichtigen Stakeholdern (also z.B: zu den ~20-40 Personen, die sich schon mal aktiv mit Anträgen und Beiträgen in die Diskussion eingebracht haben) aktive persönliche Beziehungspflege und Ansprache - möglichst mit dem Ziel, dass sie ihr Wissen und ihre Fertigkeiten weiter streuen.

Grundbedingung all' dessen ist Langfristigkeit. Begeisterung und Engagement für eine Sache kommt dann, wenn man sich auskennt und Vertrauen hat. Vertrauen aufbauen dauert lange, Vertrauen verlieren, geht schnell. Vertrauens- und Beziehungspflege zu allen Freiwilligen ist eine Kernaufgabe der Geschäftsstelle.

Sinnvolle Fragestellungen, sinnvoll heruntergebrochen

Eine der bedeutsameren Aufgaben des Präsidiums von WMDE ist die strategische Planung. Nun habe ich diverse Präsidien aus diversen Perspektiven gesehen und eigentlich alle haben sich mit dieser strategischen Planung ziemlich schwer getan. Das ist bei genauerer Betrachtung eigentlich nicht verwunderlich: gut strategisch planen ist die anspruchsvollste aller Aufgaben im Verein und verlangt immenses Wissen sowohl über WMDE wie über das weitere Wikiversum wie über die Communities. Strategisch planen - ohne Erfahrungen und Kenntnisse zu haben, wie das dann praktisch aussieht und was das praktisch bedeutet - ist ein bisschen wie ein Segelboot designen ohne auch nur selbst einmal auf dem Wasser gewesen zu sein: entweder es wird so abstrakt, dass es vollkommen beliebig wird und keine Planung ist; oder man macht was kaputt.

Nun mag es zumindest in der Theorie möglich sein, 10 gewählte Präsiden so gut zu briefen, ihnen zuzuarbeiten und sie zu beraten, dass das irgendwie hingeht - bei einer breiteren Community ist das aber nicht mehr möglich. Strategisch auf dem leeren Blatt planen überfordert die Freiwilligen und das Ergebnis verstört im Zweifelsfall die Hauptamtlichen.

Für Planung bedeutet das:
* Eine breite, offene Vorbereitung, die erstmal sehr offen Wünsche, Bedarfe, Problemlagen, Ideen, Kritik einsammelt. Daraus generiert: 
* Lösbare Fragestellungen. Kein leeres Blatt sondern - halbwegs ausgearbeitete und vorbereitete Alternativen
* Kleinteiligkeit: wenn es auch nur wenige geben wird, die den Meta-Meta-Überblick haben  Die Möglichkeit an verschiedenen, passenden Stellen im Prozess ein- und auszusteigen; die Möglichkeit sich nicht für das Große und Ganze zu interessieren, sondern sich da einzubringen wo es passt und wo die eigene Kompetenz der Freiwilligen liegt.

Partizipation muss Alltag sein

In dieser Kleinteiligkeit und Einbeziehung liegt die größere aller Herausforderung. Ein "Planungsprozess" der neben oder losgelöst vom Alltag stattfindet, bindet Energien führt zu Frustrationen und lenkt fehl. Partizipation in der Planung sollte Alltag auf allen Leveln sein - von der großen Strategie (für die sich sicher auch einige interessieren) bis hin zu relativ kleinteiligen Entscheidungen. Alle erfolgreichen Initiativen und Projekte im Wikiversum sind mit und durch starkes freiwilliges Engagement entstanden: Freiwillige gibt es in allen Lebenslagen des Freien Wissens und sie sind intelligent, gebildet und im Normalfall hilfreich: sie müssen nur eine Chance haben, ihre Intelligenz, Meinung und Erfahrung einzubringen: das passiert nicht durch einen abgehobenen Planungsprozess weitab von alles, sondern durch Einbeziehung und Partzipationsmöglichkeiten von ganz groß bis ganz klein in allen Themen und Aufgaben: Community-Mainstreaming.tut not.

 

(Version 1.0 .- ohne Fußnoten und Links) 

Freitag, 30. Januar 2015

PLegida - Stunde der Wahrheit und Mühen der Ebene #pegida #legida

Vor ein paar Tagen hatte ich mich ja schon einmal mit Pegida hier befasst und der Frage "was ist das? was wollen sie? wo wollen sie hin? und was wird das alles?" Während außerhalb Sachsens ja fast nur echte Nazis zu den Demos gehen, ist/war die Zusammensetzung in Dresden deutlich heterogener von Nazi-Hools bis hin zu gesellschaft etablierten Unsympathen, die sonst immer nur im Keller grummeln. Ohne mich jetzt allzuviel wiederholen zu wollen, zeichnete sich Pegida dadurch aus:

* die Heterogenität drückte sich in einer bizarren Spannbreite an Forderungen und Einstellungen zwischen Systemwechsel sofort bis zu "Polizeireform 2020 überarbeiten" aus, die in sich höchst widersprüchlich und sehr irritierend waren.
* Teilneher und Redner zeichen sich dadurch aus, schlecht bis gar nicht in eine offene pluralistische Gesellschaft integriert zu sein und massive Probleme mit allem zu haben was "anders" ist. Man könnte fast von einer Provinzsächsichen Parallelgesellschaft zum Rest Deutschlands reden.
* eine hohe Grundaggressivität
* die dezidierte Ablehnung von Politik. Weder war Pegida bereit auch nur zu Verstehen wie Politik in einer repräsentativen Demokratie eigentlich funktioniert, noch waren sie bereits irgendwie konkret zu werden oder was zu machen. 

Und die große Frage war: man kann ja nicht immer nur im Kreis laufen? Was dann?

Durch die sehr dezidierte Ablehnung jeglicher Politik und das Ziel "alles sofort" erreichen zu wollen, hat sich Pegida jeglicher Handlungsoptionen beraubt. Das "wir werden immer größer bis MILLIONEN auf der Straße stehen" hat irgendwie nicht geklappt und zuletzt wurden es selbst in Sachsen weniger. Immer nur im Kreise laufen ohne dass was passiert, ist halt nur begrenzte Zeit erhellend, der Reiz des Neuen ist weg und die Neugier der Medien auch bei weitem nicht mehr so groß wie am Anfang. Was also nun? Immer weiter im Kreise laufen bis alle schwindlig werden? Doch Politik machen? Oder einfach weiter eskalieren in der Hoffnung, dass noch etwas passiert?

Abgesehen von Gemeinschaftsgefühl und Feelgood musste man tatsächlich mal inhaltlich werden und was passiert: es fällt auseinander. Der eine Teil möchte jetzt doch Politik machen und seriös werden - da Pegidas ganzer Impuls aber darin besteht, Politik an sich als "Volksverrat" zu empfindenm wird das wohl eine Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der andere Teil scheint zu eskalieren. Auf der Seite scheinen die Nazis aus Leipzig gerade die Rest-Pegidisten aus Dresden assimilieren zu wollen. Die Leipziger sind nun politisch leider deutlich weniger naiv und wissen auch, wie man eine extremistische Bewegung über Jahre am Laufen hält. Die freuen sich, dass sich gerade mal weit in gesellschaftliche Lager hineinreichen dürfen, die ihnen verschlossen sind, und wollen die bundesweite Aufmerksamkeit nutzen, um neue Themen zu lancierne. Außerdem wollen die ja schon seit Jahren in der Mitte der Gesellschaft ankomen. Die Frage ist jetzt: schaffen sie das?

Bei den Leipzigern, ihrem Personal und ihren öffentlichen Forderungen kann man eigentlich auch bei größter Naivität nicht mehr glauben. dass die nicht rechtsextrem sind. Wer da von "besorgten Bürgern" spricht ist entweder unfassbar naiv oder er lügt. Da sind die Nazi-Hools keine Gruppe, die man - aus welchen Gründen auch immer akzeptiert - sondern konstituierender Teil der Demo und Teil der Organisation.

Langfristig wird das da landen, wo Nazis in Sachsen immer landen: in irgendwelchen Fußballstadien und auf irgendwelchen Dörfern, das Leben für "Andere" verderbernd aber von der Gesellschaft an sich weitgehend ignoriert. Nur ist die Frage: wie lange dauert es? Was passiert dahin? Gelingt es ihnen, noch Menscen abzugreifen? Und wie gehen die Infights weiter?

Dienstag, 27. Januar 2015

Wo steht Wikipedia politisch?

Laemmer2  
Eins links, eins rechts, eins fallenlassen.

Die Frage, wo Wikipedia politisch steht, ist leider eher oft der Auftakt zu unersprießlichen Diskussionen voller Verallgemeinerungen, an denen sich dann mit Vorliebe Menschen beteiligen, die zwar sehr starke Überzeugungen haben, wo sie politisch stehen, aber sonst eher wenig zu bieten haben. Darum freute ich mich ja doch sehr als der/die eh stets hochgeschätzte Benutzer Grey Geezer das ganze auf einen Punkt brachte:


WP ist eigentlich nicht "links" sondern "liberal skeptisch" (... das macht sie ja so unglaublich sexy!).
Jedes Info-Fitzelchen wird auf den Prüfstand gestellt und nicht a priori "geglaubt"
Das ist einfach bei Themen, bei denen Veganer, Muslime, HipHopper, Österreicher, CDUer, Akademiker, Volksschüler, Katzen- und Hundeliebhaber selbiger Meinung sind (Physik, Chemie, Biologie und Pokemon-Karten), schafft aber bei sozialen und weltanschaulichen Themen (Politik, Religion, UFOlogie, Gendering, generell: -ismen und -(t)äten etc.) reinigende, aber manchmal auch (scheinbar) unlösbare Konflikte.
Nun sind liberale Skeptiker ("Langsam-Denker") dank ihrer Persönlichkeitsstruktur an permanentes Infragestellen und Rumprokeln und Neupositionierung gewöhnt, Leute mit "festen" Vorstellungen ("Schnell-Denker" - ja z.T. auch "Linke") reiben sich dabei auf. Ich könnte Namen nennen, die mir untergekommen sind, wo ich praktisch jeden Monat mit der Explosion/sudden Herztod/Durchbruch des Magengeschwürs/Divenabgang rechne.
Das Ökosystem und die Funktionsweise der WP selektioniert liberale Skeptiker - ich vermute, dass du das mit links meinst. Wirklich beinharte Linke, die hier Artikel schreiben, sind mir noch nicht untergekommen.

Montag, 26. Januar 2015

Ehrenamt - Selbstbestimmung - Klexikon - SCHWEBEBAHN

Wuppertal wall painting

Vor ein paar Tagen schrieb ich ja schon etwas zum Thema Klexikon/Schwebebahn. Michael vom Kleixikon hat da jetzt netterweise drauf geantwortet, und bevor die Diskussion jetzt irgendwo tief in den Kommentarspalten versinkt, ziehe ich seine Antwort und meine darauf mal hier nach oben.

Michael schrieb:

Toll, dass wir von dir nächstes Wochenende 125 Artikel fürs Klexikon bekommen. Oder hab ich das falsch verstanden :) Mal im Ernst: Das Wiki auf Klexikon.de ist noch ein Pilot, es geht noch nicht um möglichst viele Artikel sondern darum, herauszufinden, wie gute, verständliche Artikel für Kinder aussehen. Und: Wenn es so leicht wäre, ein allgemeines freies Lexikon für Kinder zu verfassen - warum hat es dann noch keiner getan? Die 1000 Begriffe sind eine Vorauswahl, damit wir erst mal die Basis-Artikel schaffen und uns nicht verzetteln. Wenn da was Wichtiges wie die Schwebebahn fehlt, ergänzen wir. Bin auf deine Artikel über Wuppertal (war schon in der Wunschliste) und die Schwebebahn gespannt. 

Hi Michael,

ne, ne, ne. Ich will in Wuppertal ja diverse Projekte bedenken, auch Wikinews und Wikivoyge sollen ja etwas bekommen, wenn ich schon mal ein Wochenende in der Perle des bergischen Landes verbringe. Und wie ich glaube ich schon öft gesagt habe: wenn man möchte, dass ein Wikipedianer effektiv arbeitet, muss man ihn mit einem Stapel Bücher in einen Keller sperren und nicht noch ein abwechslungsreiches Programm bieten :-)

Allerdings verstehe ich jetzt die Beschränkung auf die 1000 Artikel noch weniger. Wenn es eher um das "wie" als um das "was" geht ist es doch relativ egal, ob ich nun Artikel zu Europa / Biologie / Bundeskanzler schreibe oder zu Golden Delicious / Beetzer See / Hamburger Sülzeunruhen - das wie bleibt ja im Wesentlichen dasselbe.

Und wie Frau Pinl beim letzten Salon ja zum Ehrenamt gesagt hat (die wenigen male als sie zu Worte kam): Ehrenamt ist dann gut, wenn es mit einem hohen Maß an Autonomie und Selbstbestimmung einhergeht. Zumindest für mich - und ich glaube für viele andere - liegt der Reiz ja gerade in der Wikipedia darin, mir Themen aussuchen zu können, die mich gerade interessieren. (und nicht nur Wikipedia, wenn ich mit den Wikivoygern rede, schreiben die halt auch überwiegend darüber was sie spannend finden, nicht dass was sie wichtig finden.)

Warum es noch kein großes Kinderlexikon gibt, ist ja eine spannende Frage. Versuche gab es ja durchaus eine große Menge. Mein Eindruck ist da aber auch eher, dass die Lexika nie bis zu dem Punkt gekommen sind, an dem es ernsthaft eine Qualitätsüberprüfung "kindgerecht oder nicht" gegeben hätte, sondern sie immer schon vorher an mangelnder Motivation der Leute scheiterten/einschliefen. Die Herausforderung ist mE vermutlich weniger "wie schreibt man kindgerecht?" sondern "wie schreibt man kindgerecht so spannend, dass Leute das langfristig freiwillig machen?"