Samstag, 13. Januar 2018

Schwimmbad Mannheim: Herschelbad

Ist es Neukölln? Das Pergamon-Museum der deutschen Bäder? Nein! Ist es Spandau-Nord? Das schönste Bad Berlins? Nein! Nicht jedes alte Bad liegt in Berlin.

Es ist Mannheim! Nordbaden, gelegen zwischen Heidelberg und Worms, nicht unweit von Kaiserslauten und näher an Paris als in Berlin. Das Mannheimer Herschelbad gehört zu der handvoll deutscher Bäder, die vor 1918 entstanden, und die noch als Bad in Betrieb sind. Fünf davon stehen in Berlin. Eines dieser Bäder befindet sich in Baden-Württemberg, genauer gesagt in Nordbaden.



Kein Wunder, dass ich dieses Bad beschwimmen musste als ich in Mannheim war. Es ist ein spannendes Bad: die historische Präsenz, die so viele der Berliner Bäder haben, in Teilen gemischt mit der peniblen und engagierten Pflege, die viele Bäder in Baden-Württembergs erhalten.

Andere Teile des Bades (Kabinen, Duschen) erinnerten mich dann wieder an öffentliche Bauten in Berlin. Aber dazu später mehr.

Inmitten der Quadrate soll es liegen. Open Street Map © OpenStreetMap contributors, made available under the terms of the Open Database License (ODbL).


Genauso überraschend wie die Existenz des Bades an sich war der Weg dorthin. Mannheim ist ein wenig das Nordrhein-Westfalen Baden-Württembergs. Eine alte Industriestadt, stark von Nachkriegsbauten geprägt, jetzt vom Wandel gezeichnet. Gefühlt habe ich mich immer eher, als würde ich durch Köln oder Essen laufen, als durch Baden-Württemberg. Fast schon geschockt war ich, als ich über eine Radiowerbung stolperte und diese nicht für den WDR, sondern für den SWR war. So sehr hatte ich das NRW-Feeling schon aufgesogen.

Mannheim. Das Köln des Südens.


So streifte ich also durch eine enge zugeparkte Innenstadtstraße, links eine kleine Spielhalle und ein afghanischer Lebensmittelladen, rechts eine 24-Stunden-Wäscherei, ein Friseur und ein verbarrikadierter Laden, ging um die Kurve und blickte auf einen Palast. Im Quadrat U3 der Mannheimer Innenstadt steht das Herschelbad.


Mittwoch, 10. Januar 2018

Berliner Schwimmbad Eintrittspreise bis 2018

Die Berliner Bäder und ihre Eintrittspreise. Was beim ersten Anschauen harmlos beginnt, entwickelt sich bereits beim zweiten Hinsehen zur Tüftelaufgabe. Die Zahl der Zuschläge, Sonderzeiten, Mehrfachkarten und anderer Mehrfachkarten hält den Schwimmer nicht nur körperlich sondern auch geistig beweglich. Aber etwas ändert sich. Vielleicht verbessert es sich sogar.

Von links oben Standardbad 3,50€ (Basistarif), Freizeitbad-Zuschlag 2€, Sammelkarte 20+3 (Standardbad, Haupttarif), Standardbad 5,50€ (Haupttarif), Freizeitbad 5,50€ (Basistarif), Standardbad 3,50€ (Basistarif), Warmbadezuschlag 1,50€


Wie ich dem Schwimm-Blog entnahm, wollen die Berliner Bäder zum 1. Februar 2018 ihre Tarifstruktur umstellen. Die Ankündigung mit den neuen Tarifen soll am 23. Januar erscheinen, die Ankündigung der Ankündigung immerhin wird mittlerweile in ausgewählten Bädern ausgehängt

Die einschlägige Website mit den Preisen weist heute noch nicht darauf hin, dass sich etwas ändert. Aber etwas wird passieren. Es wird höchste Zeit noch einmal auf die bestehenden Tarife in ihrer derzeitigen Form zu Blicken. Denn spätestens drei Monate nach ihrer Veröffentlichung werden sie digital vergessen sein.


Es ist alles ganz einfach


Es beginnt eigentlich ganz einfach: es gibt einen Haupttarif für Schwimmer. Dieser beträgt 5,50€. Er hilft bei der allgemeinen Orientierung, wieviel ein Berliner Badbesuch kostet,

Dann wird es etwas irritierend. Neben diesem Haupttarif gibt es auch einen Basistarif. Dieser beträgt nur 3,50€. Er gilt in Hallenbädern, einschließlich der "Erlebnisbäder" Schöneberg, Lankwitz und Kreuzberg zu ausgewählten Zeiten, nicht aber in Freibädern.

Es existiert auch ein weiterer Tarif für 3,50 Euro. Dabei handelt es sich um den Kurzzeittarif. Dieser gilt auch zu bestimmten Zeiten, allerdings nur bei einem kurzen Besuch von nicht mehr als 65 Minuten. Anders als der Basistarif existiert der Kurzzeittarif NICHT in den Freizeitbädern (Schöneberg et al). Dafür allerdings kommt der Kurzzeittarif in den Freibädern zur Anwendung.

3,50 Euro beträgt ebenso der ermäßigte Haupttarif, während der ermäßigte Basistarif 2 Euro beträgt Beim Kurzzeittarif allerdings gibt es keine Ermäßigung. Der Kurzzeittarif beträgt immer 3,50 Euro. Die Ermäßigung können grob gesagt Kinder, Schüler, Studenten, Empfänger von Sozialleistungen und Inhaber des "Berlinpasses", der auch Sozialbedürftigkeit anzeigt, in Anspruch nehmen.

Die Tarife gelten zu verschiedenen Tageszeiten, wobei entscheidend die Uhrzeit ist, zu der man das Bad betritt.

Samstag, 6. Januar 2018

In zehn Schwimmbädern durch die Berliner Stadtgeschichte

Berlin: Eine Stadt im historischen Parforceritt vom späten 19. Jahrhundert bis zum Mauerfall. Hier ereignete sich die industrielle Explosion einer Mittelstadt in eine Metropole innerhalb weniger Jahrzehnte. Einst war Berlin Hauptstadt des Kaiserreichs, dann ungeliebte Hauptstadt des NS-Staates, dann zur Hälfte Hauptstadt der DDR und zur Hälfte Schaufenster des Westens. Mittlerweile liegt hier, am Rande des Landes, die gesamtdeutsche Hauptstadt. Kaiserreich, Weimarer Republik, Bonner Republik, DDR und schließlich vereinigtes Deutschland – für sie alle spielte Berlin eine besondere Rolle.



Die Stadt war der Ort, an dem sich diese Staaten architektonisch verwirklichten. Die Stadt, die die Staaten nach ihrem Selbstbild formen wollten. In Berlin wollten alle deutsche Staaten ihr architektonisches Erbe hinterlassen. Sie errichteten dementsprechende Bauten vom Berliner Schloss über die Germania-Phantasien, den Palast der Republik bis hin zurück zum Berliner Schloss. Nun sind solcherart Repräsentationsbauten Bauten ohne klare Funktion. Sie sollen darstellen, nicht dienen.

Während Repräsentationsbauten vor allem zeigen wie ein Staat gesehen werden will, verrät die Betrachtung weniger repräsentativer Alltagsbauten oft mehr darüber, wie der Staat seine Rolle im Alltag der Bürger ausfüllte. Schwimmbäder repräsentieren selten.

Zwar spielen auch hier oft Wünsche der Selbstdarstellung in die Gestaltung des Bades hinein. Stark aber wird die Form durch den Zweck beschränkt. Umkleiden / Duschen / Schwimmhalle und die dazu gehörigen technischen Anlagen sind gesetzt und haben ihre Anforderungen. Jeder aufkeimende Status- und Repräsentationsgedanke im Bau wird sofort durch die Nutzer zerstört: Menschen mit verschiedensten Körpern in eng anliegenden Kleidern und mit drolligen Badekappen. Wie sollen die repräsentativ wirken?

Eine Möglichkeit besteht darin, Bäder nur für schöne Menschen zu bauen - das war das Verfahren des NS-Staats, der seine Bäder nur für Hochleistungssportler und Elitesoldaten baute. Alle anderen deutschen Staaten schlugen sich mit dem Widerspruch aus hochfliegenden Plänen und schnödem Alltag herum.

Dennoch sind Schwimmbäder öffentliche Bauten. Gebaut vom Staat in seiner zur Bauzeit bevorzugten Organisationsform, zeigend wie der Staat sich Gesellschaft gerade vorstellt. Gerade hier zeigen sich die Vorstellungen, die der Staat sich von seinen Einwohnern macht: Wie sie ihre Zeit verbringen sollen und was sie aus dieser Zeit mitnehmen sollen. Von der Reinigungsanstalt für das ungewaschene Proletariat hin zum sportlichen Menschen, dann zum aktiven Menschen, zum bespaßten Menschen und seit neuestem wieder zurück zu sportlicheren bewegungsfreudigeren Bädern.

Viele dieser Bäder sind mittlerweile abgerissen oder geschlossen. Manche stehen noch. Die meisten dieser Bauten lassen sich auch noch als Bad nutzen. Teilweise funktionieren sie noch genau so wie vor ihrer Bauzeit. Immersives Geschichtserleben. Wie behandelten die Bauherren vor Jahrzehnten die Menschen. Wie änderte es sich? Was blieb gleich? 100 Jahre Schwimmbadgeschichte von 1898 bis 1997.

Es wird kalt draußen. Der frühe Winter ist eine gute Gelegenheit, sich aktiv Stadt- und Staatsgeschichte zu erarbeiten. Eine kleine Rundreise anhand von 10 Bädern durch die Jahrzehnte Berliner Geschichte, chronologisch geordnet.

Samstag, 30. Dezember 2017

Sara + Gina = BFF💓💓💓

Die deutsche Sprache kennt 32 Wörter für Regen. Mindestens 16 von diesen ließen sich an diesem Brandenburger Spätabend anwenden. Ein Zug soll kommen, in ihm Ms Fluffy. Sie kommt mit der S-Bahn aus Berlin, sprintet dann in Hennigsdorf einmal den Bahnsteig entlang zur Regionalbahn Neuruppin und dann nach Kremmen.

Ein Bahnhof. Ein Bahnsteig. Zwei Gleise. Eines davon endet hier. Ein großer Parkplatz für den Pendelverkehr nach Berlin. Pionierfauna neben dem Funkmast. Ein Funkmast, ein Überbleibsel von DDR-Truppen? Das Bahnhofsgebäude ist als solches nicht mehr in Betrieb. Vor einigen Jahren hingen hier neue Schilder mit dem Hinweis auf einen Kiosk. Vom Kiosk selber war nie etwas zu sehen. Die Schilder verschwanden mittlerweile auch wieder.



Auf der anderen Seite der Gleise: Gebüsch, Wald, Pflanzengerümpel. Vielleicht fliegt einmal ein Rotmilan vorbei.

Montag, 25. Dezember 2017

Wir wir dreimal in Nazareth durch den Kreisverkehr fuhren und den auf Knien rutschenden Indern folgten, um den wahren Grund zu erfahren, warum die Innerdeutsche Mauer fiel

Dieses kleine Land Israel: halb so groß wie Niedersachsen. In Israel leben ähnlich viele Menschen  wie zwischen Nordsee und Harz. Während es aber anscheinend selbst den Oldenburgern, Emsländern, Heidjern und Hann.Mündenern schwerfällt, Begeisterung und Interesse am eigenen Land zu entfalten, fiebert die halbe Weltgemeinschaft mit, um und gegen Israel.

Das Land zwischen Galiläa und Negev, See Genezareth und Eilat lässt die Menschen nicht ruhen. Das Land, das in vielerlei Hinsicht so wirkt, als wäre es jenseits von Raum und Zeit und das doch gleichzeitig so gegenwärtig, erdgebunden und im hier und jetzt präsent ist. Das Land, in dem sich mit der Grabeskirche der heiligste Ort der Christenheit befindet – und dieser wiederum berühmt ist durch eine Holzleiter, die aus politischen Gründen seit über 100 Jahren nicht von der Stelle gerückt werden kann. Aber christliche Pilger müssen sich im Land nicht nur mit der Grabeskirche begnügen.




Madame und ich sitzen im kleinen Miet-Toyota irgendwo in den Bergen Galiläas. Feierabendverkehrsstau. Pick-Up-Trucks um uns herum, japanische Groß- und Kleinwagen. Von rechts mündet eine Straße in die unsere, was fast obligatorisch Hupen, Blinken und Gestikulieren hervorruft. Im Rückspiegel kann ich Mutter und Teen-Tochter im Kopftuch beobachten, die gerade wild zu einer mir unhörbaren Musik singen.

„Schau mal“, spricht mich Madame an. „Die Miracle Bar“ und gleich daneben der Supermarkt „Miracle Shopping“ und ein großes Hochzeitsgeschäft „World of Miracles“. „Weißt Du, wo wir sind?“ „Nö, interessiert mich auch grad nicht wirklich. Ich bin noch damit beschäftigt, nicht im Kleinlaster von links zu landen.“ Eine gute Viertelstunde Feierabendstau und 500 Meter später erreichen wir ein Schild. Ach schau, „Kana“. Der Ort der Hochzeit:

Montag, 18. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Schwimmhalle Buch

Wenn Du über weite Felder gefahren bist, die Windkraftanlagen passiert hast, ein kleines niedliches Dorfzentrum durchfuhrest und dann immer noch ein Stück durch die Gegend musst: dann besuchst du kein Berlin Innenstadtbad mehr. Willkommen in Berlin-Buch, am äußersten Nordende Pankows und damit auch am Nordende Berlins. Dort, wo die Stadt schon denkt, sie wäre die Uckermark.

Aber selbst hier hinter den sieben Hügeln gilt die Ostberlin-Regel: Du bist noch nicht am Schwimmbad, wenn Du keine Plattenbauten siehst. Auch hier, gebaut wortwörtlich auf der grünen Wiese und von dieser umgeben, liegt mitten an der Grenze zwischen Alt-Karow und Buch ein kleines Neubaugebiet des Spätsozialismus: einige Hochhäuser, eine Schule und ein Schwimmbad.

Hier endete die DDR. Das Neubaugebiet entstanden Ende der 1980er. Die Schwimmhalle wurde erst begonnen Anfang der 1990er aber noch im DDR-Entwurf. Dass hier „das Ende“ war, sieht man. Nach rechts das Wohngebiet. Das links die Wiese. Büsche, Trampelpfade, Ende der Welt. Hier verlor die DDR den Elan, der bis heute nicht wieder kam. Buch wartet hier noch darauf hinauf, dass die Nachwende-Neuzuzügler-Welle auch hierhin schwemmt.



Das Schwimmbad, ein Typbau. Von mir informell als Volksschwimmhalle Typ D bezeichnet, sachlich richtiger handelt es sich um die „Schwimmhalle Berlin 83 – Typ Berlin“. Ein Achtzigerjahre-Nachfolger der Volksschwimmhalle Typ C, in Berlin zum Beispiel gebaut am Ernst-Thälmann-Park oder in Hohenschönhausen/Zingster Straße, in Potsdam beim Kiezbad am Stern.

Dienstag, 12. Dezember 2017

Schwimmen Israel: En Bokek, Totes Meer

Am Toten Meer erlebte ich das eigentümlichste Badeerlebnis, das ich je hatte. Das krasseste Badeerlebnis meines Lebens. Ein Baden, bei dem ich in seiner Einzigartigkeit Zweifel habe, ob je ein anderer Bad- oder Strandbesuch herankommen wird. Willkommen am Toten Meer.

Ein See aus Salz und Mineralien liegt in einer Gegend, für die zu beschreiben mir noch immer  die Worte fehlen. Dieser Graben in der Wüste Negev, in seinen Dimensionen, seiner Eindrücklichkeit und Vehemenz: Es ist alttestamentarisch: Man sieht die brennenden Büsche, Feuerseen vom Himmel, den strafenden Gott und die Verlockungen durch den Teufel fast bildlich vor sich, während man sich hier bewegt. Seitdem ich die Gegend zum Alten Testament sah, glaube ich fast alles wortwörtlich, was dort geschrieben steht. Hier scheint alles möglich.



Am Toten Meer selbst liegt dann ein so unpassend wirkender wie erwartbarer Badeort, in dem sich fast nur Russen aufhalten. Menschen gehen in ein Wasser, dass sie offensichtlich gar nicht haben will. Wasser das einen schon nicht mehr trägt, fast schon abstößt und von sich wirft. Um es kurz zu machen: wenn man Wasser schluckt, soll man sofort zum Notarzt. Den Schlamm zum Wasser aber schmieren sich Menschen begeistert auf den Körper. So ist das in En Bokek.