Freitag, 11. Januar 2013

Wg. Autorenschwund

Ich schrieb ja auch mal Autorenschwundposts.. zu Zeiten als in den üblichen Medien alles noch eitel Sonnenschein war und Wikipedai hochgejubelt wurde.

Dann fingen auch die Zeitungen vage an das Thema zu entdecken. Da hatte ich ja eher den Eindruck das schlimmste ist hinter uns, alle sind wieder netter, und schlimmstenfalls sind wir in Stagnation.

Jetzt geht gerade die große Autorenschwundwelle durch die Medien, die sich auf eine jahrealte Studie beziehen. Derweil hat Wikipedia gerade ein Rekordjahr an neuen Artikeln und meines Wissens fast ein Rekordjahr an exzellenten Artikeln und der Kuschelfaktor ist noch nicht beim Kuschelfaktor von 2004. Aber sicher das meiste Kusischmusi in den letzten Jahren. Es geht wieder aufwärts. Weniger hypig und weniger anstregend als 2007, weniger experimentell und inhaltlich oft langweiliger; auch mit einer homogeneren Community mittelalter Männer mit Unierfahrung. Aber es geht aufwärts. Nachhaltiger denn ever.

Kommentare:

Pavel hat gesagt…

Beim Thema Autorenschwund geht es aber auch nur sekundär um die Anzahl der neuen Artikel, oder der exzellenten. Es geht zum einen darum, dass Wikipedia zwar Jahr um Jahr mehr Leser hat, es aber offensichtlich nicht gelingt, daraus auch ein "Mehr" an Autoren zu machen - warum ist das so?

Und zweitens geht es darum, dass man auch heute schon an morgen denken sollte - wer kümmert sich denn in Zukunft um den Artikelbestand, wer schreibt die neuen Artikel, etc.? Da es immer eine natürliche Fluktuation geben wird, ist das Ausbleiben von neuen Autoren ganz sicher ein Problem - vielleicht nicht heute zu spüren, aber durchaus morgen oder übermorgen.

Und drittens geht’s natürlich um Diversität und den Fakt, dass wir mittelalte Männer mit Unibezug die Welt halt auf eine ganz bestimmte Art und Weise sehen und entsprechend auch unsere Enzyklopädien schreiben.

ABER: Womit Du natürlich recht hast, und was in der ganzen "Schwund-"Kommunikation zu kurz kommt ist das Feiern des Bestehenden, der Dank an die, die dabei sind, das Lobpreisen der aktuellen Autoren. Niemand darf den Eindruck haben, nicht wichtig zu sein, nur weil er ein mittelalter Mann mit Unibezug ist.

Marcus Cyron hat gesagt…

Dirk, volle Zustimmung. Habe eben in einer längeren Mail als Antwort auf das Maha-Interview beim Deutschlandrad in Langform das geschrieben.

Anonym hat gesagt…

@pavel. was dirk glaube ich sagen möchte, ist, dass es sich in wikipedia momentan schon so anfühlt als hätten wir die talsohle des autorenschwundes durchschritten, auch wenn sich das noch nicht signifikant in den statistiken niederschlägt. mal sehen, ob die zahlen dieses gefühl irgendwann bestätigen.

mein persönlicher eindruck ist übrigens auch, dass der männerüberhang schwindet. nicht sehr, aber stetig.


poupou

smial hat gesagt…

Neunzehn Interessenten schon. Danke an Dirk für die Initiative.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Musketiere

WP kann sich nur "von unten" erneuern.

dirkfranke hat gesagt…

Pavel,

ich denke poux hat mich verstanden obwohl ich mich missverständlich ausdrückte. du hast natürlich recht: für das langfristige überleben der wikipedia ist die community entscheidend und nicht der artikelbestand 2012.

ABER: die zahl und qualität der artikel ist natürlich ein starkes indiz für den zustand der community, deren motivation und fähigkeit soch zu konzentrieren.

allein, dass eine initiative wie die Wikipedia:Musketiere nur positive Resonanz hat und ziemlich problemlos stattfinden wird, ist doch mehr als nur ein gutes Zeichen,

wenn die community mit infighting beschäftigt ist, kommt sie nicht/hat keine lust zum artikelschreiben. wenn es ihr gut geht, kommt sie dazu.

wenn wikipedia spaß macht, sehe ich auch langfristig wenig probleme mit nachwuchs. genug leute, die wp mal ausprobieren, gibt es ja immer. die frage ist ja, ob sie bleiben.