Montag, 16. Oktober 2017

10 Regeln für den eigenen Wikipedia-Artikel

Wikipedia ist nicht nur eine Enzyklopädie mit dem Anspruch auf Ewigkeit, sondern auch ein Nachschlagewerk für Ephemeres und zeitgemäß Aktuelles. In der Wikipedia stehen nicht nur Artikel über Themen von Bach und Barock bis zu Bismarck oder zur Binomialverteilung. Im Bastelbrockhaus stehen auch Einträge über lebende Künstler, Sänger, Sportler, Unternehmen, Vereine und Stiftungen.

Nun können diese Künstler, Sänger und andere diese Einträge auch lesen und sind – mal zu Recht mal zu Unrecht – nicht glücklich mit diesen Artikeln. Mal sind die Artikel eigenwillig gewichtet, mal lassen sie das Wesentliche aus, mal sind Daten veraltet und ab und an enthalten die Artikel auch echte inhaltliche Fehler.

Artikel über sich selbst oder seine Organisation zu ändern, ist nicht einfach. Manchmal ist es aber für Wikipedia und die Betroffenen hilfreich. Deshalb hier einige Regeln zum Umgang mit dem eigenen Wikipedia-Artikel.

Maze 01
Auf den ersten Blick wirkt Wikipedia unübersichtlich. Bild: Maze01. Von Nevit Dilmen Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(0) Vorweg: Wikipedia-Artikel sind böse

Die Grundregeln für den Umgang mit der eigenen Person oder Organisation in Wikipedia ist einfach: existiert noch kein Artikel, so ist das gut. Wikipedianer schätzen es gar nicht, wenn Betroffene über sich selbst Artikel anlegen. Die geschriebenen Regeln verbieten die Artikelanlage in eigener Sache nicht explizit. Die - wichtigeren - ungeschriebenen Regeln sprechen sich stark dagegen aus. Umso kritischer werden Wikipedianer die neuen Artikel begutachten, nach Schwächen und Fehlern suchen. Umso schlimmer wird das Spießrutenlaufen für denjenigen, der diesen Artikel anlegt.

Selbst wenn der Artikel durchrutscht, zumindest am Anfang keine Kritik erfährt: Viele der Ersteller und Objekte von Artikeln rechnen nicht damit, was für eine eindrückliche Erfahrung es sein kann, die Kontrolle aus der Hand zu geben, einer anonymen Gruppe von Menschen eine große Bühne zu geben, das eigene Leben oder die eigene Organisation darzustellen. Eine eigene Website oder ein Facebookauftritt kann dasselbe wie ein Wikipedia-Artikel. Aber man behält die Kontrolle.

Wenn eine Person oder Organisation keinen Wikipedia-Artikel hat, dann sollte sie eine Flasche Sekt öffnen, dankbar sein und sich auf andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit verlegen. In vielen Fällen allerdings existiert der Artikel schon, oftmals nicht zur Zufriedenheit der betroffenen Person. Manchmal muss die Person oder Organisation halt damit leben, dass die eigene Existenz nicht nur Feiernswertes enthält. Manchmal hat sie aber auch legitime Gründe zur Kritik: Veraltetes, Unvollständiges, Fehlerhaftes oder eigentümlich Gewichtetes findet sich in vielen Wikipedia-Artikel. Es gibt die Möglichkeit, etwas daran zu ändern.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Schwimmbäder nah und fern: Finckensteinallee, Lichterfelde

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten.  Heute: Die Schwimmhalle Finckensteinallee.

Berlins großartigstes Bad. Berlins schlimmstes Bad. In mir sträubt sich ja alles, ein Gebäude, das so Nazi ist wie ein Gebäude nur sein kann, großartig zu finden.

Aber: in der Schwimmhalle stimmt hier alles: das Licht, das Becken, der wunderschöne Umbau, die Bahnen, die Duschen, die Umkleiden.



Und, ich halte es für eine gerechte Lektion der Geschichte, dass eine ehemalige Mörder-Trainingsanstalt heute ein öffentliches Volksbad ist, das offensiv barrierefrei ist und u.a. vom Berliner Behindertensportverband für Wettkämpfe genutzt wird.





Zuerst zurück zum Anfang. Die Nazis mochten anscheinend keine öffentlichen Bäder. In ihrer Zeit entstanden in Berlin drei Hallen. Diese waren alle für geschlossene Nutzergruppen konzipiert und eben nicht öffentlich. Während die 1920er der Berliner Öffentlichkeit Schwimmtempel wie das Stadtbad Lichtenberg, Stadtbad Mitte oder das Stadtbad Schöneberg brachten, entstand in der Nazizeit kein einziges Bad für die Öffentlichkeit neu.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Hornissenschwebfliege ungefährlich

Tapp. Tapp. Tapp. Eine Hornisse lugt über den Rand der Treppe. Kommt langsam näher. Sie schaut. Aber eine komische Hornisse. Eine breite Hornisse mit seltsamem Gang. Eine unheimliche Hornisse?




Langsam dachte ich, ich gewöhne mich an den Garten und seine Lage in der Brandenburger Trockensteppe. Ich legte meine persönlichen Vorstellungen von Farn, Bambus, Schilf etc. ad acta. Denn meine Vorstellungen wie Landschaft und damit auch kleinräumig gestaltete Landschaft – aka Garten – aussehen sollte, entstanden in der norddeutschen Tiefebene, teilweise nahe der Nordsee im Land von Regen und Nebel, bei Höchsttemperaturen von 22 Grad  und dem ein- oder anderen Entwässerungsgraben direkt an der Straße.

Aber dort bin ich nicht mehr: Hier ist Brandenburg! Mehrere Jahre knallende Sonne, wenig Regen, mitteldurchlässiger Boden. Lavendel statt Farn, Wilde Möhren statt Schilf, Sanddorn statt Hundsrosen.

Hummeln im Lavendel, Erdwespen in den Lehmhügeln, Zuzügler aus dem Süden wie die Große Holzbiene im Garten. Meine wagemutigeren Überlegungen gingen mittlerweile eher in Richtung Pomeranze als in Richtung Farn. So langsam hatte ich mich an die leicht mediterrane Anmutung gewöhnt, Grabwespen, Sandwespen, Grashüpfer, Eidechsen und Zikaden in mein Herz geschlossen. Semitrockensteppe hat etwas für sich.

Und dann 2017: Dauerregen. Starkregen. Dauerregen. Dauernder Starkregen und starker Dauerregen.

Donnerstag, 28. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Kalksee, Woltersdorf, Brandenburg

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben.  Aber es gibt nicht nur gebaute Schwimmbäder. Auch Seen, Flüsse und Meere bieten sich zum Schwimmen an. Glücklicherweise gibt es wieder genug Gewässer, die sauber genug zum Schwimmen sind, oft sogar über ausgewiesene Badestellen verfügen. Seen mit unterschiedlich warmem und kaltem Wasser, Wellenschlag, Vögeln, direkt an der offenen Natur, in den Elementen auch diese lohnt es zu Beschwimmen. Heute: der Kalksee in Woltersdorf, Landkreis Oder-Spree, im Südosten von Berlin.

Woltersdorf: einst Durchgangsstation für Kalksteine, dann Berliner Villengegend, dann Blockbuster-Filmkulisse, dann DDR-Kleinstadt.  Heute eine Mischung aus Brandenburger Handwerk, einer großen freikirchlichen Szene (die auch das Krankenhaus und ein großes Seminarzentrum betreibt) und wieder Berliner Ausflugsziel.




Von Interesse für den Ausflügler ist die Eignung als Ausflugsziel. Maßgeblich tragen zu diesem Punkt die „Schleuse Woltersdorf“ bei, sowie drei Seen: der Bauersee, der Flakensee und der Kalksee.

Der Bauersee scheint ein See seiner selbst, ohne größeren Zufluss und Abfluss und rundherum von Privatgrundstücken umgeben. Flakensee und Kalksee sind durch die Schleuse Woltersdorf verbunden und im weiteren Verlauf auch an Spree, Dahme und die ganzen Berliner Gewässer angeschlossen.  Die Seen sind ein beliebter Ort für Bootsfahrer und Wassersportler, beide Seen haben Badestellen.

Typische Hausnummergestaltung in Woltersdorf


Dabei ist der näher an der Spree gelegene  Flakensee  bei den Bootsfahrern beliebter, ist er doch übers Wasser ohne Schleusendurchfahrt erreichbar. Dort liegen diverse Lokale, eine Strandpromenade zum Wandeln und lange öffentliche Wege am Wasser. Die nächstgelegene Möglichkeit zum Baden im Flakensee – wenn auch keine offizielle Badestelle – ist nur wenige Minuten von der Schleuse entfernt. Die etwas weiter entfernte offizielle Badestelle hat einen Kiosk, liegt neben einem Campingplatz und ist vergleichsweise gut erschlossen.Der Kalksee liegt dort verborgener.

Freitag, 22. September 2017

Kleinstadt-Antifa, 1994

Lebensverändernde Momente suchen sich unerwartete Orte. Zum Beispiel wird man Antifaschist nahe des Mississippi-Rivers, nicht unweit von Elvis Presleys Anwesen „Graceland“; bei 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, während man eingeklemmt in eine Stuhl-Tisch-Kombination noch kurz vorher einen Werbespot für Mountain Dew gesehen hat.

Hückeswagen - Islandstraße 48 ies
Bild: Hückeswagen - Islandstraße 48 ies 
Von: Frank Vincentz 
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Dienstag, 19. September 2017

Schwimmbäder nah und fern: Freibad Wesselburen

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmbäder sind ein Ort für alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Zu Besuch im Freibad Wesselburen.

Dies ist ein besonderes Bad. Ist dieses doch das einzige Bad, für das ich je eine Jahreskarte besaß (ich glaube damals kostete sie 60 Euro) und das auch mein ehemaliges lokalpolitisches Engagement über viele Jahre begleitete.



Wesselburen ist eine Kleinstadt mit einer schwierigen Finanzlage. Das Freibad kostet. Über viele Jahre hinweg drehte sich die örtliche Finanzdiskussion immer wieder darum, ob die Stadt sich dieses Bad überhaupt noch leisten könne. Zum Glück: Wesselburen konnte. Ich bin zwar aus der Lokalpolitik in Wesselburen raus, aber anscheinend scheint der Kelch der baldigen Schließung auch vorerst am Bad vorübergegangen zu sein.

Denn dieses Bad ist schön; schon fast ein Klischee. Ein Bad in einer Kleinstadt (etwa 3.000 Einwohner) an der Nordsee. Nah liegen Ferienziele wie Büsum oder St. Peter-Ording mit entsprechenden Bädern für Touristen. Aber Wesselburen liegt die entscheidenden drei Kilometer zu weit weg vom Meer.

Eher verirren sich Touristen aus Büsum mal bei einem Tagesausflug in das Kleinstädtchen, als dass sie dauerhaft hier bleiben. Da helfen auch Kohlosseum (Kohl + Museum) samt „Krautwerkstatt“, ein pittoresker Marktplatz mit eindrücklicher Kirche und die „Wesselburener Sommerabende“ nicht wirklich weiter. Der Ort ist schnucklig und schön, hat sich seitdem ich nicht mehr da bin, auch deutlich gemacht, aber ein Tourismuszentrum ist Wesselburen nicht.


Bad von oben, Foto: Freibad Wesselburen

Was die Wesselburener Vermieter unglücklich macht, bringt dem Freibadnutzer Glück: hier ist noch Platz für ein echtes kommunales Freibad wie es im Buche steht. Das Bad liegt ein wenig außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets am Rande der Felder. Daneben in Richtung Stadt die Schule, auf der anderen Seite des Bades liegt ein Indoorspielplatz, der in seinem vorherigen Leben eine Tennishalle war. Knapp daneben liegen eine große Halle, um Wohnwagen überwintern zu lassen, ein Campingplatz und ein ehemaliges Restaurant.

Montag, 11. September 2017

Stories and Places: Bloggeschichten von nah und fern.

Der Gast, der zu spät zu einer Party kommt, kann ein Held sein. Erst fiel sein Fehlen gar nicht auf, dann erstes Getuschel, ob er denn tatsächlich eingeladen wurde. Ja, die Einladung ging raus. Seine Abwesenheit entwickelt sich vom Nebengespräch zum Haupttopos der Diskussion: wo ist er hin? Hat er was anderes zu tun? Passierte ihm etwas?

Anwesende Partygäste erinnern an andere glorreiche Partyzeiten mit ihm. Und dann plötzlich: ein Klingeln, undeutliche Stimmen durch die Gegensprechanlage. Sollte er? Tatsächlich! Endlich da! Großes Bohei! Überwunden alle Unbilden des Weges! Jetzt kann die Party starten.

Stories and Places. Die Weltkarte.


Allerdings sollte der Gast sich grob an der angekündigten Zeit orientieren und auch eingeladen sein. Eins, zwei Stunden reicht zum Heldentum. Später, wenn die Party schon abflaut, dann wird er bestenfalls angepflaumt. Sollte der Gast gar erst am nächsten Tag kommen, steht er inmitten der Reste - mit Glück darf der zu späte Gast noch mit Abwaschen.

So ähnlich geht es mir gerade. Nur dass ich nie eingeladen wurde. Und ich kam nicht einen Tag zu spät zu Stories and Places, sondern vier Jahre.