Montag, 20. Juni 2022

Cumbia ist entspannte Salsa

Beides sind lateinamerikanische Tanzstyle, die vieles gemeinsam haben. Den Grundtakt, ähnliche Schritte, im Normalfall ist es einfach, Figuren aus dem einen Tanz in den anderen einzubauen. Aber es gib Unterschiede. Cumbia ist normalerweise langsamer, der Beat ist einfacher zu hören, im Gegensatz zu Salsa gibt es meistens keine Blasinstrumente in der Musik - und Cumbia wird anders als Salsa so gut wie nie in Wettbewerben getanzt. Salsa ist schnell und showy, Cumbia ist langsam und feely. Als das lernte ich, als ich über mexikanisches Maisbrot bloggte.

Montag, 13. Juni 2022

12 von 12, Juni 2022

Tagebuchbloggen ist nett. Als Leser*in erfahre, was wildfremde Menschen so machen, freue mich an der Alltäglichkeit. Als Schreiber denke ich: ey, super, kein Konzept, keine Story, einfach-so-runterschreiben.

Als besondere Form existiert das Bild-Tagebuchbloggen, wie in der Aktion 12-von-12. Zwölf Bilder, aufgenommen am 12. des Monats und gesammelt im Blog "Draußen nur Kännchen." Im Juni kamen bisher über 150 Beiträge zusammen. Bild-Tagebuchbloggen stellte mich bisher vor ein unüberwindliches Hindernis: ich muss morgens daran denken und entsprechende Bilder aufnahmen.

Im Juni des Jahres 2022..

..habe ich natürlich nicht daran gedacht. Aber praktischerweise war es ein fotofreundlicher Tag. Deshalb endlich auch meine 12-von-12.

(Der Text steht unter dem jeweiligen Bild)



Kaffee ist immer ein großes Thema am Morgen. Noch vielmehr wenn man zum Kaffeedienst eingeteilt ist und im Tagungshaus für 50 Teilnehmer*innen mit einer eher eigenwilligen Kaffeemaschine unterwegs ist. Irritierenderweise. Der Rest der Kücheneinrichtung wies gehobenes Gastromenü auf. Unser Kaffeedienst gestattete uns längeres wartendes Rumlungern in der Küche und den neidischen Blick auf Öfen, Herde und Profispülen. 


Einmal zum Anschauen: Weitere Verabschiedung von Feiergenoss*innen, Landschaft und Haus mit Blick auf die Berner Alpen und dem Emmentaler Rotmilan.




Und mit Beschriftung: 1 - Wetterhorn ; 2- Schreckhorn ; 3- Finsteraarhorn ; 4- Ochs ; 5- Gross Fiescherhorn ; 6-Eiger ; 7- Mönch ; 8 - Jungfraujoch; 9- Jungfrau ; 10- Lauberbrunner Breithorn 



Abstieg ins Dorf und Ausblick von der Bushaltestelle. Der Aushang dort erklärt uns, dass der Stutzen am Rüttlihubelbad bei extremen Winterbedingungen nicht geräumt werden kann und deshalb der Postbus eine andere Route nimmt. Ich überlege mir, wie extreme Winterbedingungen im Emmental so aussehen und bin beeindruckt. 


Mit dem Postbus nach Worb und in die futuristische S-Bahn Richtung Bern-Hauptbahnhof. 



Der IC bringt uns und mehrere Dutzend Teilnehmer*innen des Greenfield Festivals zum Flughafen Zürich. Für Festivalis wirken sie alle überraschend nüchtern und wohlerzogen. Unser Zug hält nicht in Olten. Wie ich später lernte ist dies der einzige Schweizer Zug, der durch hindurchfährt. Denn alle Züge halten in Olten. Alle Schweizer*innen steigen dort um. Aber niemand steigt dort aus. 


Ich falte mich irgendwie in den Flugzeugsitz, beschließe, dass das Wochenende diese zwei Stunden Schmerz wert sind, habe immerhin Fensterplatz, Sonne und keine Tragfläche vor der Nase. Ein Abschiedsblick auf den Flughafen Zürich. 


Und wo ich dabei bin: Zürichsee und noch einige Alpen. 


Im Anflug: Felder in Brandenburg, von denen ich dachte, es gäbe sie nur in Wüstengegenden. Mit kreisrunder Bewässerung. 


Sie existiert wirklich: die Tesla-Fabrik in Grünheide. 


Brandenburg, Land der 1000 Seen. Hier Schmöckwitz, der Zeuthener See (Dahme) und der Große Zug. Am Horizont Wildau, dahinter zu ahnen: Königs Wusterhausen.



Die wie-in-Bern-auch neue - aber bei weitem weniger futuristische - Berliner S-Bahn. Man beachte die sorgfältige Arbeit der Tourismuszentrale, die gleich typisches Berlin-Flair erzeugt, indem Sie subtil einen halbvollen Becher Bier in der S-Bahn platzierte.


Anlässlich der Rückkehr finden wir ein neues Schild in unserem Hinterhof. Es hielt keine 24 Stunden.



Sonntag, 5. Juni 2022

WMDEDGT 2022-Juni-05

 Im Fernsehen läuft Miss Marple, die sich gerade den Zusammenhang zwischen einem Toten und gestohlenem Schnupftabak aufklärt. Ich versuche, mich für das e-Tagebuch an den Tag zu erinnern und Ei-der-Daus, heute ist ja der fünfte des Monats. Ich kann das ordinäre Tagebuchschreiben mit dem Bloggen verbinden, indem ich mich am Blog-Event WMDEDGT ("Was machst Du eigentlich den ganzen Tag") beteilige.

Dieser wird gehostet von Frau Brüllen, dort finden sich auch die Beiträge der anderen Blogger.

Im Rückblick:

Ich nutze die seltene Gelegenheit so lange zu schlafen wie ich kann, gehe fließend vom Schlaf in das Fernsehen über, schaue im Halbschlaf zappend gleichzeitig "Asterix bei den Olympischen Spielen", "Hinter den Kulissen bei das Große Backen" und "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen." Irgendwann begleitet Kaffee das Fernsehen.

Ich lerne im TV: die bekannten Fertigtorten von C&W werden noch mit mehr Handarbeit gemacht als ich gedacht hätte. Ich staune, dass es im Deutschland des Jahres 2022 noch Arbeitsplätze gibt, bei denen Menschen anscheinend acht Stunden am Tag Tortenringe um Biskuitböden platzieren oder Sahne auf tausenden Torten glattstreichen. Mir entzünden sich bereits diverse Gelenke allein bei dem Gedanken, diese eine Bewegung hunderte Male am Tag über Wochen/Monate/Jahre hinweg gleichartig durchführen zu müssen. Ich hätte ernsthaft gedacht, der ganze Prozess sei deutlich mehr automatisiert.

(Zwischenbemerkung: Miss Marple übernachtet mittlerweile auf einem Schiff, auf dem das Motiv für den Mord zu vermuten ist. Ein Matrosenchor singt mittelschlecht "Rule Britannia".)

Weitere Erkenntnisse aus "Hinter den Kulissen." Buttercreme lässt sich nicht gut schockfrosten, weshalb sich C&W auf Sahnetorten spezialisierte. Ebenso: Puderzucker muss in Fett eingepackt werden, da beim Auftauen Flüssigkeit entsteht, die den Zucker auflösen würde. Und: der Trend auf dem Markt geht zu Torten, die mit anderen Süßspeisen gefüllt werden, wie zum Beispiel eine Windbeutel-Sahnetorte.

Madame rief an, erzählte vom Wald aus dem Schwarzwald und dem Pizzastein. 

Im Asterix-Film-mit-echten-Schauspielern (also kein Zeichentrick; es gibt sicher ein Fachwort dafür, dass mir gerade entfallen ist), gibt es eine lange Reminiszenz an das Ben-Hur-Wagenrennen. Mit einem Gastauftritt von Michael Schuhmacher, der für Germania antritt und auf seinen Intermediate-Holzrädern für feuchten Sand die Konkurrenz in Grund und Boden fährt. Der Auftritt des verschmitzt grinsenden Schumacher, der damals einfach nur nett und sympathisch war, bekommt inzwischen einen unerwartet tragischen Unterton.

Irgendwann gelang mir die Flucht aus dem TV-Halbschlaf. Nachbar R hat freundlicherweise Brötchen vorbeigebracht. Ich lese die Lokalblätter der letzten Tage aus Dithmarschen und Oranienburg, esse Brötchen mit Tilsiter und Holsteiner Mettwurst.

(Miss Marple verdächtigt einen der Schiffs-Offiziere "ein Erzverbrecher zu sein". Wir wissen noch nicht, welcher. Mein Verdacht: Alle!)

Ich nutze die Gelegenheit, die mir Familienbesuch in Tourismusgegend bietet und lenke den Subaru nach Büsum. Allerdings halte ich bereits vor dem Strand an und ignoriere Hafen und Krabben. Aber der Outlet-Store eines süddeutschen Trikotagenherstellers öffnet auch Sonntags: Ich kaufe drei langweilige bürofähige Polohemden in grau-blau-schwarz und verzichte auf das T-Shirt mit Affe und Deutschlandfahne. 

Heute nicht: das war Gestern

(Hach, der Miss-Marple-Film in seiner deutschen Übersetzung brachte bisher die Wörter "Hoppelpoppel", "Erzverbrecher" und "Techtelmechtel". Ich bin hin-und-weg.)

Zurück vom Einkaufstrip verzichte ich auf den Freibadbesuch - dann wird es halt nachher an der Nordsee länger. Ich bastele an der Vernetzung zwischen Handy, dem ersten und dem zweiten Kindle, Ersatz-für-den-kaputten-Tolino, der Bibliothek, Audible, dem Lautsprecher - der Kaptain liest gerne. Etwas Sorgen bereitet mir der Bluetooth-Part. Es finden sich zwar alle verfügbaren Geräte - auch reproduzierbar. Aber die Erfahrung lehrt, dass solche Verbindungen überraschend wieder verschwinden. Ich in Berlin sitzen werde, wenn dies passiert.

Also schreibe ich eine kleine Anleitung zur Wiederverbindung: Kindle mit Bluetooth-Lautsprecher verbinden. 



Es ist irgendwie früher Nachmittag (die Zeiten heute sind alle etwas verschwommen), der Kaptain hat sich mit einem der beiden Kindles auf die Terrasse begeben. Ich nehme Kaffeetasse und und die VWL-Unterlagen mit, denke über Nachfragefunktionen und Preiselastizität nach. Zwischendurch Plausch über Nachbarn, Familie und das vielleicht kommende Glasfasernetz in Dithmarschen.

Hochwasser ist um 17.00h. Wir machen uns kurz vorher auf den Weg. Ich beschloss, der Badestelle Vollerwiek eine Chance zu geben. Nachdem dies ein ehemaliger Favorit ist, vermodderte de Badestelle in den letzten Jahren und ich entdeckte Wesselburenerkoog und Westerkoog, Aber wer weiß, ob es weiter so moddert?

Wir parken direkt vor den Schafen. Angesichts des eingetrübten Wetters ist der Parkplatz an der Badestelle überraschend voll. Aber anscheinend sind alle parkenden zu E-Bike-Touren verschwunden. Es bleibt leer.



Dank fast-Halbmond herrscht Nipptide. Bereits vom Deich, sehe ich Jugendliche, die bereits zum Ende des Badebereichs gelaufen sind, und denen das Wasser bei höchstem Wasserstand bis zum Knie reicht. Was solls: nun bin ich hier. Ich gehe ins Wasser - kalt, aber es war Pfingsten auch schon deutlich kälter. Der Modder ist noch da. Ich mache eine sicher wahnsinnig gesunde Wanderung, Knöcheltief im Wattschlamm, bei jedem Schritt um das Gleichgewicht kämpfend, bis mir das Wasser irgendwann wenigstens zum Oberschenkel reicht. 

Kraul hat ja den Vorteil: es braucht nicht viel Platz nach unten, einfach den Arm knapp am Bauch vorbeiziehen. Ich schwimme 10 Meter zurück zum Strand, währenddessen mich die Strömung 15 Meter parallel zum Strand getrieben hat. Wow. Nach dem Zurückschwanken, trockne ich auf dem Wasser. Ich höre am Strandkorb nebenan ein jüngeren schwäbischen Pärchen sich über Drummachines unterhalten. 

(Miss Marple ist bei dramatischen Wendepunkten. Der sympathische Kompagnon von Miss Marple wird gerade des Mordes verdächtigt).

Da der Badestellenkiosk bereits geschlossen hatte, gibt es keine Pommes, sondern Nudelauflaufreste. Danach lesen wir zusammen. 

Ich beschließe die Schlaf-Nachhol-Kur fortzusetzen, blogge noch etwas und schaue Miss Marple. 

(Diese hat mittlerweile den Fall gelöst, aber der ignorante Polizeichef glaubt ihr nicht, ist kurz davor, sie einzusperren, da sie sich in Polizeiarbeit einmischt.)


Freitag, 29. April 2022

Twitter / Singapur / Biryani

Manchmal ist eine Regentonne bis über den Rand gefüllt. Nur die Oberflächenspannung des Wassers hält das Wasser in der Tonne. Es reicht nicht nur ein Tropfen, damit die Tonner überläuft. Es reicht eine kleine Erschütterung in der Nähe. Manchmal tun es auch große Erschütterungen. Wenn beispielsweise der reichste Troll der Welt die toxischste Social Media Plattform der Welt kauft, damit sie noch toxischer wird, ist es eine solcher Erschütterung. Mein Twitter-Account lag schon lange brach. Der anvisierte Twitter-Kauf von Elon Musk gab ihm dem Rest: der Account wurde deaktiviert.

Aber das ist nur Diversion. Eigentlich kochte ich Chicken Biryani, Singapur-Stil und schrieb darüber: Nasi Biryani und Singapur. 

Samstag, 19. März 2022

Odessa-Tech

Letzten Herbst führten mich finstere Angelegenheiten 10 Tage lang in die Räume des indischen IT-Dienstleisters HCL in Krakau / Östliches Polen, knapp 400 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.

Seitdem ich große Sympathie für all' die spannenden Tech-Menschen in Osteuropa. Und natürlich denke ich in den letzten Tagen oft an das Team aus Polen, Litauen, der Slowakei, Deutschland und der Ukraine, dem ich dort begegnete.

Um so überraschter war ich, als meine eigene E-Mail-App mich mit "Glory to Ukraine" empfing. Ich wurde neugierig und schrieb: "Wer ist Readdle?"

Mittwoch, 9. März 2022

Nudeln statt Märtyrien

Wir sehen: Eine russische Armee, die sich als potemkinscher Scheinriese entpuppt. Und weil das mit dem Kriegführen nicht so funktioniert wie geplant, bombardiert die Armee stattdessen Zivilisten, Krankenhäuser und Schulen aus der Luft.

Man wünscht den ausharrenden und fliehenden Menschen in Mariupol und anderen Orten aus ganzem Herzen, dass der Alptraum bald vorbei ist. Dass Sie Zeit und Gelegenheit haben, Straßen, Strom und Wasser zu reparieren - und danach wieder zu Leben; die Gelegenheit schlechte Parties zu feiern, hässliche Vorgärten anzulegen, zuviel zu Essen und zu Trinken und das zu erfahren, was man so normalen Alltag nennt; in Betreuung einer frei gewählten Regierung, die so gut oder schlecht ist wie das die Menschen dort wollen.

Bis dahin bleibt Bewunderung für all' die Menschen östlich des ehemaligen Eisernen Vorhangs, die sich aus stalinistisch-kommunistischem Post-Trauma hervorgearbeitet haben, Wegelagerei und westliches Desinteresse der Nachwendezeit über sich ergehen ließen und immer noch tapfer an einem würdevollen Leben arbeiten. 

In all' den Ländern ist in den letzten 30 Jahren soviel spannendes und schönes passiert - wir sehen es viel zu wenig. Deshalb freute es mich besonders, ein klein wenig zum Thema Rumänien bloggen zu können. Anlässlich der, ihr ahnt es, kulinarischen Weltreise. Europa hört nicht am Berliner S-Bahn-Ring auf. Weiter nebenan: Mucenici - Rumänische Märtyrersuppe. 



Samstag, 19. Februar 2022

Das äthiopische Fest Maskel gehört zum immateriellen Welterbe der Menschheit

Bidens macroptera, amharisch adey abeba, auch Maskel-Gänseblümchen  ist eine Pflanzenart aus der Gattung Zweizähne (Bidens) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Die Pflanze ist die Nationalpflanze Äthiopiens. Besondere Bedeutung erlangt sie zum äthiopischen Meskel-Fest (26/27. September) und am äthiopischen Neujahr (11. September). Meteorologisch zeigt sie den Übergang von der Regenzeit zur sonnigen Trockenzeit an.

Die im Land wild wachsende Pflanze blüht zur Zeit des Neujahrs. Von September bis November sind weite Teile der äthiopischen Landschaft von den gelben Blüten erfüllt, die so dicht wachsen können, dass es für den Betrachter wie absichtlich angebaute Felder aussieht.

Die im Rest des Jahres unscheinbare und leblos wirkende Blume symbolisiert so eine Wiederkunft und die Aussicht auf bessere Zeiten. Egal, wie schlecht das letzte Jahr war, ein Wiederaufblühen ist möglich und wird erfolgen.

Bidens macroptera kommt nur in Äthiopien vor. Die Pflanze wächst im Hochland an steinigen Hängen, im Grünland und an Waldrändern. Tiefer wächst die nah verwandte Bidens prestinaria. Deutschen Gartenbesitzern ist eventuell die biologisch verwandte Goldmarie bekannt.

In der deutschsprachigen Wikipedia gibt es keinen Artikel zu der Pflanze.

Ich schrieb ihn auch nicht. Aber ich schrieb über äthiopisches Essen: Misir Wot, ein veganes Linsengericht.