Dienstag, 17. Mai 2011

Wikipedia at its best: Investigativer Enzyklopädismus

Investigativer Enzyklopädismus. Süddeutsche Zeitung:

''Im April 2011 aber begann der Wikipedia-Autor Zsasz mit einem Artikel für die Internet-Enzyklopädie über einen Gestapo-Dezernatsleiter mit dem Namen Dr. Richter-Brohm...'' (Der BMW-Chef, der bei der Gestapo war)

Sonntag, 15. Mai 2011

Der Skandal um den Kinderkanal


Seit Dezember verfolge ich sehr interessiert die Ereignisse um den Millionenbetrug beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal. Es geht um mehr als 8 Mio. Euro. Nun wurde also Anklage gegen den ehemaligen Produktionsleiter erhoben, der Prozess soll im Juni beginnen.

Obwohl ich aus den Pressemeldungen schon einiges über den Umfang des Betruges wusste, hat mich das erste Überfliegen des Revisonsberichts (pdf) mit offenen Mund zurückgelassen. Spannend wie ein Krimi titelte auch entsprechend die taz. Obwohl ich die betreffenden Personen und die Abläufe größtenteils kenne, hat mich die Art und Weise doch heftig überrascht. Zusammengefasst kann man sagen: Über Jahre hinweg wurden von verschiedenen Unternehmen Rechnungen gestellt, die keinerlei Grundlage hatten. Zum Teil wurden reine Phantasieleistungen abgerechnet, teilweise Leistungen, die andere Unternehmen erbracht hatten, und teilweise Leistungen von Mitarbeitern aus dem eigenen Haus.

Nach einem aufmerksameren Lesen des Berichts bin ich mir sicher, dass der Betrug auch zumindest noch zwei anderen Mitarbeitern bekannt gewesen sein muss. Bekannt geworden sind bisher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen fünf Ki.Ka-Mitarbeiter sowie gegen den Geschäftsführer eines Unternehmens, der mit seiner Selbstanzeige die ganze Geschichte erst ins Rollen brachte. Doch das kann nur die Spitze des Eisberges sein: Zwangsläufigerweise müssen auch bei den anderen beteiligten Unternehmen Personen strafbar gehandelt haben, schließlich schreiben sich die Scheinrechnungen nicht von selbst und die Geldeingänge müssen auch irgendwo verbucht werden. Die jeweiligen Finanzämter dürften sich sicher auch noch dafür interessieren. Vier weitere Unternehmen werden im Prüfbericht bisher erwähnt, ohne ihre Namen zu nennen. Spätestens zur Verhandlung dürften auch diese ans Tageslicht kommen.

Besonders bemerkenswert finde ich die Höhe der Unterschlagungen im Verhältnis zum Gesamtbudget. Bei einem Jahresetat für den ganzen Ki.Ka insgesamt in Höhe von etwa 35 Mio. € etwa eine Million jährlich abzuzweigen ist schon ein beachtlicher Anteil.
Interessant ist auch das mich stark an zu Guttenberg erinnernde Verhalten der Intendanten: MDR-Intendant Reiter feuert erst einmal um sich und verteilt Entlassungen und Abmahnungen an die nächste Leitungsebene, sieht für sein eigenes Verhalten aber offenbar keine Beanstandung. Noch besser steht ZDF-Intendant Schächter da: Obwohl für den Kinderkanal von ARD und ZDF eigentlich zur Hälfte mitverantwortlich, teilt er fleißig gegen den federführenden MDR und den früheren Ki.Ka-Programmgeschäftsführer Beckmann aus. Selbstreflexion gleich Null.

Äußerst ärgerlich ist zum einen nun natürlich der Imageschaden für den Ki.Ka. Hier bin ich aber zuversichtlich, dass sich das nicht weiter auf die Akzeptanz des Senders auswirken wird. Die Leidtragenden sind meiner Ansicht nach die vielen Redakteure und anderen Mitarbeiter des Senders, die von den ganzen Betrügereien nichts wussten und mit noch weniger Geld als sowieso schon budgetiert auskommen mussten.

Das andere große Ärgernis ist für mich die Scheinheiligkeit von Reiter: Seinen mehrfach geäußerten Kommentar, der Ki.Ka sei offenbar bisher mit weniger Geld ausgekommen, also kann man den Etat ja ruhig etwas kürzen, finde ich unter aller Sau. Außerdem ist es ein Affront gegen die Mitarbeiter, die mit vergleichsweise (vor allem im Gegensatz z. B. zum ZDF) lächerlichen finanziellen Mitteln ein derart hochwertiges Programm auf die Beine stellen.

Eigentlich sollte man doch denken, dass nun nach Abdichten des Finanzlecks wieder mehr Geld zur Verfügung steht. Im Gegenteil hat man aber offenbar dem Ki.Ka in diesem Jahr seine sehr beliebte und erfolgreiche Sommertour gestrichen. Komische Welt.

Manchmal fühle ich mich wie ein Pferd vor dem Windrad

Schuelp pferd vor windrad

Samstag, 14. Mai 2011

Marie Curie und das Welterbe

Das stets großartige Webcomic xkcd hatte letztens eine Episode über Marie Curie und weibliche Vorbilder, die in dem Satz gipfelte "Aber eine Person wird nicht bedeutend, indem sie versucht bedeutend zu sein. Sie wird bedeutend in dem sie versucht etwas zu tun, und es dann so sehr versucht, dass sie auf dem Weg dahin bedeutend wird."

Das nun wiederum trifft die Einstellung vieler Wikipedianer sehr gut. Größenwahn und Eitelkeit gern - aber vermittelt durch das Werk. Keine Personen in den Vordergrund, keine Personalisierung, Ruhm ist Talmi; Autorennamen sind nur mit Mühe zu finden und die Suche nach den Personen dahinter endet oft im anonymen Nichts. Auch die Frage, ob Autoren oder Andere finanziell irgendwie entschädigt werden sollte, ist, vorsichtig gesagt, umstritten. Das Werk als Selbstzweck. Seien wir ehrlich, selbst die Leser interessieren keinen echten Wikipedianer auch nur ein kleines bißchen.

Ich gebe zu, desöfteren habe ich wirklich Mitleid mit den Leuten, die für eine so calvinistische Lasst-Uns-in-Ruhe-Gemeinschaft auch noch Öffentlichkeitsarbeit machen müssen, und die jedes mal zu hören kriegen "ihr hättet uns auch einfach in Ruhe lassen können." Ein Weg voller Missverständnisse, Fehlkommunikationen und beidseitigen Überraschungen.

Und jetzt wollen die einen nicht nur einfach nicht in Ruhe lassen, sondern gleich noch Welterbe. Ist das jetzt eigentlich mehr oder weniger als Nobelpreis und was wird dann 2020 die Steigerung? Das ist mutig. Oder wollen sie nicht? Wollen sie diskutieren? Aber warum? Und wer will? Wer will nicht?

Also ich bin persönlich bin ja immer noch verwirrt, wo das ganze nun hinsoll. Wikipedia muss nicht Welterbe werden, so richtig beschlossen scheint das nicht, soweit ich beurteilen kann. Aber so richtig ergebnissoffen kommt mit das auch nicht vor? Und sollte die ergebnissoffene Diskussion nicht beginnen mit: "Ist Wikipedia in Gefahr und muss geschützt werden. Wenn ja, wie?" oder "Wird Wikipedia auch in 200 Jahren noch jemand kennen?" oder "Wie kann Welterbe digital werden?" Für eine echte offene Diskussion ist das Thema Wikipedia muss/soll/darf Welterbe werden doch arg eingerenzt und für eine nicht-offene Diskussion verweise ich auf Stepros Post. Ich bin verwirrt.

Ach ja, und so ganz abstrakt zu der ich: ich glaube ich habe es tatsächlich geschafft, mich bisher auf einen Standpunkt festnageln zu lassen: Ganz abstrakt: Komplett bescheuerte Idee. Das finde ich super. In Angesicht der Tatsache, dass dafür andernweitig nutzbare Ressourcen aufgewendet werden: zuviel "versuchen bedeutend zu sein", zu wenig "ganz doll etwas ändern."





Freitag, 13. Mai 2011

Wikipedia und das Welterbe



Das deutsche Wikimedia-Chapter ist nicht nur das älteste und eines der aktivsten, sondern auf jeden Fall auch eines der kreativsten. In vielerlei Hinsicht kann man Wikimedia Deutschland als innovativen Vorreiter betrachten: Sei es die Herausgabe einer Wikipedia-CD/DVD, die Ausrichtung der ersten Wikimania, die Etablierung anderer internationaler Wiki-Konferenzen oder die Entwicklung der gesichteten und geprüften Versionen.

Einem sicher ganz besonderen Krea-Tief entsprang der dringende Wunsch, Wikipedia müsste UNESCO-Welterbe werden. Für einige offenbar völlig unverständlicherweise traf diese Idee nicht überall nur auf ungeteilte Zustimmung. Natürlich - der Gedanke klingt verlockend, der ohnehin schon wertvolle Markenname würde noch einmal geadelt. So zeigten sich bei einer Konferenz in Berlin auch die Vertreter anderer Länder wohl recht angetan von dieser Idee.
In der deutschen Wikipedia-Community dagegen wollen sich jedoch nicht nur viele Fürsprecher einfinden, sondern in einer Art kleinem "Meinungsbild" überwiegen zur Zeit gar die Gegner des Vorhabens.

Nun kann man darüber streiten, ob Wikipedia tatsächlich als Immaterielles Kulturerbe geeignet ist. Auch kann man verschiedener Ansicht sein, ob so ein Titel nun eher hilfreich oder eher hinderlich für die Fortentwicklung unserer Enzyklopädie sein könnte. Wirklich wissen kann es niemand, eine Untersuchung in der Art einer Technikfolgeabschätzung oder so etwas ähnlichem hat sicher noch niemand ins Auge gefasst.

Was mich persönlich aber an dieser ganzen Geschichte immens stört, ist der Umgang der Geschäftsstelle (und auch des Vorstands?) mit den Mitgliedern. Durch die Darstellung in der Öffentlichkeit muss man zwangsläufig zu der Ansicht kommen, dieses Projekt wurde "vom Verein" (das wären ja eigentlich die Vereinsmitglieder) beschlossen und unterstützt. Leider kann davon nicht die Rede sein. Während auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende letzten Jahres fast nur die verstärkte Einbindung der Mitglieder in die Vereinsprojekte Thema war, und auch auf der regulären MV im Januar dies wieder beschworen wurde, sieht die Realität für mich anders aus.

Auf der Mitgliederversammlung war vom Welterbe-Projekt keine Rede. Nicht im Ausblick auf das kommende Jahr, nicht in den Berichten der Vorstände, nicht im Bericht aus der Geschäftsstelle. Tags darauf fand ein "open space" statt, an dem ich ebenfalls teilnahm. Meine Verwunderung war enorm, als ich dort zufällig (es gab verschiedene Themengruppen) von dem Vorhaben erfuhr. "Getarnt" war diese Idee unter dem Namen "10 Jahre Wikipedia".
Nun hielt ich das für eine erste Idee, über die man mal so eben rumspinnt. Umso verblüffter war ich dann, als kurz danach dieses Thema der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und sich als ein großes Hauptprojekt des Vereins für dieses Jahr herausstellte. Pressemitteilungen, Titelthema der Vereinszeitung, in den Blogbeiträgen angepriesen.

Im Wikimedia-Blog erwähnt Sebastian Sooth heute die Frage "Und warum wir die Community nicht von Anfang an viel stärker einbezogen haben." Eine Antwort darauf gibt es leider auch dort nicht.

Vielleicht verstehen ja einige, dass ich mich als Mitglied bei so einem Vorgehen nicht wirklich sonderlich ernst genommen fühle. Mein Schweigen zu dem Thema in letzter Zeit war mehr oder weniger größere Frustvermeidung. Offenbar wurde aus den Diskussionen der außerordentlichen MV doch nicht so viel gelernt, wie ich erhofft hatte. Schade!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Haftung für Fotos in eingebundenen RSS-Feeds



Im März hat das Landgericht Berlin eine wie ich finde bemerkenswerte Entscheidung zur Haftung bei per RSS-Feeds eingebundenen Fotos getroffen.

Die Quintessenz des Ganzen dürfte sein: Im Gegensatz zu Links macht sich der Seitenbetreiber die per RSS-Feed eingebetteten Inhalte zu eigen und sie nach § 19a UrhG öffentlich zugänglich. Das gilt auch dann, wenn klar erkennbar ist, von welchem Anbieter die Inhalte übernommen wurden. Ein Haftungsausschluss im Impressum ist diesbezüglich wirkungslos.

Im verhandelten Fall ging es um Urheber- bzw. Nutzungsrechte an einem Foto. Besagtes Foto wurde samt Text 1:1 per vom Anbieter zur Verfügung gestellten RSS-News-Feed automatisch mit in die Webseite des Nutzers eingebunden. Die Quelle des Feeds wurde als Hinweis angegeben.

Mein hoffentlich gesunder Menschenverstand, auf den es bei Gericht ja bekanntlich meist nicht ankommt, sträubt sich energisch gegen diese Entscheidung. Warum in aller Welt stellt jemand einen RSS-Feed zur Verfügung, wenn er bei dessen Einbindung dann wegen Urheberrechtsverletzung dagegen vorgeht?

Für die Praxis dürfte das bedeuten: Entweder man findet eine technische Möglichkeit, Fotos von der Einbindung eines News-Feeds auszunehmen, oder man lässt es besser gleich ganz bleiben. Denn: Auch wenn es in dieser Entscheidung um ein Foto geht, ist ein ähnliches Vorgehen wegen textlichen Urheberrechtsverletzungen ja nicht ausgeschlossen. Schöpfungshöhe dürfte auch bei Nachrichtenmeldungen recht schnell erreicht sein.
Da man keinen Einfluss auf die Inhalte des Feeds hat, bleibt jegliche Einbindung ein unkalkulierbares Risiko.

Also Lesen des Feeds per Offline-Reader auf dem eigenen PC ja, Einbindung in eine eigene (auch rein private) Webseite vorerst nein. Bleibt zu hoffen, dass diese merkwürdige - erstmal vorläufige im einstweiligen Verfügungsverfahren - Entscheidung des Gerichts demnächst im Hauptsacheverfahren oder noch besser höchstrichterlich gekippt wird. Dass diese Ansicht kein Einzelfall ist, zeigt eine fast identische Entscheidung des AG Hamburg vom September 2010 (Az. 36A C 375/09).

Das Risiko beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf eigene Websites: Das allseits beliebte "Teilen/Sharen" von Webseiten auf der Facebook-Pinnwand ist eigentlich kaum anders zu beurteilen. Dazu machte Rechtsanwalt Ferner sich so seine Gedanken.

Samstag, 7. Mai 2011

Sehr wohl war früher alles besser

Lyzzy hat vor nicht allzulanger Zeit hier einen Artikel geschrieben Früher war auch nichts wirklich besser, denn Es hätte einfach sein können, stattdessen habe ich mich zunächst durch Regeln, Anleitungen und Grundsätze gelesen; nein, eher gefressen. Schon 2004 war das eine Herausforderung.

Nun, da muss ich widersprechen. Einmal aus Prinzip, zum anderen, weil Lyzzy natürlich vom falschen früher spricht. Denn das andere früher liegt nach dem 1. März 2004 als der Spiegel mit einem harmlosen kleinen Artikelchen alles änderte. Und das nette, überschaubare Kuschelprojekt verwandelte sich in Stunden in eine Massenveranstaltung. (Übrigens einer der Gründe, warum ich bei Pressearbeit immer recht grundskeptisch bin..)

Seattle Center - International Fountain 12
Wikipedia am 1.1.2004 (metaphorisch)


Day of Anger protestors on water cannon

Wikipedia am 1.1.2005 (metaphorisch)


Nun waren die Kuschelstrukturen nur bedingt tauglich, um einem Massenansturm wirklich gerecht zu werden. Die Massenstrukturen waren dann eher hemdsärmlig und improvisiert und wucherten wild vor sich hin. Aber das werde ich dann ein anderes mal erzählen. Vorerst will ich ja auf das "früher" kommen. Meine eigene Ankunft war ja früh genug, dass ich noch ein letztes bisschen Kuschelatmosphäre mitbekam, und kurz genug vor dem Datum, um alle Probleme und Nachteile, die die Prä-Wikipedia hatte, nicht mehr mitzubekommen.

Also, irgendwann 2002/2003 hatte ich WP schon mal kurz entdeckt, für mich beschlossen, dass sie vor allem aus eigentümlichen Artikeln zur Systemtheorie besteht, eventuell ein paar Kleinedits gemacht, und war wieder gegangen. Das liegt alles im Nebel der Geschichte.

Auf meinen ersten "echten" Edit bin ich immr noch relativ stolz, ebenso wie auf meinen ersten Artikel. Die haben mir auch prompt eine Begrüßung durch Benutzer:Odin eingebracht (sehr prä-bausteinmäßig, einfach weil es noch keine Bausteine gab), was aber viel wichtiger war, er hat nur einen Tag später den Artikel ergänzt! Die Zusammenarbeit funktionierte. Und ich glaube da hatte es mich.

Wobei man schon ein paar Unterschiede zu Lyzzy sieht, die, obwohl nur wenige Monate auseinander, doch entscheidend sind. Sie hat sich durch Massen von Regeln gefressen, ich glaube, ich kannte ungefähr fünf Regeln als ich Admin wurde. Bei mir hat Zusammenarbeit gleich funktioniert. Was aber auch daran lag, dass es im Januar 2004 noch zentrale Themen gab, die wahllos auf der Straße lagen.

Und für den subjektiven Ausblick: ich habe Hoffnung, habe die letzten Monate den Eindruck, dass einiges deutlich entspannter läuft, und es wieder eher möglich ist, entspannter zu arbeiten. Kein Wunder, dass ich nach sieben Jahren auch prompt mal wieder Philosophie mit Foucault-Bezug schreibe. Ich fürchte aber auch es liegt daran, dass die Community eben wieder geschrumpft ist. Und ich weiss nicht, was ich auf die Dauer will: ein Großprojekt mit deutlich anderen Gesichtszügen als Wikipedia sie bisher hinbekommen hat, oder eine Kuschelgruppe, die halt nur mühselig all das aktuell halten kann, was an Artikeln da ist.

Schafschildnordstrand

Mein erstes Schaf.


Epenwöhrden schafe

Mein zweites bis zweiunddreißigstes Schaf.