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Dienstag, 15. November 2022

22-11-15 Überprüfen Ihres Lobverlaufs

Sport soll Menschen mit Menschen verbinden, verbindet aber auch Menschen mit Geographie. 

Heutiges Mittagessen mit Kollegen: Ich: Ich kenne die meisten Berliner Außenbezirke daher, dass ich dort einmal Schwimmen war. Kollege: Ich kenne die ganzen Außenbezirke nur, weil ich in meiner Jugend Basketball spielte und dort Auswärtsspiele hatte. 

Ich sehe die Abschlussarbeit vor mir "Das Auswärtsspiel als Einflussfaktor der Stadterkundung (+3 bis 5 Adjektive, die gerade aktuelle Forschungsansätze würdigen)". Ich sehe vor mir einen netten Geographen der mit lauter Jugendmannschaften durch verschiedenste Turnhallen pendelt, die Jugendlichen fragt, was sie von der Gegend mitbekommen.

Der Südkreuz-Kran wurde heute in kleinen Teilen abtransportiert. Soweit es sich rekonstruieren ließ, ergab sich der Kranfall beim Aufbau des Krans; vermutlich als der Ausleger nach oben gezogen werden sollte, um am Hauptkran befestigt zu werden. Der Aufbau fand überhastet statt. Der Abbau wird um so sorgfältiger durchgeführt. Es gibt tagelanges Fensterfernsehprogramm. 

Dieses Jahr ist mir nach Thanksgiving. Ich durchforste bereits Rezepte für Cranberry-Jelly, Grits and Gravy und überlege, ob eine komplette Pute wohl auf einen Grill passt.

Zur Inspiration las ich Turkey in a T-Shirt, and Other Thanksgiving Gimmicks We’ve Tried. Es behandelt das Truthahn-T-Shirt (popularisiert durch Martha Stewart, Käsetuch oder weißes T-Shirt in Butter oder Wein einlegen und beim Backen um den Truthahn wickeln), die Turkey-Talk-Line - eine Telefonnummer, die verzweifelten Köchen sofort Rat gibt, einen Social-Media-Trend von 2018 als frisch ausgezogene Erwachsene ihre Eltern fragten wie lange der Truthahn in die Mikrowelle muss. Und so on. 

Erstaunlich, dass die beiden Gimmicks, die mich reizen, für die mir aber seit Jahren die Verwegenheit fehlt, beide aus dem Cajun-Louisiana-Einfluss stammen. Frittierte Pute (also in Gänze in einen ausreichend großen Topf mit siedendem Öl getaucht, feuerfeste Umgebung empfehlenswert) und Turducken, also TURkey-DUCK-chickEN; ein Huhn in einer Ente in einer Pute.

Heute kochte Madame. 

Frittierte Pute. Bild: Thanksgiving Turkey 2017 von: Christina Telep Lizenz:  Creative Commons Attribution 3.0 Unported 

Tröt, also das Netzwerk Mastodon, nennt das veröffentlichen eines Statements nicht mehr "Tröt", sondern "Veröffentlichen." Ich will nicht sagen, dass das nun Mainstream-Langeweile bedeutet, sofort werbende Unternehmen das Netzwerk überfluten werden, werbende Seelenverkäufer nach Anhängern suchen, und ich-Brand-Bildende nach einer Identität suchen werden. Aber es ist ein Schritt dorthin. Und damit ein Schritt von mir zum schon-wieder-Verlassen des Netzwerks.

Microsoft-Prosa ist die schönste Prosa. Im englischen Original heißt der Satz "Review your praise history."

Freitag, 11. November 2022

22-11-11 public static void()

Prinz Elon Musk küsste den verwunschenen blauen Vogel und verwandelte sich in Liz Truss. Die Explosion eines Unternehmens, das vor drei Wochen noch 44 Millarden Dollar wert gewesen sein soll, ist selbst für das Jahr 2022 spektakulär.

Wer Autounfälle faszinierend findet, für den ist hier der nicht-Paywall-Link zum New-York-Times-Artikel Two Weeks of Chaos: Inside Elon Musk’s Takeover of Twitter. Es fehlt allerdings der aktuelle Lieblingssatz der Zeitung: "Twitter, das gerade einen Großteil seiner Unternehmenskommunikation aufgelöst hat, hat auf unsere Anfragen nicht reagiert." Dafür steht die Anekdote im Artikel wie die Buchhaltung überprüfen musste, ob die Angestellten echte Menschen und keine Bots sind. 



Mir gefällt "die Twitter-Alternative", dieses Tröt, zur Zeit sehr gut. Aber ich glaube, die Nicht-Nerds werden kommen und es auf die Dauer nach ihren Vorstellungen umbauen. Es wird nur eine temporäre Bekanntschaft zwischen mir und Tröt werden. 

Finanzimperien fallen links und rechts  wie Kräne am Südkreuz. 

Der Restkran am Südkreuz steht noch. Wir fragen, uns schon, ob die Bauarbeiter noch arbeiten. Schon zwei Tage ohne Erdbeben. 

Hier im Haus arbeiten die Bauarbeiter noch. Im Treppenhaus tauchte eine Schubkarre auf. Das Hinterhaus hat die Zahl der Flutlichter auf dem Dach erhöht.

Weiterhin allerdings kein Heizungsbauer in Sicht. Gut, dass wir warm eingepackt sind. Nach der Strickjacke haben ich und der betriebsärztliche Augenservice im Rahmen der Untersuchung Bildschirmarbeitsplatz beschlossen, mein Accessoire-Game zu uppen - ich bedarf einer Lesebrille; die sich natürlich ungemein gut mit der Zopfmusterstrickjacke ergänzen wird.

Noch unbelesebrillt hangelte ich mich durch die Fernuni-Einsendeaufgaben "Java für Anfänger", die zu Montag abgabepflichtig sind. Ich habe an der Fernuni noch keine Aufgaben mit derart miserable Ausbeute abgegeben. Aber zum Glück reicht hier 1 von 100 Punkten. Das ist mehr eine "denkt noch an den Kurs"-Kontrolle als eine Wissenskontrolle.

Gestern ein ebenso erfreuliches wie überraschendes Telefonat mit der Vergangenheit über Pentabyte. 

Heute wird kommen: Trattoria a muntagnola. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird ein Menu Muntagnola bestellt werden.



Donnerstag, 10. November 2022

22-11-10 Bit Penguin

Das Büro steht noch, so wurde mir aus vertrauenswürdiger Quelle versichert. Ich blieb zu Hause, Ich empfing ein Paket mit Unterhosen, gute Nachrichten von der Fernuni und den internen Newsletter, der einem Herzensprojekt von mir in den letzten Wochen einen kleinen Artikel widmet.

Das Büro steht noch ebenso wie der schiefe Kranstumpf daneben. Außerdem: wenn der Kran fällt, dann vermutlich eher auf die Abteilung Finanzen als auf die IT; ich kann morgen wieder zurück an den Sachsendamm.

Der Schock, dass gestern Nachmittag 15 Meter neben mir ein tonnenschwerer Kranausleger auf die Erde stürzte, sitzt immer noch. Auch mit einem Tag Abstand, krass dass anscheinend wirklich niemand etwas passiert. Wahrscheinlich aber stürzte der Kran, als die Welt sich wieder etwas mehr in die normale Umlaufbahn zurückruckelte.

An einem Tag 

- platzt eine weitere große Krypto-Währungsblase. Die zweitgrößte Handelsbörse für Kryptowährungen FTX, implodiert, offensichtlich unter tatkräftiger Mitwirkung der größten Handelsbörse. 

- zieht Russland sich tatsächlich aus Cherson zurück, gesteht also mindestens intern ein wie sinn- und erfolglos der Angriffskrieg ist. 

- hat "Team Crazy" bei den US-Midterms schlecht und vor allem ohne Vorwärtsperspektive abgeschnitten. 

Die Welt am Abend des 9. Novembers 2022 war ein Stück weit mehr meine Welt als die am Abend des 8. Novembers 2022.

Natürlich sind die USA trotzdem politisch ganz anders als Deutschland. Und alleine der Versuch, das ganze anhand deutscher Verhältnisse zu erklären, ist, wie zu sagen: "Der Grand Canyon ist wie die Loreley, nur größer und trockener." 

Vor allem sind die USA vielfältiger. Auch politisch. Ein Ausdruck dessen entdeckte ich heute im New York Magazine. Dort gibt es seit Jahren einen Abschnitt "Lookbook" - Moderedakteure gehen zu einer Veranstaltung und fotografieren Streetstyle. Jetzt waren sie: 

At a Democratic Socialist Convention. 

Und mein:e Lieblingsdemokratische:r Sozialist:in in New York: "Bit Penguin, Electronics modifier, Bensonhurst."

Das New York Magazine war heute sowieso gut für Überraschungen:

Screenshot des New York Magazins mit Aufmacher "Mathias Döpfner, Part Murdoch, Part Musk"


Ein ausufernd ausführliches Porträt des Axel-Springer-Chefs und Politico-Inhabers Mathias Döpfner aus ungewohnter US-amerikanisch-großstädtischer-progressiv-zentristischer Perspektive.

Dem Porträt entnahm ich, dass Döpfer seinem Buddy Musk zuredete, Twitter zu kaufen. Und seitdem glaube ich, dass das ganze Twitter-Debakel nur eine von VW über Döpfner eingefädelte Intrige ist, um Tesla zu schwächen.

Auf Tröt las ich auch Interessantes. Aber dazu später mehr. Noch bin ich zu sehr damit beschäftigt Pumpkin Pie zu backen und auf Vermieter und/oder Heizungsfirma zu warten. Nachdem der Home-Office-Tag dazu verleitete, die Heizung anzustellen, quittierte die Gastherme unter lautem Getöse innerhalb von 20 Sekunden den Dienst. 

Aktuell 17 Grad. Aber ich bin ja seit gestern wohlgewärmter Zopfmusterstrickjackenträger.