Mittwoch, 3. Mai 2017

Schwimmbäder nah und fern: Spandau-Süd, Hallenbad im Kombibad

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute:  das Kombibad Spandau-Süd, Hallenbad.

Ist das hier überhaupt Spandau? Das Kombibad Spandau-Süd liegt so ein wenig im Nirvana zwischen der Heerstraße – der großen Berliner Ausfallstraße nach Westen und dem eigentlichen Beginn der Stadt Spandau. Umgeben von einem ehemaligen Kasernengelände, in dem heute ein Kaufland und ähnliche sind, einem großen Parkplatz und nahe gelegenen Tankstellen. Schwimmbad auf der grünen Wiese. Einfach beim KFC rechts abbiegen und dann noch einmal 200 Meter fahren.

Links zur Halle, rechts in's Freibad.


In Ostberlin wäre hier ein Neubaugebiet entstanden in dessen Mitte man das Schwimmbad gelegt hätte, im Westen hat man sich das Neubaugebiet gespart.



Entstanden wie die anderen Kombibäder ist das Bad in Spandau in den 1970ern und versorgte die Stadt endlich mit dem ersten echten Schwimmbad. Bis dahin hatte es nur das Stadtbad Spandau-Nord gegeben – ein traumschönes Jugendstilbad, das aber wie alle Bäder dieser Entstehungszeit nur ein Miniaturbecken hat.

Und jetzt, in den 1970ern: 50-Meter-Bahnen. Ein extra Sprungbecken. Eine weite, lange Fensterfront – ein echtes Sportbad. Und die Spandauer blieben vom Glück geküsst: nicht nur, dass das Bad gründlich saniert wurde (anders als beispielsweise Mariendorf, Wedding, Tiergarten), anders als hier in der Gropiusstadt war sogar jemand für die Sanierung zuständig, der wusste, was er tut.

Wie das mit den 1970ern aber auch ist: sie werden alt. 2010 wurde die Halle geschlossen, weil Teile von der Decke kamen. Ende 2012 begann dann die Sanierung, die bis Januar 2015 11, 1 Millionen Euro kostete: die wurden vor allem in Dämmung und technische Anlagen etc. investiert, aber auch eine neue Decke, neue Umkleidekabinen und einiges anderes ist hinzugekommen, was auch der Besucher sieht.

Beinahe wäre das Bad in dieser Zeit auch den Berliner Bädern entwunden worden und durch Spandau 04 betrieben worden. Das wurde aber politisch heftig bekämpft, unter anderem mit der Begründung: "Ein Verein kann nicht die Personalreserven nutzen, die die Bäder-Betriebe stadtweit haben". Ich lachte.

Gebäude


Kombibad. Ein sehr langer rechtwinkliger Bau. Auf der einen Seite das Schwimmbecken, auf der anderen der Umkleidetrakt. Außerhalb des Schwimmbeckens liegt im Freien das Freibad. Der Eingangsbereich ist recht groß aber wie das ganze Bad recht flach. Die Kasse liegt etwas versteckt in der Wand in einem kleinen Kabuff.

Open Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Wertschließfächer sind wie bei den älteren Kombibändern auch im Kassenbereich: hier allerdings gibt es mehr als sonst und die auch noch in verschiedenen Größen.

Das Sonnenstudio hat einen eigenen Gebäudeteil bekommen, der Durchgang von Sonnenstudio in die Schwimmhalle ist direkt möglich, was dann dazu führt, dass man im Foyer plötzlich auf Menschen im Bademantel mit Badeschlappen trifft.

Der Solariumsquader.



Umkleiden/Duschen


Wer das kombibadsche Kabinenlabyringt kennt, erkennt die Grundstrukturen wieder. Hier allerdings ist es der modernen Variante gewichen: ein Ring aus Unisex-Einzelkabinen, der durchschritten werden muss. Sympathiepunkte gibt es für die Haken in verschiedenen Höhen in der Kabine: die Schränke funktionieren tadellos.

Die recht kleine Dusche scheint ihre Ausmaße noch vom Originalzustand zu haben. Zwei Duschen sind mit Schamwänden abgetrennt, die anderen offen. Mindestens eine Dusche hatte gleich zwei Probleme: das Wasser war brüllend heiß egal wie die Einstellung war, dafür kam es aber auch nur tröpfchenweise.


Schwimmhalle


Ein 50-Meter-Becken mit 6 Bahnen, dahinter in Verlängerung ein Nichtschwimmerbecken. Weiter in Verlängerung war mal die Gastronomie. Heute sind dort nur noch Fenster mit Milchglasscheiben – wer weiß was sich dahinter verbirgt. Der Blick nach Außen geht in Richtung Freibad.  Trotz Sanierung ist das Becken noch gekachelt und nicht metallen.

Die Decke hat seit der Sanierung eine apart ausschauene Holzkonstruktion. Das bunte Mosaik an der Längswand blieb erhalten, daneben sind an der Wand noch so türkis-beige Farbflecken vorhanden. Die Farben liegen überraschend nah an den Farben des Hochhauses nebenan  - ob das Absicht ist?

Das Hochhaus, sichtbar vom Becken aus. Die Farben finden sich in der Innnenraumgestaltung wieder. Absicht?


Ein Teil des großen Beckens kann mit einem Netz abgehangen werden – vermutlich um Wasserbälle zu stoppen. Im Heimatbad DES deutschen Wasserballvereins Spandau 04 auf jeden Fall sehr treffend
Zu erwähnen aber auch: eine Querströmung am Nichtschwimmerende des großen Beckens, die schon fast Stadtbad-Mittesche-Ausmaße hat.

Publikum


Beide male war es überraschend voll und überraschend schwimm-enthusiastisch. In den Kabinen unterhielten sich ältere Herren darüber, dass die Premiumkarte lohnt obwohl sie andauernd in den Urlaub fahren. Im Becken palaverten dann jüngere Herren auf welche Havelinseln sie im Sommer schwimmen werden, dazu noch ein Vater, der seinen noch-nicht-pubertären-Sohn davon überzeugte, dass sie die 2 Kilometer heute noch schaffen werden.

Auf der Sportbahn nebenan auch eher ältere Herren mit einem Kraulstil- und Tempo zum neidisch werden. Dazu noch eine nette Mischung quer durch die Bevölkerung – einschließlich der Jugendlichen, die eher eine Neigung zum Querschwimmen und  Diagonalspringen vom Beckenrand hatten.

Gastronomie


Nada

Sonstiges


Irritiert hat mich die Tafel am Eingang. Das Bad eröffnete mitte der 1970er Wenn ich richtig rechne, müsste Gaßmann seine Karriere dann mit Mitte 20 begonnen haben.


Irritierenderweise hatten die Berliner Bäder zwar 11 Millionen Euro für die Sanierung. Aber anscheinend war kein Geld dabei, mal ein neues Foto zu machen. Die Fotos auf deren Website zeigen anscheinend noch den alten Stand.

Preise / Öffnungszeiten

Berliner-Bäder-Normaltarif: 5,50€. Offen ist das Bad von Dienstag bis Sonntag von früh durchgehend bis Abends. Ich staune.

Fazit

Ich mag die Kombibäder. Ein 50-Meter-Becken mit viel Platz, ein extra Sprungbecken, breite Fenstefronten. Und das hier ist - dank Sanierung - das schönste von allen.




Einladende, ansprechende Kabinen, tolle Decke, schöne Farben. Selbst das Publikum ist symapthisch. Spandau, schöne Schwimmbäder hast Du.

Noch mehr

Alle Iberty-Schwimmbadposts sind verlinkt unter: Schwimmbäder nah und fern. Rückblick und Ausblick.

Das Schwimmbadblog war auch schon da im Oktober 2015 Fazit: ein saniertes Sportbad, hell, sauber, modern, geleinte Bahnen. So geht schwimmen.
 
Ein paar schöne Fotos, auch von den Kabinen etc. direkt nach der Sanierung hat der Spandauer Tauchsportclub Lobster: Ende der Trockenzeit






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