Dienstag, 12. Dezember 2017

Schwimmen Israel: En Bokek, Totes Meer

Am Toten Meer erlebte ich das eigentümlichste Badeerlebnis, das ich je hatte. Das krasseste Badeerlebnis meines Lebens. Ein Baden, bei dem ich in seiner Einzigartigkeit Zweifel habe, ob je ein anderer Bad- oder Strandbesuch herankommen wird. Willkommen am Toten Meer.

Ein See aus Salz und Mineralien liegt in einer Gegend, für die zu beschreiben mir noch immer  die Worte fehlen. Dieser Graben in der Wüste Negev, in seinen Dimensionen, seiner Eindrücklichkeit und Vehemenz: Es ist alttestamentarisch: Man sieht die brennenden Büsche, Feuerseen vom Himmel, den strafenden Gott und die Verlockungen durch den Teufel fast bildlich vor sich, während man sich hier bewegt. Seitdem ich die Gegend zum Alten Testament sah, glaube ich fast alles wortwörtlich, was dort geschrieben steht. Hier scheint alles möglich.



Am Toten Meer selbst liegt dann ein so unpassend wirkender wie erwartbarer Badeort, in dem sich fast nur Russen aufhalten. Menschen gehen in ein Wasser, dass sie offensichtlich gar nicht haben will. Wasser das einen schon nicht mehr trägt, fast schon abstößt und von sich wirft. Um es kurz zu machen: wenn man Wasser schluckt, soll man sofort zum Notarzt. Den Schlamm zum Wasser aber schmieren sich Menschen begeistert auf den Körper. So ist das in En Bokek.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Die Überlaufrinne im Schwimmbad. Von Wiesbaden nach St. Moritz.

Die wunderbare Welt der Überlaufrinnen im Schwimmbad. Wen würde sie nicht faszinieren?  Eine Halbröhre, in der Gebrauchswasser fließt. Und doch evozieren die Überlaufrinnen in ihren Namen die weite Welt: von Finnland über Zürich nach St. Moritz.  Sie geben dem Schwimmer halt, und sorgen dafür, dass wir Schwimmen gehen können ohne krank zu werden. Allein durch ihre Existenz trennen sie das ernstzunehmende öffentliche Bad vom kleinen privaten Pool.

Nicht zuletzt prägen Überlaufrinnen die Optik und Akustik eines Bades. Ein Schwimmbecken ohne Überlaufrinne sieht falsch aus. Zumindest die älteren Modelle erzeugen dieses charakteristische „Schwapp“.

Die schönste: Finnland. Bild: Agrob Buchtal Gmbh.


Und dennoch: Die armen Überlaufrinne; missachtet, kaum wahrgenommen. Die Überlaufrinne: Gerne übersehen und doch essentiell.

Allgemein


Schwimmbäder sind Gebäude, die nicht sein sollten. Die dem Schwimmbad innewohnende Kombination von Wasser und Bauwerk verstößt gegen Grundsätze des Baus an sich. Gebäude sollten im Allgemeinen trocken sein. Wasser, und erst recht nicht warmes, stehendes Wasser, sollte nicht von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden. Bakterien und Krankheitserreger lieben warmes, stehendes Wasser.

Freitag, 1. Dezember 2017

Schwimmbad Berlin: Paracelsusbad Reinickendorf

Reinickendorf.  Nord-Berlin. Irgendwo zwischen Autobahn, flachem Land und Flughafen Tegel. Die einzige Hoffnung des Bezirks auf überregionale Bekanntheit sind die Handballer der Reinickendorfer Füchse – die natürlich längst in Mitte spielen - und die gelegentliche Schlägerei auf einer U-Bahn-Station.

Auf dem Weg zum Paracelsusbad passiere ich eine Schokoladenfabrik und eine Schraubenfabrik, zwei Discount-Baumärkte, Netto, Lidl, Sozialbauten aus den 1920ern und Sozialbauten aus den 1970ern. Hier ist nicht das schicke, hippe Berlin der Innenstadt aber auch nicht das wilde Berlin des Gesundbrunnens. Hier lebt Kleinbürgertum mit wenig Geld. Für den Rest Berlins halte ich mich in der terra incognita auf. Wohnen dort überhaupt Menschen? Gibt es dort Schwimmbäder?



Ja, dort wohnen Menschen. Und sie verfügen über ein Prachtschwimmbad. Fast möchte ich sagen: Dort steht ein Schwimmtempel. Das letzte der echten Stadtbäder, die noch mehr Hygienepalast als Schwimmhalle sein wollten. Ein riesiger Bau, eine Schwimmhalle mit Tribüne, hoher Decke und diesem schicken Dach.



Das 1957 bis 1960 gebaute Paracelsusbad war das erste neue Berliner Hallenbad nach dem Krieg.  Tatsächlich entstand hier das erste städtische Bad seit den 1920ern. Mit Breitensportschwimmen hatten es die Nazis anscheinend gar nicht.  Das Bad in Reinickendorf orientierte sich in Idee und Ausstattung sichtlich an den Symbolbauten wie dem Stadtbad Mitte oder dem Stadtbad Neukölln. 

Samstag, 25. November 2017

Schwimmbad Berlin: SSE, Schwimm- und Sprunghalle im Europapark

Gebaut, um zu beeindrucken. „Europas größte Schwimmhalle“ entstand in den 1990ern im Rahmen der gescheiterten Bewerbung Berlins zu den Olympischen Spielen 2000. Deutschland war wiedervereinigt, Berlin fühlte sich wie das Zentrum der Welt. Und auch wenn gleichzeitig die ganzen Ost- und Westschwimmbäder vor sich hinverfielen: Ein neues beeindruckendes Bad, das beste Europas, wenn nicht gar der Welt, musste gebaut werden. Dieses Schwimmbad sollte zeigen, was Deutschland und Berlin können.

Berlin bekam die Olympischen Spiele bekannterweise nicht. Immerhin, das Schwimmbad wurde Ende der 1990er fertig gebaut. Es dient heute vor allem als Bad für nationale und internationale Schwimmwettkämpfe - aller größeren Schwimmveranstaltungen Berlins finden mittlerweile in diesem Bad statt. Im Eingangsbereich weisen vielerlei Infotafeln darauf hin, wie groß und modern das alles ist. Wie das ganze Bad auch sind diese Infotafeln allerdings ebenfalls Mitte der 1990er stehen geblieben. Sie verlieren jeden Tag an eigentlichem Wert, gewinnen jeden Tag an musealem Wert,

Ebenfalls im Eingangsbereich weisen riesige Aufschriften darauf hin, welche Weltrekorde in diesem Bad geschwommen wurden und welche Springer und Schwimmer aus dem hier ansässigen Leistungszentrum Medaillen bei Meisterschaften gewonnen haben. Da wir aber weiterhin in Berlin sind, hören die Aufzeichnungen über Rekorde und Medaillen abrupt 2009 auf.



Danach hatte dann wohl niemand mehr Lust, die Zeiten zu ergänzen. Der zuständige Angestellte war in Pension gegangen und niemand weiß mehr wie es geht. Oder das Geld war alle. Oder der Vorrat an entsprechenden Buchstaben war aufgebraucht. Oder die Berliner haben seit 2009 nichts mehr gewonnen und in diesem Bad ist auch nicht spannendes mehr passiert.

Dienstag, 21. November 2017

Parken Jerusalem möglich?

Parken in Jerusalem ist möglich. Autofahren in Jerusalem ist möglich. Beides ist nicht einmal wirklich schwer. Von den zahlreichen Israel-Mythen, mit denen wir vor unserer Reise konfrontiert waren, erwies sich Mythos von der Unmöglichkeit des Autofahrens in Jerusalem als einer der hartnäckigsten – und falschesten. Mit etwas Planung lässt es sich in dieser Stadt problemlos Parken und Fahren.

Bei allen unseren Erkundigungen, die wir vorher einholten, erfuhren wir dasselbe: "Gebt den Mietwagen bloß ab!", "Seid nicht wahnsinnig und fahrt mit dem Auto in die Stadt.", "Niemand parkt freiwillig in Jerusalem" und ähnliches. Einzig unser Hotel sah das etwas anders, aber dazu später. Generell waren sich alle einig, dass es weder sinnvoll noch möglich ist, mit dem Auto nach Jerusalem zu fahren. Da die Alternativen allerdings waren, entweder einen knappen Tag durch komplexes Mietwagen hin- und hertauschen zu verlieren oder aber saftige Aufschläge zu bezahlen, weil wir das Auto an anderen Orten zurückgeben als abholen, probierten wir es einfach aus.

Autofahren


Neben dem Mythos „In Jerusalem kann man gar nicht parken“, hielt sich ein anderer Mythos auch hartnäckig „Fahren in Israel ist total chaotisch.“ Ich verstehe, wie Deutsche zu dieser Auffassung kommen: Autofahren in Israel ist anders als Autofahren in Deutschland.

Madame beschrieb es schöner als ich „Nicht aggressiv. Aber manchmal überraschend.“ Ich würde sagen: „Gefahren wird dort, wo Platz ist“. Nicht unbedingt derjenige fährt, der Vorfahrt hat, sondern derjenige, der zuerst in der Lücke ist. Die Lücken, in die man stößt, sind kleiner, die Fahrmanöver auf den ersten Blick waghalsiger. Das ist gewöhnungsbedürftig. Aber – und hier folgt ein großes Aber – nach einiger Zeit mir persönlich sympathischer.

Unser Isra-Mobil. Hier nicht in Jerusalem.

Denn der israelische Fahrstil ist nicht aggressiv. Wer zuerst fährt, der wird fahren gelassen. Die anderen bremsen, weichen aus, machen Platz. In Situationen, in denen ich in Deutschland nie fahren würde – weil ich Angst hätte, dass mir ein Anderer einfach aus Prinzip in die Tür fährt – fuhr ich in Israel vollkommen problemlos. Weniger fahren nach sturer Vorgabe und mehr fahren mit Mitdenken. Fahren mit aufeinander achten. Insgesamt schien mir das flüssiger. Vor allem wirkte es weniger aggressiv als in Deutschland.

Freitag, 17. November 2017

Schwimmbad Berlin: Siemensstadt, Schwimmbad

Siemensstadt hat ein Schwimmbad? Selbst hartgesottene Berliner Schwimmer vergessen dieses Bad gerne; gelegen in einem Stadtteil, den außer Siemenstädtern niemand betritt. Fragt einen Berliner, der Euch Siemensstadt auf einem Stadtplan zeigen möchte und er wird ähnliche Probleme haben wie ein Deutscher, der South Dakota auf einer USA-Karte suchte.

Siemensstadt ist mehr richtig Berlin, aber auch noch nicht richtig Spandau. Das Bad liegt in der Großstadtregion zwischen Stadtautobahn, Heizkraftwerk, Gewerbegebieten und Flughafen. Selbst der Bäderfan, auf der Suche nach einem geöffneten Bad, findet hier nur schwerlich hin. Das Siemensstädter Bad gehört nicht zur Einflussphäre der Berliner Bäder: das Schwimmbad in Siemensstadt ist weder über die BBB-Website noch über andere Infokanäle, die von diesen betrieben werden, auffindbar.





Dazu: ein Gebäude, das nicht weiß, was es will. Ein achtziger-Jahre-Bau, der dem damaligen Trend zur postmodernen Unübersichtlichkeit folgt. Verspielt, unübersichtlich, mit Palmen und Galerien, schon das Spaßbad vorwegnehmend: aber dann doch nur ein 25-Meter-Becken mit 5 Bahnen.

Freitag, 10. November 2017

Schwimmbad Berlin: Marzahn, Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz "Helmut Behrendt"

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: die Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz "Helmut Behrendt"

Ein weiter Platz. Der Wind pfeift. Allüberall Hochhäuser, dazwischen breite Schneisen in denen der Wind über den Beton pfeift. Die „Springpfuhl-Galerie“ mit einem Norma und einem Billigjuwelier. Vor dem Gesundheitszentrum steht ein Automat für Spritzenkanülen. Drumherum weitere Geschäfte des preiswerten Bedarfs. Einzig das „Kino Sojus“ vermag etwas Flair zu bringen – wenn auch nur Ruinenchic. Das Kino erweckt den Anschein, als wäre es seit Jahrzehnten verlassen. Marzahn gibt sich am Helene-Weigel-Platz jede Mühe, allen Marzahn-Klischees zu entsprechen.



Ein großes Schwimmbad? Wo soll das sein? Weder vom Parkplatz noch von der S-Bahn-Station aus, ist es zu sehen. Für Ortsunkundige ist ein leichter Irrgang über die marzahnsche Platzsteppe fast unausweichlich. Versteckt hinter dem ehemaligen Rathaus und dem Gesundheitszentrum. Und dann ist es da.



Dieses leichte, fast fliegende Schwimmbad mit 50-Meter-Bahn, einer ästhetischen Doppelpultdachkonstruktion, Empore, Luft und Licht, Wasser und Bewegung. Ein wirklich schönes Bad. An diesem Ort. Licht in der Dunkelheit, Wärme im garstigen sibirischen Nullgradwind. Hinter dem Kino dann auch noch der Springpfuhl selbst. Ein ansprechender Teich mit schönem Uferbewuchs und einem Park drumherum. Ach, Marzahn. Hier wirst Du richtig schön. Warum versteckst du das so?