Mittwoch, 20. April 2016

Lehm

Dieser Text behandelt das Material Lehm. Zum Schauspieler siehe Ralf Lehm.

Lehm. Viel Lehm. Überkopfhoch Lehm. Dank diverser Erdarbeiten sind wir gerade glückliche Besitzer mehrerer Kubikmeter Lehm. Diese sollen weg. Langfristig ist der optische Reiz eines großen Lehmhaufens begrenzt. Deshalb verbringe ich meine Wochen und Tage gerade mit Schaufeln.

Ich entwickle eine innige Verbindung zum Lehm, die leider nicht so recht auf Gegenseitigkeit beruht. Erkenntnis Nummer 1: Lehm hat - zumindest wenn er so sehr Richtung Ton tendiert, wie der unsrige - genau zwei Konsistenzstufen: Modder, in dem man bis an die Knöchel versinkt oder betonhart. Lehm wiegt etwas mehr als zwei Tonnen pro Kubikmeter, bei mehreren Kubikmetern ist das eine Herausforderung.

Lehmgrube

Lehm. Bild: Lehmgrube am Hamberg in Ottensheim Von: Otto Normalverbraucher Lizenz: Attribution required

Nächste Erkenntnis: Lehm existiert nicht. Es existieren Teilchen. Je nach Größe sind das Blöcke, Steine, Sandkörner, Schluff oder Ton. Dabei ist Ton am Kleinsten, Blöcke am größten. Um genau zu sein, hört nach dem Deutschen Institut für Normung ein Stein ab 20 Zentermeter Kantenlänge auf, ein Stein zu sein und wird ein Block.

Lehm ist nun einfach eine Mischung von Sand, Schluff und Ton, die gerne auch noch einige Steine enthalten kann. Einige Steine sind da. Sogar einige wenige, die so aussehen wie die steinzeitlichen Faustkeile, die vor länger Zeit mal im Museum in meine Hand wanderten. Aber ist es überhaupt Lehm in dem diese Steine sind? Also eine Mischung von Teilchen? Oder eher Schluff – Teilchen, die weder Sand noch Ton sind, sondern in der Größe dazwischen liegen und die kaum jemand kennt? Recherchieren tut not.

Auf jeden Fall ist es braun-gelblich-weißlich, beinhaltet immer wieder einzelne größere Tonklumpen und fühlt sich auch manchmal sandig an. Also vielleicht doch fetter Lehm. Lehm, das quatschige allgegenwärtige im Untergrund. Baumaterial, recht gut für Pflanzen und aufgrund seiner Allgegenwart weit genutzt.

Brandenburg, wo der Lehmhaufen steht, ist allerdings eher als ärmliche Sandbüchse bekannt, in der die Böden aus Sand bestehen auf denen nichts wächst. Nicht hier. Brandenburg ist Eiszeitland. Die zurückweichenden Gletscher haben im ganzen Land größere Lehminseln inmitten der Urstromtäler hinterlassen. Zum Glück für Bauern und Gärtner – ist doch quasi alles besser als Sand. Unser eigentlich recht durchschnittlicher Boden wird so für Brandenburger Verhältnisse Premiumerde. Zumindest Teile des Lehms wurden wir an Freunde und Bekannte los, die damit ihren eigenen Sandgarten aufbessern wollten,

Lehm speichert Wasser und Nährstoffe. Soweit besser als Sand. Lehm speichert viel Wasser und neigt zur Staunässe. Soweit so ungut. Da der Boden recht undurchdringlich ist, neigt er bei starkem Regen auch zu Pfützen und kleinen Seen. Immer wieder dieser Wechsel zwischen trockenharter Platte im regenarmen Brandenburger Sommer und amphibischem Biotop im verregneten Spätwinter. Lehm geht mit den Jahreszeiten. Wenn auch nur langsam. Der Boden ist dicht, wärmt sich im Frühjahr später auf und kühlt im Herbst später ab. Ein echtes Plus für Menschen, die mit Lehm bauen, will man doch ein wärmeisoliertes Haus – nicht ganz so gut zum Anpflanzen. Ist doch draußen schönste Sonne und die Pflanzen bibbern immer noch.

Trotzdem – für Brandenburger Verhältnisse ist das Ländchen Glien im Nordwesten Berlins (slawisch bedeutet Glien übrigens Lehm..) ist ein blühender Garten Eden. Umgeben von den Urstromtälern von Spree und Havel saßen die Menschen hier schon früh im Trockenen und konnten sogar Sachen anbauen.  Am Rande liegt Velten, „die Ofenstadt“, denn es gab ja Ton zur Fertigung. Wunderzeugs lehm. Kubikmetergroß. Und über zwei Tonnen pro Kubikmeter schwer. Ich gehe dann bei Gelegenheit wieder Schaufeln.Und falls jemand Lehm braucht, gerne melden.

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