Montag, 22. Mai 2017

Schwimmbäder nah und fern: Märkisches Viertel, Stadtbad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute: das Stadtbad Märkisches Viertel

Man nehme eine handelsübliche Westberliner 70er-Jahre-Schwimmhalle (Charlottenburg / Mariendorf / Spandau-Süd). Dann suche man einen engen Platz zwischen Schule und Einkaufszentrum und beschließe die Halle dort zu positinieren. Dann schiebe man die Halle zusammen, damit sie dort noch hinpasst. Um die Quetscherei etwas zu verbergen, werfe man noch je einen ordentlichen Eimer blaue und gelbe Farbe über das gesamte Bad. Willkommen im Quetsch-und Schiebe-Bad Märkisches Viertel.



Das Stadtbad entstand wie seine Schwestern zu einer Zeit als Westberlin sozialen Wohnungsbau noch ernst nahm, der Berliner Senat noch ganze Stadtviertel neu schuf, und dabei auch das Märkische Viertel janz weit im Norden entstand. Ein neues Stadtviertel mit Hochhäusern im 70er-Jahre-Stil, nicht unähnlich den schwimmbadaffinen Ostberliner Neubauvierteln. Links eine Schule, davor so eine Art Stadtteilzentrum und auf der anderen Seiten die „Märkische Zeile“ bzw. das "Märkische Zentrum"; eine Art Vorform der Mall mit Supermärkten, Klamottenläden, zahlreichen Imbissen etc.

70er-Jahre chic hat das alles, viel Glas, Metall und Stein mit viel Farben. Obwohl die Halle mit ihrem 50-Meter-Hauptbecken nicht klein ist, wirkt sie im Verhältnis doch eher versteckt.


Gebäude


Rechteckig. Wo sich Standard-West-Kombibäder etwas in die Breite ergießen - Schwimmbecken und daneben das Sprungbecken und am Rande der Umkleidetrakt - war hier der Platz spärlich: man stelle sich vor, die Architekten haben an beiden Seiten angefasst und zusammengeschoben.



Die Umkleide befinden sich zum Teil im Keller, das Sprungbecken liegt nicht an der Seite des Schwimmbeckens, sondern direkt dahinter. Das ganze ist also schmaler und länger als die anderen Hallen. Auch liegt es inmitten von Gebäuden, der Weg zum Eingang führt fast zwangsläufig an der großen Fensterfront vorbei und man kann schon mal sehen, was in den Becken los ist. Das Foyer ist eher geräumig. Das Knallgelb, das den ganzen Schwimmbadbesuch begleiten wird, ist schonmal gut zu sehen.

Umkleiden / Duschen


Um haaresbreite wäre ich in der Damenumkleide gelandet. Direkt neben der Kasse ist das Drehkreuz ebenerdig und ich war halb durch das Drehkreuz hindruch, bis der laut Zeichen gebende Mann an der Kasse meine Aufmerksamkeit erreichte, mich darauf hinwies, dass ich falsch bin. Ich musste 10 Meter zurück Richtung Eingang und dann die unauffällig dort liegende Treppe hinunter in die Katakomben zur „Herren- und Famililienumkleide.“

Nett – und da frage ich mich warum nicht alle Bäder das haben – schon vor dem Drehkreuz hing ein Schild, welche Münzen man für Schrank/Schließfach und Fön benötigt.




Unten ein weiteres großes Foyer. Die Wertschließfächer wirkten ein wenig verloren, und so richtig traue ich ihnen nicht, wenn sie unbeaufsichtigt inmitten eines Durchgangsbereichs liegen. Daneben war theoretisch noch ein kleines Büro für Personal, das war aber nur bei einem von zwei Besuchen besetzt. Dann folgt ein langer Gang.

Die Kabinen recht groß, netterweise aus Stein/Beton und gefliest. Die Spinde Standard. Alles in hellem gelb und angesichts dessen, dass ich mich gerade im Keller befand wirkte es auch alles großzügig, hell und luftig. Der Weg durch die Katakomben zurück zum Becken war auch deutlich übersichtlicher und besser ausgeschildert als es in dieser Keller-Konstellation normalerweise der Fall ist.

Während deutsche Schwimmbäder ja normalerweise mit verschiedensten Schildern darauf hinweisen, dass man sich ausziehen soll (also zum Duschen), war hier ausnahmsweise ein Anziehschild „Badebekleidung erst in der Dusche ablegen. Am Asgang der Dusche wieder ein „Badebekleidung anlegen“. Ich vermute mal, es liegt daran, dass im Keller ja auch Familienumkleiden sind und es einen Zugang zu den Frauenduschen gibt. Zumindest in der Theorie laufen auch Frauen zwischen Männerdusch- und Umkleide herum - nicht dass ich dort eine gesehen hätte.

Schwimmhalle

Groß. Lang. Die Länge machte Platz für ein paar mehr Fensterfronten und dadurch war es dann auch ausgesprochen hell. Ausnahmesweise kein Mosaik an den Wänden, sondern als Muster so eine Art quadratische geometrische Ringel. Der Rest eher in Weiß und Gelb. Das Becken hat 50 Meter, im Anschluß das Sprungbecken auf einer Seite, auf der anderen das Nichtschimmebeckern. Hochgelegte Wiesbadener Rinne.

Drei Bahnen waren geleint und in der Mitte in je zwei 25-Meter-Abschnitte geteilt. Originellerweise bei beiden Besuchen. Diese Teilung der 50-Meter-Bahn in zwei Teile gibt es ja theoretisch in den anderen Kombibädern auch, Soweit ich hörte, ist die Begrenzung einfach kaputt und lässt sich nicht wieder herunterfahren.

Die andere Hälfte war 50-Meter-Schwimmbar, 1,80 Meter tief. Nett war der Ausblick. Geradeaus zum Sprungbecken, zur Seite durch die Fensterfront auf den Gang in das Einkaufszentrum. Während man selber herumschwaderte, konnte man dort dick eingepackten Menschen auf dem Weg zum Einkaufen zusehen.

Publikum



Das Stadtbad Märkisches Viertel ist ein Schulbad und das war mehr als deutlich zu merken: Sprungbecken, Nichtschwimmerbecken und die sechs geleinten 25-Meter-Bahnen waren durch Schulen belegt. Der Rest des Bades teilte sich die recht übliche Mischung für ein sportliches Bad: ein paar Schwimmer, ein paar Badende, insgesamt mischte sich eine recht hohe Vielfalt an Altersklassen. Wie so oft werktags tagsüber gab es bei beiden Besuchen einen leichten Überhang alter Menschen.

Gastronomie



Keine Gefunden. Dort wo mal die Gastronomie war, ist heute eine große Fläche. Der Pommesbegeister Schwimmer muss aber im Märkischen Viertel nicht verzweifel: direkt nebenan ist die Märkische Zeile mit vielerlei Imbissen und Cafés vielfältiger Art. Hat locker für einen guten Kaffee und eine belegte Vollkornstulle gereicht dort.


Preise / Öffnungszeiten

Berliner Normalpreis. Also 5,50€. Offen ist es den Sommer über Montag bis Mittwoch von 6.30h bis 15 Uhr und Donnerstag von 10 Uhr bis 15 Uhr.



Fazit

Ein typisches Westberliner 70er-Jahre-Bad. Ein wunderbares 50-Meter-Becken, wenn auch hier teilweise unterteilt. Im Gegensatz zu den anderen ähnlichen Bädern sind die Wege hier weiter, dafür ist das auch alles heller und wirkt großzügiger.

Besonders, dass das Sprungbecken auch noch in der Achse Schwimmer-NIchtschwimmerbecken liegt und damit die ganze Halle an die 100 Meter lang sein dürfte, ist schon sehr schick. Das wirkt  großzügig. Und sonst:man kann schwimmen, die Leute dort wollen schwimmen, das Wasser ist gut, das Gebäude etwas in die Jahre gekommen aber elegant. Ich bin dort gerne.

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Alle Iberty-Schwimmbadbeschreibungen sind unter Schwimmbäder nah und fern: Rückblick und Ausblick.




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