Dienstag, 19. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Freibad Wesselburen

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Zu Besuch im Freibad Wesselburen.

Dies ist ein besonderes Bad. Ist dieses doch das einzige Bad, für das ich je eine Jahreskarte besaß (ich glaube damals kostete sie 60 Euro) und das auch mein ehemaliges lokalpolitisches Engagement über viele Jahre begleitete.



Wesselburen ist eine Kleinstadt mit einer schwierigen Finanzlage. Das Freibad kostet. Über viele Jahre hinweg drehte sich die örtliche Finanzdiskussion immer wieder darum, ob die Stadt sich dieses Bad überhaupt noch leisten könne. Zum Glück: Wesselburen konnte. Ich bin zwar aus der Lokalpolitik in Wesselburen raus, aber anscheinend scheint der Kelch der baldigen Schließung auch vorerst am Bad vorübergegangen zu sein.

Denn dieses Bad ist schön; schon fast ein Klischee. Ein Bad in einer Kleinstadt (etwa 3.000 Einwohner) an der Nordsee. Nah liegen Ferienziele wie Büsum oder St. Peter-Ording mit entsprechenden Bädern für Touristen. Aber Wesselburen liegt die entscheidenden drei Kilometer zu weit weg vom Meer.

Eher verirren sich Touristen aus Büsum mal bei einem Tagesausflug in das Kleinstädtchen, als dass sie dauerhaft hier bleiben. Da helfen auch Kohlosseum (Kohl + Museum) samt „Krautwerkstatt“, ein pittoresker Marktplatz mit eindrücklicher Kirche und die „Wesselburener Sommerabende“ nicht wirklich weiter. Der Ort ist schnucklig und schön, hat sich seitdem ich nicht mehr da bin, auch deutlich gemacht, aber ein Tourismuszentrum ist Wesselburen nicht.


Bad von oben, Foto: Freibad Wesselburen

Was die Wesselburener Vermieter unglücklich macht, bringt dem Freibadnutzer Glück: hier ist noch Platz für ein echtes kommunales Freibad wie es im Buche steht. Das Bad liegt ein wenig außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets am Rande der Felder. Daneben in Richtung Stadt die Schule, auf der anderen Seite des Bades liegt ein Indoorspielplatz, der in seinem vorherigen Leben eine Tennishalle war. Knapp daneben liegen eine große Halle, um Wohnwagen überwintern zu lassen, ein Campingplatz und ein ehemaliges Restaurant.


Der Überlieferung nach sollte der ganze Komplex mit Tennishalle, Campingplatz und Restaurant nebenan mal ein touristisches Freizeitzentrum werden. Aber dann kam die Wende 1990 und wechselnde Urlaubsströme machten den Plan zunichte. Oder die Investoren hofften auf die Wende, die Ostdeutschen reisten aber weiterhin lieber an die Ost- als an die Nordsee oder gleich nach Mallorca und deshalb prosperierte auch das Freizeitzentrum nicht. Oder was auch immer. Das Freibad auf jeden Fall ist eininge Jahrzehnte ältere als das Freizeitzentrum, die Architektur sagt klar 1970er, und wichtiger: Das Bad funktioniert!

Gelände 


Ein größeres Gelände, das den größeren Teil eines Straßenblocks einnimmt. Ein kleines Eingangsgebäude mit Einlass, Kiosk und den Sanitäranlagen, dahinter dann die Becken und dann die großen Liegewiesen mit einigem Sportgeräten und der wichtigsten Attraktion des Bades: dem Hüpfkissen. Das Gelände ist flach, gegliedert wird es durch einige niedrige Hecken. Eingang/Kasse und Kiosk stellen einen Multifunktionsbereich dar: einen großen Raum mit vier Fenstern, aus denen man alles gereicht bekommt, was man im Bad so benötigen könnte.



Foto: Freibad Wesselburen

Zur Straße und zum Bad hin, werden die üblichen Freibadutensilien im Kiosk verkauft. An den Durchgängen gibt es Karten. Eine echte Besonderheit dieses Bades: es gibt keine Eintrittskarten. Wenn man kommt und zahlt, drückt die Person an der Kasse auf einen Knopf und die Tür öffnet sich.

Als ich noch eine Jahreskarte hatte, bestand die Jahreskarte darin, dass der Name auf einer Liste stand. Im Normalfall kannte und erkannte einen die Kassenperson eh. Andernfalls sagte man „Hallo, ich bin der Dirk“ und kam dann rein. Frühschwimmer haben meines Wissens einen eigenen Schlüssel. Auf jeden Fall müssen sie sich vorher anmelden.

Während die Volleyballnetze meist unbeachtet dastehen, war bisher bei jedem meiner mittlerweile zahlreichen Besuche das Hüpfkissen von Kindern belegt. Annähernd quadratisch, 14, 3 Meter lang und 10,5 Meter breit, an den Rändern flach auslaufend ist dies ein unermüdlicher Quell der Freude für die komplette Dorfjugend und ihre Freunde.

Ich vermute ja, dass das 2004 eingeführte Hüpfkissen das ganze Bad rettete. Meiner vagen Erinnerung nach war damit auf jeden Fall die Diskussion um eine mögliche Schließung vom Tisch. Die endlosen Diskussionen ob es nun 24 Grad oder eher 26 Grad Wassertemperatur sein sollten oder waren hörten auf und die Dorfjugend - in dieser Diskussion ein bestimmender Faktor - fand das Bad wieder toll. Mittlerweile sind wir schon bei der zweiten Generation Hüpfkissen - das erste war 2011 verschlissen, seine Attraktion scheint aber ungebrochen.

Und wenn es in Strömen regnet, gerade Deutschland im WM-Finale steht und die Albersdorfer Pfingstfete gleichzeitig stattfindet: auf dem Hüpfkissen ist was los.

Umkleiden / Duschen 


Das Wesselburener Bad war mal in guten Zeiten eines der schickeren der Dithmarscher Kleinstadtfreibäder. Das zeigt sich darin, dass der ganze Bereich zwischen Eingang und Umkleiden/Duschen und auch noch sämtliche Sitzplätze überdacht sind. Bei Bädern dieser große ist das eher ungewöhnlich.

Der Umkleide-Dusch-Gastro-Trakt mit Glasscheiben gegen Schietwetter. Ausschnitt. Originalfoto: Freibad Wesselburen


Die Umkleiden selber: Funktional. In einer großen Sammelumkleide stehen Plastikbänke in der Mitte, am Rand, hinter den Spinden liegt eine handvoll Einzelkabinen. Vor der Frauenumkleide fordert ein Schild dazu auf, die Einzelkabinen zu nutzen, da das Aufsichtspersonal in die Kabine kommt. Ein wortreiches Schild in der (Herren-)Kabine ermahnt im strengen Ton sich zu benehmen und droht mit Badverweis, wenn man in der Umkleide isst oder dort Abfall hinterlässt.

Die Zahl der Duschen ist übersichtlich (zwei Einzelkabinen), ebenso die der Toiletten (zwei bei den Herren, eine davon als „Personaltoilette“ gekennzeichnet und abgeschlossen). Die Temperatur der Duschen ist einstellbar und recht von sehr kalt bis sehr heiß. Wie eigentlich immer in Freibäder zeigt schon die eher spärliche Ausstattung mit Duschen, dass das gründliche Abseifen eher optional ist. Am Übergang zum Becken gibt es wie eigentlich auch immer noch eine automatisch auslösende kalte Dusche, der nur schwer zu entgehen ist.

Schwimmbecken 


Ein Schwimmerbecken (25 Meter, sechs Bahnen, meist 180cm tief, in einer Ecke originellerweise 200cm), daneben ein Nichtschwimmerbecken und etwas abgelegener dann noch ein Babybecken. Auch hier ist das Becken mit Folie ausgekleidet, meist sind eins, zwei Bahnen abgeleint zum sportlicheren Schwimmen, in anderen Bereichen des tiefen Beckens sind Spielgeräte aufgebaut, Am Nachmittag / Abend schwimmt in einer der Bahnen gerne einmal der örtliche Schwimmverein.

Foto: Freibad Wesselburen


Ansonsten ist hier eher die ordentlich und nicht allzu ehrgeizige Nachbarschaft unterwegs, die brav hin- und herschwimmt. Im anderen Teil, mit den Spielgeräten, findet halt das statt, was man bei einem Freibad mit Spielgeräten im Sommer erwartet,

Alles immer sehr entspannt und zu allen Zeiten in denen ich da war, war es problemlos möglich so langsam oder schnell, ordentlich oder unordentlich zu schwimmen wie mir gerade war, ohne dass ich mit anderen Besuchern in Probleme gekommen wäre.

Publikum 


Ich gehe ja eher selten bei über 30 Grad ins Freibad und bei Temperaturen unter 30 Grad ist es immer entspannt. Einige Kinder, einige Jugendliche, eine handvoll Erwachsene, die friedlich ihre Bahnen ziehen. Ältere Paare haben es sich auf den Liegestühlen am Beckenrand bequem gemacht und ziehen immer einmal wieder kurz eine Bahn. Kleine Jungs laufen über dieses Wasserfloß, lassen sich darüber gleiten und besteigen die Startblöcke. Dieses Jahr en vogue: lange Schlabbererbadehosen in leuchtendem Orange. Kleine Mädchen bestellen ein Eis, die Trainingsgruppe nebenan soll "alles schwimmen außer Kraul". Dorf halt. Irgendwie ist fast jeder da.

Gastronomie 


Wie das ganze Bad ist hier auch alles nett und familiär. Ein Angebot aus Pommes, Wurst und Frikadellen, Kaffee (mittlerweile auch als Espresso oder Latte Macchiato), Eis am Stiel, Süßkram und Kaltgetränke. Es ist vielleicht nicht der allerprofessionellste und schnellste Service, dafür fühlt es sich an wie Familie und die eine Currywurst/Pommes, die ich dort probierte gehört sicher zu den Top 10% meiner Schwimmbadpommes, die ich im Leben hatte.

Sonstiges


Würde ich ein Bilderbuch malen und käme dort ein Freibad vor – nein, natürlich kommt dort ein Freibad vor, wenn ich je ein Bilderbuch mache, würde es ein wenig so aussehen wie Hemmingstedt (das Geländerelief, das Sprungbecken) und ein wenig wie Wesselburen (der Kiosk, die Schwimmbecken, das Hüpfkissen). Das hier ist das idealtypische Freibad.

Preise/Öffnungszeiten




Leider im Winter geschlossen. Letzten Sommer im Wesentlichen 13 bis 18 Uhr außerhalb der Ferien, 10 bis 18 Uhr in den Ferien, für registrierte Frühschwimmer auch früher. Die Tageskarte kostet 3,50€, die Jahreskarte mittlerweile 70 Euro.

Fazit


Hach. Hach. Hach. Hier könnte ich einziehen.

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In der Gegend liegt das Freibad Hemmingstedt. Wer lieber gleich in die Nordsee möchte, kann auch in Vollerwiek baden oder am Büsumer Hauptstrand.



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