Mittwoch, 28. September 2022

22-09-28 Der Grund liegt in einem anderen Land

Erstaunlich, immer noch. Madame erstand eine Zugfahrkarte, mit der wir bequem und bezahlbar in einem Tag von Berlin nach Italien kamen.

Erstaunlich: in acht Stunden quer durch Deutschland brachte die Deutsche Bahn nicht mehr Verspätung zusammen als die SBB in zweieinhalb Stunden. Aber die SBB hatte die bessere Erläuterung: „Der Grund liegt in einem anderen Land.“

Mitreisende: die Charité-Ministeriums-Reisegruppe, die sich ernsthaft kompetent über Impfstoffzulassungen unterhielt.

Plus Telefonat auf halber Strecke „Ich gebe ihnen doch keine schriftliche Stellungnahme zu etwas, was sie auch auf der Website nachlesen können.“

- der Mann, der auf sein MacBook einhämmerte als wäre es eine Reiseschreibmaschine aus den 1950ern, seine vier Tageszeitungen zerlegte und wichtiges Ausschnitt. Der sich mit der Dame quer gegenüber anlegte, weil sie ihn auf die Ruhepflicht im  Ruhewagen hinwies. „Ja, Frau Lehrerin“ - als er in Frankfurt ausstieg war ich sicher: Ich reiste zusammen mit einem FAZ-Redakteur.

Die beiden jungen Frauen von denen eine aus heiterem Himmel kurz hinter Freiburg einen Heulanfall bekam.

Der kleine Schweizer Junge, der seine Pizza verloren hatte.

Reiselektüre: im positiven Sinne verstörend und irritierend: Sam Apple: „Schlepping the Alps“. Über de einen Wanderschäfer Österreichs der mit seinen 600 Schafen das Voralpenland durchzieht und dabei jiddische Lieder singt. Fragen: Was hat der Holocaust in den Psychen von Opfern und ihren Nachkommen angerichtet. Ober- und untergründiger Antisemitismus in Österreich. Wie ziehe ich 600 Schafe über eine Straße. Was passiert wenn man die Einwohner von Judenburg nach der Herkunft ihres Stadtnamens fragt.

Handy: Im Flugmodus. Keine Ahnung was heute in der Welt geschah.

Dienstag, 27. September 2022

22-09-27 Oh, dove sei andata? Oh, mi sei mancata.

In den Nachrichten hörte ich, dass es ein Leck in Nordstream 2 gibt. - Ich: "Ah jo."

Wenig später: Und eines in Nordstream 1. - Ich "Das kann eigentlich kein Zufall sein."

Später, wacher: "Wie krass ist das denn. Das kann nur ein Geheimdienst oder ein ähnlicher Akteur durchziehen. Das klingt wie aus einem John-le-Carré-Roman. Nur ginge es in seinen Büchern subtiler zu."

Später, wacher: "Okay. Das soll nicht subtil sein. Das soll jemand eine Nachricht senden und die halbe Welt schaut zu. Im Sinne von 'Wir können und wir machen. Fuck you. Kennst Du die Pferdekopf-Szene?' Aber wer sendet an wen? Welche Botschaft transportiert die Zerstörung einer nicht-genutzten-russisch-deutschen Pipeline?"

Bis Madame der Gedanke kam. "Heute wird die "Baltic Pipe" Pipeline von Norwegen über Dänemark nach Polen eröffnet. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass diese Nordstream 1 und 2 kreuzen muss. Sie durchquert dieselbe Gewässer, in denen die Nordstreams liegen. Das ist die Lösung. Das Leck ist ein deutliches: 'Glaubt nicht, dass ihr Ostsee-Pipelines einfach so nutzen könnt ohne uns zu Fragen. Wir können Pipelines in dänischen Gewässern zerstören. Dieses mal war es noch unsere eigene Pipeline. Aber Eure können wir auch zerstören.'"

Also ein großes russisches "Fuck you" an den Rest Europas. Das einzige, was mich irritiert: Angesichts der sonstiges Performance des russischen Staatsapparats wirkt die ganze Aktion ungewohnt-und-fast-nicht-glaubhaft professionell.

***

Währenddessen in unserer kleinen Welt: Die Klausuren sind vorbei, die Arbeit wartet noch ein paar Tage: Haushalt. Zahnarzttermin vereinbart, TÜV-Termin vereinbart, einem verlorenen Paket hinterhergesucht, schauen was in der Corona-Quarantäne-Kiste demnächst abläuft (Alles), drei Kilo Äpfel (brutto) zu Apple Butter im Crocky verarbeitet, einen lang verschobenen Blogpost vor-geschrieben, gerade noch rechtzeitig festgestellt, dass das dm-Spülmittel ein neue Zusammensetzung hat und jetzt Silberbesteck beschädigt. (Oha).

Währenddessen: Radio-leggera-recherche. Wer singt "La Dolce Vita"? Es ist Fedez und andere. Das Video sagt mir: Niemand kann so gut Italien-Klischee wie Italiener. Die Vespa!

 

Montag, 26. September 2022

22-09-26 Ti dedico le autostrade che portano al mare

Madame kaufte keine Skisocken.

Ich arbeitete mich im Kranzler-Eck durch 24 Aufgabenblöcke zu DMAIC, Memo Org, ERM und CMP. Die ganzen Horizontal- und Vertikalverwirrungen wurden mir erspart, aber auch sonst gab es genug Überraschungen.

Falls ihr schon immer wissen wolltet, wer an der Fernuni Hagen Wirtschaftsinformatik studiert: Ausweislich der extrem nicht-repräsentativen Stichgruppe von heute: Fast ausschließlich Menschen zwischen 25 und 35, etwa zwei Drittel bis Dreiviertel der Anwesenden Männer, gefühlt die Hälfte Fachinformatiker.

Danach Bummeln zum KaDeWe beziehungsweise dem nahe gelegenen Geldautomaten. Zur Feier des Tages lud ich Madame zum Mittagstisch mit Lamm Saag und Butter Chicken ein. Und danach war ich so komplett durch, dass ich es mit Müh und Not noch schaffte, einen Blutspendetermin für in zwei Wochen onlinezubuchen. 

Zum Abschluss dieses doch aufregenden ersten Urlaubskapitels einen der Songs, der auf RAI Radio Tutta Italiana rauf- und runterlief - schon allein aufgrund der Schafen im Video. (über die Wahlen dort beschwere ich mich erst Morgen): Giovani Wannabe



Sonntag, 25. September 2022

22-09-25 SCOR, SCM, ERP, PDCA, DMAIC

Zwar war ich nie in Äquatornähe. Aber dieser Herbst läuft ab, wie ich mir einen dortigen Sonnenuntergang vorstelle. Eben noch zerfließen bei 35 Grad, einmal kurz umgedreht und ich hole die langen Unterhosen aus dem Schrank. Was wurde aus der Übergangszeit für die Übergangsklamotten?

Heute immerhin besuchte uns die Sonne im Garten. Alles kroch aus seinen Höhlen. Kraniche und Stare flogen ebenso über uns sie Sportflieger und ein Oldtimer-Doppeldecker. Um uns kreisten Hummeln und Libellen; die anhängliche Wespe wurde erfreulicherweise von den Hornissen vertrieben. Selbst ein Schmetterling raffte sich zum Besuch auf.

Ich musste leider "Broken Homes", den vierten Teil der Rivers-of-London-Reihe zu Ende lesen (Tolles Szenario aber mit überraschenden Plotschwächen) bevor ich etwas anderes unternehmen konnte.

Sofern Madame nicht den Garten pflegte widmete sie sich gegenüber auf der Terrasse dem "Sumerset-Tagebuch." 

Nachdem wir kurz mit der Rekonstruktion des Kompost-Silos begonnen hatte, beschloss ich trotz gutem Bauchgefühl nicht nachlässig zu werden und widmete mich meinen guten Bekannten SCOR, SCM, ERP, BI, BA, MEMO Org, PDCA, KVR und DMAIC.

Dieses Jahr ist das erste Jahr indem wir nicht sagen "Oh. Schautz mal! Ein Apfel und noch einer und noch einer! Wir haben drei Äpfel!" sondern wir ernten diese eimerweise und versuchen, sie schnell zu verteilen und loszuwerden.  

Samstag, 24. September 2022

22-09-24 Upstream -Downstream - Bullwhip

Madame teilte störrisches Blauschwengelgras. Das ließ sich leichter ausgraben als teilen. Aber am Ende hatten wir zwei Pflanzen.

Wir sind im grünen Bereich. Mein Bauchgefühl für den Montagsevent sagt „Wird schon“. Und so fuhren wir in den grünen, unfassbar grünen, leuchtend grünen Garten. Der changiert zwischen Herbst und alles-treibt-aus-Frühjahr. Ich hatte kurz überlegt die Wiesenteile zum Saisonabschluss zu mähen. Aber das sieht noch gar nicht nach Saisonende aus.

Madame fragte mich ab nach Upstream und Downstream und Bullwhip. Ich hatte Kopfressourcen frei zum Experimentalkochen „Liboke de Poisson“ / „Tilapia im Bananenblatt“ für die kulinarische Weltreise Kongo. Mein Rezept arbeitete mit Fischfilets und Dampfgaren, ich mit ganzem Fisch und einem Grill Aber der entscheidende Teil war im Rezept: Fotos von der Bananenblatt-Falttechnik.

Madame sammelte Falläpfel und buk Apfelkuchen.

Letztes Jahr zum Berlin-Marathon-Wochenende waren wir Wahlhelfer. Bei uns lief alles super. Aber dennoch sind wir nicht böse dieses Jahr im Garten zu sein. Und darauf gibt es gleich Rotwein und Chips.

Freitag, 23. September 2022

22-09-23 Vier Ebenen und eine Dimension

Madame wird fragen: Was ist mit den Tieren?

Während wir auf A warteten, flog eine ELSTER mit einem Goldring im Schnabel vorbei. Leider legte sie ihn noch nicht ab, aber wir haben Hoffnung dass die bald wiederkommt.

Ich stelle weiter fest - welches von vielen Modellen nun vier Ebenen hat, welches drei Ebenen und warum die eine Hälfte horizontal und vertikal um 90 Grad gedreht  interpretiert - einfach auswendig zu lernen erfreut mich nur mäßig. Aber ist halt so.

Zum Ausgleich führte die Kopf-frei-Runde in die weite Welt bis zum Drogeriemarkt. Und richtig zum Ausgleich gibt es gleich vor dem Einschlafen eine Spätburgunder-Spätlese.

Donnerstag, 22. September 2022

22-09-22 Projektdurchführungsstrategie

Madame fuhr nach Königs Wusterhausen und erzählte sachsen-anhaltinischen Jungerwachsenen etwas vom ADAC. Falls die S-Bahn Berlin übrigens ein Testimonal für die (seit 2021) neuen S-Bahn-Wagen der DB-Baureihe 483/484 benötigt: Madame ist begeistert.

Mein Leben spielte sich zwischen Schreibtischen und Lesesesseln ab, kurz unterbrochen von Paketannahme und Gang um die Ecke zum U-Bahn-Discounter. Dabei fiel auf: Ist es der Gaspreis? Mitarbeitermangel? Gentrifizierung? Bereits die zweite Verkaufsfiliale einer Bäckerkette schließt in der Nachbarschaft (verschiedene Ketten).

Immerhin bezieht sich mein Schreibtischhopping weniger auf Oha-was-meinen-die? Sondern mehr auf Auswendiglernen. Dies setzt wieder kognitive Fähigkeiten in den Pausen frei, in denen ich lesen kann.

Michael Schmalenstroer bastelte sich "Raus aus der Nachrichtenmühle." Die Umsetzung wäre nicht komplett meine. Aber die Bastelei ist spannend. Die Zielstellung "Wie konsumiere ich Nachrichten und kann gleichzeitig den ganzen Trump-Wagenknecht-Precht-Sau-durchs-Dorf-Müll rausfiltern?" kann ich sofort nachvollziehen.  

Irgendwie bin ich kurz danach beim Bloglesen falsch abgebogen und landete erst bei Jammer-Blogs (nicht zu verwechseln mit Mama-Blogs) und dann bei Ich-blogge-seit-20-Jahren-und-irgendwie-habe-ich-in-der-Zeit-viele-seltsame-Ansichten-entwickelt; denke: alternative Hippie-Querdenker. Irgendwie bizarr und einerseits erschreckend. Andererseits erinnere ich mich, dass ich das Internet um 1995/2000 dafür schätzte, dass jede abseitige Meinung darin vorkommen konnte und sie sich alle gegenseitig respektvoll behandelten. 

Auf Papier stolperte ich über ein New-York-Magazin auf dem Küchentisch und das darin enthaltene Ivana-Trump-Portrait. Das auch ebenso bizarr wie betrüblich wie spannend war: The Last, Lonely Days of Ivana Trump

Innerliche Reisevorbereitungen laufen auch. Domodossola besitzt nicht nur einen Welterbe-Heiligen-Berg, den Sacro Monte Calvario di Domodossola sondern  auch die von Madame und mir geschätzten italienischen Kleinmuseen so das Civico Museo Sempioniano (zum Simplontunnel - laut Google aber dauerhaft geschlossen). das Museo degli alpini ossolani - das Museum der italienischen Gebirgsjäger aus dem Ossola und denn Sala storica della Resistenza, der die kurze Geschichte der Partisanenrepublik Domodossola im zweiten Weltkrieg behandelt. Weitere spannende Museen gibt es in der Übersicht der Musei dell'Ossola.