Samstag, 18. März 2017

Schwimmbäder nah und fern: Laguna Badeland, Weil am Rhein

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Heute:  das Laguna Badeland in Weil am Rhein.

Wir machen eine kleine Zeitreise: Die späten Siebziger; Kommunale Schwimmbäder sind rechteckig, gerne aus Kieselwaschbeton, haben ein 25-Meter-Becken, einen Dreier und eine Sammelumkleide für je Männer und Frauen.

Dann kamen die Achtziger und dann das: ein UFO. Eine riesige Schwimmhalle in Lila und giftigem Gelbgrün, mit einer Riesenrutsche direkt durch die Halle, Wellenbecken, Mentholbad, Unisex-Einzelumkleiden. Das Ding vom anderen Stern. (Hier mit Bild) Willkommen im Laguna in Weil am Rhein. Eins der ersten Spaßbäder Deutschlands, viele Jahre vor beispielsweise den Berliner Bädern Blub oder SEZ gebaut. Und das mitten im Kleinstädtchen nah der Schweizer und französischen Grenze. Avantgardestadtplanung.










Das Laguna ist etwas besonderes. Nie nur gedacht als kommunales Schwimmbad, sollte es von weit her die Touristen anziehen. Frankreich und die Schweiz sind nah. In den frühen Achtzigern gab es auf hunderte von Kilometern nichts Vergleichbares. Es sollte ein Bad entstehen, dass sich nicht nur selbst finanzieren konnte, sondern auch den Ruhm der Stadt weit hinaus tragen konnte.(*) Gebaut neben dem alten Freibad (Bild) auf dem Gelände einer vorherigen Gartenbauaustellung, im grünen Nichts, aber quasi in Sichtweite der Schweizer Grenze.

Aber wie das so ist. Die Achtziger sind vorbei, die Spaßbaddichte ist auch im deutschen Südwesten/ der Westschweiz ist stark gestiegen und einem Bad sieht man es an, wenn es 30 Jahre alt ist.  Die Stadtväter entschieden sich Ende der 2000er den Bau zu sanieren/ es halb neu zu bauen. 2013 eröffnete das neue Laguna.

Das Ergebnis des Umbaus hat etwa 22 Millionen Euro gekostet und ist im Ergebnis deutlich konventioneller als es das vorherige UFO-Bad war. Immer noch ein Spaßbad, aber eines wie es sie mittlerweile gefühlt in jeder zweiten Stadt in Brandenburg gibt. Flash und Flair sind zugunsten von Funktionalität und Zielgruppenoptimierung (9 bis 11-jährige) in den Hintergrund getreten.




Gebäude


Ein Achtziger-Jahre-Unübersichtlichkeitsparadies. Nieder mit dem Rechteck! Her mit den verschiedenen geometrischen Formen aus dem Holzbaukasten - und zwar allen Gleichzeitig! Erst kommt ein unübersichtlicher Eingangsbereich. Zu den Umkleiden geht es - seit dem Umbau - in den Keller und auf Bodenhöhe liegen allerlei andere Hallen und Freigelände. Wo genau das welcher Teil des Bades auf der Karte wieder zu finden wäre, bin ich mir nicht sicher.


Unten die Sauna glaube ich, oben die Schwimmhallen, in der Mitte der Eingang und der sehr große und Abends sehr gefüllte Parkplatz. Open Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Der Eingangsbereich selbst ist auch eher vollgestellt mit diversen Postern, Ankündigungen, Vitrinen, einem Stand des Restaurants wo man seinen Chip aufladen kann, dem großen Tresen, Kaffeeautomaten, Eisautomaten.. Anscheinend haben die Betreiber dann selbst das mögliche Problem bemerkt und den Weg vom Eingang zur Umkleide mit aufgeklebten Füßen markiert - nicht, dass man noch auf dem Weg zur Kabine verloren geht.

Umkleiden / Duschen


Wir folgen den aufgeklebten blauen Füßen eine Treppe hinunter in den Keller. Dort die moderne Einrichtung: viele Kabinen, die durchschritten werden müssen, um dann Barfuss und in Badekleidung auf der anderen Seite bei den Schränken herauszukommen. Alles sehr groß, sehr viele Schränke, so mittelstylisch, Verriegelung erfolgte per Chip.



Nebenbei: echte Minuspunkte für den mittealten (beginnend pubertären) Jungen, der es nicht lassen konnte, in seiner Kabine auf die Bank zu klettern und mehrfach bei den Nachbarn reinzusehen.

Die Duschen lagen dann wieder eine Treppe bergauf, am "Server-Raum" vorbei und die gewannen in ihrem abgefahrenen Schwarz-Weißen-Mosaikmuster alle Stylischkeitsrekorde, die ich je in Schwimmbadduschen sah. Also wow. Awesome.

Das einzige Schild hier kein Hinweis darauf, dass sich die Menschen säubern sollen, sondern ein Hinweis, dass die Dusche jede Stunde gesäubert wird. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es den französischen Gästen ohne Aufstand zu vermitteln ist, dass diese sich ausziehen sollen.

Auf dem Rückweg, Freitag Nachmittag, es wurde deutlich voller, war die Duschen auf jeden Fall bis auf den letzten Duschkopf belegt und alle Herren hatten ihre Badehose an.

Schwimmhalle


Schwimmhalle ist das falsche Wort. Schwimmhallen im Plural wäre richtiger. Es gab ein in der Haupthalle ein Wellenbecken (geschätzt um die 25 Meter lang), ein Babybecken und etwas, dass sich Erlebnisbecken nannte (ein kurvig geformtes Nichtschwimmerbecken mit großer Rutsche und sage und schreibe 34 Grad Wassertemperatur). Dazu gab es eine weitere Halle mit dem Sportbecken (25 Meter, 2 Meter tief, sechs Bahnen, davon zwei per Leine abgerennt) und neben den Hallen auch noch ein kleineres Außenbecken mit ein paar Sprudeldüsen – Richtung Freibad hin, Aussicht eher so mittel. Dazu dann auch noch ein Aufgang zur großen Rutsche/Toboggan, die vermutlich auch irgendwo in einem Becken endet – dies fanden wir nicht.

Angenehm fand ich die Tafel nahe des Eingangs, die einfach und übersichtlich anzeigte, wann und an welchen Wochentagen welche Kurse stattfinden. Die Idee ist so gut und offensichtlich, warum machen das andere Bäder nicht?

Das Sportbecken. Eher kühl, Holz an der Decke, AquaCycling-Fahrräder am Rand. Anscheinend ist diese Halle die meiste Zeit für die Öffentlichkeit geschlossen, wir waren aber zur Zeiten der badischen Schulferien dort und die Halle offen. Eine grundsolides Sportbecken.

Das Außenbecken war von der Größe her ein wenig übersichtlich, aber nett und es gibt wenig Dekadentes, was ich so schätze wie in 30 Grad warmen Wasser zu sitzen, während die Außenluft sich der Null-Grad-Grenze nähert. Damit kann man nichts falsch machen.

Das Erlebnis-Nichtschwimmerbecken war erstaunlich groß und noch zwei Grad wärmer als das Außenbecken (und laut Schild selbst wärmer als das Babybecken), die Rutsche war so eine Art Miniatur-Freizeitparkrutsche. Einige Meter hoch, gerade und ohne Kurven herunter, dafür bestimmt ein halbes Dutzend Rutschbahnen nebeneinander. Sah tatsächlich sehr familienfreundlich und trotzdem lustig aus.




Das Wellenbecken, ja, mei. Groß war’s, aber wie alle Wellenbecken hatte es den Nachteil, dass man darin nicht so richtig schwimmen kann – es läuft flach aus, andauernd strömen hunderte Leute ins Becken, die auf Wellen warten, der Wasserspiegel liegt weit unter dem Beckenrand und die Wellen selbst waren auch eher diese Kinder-Variante (siehe Kreuzberg/ Oranienburg), nicht die Nordseeküstenbrandungsvariante (Büsum)

Neben den ganzen Schwimmbecken gibt es in Teilen der Halle noch eine Art Galerie, ein oberes Stockwerk von dem aus man nett in die Halle sehen kann – dort ist ein Fitnessraum, Liegestühle und – mir besonders symapthisch – eine Leseecke; neben dem Liegestühlen steht ein Regal mit diversen Büchern zum drin rum schmöckern.

Publikum


Wir kamen Freitag mittag und es war voll, wir gingen am frühen Nachmittag und es war richtig voll. Ich wunderte mich noch über den eindrucksvollen Parkplatz, aber der war dann gut gefüllt. Anscheinend kommen nicht nur die Anwohner, sondern auch von weithin Menschen aus der Schweiz und dem Elsaß. Die Besucherstatistik weist aus, dass mehr als die Hälfte der Schwimmbadbesucher aus Frankreich kommen, ein gutes Drittel kommt aus Deutschland und der Rest aus der Schweiz. (Was dann auch dazu führt, dass zwar ein französischer Wikipedia-Artikel zum Bad existiert, aber kein deutscher)

Das zieht dann natürlich vor allem Familien, das ganze Entertainment ist sehr auf Kinder ausgerichtet.

Gastronomie


Kann ich sagen, ich war entsetzt? Nein, nicht wirklich. Aber verfroren. Sehr. Es war bitterkalt! Das Restaurant liegt im Schwimmbad, ist von Außen nicht zugänglich.

Bei Spaßbadgastronomie habe ich ja immer den Eindruck, sie könnte etwas besser sein. Und das hier: vor allem war die Gastronomie gefühlt 10 bis 15 Grad kälter als die Schwimmhalle nebenan, oder anders gesagt: in Badekleidung war es deutlich zu kalt.

So gab es nur einen kleinen Blick auf die Karte (Wurst, Burger, Nudeln, Ofenkartoffeln und sogar ein anständig klingendes Salatangebot), die Entdeckung, dass wir zwar einen Chip am Armband hatten, diesen zur Bezahlung aber nur hätten nutzen können, wenn wir ihn vor dem Eingang aufgeladen hätten und die Flucht ins Warme.

Spätere Entdeckung: in der oberen Aussichtsetage, ist ein Handy/Funkgerät deponiert, mit dem man sich einen „Coffee to wait“ bringen lassen kann. Hätte ich in meiner Dekadenz natürlich gerne gemacht, aber da ich an Geld nicht herankam (gut weggeschlossen) und der Chip nicht aufgeladen war.. kann ich davon nichts berichten.

Sonstiges


Während die Berliner Bäder es ja schaffen, aufdringlich ihre Mermaiding-Werbung an passenden und einigen unpassenden Stellen zu platzieren, darf diesen Nervposten in Weil die Schwimmschule Doreen Rühlke einnehmen. Die Schwimmschule wir dann auch in der Tat an einem Babybecken. Ich erinnere mich mit leichter Sehnsucht an die Tage meiner Kindheit als man einfach beim Bademeister schwimmen lernte und das war’s.

Und spezielle Minuspunkte gibt es für die Parkplatzausfahrt, die einen - relativ überraschend - dazu auffordert, jetzt zwei Euro einzuwerfen. Was natürlich dazu führt, dass die Hälfte der Leute erstmal aus dem Auto muss, Portmonnaie holen und dann Geld einwerfen. Wobei die Anlage tückisch ist und gerne Geld nicht annimmt.

Wie bei dem armen Mensch vor uns, der erstmal Geld holen musste, das Geld segelte dann einmal durch den Schlitz, sprang heraus und auf die andere Seite der Schranke. Mann hatte das Auto natürlich möglichst knapp neben dem Automaten geparkt, so dass die Tür nicht mehr aufging, musste sich dann artistisch durch den schmalen Türspalt hindurchrobben, nach der Münze suchen und dann wieder ins Auto hineinrobben. Die Technik muss auch besser gehen.

Fazit


Schwierig. Als jemand, der vor allem schwimmen möchte, bin ich nicht die Zielgruppe. Für mich waren die Wellen zu niedrig, das Außenbecken zu klein und das Schwimmbecken zu unregelmäßig geöffnet.

Allerdings haben die Menschen dem Bad die Türen eingerannt als wir da waren – es scheint Erfolg zu haben. Auch wenn es bei weitem nicht mehr so großartig ufo-esk ist wie ehedem: Als ein Urgestein der Spaßbadlandschaft, ist das Bad auch schon fast aus historischen Gründen einen Besuch wert.


Weiteres



Mit den Fotos im Schwimmbad ist es ja immer schwierig. Die Badische Zeitung durfte rein, der Jubeltext ist etwas schwierig, aber es gibt viele Fotos: Fotos: So sieht das umgebaute Laguna-Badeland in Weil am Rhein aus

Sehr nahe, schon fast fußläufig, auf der Schweizer Seite der Grenze, liegt das Naturbad Riehen. Und das Naturbad ist weite Anreisen wert. Für weitere Badbeschreibungen: siehe Schwimmbäder nah und fern: Rückblick und Ausblick

Anmerkungen


(*) Hat soweit ich recherchieren konnte so halb funktioniert. Das Bad trug sich selber und fing auch die Defizite des Freibads mit auf. Allerdings finanzierte es sich dann nie gut genug, um die 22 Millionen DM wieder einzuspielen, die sein Bau kostete.

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