Samstag, 25. März 2017

Schwimmbad Berlin: Fennpfuhl, Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz

Ich suchte Schwimmhallen und fand Wohnhochhaussiedlungen. Die Suche nach dem Bad gestaltet sich oft genug als eine Expedition durch die überraschend zahlreichen Ostberliner Neubaugebiete. So auch bei der Schwimmhalle Anton-Saefkow-Platz: Die Ost-Berliner waren gründlich, wenn es darum ging ihre Hälfte der Stadt mit Bädern zuzupflastern.

Dieses Bad liegt im Wohngebiet Fennpfuhl im Bezirk Lichtenberg und ist – natürlich – von Hochhäusern und einem kleinen öffentlichen Platz mit Einkaufszentrum umgeben. Gut versteckt hinter dem Bad und einer Turnhalle liegt noch ein größerer Park, der den ortsnamensgebenden Teich Fennpfuhl umschließt. Dahinter dann eine ganze Großsiedlung mit weiteren Parks, Hochhäusern, einem kleinen Sträßchen von dem einen eine Straßenbahn direkt bis zum Alexanderplatz und zum Hauptbahnhof bringt. Zwischendurch zwei größere deutlich ältere Backsteinbauten, in denen ein Seniorenheim, eine Kita und eine Spielhalle residieren. Insofern eine Wohnhochhaussiedlung überhaupt lauschig sein kann - der Fennpfuhl ist.



Fennpfuhl? Man fahre vom Alex aus nach Osten, immer entlang der Landsberger Allee. Irgendwann in der Ferne werden Marzahn und Hellersdorf kommen, aber erst einmal gilt es den S-Bahn-Ring zu verlassen.

Direkt hinter dem Ring, dort, wo Berlin-Innenstadt in die Neubaugebiete übergeht, trifft ein wenig klassisch-europäische Stadt auf ein wenig gescheiterte 20-Jahrhundert-Utopie. Und dort, wo sich beides trifft, fast direkt an der Ringbahn, nahe der S-Bahn-Station Storkower Straße, liegt das Neubaugebiet Fennpfuhl.


Wikipedia sagt mir, dass es sich tatsächlich beim Fennpfuhl um die erste Großwohnsiedlung der DDR handelte. Eine Information, die erklärt. warum das hier noch etwas mehr Ähnlichkeit mit anderen Städten des 20. Jahrhunderts hat, in vielen auch ein menschentauglicheres Format aufzuweisen scheint und noch nicht so einzigartig und eigen aber eben so auch so gigantomanisch wirkt, wie die Großwohnsiedlungen weiter draußen.

Immerhin: Im Fennpfuhl liegt nicht nur eine Bibliothek, sondern eine echte Buchhandlung direkt gegenüber des Schwimmbads.

Auch wenn es eher unbekannt ist. Das Fennpfuhl ist beliebt. Bei beiden Besuchen waren auffallend viele Menschen auf der Straße. Es wrkte nachgeradezu lebendig und belebt. Auch das Bad wird angenommen; vorsichtig gesagt. Meine je: Egal, wann ich kam: Es war voll.(*)

Gebäude


Volksschwimmhalle. Typ C. Derselbe Typ wie beispielsweise auch auf der Fischerinsel, in der Sewanstraße am Tierpark oder in Hennigsdorf.  Ein recht rechteckiger Bau mit hübschem Wellendach. An einer Längsseite befindet sich ein kleinerer Eingangsbürzel. Die Kabinen/Duschen liegen an einer Längsseite neben der Schwimmhalle. Diese Halle selbst reicht über den Duschanhang hinaus und hat im hinteren Bereich Wände nach Außen auf drei Seiten. Zwei dieser Wände sind vollverglast, die letzte hat diese Bauhaus-Barcelona-Wand-Großartigkeits-Konstruktion, die mich  schon an der Fischerinsel erfreute.

Schwimmhalle rechts, Blick zum Sportplatz und etwas länger. Umkleidebereich links. Open Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Nachdem ich die Schwimmhalle betrat, war mal wieder der Schuhausziehbereich vor dem Drehkreuz. Viele Anwesende stellten ihre Schuhe in einem kleinen Regal gleich bei der Kasse ab. Ich glaube in manchen Schwimmbädern würde ich das eher nicht machen, aber hier vertraut man sich, was die Sicherheit der eigenen Schuhe angeht.

Bezahlen war eher schwierig. Zwei Herren im rot der Berliner Bäder diskutierten darüber, ob es nun 486,52€ oder 479,31€ hätten sein müssen. Eine Dame vor mir wollte eine Mehrfachkarte für 35 Euro und musste sich belehren lassen, dass es da ja mehrere verschiedene Mehrfachkarten gäbe und dann musste noch ausführlich erörtert werden, wann sie denn Schwimmen geht? Immerhin: Nach der Preeisreform im Februar 2018 hatte nicht nur die Zahl der Mehrfachkarten abgenommen, sondern ich konnte zur Freude der Kassiererin auch meinen Ehrenamts-Ausweis in Anschlag bringen und wir beide erörterten dann wie der Ehrenamts-Rabatt funktioniert.


Umkleiden/Duschen


Die Umkleiden wurden anscheinend vor kurzer Zeit umgebaut/grundgerenigt und leuchteten mir im schönsten Sonnengelb entgegen. Zwei Sammelkabinen je für Männer und Frauen, dabei je eine für Vereine/Schulen reserviert. In der anderen Kabine gab es dann zwei Einzelkabinen und viele Schränke; Kollektivumkleiden scheinen hier bevorzugt.

Das Plastik der Spindtüren war, so wie in den ganzen neueren Schwimmbädern. Die Schrankschlüsselbänder wirkten fabrikneu. Und schon fast spektakulär: ein Wickeltisch in der Männerkabine. Ich glaube, so etwas sah ich bei den Berliner Bädern hier zum ersten Mal.

Die Duschen waren dann weiß, mit einem hellbraunen gekachelten Streifen ungefähr auf Kopfhöhe und keinerlei Hinweise darauf, ob und wie man duschen soll.

Auch bemerkenswert: der Schrank nahm tatsächlich ein- und zwei-Euro-Münzen als Pfand. Dafür waren die Wertschließfächer im Kassenbereich nicht verfügbar – sprich; abgeschlossen und ohne Schlüssel. Ob es daran lag, dass es so voll war oder weil die generell nicht nutzbar sind, erschloss sich mir nicht. Beim zweiten Besuch waren die ebenfalls schlüssellos, aber da war es eher noch voller. Beim endlich stattfindenden Besuch einer leeren Schwimmhalle, waren die Fächer immer noch alle abgeschlossen.

Schwimmhalle:


Volksschwimmhalle Typ C. Ein 25 Meter-Becken (6 Bahnen, 2,20m tief und damit deulich tiefer als die 1,86m der späteren Bäder-Ost oder die 1,80m der Westberliner Kombinbäder) und ein Nichtschwimmerbecken mit kleiner Rutsche.  Der Ausblick geht auf diverse Bäume, hinter denen lässt ein großer Parkplatz für das Wohngebiet erahnen. Der Wandschmuck an den Querwänden zeiget sich im klassischen DDR-Stil mit Farbstreifen, die gegen 1975 mal leuchten bunt waren, mittlerweile so vor sich hin verblassen. Das Farbmosaik an der Längswand in seinen dunkelblau-dunkelgrün-schwarz-gelb-Tönen erinnert mich schon fast an SciFi-Horror-Filme der 1980er. Auf jeden Fall wirkt es emotional.






Immerhin, die Anton-Saefkow-Halle ist eine der wenigen Hallen, in der auch im Becken noch etwas Deko ist: so drei große  Quadratsterne aus Fliesen je an den Längsseiten, die auch im Nichtschwimmerbecken wieder auftauchen. Ich glaube im Ostberlin der 1970er/1980er wirkte das es schick, ist dann aber in vielen Bädern der ersten Nachwendesanierung zum Opfer gefallen.

Das Wasser liegt seit einer Sanierung auf Beckenhöhe, die Überlaufrinne ist in den Boden des Beckenkopfes eingelassen. Jenseits der Überlaufrinne auf der Landseite befindet sich ein kleiner Überlauf-Stopp-Huckel in buntestem Mosaik. Den sah ich so auch noch nirgends, und eigentlich erscheint es mir wie eine sehr rumpelige Notlösung zu einem Problem fehlgebauter Ablaufsteigungen. Rein optisch aber übertraf sich der Gestalter hier selbst.

Oben liegt die nette geräuschgedämmte Volksschwimmhall-Decke. Beim Abendbesuch waren drei Bahnen abgesperrt. Auf einer Bahn betätigten sich zeitweise junge Frauen beim Schwimmtraining. Die anderen beiden Bahnen waren gut belegt durch normale Öffentlichkeit. Beim Tagesbesuch waren zwei Bahnen abgesperrt. Obwohl die Berliner Bäder mir Parallelbetrieb angekündigt hatten, waren beide Bahnen benutzbar. Das war aber auch dringend notwendig, denn es gab ja noch das..

...Publikum...


… Menschenmassen. An einem pekigen Werktag irgendwann so am späten Vormittag in einer Schwimmhalle, die wie eigentlich alle Schwimmhallen sehr nett ist, aber auch nichts hat, was nicht viele andere Schwimmhallen auch hätten. Dort trieb sich eine bunte Mischung mit ernsthaften Schwimmern, nicht ganz so ernsthaften Schwimmern und einem überzeugenden Seniorenkontingent herum.

Angesichts der Menge waren auch einige jüngere Menschen als ich dort, aber der Schnitt war Ü60. Selbst beim Aqua-Latino-Yoga-Paläo-Schnupper-Hip-Hop-Kurs war das Durchschnittsalter über dem Alter meiner Mutter.

Abends war das Publikum deutlich jünger, aber die fehlenden Rentner sorgten nun definitiv nicht dafür, dass es leerer wurde: Es war immer noch sehr voll. Abends kamen dann noch junge Männer hinzu, die quer und schräg durch den vollen Bereich quer Kraul testeten. Falls ich einen davon aus Versehen in den Bauch getreten haben sollte, tut es mir echt leid. Ansonsten Männer, Frauen, Alte, Junge und von jeder Gruppe Menschenmengen.

Gastronomie


Der übliche Süßigkeitenautomat und ein Kaffeeautomat. Der hatte nicht nur Espresso, sondern sogar trinkbaren Espresso.

Öffnungszeiten/Preise


5,50 Euro.

Offen zum Frühschwimmen und sonst Mi/Do/Fr von 10 bis 22.30(!), am Wochenende von 10 bis 17 Uhr.

 

Fazit


Wenn man am Anton-Saefkow-Platz schwimmen könnte, wäre es nett. Die Volksschwimmhalle Typ C mag‘ ich als Schwimmbadtyp in jeder ihrer Manifestationen. Die Kabinen sind angenehm und es gibt sogar Espresso. Nur: es sind so viele Menschen von der Schwimmhalle angetan, dass bei beiden Besuchen das eigentliche Schwimmen komplett unmöglich war.

Sonstiges


Und schwamm noch die mittelalte Asiatin, mit Schwimmgürtel im Nichtschwimmerbecken, tapfer um jeden geschwommenen Meter kämpfend. Würde es nicht übergriffig erscheinen, hätte ich sie ja spontan umarmt.

Wie mir zugetragen wurde, soll es sich hierbei um das Bad mit der marodesten Wasseraufbereitung der Stadt handeln, das die armen Fachangestellte für Bäderbetriebe quasi dauerhaft im Grenzbereich fahren müssen, damit sie überhaupt funktioniert. Oder anders gesagt: eine längere, teurere Grundsanierung in näherer Zeit ist absehbar. Lieber nochmal hingehen, so lange das Bad so existiert.

Und weiter


Nur eine S-Bahn-Station weiter liegt das Schwimmsprungsportzentrum an der Landsberger Allee. Mit seinen 50-Meter-Bahnen und dem gänzlich unfamiliären Massenbetrieb ein echter Kontrast.

Wie der Typ-C nach einer rundum gelungenen Sanierung aussehen kann, hingegen präsentiert das Bad auf der Fischerinsel.

Die Übersicht aller Iberty-Schwimmbadartikel ist hier: Schwimmbäder nah und fern. Rückblick und Ausblick. 

Anmerkungen


Ha! Ich habe mittlerweile den Trick für das leere Bad gefunden. Man warte auf Ferien, hoffe, dass das Bad dann zu Zeiten geöffnet hat, an denen es normalerweise geschlossen ist. Die überumpelten Menschen in ihren festgefügten Tagesabläufen werden nicht schnell genug mitkommen. Und voila - da ist die leere Bahn!

Kommentare:

schwimm-blog-berlin hat gesagt…

Hach ja, das Bad am Anton Saefkow Platz. Lieblos und vernächlässigt behandelt von den Berliner Bäder Betrieben. Lange Zeit ein super Ausweichbad, wenn im Südwesten ab April bis nach den Sommerferien alle Bäder geschlossen wurden, mit nur 45 Minuten einfache Fahrt...
An Freitagen und Samstagen war es bis 2015 bis 23.30 Uhr geöffnet. Es war schon immer gefühlt voller als in anderen Bädern. Seit dort aber der "Parallelbetrieb" ausgeweitet, die Öffnungszeiten aber massiv eingeschränkt wurden für alle, ist es schwierig geworden, dort zu schwimmen.
Zum Glück arbeiten dort noch 'Bademeister' der alten Schule, die es, wie auch immer, schaffen, die olle Technik am laufen zu halten. Und schön sauber war es auch immer.

dirk franke hat gesagt…

Ja, seltsam. Potenzial wäre für das Bad ja da, schon allein wegen der vielen Leute. Aber es ist so etwas alt, aber nicht richtig. So etwas saniert, aber nicht richtig. So fast in der Innenstadt, aber nicht richtig. Wirkt ein wenig wie ein Bad im Wartezustand auf bessere Zeiten.