Freitag, 3. Juni 2016

Flugsanddünen

Lehm. Natürlich. Zu bedenken gilt allerdings: Die Welt besteht nicht nur aus Lehm. Auch wenn dieses Blog vielleicht den Anschein erwecken kann. Es existiert auch Ton. Ton ist wichtig. Dem Ton verdankt Brandenburg seine Backsteinklöster, Berlin seine alten Bauten, Velten verdankt dem Ton ein Ofenmuseum und das Ländchen Glien verdankt ihm seinen Eisenbahnanschluss. Aber dazu später mehr. Es gibt auch Sand.

Sand in Brandenburg wirkt als Thema nicht originell. Als "märkische Sandbüchse" verschrien, vermutlich mit Berechtigung. Wir sind aber nicht irgendwo in Brandenburg. Wir sind im Ländchen Glien. Glien ist slawisch für Lehm - da nun ist Sand erklärungsbedürftig.

Nach den Eiszeiten gab es keinen Sand. Nicht hier auf der leicht erhöhten Lehmplatte im Ländchen. Aber nebenan war Sand. In den Flusstälern dessen was später einmal die Havel werden sollte. Ansonsten war es wüst und leer. Und es war Wind. Und der Wind wehte durch die Täler, nahm den Sand mit und türmte ihn andernorts wieder auf. Es entstanden Dünen. Und dann war Wald.

Dünen dürften die meisten vom Nordseeurlaub kennen. Die Uwe-Düne auf Sylt ist ein Biest. Die wüstenartige Dünenlandschaft beispielsweise um das Lister Becken herum beeindruckt. Binnendünen erhalten weniger Aufmerksamkeit. Nicht nur, weil man an ihnen nicht baden kann. Sondern auch, weil sie verschwunden sind. Denn es ist Wald. Bäume, Unterholz und anderes Gepflanze, das den Blick auf die Dünen versperrt.

Und die Dünen sind verschwunden. Oder es sind Häuser. In Berlin beispielsweise tarnt sich die Brandenburger Eiszeitlandschaft inmittem des ganzen Gesteins. Immerhin in Berlin existiert die 15 Meter hohe Düne Wedding noch als "einzige erhaltene innerstädtische eiszeitliche Binnendüne Berlins und Deutschlands". Was nicht stimmt. Berlin hat noch einige andere Dünen. Aber die sind überwachsen. Wie es die Düne Wedding auch einmal war, bevor sie freigerupft wurde. Der Claim der "erhaltenen Düne" ist also etwas zweifelhaft. Aber immerhin, die Düne Wedding ist als solche erkennbar.

Sanddüne Wedding-001

Hier ist die einzige erhaltene innerstädtische eiszeitliche Binnendüne Berlins und Deutschlands. Foto: Berlin-Wedding Sanddüne Wedding Von: Fridolin Freudenfett Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Zurück nach Brandenburg ins Ländchen Glien. Auch dort existieren Flugsanddünen. Die meisten liegen im Krämer Forst, hinter den sieben Bäumen und unter den sieben Unterhölzern und darauf wachsen halt Kiefern. Es sind unbeachtete Dünen wie sie nicht im Buche stehen. Andere Dünen liegen weiter nördlich nahe des kleinen Städtchens Kremmen. Es sind genügend Dünen, damit die Ortschronik den schönen Titel trägt "Mehr als Sumpf und Sand." In Brandenburger Anmaßung und unter Unkenntnis von Mittelgebirgen taufte sie jemand auf den Namen "Kremmener Sandberge". Wind und Flusstäler ließen sie entstehen. Wenn es auch hier wohl nicht das Havelufer war. Hier türmte der Wind vermutlich die sandigen Teil des Rhinluchs auf. Rechts der Sumpf des Flusstals rechts der Sand der Dünen und in der Mitte ein mittelalterliches Kleinstädtchen. Ebenso romantisch wie man versteht, warum im Kremmener Umland früher kaum jemand leben wollte.


Kremmen beim Bahnhof 08.11.2015 14-46-13

Dünen sind keine Sehenswürdigkeit. Es hilft auch nicht, wenn sie von Kiefern bewachsen werden. Aber dafür bieten sie den Boden für etwas anderes: Spargel. Spargel mag Boden der sich gut durchwurzeln lässt, also sehr locker ist. Spargel mag keine Staunässe, sondern Boden der gut durchlässig ist: Sand. Flugsand ist steinloser Sand. Der Sand ließ das Geröll per Gletscher hinter sich, als er vom Winde verweht wurde. Steinloser Boden freut den Bauern. Guter Sand nahe Berlin. Wo Millionen von Menschen auf etwas zu Essen warten. Wie geschaffen für Spargel. Nicht an der Nordsee, nicht auf Sylt. Nur in Brandenburg. Nachdem die DDR den Spargel fast zu Tode ignoriert hatte, feiert der nun seine Renaissance. Nicht nur in Beelitz im Berliner Süden, sondern auch im Norden. Auf Flugsanddünenfeldern. Sand, Kiefern, Spargel, Dünen. Brandeburger Steppenromantik.

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