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Freitag, 27. Juli 2018

Großer Regen Berlin 2017

An einem Tag fiel mehr Regen als sonst in einem Monat. An einigen Orten fiel an einen Nachmittag mehr Regen als sonst in einem halben Jahr. Die nächsten Tage regnete es wieder. Das Benefizkonzert für den halb versunkenen Ort Leegebruch musste abgebrochen werden - wegen schlechtem Wetters. 2017 herrschte in Berlin und Teilen Brandenburgs landunter. Besonders trafen die Unwetter den Nordwesten von Stadt und Umland. Dort wo unsere Latifundien liegen.

In kurzer Zeit war ich so nass wie nie zuvor als ich angezogen war. Ich fiel als Kind einst angezogen in einen See und kletterte dann wieder hinaus. Selbst dort war ich nicht tiefendurchnässt. Wäsche frisch und ungeschleudert aus der Waschmaschine ist nicht so nass, wie die Sachen, die ich an diesem 29. Juni 2017 trug.



Unser Schlafzimmer war nicht mehr benutzbar, da das Wasser durch die Decke genau auf das Bett herunterlief. Das Warmwasser fiel aus, da der Warmwasserkessel im Keller stand - und absoff. Das Dorf Leegebruch stand wochenlang komplett unter Wasser - ebenso wie im ganzen Ländchen Glien tiefer gelegene Wiesen, Weiden, Äcker, Parkplätze und schlecht abgedichtete Keller.

Unsere Datschennachbarin Paulina verbrachte Monate damit ihre – unterkellerte – Datscha wieder auszugraben, abzupumpen und einmal ein komplett neue Drainage und Versiegelung einzulegen. Nie wieder wollte sie einen See im Keller haben.



Seen und Flüsse waren über längere Zeit nicht beschwimmbar, da die Wassermassen allen Unrat mitrissen der auf und an der Straße lag. Berlin leitet dank Mischkanalisation bei solchen Ereignissen seine Abwässer teilweise ungeklärt in die Flüsse, Spree und Havel und alles was flussabwärts von ihnen lag, bekamen eine volle Ladung ungeklärter Berliner Abwässer mit.

Auf dem Acker hinter unserer Datsche konnte das Feld nicht abgeerntet werden - bei allen Versuchen das gesamte Jahr über versanken die Landmaschinen rettungslos im Schlamm. Da, wo hinter unserem Zaun normalerweise ein Rapsfeld ist, entwickelte sich 2017 eine Seen – und Tümpellandschaft, die sich zum großen Paradies für Stechmücken aller Art entwickelte.

Freitag, 30. September 2016

Schwimmbad Berlin: Tempelhof, Stadtbad/ Francke-Bad

Dieses Gelb! Ein Gelb zwischen Butterblume, Butter und Sonnenaufgang. Oh so gelb! Eine ganze weite hohe Wand. Und dann diese Uhr, schwarz, minimalistisch, ein Kreis, zwei Striche und sonst nichts. Ich glaube, ich habe mich ein wenig in eine Wand verliebt. Diese Wand bildet das optische Highlight des  Stadtbades Tempelhof – ein Bad, das sehr spannend zwischen sachlicher Funktionalität, 60er-Jahre-Pop und 50er-Jahre Licht und Weite changiert.

Das Bad entstand in den 1960ern, nach dem Bau in Wilmersdorf und vor dem Bau Lankwitz und bildet sichtbar den Missing Link zwischen diesen. Nicht mehr ganz so frei geschwungen wie Wilmersdorf, aber auch noch nicht so quadratisch-praktisch-düster wie Lankwitz.



Das Bad steht inmitten ausgedehnter Grünanlagen am Rande des Francke(!)-Parks. In der Nachbarschaft befinden sich ebenfalls halb im Park eingebettet eine Bibliothek, eine Turnhalle, Schulen und das Rathaus. Das Bad steht für sich allein, zurückgesetzt von der Straße, und bietet einen eindrucksvollen Anblick.

Leider wird es diesen Anblick wohl nicht mehr allzu lange bilden. Die Berliner Bäder planen einen Neubau in Mariendorf, die ganze Gegend um Rathaus und Park in Tempelhof soll neu bebaut werden, und der Abriss dieses Bades ist mehr oder weniger beschlossene Sache. Ob es in Tempelhof einen Ersatz geben wird? Offiziell ist noch nichts. Aber wo soll er herkommen in diesen Zeiten? Deshalb lohnt es erst recht, das Bad noch zu besuchen, so lange es geht.