Dienstag, 26. Juli 2016

Schwimmbäder nah und fern: Spaggia, Lagna, Piemont

Schwimmbäder sind schön. Eine deutsche Errungenschaft besteht darin, das Land flächendeckend mit Schwimmbädern überzogen zu haben. Schwimmnbäder sind ein Ort für Alle, ein Ort für Bewegung, Spiel und Überraschungen. Schwimmbäder geben einen guten Einblick, wie Menschen sinnvoll ihre Freizeit verbringen. Als Liebhaber von Schwimmbädern werde ich dieses Blog nutzen, um einen Überblick über große und kleine Schwimmbäder zu geben: Becken, Menschen, Duschen, Kaffee und sonstige Annehmlichkeiten. Derzeit ist die Reihe im Ferienmodus und schwimmt sich am Lago d'Orta entlang. Nach dem 
* Strand des Croce Bianca in Omegna
* und dem offiziellen Badestrand Omegna
geht es jetzt einmal um den See an dessen Südspitze. Lagna ist ein bezauberndes kleines Örtchen im Süden des Sees und hat natürlich auch eine Spaggia.

Lagna ist definitiv kein Ort, der sich auf den Tourismus spezielisiert hat. Allein zum Strand zu gelangen, war gar nicht so einfach.






Wir sind auf dem Schiff der Navigazione di Orta und versuchen eine Fahrkarte nach Lagna zu lösen.

- „Da gibt es nichts“, weiß der Schiffer.
- Nachfrage: Aber sie fahren schon dorthin mit dem Schiff? 
- Ja, aber da ist nichts.
- Können wir eine Fahrkarte haben?
- Da wollen sie nicht hin.
- Aber es gibt einen netten Strand.
- Das stimmt. Der in Pettenasco ist aber schöner.



Unser kleines Büchlein über den Ortasee hatte uns vom Langnanesischen Strand erzählt. Der sei sehr schön, aber vollkommen unbekannt. Was angesichts der Anreise kein Wunder ist. Hat man das Boot überzeugt, einen tatsächlich nach Lagna zu bringen, muss man noch ein Labyrinth kleiner Gässchen mit vielen „Privateigentum“-Schildern und keinerlei sonstigen Wegweisung überstehen, einige Berge auf- und ablaufen und zwischendurch mehrere Stellen überwinden an denen es so aussieht als ginge es nicht weiter. Schließlich kommt versteckt in einem Wäldchen der Strand.

Alternative Anfahrt mit dem Auto: man halte im Nichts am Parkplatz einer Fabrik. Beziehungsweise vorsichtshalber halte man neben dem Parkplatz einer Fabrik. Der Fabrikparkplatz hat ein Tor und wir wussten nicht, wann dieses Tor geschlossen wird. Dann finde man das kniehoch angebrachte handgeschriebene Schild „Fußweg zum See“, schlage sich durch den Wald, umgehe den Fischteich und dann ab ins bekannte Gassenlabyrinth mit den „Privateigentum“s-Schildern.

Lagna ist tatsächlich ein sehr schöner Ort und aufgrund der schwierigen Anreise nahezu autofrei, aber nicht für Touristen gemacht. Die Menschen in ihren Häusern mit den parkähnlichen Garten an Seegrundstücken haben offenbar keinerlei Tourismus nötig, sondern genießen einfach so See, Hortensien, Palmen, Zitronenbäume, Ufer und eventuell noch einen klaren Bergbach der durch das Grundstück läuft. Ich würde nicht sagen, es ist abweisend, aber dass sich die Lagnesi Mühe geben, um Touristen anzulocken, kann man auch nicht sagen.

Gelände


Der Strand selber wirkt so bilderbuchesk wie ihn unser Büchlein beschreibt. Ein Stück Wald am See, etwa 200/300 Meter lang, Wiese beziehungsweise direkt Kies, den man Barfuß noch belaufen kann, eine Badeplattform und eine Bar. Das Gelände ist so abschüssig, dass man von überall einen guten Blick auf den See hat, aber nicht so abschüssig, dass man beim Liegen mit Rutschen anfänge.



Entweder liegen die Badenden unter im Schatten Bäumen oder direkt am Strand oder auf der Badeplattform unter der italienischen Sonne. Dazu eine spektakuläre Aussicht, die selbst für Lago d’Orta-Verhältnisse noch spektakulär ist. An sich muss man gar nicht baden, sondern kann mit offenem Mund da sitzen und die Aussicht bestaunen.


Duschen/Kabinen/Föne


Ich glaube ich habe irgendwo so eine Stranddusche gesehen.

Baden


Über den Ortasee an sich habe ich ja an anderer Stelle schon etwas geschrieben. Klares, klares Wasser, Ende Juni/Anfang Juli eine sehr angenehme Badetemperatur und mit der Möglichkeit das örtliche Fischleben zu bewundern. 



Hier weist der See ein steiles Ufer auf: die angesprochene Badeplattform ist etwa fünf Meter lang. Während man am landseitigen Ende erst hüfthoch im Wasser steht, haben die Jugendlichen am see-seitigen Ende spektakuläre Sprünge aller Art ins Wasser gemacht. Am hinteren Ende der Plattform müssen nach unten schon mehrere Meter Platz sein.

Publikum


Obwohl sich Langna große Mühe gibt, den Strand zu verstecken, war er voll. Beziehungsweise nachmittags bei 28 Grad war er voll, mittags bei 22 Grad hersrchte eher gähnende Leere. Vor allem Jugendliche schwammen und sprangen, aber auch sonst Menschen aller Altersstufen.

Die Jugend-Action-Abteilung war auf der Badeplattform und hat gesprungen. Das bedeutete aber auch, dass der Rest des Strandes ruhiger und nicht so hektisch war. Eher entspannt-locker, ein Badesee aus dem Bilderbuch. Ich kann nachvollziehen, dass der Strand beliebt ist. Wäre er noch einfacher auffindbar oder zugänglich, könnte es vermutlich anstrengend voll werden.

Gastronomie


Typische italienische Strandbar mit Kaffee, Eis, Panini und Wein. Wir hatten ein Kaffee-Granita – daran kann ich mich gewöhnen.


Öffnungszeiten/Preise


Der Strandabschnitt ist frei zugänglich. Sprich: es ist umsonst und immer offen.

Sonstiges


Auch sonst lohnt der Ort. Lagna ist ein Ortsteil von San Maurizio d’Opaglio – San Maurizio ist wiederum „Welthauptstadt der Wasserhähne“. Im Ort selber sind immer noch mehrere Dutzend Hersteller von Edel-Armaturen, Fußbodenheizungen etc. ansässig. Soweit sich die Betreiber an Endkunden wenden, wird hier echtes italienisches Luxusdesign produziert. In Lagna scheinen sich gerne die Fabrikbesitzer und höheren Angestellten anzusiedeln. Das ist schon sehr schick in Lagna. 



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