Blaue Flecke allüberall. An den Händen, den Unterarmen und
erst recht an den Oberarmen. Erst an der Schulter wird es besser. Dort ist das
Shoulder Pad. 32 Grad Anfang Oktober, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ich stehe
auf einer Rasenfläche in South Haven, Mississippi, Südstaaten, USA. Schwer atmend, blaue Flecken
zählend und auf der Suche nach dem Gatorade. Der Zustand nach zwei von vier
Stunden des täglichen Trainings.
Lange Jahre hatte es gebraucht, bis ich meine
Football-Begeisterung ausleben konnte. Bereits zehn Jahre vorher als Junge in
der Grundschule hatte ich nachts vor den Fernseher geschlichen, um beim
Superbowl die Niederlage der Cincinatti Bengals gegen die San Francisco 49ers
mit Joe Montana zu erleben. Zu meinem großen Leidwesen gewann das falsche Team. Denn – ich war jung – Cincinattis
Helme im Tigerstreifendesign waren ja wohl das coolste, was es an Sportkleidung
gab. Seitdem verfolgte ich den Football. Aber erst Mississippi, die große
verschwitzte Umkleidekabine, das Feld, das Laufen-laufen-laufen und noch
mehr-laufen, ließ aus dem Interesse eine Obsession werden.
